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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 98. Sonnabend, den 20. August 1910.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 15. August 1910.
Der Herr Regierungs-Präsident hat eine allgemeine Revi- sion der gegenwärtig gültigen, unter dem 24. Juni 1901 (Regierungs-AmtSblatt Nr. 22 vom 26. Juni 1901) festge- stellten Durchschnittssätze des Tagelohnes gewöhnlicher Tage- arbeiter angeordnet.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich die hiernach erforderlichen Feststellungen unter Beachtung der mit meiner Verfügung vom 23. Juni 1892 Nr. I 3994 (im Kreisblatt Nr. 75) mitgeteilten Grundsätze vorzunehmen. Ueber das Ergebnis ist mir bis zum 15. September d. Js. unter Vorlage einer Uebersicht nach dem unten mitgeteilten Muster zu berichten. Bei den vorzunehmenden Feststellungen ist besonders zu beachten, daß als „gewöhnliche Tagearbeiter" nur solche Personen in Frage kommen, die Arbeiten verrichten, welche eine besondere Vorbildung, oder besondere technische Fertigkeiten nicht erfordern.
Demnach sind als „beteiligte" Versicherungspflichtige im Sinne des § 8 des Krankenversicherungsgefetzes auch nur diese Arbeiter und als „beteiligte" Arbeitgeber nur solche anzusehen,
Uebersicht über die durchschnittlichen ortsüblichen
Der durchschnittliche ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter beträgt:
Namen der
für männliche Per- fonen über 16 Jahre
für männliche Personen unt. 16 Jahren
für weibl. Personen über 16 Jahre
für weibl. Personen unter 16 Jahren
Gemeinden
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i. ganzen
in
i. ganzen
in
i. ganzen
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und
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Gutsbezirke
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15.
HerSfeld, den 17. August 1910.
In der zweiten Hälfte des Monats Oktober d. Js. beginnt der Unterricht in der hier zu eröffnenden landwirtschaftlichen Winterschule.
Der ganze Kursus umfaßt zwei Winterhalbjahre. Das Schulgeld für das Winterhalbjahr beträgt 30 Mk. und ist spätestens vier Wochen nach Beginn des Unterrichts an die KreiSkommunalkaffe zu zahlen.
Die Aufnahme der Schüler geschieht durch den Direktor, welchem
1. das Zeugnis über den mit Erfolg geschehenen Besuch der Elementarschule,
2. die Geburtsurkunde, nach welcher der Aufzunehmende das 15. Lebensjahr überschritten haben muß,
3. eine Bescheinigung der Ortsbehörde über den unbescholtenen Leumund vorzulegen sind.
Die Herren Bürgermeister des KreiseS ersuche ich, mir bis zum 1. September d. IS. diejenigen Knaben namhaft zu machen, die Willens sind, die landwirtschaftliche Winterschule im Herbste d. Js. zu besuchen. Eine Verpflichtung zum Besuche wird damit noch nicht übernommen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. Nr. A. 6296. von GruneliuS,
Landrat.
HerSfeld, den 18. August 1910.
Nach den Jahresberichten der Hessischen Brandversicher- ungs-Anstalt findet eine nicht geringe Zahl der Brandunglücke ihre Entstehungsursache in dem Spielen der Kinder mit Streichhölzern und sonstigen Zündstoffen.
Ich sehe mich daher veranlaßt, jetzt, wo beim Hüten deS Viehes die Kinder Streichhölzer bei sich führen, um der verderblichen Sitte gemäß im Felde resp, auf dem Weideplätze Feuer anzumachen und Kartoffeln rc. zu braten, an die Bewohner des Kreises die dringendste Aufforderung zu richten, die Streichhölzer doch so aufzubewahren, daß sie unverständigen Kindern nicht zugänglich sind, denn eS sind Fälle vorgekom- men, daß Kinder, ebenso wie im Freien, in Wohnräumen, Scheunen rc. ein Feuerchen angezündet haben, wodurch dann große Schadenfeuer entstanden sind.
Daß auch die Herren Lehrer ihren Einfluß in dieser Hinsicht aus die Schulkinder zur Geltung zu bringen wissen werden, setze ich als selbstredend voraus.
