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Erzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 i

Nr. 103.

Amtlicher Cell.

Hersseld, den 25. August 1910.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 21. April d. Js. I. 3855 (veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 50) teile ich den Ortspolizeibehörden mit, daß die Handwerkskammer in Cassel sür die Entschädigung der Sachverständigen für das hand­werksmäßig betriebene Baugewerbe die nachstehenden Grund­sätze ausgestellt hat.

1. Die Sachverständigen erhalten für Dienstreisen 12 Mk. für den Tag. Erstreckt sich die Tätigkeit auf mehr als einen Tag, so steht ihnen außerdem eine UebernachtungSgebühr von 3 Mk. zu.

2. Als Reisekosten werden ihnen bei Eisenbahn- und Dampfschiffahrten 5 Psennig pro Kilometer, bei Landwegen 40 Psennig pro Kilometer gewährt.

3. . Für die Ausarbeitung des schriftlichen Gutachtens erhalten sie eine Vergütung von 3 Mk. für die Stunde, mindestens aber 10 Mk.

I. 8387. Der Landrat vonGrunelius.

Hersseld, dev 25. August 1910.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Wilhelm Kothe in Hersseld ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 8479. Der Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Eine Raiferred«

Der Kaiser hat in Königsberg eine an die Provinz Ost­preußen gerichtete Rede gehalten, die in der liberalen und de­mokratischen Presse den schärssten Widerspruch gesunden hat. Die Zeitungen dieser Richtung gebärden sich sehr toll, rufen nach dem Reichskanzler, verlangen nach konstitutionellen Garantien, er­innern an die Novembertage und behaupten, der Sturm, der jetzt im deutschen Volke entstehen werde, werde noch viel schlimmer werden als die damalige Bewcgnng.

Solche Urteile zeugen mehr von der Kraft der Suggestion als von ruhiger Ueberlegung. Liest man die Rede ruhig und ausmerksam durch, so findet man, daß sie, soweit sie sich auf gegenwärtiges bezieht, von einem ernsten und großen Idealis­mus, starkem Pflichtbewußtsein und Vertrauen in die Mitarbeit aller zum besten deS Vaterlandes spricht. Diese Töne werden trotz dem Geschrei der demokratischen und sozialdemokratischen Presse im deutschen Volke verstanden werden und begeisterten Widerhall finden.

Was die demokratische Kritik beanstandete, bezog sich zum größten Teil auf die Vergangenheit. Der Hinweis, daß Preu-

KöNeHck MWtPlM.

Roman von A. v. 8 i l i e n c r o n.

(Fottsetzung.)

Manche Dinge müssen so fein eingesädelt werden, daß nur Frauenhände damit fertig werden können, dir mit Nadel und Faden Bescheid wissen."

Die spöttisch gegebene Antwort reizte Tcrno noch mehr. Hütet euch nur, daß die Nadeln nicht zerbrechen und der Faden nicht abreist."

Es entstand eine Pause. Tcrno hatte feine Wanderung wieder ausgenommen, seine Frau, die sreilich nicht Tauben- fanftmut besaß, aber dasür desto reichlicher die Schlangenklug- hcit, wartete, bis die leichte Zornesaufwallung sich bei ihrem Manne gelegt hatte, und begann dann in liebenswürdigem Tone:Ich halte es als Schwester für meine Pflicht, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß Wolfs Zukunft sich glücklich entwickelt. Bei seinem leicht entflammten Gemüte bedarf er einer festen Leitung, eines Charakters, auf den er sich stützen kann. Kommt er in gute pekuniäre Verhältnisse mit einer Willensstärken Frau zur Seite, so wird sein liebenswürdiges Temperament der Erwählten einen Himmel auf Erden schaffen, und er selbst wird dabei auch glücklich fein."

Der Hausherr zwirbelte ungeduldig seinen Schnurrbart. »Ja, wenn Wols alles vollauf hat und eS ihm nirgends fehlt, wird er sich herablassen, seine liebenswürdige Seite leuchten »u lasten", meinte er spöttisch.Geld und Energie sollen ihm von der anderen Seite entgegengebracht werden, aber waS hat er dafür einzusetzen?"

