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herrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 94.
Donnerstag, den 11. August
1910.
Amtlicher teil.
Jagdverordnung.
Für den Umfang des Regierungsbezirks Lasst! wird auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 die Eröffnung der Jagd aus Rebhühner aus Montag den 22. August 1910 festgesetzt.
Casfel, den 21. Juli 1910.
Der Bezirksausschuß zu Casfel.
* * * HerSseld, den 5. August 1910. Wird veröffentlicht.
I. I. 7603. Der Landrat.
I. B.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher Lest.
3« knteiWGrcht der Nisieillmirs- kmmsßu.
Der Jahresbericht der AnsiedlungSkommission für 1909 hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise einmal wieder aus die große nationale Kulturarbeit gelenkt, die sich seit nun bald einem Vierteljahrhundert in unserem Osten vollzieht. Man hat mit Besriedigung davon Kenntnis genommen, daß das Be- sicdlungsergebnis des letzten Jahres der Gründung von un- gefähr 42 Dörfern gleichkommt, daß die Gefamtzahl der seit dem Jahre 1886 zu Rente, Pacht und Miete angesetzten Familien 17051 mit rund 102 300 Köpfen beträgt, und daß die im ganzen besiedelte Landfläche mit 299 559 Hektar oder 43,10 Quadratmeilen etwa dem Umfange deS Herzogtums Anhalt gleichkommt.
Gewiß sind daS erfreuliche Zahlen, und wir sind die letzten, die nicht die mächtige nationale Leistung der Ansied- lungskommission mit Stolz und Freude anerkennten. Wir meinen: eine größere Leistung aus staatlichem Gebiete haben Preußen und Deutschland seit BismarckS Abgänge überhaupt nicht auszuweisen als dieses Werk, daS uns der große Handlanger unserer Geschichte alS treu zu hütendes Erbe hinterlassen hat. Aber gerade deshalb glauben wir einige Erwägungen nicht unterdrücken zu dürfen, zu denen die jüngste Denkschrift der AnsiedlungSkommisston Anlaß bietet. ES ist zweifellos, daß unsere SiedlungSpolitik im Zeichen einer Verlangsamung deS Tempos steht. Wurden im letzten Jahre 42 neue Dörfer begründet, so zählte man in den Vorjahren einige 50. Wurden 1909 1386 Verträge mit Ansiedlern perfekt, so wies daS Jahr 1907 deren 1660 aus. Der Gesamt- ankaus freilich hob sich 1909 mit 21 085 Hektaren wesentlich über das Niveau der beiden vorangehenden Jahre, aber daS
$onnens$ein M KelltOme.
Roman von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
„Ja, haben Sie daS nicht alles?" Regina lächelte ihn an, und dieses Lächeln erhöhte den Liebreiz ihrer beweglichen Züge; es verwirrte den alten Herrn förmlich, und alS sie noch hinzufügte, „ich wüßte nicht, wem ich mehr vertrauen sollte, als Ihnen", da brach sich daS Verlangen, daS ihm schon lange keine Ruhe gelassen hatte, mit fast jugendlichem Ungestüm bei ihm Bahn.
Er ergriff deS Mädchens Hand. „So vertrauen Sie sich mir ganz an, Regina, teureS Mädchen. Wenn die Jugend auch hinter mir liegt, daS Herz kann doch noch so warm sühlen wie vor Jahren. Mein Haus ist verödet, jeder Sonnenstrahl sehlt. Wollen Sie einem einsamen Manne den Rest seiner Lebens erhellen?"
„Ich verstehe Sie nicht", murmelte Regina, sich angst- voll gegen ein Begreifen wehrend, das in ihr aufdämmerte.
Der Kommerzienrat war tief bewegt und erregt zugleich.
„Kind, ich begehre dich zu meinem Weibe, die ich als mein teuerstes Kleinod Hochhalten werde."
Das Mädchen hatte ihre Hand frei gemacht, abwehrend streckte sie sie aus. „Willibald", murmelte sie statt aller Antwort.