Die Herren Bürgermeister deS KreiseS ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung wiederholt in der Gemeinde zu veröffentlichen.
I. 8104. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die parlamentSlose Zeit, in der die GefetzgebungSmaschine stillsteht oder doch nur in dem verborgenen Schoße der ReichS- ämter und Ministerien weiterarbeitet, ist für die innere Politik im allgemeinen naturgemäß eine ruhige Zeit. DaS trifft auch in diesem Jahre zu. Aber wir leben gegenwärtig in einer an Gärung und Aufregung so reichen Epoche unserer
die gewöhnliche Tagearbeiter beschäftigen. Es ist der größte Wert darauf zu legen, daß die anzustellenden Ermittelungen sich aus diese Arbeiter beschränken, und daß alle Arten von gelernten Arbeitern außer Betracht bleiben.
Gemäß § 8 des Krankenversicherungsgesetzes in der Fassung der Novelle vom 25. Mai 1903 muß vor Feststellung der Tagelohnsätze eine Anhömng der Gemeindebehörden erfolgen und Vertretern der beteiligten Arbeitgeber und der beteiligten Versicherungspflichtigen Gelegenheit zu einer Aeußerung gegeben werden. Es sind deshalb vor Abgabe des Gutachtens mindestens je 2 Arbeitgeber und Arbeiter zu einer Aeußerung zu veranlassen. Diese schriftlich niederzulegenden Aeußerungen, welche von den gehörten Persönlichkeiten zu unterschreiben sind, sind mir bei Vorlage der verlangten Uebersicht mit einzureichen. Ferner muß den Reichs-, Staats- und Kommunalbetrieben, die gewöhnliche Tagelöhner beschäftigen, Gelegenheit zu einer Aeußerung gegeben werden.
Ich erwarte, daß die erforderlichen Feststellungen, den vorstehenden Ausführungen entsprechend vorgenommen werden, und daß der bestimmte Termin (15. September d. Js.) nicht überschritten wird.
I. 7346. Der Landrat
von Grunelius.
Tagelöbne gewöhnlicher Tagearbeiter.
innerpolitischen Geschichte, daß diesmal doch nur in sehr bedingter Weise von Stille und Ruhe die Rede sein kann. Schon weisen vielmehr die nächsten Reichstagswahlen recht stark ihren Schatten voraus, und auch das unnütze Erinnern und der vergebliche Streit um Dinge, die in der Vergangenheit liegen, wollen nicht aufhören. Nach wie vor tobt der Streit zwischen den bürgerlichen Parteien weiter; der LiberaliSmuS hat sich in dem sogenannten „schwarz-blauen Block" künstlich einen Popanz geschaffen, um damit agitieren zu können, der Nutzen aus diesem Treiben aber fließt nicht ihm zu, sondern der Sozialdemokratie, wie das Steigen der roten Flut für jeden, der sehen will, augenfällig beweist. Welchen bedenklichen Grad diese Flut bereits erreicht hat, lehrt am deutlichsten der W c r f t a r b e i te r st r e i k, der mit wirtschaftlichen Dingen und Motiven nichts zu tun hat, sondern lediglich eine politische Kraftprobe der Sozialdemokratie ist. So ist der Gesamtein- druck der augenblicklich inneren Zeitlage gewiß ein höchst unerfreulicher. Aber wir wollen uns hierdurch nicht in Klein- mut und Verzagtheit stürzen lassen. Gerade in diesen Tagen treten die sonnigen Erinnerungen an die große Zeit vor 40 Jahren, da in Schlachten und Siegen unvergleichlicher Art aus dem blutgetränkten Boden Frankreichs der neudeutsche ReichSbau gezimmert ward, immer lebendiger vor unsere Seele. Sie lehren uns tröstend und erhebend der Gegenwart Kummer tragen. Ein Volk, daS noch vor wenigen Jahren eine solche Fülle des herrlichsten Idealismus, eine solche beispiellose Tapferkeit, einen solchen glanzvollen Opfersinn, eine solche gottergebene Frömmigkeit zu offenbaren fähig war, daS wird auch in Zukunft trotz aller zeitweiligen Trübungen und Irrungen seinen Weg zu finden wissen.
