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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, v»

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein» gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsn»««

Herzsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage*

Fernsprech-Slnschlutz Nr. 8

Nr. 99

Dienstag, den 33. August

1910

Amtlicher teil.

HerSseld, den 20. August 1910.

Um die Unterlagen für die Kirchensteuer-Veranlagung zu gewinnen, hat der Kirchenvorstand der hiesigen katholischen Gemeinde ersucht, die Ortsvorstände zu veranlassen, ihm spä­testens bis zum 29. d. Mts. folgendes mitzuteilen:

1) die Namen sämtlicher innerhalb der einzelnen Ortschaften des Kreises zur Staatseinkommensteuer und zur fingierten Normalsteuer veranlagten Katholiken unter Angabe der einzelnen Steuerbeträge,

2) die Namen des katholischen Teiles gemischter Ehen, soweit die Ehemänner zur Staatseinkommensteuer oder fingierten Normalsteuer veranlagt sind, ebenfalls unter Angabe der ein­zelnen SteuerbetrSge.

Ich weise die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS Kreises, soweit in ihren Ortschaften Katholiken wohnen, (mit Ausnahme der Stadt Hersfeld) an, die geforderten Nach- weisungen sogleich auszustellen und bis spätestens zum 29. d. Mts. an den katholischen Kirchenvorstand, Herrn Psarrverweser Goldbach, hier einzusenden.

Da Klage geführt worden ist, daß die in den Vorjahren eingejandten Nachweisungen mehrfach unvollständig und un­genau aufgestellt waren, ersuche ich, mit besonderer Ge­wissenhaftigkeit und Genauigkeit zu verjähren.

Der Termin ist genau innezuhalten.

Ueber das Veranlaßte ist mir bis zum 29. August zu be­richten ; auch Fehlanzeige ist zu erstatten.

Nr. 2222. Der Landrat

von GruneliuS.

-

HerSfeld, den 18. August 1910.

In Mengshausen ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.

I. 8041. Der Landrat

von GruneliuS.

$ttmtm*|.

Von dem

öffentlichen W«g,

Blatt 2, Parzelle 115, Gemarkung Schenklengsfeld, in der Struth und Blatt 9 Parzelle 102 in der Gemarkung Schenklengsseld in der Conröder-Ring-Dorflage, auf der Ziegelhütte genannt, sollen 32 Quadratmeter, die entbehrlich sind, eingezogen werden.

Dieses wird gemäß § 57 des Zuständigkeitsgesetzes mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Ein-

Zoiiilellslljeiil unb MeHmt.

Roman von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Auch den Kommerzienrat packte die tückische Krank­heit und fesselte ihn an daS Bett, trotzdem er sich mit aller Willenskraft dagegen wehrte, um seiner kleinen Sama- riterin, wie er Regina nannte, nicht gar zu viel Mühe zu machen.

Anni war in jenen Tagen unabkömmlich, da im Stetten- schen Hause ein junger Stammhalter daS Licht der Welt erblickt hatte. Diese Botschaft gestaltete sich zur letzten Freude, die der Kommerzienrat ersassen konnte, ehe ihn daS Fieber mit solcher Gewalt packte, daß seine Gedanken sich ver­wirrten.

Seine treue Samariterin wich nicht von seinem Bette. Aus ihrer Hand empfing er jeden Löffel Arznei, ihre Stimme brächte ihm Beruhigung, wenn ängstliche Phan­tasien ihn quälten, und nur ihre Gegenwart allein, so behauptete der Kranke, gewährte ihm Linderung der Schmerzen.

Eine hinzugetretene Lungenentzündung machte den Fall noch schwieriger, so daß Reginas Pflege Tag und Nacht in Anspruch genommen wurde. Sie wich nicht von ihrem Posten, obgleich der Arzt selbst riet, eine Krankenpflegerin zu Hilfe zu nehmen. Endlich war die Entzündung besiegt, die Kräfte aber so geschwächt, daß alle« zu befürchten stand.

Der Kommerzienrat täuschte sich keinen Augenblick über seinen Zustand, und eines Morgens, als die schlaflose Nacht ihn ganz besonders matt gemacht hatte, zog er Regina dicht zu sich heran.

Kind, eS geht zu Ende! Da hilft kein Doktern mehr, der alte Körper ist verbraucht-, raunte er.Hole mir aus meinem Schreibtische rechter Hand die Leder- Mappe. -

Wendungen hiergegen innerhalb 4 Wochen bei der unter­zeichneten Wegepolizeibehörde angebracht werden können.

Schenklengsseld, den 18. August 1910.

Die Wegepolizeibehörde. Rüger.

nichtamtlicher teil.

Jie Saifertage in Pose«.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind am Sonnabend um 3 Uhr 58 Min. mit Sonderzug aus dem Hauptbahnhof Posen eingetroffen.

Die Majestäten fuhren im Automobil bis zur großen Tri­büne am Königlichen Residenzschloß. Die Truppen des Standortes bildeten Spalier, hinter ihnen die Schulen, Krie­gervereine und andere Vereine. Eine gewaltige Menschenmenge begrüßte die Majestäten und die kaiserliche Familie mit stürm­ischen Zurufen.

