Einzelbild herunterladen
 
  

Den Vorgängen in Portugal gegenüber verharrt man am besten in der Rolle deS ruhigen Beobachters. Wir in Deutschland haben nicht den mindesten Anlaß, mit Leidenschaft zu diesen Vorgängen Stellung zu nehmen. DaS deutsche Interesse liegt darin, daß die inneren Zustände Portugals sich recht bald befestigen und ungestört fortentwickeln, und daß die deutsch-portugiesischen Wirtschaftsbeziehungen in einer für beide Teile vorteilhaften Weise weiter auSgebaut werden. Geschieht dieS, so können unS die politischen VerfassungS- sormen, in denen sich die Zukunft Portugals vollzieht, kalt lassen.

Aus ]n- und Ausland

Berlin, den 13. Oktober.

Se. Majestät der Kaiser nahm vorgestern nach der UniversitätSfeier im Königlichen Schlöffe die Abmeldung deS außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers zu Rio de Janeiro Dr. MichahelleS und gestern mittag, wie schon gemeldet, die Abmeldung deS bisherigen amerikanischen MarineattachöS, Lieutenant-Commander Belknap sowie die Meldung seines Nachfolgers Lieutenant-Commander Traut entgegen. Gestern vormittag unternahm Se. Majestät mit dem Herzog Johann Albrecht, Regenten von Braunfchweig, und Gemahlin, die auch gestern Gäste der Majestäten waren, einen Spaziergang. Um 1 Uhr war im Neuen PalaiS bei Potsdam gemeinsame Mittagstafel mit den Gefolgen. Nach- mittags machten die braunschweigischen Herrschaften zunächst Besuche bei den in Potsdam wohnenden Fürstlichkeiten, später unternahmen der Kaiser mit dem Herzog und die Kaiserin mit der He^ogin Ausfahrten. Der Thee wurde gemeinsam in den Gemächern der Kaiserin genommen. Um 8 Uhr war in der Jaspisgalerie des Neuen Palais bei Ihren Majestäten ein Diner.

DaS deutsche Kronprinzenpaar tritt am 3. November in Genua an Bord deS LloyddampsersPrinz Ludwig" die Ausreise nach Ostafien an. Aus dem Kriegsschiff Gneisenau" setzt der Kronprinz erst von Colombo auS allein die Fahrt fort. Bis zur Insel Ceylon begleitet ihn bekanntlich die Kronprinzessin.

Der Bundesrat überwieS in seiner letzten Sitzung am Mittwoch einen Gesetzentwurs über den Schutz des zur Anfertigung von Reichsbanknoten verwendeten PapierS gegen unbefugte Nachahmung an die zuständigen Ausschüsse.

In der ReichSversicherungSkommission er- klärte u. a. bei der weiteren Aussprache über die VermögenS- verwaltung der Versicherungsanstalten der fortschrittliche Redner, daß seine Partei nach wie vor Mitarbeit mit gutem Willen leiste. Die gegenteilige Behauptung, als betrachte sie die Fertigstellung der Vorlage lediglich als Sache der konser. vativ-klerikalen Mehrheit, sei völlig unrichtig. Zur selben Frag« erUärte der Vertreter der Sozialdemokratie: Nachdem die Kommission gerade die Bestimmungen in der Kranken­versicherung gegenüber dem Entwurf so verändert hat, wie ich eS namens meiner Partei im Plenum gewünscht habe, können wir, salls diese Beschlüsse aufrechterhalten werden, für bai Gesetz stimmen, soweit eS in der Kommiffion bisher beraten worden ist. Der ReichSschatzsekretär legt daS Bestreben der verbündeten Regierungen dar, sich einzuschränken und daS AnleihebedürsniS in gesunden Grenzen zu hatten und dm Geldmarkt zu kräftigen. Die kleinen Kapitalisten »erben durch Besserung der Kurse der ReichS- und Staatspapiere davor behütet, in verlustbringende Unternehmungen sich ein- zulassen. Die bisherige Tätigkeit der Jnvalidenanstalten soll nicht eingeschränkt werden. In der Abstimmung werden die Bestimmungen der Vorlage, wonach also mindestens ein Viertel des VermögenS der Versicherungsanstalten in Anleihen des Reichs oder der BundeSstaaten angelegt werden muß, mit 18 gegen 9 Stimmen angenommen. Bei § 1357 wird, obgleich sich die Regierung dagegen ausspricht, auf Antrag der Konservativen beschlossen, die Bestimmungen über die Bermögensverwattung auch auf die Sonderanstalten auszu- dehnen. Der Abschnitt über die Ausbringung der Mittel wird unverändert angenommen. Die Beratung wurde heute bis § 1410 gesördert und dann aus Freitag vormittag vertagt.

