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Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 90. Dienstag, Hn S. August 1910.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 27. Juli 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Rückreichung der Gemeindesteuerlisten noch im Rückstände sind — KreiS- blatt-Verjügung vom 30. Mai d. JS. Nr. 1053 — werden nochmals mit Frist bis zum 5. f. MtS. an die Rückreichung erinnert.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
I. Nr. 1761. I. V.:
Fenner, Steuer-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Stirn Ähre MnM
Der neue „Nautikus" für das Jahr 1910 bringt u. a. auch einen interessanten Rückblick „Zehn Jahre Flottengesetz", der den in Betracht kommenden Zeitabschnitt unter dem Wirt- schaftlichen und politisch-militärischen Gesichtspunkte behandelt.
In den zehn Jahren des FlottengesetzeS stieg die Bevölker- ung des Reiches von 56,4 auf 65 Millionen Köpfe. 1908 war sogar ein Einwanderungsüberschuß von beinahe 200 000 Köpfen zu verzeichnen. Von 1898 bis 1908 wuchs der Wert des deutschen Außenhandels um 59,1 v. H., sein Gewinn um 46,1 v. H. In demselben Zeitraum wuchs die Einsuhr um 50,8 v. H.. die Ausfuhr um 70,3 v. H., während in früheren Jahrzehnten die AuSfuhr viel stärker als' die Einfuhr zugenommen hat. Diese erfreuliche Verschiebung wird man im wesentlichen der erhöhten Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft für Volksernährung zuzuschreiben haben und alS indirekte Folge der erhöhten Kauskraft des inneren MarkteS. Der Seehandel macht auch heute noch ungesähr 70 v. H. deS Gesamtaußen- Handels aus und ist heute größer, alS dieser letztere vor zehn Jahren war.
Schon diese wenigen hier angeführten Zahlen zeigen zur Genüge, wie enorm und dauernd der Aufschwung des deutschen Außenhandels ist, und wie wohltätig sich die Schutzzollgesetzgebung auch nach dieser Seite hin dauernd gezeigt hat. Insbesondere hebt der Aufsatz hervor wie lebhaft, der Aufschwung der deutschen Industrie innerhalb des zehnjährigen Zeitraums gewesen ist, und meint mit Recht, als Maßstab könne man die Produktion und Verarbeitung von Kohlen und Eisen ansehen. An Kohlenproduktion steht Deutschland nur noch gegen England zurück, dabei bleibt aber noch ganz außer Betracht, daß die deutsche Industrie außerdem für 215 Mill. Mark Kohlen aus England bezieht. In der Produktion von Roheisen haben wir England überflügelt, und in der Produktion Rohstahl sind wir England beinahe um daS Doppelte überlegen. „Doch wird man ohne Uebertreibung sagen können,
Nin<djdn und Ketterftrme.
Roman von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
Aus der Stimme des Obersten klang verhaltene Rührung, er räusperte sich ein paarmal und fuhr dann fort: «Zeige, daß du ein Soldatenkind bist, das gelernt hat, zu gehorchen, ohne viel zu fragen. Vorläufig ist eS nichts mit Verlieben und Verloben, und daher habt ihr beide für die nächste Zukunft noch fein säuberlich eine gewisse Distanz voneinander zu halten, alS ob heute in der Flieder- laube nichts vorgefallen wäre. WaS ihr dabei in eurem Herzen denkt und fühlt, daS ist eure Sache, da braucht ihr keinen anderen Hineinblicken zu lassen. Verstanden, Kind?"
Sie nickte langsam, traurig, — Tränen standen in den dunklen Augen.
Wieder ein energisches Räuspern deS VaterS, daS bei diesem immer daS Zeichen einer Gemütsbewegung war, die er zu unterdrücken suchte, dann sagte er: „WaS später einmal aus der Affäre wird, steht in GotteS Hand. Jetzt dürfen wir Eltern dich nicht blindlings in eine Sache hineinlaufen lassen, die noch keinen Boden unter den Füßen hat, daS können wir »icht verantworten. Der Doktor hat sich die Geschichte auch klar machen lassen und eingesehen, daß die Existenzfrage der Schlüssel zur Erfüllung eurer Wünsche ist. Darüber vergeht Zeit, und daS ist gut, denn du mußt erst ^ftr stwerden, um dich prüfen zu können, ob Deine Liebe
Sie lächelte, wenn auch mit zuckenden Lippen. „So echt ist sie, wie meine Liebe zu Dir, Väterchen", versicherte sie.
