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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. ver vezugrpreir beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w»

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Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eilt- gespaltenen Seile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seite 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsnL««

herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 100. Donnerstag, den 25. August 1910.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 18. August 1910.

Die Herren Schulvorstände der Einzelschulverbände und die Herren Verbandsvorsteher der Gesamtschulverbände des Kreises ersuche ich, mir bestimmt bis zum 1. September d. Js. anzugeben, wieviel die gesamten laufenden Schulunter- Haltungskosten vom Rechnungsjahr 1909/10 betragen haben. Es sind dieses alle Ausgaben, welche für die Schule ohne Abzug der vom Staate geleisteten gesetzlichen Beiträge und Ergänzungszuschüsse aufgewendet worden sind. Kosten für Neu- und Erweiterungsbauten kommen nicht in Betracht.

? 8. I. Nr. 8103 I. Aug. Der Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 22. August 1910.

In Asbach ist der Schweinerotlauf amtlich sestgestellt worden.

I. 8262. Der Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 22. August 1910.

Unter dem Schweinebestande des Rentners Mausehund hier ist die Rotlaufseuche auSgebrochen.

I. I. 8252. Der Landrat

von Grunelius.

Nichtamtlicher teil.

Sie Merlane in Pose».

Seine Majestät der Kaiser besuchte am Montag nachmittag 5 Uhr die Königliche Akademie, wo er von dem Kurator Oberpräsidenten v. Waldow und dem Rektor Professor Dr. Spies empfangen wurde. Ihre Majestät die Kaiserin besuchte Nachmittags die alte Kreuzkirche und die katholische Pfarr­kirche (Johanniterkirche). Zur Abendtafel bei Ihren Majestäten waren geladen Schloßhauptmann Gras von Hutten-Czapski und der Kommandeur der Königsjäger zu Pferde Major von Rosenberg-Lipinsky.

Im Laufe des Vormittags hatte die Kaiserin verschiedene gemeinnützige Anstalten besucht. Den Anfang machte um 9Va U^r das DiakonisfenhauS. Die hohe Besucherin wurde hier vom Gemraljuperintendenten a. D. Hesekiel, dem Kuratorium, dem u. a. Landeshauptmann v. Dziembowski und Ansiedlungk- komissionSpräsident Gramsch angehören, und dem Vorstand des ProvinzialvereinS der Frauenhülse, mit Frau Gräfin Kirchbach an der Spitze, empfangen und unternahm einen Rundgang.

Die Kaiserin besuchte ferner daS Kaiserin-Auguste-Biktoria-

NitiNtin Hilft Mterjlüme.

Roman von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

»Ich bin die allein berechtigte Erbin und sehe mich in keiner Weise verpflichtet!" erklärte Anni und >varf den Kopf trotzig in den Nacken,um so weniger, da die Witwe meines VaterS von ihm bereits während ieiner Lebzeit ein Kapital zur Erziehung ihrer Brüder em- Pfangen hat. Damit erscheinen mir ihre Ansprüche erledigt i» fein.

Aus Reginas beweglichen Zügen, ihrer wechselnden Röte und Blässe konnte man die hohe Erregung erkennen, die sie stürmisch durchwogte. Sie war ausgestanden, und trotzdem

leises Zittern nicht zu verkennen war, trug sie den Kopf aufrecht und sagte mit fester Stimme:WaS ich erwartete und wonach ich Verlangen trug, daS ist mir geworden, die Liebe und Achtung meines Mannes und ein friedvolles Leben an er Seite. Damit sind meine Ansprüche erledigt; sie stehen W nach Hab und Gut."

