4 Uhr cnM der Waffenstillstand, ich kann Ihnen keinen Aus- schub gewähren." Doch alS BiSmarck ihm etwa» zuflüstert, vertagt er die Aufnahme der Beschießung aus 9 Uhr. Diese Konzession beendet die Verhandlung. Sie entscheidet im Prinzip die Kapitulation. Einige Detail» werden noch besprochen; da erscheint ein Dienstmädchen und bringt Flaschen. ES war Bordeaux. Die fünf Franzosen heben schweigend ihre Gläser zu den Lippen. In diesem Augenblick ernster Gedanken sah man, wie der junge Leutnant der Mobilgarde aus Moltke zutrat; er rieb sich familiär die Hände und meinte ganz kameradschaftlich: „Sapristi, mein General, könnten Sie denn der braven französischen Armee nicht bessere Bedingungen gewähren? Allons, unter uns, daS könnten Sie doch wirklich !"
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Cassel, 13. August. Zum Veteranenappell sind auS dem Regierungsbezirk Casiel und von weiterher eine große Zahl von Kriegsveteranen eingetroffen. Die Stadt hat Flaggenfchumck angelegt, und eine Reihe von Festlichkeiten findet statt. Aus Allerhöchsten Befehl wurde Nachmittags im Königlichen Theater in einer Sondervorstellung für die alten Krieger Paul HeyseS Kolberg mit den besten Kräften deS Königlichen Schauspiels gegeben. DaS Theater war im Parkett, in den Rängen und Logen mit Veteranen dicht besetzt. Alle schmückte die KriegSdenkmünze, viele daS Eiserne Kreuz. Vielfach bemerkte man die althesiisch: und Schwälmer Bauerntracht. In der Hofloge erschien, vom Intendanten Grasen von Bnlandt Baron zu Rheydt geleitet, Se. Majestät der Kaiser in der Uniform deS 2. Leib-HusarenregimentS Königin Viktoria von Preußen Nr. 2. Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar mit dem gesamten Gefolge, sowie der Kriegsminister v. Heeringen waren anwesend. Den Kaiser empfing ein dreistes donnerndes Huna der alten Soldaten. Die sehr gute Aufführung fand eine dankbare und beifallsfreudige Zuhörerschaft. Auch bei der Abfahrt nach Wilhelmshöhe wurde der Kaiser von herzlichen Kundgebungen der Veteranen und deS Publikums geleitet.
C a f s e l, 14. August. Zu der feierlichen Nagelung und Weihe einer Anzahl von Fahnen versammelten sich heute vormittag im Thronsaal deS Refidenzpalais zu Casiel Seine Majestät der Kaiser in der Uniform eines Generalfeldmarschalls, Ihre Majestät die Kaiserin, welche über einem schwarzen Kostüm das Band des Schwarzen AdlerordenS trug, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Oskar, die Herren des Hauptquartiers und die Damen und Herren der Umgebungen. Bei Ankunft der Majestäten erwies vor dem Palais eine Ehrenkompagnie deS Jnfanterie-RegimentS v. Wittich (3. KurheffischeS) Nr. 83 die militärischen Ehrenbezeugungen. Am rechten Flügel hatten die direkten Vorgesetzten bis zum Kommandierenden General Frecheren v, Scheffer-Boyadel Aufstellung genommen. Im grünen und blauen Saal deS Palais wurde um 11 Uhr die Nagelung der Fahnen folgender Truppenteile vorgenommen: vom 1. Armeekorps des Pionierbataillons Fürst Radziwill (OstpreußischeS) Nr. 1, vom 2. Armeekorps des 1. und 3. Bataillons des 6. Pommerschen