Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10Pfg.,tm amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.«*»«»
Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 101.
Sonnabend, den 27» August
1910»
Amtlicher teil.
HerSseld, den 23. August 1910.
Diejenigen Schulvorstände deS Kreises, welche mit der Erledigung meiner Versügung vom 26. v. MtS. I. Nr. 6950 (Kreisblatt Nr. 89) betreffend Beschaffung einer Schulwand- karte der Kreise Hersseld und Rotenburg noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert.
Ich sehe der Erledigung nunmehr bestimmt innerhalb 8 Tagen entgegen.
I. 6950. II. Der Landrat
von Grunelius.
Gefundene Gegenstände.
Damenuhr. Meldung des Eigentümers bei dem Orts- vorstand in Lautenhausen.
nichtamtlicher Ceil
Politischer Wochenbericht.
Inmitten der deutschen Ostmark erhebt sich stolz und trutzig die neue Kaiserpfalz, der herrliche Sandstcinbau des Kaiser- schloßes in Posen, ein Wahrzeichen deutscher Kraft und Einigkeit, ein Warnungszeichen für alle deutschfeindlichen Mächte. Zu seiner Einweihung haben während der Berichtswoche die Posener Kaisertage stattgefunden. Der oberste Lenker der Geschichte Deutschlands selber hat den Einweihungsfeier- lichkeiten durch seine persönliche Teilnahme das Gepräge höchsten Glanzes verliehen. Er wird bei dieser Gelegenheit zweifellos einen erhebenden Eindruck von der Liebe und Treue empfangen haben, mit der die Herzen seiner Ostmärker ihm entgegenschlagen. Wenn auS Anlaß der Posener Kaisertage in der Presse mehrsach Betrachtungen über eine etwaige Aenderung deS Kurses der preußischen Regierung in der Polenpolitik angestellt worden sind, so ist das nichts als müßiges Gerede. Eine solche Aenderung würde jeder geschichtlichen Rechtfertigung entbehren. Die anläßlich des Kaiserbesuches von einigen Polenblättern in der bekannten larmoyanten und den Schein der Loyalität geschickt wahrenden Weise neuausgestellten Behauptungen, als handele eS sich bei der preußischen Politik um eine Besehdung und Unterdrückung nationaler Eigentümlichkeiten des Polentums, bleiben trotz ihrer Wiederholung darum doch nicht minder unwahr. Die preußische Polenpolitik hat sich noch niemals gegen die nationalen Eigentümlichkeiten der Polen gerichtet; waS wir bekämpfen, das sind vielmehr die offen oder versteckt aus Losreißung preußischer LandeSteile abzielenden Bestrebungen, das ist das Phantom eines selbst- ständigen neupolnischen Reiches, und in der Bekämpfung solcher das Lebenswerk Preußens und Deutschlands bedrohender
Lin unheimliches Reiseabenteuer.
Nach dem Englischen von W. Keßler. : (Schluß.)
Dieser AuSrus in der Hindusprache, welcher bedeutete „Töte ihn, Herr, töte ihn!" ließ aus die Nähe einer großen Gefahr schließen, und da konnte doch wohl nur ein Tiger in Frage kommen, welchen die Träger vielleicht erblickt hatten. Und so war es auch, denn alS ich meine Blicke in der vom Mond hell beglänzten Landschaft weiter schweisen ließ, da beschlich mich unwillkürlich ein Frösteln trotz der warmen Nacht, denn voll und furchtbar stand der König der indischen Wälder in einer Entfernung von etwa dreißig Schritt am Nande deS Waldes, der hier die Poststraße umsäumte. Die Straße durchschnitt an diesem Punkte eine kleine Lichtung, an deren einer Seite, hart am Waldesrande, sich ein schmaler Wasserlaus hinzog. Es war ein gewaltiger Tiger, der dort drüben eine lauernde Stellung einnahm; er schien soeben aus dem Waldesdickicht herausgetreten und über das Wasser ge- Iptungen zu sein, denn einer seiner Hintersüße befand sich noch im Schilfe deS WafferlauseS. Die Träger hatten beim Erreichen der Lichtung daS furchtbare Raubtier offenbar gleich bemerkt und waren dann gleich geflohen, mich und den Palankin im Stich lassend und der Anblick dieses grimmigen Raubtieres war in der Tat geeignet, auch das Blut weit mutigerer Leute, als eS die indischen KuliS sind, zum Herzen strömen zu lassen, ich sühlte, wie mich säst ein Gesühl von Schwindel überkommen wollte! Aber daS Bewußtsein, daß der Tod kaum dreißig Schritt von mir entfernt lauerte, gab mir sofort meine ruhige Ueberlegung zurück, ich trat wieder m den Palankin zurück, nahm die Büchse zur Hand und visierte, den Laus auf den Rand deS PalankinsensterS legend, «'dem ich mich aus beide Knie niederließ, sorgsältig nach dem mächtigen Kopf der Bestie, die unverwandt mit ihren grünlich schillernden Augen nach mit herüberstarrtc. Dann gab ich Feuer, und laut hallte das Echo der beiden abgefeuerten
Tendenzen wird es hoffentlich niemals mehr eine Kursänderung geben.