»Bitte, meine gnädige Frau, so schnell läßt sich die Sache A abtun", wehrte Degenhardt, als Regina das Zimmer uiassen wollte,ich muß Sie ersuchen, noch hier zu bleiben. M Fall liegt nicht so klar, wie die Herrschaften anzunehmen Minen. Durch daS Unwohlsein von Frau von Stetten urde die Testamentseröffnung hinauSgeschoben. Wäre left wie eS sonst der Fall ist gleich nach dem We erfolgt, so hätte die Witwe deS TestatorS, seinem Wunsche gemäß, sofort die Papiere von Carlo erhoben, die Summe wäre nicht verloren gewesen. Eine iU chtSsrage könnte unter diesen Umständen nur zu Gunsten " Benachteiligten entscheiden, wie mich dünken will " . »Und wenn ich es auf einen Prozeß ankommen lassen 2 trotzig ^ fte,Win9 ich nichts heraus", warf Te»^'"? /Mt P ^ RechtSanwalt. Ihre Hand auf das Hament legend, erklärte sie feierlich:Ich entsage hiermit

Haus, wo sie von Frau Oberpräsident v. Waldow empfangen wurde, und wo die Vorstandsmitglieder des ProvinzialvereinS vom Roten Kreuz und des Verbandes der Vaterländischen Frauenvereine in der Provinz Posen und der Stadt Posen Aufstellung genommen hatten. Es wurde dann daS Kranken­haus der Barmherzigen Schwestern besucht, wo die Kaiserin von der Oberin, Schwester Suminski, empfangen wurde, und wo u. a. die Generaloberin Frau Giersberg aus Kulm und Weihbischos Dr. Likowski die Kaiserin erwarteten. ES folgte der Besuch des städtischen Berger - Stiftes, wo Bürger­meister Künzer an der Spitze des Kuratoriums die Kaiserin begrüßte.

Prinzessin Eitel-Friedrich besuchte, in Vertretung Ihrer Majestät, das Evangelische Vereinshaus und wurde dort von dessen Vorstand, Konsistorialpräsidenten Balan, empfangen.

Der Vorstand des evangelischen Kirchen - Hülssvereins wurde von Ihrer Majestät im Diakonissenhause empfangen.

Heute vormittag 10 Uhr 35 Minuten sind Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise unter stürmischen Hochrufen des Publikums im Sonderzug von Posen nach Königsberg abgefahren. Zur Verabschiedung aus dem Bahnhof waren anwesend der Ober- Präsident v. Waldow, der Polizeipräsident v. Heyking, der kommandierende General Graf Kirchbach und Gemahlin, Ober­bürgermeister Dr. Wilms, Stadtkommandant v. Steinäcker.

Königsberg i. P r., 23. August. Die alte Krönungs­stadt am Pregel hat für die bevorstehenden K a i s e r t a g e fest- lichen Schmuck angelegt. Hunderte von fleißigen Händen sind in den letzten Tagen tätig gewesen, um die Ausschmückungs­arbeiten zu vollenden, an denen die Behörden, die Bürgerschaft die Kunstakademie in gleich umfassender Weise beteiligt sind. Am Bahnhossplatze vor dem Eingang zur Kaiserstraße ist eine mit Blumen und Tannengrün geschmückte Ehrenpforte errichtet, deren ragende Flankentürme nach der Bahnhossseite zu die großen Medaillonbilder des Kaifers und der Kaiserin, nach der Kaiserstraße zu die König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise zeigen. Hier werden die Mitglieder der städtischen Körperschaften mit dem Oberbürgermeister an der Spitze die Majestäten zur Begrüßung erwarten. Von allen Häusern in den Einzugsstraßen wehen Fahnen und Banner, viele Schausenster sind mit Bildern und Büsten der Majestäten und der Mitglieder der kaiserlichen Familie dekoriert. Durch besonderen Schmuck zeichnen sich ferner aus das Rathaus so­wie das LandeShaus, denen die Majestäten einen Besuch ab- zustatten gedenken. Sehr groß ist der Andrang der Besucher aus der Provinz, zu dessen Bewältigung Staats- und Privat­bahnen Extrazüge eingelegt hoben. In den Straßen der Stadt herrscht regeS Leben und Treiben, das durch die Uniformen der aus der ganzen Provinz zusammengezogenen Truppenteile ein buntfarbige- Gepräge erhält.

