ohne die beim Truppenteil in Revierbehandlung befindlichen Leichtkranken, die beunruhigende Ziffer 40000.
In Metz nahm allmählich der Mangel an Lebensmitteln eine bedrohliche Höhe an. Mehrere Versuche, die Ein- schließungSarmee zu durchbrechen, wurden zurückgewiesen. AIS dann am 20. Oktober die Lieferungen aus den Festung»- beständen aushörten, trat die bitterste Not ein, wozu noch kam, daß der lehmige, ties ausgeweichte Boden den Aufenthalt in den Lagern fast zur Unmöglichkeit machte. Die im Saufe der letzten vierzehn Tage angeknüpften Verhandlungen wegen der Uebergabe der Festung waren ergebnislos verlaufen, da Bazaine freien Abzug forderte. Aber die deutschen Unter- Händler beharrten aus KriegSgesangenjchast der Armee, und unter dieser Bedingung wurde endlich am 27. Oktober abends die Kapitulation unterzeichnet. Am Morgen der 29. Oktober wehten aus den Außenwerken der bezwungenen Feste die preußischen Fahnen, und um 1 Uhr mittag» rückten die sranzösischen Truppen in lautloser Stille und guter Haltung aus sechs Straßen auS den Toren. An jeder 'Straße stand ein preußischer Armeekorps zur Empsangnahme der Gefangenen, die in vorbereitete und mit Lebcnsmitteln versehene BiwakS abgesührt wurden. 6000 Offiziere und 187 000 Mann gerieten in Gefangenschaft; außerdem fielen den deutschen Siegern, denen die 72tägige Einschließung 240 Offiziere und 5500 Mann an Toten und Verwundeten gekost« hatte, als Kriegsbeute in die Hände: 56 kaiserliche Adler, 622 Feld- und 876 FestungSgeschütze, 72 Mitrailleusen und 260 000 Gewehre.
Ein ungeheures Ereignis war mit der Bezwingung dieser zweiten, aus den besten Truppen deS ehemaligen Kaiserreichs zusammengesetzten Armee Frankreichs geschehen. Die Freude, welche diese mit Blitzesschnelle durch alle deutschen Gaue getragene Botschaft im ganzen Vaterlande Hervorries, stellte sich würdig dem Jubel zur Seite, welcher die Kunde von den Ereignissen bei Sedan begleitet hatte. Die hohe Befriedigung, welche der oberste Kriegsherrn nach diesem neuen Erfolge der preußischen Waffen empfand, gelangt in beredten Worten durch den Armeebefehl zum Ausdruck, der am 28. Oktober an die Soldaten der verbündeten deutschen Armeen von ihm gerichtet wurde: „AlS wir vor drei Monaten ins Feld rückten gegen einen Feind, der uns zum Kampfe herauSgesordert hatte, sprach ich Euch die Zuversicht auS, daß Gott mit unserer gerechten Sache sein würde. Diese Zuversicht hat sich erfüllt. Seit dem Tage von Weißenburg, wo Ihr zum erstenmal dem Feinde entgegen tratet, bis heute, wo ich die Meldung der Kapitulation von Metz erhalte, find zahlreiche Namen von Schlachten und Gesechten in die Kriegsgeschichte unvergänglich eingetragen worden . . . Wir dürfen mit dem stolzen Bewußtsein auf diese Zeit zurückblicken, daß noch nie ein ruhmreicherer Krieg geführt worden ist, und ich spreche eS gern aus, daß Ihr Eures Ruhmes würdig seid. Ihr habt alle Tugenden bewähtt, die den Soldaten besonders zieren I Den höchsten Mut im Gefecht, Gehorsam, Ausdauer, Selbstverleugnung bei Krankheit und Entbehrung. — Mit der Kapitulation von Metz ist nunmehr die letzte der feindlichen Armeen, welche unS beim Beginn des Feldzuges entgegentraten, vernichtet worden. Diesen Augenblick benutze ich, um auch allen und jedem einzelnen, vom General bis zum Soldaten, meinen Dank und meine Anerkennung auSzusprechen . . Ein schönerer Lohn als dieses Lob auS königlichem Munde konnte den tapferen Kämpfern von Sedan und Metz wohl nicht beschieden sein.
