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herrfel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 91.
Donnerstag, den 4. August
1910.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 1. August 1910.
Der Herr Regierungs-Präsident in Casfel hat der Land- gräflich Hessischen Mühlenverwaltung zu Steinmühle bei Her- leshausen wegen Vornahme größerer Reparaturen an der Turbinen-Anlage die Genehmigung zur Sperrung der Flößerei aus der Werra für die Zeit vom 8. August bis 3. September d. Js. unter der Bedingung erteilt, daß die Mühlenverwal- tung den Flößern gestattet, während der Dauer der Sperre bei günstigem Wasftrstand die Flöße über daS Wehr zu bringen.
I. 7408. Der Landrat.
W e s s e l, KreiSsekretär.
Hersseld, den 29. Juli 1910.
Die Besitzung Monrepos des im Jahre 1904 verstorbenen Frecherm Eduard von Lade zu Geisenheim ist zufolge letztwilliger Verfügung deS Erblassers an den Staat gefallen. Aus Veranlassung der zuständigen Herren Minister ist dieses Vermächtnis in eine Stiftung umgewandelt worden, der unter anderem auch satzungsmäßig obliegt, die vorhandenen umfangreichen Obst- und Gartenanlagen in vorbildlicher Weise im Sinne des Verstorbenen weiter zu unterhalten.
Durch Angliederung der Stiftung-verwaltung an die Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim wird eine Verwertung der StistungSanlagen zu Lehr- und Demonstration-zwecken angestrebt.
Ferner werden auf Veranlassung deS Herrn Landwirt- schaftsministers mit staatlicher Unterstützung in dem zur Besitzung Monrepos gehörigen herrschaftlichen Wohnhause Schausammlungen aus dem Gesamtgebiete deS Wein-, Obst- und Gartenbaues eingerichtet, die späterhin dem Publikum geöffnet werden sollen.
Die Lage des Museums im Rheingau, insbesondere in Geisenheim, dessen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau alljährlich von Hunderten von Interessenten besichtigt wird, läßt die Erwartung gerechtfertigt erscheinen, daß sich auch die neuen Schausammlungen der Stiftung zahlreicher Besuchen erfreuen werden. In den Sammlungen sollen nicht nur die wissenschaftlichen und technischen Hilfsmittel der Produktion in ihrer Entwicklung und gegenwärtigen Gestaltung, sowie die zahlreichen Hilfsmittel zur Verwertung der Erzeug- Nisse durch Handel und Industrie u. s. w. vorgesührt werden, sondern sie sollen auch dazu dienen, um durch bildliche und graphische Darstellung, sowie durch Modelle besonders bemerkenswerter Einrichtungen von allgemeinen Interesse und dgl. Belehrungen für die Besucher zu geben. DaS Museum soll zugleich eine Stätte sein, an der Gegenstände, die für diese Zwecke von Wert sind, und sonst aus Mangel an geeigneten und ständig überwachten Aufbewahrungsräumen nicht
Köllmilschill und Ketterjitiriiie.
Roman von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
WillenSstark kämpste Regina jetzt den Schwindel nieder, der sie bei den Worten deS Doktors ersaßt hatte. Die Erinnerung an die Mutter, deren HülsSbedürstigkeit sie kannte, weckte bei ihr mit dem Bewußtsein, daß sie für diese eintreten müsse, ihre volle Energie.
Sie richtete sich aus und erklärte, wenn auch mit zuckenden Lippen, doch festen ToneS: „Ich will alles tun, verlaß dich auf mich, Gott wird helfen."
Tondern übernahm nun die schwere Ausgabe, Frau von Dahlen aus den Unglückssall vorzubereiten. Trotzdem er dies in schonendster Weise tat, begegnete er schon bei den ersten Andeutungen einem fassungslosen Schmerz und sah ein, daß Regina an der Mutter keine Stütze finden konnte, sondern daß ihr nur neue Aufgaben hier erwachsen würden.
Frau v. Dahlen verfiel in einen hysterischen Weinkramps, der sie unfähig machte, irgend eine Hilfe in dem Augenblicke zu leisten, als man den General in einem Tragkorb in das Haus brächte.
Ein einziger Blick aus die leblose Gestalt deS Vater- überzeugte Regina von der ganzen Schwere deS UnsallS. Langsam sickerte das Blut aus dem Verbände, den man dem General um den Kops gelegt hatte, und die roten Tropsen rannen über die wachsbleiche Stirn.
„Der Freiherr ist aus den Hinterkops gestürzt, da« hat eine Gehirnerschütterung gegeben, die schlimmer ist alS die offene Wunde vom Pjerdehuse", hörte Regina den RegimentSarzt zu Tondern sagen.
Weitere Worte konnte sie nicht verstehen, aber sie erriet aus dem Achselzucken, dem Ausdrücke der Züge, wie hoffnungslos der RegimentSarzt den Fall ansah.
Bleich, doch mit völliger Selbstbeherrschung, bettete daS junge Mädchen den geliebten Vater aus daS Lager und folgte
selten verloren gehen, eine sichere Unterkunft und Erhaltung finden können.