Königsberg, 23. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen OSkar trafen um 5 Uhr 30 Min. aus dem Ostbahnhose ein. Hier

ein für allemal vor diesen Zeugen jeglichen Ansprüchen, die sich zu meinem Gunsten an das Vermögen meines verstorbenen Mannes erheben lassen sollten."

Aber meine gnädige Frau, bedenken Sie, was Sie da aus der Hand geben", warnte der RechtSanwalt.

Die Augen der jungen Frau begegneten seinem Blicke klar und fest.Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe", beharrte sie, und mit einem müden Lächeln fügte sie hinzu:Bei den weiteren Verhandlungen bin ich wohl überflüssig; da wird eS mir gestattet sein, jetzt heim zu gehen."

Nur müssen Sie mir erlauben, nach einigen Tagen bei Ihnen vorzusprechen, um mir Ihre entgültige Entscheidung zu holen", bat Degenhardt.

Es wird immer dieselbe bleiben", antwortete die junge Frau, grüßte ernst und mit unnachahmlicher Hoheit die An­wesenden und verließ daS Zimmer.

Ein herrliches Weib", murmelte der RechtSanwalt und strich in nervöser Erregung über daS zusammengefallcte Testament.

Vielleicht, daß über Nacht die Herrschaften sich die Sache anders überlegen, dann stehe ich zu Diensten. Vorläufig darf ich wohl um meine Entlassung bitten", sagte er und stand aus.

IX.

Degenhardt verfehlte nicht, Regina in den nächsten Tagen bei ihrer Mutter aufzusuchen und ihr dringende Vor- stellungen zu machen, daß sie Ansprüche an eine gewisse Entschädigungssumme für daS Verlorene erheben müsse. Doch die junge Frau blieb bei ihrer Weigerung und meinte, sie hätte so viel Gutes von ihrem verstorbenen Mann genossen, daß sie sich daran genügen lasten könne.

Vergebens stellte Degenhardt ihr vor, daß es nur im Wunsche deS TestatorS liegen könne, wenn sie von dem ihr zustehenden Rechte Gebrauch mache, da es sein wiederholt ausgesprochener Wille gewesen wäre, seine Witwe in sorgenfreier Existenz zu- rückzulassen.

ES wird mir auch nicht am täglichen Brot fehlen",

fand großer militärischer Empfang statt. Nachdem der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie ab geschritten und den Vorbei­marsch entgegengenommen hatte, begaben sich die Majestäten aus den Bahnhofsplatz. Die Kaiserin und die Prinzessin be­stiegen einen a la Daumont gefahrenen Wagen mit Spitzen­reitern, der Kaiser und die Prinzen stiegen zu Pserde unter Eskorte einer Schwadron des KürassierregimentS Gras Wrangel und hielten feierlichen Einzug in die Stadt. Am Zugang zu der Kaiserstraße unter der Ehrenpforte hatten die städtischen Körperschaften Ausstellung genommen. Oberbürgermeister Körte begrüßte die Majestäten mit einer Ansprache.

Moderne Kriegsschiffe.

Vor kurzem ging in England ein Schlachtschiff vom Stapel, welches als Vertreter der modernsten Gattung ange­sehen werden kann. Wie der Fachausdruck lautet: ein Superinvinzible.

Zum Verständnis der Entwickelung muß hier ein wenig weiter ausgeholt werden. Man unterscheidet in einer Kriegs­flotte unter anderem Schlachtschiffe und Kreuzer. DaS Schlachtschiff soll, wie schon der Name andeutet, in der Schlacht den AuSschlag geben. Aus den Schlachtschiffen soll sich der Kern der Schlachtflotte zusammensetzen. Sie haben sich aus den alten Linienschiffen entwickelt, die vor hundert Jahren mit drei Masten und schweren Segeln getakelt, auS Holz ge­baut und mit Hunderten von Kanonen ausgerüstet, den Haupt­bestand der Flotte bildeten. Mit fortschreitender Technck bekamen sie Dampfantrieb, Stahlpanzerung und anstelle der vielen kleinen Kanonen eine geringe Zahl von Riesengeschützen.