Der LenkballonP. VI* ist am Mittwoch nach­mittag V?5 Uhr am Ziele seiner am Montag vormittag ins Werk gesetzten Fernfahrt MünchenBerlin, aus dem Flug- selb JohannistalBerlin, eingetroffen. Der letzte Teil der sonst so gelungenen Fahrt desP. VI" wurde dadurch er- heblich beeinträchtigt und erschwert, daß nach dem Passieren Wittenbergs die eine Schaufel des Propellers und bald darauf auch die Welle brach. Das Luftschiff muß sich daher

Ein Retter ein Offizier von des Fürsten Gesolge lehrte in einer wilden Hast nach L . . . zurück.

Herr und Frau Norminger traten ihm aus der Schwelle entgegen.

Hauptmann von Feldern ... was ist geschehen? Ist der Fürst . . /

Aber der Angeredete unterbricht die Frage rücksichtslos mit dem Aufruf:

Mein Weib!"

Die zwei ©alten folgen verwundert dem Blick deS Sprechenden und schauen sich um.

Da steht Fräulein Alsm hinter ihnen, und im nächsten Moment liegt sie in den Armen deS Offiziers und läßt sich von diesem willenlos in daS nächste Zimmer führen.

O Kurt, mein Kurt, wie habe ich einen solchen Wahn- finnigen Gedanken hegen können! Jetzt ist mir alles wie ein furchtbarer Traum. Als ich von meiner Ohnmacht erwachte, die Flasche in Deiner Hand sah, da konnte ich in dem Ent­setzen, das fich meiner bemächtigte, nur eins denken. Du gingst aus dem Zimmer, ich trat an den Kamin . . . da stand die Medizinflasche noch uneröffnet. Ich dachte an den Vorschlag, den Dein Vater Dir durch seinen Anwalt hatte machen lassen, ich dachte an alles, waS Du so lange gelitten hättest... ich glaube, ich war von Sinnen. Der eine Gedanke fetzte sich so tief in mir, daß ich an nichts anderes zu denken vermochte ... nur ein Wunsch regte fich noch in mir . . . mit dem Beweis Deiner Schuld in meinen Händen zu fliehen. Und auch da liebte ich Dich noch . . . trotzdem ich hoffte, Dich niemals wieder zu sehen ... So schlich ich mich unbemerkt aus dem Hause und ging immer vor- wärts, bis ich dm Bahnhof erreichte; da löste ich ein Billett für eine so weite Strecke, als mein Geld reichte. Aus einer Beinen Zwischenstation hieß der Schaffner mich auSsteigen. Da ging ich zu Fuß weiter ... ich glaube viele Stunden lang, bis ich an einem Haufe wir tot zufammenbrach. Ich erinnere mich nicht, waS da Wetter mit mir geschah, bis ich von freundlichen teilnehmend«» Gesichtern umgeben in einem

in der JohanniStaler Ballonhalle einstweilen den notwendigen Reparaturen unterziehen.