Seine Stellung, sein schickes Aeußere und seine liebens- würdige Persönlichkeit, die an maßgebender Stelle auch ge- bührende Anerkennung findet", sprudelte Frau Terno mit der ^wohnten Lebendigkeit hervor. Und als sie daraus bei ihrem Manne nur einem kühlen Achselzucken begegnete, setzte sie mit erhöhter Stimme hinzu:Olga Warben, meine Schnlsreun-

Dienstag, den 30. August

ßenS Krone nicht von Parlamenten und Volksbeschlüssen stamme, ist indes trotz aller parlamentarischen Theorien eine historische Tatsache. Ein Recht, auf einem so mit der preußi­schen Geschichte verwachsenen Boden, wie es die Provinz Ost­preußen und die Krönungsstadt Königsberg ist, auf diese Tat- sache hinzuweisen, kann dem Kaiser, der ja zugleich König von Preußen ist, wohl nicht bestritten werden. An einer andern von demokratischer Seite inkriminierten Stelle sagte der Kaiser, er werde unbeirrt um Tagesansichten und TageSmeinungen seinen Weg gehen. Wenn behauptet wird, diese Worte ver­rieten ein antikonstitutionelleS Empfinden und seien gegen die Parlamente gerichtet, so ist das wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Der Parlamentarismus verrät ein schlechter Gewissen, wenn er sich mit Tagesansichten und Tagesmeinungen identi­fiziert. Jede pflichtbewußte und starke Regierung muß unbe­kümmert um die Meinungen und Ansichten des Tages ihren Weg gehen und kann sich nur nach bleibenden Werten und Faktoren orientieren. Dies wird wohl auch von demokratischer Seite zugegeben werden müssen. Wir hoffen, daß die öffent­liche Meinung sich durch solche vorschnelle und unüberlegte Kritik nicht irre leiten lassen wird.

Die Worte des Kaisers bilden fast den ausschließlichen Leitartikelstoff der deutschen, englischen und zum Teil auch der französischen Presse. Die deutschen Stimmen sind in der über­wiegenden Mehrzahl abweisend ausgesallen, die englischen da­gegen enthalten vielfach Anerkennung für Gedanken und Geist der Rede.

Ae MftrtW in Wn.

Marienburg, 27. August. Die Majestäten wurden bei ihrer Ankunft festlich empfangen. Schulen bildeten von dem Nogatbahnsteig bis zur Marienburg Spalier. In der alten Burg hielten auf den Höfen und Gängen Ordensritter mit Schild und Lanze die Wacht. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin. Rechts vom Kaiser folgten zu­nächst Prinzessin Eitel Friedrich, Herzog Albrecht von Württem­berg und die Prinzen Adalbert und Oskar; links von der Kaiserin der Kronprinz, die Prinzessin Viktoria Luise und die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm. Gegenüber den Majestäten faß der Kommandierende General v. Mackensen zwischen dem brasilianischen Marschall Hermes da Fonseca und dem ottomanischen General Jzzet Pascha. Das Mahl fand in der großen Gastkammer an langen Tafeln statt, die mit Tannengrün geschmückt waren. Die zahllosen Lichter auf den aus Hirschgeweihen gewundenen Kronleuchtern tauchten die weite Halle in mild gedämpftes Licht. Das Deutsch-Ordens- Regiment Nr. 152 stellte die Tafelmusik. Nach der Tafel hielten die Majestäten im großen Remter Cercle.

Bei der Paradetafel brächte Se. Majestät der Kaiser folg­enden Trinkspruch aus:

Mein Toast gilt heut dem XVII. Armeekorps, dem ich schon draußen und ich wiederhole dies hier von gan-

bin, besitzt, was Wolf fehlt, und zugleich auch die volle Wert­schätzung seines bestrickenden Naturells. In den nächsten Tagen erwarte ich ihren Besuch. Wols besinnt sich jetzt noch recht­zeitig auf seine einstige Neigung, wünscht die Tage mit ihr unter einem Dache zu leben, und und das übrige wird sich finden."