Am Residenzschloß hatten sich ausgestellt die städtischen Körperschaften, die Geistlichkeit und eine Gruppe weißgekleideter Ehrendamen. Das Wetter hatte sich aufgeklärt. Als das Auto­mobil der Kaiserlichen Majestäten vor den Stadtvertretern hielt, trat Oberbürgermeister Dr. Wilms vor und hielt eine Rede, in welcher er an daS Kaiserwort vom Jahre 1892 er­innerte, das den engen Gürtel der Festungsstadt sprengte, so­wie an ähnlich bedeutsame Ereignisse in der älteren Geschichte Posens, an die Gründung d« deutschen Kolonialstadt links der Warthe vor mehr als sechseinhalb Jahrhunderten und an den Wiederaufbau des abgebrannten Teils der Stadt zu An­fang des vorigen Jahrhunderts. DrS weiteren erinnerte der Oberbürgermeister an den Besuch König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise im Jahre vor diesem Brande, an die Ueberschwemmung des JahreS 1888, welche die Kaiserin Friedrich trotz der Krankheit ihres hohen Gemahls nach Po­sen zu eilen veranlaßte, um den Bedrängten Trost und Hülse zu bringen, schließlich an die vielfachen Beweise landesväter- lichen Interesses von feiten Sr. Majestät deS Kaisers, die keine schönere Krönung finden konnten als in dem Entschluß, die mächtige Kaiserpfalz an den Toren des alten Posens ent­stehen zu lassen. Der Oberbürgermeister schloß: Mit schnellerem Herzschlag und leuchtendem Blick begrüßen wir daher den Freuden- und denkwürdigen Jubeltag, an welchem Euere Majestäten in das herrliche Kaiserschloß festlichen Einzug hal­ten. Gewaltig wie Sturmesbrausen erschalle von den gra­nitenen Quadern der Kaiserpfalz zurückhallend der Rus hinaus in die Lande: Se. Majestät der Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin sie leben hoch !

In daS Hoch stimmten die Anwesenden begeistert ein. Die Glocken begannen zu läuten. Der Oberbürgermeister bot dem Kaiser, der die Uniform der 1. Posen« KönigSjäger zu Pferde trug, einen Ehrentrunk an, den Seine Majestät entgegennahm.

Tief bewegt brächte Regina ihm das Verlangte. Er zog einen offenen Brief daraus hervor und gab in ihr.

Lies ihn mir-, bat er,ich will noch einen Schluß hin- zufügen."

Mit unsicherer Stimme las die junge Frau:

Mein lieber Doktor Tondern!

Ahnungslos, daß ich einen Raub an Ihnen be­ging, setzte ich mich in den Besitz deS Schatzes, der Ihnen von Rechts wegen gehörte, und dessen Wert ,ch ganz erkannt hatte. Er wurde mit mit jedem Tage teurer.

Ich kann es daher ermessen, was es Ihnen gekostet hat, ein solches Kleinod aufgeben zu müssen, das ich Ihnen doch nur dann zurückgeben kann, wen» der Tod meine Augen schließt.

Zürnen Sie dem alten Manne nicht, der eS gut gemeint hatte und Ihnen doch soviel Schmerz bereitete, weil er Ihnen Ihr Liebstes vorenthielt.

Wenn Sie diese Zeilen erhalten, so ist die Scheide­wand zwischen Ihnen und Regina gesunken. Der St«, bende, der Sie durch diesen Brief zurückrust, ist dann heim­gegangen mit einem letzten heißen Danke für alle Liebe und Treue, die fein Weib, der Sonnenschein feiner letzten Tage, ihm bis zum Tode erwiesen hat. Dafür möge Gott sie segnen und ihr vergelten, was sie an mir getan hat!"

Aufschluchzend kniete Regina an dem Lager nieder, als sie die Zeilen gelesen, und drückte ihre Lippen aus die wachs­bleiche Hand ihres treuen VersorgerS.

Den Brief soll unser HauSarzt heute haben und ihn fortschicken, wenn ich nicht mehr bin-, sagte er im Flüster­ton,ich schrieb ihn,. alS ich die Krankheit in den Gliedern fühlte. Gib mir meinen Stift, ich will das Schreiben schließen.-

Regina schob den Krankentisch über sein Lager und reichte ihm das Gewünschte. Sorgsam durch Kissen gestützt, schrieb er mit kaum leserlichen Buchstaben am Schluß des, Briefes:

Die Abschiedsstunde ist da. In dem Augenblick,

Das kleine Töchterchen des Oberbürgermeisters üb «reichte bet Kaiserin einen Blumenstrauß, den die hohe Frau mit huld­vollen Worten entgegennahm.

Die Rede Sr. Majestät deS Kaisers bei Entgegennahme deS EhrentrunkS lautete:

Mein lieber Oberbürgermeister!