AuS dem A u S l a n d e ist von einigen bemerkenswerten Zusammenkünfte zu berichten. In B e r n hat der Präsident der französischen Republik Fallieres in Begleitung des Ministers des Auswärtigen P i ch o n dem schweizerischen Bundesrate einen Besuch abgestattet. Dieser Besuch bildet die Krönung der wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Annäherung, die sich in der letzten Zeit zwischen den beiden Nachbarrepubliken vollzogen hat. In wirtschaftlicher Hinsicht ist der Tarifvertrag, den Frankreich im Jahre 1906 mit der Schweiz abschloß, als der Anfang günstigerer Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern zu betrachten, die sich während der 90er Jahre im Zollkriege gegenüberstanden. Ferner hat Frankreich, das vordem so gut wie gar keinen verkehrs- politischen Einfluß in der Schweiz besaß, neuerdings durch das französisch-schweizerische Simplonabkommen Einfluß aus die Gestaltung des schweizerischen Durchgangsverkehrs gewonnen. Auch als Ausdruck der Befriedigung hierüber darf der Besuch Fallieres' gelten. Eine allgemeinpolitische Bedeutung kommt dagegen diesem Besuche nicht zu. Das wird auch von der sranzösischen Presse anerkannt, indem beispielsweise der „Temps" zutreffend schreibt: „Die bloßen Bedingungen ihres internationalen Bestehens verpflichten die Schweiz dazu, mit allen ihren Nachbarn korrekte und soweit als möglich herzliche Beziehungen zu unterhalten. Für sie kann keine Rede davon sein, in eins der Allianzsysteme einzutreten, die sich in die Alte Welt teilen. Sie beschränkt sich daraus und muß sich daraus beschränken, ihre materiellen Interessen mit denen der Länder, deren Grenzen an die ihrige stoßen, in Einklang zu bringen.*
Nicht minder wichtig erscheint auch die Zusammenkunft, die der türkische Großwesir Hakki-Pascha in Marien- bad mit dem österreichisch-ungarnischen Minister des Auswärtigen Grasen Aehrenthal gehabt hat. Nach dem „Wiener Fremdenblatt" benutzten die beiden Staatsmänner den Anlaß, alle wichtigen politischen Fragen der jüngsten Zeit zu erörtern. ES ergab sich dabei völlige Uebereinstimmung, und die Unterredungen trugen, gemäß den zwischen Oesterreich- Ungarn und der Türkei obwaltenden vorzüglichen Beziehungen, einen sehr herzlichen Charakter. Da der eine dieser Staaten der langjährige Verbündete Deutschlands ist und der andere im besten freundschaftlichen Einvernehmen mit uns steht, so wird man über die Festigung ihrer Beziehungen untereinander , auch vom deutschen Standpunkte auS lebhafte Befriedigung empfinden müssen.