Jnsantcrie-RegimentS Nr. 49 und deS 1., 2. und 3. Bataillons deS 4. Westpreußijchen Jnfanterie-RegimentS Nr. 140, vom 17. Korps deS 1., 2. und 3. Bataillons deS Danziger Jnfanterie-RegimentS Nr. 128, deS 1., 2. und 3. Bataillons deS 3. Westprcußifchen Jnfanterie-RegimentS Nr. 129, des 1., 2. und 3. Bataillons des Kulmer Jnfanterie-RegimentS Nr, 141, ferner der ehemaligen Landwehrbataillone Mühlhausen in Thüringen und Erfurt und der Unterosfizierschule Jülich. ES folgte der Weiheakt auf dem Friedrichplatz. Vor dem PalaiS war der Feldaltar errichtet. Daneben stand die Militärgeistlichkeit deS Stand- orteS Casiel. Die Ehrenkompagnie marschierte dem Altar gegenüber aus. Den weiten Friedrichplatz umgaben im großen Viereck die hier anwesenden Truppen der Gamsion und daran anschließend die Veteranm, von denen sich über 5000 eingesunden hatten. Hinter den Truppen und Veteranm standen die Sriegervereine aus Stadt- und Landkreis Casiel mit ihren Fahnen, hinter diesm ein vieltausendköpfiges Publikum, daS auch die Fenster und Dächer der anliegenden Häuser besetzt hatte. Während die Fahnm aus dm Platz gebracht wurden und ihre Träger in offenem Halbkreis zu feiten des Altars Aufstellung nahmm, erschien der Kaiser mit dem Prinzen OSkar zu Fuß aus dem Platz. Die Kaiserin wohnte dem Weiheakt mit ihrem Gefolge vom Balkon des Palais aus bei. Die Kapelle des 1. Ober-Eljäßischen Infanterie-Regiments Nr. 167 spielte daS Tedeum. Der evangelische Feldprobst der Armee
wurf, nur mir selbst wache ich dm Vorwurs, daß ich wie ein rücksichtsloser Egoist handelte, alS ich dein junges blühmdeS Leben an meine alten Tage fesselte."
In die blaffen Wangen der jungen Frau schoß ein verräterisches Rot.
»Du hast mir alles gegeben, was dein treues Herz bieten konnte; Liebe und Schutz in einem glücklichen Heim, alles war mein und der Meinen Lebm verschönt", schob sie dazwischen und sah ihn warmherzig an.
Er aber fuhr fort: »WaS ich gab, bekam ich hundertfältig wieder durch den Sonnenschein deiner Nähe, ohne dm ich nicht mehr sein konnte. Aber ich hatte auch die Genugtuung, daß du zu neuer Frische in meinem Hause ausblühtest. Ich durfte mir sagen, daß du dich zusrie- dm fühltest und glücklicher als in dem letzt verflossenen Jahre."
»Ja, Bruno, ja", flüsterte sie, »spät und früh habe ich Gott gedankt für alle die Liebe und Güte, mit der du mich überschüttet hast."
Er nickte wehmütig. »Wir straften die Menschen Lügen, die da meinten, nur wenn sie gleichaltrig wären, paßten die Leute in der Ehe zusammen! Auch du warst zufrieden mit dem stillen Glücke, daS ich dir bot, bir — bis . . ." er stand auf, ging in hoher Erregung einmal auf und ab, blieb dann vor ihr stehen und jagte, jedes Wort fchwer betonend, „bis du in der Zeitung lasest, daß Doktor Willibald Tondern damals nicht mit dem Schiff untergegangen sei, sondern auf eine einsame Insel verschlagen gewesm wäre, jetzt aber von der unfreiwilligen Gesangenschaft erlöst fei und im Begriff stehe, nach Europa zurückzukehren."
AuS dem blaffen Gesicht starrten ihn die dunklen Äugen der geliebten Frau ängstlich an.