Hur In- und Ausland
Berlin, den 25. Oktober.
Ee. Majestät der Kaiser nahm gestern nachmittag im Reichskanzlerpalais den Bortrag des Reichskanzlers entgegen. Am Abend wohnte Allerhöchstderselbe mit der Prinzeffin Viktoria Luise dem Gastspiel Carusos in der Vorstellung Aida im Neuen Königlichen Operntheater in Berlin bei. Kurz vor dem letzten Akt verließen 8e. Majestät und die Prinzeffin das Haus und begaben Sich nach dem Potsdamer Bahnhof, um von da die Reise nach Brüffel anzutreten. Ihre Majestät die Kaisenn stieg aus der Fürstenstation Wildpark ein, von wo die Reise um 10 Uhr 47 Min. fortgesetzt wurde.
Die Landwittschaftskammer für die Provinz Pommern hat zum erstenmal im Winterhalbjahr 1909/10 landwirt- sch östliche BortragSkurse für Soldaten ein» geführt, zu denen die Beamten der Landwittschaftskammer sowie auch praktische Landwirte herangezogen wurden. Ihre Lehrtätigkeit hat sich anscheinend recht fruchtbar gestaltet, und es ist bemetfemittiert im Gegensatz zu vielen andern Pro- vinzen, daß in allen Garnisonen Bortragskurse abgehalten wurden. An diesen haben sich im ganzen 49 Unteroffiziere und 710 Mann beteiligt. Am bedeutendsten war der Zuspruch zu den Bortragskursen in den Garnisonen Swinemünde und Kolberg. Für die Vortragsabende hatte man die besondere Einrichtung getroffen, daß zunächst ein Vottrag gehalten wurde, der höchstens eine halbe Stunde dauerte, und daß sich hieran eine Besprechung knüpfte. 8» besonders empfehlen»- wert §aben sich die Ausflüge zur Besichtigung von Gütern usw. Angeführt. Namentlich die prattische Vorführung von Motetten, die theoretisch in den Vorttägen behandelt wurden, war nutzbringend.
Wir schon vor einiger Zeit gemeldet, hatte der deutsche Panzerkreuzer „von der Tann" bei feinen Probesahrten die beträchtliche Geschwindigkeit von 27.4 Seemeilen erzielt. Diese Zahl war errechnet als Mittel aus sechs Fahrten durch die 6 Seemeilen lange, abgesteckte Mttle bei Neukrug, die Waffettiefen betragen dort etwa 65 Meter. Nach den inzwischen an amtlicher Stelle eingegangenen Fahrtabellen und als absolute Höchstgeschwindigkeit bei den Probefahrten sogar 28.124 Seemeilen pro Stunde erreicht worden. Die Maschinen lasteten hierbei 80,000 Wellenpserde. Hiernach barf man annehmen, daß dem Kreuzer in sehr tiefem Wasser (über 100 Meter) bei voller Ausnutzung seiner Maschinen eine Geschwindigkeit von nicht unter 28 Seemeilen zur Verfügung steht. Nach Angabe der Herrn McKenna im englischen Unterhause haben die für einen Vergleich mit „von bet Tann" in Frage kommenden englischen Panzerkreuzer „Jnvincible" 26.65 Seemeilen, „Jndomitable" 26.1 See- meilen und „Inflexible" 26.5 Seemeilen als Höchstgeschwin- digkttt geleistet. Demnach kann man mit Recht sagen, daß „von der Tann" zurzeit die größte Geschwindigkeit und die höchste Maschinenlttstung unter allen Panzerkreuzern und damit auch unter allen Schiffen der Erde b< fitzt.