Die Nachrichten auS Portugal laufen noch immer auffallend spärlich ein und betreffen fast ausschließlich Dinge, die schon mehrere Tage zurückliegen. Da die Draht- leitungen nicht zerstört sind, so bleibt nur die Annahme übrig, daß die Zensur in Lissabon aus daS schärfste wcitergehand- habt wird. Nach einem Lissaboner Telegramm deS Daily Chronicle, der mit dem nach Lissabon zurückgekehrten Kapitän der königlichen Jacht ein Gespräch hatte, hat König Manuel sich auf der Fahrt nach Gibraltar angeblich sehr verächtlich über die Speichellecker und korrupten Hofleute geäußert, die den Thron zu umgeben pflegten. Für einige republikanische Führer aber hat der junge Monarch die größte Hochachtung ausgesprochen, die wenigstens gezeigt hätten, daß sie Mut und Energie besitzen, während die Monarchisten nicht einmal ganz gewöhnlichen Mut hätten. Der König sprach auch viel mit seinem Onkel, dem Herzog von Oporto, über die Ereignisse und legte eine gewisse Genugtuung zu Tage da­rüber, daß alles so gekommen war. Er betonte wiederholt, daß er der Krone von Portugal herzlich müde sei. Beim Abschieds von dem Kommandanten der königlichen Iackt schüttelte er diesem angeblich die Hände und sagte:Ich hoffe, daß mein armes Land unter der neuen Republick glücklich sein wird." In englischen Blättern wird betont, daß die Entsendung der königlichen Jacht nicht auf Ver­anlassung der englischen Regierung geschehen sei, sondern lediglich eine persönliche Höflichkeit König Georgs gegenüber der Familie Braganza bedeute. DieVictoria and Albert", die gestern von PortsmoutS absuhr, wird Sonnabend in Gibraltar ankommen, doch dürste König Manuel sich erst Sonntag oder Montag nach England einschiffen. AuS Gibraltar wird telegraphiert, der König erscheine sehr nieder- geschlagen und sei durch nichts aufzuheitern.

Die erste Folge des Eisenbahnerstreiks inFrank- r e i ch ist die notgedrungene Aussperrung der Hälfte oller Grubenarbeiter des Kohlenbeckens von Courbisre. Von den 4500 zum Feiern gezwungenen Grubenarbeitern dürfte ein Teil nach PariS tommen, um die Reihen der Streikenden zu ver- stärken. ES ist vorauSzusehen, daß noch andere Kohlengebiete mit der Entlassung von Arbeitern Vorgehen werden, da die Transportmittel für die geförderte Kohle mangeln und gar nicht abzufehcn ist, wie man die Bestellungen, die gerade jetzt sehr erheblich find, aussühren soll. Die Zustände in Paris spotten jeder Beschreibung. Der Bahnhof Saint Lazare, der augenblicklich umgebaut wird und ein enger Schlauch ist, mußte vollständig gesperrt werden, weil mit einer einzigen Maschine sämtliche Gleise blockiert find. In einzelnen Zügen stieg daS Publikum auS und prügelte die Zugsührer und Beamten, die den Dienst einstellten, durch. In Paris beginnt die LebenSmittelleuerung fich außerordentlich sühlbar zu machen. Einzelne Artikel weisen Zuschläge bis zur Verdoppelung deS seitherigen Preises auf. Die einzige Erwerbsgruppe, die gut Geld verdient, ist augenblicklich die der Automobildroschken- sührer, die selbst für kleine Fahrten Beträge bis zu 100 Francs und für Fahrten nach außerhalb PariS bis zu 1000 FrancS mühelos erhalten. Im Gefolge der Arbeiterschaft rührt sich aber auch gleich das Apachentum, das die Ordnung und daS Eigentum bedroht. Täglich erweitert sich das Gebiet des AuSstandeS, und jedesmal, wenn er proklamiert ist, besetzt formell der Stadtkommandant von Paris den Bahnhos und die Gleise. Aber dir Züge kann er nicht in Bewegung setzen. Die Einberufung der Truppen hat sich als nutzlos erwiesen. Einzelne Wagen wurden von Ingenieuren gesührt. Die arme Bevölkerung muß ihre Wege zu Fuß zurücklegen. Auch be­ginnen bereits starke Volksmassen aus der Stadt auSzuwandern, weil sie der Lebensmittelteuerung aus dem Lande entrückt zu sein glauben. Kurzum, die Zustände in PariS sind unbe­schreiblich und sie gewinnen an Gesahr von Tag zu Tag. Der Versuch der Regierung auf dem Wasserwege durch die Seineschiffahrt Lebensmittel herbeizusühren, hat sich als unzu­reichend erwiesen, wenn auch anerkannt werden muß, daß immerhin ein Stück Notlage gemildert wird.