„Das habe ich gelesen*, antwortete sie tonloi, »aber wenn mich'« auch zuerst umwarf, sürchte nicht», ich werde tapfer bleiben. Meine Liebe zu Willibald hätte ich nie ver- geffen, du selbst hast ja auch sein Andenken gepflegt, aber nur wie an einen teuern Toten dachte ich seiner. Und so soll er bleiben, wenn wir auch jetzt noch zusammen auf der Erde find, ob da» Meer unS trennt, oder ob wir hier
Wölfing hielt eine Ansprache und vollzog dann in Gegenwart deS katholischen Feldprobstes Dr. Vollmar die Weihe. Eine Batterie deS 1. Kurhessischen Feldartillcrie-Regiments Nr. 11 gab den Salut von 101 Schüssen ab. DaS Niederländische Dankgebet schloß die Feier. Hiernach stieg der Kaiser auf dem Hose deS ResidenzpalaiS zu Pferde und erschien von neuem aus dem Platz, mit ihm der Kommandant deS Kaiserlichen Hauptquartiers Generaloberst von Plessen, der Chef deS Mili- rärkabincttS General Freiherr v. Lyncker, die Flügeladjutanten Major Freiherr v. Holzing-Berstett und Major v. DommeS und der Kommandierende General Freiherr v. Echeffer-Boy- adel. Der Kaiser ritt die Front der Truppen und im Anschluß daran diejenige der Veteranen ab. Die Kaiserin mit Prinzessin Viktoria Luise folgten in offenem a la Daumont gefahrenen Wagen. Die Veteranen grüßten die Majestäten durch stürmische Hurrarufe. Der Kaiser zeichnete eine große Anzahl der Veteranen durch Ansprachen auS. ES folgte ein Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie mit den neuen Feldzeichen und der übrigen Truppen in Kompagnirfront, sowie ein Vorbeimarsch der Veteranen. ES war ein erhebender Anblick, wie die alten Leute Hut ab und Kopf hoch und Augen rechts vor dem Obersten Kriegsherrn defilierten. Manchem wurde eS wohl recht sauer, aber man sah auch viele prächtige Gestalten mit frischen Gesichtern und wallendem weißem Haar, die in straffster Haltung vorbeikamen. Die Musik spielte die »Wacht am Rhein" und den „Pariser Einzug-marsch". Der Kaiser nahm noch eine Reihe militärischer Meldungen entgegen. Aus der Rückfahrt nach WilhelmShöhe wurden die Majestäten von stürmischen Kundgebungen begrüßt.
DaS Kasseler Publikum sah heute ganz besonders festlich auS. Jedermann auch die Schutzleute im Dienst, trugen Kornblumen. Kassel hatte heute den Tag der blauen Blume, an dem viele hundert festlich gekleidete junge Mädchen auf den Straßen und in den Häusern Kornblumen zum besten des Kinderhorts feilboten. So hatte auch schon in früher Morgenstunde eine Gruppe junger Mädchen von der Wache Einlaß in daS Schloß WilhelmShöhe erhalten, und der Kaiser und die Kaiserin, denen sich die Damen und Herren deS Hofes angeschlossen hatten, hatten recht nahmhafte Beträge gespendet. — Zur FrühstückStasel bei Ihren Majestäten in WilhelmShöhe waren geladen Kriegsminister v. Heeringen, General Freiherr v. Scheffer-Boyadel mit Gemahlin und die Generale v. Kluck, v. Linsingen, v. Mackenjen, v. Befeler und v. Wattenberg.
flut Jn- und Ausland.
Die Nachricht von der bevorstehenden ostafiatischen Reise des deutschen Kronprinzen findet namentlich bei den Japanem ein sympathisches Echo. Das Organ der in Berlin lebenden Japaner und Chinesen, die MonatS- fchnft »Japan und China", begrüßt den bevorstehenden Besuch deS Kronprinzen mit folgenden warmen Worten: „Wir glauben versichern zu können, daß der Kronprinz eine glänzende Aufnahme finden wird. Wir Japaner bezweifeln nicht, daß durch den Besuch deS deutschen Kronprinzen gewisse Mißverständnisse zwischen Deutschland und Japan gänzlich beseitigt werden. Man wird dem Kronprinzen zu erkennen geben, wie dankbar Japan dem Staate ist, der sein Lehrmeister war und noch immer ist."