Mit drei kräftigen Schlägen rief jetzt daS Tamtam zum Abendessen. Der Oberst gab sein Kind frei.
»Söfft du'S? Es ist höchste Zeit, wir werden zu Tisch gerufen. Nun Kopf in die Höhe und gezeigt, daß
daß die industrielle Gesamtproduktion Deutschlands heute der englischen gleichkommt."
Was das Flottengesetz selbst anlangt, so ist bis jetzt gegen die Geldbedarssberechnung von 1900 der Betrag von 28,6 Millionen Mark weniger ausgegeben, also gespart worden. Der Verfasser stellt zahlenmäßig die folgenden höchst lehrreichen Tatsachen fest: Seit dem Jahre 1897, wo das erste Flotten- gesetz bewilligt wurde, bis zum Dezember 1909 wuchs die Gesamttonnenstärke der deutschen Kriegsflotte von 232 000 aus 633 000, während die der französischen von 642 000 aus 593 000 herunterging, die der Vereinigten Staaten stieg von 232 000 aus 699 000. Innerhalb der gleichen Zeit gab Deutschland für seine Flotte 2869 Millionen, Frankreich 3303 Mill. aus. Mit anderen Worten, 1897 war die französische Flotte dreimal so stark wie die deutsche Flotte, bis 1909 wurden 434 Millionen Mark mehr für sie als für die deutsche auf- gewandt, und trotzdem ist die deutsche Flotte heute der französischen um 40 000 Tonnen überlegen. Die amerikanische und die deutsche Flotte waren 1897 gleich groß, 1909 Übertritt die amerikanische Flotte die deutsche nur um 60000 Tonnen, obgleich sie über 2000 Millionen Mark mehr verbraucht hat alS die deutsche. Würde man die noch nicht sertig- gestellten, in den Ausgaben aber zum Teil enthaltenen Neubauten einbcziehen, so verschieben sich die Zahlen noch erheblich weiter zugunsten Deutschlands.
Interessant ist auch eine erst dieser Tage im englischen Unterhause vom Ersten Lord der Admiralität Mac Kenna aus eine Anfrage gemachte amtliche Mitteilung über die Kampsschiffe Englands, Amerikas und Deutschlands, aus der hervor- geht, daß Deutschland der Tonnenzahl nach etwa ein Viertel der englischen Stärke besitzt und selbst noch in ziemlichem Ab- stand hinter den Vereinigten Staaten erscheint. Die immer wieder von den Sozialdemokraten und anderen Flottengegnern aufgestellte Behauptung, eS werde in unserer Marine aus dem Vollen gewirtschastet, ist also durchaus unzutreffend und sollte doch endlich einmal verstummen. Wenn aber die englische deutschfeindliche Presse noch immer von der „deutschen Gefahr" fabelt, so ist sie einfach zahlenblind.
Wrt des „M. III" »ach Berlin.
Der Militärlustkreuzer „M. 3", der seit zwei Tagen in der Gothaer Luftschiffhalle lag und wiederholt durch Gewitter1 am Aufstieg verhindert wurde, hat am Sonnabend abend, nachdem das Wetter günstiger geworden war, die Rückfahrt nach Berlin antreten können.
G o t h a, 30. Juli. Nachdem am heutigen Nachmittag die Nachfüllung des Luftkreuzers „M. 3" stattgesunden hatte, fand sich kurz nach 8 Uhr Major Groß am Lustschiffhafen ein. Nach Verabschiedung von Staatsminister von Richter wurde um 8 Uhr 40 Min. der Lustkreuzer aus der Halle geholt, zehn Minuten später erfolgte unter begeisterten Hochrufen des zahlreich versammelten Publikums der Aufstieg des Luftschiffes. Zunächst umflog das Militärluftschiff die Halle du verstehst, dich schnell und geschickt in eine neue Situation hineinzufinden. Das gehört zu einer tüchtigen Soldatener- ziehung."