Zu den elementaren Katastrophen, von den daS ostasiat- ische Jnselreich im Lause der Zeit schon so häufig heimgesucht worden ist, hat sich jüngst eine neue gesellt. Verheerende Ueberschwemmungen haben in Japan großes Unheil ange- richtet. Hunderte von Menschen sind in den Fluten umge- kommen, und in der ganzen Kwanto-Ebene, in der die Haupt- stadt Tokio und der Hauptexporthafen Iokohama liegen, ist
Schüsse aus dem nächtlichen Dunkel des indischen Waldes wieder. Indessen, obwohl ich mich wahrlich keinen schlechten Schützen nennen durfte, so mußte meine Hand doch wohl gezittert und die Schüsse unsicher gemacht haben, denn zweifellos hatte ich den Tiger nur verwundet, wahrscheinlich ihm höchstens eine Streiswunde verursacht, denn ein donnerndes Brüllen ausstoßend, flog er jetzt mit einem gewaltigen Satz auf der Palankin zu und fiel ungefähr zehn Schritt entfernt auf seine Pranken nieder. Jetzt hielt ich eS für geraten, die Bambusjalousien vor beiden Palankinsenstern niederzulasien, da mir ahnte, daß nun der entscheidende Angriff bei Raub- tiercS aus den Palankin erfolgen mußte. Tatsächlich erzitterte in der nächsten Minute der Palankin unter der Wucht deS daran prallenden schweren Körpers des Tigers, und dicht vor meinen Ohren erscholl wiederum sein Wutgebrüll. Dann hörte ich, wie er seine Zähne und Tatzen in das Holzgestell und das BambuSgeflecht des PalankinS einschlug, und kalter Angstschweiß bedeckte bei diesem entsetzlichen Beginnen des ge- reizten Raubtieres meine Stirn. Bald kratzte und riß es an den Seitenwänden deS PalankinS, bald oben aus dem Dache, und der fatale scharfe Geruch des Tieres fiel mir drückend auf die Nerven. Indessen, wenn gleich seine Tatzen und Zähne lange Spähne aus dem Holzgestcll herausrissen, wie sich später zeigte, so konnte er dem festen Holz sonst weiter nichts anhaben, und ebenso trotzten die dicken und zähen Bambusstäbe an den Jalousien der Palankinsenster seinen wütenden Angriffen.
Dies mochte der Tiegel schließlich auch eingesessen haben, da daS Kratzen mit einem Male aufhörte; waS bedeutete jedoch die draußen plötzlich eintretende Ruhe? Hatte die Bestie sich etwa wieder entfernt; nein, das konnte nicht sein, denn ihr Geruch verblieb, und dann zeigte mir auch,ein gelegentliches Schnauben an, daß sie noch in der unmittelbaren Nähe deS PalankinS weilte. Ich beschloß nun, daS weitere einstweilen abzuwarten und verhielt mich daher ganz ruhig; jedoch auch der Tiger rührte sich nicht, und dieser Zustand wurde mir zuletzt unerträglich. Ich nahm den Revolver in die rechte Hand und hob mit der andern die Bambusjalousie des linken PalankinSsensterS, unter welchem ich den Tiger
die Reisernte vernichtet. Als Folge hiervon haben sich an zahlreichen Orten Not und Teuerung eingestellt. Wir wünschen und hoffen in herzlicher Teilnahme, daß eS der bekannten und bewährten Tatkraft der Japaner gelingen möge, die schwere Heimsuchung ihres Landes recht bald zu überwinden.
Saifertogt in Anigsberg.
Am Mittwoch nachmittag verblieb S e. Majestät der Kaiser im Königlichen Schlöffe. Ihre Majestät die Kaiserin besuchte im Lause des Nachmittags das Krankenhaus der Barmherzigkeit.
Im Tiergarten wurde Nachmittags 5 Uhr in Anwesenheit des Kronprinzen und in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste der große Veteranenappell abgehalten. Ueber 7000 alte Krieger aus der ganzen Provinz hatten, geschmückt mit Ehrenzeichen und Kriegsdenkmünzen, auf dem Sportplätze Ausstellung genommen. Der Kronprinz richtete sodann solgende Worte an die Veteranen:
„Der Kaiser sendet Ihnen allen seine besten Grüße. Ich freue mich sehr, daß Sie in so zahlreicher Anzahl erschienen sind und damit Ihre Anhänglichkeit an Ihre alten Regimenter und unsern obersten Kriegsherrn dokumentiert haben. Ich fordere Sie auf, in den Ruf einzustimmen: Seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser und König und oberster Kriegsherr, Hurra!"