Er verstand sie. „Eine Jugendliebe kann und soll man nicht vergessen. Sie sollen eS auch nicht; ich selbst werde diese Erinnerung heilig halten, daS sagt Ihnen auch dies Bild."
Einen Augenblick schwieg er, nach Worten suchend, wie« ihr am besten sagen könne, was ihn so ganz erfüllte. Dann begann er erst langsam, allmählich immer stürmischer werdend: „Kind, ich will mir ein Recht daraus erwerben, Ihnen und Ihrer Familie eine Stütze zu fein. Ich sehne mich danach, Ihnen — diesem herzigen Geschöpfe — die Wege zu ebnen und Ihnen ein behaglicher Heim zu bieten. Die- un-
will nicht allzu viel heißen, weil damals — unmittelbar vor Neuauffüllung deS Fonds — Ebbe in den Kassen war. Gegen die Ankäufe aus der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts aber blieb der Ankauf deS letzten Jahres immer noch um 30 v. H, und mehr zurück. Und dies alles, obwohl AnsiedlungSgesuche genug Vorlagen, ja man kann wohl sagen, obwohl sich die Anfied- lungslustigen gerade um die Stellen rissen (1908: 7015, 1909: 7365 Gesuche) und die Kommission gezwungen war — gewiß nicht leichten Herzens — aus Mangel an Land Bewerber zurückzuweisen, die sich nun anderswohin verlaufen und unserem Osten dauernd verloren gehen. Dieser chronische Landmangel ist eS, der heute zu einer schleichenden Krisis unseres AnsiedlungSwerkes gesührt hat. Denn was das Schlimmste ist und worauf schon ein Sachkundiger wie Dr. Neuhaus in der „Tägl. Rundschau" hingewiesen hat, — die Kommission treibt notgedrungen Raubbau auf Kosten ihres Landvorrats (41 324 Hektar), der nur noch für knapp zwei Jahre reicht, d. h. sie wird, wenn sie nicht in allernächster Zeit wieder zu ganz wesentlich umfangreicheren Landkäufen Überzugehen in der Lage ist, binnen kurzem gezwungen fein, das Tempo der Besiedlung noch viel stärker einzuschränken, als dies schon im letzten Jahre geschehen ist.
Was hindert die AnsiedlungSkommission an verstärkten Landkäufen? Zunächst der Rückgang deS Angebots (1903 noch fast 230 000 Hektar, 1909 etwas über 109 000 Hektar). AlSdann die Rücksicht aus die durch ein neues Anschwellen ihreS Kaufkontos unweigerlich eintretende erneute bedenkliche Steigerung der ostmärkischen Güterpreise, die heute mit 1272 Mk. pro Hektar (im Durchschnitt des Ankaufs von 1909) zwar noch immer recht hoch ist, aber doch nicht unwesentlich hinter den Preisen von vor 1908 zurückbleibt. Endlich die Rücksicht auf unsren deutschen Großgrundbesitz, der, so wie die Dinge jetzt liegen, ganz überwiegend die Kosten unserer Siedlungstätigkcit tragen muß, da bei der fortdauernden Zurückhaltung des polnischen Angebots der Erwerb von dieser Seite trotz erfreulicher Zunahme im letzten Jahre auch in diesem doch eben nicht mehr als ein Sechstel des Gesamt- erwerbS betrug. Und es liegt auf der Hand, daß es nicht unserm Interesse entspricht, den polnischen Grundbesitz aus die Dauer zu konservieren und den unseren zu zerschlagen.