Die Verwaltung der Schausammlungen ist unter der Oberleitung deS Direktors der Königlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim, in die Hände eines wissenschaftlichen Beamten dieser Anstalt gelegt. Allen Wünschen etwaiger Einsender wegen Kennzeichnung, Ausstellung und Erhaltung der überwiesenen Gegenstände wird die Muscums- verwaltung, soweit angängig, entsprechen.
Die Interessenten des KreiseS mache ich aus diese Schausammlung aufmerksam.
I. 7076. Der Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 2. August 1910.
Im Monat Juli d. Js. sind den Nachbenannten Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine:
1. entgeltliche:
am 4/7. dem Landwirt Hermann Burghardt in Aua,
„ 4/7. „ „ Adam Kempf daselbst,
„ 4/7. „ Agenten Johannes Simon Volkenand in Heringen,
„ 11/7. „ Fabrikdirektor Ferdinand Altenburg in Hersseld, „ 20/7. „ Bierbrauereibesitzer Heinrich Engelhardt daselbst, „ 21/7$ „ Postassistenten Rudolf Köhler daselbst,
„ 25/7. „ Landgräfl. Rendanten Wiegand in Philippsthal,
„ 27/7. „ Gasverwalter Hermann Reuß in HerSfeld,
2. unentgeltliche:
„ 4/7. „ von Baumbach'schen Waldwärter Philipp Paul in WillingShaitt,
„ 6/7. „ von Baumbach'schen Waldwärter Andreas Kehl in Frielingen,
„ 25/7. „ Landgräfl. Hossekretär Heinrich ClauS in Philippsthal,
„ 28/7. „ Königl. OberförsterMüller-Hillebrand daselbst, „ 28/7. „ „ Förster Radeck zu Forsthaus Hilmes, „ 28/7. „ „ , Curth in Lautenhaujen,
„ 28/7. „ „ „ Klotz zu Forsthaus Stöckig, „ 28/7. „ „ „ Breitenstein in Friedewald. B. Tagesjagdscheine: Keine I Der Landrat.
J.
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 29. Juli 1910.
Die unter dem Schweinebestande des Gastwirts Kothe in KalkobeS auSgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen. I. 7355. Der Landrat.
I V.:
Wessel, KreiSsekretär.
den Weisungen der Aerzte. Keine Klage, keine Träne verriet, wie tief sie litt.
Tondern hatte noch einen dritten Arzt, die größte Autorität von BreSlau, zugezogen. Auch dieser schüttelte den Kops, nachdem er den Verletzten untersucht hatte, aus dessen toten- ähnlichen Zügen noch immer kein Bewußtsein sprach.
Von Regina gestützt, wankte Frau von Dahlen in daS Krankenzimmer. Doch der Anblick des geliebten Mannes in diesem furchtbaren Zustande überwältigte sie völlig.
„Ich kann ihn nicht so sehen, ich kann es nicht!" schluchzte sie, und die Tochter beeilte sich, sie hinauSzu- führen.
Im Kinderzimmer, wo die beiden Jüngsten verängstigt nebeneinander saßen, brach sie zusammen und die Tochter hatte vollaus zu tun, die Kleinen zu beruhigen und die Mutter auf daS Sofa zu betten.
Der Tag war vergangen und die Nacht eingebrochen, ohne daß sich die geringste Veränderung in dem Zustande des Generals gezeigt hätte. Tondern hatte die drei ältesten Söhne, die im KadettenkorpS waren, von dem Unglücksfalle benachrichtigt, und der verzweifelten Mutter war eS ein Trost, am nächsten Morgen ihre Kinderschar vollzählig um sich zu wissen.
Heftige Weinkrämpfe hatten die unglückliche Frau ganz erschöpft. Sie ruhte jetzt im Nebenzimmer aus dem Sofa, während Regina und Willibald an dem Bette deS Vaters die Wache übernommen hatten.
Tondern füllte eben von neuem den Eisbeutel und sein Blick ruhte dabei für einen kurzen Augenblick in unendlicher Liebe auf Regina, der er einen bequemen Stuhl an daS Lager gebracht hatte.
Ihre bangen Augen mit dem tiestraurigen Ausdruck hatten etwas unendlich Rührende- in ihrem Schmerz. Er konnte es kaum ertragen, diese stumme, ängstliche Frage in ihnen zu lesen, auf die er doch keine andere Antwort geben konnte, alS: „Liebling, beuge dich unter Gottes Willen — Hoffnung kann ich dir nicht geben."
Da rührte sich der Kranke. Es zuckte wie erwachende-
nichtamtlicher teil.
Helgoland.