Gelegentlich der jetzt wiederkehrenden Erinnerung an die vor 40 Jahren auf französischem Boden erfochtenen deutschen Siege sei darauf hingewiesen, daß, wie die vor kurzem im Berliner Zeughause in der dortigen RuhmeShalle angebrachten Namen besagen, als Führer preußischer Truppen 35 Generale und Kommandeure im deutsch-französischen Kriege den Heldentod gestorben sind, und zwar ein Armeekorpsführer (Generalleutnant v. GerSdorff), 5 Brigadeführer (v. d. Decken, Frhr. v. Diepenbrock-Grüter, v. Döring, v. Francois und v. Kontzki) und 29 RegimentSsührer. Unter den Regimentern haben daS 54. und 94. Jnfanterie-Regiment zweimal im Verlause deS Krieges ihren Führer verloren. — Im Feldzuge 1866 betrugen die Verluste an höheren Führern: ein Divisionskommandeur (Generalleutnant Frhr. Hiller v. Gärtringen) und zwei Regimentskommandeure. Im Feldzuge 1864 blieb von höheren Führern der Generalmajor v. Raven (10. Infanterie-Brigade.)
Dieser Tage haben zwei Ersatzwahlen für den preußischen Landtag stattgefunden. Im Wahlkreise Allenstein-Röffel, deffen bisheriger Vertreter AmtsgerichtSrat Grichel war, wurden fast ausnahmslos Wahlmänner der Zentrumspartei gewählt, so daß die Wahl deS ErzpriesterS Romahn sicher erscheint. Der Wahlkreis gehört zu dem sicheren Besitzstände deS Zentrums. Die Landtag-ersatzwahl in Emden-
dieselbe Lust atmen, wir bleiben geschieden; vertraue deinem Weibe."
Ihre Stimme hatte, während sie sprach, an Festig- keit gewonnen, mit klaren Augen blickte sie ihn an. Er nahm ihren Kopf in seine beiden Hände und küßte ihre Stirn.
»Lieber mein Hab und Gut, viel lieber mein Leben verlieren als meinen Glauben an dich, Kind! Ich baue felsenfest auf die Treue meines Weibe»."
Von dem Tage an war daS alte Verhältnis zwischen den Ehegatten wieder hergestellt, nur daß die Blicke deS Kommer- zimratS oft ängstlich sorgend an Reginas Zügen hingen und die wechselnden Farben auf ihrem lieben Gesicht beobachtete oder das leise Zucken ihrer Mundwinkel, das immer einen inneren Kampf verriet.
VH
ES war ein Juniabend. Regina wollte ihn bei der Mutter verbringen, da ihr Mann eine Whistpartie bei Bekannten angenommen hatte.
DaS Mädchen, daS ihr die Tür öffnete, bericht te, die Frau Genrralin sei nicht zu Hause, müsse aber sehr bald wiederkommen, eS warte schon ein Herr drinnen, der die gnädige Frau sprechen wolle.
Unbefangen trat Regina in das Zimmer der Mutter, doch wie erstarrt blieb sie stehen, denn der Mann, der sich jetzt vom Fenster ab- und ihr zuwandte, konnte niemand anders sein alS Willibald, der Geliebte ihrer Jugend! Alles Blut drängte sich nach ihrem Herzen, daS einen wilden Schlag tat, um dann gleichsam still zu stehen. Vor ihren Augen schwirrten rote Lichter und tastend griff sie nach einem Halt.
Der Doktor hatte kein Wort gesprochen, denn auch er jühlte sich so überwältigt, daß er ihr nur jchwei- gend einen Sessel hinschob, in den sie sich zitternd nieder« ließ.
In verzehrender Liebe hing sein Blick an ihrer zarten Gestalt und an dem geliebten Antlitz, daS marmorbleich mit geschlossenen Augen in dem dunklen Sessel zurücklehnte.