Im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin wie in Meinem Namen danke Ich Ihnen von Herzen für die freundlichen und tiefempfundenen Worte, mit denen Sie Uni begrüßt und die treue Anhänglichkeit der Posen« Bürgerschaft zum Ausdruck gebracht haben. Wir freuen uns, daß eS durch Gottes Gnade Uns vergönnt ist, heute Unseren Einzug in die Mauern Ihrer Stadt und die von Meisterhand errichtete Pfalz zu halten. Wir freuen Uns, in Unserer jüngsten Resi­denzstadt, zu der Ich die Stadt Posen hiermit erhebe, Auf­enthalt zu nehmen und fortan zu ihren Bewohnern in nähere Beziehung zu treten. Möge die Bürgerschaft Posens sich beim Anblick dieser machtvollen Pfalz stets des landeSväterlichen Schutzes bewußt sein, mit dem Ich und Meine Nachfolger an der Krone jede ehrliche Arbeit und Hantinung geleiten werden. Möge die neue Residenz mit ihren Schwestern im Lande in Treue zu Kaiser und Reich, in Liebe zu König und Vater- land alle Zeit wetteifern und sein und bleiben ein Hort und eine Pflanzstätte deutscher Kultur und Sitte! Ich trinke auf das Wohl der Residenzstadt Posen und ihr« treuen Bürg«» schaft."

Unter erneuten stürmischen Hochrufen der Bevölkerung fuhren die Majestäten zum Schloß, die in den nachfolgenden Automobilen sitzenden Prinzen und Prinzessinnen wurden gleichfalls allenthalben herzlichst begrüßt. Am Schloßportal überreichte der Erbaun Geheimer Baurat Schwechten dem Kaiser den goldenen Schlüssel, womit dies« öffnete. Die Majestäten unternahmen einen Rundgang im Schlöffe und nahmen daselbst Wohnung.

Bei der Festtafel, welche abends 7 Uhr im Residenzschloß stattfand, brächte Se. Majestät der Kaiser folgenden Trink- spruch aus:

Seien Sie Mir willkommen meine Herren, zur Weihe Meiner Pfalz in Posen. Zunächst liegt es Mir ob, die Schuld des DankeS abzutragen an alle diejenigen, die an diesem Bau mitgewirkt haben, und deren Munifizenz der Bau zu danken ist. Ich danke der Vertretung des preußischen Volkes für die Bewilligung der Summe für die Pfalz und hoffe, daß die hier anwesenden Mitglieder derselben sich persönlich davon überzeugen wollen, ob das Geld richtig angewendet sei. Ich danke dem srüheren Herrn Finanzminister Freiherrn von Rhein­haben für seine vortreffliche Vertretung dieser Sache im Land­tage. Von Herzen bedankt sei der geniale Architekt Geheimer Rat Schwechten, dessen Meisterhand die Pläne und da- Mo­dell zu diesem Bau entwarf, und der mit seinen vielen Mit- und Unterarbeitern dieses stolze Bauwerk geschaffen. Ich danke allen Künstlern, Meistern, Gesellen und Arbeitern, die mit rastlosem Eiser an dem Bau dieser Pfalz mitgewirkt und ihr

da für mich die Sonne untergeht, winkt Ihnen das Mor­genrot. Ich gönne es Ihnen und ihr, die mein alles war.-

Mit äußerster Anstrengung hatte der Kommerzien­rat die Worte geschrieben. Zitternd setzte er noch Namen und Datum darunter. Dann lehnte er sich erschöpft zurück.

Kind, ich habe für dich gesorgt", murmelte er,ihr sollt nicht darben glückliches Heim meiner in Liebe ge­denken."

Seine Augen schloffen sich. Ein kurzer Schlummer ent­rückte ihn der Gegenwart.

Regina hatte eine Depesche nach Ohlau gesandt, sie «> wartete mit dem nächsten Zuge den Schwiegersohn.

Eine tiefe Ruhe war über den Kranken gekommen, nach­dem er dem Arzt den Brits übergeben hatte.Nun ist alles geordnet", atmete er erleichtert auf,grüße mein Kind und küßt den Enkel. -

Reginas Hand in der seinen, lag er lange im Halb- schlummer. Plötzlich richtete er sich aus, ein Leuchten ging über seine Züge, und mit klarer Stimme sagte er:Herr Gott, nimm mich gnädig auf!"

Noch ein tiefer Seufzer, dann sank fein Haupt zurück. Er war heimgegangen, und ein friedliches Lächeln blieb aus seinen Zügen zurück.

*

Die Trauerseierlichkeiten waren vorüber. Nur der Schwie­gersohn hatte den alten Herrn zu Grabe geleiten können, Denn Anni sollte geschont werden und durste noch nicht reifen. Die junge Witwe war tief erschüttert und ihr zarter Körper von der selbstlosen Pflege angegriffen. Ab« mit festem Willen suchte sie auch jetzt die Schwäche zu bemeiftern, um den verschie- denen Pflichten nachzukommen, die diese Tage von ihr sor- derten.

Doppelt schmerzlich empfand sie in dieser Seelenstrmmung die kühle, fast verletzende Art, mit der Steilen sie behandelte. Als Eindringling war sie von dem Ehepaar angesehen worden, und alles Glück, das sie Annis Vater gebracht hatte, konnte darin nichts ändern.