Bon einem zu erwartenden neuen Handschreiben der Königs Friedrich August von Sachsen an Papst PinS X. ist dir Rede. Wenigsten» gilt ei in bet Umgebung bei sächsischen Monarchen als nicht auSge- schlössen, daß er anläßlich der freien Aeußerung, welche der päpstliche Kammerherr Baron MathieS über ihn wegen seines Protestschreibens an den Papst in Sachen der BorromäuS-
Enzyklika getan hat — Baron MathieS sprach hierbei u. a. von dem König alS einem „Duodezfürsten", der über kaum 15000 Quadratkilometer Kulturland regiere — ein abermaliges Handschreiben an den Papst als Verwahrung gegen jene unerhörte Aeusserung des BaronS MathieS richten werde. ES wird versichert — waS ja ohne weiteres glaublich ist — daß sich König Friedrich August durch die ihm angetane Beschimpfung, noch dazu von einem päpstlichen Würdenträger, ausS tiefste verletzt fühlt, er soll sich denn auch in vertrautem Kreise in sehr scharfen Worten über dieS Auftreten bei Barons MathieS ausgesprochen haben. Zunächst bleibt abzuwarten, wie sich der Vatikan offiziell zu diesem peinlichen Zwischensall stellen wird.
Vor der 1. Strafkammer deS Landgericht» Berlin I begann am Montag der Prozeß gegen den Herausgeber der antisemitischen Wochenschrift „Die Wahrheit" in Berlin, ReichS- tagSabgeordneten Bruhn, der beschuldigt ist, durch verschiedene Artikel seiner Blattes ErpreflungSversuche begangen zu haben. Neben Bruhn sind noch drei Nebenangeklagte vor dem Gerichtshöfe erschienen. Der Prozeß wird zweiselloS mehrere Tage beanspruchen.
Zum Abbruch der f r a n z ö s i s ch - t ü rki s ch e n A n° leiheverhandlungen veröffentlicht die „AgenceHavas" nachsolgende Note: „Der französische Botschafter in Konstan- tinopel erhielt von seiner Regierung den Beschl, der ottoma- nischen Regierung zu erklären, daß die Verhandlungen bezüglich der türkischen Anleihe abgebrochen werden, da der ottomanische Ministerrat daS zwischen dem französischen Finanzminister Cochery und dem türkischen Finanzrat in PariS ge- troffene Uebereinkommen nicht ratifiziert habe." — Die offiziöse Pariser Note soll natürlich den Eindruck erwecken, alS sei daS Scheitern der Anleiheverhandlungen die Schuld der Psorte, während doch offenbar die Schuld aus französischer Seite liegt, an den übertriebenen Forderungen, welche man der Türkei für die Unterbringung ihrer Anleihe auf dem Pariser Markte stellte.
Die angekündigte Uebersiedlung deS Zaren Nikolaus und seiner Familie von Schloß Friedberg nach Jagdschloß WolsSgarten bei Darmstadt ist am Montag ohne irgendwelche Zwischensälle erfolgt. Das hessische GroßherzogSpaar begleitete hierbei feine erlauchten russischen Verwandten. Von Schloß WolsSgarten aus wird dann der russische Herrscher Kaiser Wilhelm den schon so lange in Aussicht gestellten Besuch in Potsdam nächstens abstatten, wie eS neuerdings heißt, am 4. und 5. November.
ES bestätigt sich, daß die Regierungen von Großbritanien, Deutschland, Frankreich und Spanien die portugiesische Republik vorläufig anerkannt haben. Der provisorischen Regierung wurde dieS von den genannten Regierungen mitgeteilt. Die definitive Anerkennung der Republik soll aber erst erfolgen, sobald das neue Regime Die komtituttonelle Bestätigung durch die Nationalversammlung erhalten hat. Diese letzte Mitteilung hat die portugiesische Regierung nicht gerade angenehm berührt. Sie betont, daß die allgemeinen Wahlen für die konstituierende Nationalversammlung erst nach einer gewissen Frist stattfinden können und daß die endgülttge Anerkennung unter diesen Umständen stark verzögert werde.