Ein bitterer Zug spielte um TernoS Lippen, sein Gesicht verfinsterte sich.Die gebräuchliche Weise, wie oberflächliche Menschen zu Geld kommen wollen", murmelte er.Ein glattes Aeußere täuscht darüber fort, wie wenig Gehalt das Innere hat. Nun, daS passiert ja täglich, der oder die Ein- gefangene läuft blindlings in das Netz und der Ehebund wird geschlossen. Alles Zapppeln hinterher und Sich- Hinausdrängenwollen auS den dichten Netzmaschen bleibt um­sonst. Da gewöhnt man sich denn allmählich an die Geschichte und auch daran, daß man nicht miteinander, sondern nur nebeneinander zu gehen hat."

Die schöne Frau, die jetzt so lässig im Lehnstuhle ruhte, gab sich sreilich den Anschein, als verstände sie nicht, waS ihr Mann ihr da eben auSeinandergesetzt, aber sie wußte nur zu wohl, waS er ihr damit hatte sagen wollen, und ihre kleine Hand preßte sich fest um das zu einem Balle zusammenge­drückte Taschentuch. Den Stich, den er ihr beigebracht, wollte sie ihm verschärft wiedergeben. Sie richtete sich etwas aus und sah ihren Mann spöttisch an.

Die Gesellschafterin meiner Mutter, die du so sehr bewun­derst, kann dir sagen, daß bei ihrer Ehe die Gaben in gleicher Weise verteilt waren. Auf der einen Seite daS Geld, aus der andern daS hübsche Aeußere, daS geschickt die Männer heran- zuziehen weiß."

Terno griff nach seinem Hut, eine heiße ZorneSröte war ihm inS Gesicht gestiegen.Frau Reginas Schönheit erhält ihren Wert erst durch die Seele, die sie belebt, und das gibt ihr über uns die siegende Macht", erklärte er.Dieser inner­liche Mensch, der die äußere Hülle belebt, wird auch ihre Ehe zu einer glücklichen gemacht haben. Bitte, bitte", wehrte er ab, als seine Frau ihn unterbrechen wollte,ich kenne deine Vorwürse. und wünsche, mich ihnen zu ent­ziehen."

1910,

zem Herzen meinen Glückwunsch ausgesprochen habe zu der vorzüglichen Parade! Das Armeekorps hat heut im Verein mit der Marine die Wehrmacht des Deutschen Reichs gewifser- maßen versinnbildlicht. Die Haltung der Truppen auf der Parade gewährleistet mir, daß ihre kriegSmäßige Ausbildung meinen Wünschen entspricht. Ich werde sie im Manöverselde wiedertreffen und spreche Ihnen im Voraus meinen herzlichsten Dank aus für die Friedensarbeit, die Sie mit hingebender Arbeit und Aufopferung geleistet haben. Sie können nur stolz auf das Resultat sein. Die Zufriedenheit Ihres Kriegsherrn haben Sie sich erworben. Das XVII. Armeekorps Hurra! Hurra! Hurra!

Marienburg, 27. August. Bei der Abfahrt der Maje­stäten aus Marienburg um 9Va Uhr bildeten Truppen mit Fackeln Spalier von der Burg bis zur Haltestelle. Die Maje­stäten fuhren im Sonderzug zur Werst und gingen an Bord der Hohenzollern.

D a n z i g, 28. August. Die Kaiserin besuchte heute vor­mittag das Diakonissenhaus, wo sie von dem Oberpräsidenten von Jagow, der Oberin von Alten und dem Ersten Geist­lichen deS Hauses Lizentiat v. Hülsen empfangen wurde.

Um elseinhalb Uhr wurde aus dem kleinen Exerzierplatz an der Langfuhrer Allee Feldgottesdienst abgehalten, an welchem der Kaiser, die Kaiserin und die gesamte hier anwesende kaiser­liche Familie teilnahmen. Es war ein Feldaltar errichtet, bei welchem die Geistlichkeit Ausstellung genommen hatte, und neben den die Feldzeichen gebracht wurden. Für den Hof war ein Purpurzelt aufgebaut.