Ueber daS glänzende FriedenSwerk der Nationen, die Brüsseler WeltauSstellung, ist eine schwere Katastrophe hereingebrochen. Ein plötzlicher Brand hat einen großen Teil der Ausstellung vernichtet. Zahlreiche wertvolle Gegenstände der Kunst und deS Gewerbes, die der Stolz und die Hoffnung so vieler kluger Köpfe und fleißiger Arbeiter waren, sind in wenigen Stunden ein Raub der Flammen geworden. Die deutsche Ausstellung ist unversehrt geblieben. Umso größer ist selbstverständlich unsere bedauernde Teilnahme an den schweren Verlusten, von denen andere der an der Ausstellung beteiligten Völker durch das Unglück betroffen worden sind. In Brüssel ist der furchtbare Verdacht aufgetaucht, es handle sich bei diesem Brande um einen Akt des modernen Verbrechertums, daS ja unverkennbar einen herostratifchen Zug aufweist. Man wird im Interesse der Menschheitsehre dringend wünschen müssen, daß dieser Verdacht durch die angestcllte Untersuchung als grundlos dargetan werde.
In O e st e r r e i ch - U n g a r n hat während der Berichtswoche Kaiser Franz Joses in völliger Frische deS Geistes und Körper- seinen achtzigsten Geburtstag begangen. Der Festesund Freudenjubel, der sich auS Anlaß dieses Ereignisses allenthalben im Donaureiche kundgab, trug nirgends den Stempel deS Künstlichen und Gemachten, sondern war überall der spontane Ausdruck treuergebener, liebender und dankerfüllter Herzen. Weiß man doch drüben nur zu gut, welch unschätzbares Kleinod Oesterreichs Volk und Land in der Person ihre» Herrschers besitzen. Mehr noch als andere Staaten bedarf Oesterreich mit seiner inneren Zerklüftung und den vielfach auseinanderstrebenden Tendenzen seiner Völkerschaften eines festen und starken HorteS monarchischer Einheit, und dieser Hort »vord ihm in der Persönlichkeit
seines greifen Kaisers zuteil, an dem alle seine Untertanen mit gleicher Liebe und Verehrung hängen. Viel Trübe- und Schmerzliches hat Kaiser Franz Josef während seines langen Lebens erfahren, aber andererseits hat ihn doch auch die Gnade Gottes so sichtbarlich wie nur wenige Menschen geleitet. Möge diese Gnade auch weiterhin über ihm und seinem Volke walten!
Aus feiner Rundreise durch verschiedene europäische Hauptstädte hatdertürkischeFinanzministerDjavidBei auch Berlin einen Besuch abgestattet. Djav.d Bei gehört zu den bedeutendsten Staatsmännern der neuen Türkei und ist dazu berufen, die schwierigen finanziellen und wirtschaftlichen Ausgaben, die mit der Uebersührung des türkischen Staatslebens in die Form eines modernen Gemeinwesens notwendiger Weise verknüpft find, zu löjen. Bei den freundschaftlichen Beziehungen, die Deutschland seit lange mit der Türkei der- binden, hat sich der türkische Staatsmann selbstverständlich in der deutschen Reichshauptstadt allenthaben der herzlichsten Aufnahme und des höflichsten Entgegenkommens zu erfreuen gehabt.
In Griechenland ist die Wahlbewegung zur Nationalversammlung in vollem Gange. In Teheran in Per - fien ist es wiederum zu Kämpfen gekommen, die mit dem Siege der Regierungstruppen endeten. Der aus diesem Anlaß von russischen und englischen Blättern dem deutschen Gesandten Grafen Quadt gemachte Vorwurf, er hätte sich eine ungehörige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Persiens zuschulden kommen lassen, entbehrt jeder Begründung. Gras Quadt hat vielmehr lediglich im Interesse der Menschlichkeit zur Verhütung von Blutvergießen die Uebermittlung einer Botschaft an die persische Regierung übernommen. In dem Konflikte zwischen Spani n und dem Vatikan sind während der abgelaufenen Woche keine neue Wendungen eingetreten und dürste derselbe noch lange die Oeffentlichkeit beschäftigen.