Der neue Bandenkrieg in Mazedonien dauert fort. Bei Kirtscheno wurde eine bulgarische Bande von türkischem Militär zersprengt; mehrere ihrer Mitglieder wurden erschossen, vier andere fielen verwundet den Türken alS Ge- sangene in die Hände. Ein weiterer Kamps fand bei Debre statt; in ihm gab ei aus türkischer Seite zwei Schwerver- wundete, auf bulgarischer drei Tote und zwei Verwundete.
Zum Ausbau der chilenischen Flotte hat die Regierung beschlossen, die Vorverhandlungen über den Bau zweier DreadnougtS und einiger kleinerer Kriegsschiffe, die am 30. Oktober in Santiago, New-Iork, Paris, London und Berlin beginnen sollten, auf den 30. Dezember zu vertagen. ES scheint also, als ob diesmal auch Bestellungen bei deutschen Wersten gemacht werden sollten.
Japan denkt trotz seiner Geldnöte fortgesetzt an die weitere Vermehrung seiner Flotte, die doch schon jetzt von sehr achtunggebietender Stärke ist. Ministerpräsident Katsura erklärte auf einem Bankett der Kaufleute in Tokio, das ttnzige Neue in dem nächsten Budget werde die Zuwendung von 70 Millionen Aens für die Vermehrung der Flotte sein. Die Summe soll aus sechs Jahre verteilt werden. Der durch die Ueberschwemmungen verursachte Schaden und die Kosten der Annexion Koreas würden daS Budget nicht wesentlich beeinflussen. ES werde möglich sein, dieses aufzuftellen, ohne zu einer Anleihe Zuflucht zu nehmen. Der Minister erklärte, der Plan, SchatzkammerbondS im Betrage von 50 Millionen AenS jährlich einzulösen, sei nicht geändert worden
SdWtrtS Unwetter in Mitalien.
Süditalien ist neuerdings von einer schweren Katastrophe betroffen worden. Die Insel Jschia im Gols von Neapel ist durch eine Ueberschwemmung vernichtet worden. Neapel selbst und Umgebung wurden von einem Wolkenbruch schwer mitgenommen. Noch lassen die vorliegenden Meldungen die Frage offen, ob nicht die Katastrophe im Grunde genommen vulkanischen Ursprunges ist. Auch die Zahl der Opfer ist noch nicht sestgestellt, allein so viel ist schon sestgestellt, daß die Verluste an Menschenleben groß sind. Die schwer betroffene Insel Jschia liegt am nordwestlichen Eingang deS GolsS von Neapel, 10 Kilometer vom Festlande entfernt. Die Insel, die 27 000 Einwohner zählt und sehr fruchtbar ist, ist rein vul- konischen Ursprünge» und besteht ganz aus Tuff und Lava. Sie weist 13 erloschene Vulkane aus. Jschia ist häufig von vulkanischen Ausbrüchen und noch öfter von Erdbeben heimgesucht worden, deren schlimmstes und surchtbarftes sich am 28. Juli 1883 ereignete. Dabei wurden die Städte Casa- micciola und Laco Almeno säst völlig zerstört.