Alle Anwesenden stimmten begeistert in daS Hurra ein. Nachdem die Nationalhymne verklungen war, brächte als rang» ältestes Mitglied der Veteranen Generaloberst Freiherr von der Goltz in einer markigen Ansprache den Dank der Veteranen an den Kronprinzen zum A.^v.uä und schloß mit einem dreifachen Hoch aus den Kronprinzen, an das sich daS Abfingen der Wacht am Rhein anschloß. Nunmehr hißten Militärobcr» psarrer Konsistorialrat Bock und der katholische Division-- pfarrer v. Krzefinski die von hohem patriotischen Empfinden durchdrungenen Festreden. Nachdem gemeinsam „Nun danket alle Gott" gesungen worden war, machte der Kronprinz einen Rundgang durch die Ausstellung der Veteranen, wobei er viele von ihnen mit einer Ansprache beehrte. Besonder- freundlich unterhielt sich der Kronprinz mit einigen Veteranen von 1848 und zwei Damen, die als Krankenpflegerinnen 1870/71 tätig gewesen waren. Nachdem schließlich noch ein Veteran spontan ein Hoch aus den Kronprinzen ausgebracht hatte, verließ der Kronprinz unter herzlichen Ovationen den Appellplatz.
Abends 7 Uhr fand im Moskowitersaale deS Königlichen Schlosses bei Ihren Majestäten die Paradetafel für daS 1. Armeekorps statt.
Se. Majestät der Kaiser hielt bei dem Paradcdiner folgen- den Trinkspruch:
Es find nunmehr 31 Jahre verfloffen, seit Ich als junger Leutnant im Jahre 1879, Meinen Vater begleitend, Mein erstes Kaisermanöver unter Kaiser Wilhelm dem Großen gemacht, und
vermutete, ganz vorsichtig in die Höhe und lugte ebenso vor» sichtig hinaus. Richtig, hier lag mein unheimlicher Gegner den mächtigen und doch so geschmeidigen Körper lang aus- gestreckt, da und spähte offenbar die Straße entlang in der Richtung, nach welcher hin die Kulis entflohen waren, denn der Kops der Bestie war erhoben und dieser Richtung zugewendet. Jetzt war es mir, als ob von dort her verworrenes Geräusch ertöne, und die nämliche Wahrnehmung hatte zweifellos auch der Tiger gemacht, denn er richtete sich jetzt, ein zorniges Knurren auSstoßend, halb aus, so daß fein Kopf in die gleiche Höhe mit dem Palankinsenster kam. Unwillkürlich zog ich die Bambusjalousie noch ein wenig höher, zugleich den Revolver schußsertig erhebend. DaS Raubtier mochte meine Bewegungen, so leise sie auch ausgesührt worden waren, gehört haben, denn es wandte mit plötzlich den Kops zu, sodaß ich direkt in die grünlich glitzernden Augen deS TiereS sah. Ich sühlte, daß eS jetzt ein blitzschnelles Handeln galt und feuerte den Revolver drei oder viermal in die Augen deS Tigers ab, woraus ein ohrenbetäubendes Wut» und Schmerzgebrüll erscholl und der Palankin im nächsten Moment von der schweren Masse des rasenden Tieres umgeworfen wurde, ich selber stürzte zu Boden. Dann aber blieb eS draußen mit einem Male ruhig, und in höchster Erregung harrte ich in meiner liegenden Stellung auf daS weitere. Da vernahm ich menschliche Stimmen, die sich näherten, mir war eS, als wenn draußen Fackellicht ausblitzte und jetzt erschollen laute Ausrufe in hindostanischer Sprache: „Da seht, da liegt er, der Tiger, er rührt sich nicht mehr!"
Gleich daraus wurde der Palankin in die Höhe gerichtet und geöffnet und hilfsbereite Hände zogen mich heraus. ES waren meine Träger, die sich unterdessen doch aus ihre Pflicht besonnen und in der nächsten Ortschaft, nach der sie geeilt maren, Verstärkungen und außerdem Fackeln geholt hatten. Vermutlich wäre der Tiger vor dem Lärm, den die Inder vollsührten, und dem Scheine ihrer Fackeln in daS WaldeS- dickicht zurückgeflüchtet, so aber lag es regungslos da, getötet von meinen Revolverkugeln, welche ihm durch die Augen ins Gehirn gefahren waren. Die braunen Kerle überschütteten mich mit Lobpreisungen wegen meines Verhalten-, bis ich