Af Den Trümern her WelinnsteUmz.
Einen Gang über das Trümmerfeld deS verwüsteten Teiles der Brüsseler Weltausstellung schildert der Korrespondent der „Franks. Ztg.:
Ueber eine weite Fläche Trümmerfeld führt ein Gitternetz von zerbrochenem Eisenwerk. Nur hier und da streckt sich noch, ein armseliges, leeres Innere verratend, ein geborstener zerfallener Pfeiler der Fassade empor. In langer Reihe stehen völlig unberührt von den Flammen die vielen hohen Masten, die die Bogenlampen tragen. Sie gaben der großen, mehrere hundert Meter langen Hauptfassade des belgifchen Palastes Leben und Glanz. Sie stehen noch. Wie durch ein Zauberwort ist der Palast hinweggeblasen, den sie beleuchteten. Auf dem Trümmerfeld gehen mit aufgepflanztem Gewehr Antwer- pener Pioniere umher. Dazwischen leuchten bunte phantastische Uniformen. Es sind Soldaten der Wache von „Altbrüffel", die in Kostüme auS der Zeit von 1830 gesteckt find. Me Leute find heute brotlos, und ihr letzter Dienst ist es, daß sie den feinen Staub bewachen, der tags zuvor noch malerische kleine alte Häuschen darstellte. Mit dem Oberarzt deS Rettungswesens, Dr. Vandam, gehen wir zu den toten Raubtieren. Dr. Vandam, ein Mann mit grauem Bart und klugem, erfahrenen Gesicht, sucht mit eigentümlicher Gefchicklichkeit einen Löwen. „Ah! da ist er!" ruft der Arzt und weist aus eine halbverkohlte Masse, die ebenso ein Bär oder Leoparde gewesen sein kann. — „Es ist ein wütendes Stück Vieh gewesen, dieser Löwe, vorgestern war der Tierbändiger bei mir und ließ sich den Kops verbinden. Er hatte ihn während der Vorstellung in den Rachen des Löwen gesteckt und die Bestie begann zuzubeißen. Wie durch ein Wunder rettete sich der Mann. Sollte man glauben, daß diese Kohlenmasse so gefährlich war?" Dort, wo das zersplitterte Eisengitterwerk der die Avenue Solbosch überspannenden Brücke emporragt, befand sich einst die englische Ausstellung. WaS ist von den wunderbaren Töpfereien übrig geblieben? Auch nicht einen Scherben haben wir gesunden. (Und doch fanden wir dort, wo einst die Bureaus standen, ganze Bündel von kaum ein wenig ange- sengten Eintrittskarten.) So launisch ist das Feuer. Hier stand die Flotte von Schiffsmodellen der großen Schiffahrtslinien. Es waren darunter Modelle von zwei Meter Länge, die bis ins kleinste aus gearbeitet, jede Kleinigkeit Wiedergaben. Man schätzte uns die Herstellungsweise auf 30—80 000 Mk. pro Schiffsmodell. Wir wissen nicht, welcher Teil des grauen Pulvers am Boden diese Schiffe waren, welcher die entzückende Ausstellung alter Möbel, Gobelins, Keramik und die Silber- waren, die die englische Regierung hier ausgestellt hatte. Aber die materiellen Werte, die zerstört wurden, sind gewaltige. Belgien hat seine Juwelen in feuerfesten Kastengewölben gerettet, dagegen sind die Kostbarkeiten der belgischen Silber, industrie verloren und so unendlich vieles andere. Bon England aus wird gemeldet, daß nach Schätzung der dortigen Versicherungen der englische Verlust allein 10 Millionen Mk. betrage. Wahrscheinlich dürfte jedoch diese Summe zu niedrig gegriffen sein. Den Verlust der Belgier mag man vielfach höher annehmen. Manch einer, der nur schwach versichert war, wird sich nur schwer von dem Schlag erholen können, denn eS gab Ehrgeizige unter den Belgiern, die glanzvoller ausgestellt hatten, als eS eigentlich die Größe ihres Geschäftes