Rom, 24. Okt. Seit 24 Stunden ist der Gols von Neapel vom schwersten Unwetter heimgesucht. Von der Insel Jschia, mit der alle Verbindungen unterbrochen sind, verlautet, was vielleicht übertrieben ist, daß sie durch einen Wirbelsturm und elektrische Entladungen halb zerstört sei. Der Ministerrat versammelte sich heute nachmittag sofort, um die nötigen Maß. regeln für Abhilfe zu beraten. In Neapel nimmt der molken- bruchartige Regenguß noch zu, der bereit« enormen Schaden anrichtet. Heute morgen brannten die Lokale der aristokra. tischen Künstlervereins ab; daS ganz« HauS ist zerstört. In Portici find Häuser eingestürzt, mehrere Personen sind tot und verwundet. Die Verwüstung wird vermehrt durch die Lava- Asche des Vesuvs, die in Gießbächen herabstürzt und die Gaso- meter, die Trambahnen und Eisenbahnen in der ganzen Um- gegend blockiert. Die Felder haben stark gelitten.
Rom, 24. Oktober. Nach neueren Meldungen über bai Unwetter in Süditalien sind in Amalfi und Salerno eine größere Anzahl Personen umgekommen. Die Regie, rung entsandte nach der schwer heimgesuchten Insel Jschia
zwei Dampser und ein Torpedoboot mit Truppen und Hilsz. Mitteln.
Rom, 25. Oktober. Die Zeitungen veranstalten Sonder- Ausgaben über das Unwetter in Süditalien mit den neuesten Nachrichten. Danach wurden die Städte Casamicciola und Jschia auf der Insel Jschia nicht zerstört. Dagegen sollen tatsächlich in Cettara in der Provinz Salerno 200 Personen umgekommen sein. Bisher sind 14 Leichen au» den Trümmern geborgen worden.
Rom, 23. Oktober. DaS Unwetter hat großen Schaden besonders auf den Fluren von Jschia und dem Bezirk Pozzuvij in den Gemeinden Tarano, Forio und Laco ameno angerichtet. In Casamicciola find 12, in Laco ameno 3 Personen umgekommen.
Mailand, 25. Okt. Der Secolo veröffentlicht Extra» blätter, wonach die Wetterkatastrophe in Cettara bei Salerno allein 200 Menschenleben gesordert hat. Nach amtlichen Mel- düngen der Bürgermeister von Casamicciola, Jschia, Forio und Laco ameno hat der Wolkenbruch ungefähr 1000 Menschen bei Obdachs beraubt.
Aus Provinz u. Naebbargebiel
* (Feuerwehrverband s ü r Kur Hessen.) Der geschästssührende Ausschuß des Zentralverbandes der Feuerwehren für den Regierungsbezirk Cassel hielt am gestrigen Dienstag in Cassel eine Sitzung im Saale de» „Casseler HoseS" ab. Die Verhandlungen leitete Herr Kaufmann Boppenhaujen, alS Vertreter der Kurhefsischen Brand-Versicherungsanstalt war Herr Baurat Fitz anwesend. Es wurde eine reichhaltige Tagesordnung erledigt und unter anderem beschlossen, daß die demnächst stattfindende Generalversammlung des Zentralverbandes der Feuerwehren in Cassel abgehalten werden soll. Auch die hierauf bezüglichen Anträge wurden beraten und die ersorderlichen vorbereitenden Angelegenheiten erledigt. Die Tagesordnung wird eine ziemlich umfangreiche sein.
* (Landwirtschaft und Automobil.) Das Königl. Preuß. LandeS-Oekonomiekollegium hatte den einzelnen LandwirtschastSkammern der Monarchie eine BundeSratsver- fügung vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zur Begutachtung zugesandt. Die Casseler Land- wirtschastSkammer hatte den Wortlaut dieser Paragraphen, soweit sie sich aus die Benutzung öffentlicher Wege und Plätze beziehen, den Landwirtschaftlichen KreiSvereinen zur Begutachtung vorgelegt. DaS Ergebnis dieser Rundsragen wird jetzt nebst einigen Verbesserungsvorschlägen dem LandeS-Oekono- miekollegium mitgeteilt werden. Danach schlägt die Kammer u. a. vor: „Die Sperrung der Straßen soll nicht mehr stattfinden oder muß aus bai Aeußerste beschränkt werden. Schmale Landwege sollen überhaupt nicht besahren werden dürsen. Die Nummern der Automobile sollen höher angebracht werden, damit sie besser leserlich sind."