Die Türkei scheint aus ihren Grenzkonslikten gar nicht mehr herauSzukommen. An der türkisch-montene­grinischen Grenze kam es abermals zu Kämpsen, da montene­grinische Banden die türkischen Blockhäuser Malkowatz und Erzenitza angriffen. Aus beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Schließlich wurden die Montenegriner in die Flucht geschlagen. Die türkische Anleihe in PariS soll nunmehr gesichert sein.

Der Drusenaufstand ist durch zwei Vorstöße Sami Paschas am Nord- und Südrand des Haurangebirges schwer getroffen. Man hofft, daß die Hauptmacht der Drusen, etwa

warmen, hellerleuchteten Zimmer wieder zum Bewußtsein kam. Unb diese Menschen, Kurt, find mir zu Freunden geworden deren Güte und Liebe wir nimmer werden genug vergelten können.

Margots Erzählung war oft von dem erregten Zuhörer unterbrochen worden.

Nach minutenlangem Stillschweigen sagte letzterer:Deine Flucht, mein Liebling, durch die wir beide so furchtbar ge­litten haben, hat all daS Unheil angerichtet. Als Du fort wärest und mit Dir das Laudanum verschwunden, daS ich während Deiner Ohnmacht noch aus dem Tisch hatte stehen sehen . . . was konnte ich da anders denken? Frau Hol- berg kam bleich und zitternd zu mir, flüsterte mir ängstlich etwas von Vergiftung durch Laudanum zu, und fragte mich, ob ich nicht wisse, was auS dem Fläschchen geworden fei, das sie Dir vor einigen Tagen, alS Du so sehr über Zahn­schmerzen klagtest, gegeben habe. Sie ist eine treue Seele, wie sie auch darüber gedacht haben mag, jcdensallS vermied fie bei dem Verhör jede Anspielung daraus. Aber wie ist eS möglich, daß Du nicht daran dachtest, Margot? DaS hätte Dich über den traurigen Irrtum ausklären müssen."

Daran habe ich bis jetzt nicht gedacht" versetzte Margot. Ganz recht ... sie brächte mir etwas Laudanum gegen meine Zahnschmerzen, doch war ich der Meinung, sie hätte daS Fläschchen wieder mitgenommen. Seltsam, daß ich mich daran nie wieder erinnert habe, aber mein Kops hatte ja nur Raum für den einen furchtbaren Gedanken! O Kurt, wie habe ich nur so wahnsinnig sein können!"

Und Margot brach in bittere Tränen auS.

Wer wünscht nun noch mehr zu wissen? Ich weiß, es gibt Unersättliche, die trotz deS unvermeidlichen Schlusses, der klar vor ihnen liegt, alle Einzelheiten genau und ausführlich erzählt haben wollen; und um auch dem Wunsche dieser Klasse Menschen zu genügen, füge ich noch hinzu, daß Herr und Frau von Feldern, nachdem sie den bittern Kelch der Sorge bis aus die Hefe geleert hatten, seitdem nur noch Nektar getrunken haben.