Aus der Insel Helgoland befindet fich der sogenannte Kaisergedenkstein, ein zwölf Fuß hoher Obelisk auS schweb- ifchem Granit, der zur Erinnerung an den Uebergang der Insel an das Deutsche Reich von der Helgoländcr Bevölkerung errichtet worden ist und auf einer Bronzetasel die Inschrift trägt: „Seine Majestät der Deutsche Kaiser, König von Preußen Wilhelm II. ergriff an dieser Stätte Besitz von der Insel Helgoland. Zur Erinnerung an den 10. August 1890 gewidmet von den Helgoländern."
Zwanzig Jahre sind seit jenem denkwürdigen Tage verflossen, und da ist es interessant, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte dieses kleinen Felseneilandes zu werfen. Der älteste Name Helgolands ist Fositesland nach dem Gotte Fo- site, dem der heilige Wilibrord um daS Jahr 700 und der heilige Liudger 785 die Insel geweiht fanden. Mit NordsrieS- land kam die Insel im vierzehnten Jahrhundert an daS Herzogtum Schleswig, war bis 1712, wo Dänemark sich ihrer bemächtigte, ein Besitztum der Herzöge von Gottorp, wurde aber 1807 von den Engländern besetzt, die sie während der von Napoleon I. verhängten Kontinentalsperre zur Hauptniederlage ihres Schmuggelhandels mit dem Festlande machten. Im Kieler Frieden 1814 trat Dänemark Helgoland endgültig an England ab, das eS auf Grund deS deutsch-englischen Abkommens im Jahre 1890 an Deutschland vertauschte und dafür Sansibar und Witu bekam.
Wenn auch allgemein in Deutschland die Freude über die Wiedererwerbung der durch und durch deutsch gebliebenen Insel groß war, so wurden doch auch Stimmen laut, die den Kaufpreis für zu hoch hielten und meinten, wir seien von England übervorteilt worden. Aber allmählich find die Ansichten verstummt, denn man hat eingesehen, daß Helgoland gerade sür Deutschland ein strategisch hochwichtiger Punkt ist, heute würbe England kaum geneigt sein, selbst um noch höheren Preis in den ihm vor zwanzig Jahren so günstig scheinenden Tausch zu willigen und einen Boden abzugeben, von dem eS sich damals wohl besonders deshalb ohne großes Bedauern trennte, weil es ihn allmählicher sicherer Vernichtung durch die Meereswellen verfallen glaubte. In der Tat hat auch die Brandung des MeereS an der ehemals viel größeren Insel arg gearbeitet und besonders an der Südwestseite fortwährend zerstörend eingewirkt. Diesem ZerstörungS- werke der Meereswellen ist jedoch jetzt Einhalt getan: die zugänglichen Risse und Verwitterungshöhlen sind auSgemauert und an den meisten gefährdeten Stellen gewaltige Schutz- mauern aus Granitquadern errichtet worden, wodurch den Uferwänden jetzt ein fester Halt gegeben ist.
Wegen der • strategisch wichtigen Lage Helgolands, die namentlich darin besteht, daß die Insel ein weit vorgeschobener
Bewußtsein über seine Züge, er versuchte zu sprechen. DaS Mädchen kniete an seinem Lager nieder und bedeckte seine Hand mit Küssen. Tondern richtete den Kranken auf und stützte ihn. Er wußte, daß es sich nur um ein kurzes Aufflackern deS Bewußtseins handeln konnte. Mühsam schloffen sich die Finger deS Sterbenden um die Hand der Tochter.
„Mein Sonnenkind", murmelte er, „sei stark — bleib fest — Gott hilft!"
Seine andere Hand tastete nach Tondern, „stützt meine arme Frau — sorgt sür die Kleinen", brächte er mühsam hervor.
„Immer, Vater, immer", flüsterte das Mädchen, und „verlaß dich aus uns", gelobte Tondern.
Dann ließ er sanft das Haupt des Sterbenden in Regina- Arme gleiten, um Frau von Dahlen zu holen zum letzten Lebewohl von dem geliebten Mann.
Noch einmal, als Vater und Tochter allein waren, nahm der Freiherr seine letzte Kraft zusammen. „Wirst mein tapferes Mädel bleiben — bist ein Soldatenkind — Soldaten müssen aus dem Posten aushalten — wo sie hingestellt werden — tue deine Pflicht — Gott mit dir — halte auS", kam es in abgerissenen Worten über seine Lippen.
„Vater, ich gelobe es, und Gott helse mir", schluchzte daS Mädchen.
Von Tondern geführt, trat Frau von Dahlen jetzt ein und sank am Lager des teuren Lebensgefährten nieder, in Tränen aufgelöst. — Ein flüsterndes AbfchiedSwort — ein letzter Händedruck, dann senkte sich das Haupt deS Frei- herrn auf die Brust. Der Atem ging immer stockender — immer leiser, — ein tiefer Seufzer — und alles war vorbei.
Durch den Fenstervorhang stahl sich ein Strahl der aus- gehenden Sonne, er küßte das bleiche Totenantlitz und zauberte ein Lächeln der Verklärung aus die friedvollen Züge. Die Fensterflügel waren geöffnet, und da- Singen eine- Vogels, der dem anbrechenden Tag entgegenjubelte, drang herein.