Nach dem Gottesdienst nahm der Kaiser einen Vorbei­marsch der anwesenden Truppenteile in Kompagniekolonnen entgegen.

Um zwölfeinhalb Uhr hatten sich im großen Sitzung-saale des LandeShauses die Mitglieder des Provinzialau-schufse- und deS Provinziallandtages versammelt. Gegen 123/* Uhr erschienen hier der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz und die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm und Oskar nebst Gesolge. Die Majestäten wurden von dem Vorsitzenden des Provinzialau-schusse-, Gra­fen Finck v. Finckenstein, dem Vorsitzenden deS Provinzial­landtages, Grafen v. Keyserling!, und dem Landeshauptmann Frhrn. Senfft v. Pilsach empfangen. Den fürstlichen Damen wurden Blumensträuße überreicht. Hiernach wurden die Maje­stäten in den Saal geleitet, wo Graf v. Keyserling! in einer Ansprache namens der treuen Provinz Westpreußen den Maje­stäten tief empfundenen und begeisterten Willkommengruß dar- brächte. Die Westpreußen seien sich bewußt, wieviel sie ihren Königen von der Zeit Friedrichs des Großen her verdankten. Heute spreche er besonderen Dank auS für die Förderung der Kulturwerke ersten Ranges, der Regulierung der Nogat und der Sicherung der Abschlußarbeiten am Weichselstrom. Redner schloß mit dem erneuten Gelöbnis der unwandelbaren Treue und bot dem Kaiser einen Ehrentrunk. Der Kaiser erwiderte mit einer Rede und trank auf das Wohl der Provinz. Die

Er ging rasch zur Tür, wandte sich aber auf der Schwelle noch einmal um.Was die Angelegenheit mit Wolf be­trifft, so tue, was du willst, ich wasche meine Hände in Un- schuld."

So waren denn bald darauf zwei Gäste in das Ter- nosche Haus eingezogen, Fräulein Warben und der junge Bau­meister, der auch versprochenerweise bei Fräulein Olga Warben Ritterdienste leistete und so Regina von dem peinlichen Ge­fühl entlastete, den jungen Färber wiederholt zurückweisen zu müssen.

Ein Tanzfest sollte an dem heutigen Abend im Hause stattfinden, und alles war dazu auf das kostbarste herge- richtet. In strahlender Toilette hatte sich die Hausfrau von Regina und ihrer Mutter bewundern lassen, und war dann in ihre Gemächer gegangen, um die Gäste zu em­pfangen.

Auch Wolf erschien im Gesellschaftsanzug bei seiner Mutter, doch erst zu später Stunde, als daS Fest schon längst seinen Anfang genommen hatte.

Er sah merkwürdig bleich und verstött auS, so daß die alte Dame sich besorgt nach seinem Befinden er­kundigte.

Mir ist ganz wohl", wehrte er ab.Ich hatte eine längere Sitzung, die mich angestrengt hat."

Auch Regina blickte befremdet auf den Baumeister.6« sollten sich noch einen Augenblick ruhen, Herr Färber", schlug sie vor,Ihre Hand ist eiskalt, und Sie sehen zum Erschrecken bleich aus."

In seinen müden Augen flackerte eS auf, ein Strahl der alten Leidenschaft sprühte herüber zu der jungen Frau. Wie wohl das tut, wenn Sie sich um mich sorgen, daS gibt mir gleich neue Lebenskraft! Reichen Sie mir ein Glas Wein, von Ihrer Hand gegeben, wird es mir wohl tun!"

Seine Augen folgten ihren Bewegungen, während sie den Wein einjcheukte, mit einem heißen verzehrenden Blicke. Er umschloß ihre Hand, die ihm das Brett mit dem Weinglas« reichte, mit seinen Fingern. Jetzt waren sie nicht mehr kalt,