WaS folgt aus alledem? Wir gehören nicht zu denen, welche „die Absichten der Regierung nicht kennen, aber sie mißbilligen." Wir nehmen ohne weiteres an, daß nur, schwerwiegende Gründe unsere Regierung veranlassen konnten, von der Waffe, die sie sich im EnteignungSgesetze selbst hat geben lassen, bisher keinen Gebrauch zu machen. Aber daS sprechen wir mit voller Ueberzeugung aus: Soll unsere Siedlungspolitik nicht unrettbar verkümmern und nach glänzendem Aufsteigen auf halbem Wege stecken bleiben, so müssen alle ent- gegenstehenden Bedenken über kurz oder lang einmal schweigen. Wann dieser Zeitpunkt einzutrcten hat, das zu entscheiden ist die Sache der Regierung, die allein die Verhältnisse in ihrer Gesamtlage überschauen kann. Aber wenn die Frage des
widerstehliche Lächeln, daS wie ein Sonnenstrahl ist, soll sich wieder festnisten um den lieben Mund, und diese kleinen Hände will ich füllen, damit sie für die Ihren sorgen und andere beglücken können."
Regina war immer blasser geworden bei seinen drängenden Worten.
„So viel ist es, was Sie mir bieten, und ich —ich kann gar nichts geben."
DaS war wenigstens keine Abwehr, und damit schon war der alte Herr" zufrieden. Noch einmal nahm er ihre Hände.
„Ich will nur, daß Sie mich ein bißchen lieb haben und mir vertrauen, alles andere findet sich. Sobald ich meinen Liebling erst unter meinem eigenen Dache habe und ihn nach Herzenslust verziehen kann, werde ich eS auch juwege bringen, daS Kind glücklich zu machen."
Sein wohlwollendes Gesicht strahlte. Er beugte sich zu ihr. „Kann ich mir morgen die Antwort holen?"
„Morgen", wiederholte sie mechanisch und versuchte vergebens, ihrer Stimme Festigkeit zu geben. Sie wurde sich kaum bewußt, daß er mit einer wahren Inbrunst ihre Hand küßte, und nur wie durch einen Nebelschleier sah sie seine sich langsam entfernende Gestalt.
Einer Nachtwandlerin gleich erhob sie sich und suchte ihre Mutter aus. Frau von Dahlen kamen die Eröffnungen der Tochter nicht unerwartet. Sie hatte die Zuneigung des alten Herrn durchschaut und ihre Hoffnungen daran geknüpft. Mit einet Lebendigkeit, die ihr sonst nicht eigen war, erklärte sie ihrer Tochter, daß dieser Antrag nicht nur für sie, sondern für sie alle ein Glück wäre, das unmöglich von der Hand zu weisen sei.
Regina ließ stumm alle einzelnen und sehr eingehenden Auseinandersetzungen über sich ergehen, erst als die Mutter einen Augenblick schwieg, fragte sie tonlos, „du wünschest also diese Heirat?"
„Ich wünsche dein Glück und darum die Heirat", lautete die rasche, aus vollster Ueberzeugung gegebene Antwort.
„Mein Glück und meine Liebe begruben die Wellen", mur-
Wann Gegenstand von Erwägungen sein kann, so ist über die Frage des Ob schon heute keine Debatte mehr möglich. Ohne Anwendung der Enteignung werden wir im Osten auf die Dauer nicht auSkommen. Darüber find alle einig, welche die Dinge dort nicht bloß vom Hörensagen und aus Büchern kennen.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 9. August.
Jhre Kaiserlichen Majestäten, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Oskar und Umgebungen unternahmen gestern nachmittag gegen 5 Uhr von WilhelmShöhe einen Ausflug in Automobilen nach dem Dörnberg. Heute morgen unternahmen Beide Majestäten mit den Prinzen und der Prinzessin einen Spazierritt.
Es gilt nunmehr als sicher, daß Kaiser Wilhelm mit dem Kaiser vonRußland während dessen Fried- berger Aufenthaltes eine Zusammenkunft haben wird; nur steht der Ort dieses Rendezvous noch nicht bestimmt fest. Gelegentlich der Anwesenheit des Zarenpaares in Friedberg werden zahlreiche fürstliche Gäste daselbst erwartet. Zur Sicherheit des Zaren während seines VerweilenS im Schloß Friedberg sind daselbst vom Darmstädter Hosmarschallamte außerordentliche Vorsichtsmaßnahmen angeordnet worden.
