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herrfel-er Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 113.
Sonnabend, den 24. Septembev
1910,
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auf das Umfelder Kreisblatt
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen
alles wissenswerte über
Politik des 3n= und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
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Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.
Amtlicher teil.
Caffel, den 15. September 1910.
ES ist hier bekannt geworden, daß seit einiger Zeit im hresigen Bezirk zwei weibliche Personen in Schwesterntracht umgreifen und im Wandcrgewerbebetriebe Schriften einer angeblichen „Rönnebecker Mission" insbesondere das Missionsblatt „Gnadenruj" vertreiben. Unter dem äußeren Schein der Kirchlichkeit verfolgt dieses Blatt antikirchliche Tendenzen und sucht Einrichtungen und Anstalten der christlichen Kirche verächtlich zu machen. Der hier bekannt gewordene Umstand daß die Tracht der angeblichen Schwestern nicht der üblichen Schwesterntracht entspricht, legt die Vermutung nahe, daß eS sich nicht um wirkliche Schwestern, sondern um Personen handelt, die diese Tracht nur zur leichteren Erreichung ihrer Seicht nicht ganz einwandfreien Ziele benutzen. Sie be- sitzen angeblich einen Wandergewerbefchein, der von dem Bezirksausschuß in Stade ausgestellt ist.
Ich ersuche schleunigst ‘in geeigneter Weise dem Treiben entgegenzutreten und namentlich für Ausklärung des Publikums durch die Tagespresse zu sorgen, da in dem Verlaus der Schriften auch eine Schädigung der amtlich genehmigten Kollekten zu erblicken ist. (A. II. 8044.) 9
Der Regierungs-Präsident.
w . In V.: (Unterschrift.)
. seiche Herren Landräte des Bezirks, den Kerrn und^l^^m"»^' bie H""n Polizeidirektoren in Hm,au >ud Fulda, die Polizeiverwaltungen in Marburg und Eschwege.
Wird veröff-ntlicht^^^^d-n 19. September 1910. auf Sl Ä0™?1 ^ OrtSpolizcibehörden des Kreises werden n L ( ^ ^^!^." ™cr 6eibcn weiblichen Personen besonders hin. Ä^K“ * ®“" werdm^io"i»^ ^'^n Personen im hiesigen Kreise betroffen I 9424 f h'»über alsbald zu berichten. " Der Landrat.
I. Vertr.:
---------W e s sel, KreiSfekretär.
^ham^ H"L°^, den 21. September 1910. niedc>aelcai ^w?N^,^" !'' Philippsthal hat sein Amt Nieblina in Plüliw^ r"«','^ ^ von dem zweiten Beschauer wird vonÄS übernommen worden. Der letztere Vertreten. ^""" Brandenstein in Heimboldshausen
I. I. Nr. 9491.
Der Landrat.
3. Vertr.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 21. September 1910.
Die Herren Bürgermeister, welche mit der Einreichung der Zu- und Abgangslisten für das I. Halbjahr 1910 (Kreisblatt- Verfügung vom 7. September 1910 Nr. 2430) noch im Rückstände sind, werden mit Frist bis spätestens zum 26. d. M t s. an die Einsendung erinnert.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
I. Vertr.:
I. Nr. 2430. Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Zu dem Gerede über die Wahlparole der R e- g i e r u n g liegt eine offizielle Erklärung vor, die allen derartigen Redereien und Treibereien gründlich den Boden ent» zieht. Danach wird an der obersten verantwortlichen Stelle weder nach Schlagworten gesucht noch heute schon entschieden, welche einzelne Frage bei den nächsten allgemeinen Wahlen zum Reichstage in den Vordergrund zu rücken wäre. Der Reichskanzler hält es vielmehr für feine Hauptaufgabe, die Reichsgeschäfte so zu führen, daß das der Nation zum Ge- deihen ihres Erwerbslebens ebenso wie zu ihrem militärischen Schutze Nötige gesichert und ihre stetige kulturelle Entwicklung gewahrt werde. In allen wahrhaft patriotischen Kreisen unserer Nation, die des engherzigen und einseitigen Parteitreibens müde sind, wird eine derartige Kundgebung sicherlich mit ungeteilter Befriedigung ausgenommen werden.
Die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis Frankfurt a. O.-L e b u s hat zu einer Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten und dem Liberalen geführt. Das Ergebnis der Wahl besteht auch hier wieder in einer starken Zunahme der sozialdemokratischen und in einer entsprechenden Abnahme der bürgerlichen Stimmen, und zwar trifft der Verlust bezeichnenderweise den Liberalismus stärker als den Konservatismus. Dieser hat gegen die letzte Wahl rund 13 v. H. seiner damaligen Stimmen, jener dagegen rund 20 v. H. verloren. Hoffentlich wird auch diese Tatsache dem nationalliberalen Parteitage in Kassel zu denken geben und zur Klärung der Lage in der Partei beitragen. Uebrigens hat die konservative Parteileitung im Wahlkreise dank der bewährten staatSerhaltenden und wahrhaft nationalen Haltung ihrer Anhänger unmittelbar nach der Hauptwahl an ihre Parteigenossen die Parole ausgegeben, in der Stichwahl Mann für Mann den Liberalen zu wählen und sich nicht bloß dabei zu begnügen, sondern auch nach Kräften für die Heranziehung der rechtsstehenden Wahlsäumigen Sorge zu tragen.