„Deine wilde Hummel hat daS „Order parieren" gelernt, sie wird dir auch heute keine Schande machen", flüsterte daS Mädchen ihm zu, und der Oberst wußte, was seine Tochter versprach, das hielt sie auch.
n.
Was der Freiherr von Dahlen anstrebte, war er gewohnt, durchzusühren, und was er in seiner Familie anordnete, wurde pünktlich besolgt. So hatte sich denn auch sehr rasch daS Verhältnis zwischen Tondern und Regina so gestaltet, wie es in der Absicht des Obersten lag. Sein Töchterchen sollte — abgesehen von allem andern — ruhig aufblühen und wenn möglich erst ein paar sorglose Jugendjahre alS Kommando- röschen genießen.
DaS junge Mädchen war wie geschaffen für den Platz, der ihr durch die Stellung deS Vaters in der Gesellschaft zu- fiel. Kindlich, fröhlich, ohne einen Schatten von Selbstge- fälligkcit nahm sie die Auszeichnungen hin, die ihr wurden, dankbar für jede Freundlichkeit und strahlend in Glück und LebenSfrische.
„Um meines Vaters willen sind die Menschen alle so freundlich zu mir", behauptete sie treuherzig, wenn sie aus den Bällen mit Blumen überschüttet war oder ihre Tanzkarte gleich beim Eintritt überzeichnet wurde.
„Sonnenkind" nannte man sie, und Regina, die diesen Namen kannte, war sich glückselig der Wahrheit bewußt, die in dem Worte lag. Sie gestand sich aber auch zugleich ein, daß der Sonnenschein um sie her und in ihrem Herzen erst seine Verklärung erhielt durch die Liebe, die zwei junge Menschenkinder, vor aller Welt verborgen, fest und treu bewahrten mitten in der Arbeit und in den Freuden deS Leben».
So war ein Jahr vergangen. Wieder war es Frühling geworden, und im Maienzauber prangte die Erde. Regina stand im Garten vor dem Fliederbusch und brach von den üppigen Blüten, in denen noch der Morgentau funkelte.
und wandte sich dann der Stadt zu, wo es allenthalben mit begeisterten Hochrufen begrüßt wurde. Sodann kehrte es scharf nach Osten um und entschwand in der Dunkelheit in der Richtung nach Erfurt.
Erfurt, 30. Juli. Das Luftschiff „M. 3" hat Erfurt um 9 Uhr 45 Min. in ruhiger Fahrt passiert und die Richtung nach Weimar eingeschlagen.
Bitterseld, 31. Juli. Das Militärlustschiff „M. 3" passierte um 12 Uhr 40 Min. die hiesige Ballonhalle in der Richtung nach Berlin.
Berlin, 31. Juli. Das Militärluftschiff „M. 3" kam gegen 3V2 Uhr hier in Sicht und fuhr, nachdem es einige Zeit über dem Tegeler Schießplatz gekreuzt hatte, in der Richtung aus Spandau weiter.
B e r l i n - T e g e l, 31. Juli. Der Militärballon „M. 3" ist heute früh um 6 Uhr vor der Lustschiffhalle glatt ge- landet.
Fahrt des „Parseaal 8" »ach Macht».
Bitter seid, 31. Juli. Das Luftschiff „Parseval 6" ist unter Führung des Oberleutnants Stelling um 12 Uhr nachts zu seiner Fahrt nach München ausgestiegen. In der Gondel befinden sich außer dem Führer Hauptmann Endreß- München, Regierungsbaumeister Hackstättcr, Steuermann Thomsen und zwei Monteure. Die Fahrt soll über Leipzig, Altenburg, Hof, Bayreuth gehen.