Der Kaiser ließ den in Saarbrücken anläßlich des 40. Jahrestages der Schlacht von Spichern versammelt gewesenen deutschen Kriegsveterancn aus deren an ihn gerichtete telegraphische Huldigung aus gleichem Wege seinen Dank zu- gehen, der durch den Kabinettschef v. Valentini übermittelt wurde. Der Monarch bekundete in der Dankdepesche zugleich feine Freude über die von der Generalversammlung der Veteranen in Aussicht genommene Angliederung deS Beteranen- bundes an den deutschen Kriegerbund.
Die Informationsreise deS deutschen Kronprinzen nach Ostasien wurde an den maßgebenden Stellen bereits seit längerer Zeit vorbereitet. Beabsichtigt ist vorderhand der Besuch von Kiautschou, China, Sapan und auf der Rückreise ein kurzer Auscnthalt in Indien. Die Reise selbst dürste auf einem „Hapag"-Dampser unternommen werden. Es schweben gegenwärtig noch Verhandlungen über die Charterung eines Schiffes der Hamburg-Amerika-Linie, da» für die Reise besonders hergerichtet werden soll.
Ein deutscher Prinz ist Landbesitzer in Deutsch-Ostafrika geworden. Prinz Heinrich XXXH. von Reuß-Köstritz, der nach einer einjährigen Studienreise in Südwestafrika, Süd- und Ostafrika im nächsten Monat wieder in Europa eintrifft, hat bei Mrogoro in Deutsch-Ostaftika unweit der Mittelbahn Ländereien im Umfange von etwa 1000 Hektar angetauft, um eine Pflanzung mit vorwiegend Kautschuk anzulegen. Die Anstalten zur Instandsetzung deS Betriebes sind schon getroffen. 1er Prinz gehört als Oberleutnant zur See & la suite der deutschen Marine und ist
melte Regina, „ich will nur noch eins, für andere leben und andere beglücken."
„Das wirst du nirgends in so eingehender Weise tun können, alS auf dem Platze, wo dich aufrichtige Zuneigung hinruft und wo du in ein verödetes HauS wieder Leben bringen kannst."
Mit gesenktem Kopfe hatte die Tochter zugehört, jetzt stand sie auf.
„Ich muß mir das allein — nur mit meinem Gott durch- denken. Morgen werde ich Antwort geben."
Regina hatte eine schlaflose Nacht, aber in biefen stillen Stunden war sie sich innerlich klar geworden, waS sie tun wollte. Die schwere Zeit und die gebietenden Verhältnisse hatten aus dem Wildfang ein charakterfestes Mädchen gemacht, das sich der Pflichten bewußt blieb, die von ihr gefordert wurden. Hinter ihrem Wort — ich will nur noch für andere leben — sollte auch die Tat stehen. und nicht trübselig, sondern mit erhobenem Haupte wollte sie den Weg gehen, der ihr der gebotene schien.
Mit diesem Entschlüsse trat Regina am anderen Morgen dem alten Herrn entgegen. „Wollen Sie mich nehmen, wie ich bin, mit dem Festhalten an meiner Jugendliebe, aber zugleich mit dem redlichen Willen, Ihnen eine treu sorgende Frau zu sein?" fragte sie mit einem wehmütigen Lächeln.
„Regina! Kind! Geliebte Braut!" jubelte er und eS war, als traten feine Jahre zurück, so lebhaft glänzten seine Augen, alS er bat, „sage mir nun auch, daß du mich lieb hast I"
Ihre Lippen zuckten, aber sie antwortete mit fester Stimme: „Von Herzen, voll Verehrung und Hochachtung!"
Da zog er sie an sich, und leise raunte er ihr zu, „den beiden, deinem Vater und Willibald, wird es lieb sein, wenn sie ihr Sonnenkind in treuer Hut wissen."
Sie dankte ^ihm mit einem warmem Blicke der feucht- schimmernden Augen, dann aber trat sie einen Schritt zurück.
„WaS sagt Anni dazu?" fragte sie. „Wird sie die Freun- bin alS Eindringling betrachten, der ihre Rechte antastet? Dann — dann darf eS nicht sein!"