Wieder hat während der Berichtswoche Kaiser Wilhelm als Gast Kaiser Franz Josefs in Wien geweilt. War der Besuch des deutschen Kaisers und der deutschen Fürsten in Wien am 7. Mai 1908 mehr ein offizieller politischer Akt, so trägt der letzte Besuch gleich dem früheren deS deutschen Kaiserpaares mehr den persönlichen Charakter einer Bekundung herzlicher Freundschaft und aufrichtiger Verehrung für den greisen Herrscher der österreichisch-ungaiijchen Monarchie, der, umjubelt von seinem Volke, am 18. August d. Js. sein 80. Lebensjahr vollenden konnte. Der österreichischen Presse hat die Anwesenheit unseres Kaisers in Wien zu einer Reihe sympathischer Begrüßungen und Betrachtungen Anlaß gegeben. So schreibt beispielsweise das „Fremdenblatt" am Schlüsse eines Ifingiren Begrüßungsartikels: „Kaiser Wilhelm kommt nach Wien, um unserm Kaiser zum 80. Geburtstage seinen Glückwunsch dar- zubringen. Es bereitet hier eine besondere Genugtuung, zu sehen, daß in diesem Falle, wie schon so oft, Kaiser Wilhelm der Dolmetsch seines Volkes ist, der uns schon bei so vielen Gelegenheiten durch das Zeugnis der Verehrung für unsern Kaiser erfreut hat. Die Verehrung wollen wir dem deutschen Kaiser vergelten mit herzlichem Erwidern. Er hat sich nicht nur als einen Freund von vorbildlicher Treue bewährt, durch die ritterliche Art seiner Freundschaft hat er den Gedanken deS Bündnisses auch für die VolkSempsindung vermenschlicht, den StaatSvertrag nicht nur wirksam, sondern auch für Millionen einfache Gemüter anschaulich gemacht. Dem Wiener Hof und unserer ganzen Bevölkerung ist Kaiser Wilhelm ein lieber Gast, den man gern kommen sieht, und dem man beim Scheiden „Auf Wiederfehn!" zurust."
Als dritter der südamerikanischen Freistaaten, die vor kurzem das Fest ihrer hundertjährigen Unabhängigkeit begangen haben, hat nunmehr auch Chile den Tag der Erinnerung an den Beginn seiner staatlichen Selbständigkeit gefeiert. In hohem Maße hat gerade deutsche Arbeit bei den mannigfachen Werken mitgeholfen, die bestimmt waren, Chile unter die modernen Kulturstaaten einzureihen. So kann Deutschland der Republik Chile zum hundertjährigen Bestehen ihrer Unabhängigkeit von Herzen Glück wünschen. Bei der zähen Ausdauer und der unbeugsamen Tatkraft deS chilenischen Volkes wird eS ihm zweifellos gelingen, das Land weiterem Gc- leihen entgegenzuführen und neue Schätze aus Chiles kost, iarem Boden zu heben. Die Chilenen dürfen gewiß sein, daß daS deutsche Reich ihre Fortschritte mit lebhafter Anteilnahme
begleitet und von dem Wunsche durchdrungen bleibt, daß die sreundlichen Beziehungen zwischen Deutschland und CHUe sich auch fernerhin für beide Teile fruchtbar erweisen mögen.
In der südafrikanischen Union haben während der Berichtswoche die Parlamentswahlen stattge- funden. Es ist dabei zu einem harten Kampf, zwischen den Nationalisten oder dem Burenelemente und den Unionisten oder dem englischen Elemente gekommen. Der Sieg ist diesmal noch den Nationalisten zugefallen, so daß da- Ministerium Bothas vorläufig am Ruder bleibt, aber die Unionisten haben doch anderseit auch unerwartete und überraschende Erfolge zu verzeichnen. Die Bothasche Versöhnungspolitik scheint danach doch nicht die Früchte getragen zu haben, die sich ihr Träger von ihr versprochen hat. Im übrigen teilen wir von Herzen die Hoffnung und den Wunsch, die von unionistischer 6ette ausgesprochen worden sind, daß auS diesen Wahlen eine Aera des FriedenS und der Wohlfahrt für Südafrika hervorgehen möge!
Kaiser Wilhelm in Wie«.