§ Hersfeld, 25. Okt. (Gesellenprüsunge n.) Der von der Handwerkskammer in Cassel vor einigen Jahren für die Prüfung der Stellmacherlehrlinge in den Kreisen Hersseld und Hünseld mit dem Sitze in Hersseld errichtete Gesellenprüfungsausschuß ist z. Zt. ohne Vorsitz. Die Neubesetzung dieses Amtes erfolgt in aller Kürze. Alle im Prüfungsbezirk bis zum 31. Dezember 1910 auslernenden Lehrlinge müssen daher ihre Meldung zur Prüfung bis aus Weiteres direkt an die Handwerkskamilier einreichen.
Oberaula, 23. Oktober. Vorgestern wurde in dn Nähe unseres Ortes ein verwegener Raubanfall verübt. Ei» HandwerkSbursche überfiel einen Reisegenossen, brächte ihm schwere Verletzungen bei unh beraubte ihn seiner Barschaft Der UeberfaDene wurde später aufgesunden und nach dem Krankenhause geschafft. Don dem flüchtigen Verbrecher hat man bis jetzt keine Spur.
Berleburg, 24. Okt. Ein schwerer Automobilunsall hat sich gestern abend bei starker Dunkelheit auf der Landstraße zwischen hier und Neurastenberg ereignet. Das Automobil kam auS der Gegend von Winterberg-Corbach usw. und besand sich in sehr schneller Fahrt, als es in einer starken Kurve der Landstraße mit voller Wucht gegen einen Mast der Telegraphenleitung rannte, so daß der starke Baum glatt über der Erde abgerissen und zur Seite geschleudert wurde. Alle drei Insassen wurden von ihren Sitzen geschleudert und stürzten auf die Landstraße, so daß sie mehr oder weniger schwere Verletzungen davontrugen. Der Chauffeur kam mit dem Schrecken und leichten Quetschwunden im Nacken davon.
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Schweben bei Mieden (Kreis Fulda), 22. Okt. 3» hiesigen Ort ließ der Bauer Iahn am 7. b. Mt«. eine kranke Kuh schlachten, der Fleischbeschauer Möller erlaubte dies unter dem Vorbehalt der Ergänzungsschau durch den Kreistierarzt Weber in Fulda. Dieser, der sofort erschien, stellte bei dem Tier Milzbrand sest und machte ei allen bei der Privat- metzgerei beschästigten Personen zur Pflicht, die allergrößte Vorsicht zu üben, besonders sich gründlich zu waschen und zu desinfizieren. Er schien auch, alS wenn aller gut abg«' gangen wäre; allein schon nach wenigen Tagen wurden Möller, Iahn, der Schmied Auerbach, sowie der Metzger und Wirt Beßler, sämtlich von hier, krank und kamen ini Fuldaer Landkrankenhau». Am 15. d. M. starb der Fleischbeschaner an Blutvergiftung, Auerbach und Iahn sind noch nicht außer Gefahr und nur dem Beßler hat es weiter nicht» gef(Mct'
Schlitz (Oberhessen), 23. Oktober. Dem Vernehmen findet die Hochzeit der Gräfin Anna von Schlitz genannt voi Görtz mit dem Marqui« Mac Sniney oj Mafhanaglaß
23. November statt. Im Januar nächsten JahreS soll dan die Vermählung der Gräfin Maria mit dem Grasen vm> Luxburg, Hauptmann im königlich bayrischen General?« stattfinden. .
Roitsch, 24. Okt. Eine eigenartige Freundschaft V sich in dem Geflügelhose der hiesigen Domäne Herangcbl Beim Kleemähen wurde ein Nest Wildenteneicr welche dann einem Hau»huhn zum AuSbrüten gegeben wutD