In Downham Lodge wurde ihnen ein Sohn geboren. ES wurden zwischen ihnen und der alten Heimat mehrere

10 000 Bewaffnete, noch vor dem Rückzug in das schwierig, Bergland gefaßt unb zur Ergebung aus Gnade und Un­gnade gezwungen werden kann. Samt Pascha hat ein ganzes Armeekorps erhöhter Friedensstärke für die Unterwerfung verfügbar. 3

Aus Kapstadt, 13. Oktober, wird gemeldet: Ein hj« auS Lüderitzbucht eingetroffener Reisender erzählte, die Un- ruhen in WilhelmSthal hätten damit begonnen, daß 2503qo Raffern. die bei dem Eisenbahnbau beschäftigt sind, ein HM angriffen, in dem ihnen Getränke verweigert worden waren Sie warfen die Fensterscheiben ein und wollten das HM stürmen, als ein Dutzend Soldaten auf sie mehrere Salven abgab, durch die 12 Kaffern getötet wurden; die übrigen entflohen.

Aus Provinz u. Nachbargebiet

* Das Fünfundzwanzigpsennig-Stück, das sich in den Städten keiner Beliebtheit ersreut, ist auf Veranlassung der öffentlichen Kassen jetzt dem platten Lande, namentlich durch die Postanstalten zugesührt worden, um fest« zustellen, ob die Münzen dem platten Lande willkommen sind. In Süddeutschland hat die Münze an sich eine gute Aufnahme gesunden, doch wünscht man ihr eine andere Ge- statt zu geben, um Verwechselungen zu vermeiden.

):( Hersfeld, 13. Oktober. (Schöffengeriet.) Das Programm der letzten Schöffensitzung war so umfang­reich, daß die letzte Sache erst um 4 Uhr Nachmittags endigte. Ein hier zu Besuch weilender früherer Einwohner wurde wegen unbefugten Schießens aus Antrag eines hiesigen Ein- wohncrS von der Polizeiverwaltung mit einer Polizeistrase be­legt. Dagegen hatte der Bestrastc Einspruch erhoben, weil er nicht geschossen hatte. Der Anzeiger konnte seine Aussage durch den Eid nicht bekräftigen und erfolgte deshalb die Frei­sprechung. Der Anzeiger wurde deshalb wegen nachlässiger Erstattung einer Anzeige in die sämtlichen Kosten des Ver- sahrenS verurteilt. Zwei hiesige Burschen wurden wegen Betrugs bestraft, der eine mit 10 Mk. Geldstrase ev. 2 Tagen GesängniS und bet andere mit einem Verweis. Eine Ein- jpruchSsache gegen einen Fuhrwerksbesitzer wegen unbefugten Befahrens eines fremden Grundstückes wurde vertagt und Augenscheinstermin festgesetzt. Zwei Einspruchssachen endeten mit Freisprechung, eine weitere Einspruchssache wurde auch vertagt, zwecks Ladung eines Sachverständigen. Hieraus wurden 7 Privatklagesachen verhandelt, welche teils mit Ver­urteilung, teils mit Freisprechung endeten.

Friedewald, 13. Okt. Ein mysteriöses Dunkel schwebt noch über dem entsetzlichen Vorfall, der sich, wie berichtet, am Montag auf dem Bahngleise bei Wölsershausen ereignete und den Tod eines Menschenlebens zur Folge hatte. Die Getötete ist das 18jährige Dienstmädchen Martha Gerlach aus Heringen. Sie stand bei dem Bäckermeister B. in Dienst und Hattte täglich Backwaren in die Ortschaften zu bringen. Nach Beendigung ihres Rundgangs an jenem Morgen hat sie sich, wie beobachtet wurde, aus das Schienengleis gestellt, als ein Zug im Herannahen begriffen war; die Kötze stellte das Mädchen vor sich, drehte dem Zuge den Rücken zu, faltete die Hände und war in Gedanken versunken. Alles Schreien der Leute war vergeblich, ebenso das andauernde Pseisen des LokomotivsührerS, welcher den langen Zug ver­geblich zum Stehen zu bringen versuchte. Das Mädchen blieb wie angebannt stehen, rührte und regte sich nicht und int nächsten Moment war daS Entsetzliche geschehen. Der Körpei der Bemitleidenswerten war in Stücke zerrissen, die einzelnen Teile lagen zwischen den Schienen zerstreut umher und mußten zusammengelesen werden. Niemand kann eine be­stimmte Mitteilung darüber machen, was das junge Ding veranlaßt haben könnte, auf solch fürchterliche Weise den Tod zu suchen. Eine Untersuchung ist alsbald eingeleitet worden.