Leipzig, 31. Juli. Um Mitternacht hatte sich eine Anzahl Mitglieder deS Magistrats, Vertreter der Presse u. a. auf dem Rathausturm versammelt, welcher durch Lichter und Magnefiumsackeln festlich erleuchtet war. Um 13A Uhr erschien der Parseval 6 von Norden her und passierte in schneller Fahrt das Zentrum der Stadt unter den Zurufen der Bewohner, welche durch daS Summen der Propeller auf das Nahen des Luftschiffs aufmerksam gemacht worden waren. Um 2 Uhr entfernte sich das Lustschiff in südlicher Richtung.
Leipzig, 31. Juli. Das Luftschiff „P. 6" landete heute früh wegen PropellerdesckteS bei Lobstaedt. Ober- leutnant Stelling sandte folgendes, von 5 Uhr 10 Minuten datiertes Telegramm an die Luftfahrzeug-Gesellschaft in Bitterseld:
„Bei Lobstaedt Zwischenlandung. Draht am Flügel- auge gebrochen. Reparatur an Bord vorgenommen. An Bord alles wohl. Fahrt alsbald fortgesetzt."
Lobstaedt, 31. Juli. Das Luftschiff „P. 6" ist 7 Uhr 50 Min. zur Weiterfahrt nach München aufgestiegen.
A l t e n b u r g, 31. Juli. Das Luftschiff „P. 6" postierte 8 Uhr 15 Minuten in ruhiger Fahrt Altenburg und entfernte sich in südlicher Richtung.
H of i. B., 31. Juli. Das Luftschiff „P. 6", daS um 9 Uhr Crimmitschau passierte, um 9 Uhr 15 Min. Werdau, um 10 Uhr Reichenbach und um 10 Uhr 45 Min. Plauen, wurde um llVs Uhr hier sichtbar.
Es lag sür sie etwas Berauschendes in dem gliedcrdust, er zauberte ihr die Stunde zurück, wo sie in der Fliederlaube die unvergeßlichen Worte heißer Liebe gehört hatte, und einer zärtlichen Aufwallung folgend, drückte sie den Strauß an ihre Lippen.
Er überschüttete sie dabei mit seinen Tauperlen, die wie Tränen über ihr Gesicht rannen. Sie trocknete sie hastig. Was sollten Tränen an solchem Sommertage, wo ihr Herz überströmte von Freude und Glück!
Da hörte sie ihren Namen rufen, und als sie sich um- wandte, sah sie den Vater am Fenster stehen, e nen blauen Brief in der Hand. Welche- Offizierkind kennt nicht den blauen Brief, dieses entscheidende Aktenstück, daS oft die Existenz einer ganzen Familie sichert, oder umstößt!
Atemlos eilte Regina die Treppe zum Arbeitszimmer ihres VaterS hinauf und stand gleich daraus pochenden Her- zenS vor ihren Eltern. Nur Gute- konnte es sein, waS sie erfahren sollte, daS sagte ihr ein Blick aus Vater und Mutter.
Die Augen deS Obersten schimmerten feucht.
„Kind, Majestät hat die Gnade gehabt, mir die Brigade in Münster zu geben und mich zum General zu ernennen", rief er ihr zu.
Ein Jubelruf antwortete ihm. Regina warf sich an seine Brust.
„Wer einen so tüchtigen Vater hat wie ich, der konnte gar nicht daran zweifeln, daß es dem weiter gut gehen müsse. Ich bin ja so stolz daraus, deine Tochter zu sein!"
Lachend und doch tief bewegt klopfte er ihr die Backen. „Nun sieh mal einer an! Unsere wilde Hummel will mich noch auf meine alten Tage eitel machen", scherzte er. Dann machte er ein feierlich ernste- Gesicht, aber aus den Augen lachte dabei daS helle Glück, und um die Mundwinkel zuckte es wie Uebermut, alS er nun fortfuhr: „Deine Mutter und ich sind über eingekommen, daß es jetzt bei unserer veränderten pekuniären Lage vielleicht an der Zeit sei, auch, waS deine Angelegenheit' betrifft, eine Aenderung eintreten zu lasten. Tondern ist in nächster Zeit eine feste auskömmliche Rustel-