Norden endigte mit dem Siege deS nationalliberalen Kandidaten Oberbürgermeisters Fürbringcr, der mit 147 Stimmen gegen seinen sreikonservativen Kandidaten siegte, auf den nur 143 Stimmen entfielen. DaS Emdener Mandat war kassiert worden. Oberbürgermeister Fürbringer hatte 1903 mit nur einer Stimme Mehrheit gesiegt und bei der letzten Wahl auch nur eine Mehrheit von zwei Stimmen ausgebracht.
Durch königlichen Erlaß an daS StaatSministerium ist gebilligt worden, daß die Amtsbezeichnung „Bauinspektor" (Land-, Kreis-, Wasser-, Maschinen-, Hasen-, MeliorationS-, Militär-, Eisenbahn-Bauinspektor und Eisenbahn- Bau- und -Betriebsinspcktor) künftig Wegfälle. Die Regie- rungsbaumcister sühren auch nach ihrer etatsmäßigen Anstellung diese Amtsbezeichnung weiter. Bisher bereits zu Bauinspektoren ernannten Beamten wird die Wahl gelassen, ihre bisherige Amtsbezeichnung beizubehalten oder fortan die Amtsbezeichnung .Regierungsbaumeister" zu führen.
Die beiden Linienschiffe Weißenburg und Kursürst Friedrich Wilhelm sind gestern von WilhelmShaven auS, geführt von Kontreadmiral Koch, mit 26 türkischen Offi- zieren an Bord, nach der Türkei in See gegangen.
Der Kölnischen Zeitung wird aus Berlin telegraphiert: Russische und englische Blätter berichteten über eine angebliche ungehörige Einmischung deS deutschen Gesandten GrafenQuadt in die letzten Unruhen in Teheran. Richtig ist, daß an dem Morgen des Tages, wo sich der Kampf entwickelte, Gras Quadt von dem außerhalb gelegenen Sommersitz der Gesandtschaft nach Teheran gekommen ist, um für die Sicherheit der Deutschen Sorge zu tragen. Er unternahm einen Rundgang durch die Stadt, um sich zu überzeugen, daß überall, wo Deutsche wohnen, Sicher- heitsmaßrcgcln getroffen seien.. Unabsichtlich und zusällig kam er in einen Garten, wo sich Sattar Khan und seine Leute be- sanden. Lediglich um Blutvergießen zu verhindern, hat dann Graf Quadt aus die Bitte Sattar KhanS es übernommen, eine Mitteilung Sattar KhanS der persischen Regierung zu übermitteln. Die Mitteilung war derart, daß jedes Blutvergießen vermieden worden wäre, wenn nicht die geplante freiwillige Waffenniederlegung durch das Losgehen eines Schusses verhindert worden wäre, der zum AuSbruch des Kampfes führte. Graf Quadt hat sich somit jedes politischen Eingriffes in die inneren Verhältnisse PersienS enthalten und lediglich im Interesse der Menschlichkeit die Uebermittelung der Botschaft übernommen. Die Leute, die ihm jetzt daraus einen Vorwurf machen, setzen sich in den Verdacht, daß ihnen an einet Verhinderung des Blutvergießens nichts gelegen war.
Die von einem ausländischen Blatte verbreiteten Gerüchte, wonach Generaloberst v. d. Goltz definitiv auS dem preußischen Heere ausscheiden würde, um in türkische Militärdienste überzutreten, erweisen sich alS unbegründet. Aus der nächsten Umgebung des Generalobersten wird erklärt, daß diese Gerüchte jeder Begründung entbehrten. Sie scheinen dem Umstände entsprungen zu sein, daß Freiherr v. d. Goltz allerdings den bevorstehenden türkischen Manövern beiwohnen wird. Jedenfalls ist eS nur mit Genugtuung zu begrüßen, daß ein so hervorragender Militär, wie Freiherr v. d. Goltz, dem preußischen und deutschen Heere erhalten bleibt.