Nach dem Frühstück bei dem Botschafter v. Tschirschky begaben sich die beiden Majestäten im Autombil nach der Jagdausstellung. Kaiser Franz Josef trug preußische Uniform, während Kaiser Wilhelm die Uniform seines Husarenregiments trug. In den Straßen hatte sich trotz deS schlechten Wetters ein überaus zahlreiches Publikum angesammelt, das den beiden Herrschern stürmische Ovationen darbrachte. Auch in der Jagdausstellung hatten sich Tausmde von Besuchern eingesunden, welche dem Deutschen Kaiser bei jeder sich bietenden Gelegenheit zujubelten. Vor dem Kine- matographentheater der Ausstellung erwartete der Präsident Fürst Fürstenberg und der Generalkommisiar mit dem Komitee die Ankunft der Majestäten. Nach erfolgtet Begrüßung wohnten die Majestäten der Vorstellung bei. ES wurde dir Fuchsjagd Kaiser Wilhelms in Donaueschingen beim Fürsten Fürstenberg, dann eine GemSjagd Kaiser Franz JosefS bei Jschl und schließlich die vorgestern erfolgte Ankunft Kaiser Wilhelms in Hetzendorf vorgesührt. Das Publikum, das der Vorstellung beiwohnte, brächte wiederholt brausende Hochrufe aus die beiden Herrscher aus.
Nach Schluß der Vorstellung suhr Kaiser Franz Josef nach herzlicher Verabschiedung von Kaiser Wilhelm nach Schönbrunn zurück, während Kaiser Wilhelm einen Rund» gang durch die Ausstellung antrat. Zuerst wurde daS österreichische ReichShauS besucht, dann das deutsche Jagdschloß, in welchem Herzog von Ratibor, Botschafter v. Tschirschky und die Gesandten von Bayern und Sachsen die Aufwartung machten. Der Kaiser besichtigte eingehend die hier ausgestellten Gegenstände. Der Kaiser nahm bei dieser Gelegenheit die ihm von der internationalen Trophäen- konkurrenz zuerkannte goldene Medaille entgegen. In der Ausstellung befinden sich auch die vor einigen Tagen in Bellye erlegten prachtvollen Trophäen. Der Kaiser setzte sodann die Besichtigung der einzelnen Pavillon- fort.
Da der Deutsche Kaiser in der Jagdausstellung länger verweilte, als ursprünglich vorgesehen, begann im Schön- brunner Schlöffe daS Galadiner zu Ehren des Deutschen Kaisers erst um 7V? Uhr. An demselben nahmen die beiden Monarchen, die Mitglieder des kaiserlichen HauseS sowie die StaatS- und Hoswürdenträger teil. Während der Tafel tranken beide Majestäten einander zu. Toaste wurden nicht gehalten. Nach der Tafel hielten beide Majestäten Cercle.
Vor der Abfahrt Kaiser Wilhelms hatten sich auf dem Bahnhöfe in Penzig eingesunden: Botschafter Gras Szögyeny» Marich, Botschafter v. Tschirschky und Frau v. Tschuschky, die Herren der deutschen Botschaft, Gräfin Oberndorff, ferner Gros Brockdorf-Rantzau. Nach 9 Uhr betraten Kaiser Wilhelm in österreichisch-ungarischer Feldmarschalluniform und Kaiser Franz Josef in der Uniform des Kaiser-Franz-Garde- GrenadierregimentS mit ihrem Gefolge die Halle. Nachdem sich der Ehrendienst bei Kaiser Wilhelm abgemeldet und sich der Kaiser von den anwesenden Herren verabschiedet hatte, begleitete Kaiser Franz Josef den Deutschen Kaiser an den Salonwagen; die Majestäten schüttelten sich die Hände und küßten sich dreimal. Hierauf bestieg Kaiser Wilhelm den Zug und unterhielt sich noch längere Zeit mit Kaiser Franz Josef. Um 9 Uhr 20 Minuten fuhr Kaiser Wilhelm nach Sigmaringen ab.
Heute früh hat Se. Majestät der Deutsche Kaiser, wie aus Salzburg gemeldet wird, die Grenze passiert. Um 7 Uhr 20 Minuten traf Se. Majestät der Kaiser im Sonderzug in München ein; um 7 Uhr 34 Minuten erfolgte die Weiter- sahrt über Ulm nach Sigmaringen.
Sigmaringen, 22. Sept. Der Kaiser traf um 12 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein, wo er vom Fürsten Wilhelm und dessen beiden Söhnen empfangen wurde. Im vierspännigen Wagen bcgab sich dann der Kaiser mit dem Fürsten Wilhelm zum Prinzenbau, wo die anwesenden Fürstlichkeiten sich eingesunden hatten und sodann nach dem gegenüberliegenden Denkmal. Nach Fanfarenmarsch und Lied bei Sigmaringer Gesangvereins hielt Bürgermeister Dr. Reiser die Begrüßungsansprache. Er entwarf ein Lebensbild bei bet-