Den^ Schlachtschiffen gegenüber standen die Kreuzer. Sie verhielten sich zu den Schlachtschiffen ungefähr so, wie sich heute die Kavallerie zur Infanterie verhält. Während die Infanterie unbedingt Kampstruppe ist, besteht die Ausgabe der Kavallerie heutzutage bekanntlich darin, sich wie ein Schleier um die eigene Infanterie zu legen, die Bewegungen der eigenen Truppe zu verdecken, weit in daS Gebiet deS Feindes vor- zustoßen, von dort wichtige, ausklärende Nachrichten zu bringen und in Form starker Patrouillen gelegentlich auch in seind- lichen von Militär nicht sonderlich besetzten Plätzen Schrecken zu erregen. Alles das kann die Kavallerie eben deswegen, weil sie beritten ist, weil sie sehr viel schneller und beweg­licher alS die Infanterie ist.

Zur See fiel die Aufgabe der Kavallerie den Kreuzern zu. Als schnelle, weniger stark bewaffnete Schiffe, sollten sie die Bewegungen der feindlichen Flotte auSkundschasten, den feindlichen Handel beunruhigen, gelegentlich auch entfernte un­befestigte Feindeshäsen angreifen. Dagegen sollten sie einer ernsthaften Schlacht aus dem Wege gehen.

AuS allen diesen Gründen lautet die Hauptforderung für einen Kreuzer auf Schnelligkeit und wiederum Schnelligkeit und noch ein drittes Mal Schnelligkeit. Er sollte in der Lage sein, fich unter allen Umständen schleunigst aus dem

lächelte Regina wehmütig.Ich werde versuchen, meine Kräfte zu brauchen, und denke meinen Weg zu finden I"

Dann reichte sie Degenhardt die Hand und dankte ihm warm und herzlich für feine Bemühungen. Der ganze Zauber ihrer Persönlichkeit trat dem RechtSanwalt bei ihren Worten entgegen, und alS sie ihn bat,quälen Sie mich nicht länger mit Vorschlägen, auf die ich doch nicht eingehen kann", war er ganz hingerissen von ihrer Anmut und ihrem hoch­herzigen Sinne; dennoch konnte er sich nicht enthalten, zu fragen,und warum beharren Sie so fest aus der Ab­lehnung ?"

Handelte ich jetzt nach Ihrem Rate, so würde Frau von Stetten ihres Heimgegangenen Vaters nur in Bitterkeit ge­denken. Das darf nicht sein. Meine Liebe und Dankbarkeit für den Verstorbenen soll bis über das Grab hinaus dauern. Ich will dafür sorgen, daß sein Andenken ungetrübt bei seinen Kindern fortlebe. Das kann nur geschehen, wenn ich ganz zu- rücktrete."

Degenhardt hatte in seinem Beruf oft Gelegenheit, die Tiefe des menschlichen HerzenS kennen zu lernen, und dabei waren es meist keine glücklichen Entdeckungen, die er gemacht hatte; denn Charakterzüge hatten sich ihm enthüllt, von denen er sich voll Ekel abgewandt hatte. So war es gekommen, daS er mehr und mehr den Glauben an die Menschheit ver­loren hatte und auf dem besten Wege war, sich einer völlig pessimistischen Weltanschauung zu ergeben.

Reginas hochherzige Gesinnung und ihr zielbewußtes Han­deln machten einen tiefen Eindruck auf ihn, der durch ihren Liebreiz noch unterstützt wurde. Er hätte Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um dieser reizenden Frau die Steine auS dem Wege zu räumen.

DaS versicherte er ihr beredten MundeS, als er sich von ihr empfahl.Wenn Sie je in Geschäften oder in irgend einer Angelegenheit des RatS und der Hülse bedürfen sollten, so wenden Sie sich an mich, solcher Dienst wird mir eine Freude sein", waren feine letzten Worte, bevor er sie verließ.

In den nächsten Tagen erhielt Regina einen Brief von Anni, der in einem so freundlichen Tone gehalten war, wie