Rotenburg, 11. Oktober. An Stelle des geplanten Sanatoriums in großem Stile soll laut Beschluß einer am Sonnabend abgehaltenen Versammlung ein Kurhaus an geeigneter Stelle errichtet werden, das Erholungsbedürstigen Aufnahme gewährt. Die Kosten sind auf etwa 70 000 Mark veranschlagt. Man wählte eine Kommission, die über die Vorarbeiten beraten und einer weiteren Verjamm- ung Bericht erstatten soll.

Ulfen, bei Sontra, 13. Okt. Der Landwirt und In­valide Mißler stürzte heute nachmittag beim Futter holen von der Scheune herab. Mit schweren Schädelbrüchen wurde N., der 65jährige Mann, von seinen Angehörigen bewußtlos aus- gcsunden. Sein Zustand ist hoffnungslos.

Ostheim jRhön), 13. Okt. Der Stadlkämmerer Winzer von hier ist mit 15 000 Mk. Kassengeldern flüchtig gegangen.

Briefe gewechselt nnd endlich brächte ein solches Schreiben auch dir Verzeihung von Kurts Eltern. Und obwohl Kanada noch die Heimat von Baron von Feldern und seiner Frau ist, so ist der Erbe bei Barontitels doch von seinen Eltern be­sucht und die Frau desselben, deren sie sich einst schämten, als Tochter in ihrem hohen Alter willkommen geheißen worden.

Und diejenigen meiner Leser, welche auch jetzt noch nicht zusrieden sind, mögen wie ich die Kinderstube aufsuchen. Da werden sie in der stillen Frau in den mittleren Jahren, welche soeben die rosafarbenen Gardinen zurückschlägt, eine alte Bekannte die gute Frau Hollweg Widerfinden und in dem braunlockigen Kinde, daß sich aus die Fußspitze" stellt und neugierig aus das schlasende Kind Margot's Söhnchen blickt, deren srühern Liebling und Schützling, Trudchen Norminger, erkennen.

............ 1 _ .

BarsinghausenamDeister, 12. Oktober. Die seit gestern nachmittag im Bullerbachschacht eingeschlossenen 23 Bergleute find heute nachmittag gegen 5 Uhr gesund i" Tage gefördert worden. Nach der Brsreiung der Bergleun war der Jubel unbeschreiblich. Rührende Auftritte spielte" sich vor dem Schacht ab und Hunderte begleiteten die Gi' retteten nach den nahe gelegenen Dörsern.

Sangerhausen, 11 Oktober. DaS hier bedienstok 15jährige Mädchen Hohmann auS Kleinleinungen hat ver­sucht, ihre Herrschast, Bureauvorsteher BrüninghauS "im Familie, hier zu vergiften, indem eS in Kaffe und ®|C Rattengift schüttete. Durch das trübe Aussehen und de> üblen Geruch der Getränke wurde man noch rechtzeitig die Gefahr ausmerksam. Der Grund zu der unseligen dieser jugendlichen Verbrecherin ist nicht ganz klar. Warst scheinlich wollte sich das Mädchen, das bei Nacht blieben war und den Dienst zeitweise verlassen hatte,( ihr gemachten Vorhaltungen rächen. Bei der polizeil'la Vernehmung gestand daS Mädchen die Tat ein; es dann in daS hiesige GerichtSgesängniS eingeliesert.