Die Nachwehen zu der Kapitulation von Port Arthur wollen noch immer nicht enden. General Fock, einer der Unterbefehlshaber des Generals Stössel, deS Höchstkommandierenden in Port Arthur während der japanischen Belagemng, Hot jetzt seine Memoiren über die Belagerung von Port Arthur erscheinen lassen, die in russischen Militär- kreisen böses Blut machen. Viele Mitkämpfer General Focks fühlen sich durch die Ausführungen in seinen Memoiren beleidigt, und wollen ihn deshalb gerichtlich belangen, jodaß neue Port Arthur-Prozesse zu erwarten stehen.
Die Golderzeugung in Deutsch-Ostafrika scheint dem Stadium der Versuche entwachsen zu sein. Die Aussuhr der Kolonie an dem gelben Metalle war bis Mitte deS JahreS 1909 nur gering, aber im 4. Quartalsjahr 1909 hob sie sich auf 54 00Ö Mk, um im 1. Quartal (schätzungsweise, die amtlichen Zahlen stehen noch aus) auf über 100 000 Mk. emporzuschnellen. Man darf damit rechnen, daß Deutsch-Ostafrika im lausenden Jahre 1910 für mindestens eine halbe Million Gold ausführen wird. DaS ist ein ganz ansehnlicher Posten in dem etwas über 10 Millionen Mark betragenden Ausfuhretat jener Kolonie.
Neuerdings haben neue Unruhen in Haifa statt- gesunden, unter denen die deutschen Kolonisten insofern zu leiden hatten, alS Eingeborene Uebersälle gegen deutsches Eigentum versuchten. JnSbejondere handelt eS sich um den Versuch, deutsches Vieh zu rauben. ES ist jedoch dabei zu keinem Blutvergießen gekommen. Immerhin sind diese Angriffe ein
Unsagbare Traurigkeit, die sich bis zu einem körperlichen Schmerze steigerte, überfiel ihn und voll Bitterkeit murmelte er. »So sehen wir uni wieder!"
Regina schlug die Augen auf, diese braunen Rehaugen, die er so heiß geliebt, und die ihn nun so verzweifelt an= blickten.
„So sehen wir unS wieder!" wiederholte sie mechanisch. Ein Beben ging durch ihre Gestalt und ausschluchzend stöhnte sie: »Warum mußten wir uns begegnen? Unsere Wege dürfen sich nie, nie mehr kreuzen."
Tondern beugte sich zu ihr, die Stimme drohte ihm zu versagen, und er war nur imstande, ganz leise zu sprechen: »Wir mußten uns treffen, Regina, damit es klar werde zwischen uns, und mir das so leidenschaftlich begehrte Glück werden konnte, dein vielgeliebte- Antlitz noch einmal zu sehen."
Die junge Frau stand aus, sie hatte sich innerlich wieder zurechtgesunden. Bleich, aber in vollkommener Fassung stand sie ihm gegenüber.
(Fortsetzung folgt.)
— (Schwere Automobilunfälle.) Heute morgen machte der Kaufmann und Fabrikbesitzer Gustav Hartmann auS Leipzig mit seiner Frau eine Automobilfahrt nach Weißen- selS. Kurz vor dem Dorfe Pörsten suhr daS Auto gegen einen spitzen Stein und prallte dann gegen einen Baum. Das Auto wurde total zertrümmert. Hartmann erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot; seine Frau blieb unverletzt, der Chauffeur wurde leicht verletzt. Ein zufällig deS WegeS kommender Automobil brächte die Leiche und Frau Hartmann nach Leipzig zurück. — Ein weiteres Automobilunglück ereignete sich bei der preußisch-holländischen Grenzstation Emmerich. Durch daS Herannahen eine- Automobils scheute bei dem Zollamt daS Pferd eines Fuhrwerkes, auf dem sich der Mehlhändler Summ mit feinen drei Kindern befand. Der Wagen wurde die steile Straßenböjchung heruntergeriffen. Summ wurde auf der Stelle getötet, feine drei Kinder sind fchwer verletzt. Man schaffte sie in da» Krankenhaus in Emmerich.