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Herssel-er Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 86.
Amtlicher CeiL
Hersseld, den 19. Juli 1910.
Infolge der in letzter Zeit wiederholt eingetretenen Unwetter sind die Flutgräben im Anschluß an die Straßen- und Landwegekanäle vollständig verschlemmt.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die gründliche Reinigung der Flutgräben binnen längstens 8 Tagen erfolgt.
Die Ausführung der Arbeiten wird von dem zuständigen Straßenmeister kontrolliert werden.
I 6799. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil
Politischer Wochenbericht.
In der Berichtswoche ist der n e u e P r ä s i d e n t
von
Brasilien Marschall Hermes da Fonseca, der vor zwei Jahren als Gast des deutschen Kaisers an den Kaisermanövern teilnahm, in der Reichshauptstadt eingetroffen. Fonseca hat sich stets als ein aufrichtiger Freund des Deutschtums bewährt. Hunderttausende deutscher Landsleute wohnen in dem schönen Lande, dessen Regierung er im Herbste übernimmt, und wo und wann er nur konnte, hat er seine deutschfreundliche Gesinnung gezeigt. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland vor zwei Jahren hat er begeistert von dem deutschen Kaiser, vom deutschen Heere und von den deutschen wirtschaftlichen Einrichtungen gesprochen. Im Frühjahr 1909 schickte er seinen Sohn, Leutnant Mario da Fonseca nach Deutschland, um hier militärische Studien zu treiben. Man kann also gewiß sein, daß die deutschfreundliche Richtung, welche die brasilianische Politik in den beiden letzten Jahren genommen hat, unter der Regentschaft Fonsecas innegehalten werden wird, was schon im Interesse der Hunderttausende Deutscher in Südbrasilien höchst erfreulich ist. Sicherlich ist dieser deutschfreundliche Mann in Deutschland herzlich willkommen.
Mit lärmender Freude ist die polnische Tannenberg- s e i e r überall, wo Polen wohnen, begangen worden, und aufs neue ist alles versucht worden, um die Leidenschaften zu entflammen und den Haß gegen die Deutschen zu schüren. Die polnischen Hoffnungen aus die „Wiedergeburt der polnischen Nation", was natürlich Wiederherstellung des ehemaligen Königsreichs Polen bedeuten soll, haben namentlich bei der Ferer in Krakau einen lauten und nicht mißzuverstehenden Widerhall gesunden. Wenn der Landmarschall von Galizien erklärte, die Polen müßten in täglicher aufopfernder Arbeit der Wiedergeburt ihrer Nation entgegengehen, wenn der Bürgermeister von Krakau sogar veisicherte, die Polen blickten siegeS- sicher in die Zukunst, so ist das eine Sprache, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. So bildet die polnische oOOjährige Gedenkfeier der Schlacht bei Tannenberg einen weiteren Schritt aus dem Wege, den die Polen zur Erreichung ihrer Zukunstspläne verfolgen. Darin liegt für uns die Mah- nung, alles daran zu setzen, um den Machenschaften unserer Feinde zu begegnen. Ein jeder kann nach seinen Kräften und w feinem Kreise dabei mitwirken. Und ein jeder sollte dies tun, damit den Fortschritten deS Polentums in unserer Ost- mMlaibH« einmal der Damm entgegengesetzt wird, der nicht überflutet werden kann. Denn deutsch muß unsere Ostmark bleiben, es handelt sich nicht nur um die Erhaltung dessen, was deutsche Kultur allein geschaffen hat, sondern geradezu um eine nationale Lebensfrage. Und wenn die Begeisterung der Polen sich in praktischer Opserwilligkeit für ihr -uolk betätigt, so muß das gerade für unS Deutsche eine Mah- """3 stin, es ihnen darin gleichzutun.
Mit aufrichtiger Genugtuung sind in Deutschland die Darlegungen ausgenommen worden, die der englische Premier- nunistcr As q uith bei Beratung der diesjährigen Forderungen . Flottenbauzwecke über die deutsch-englischen B e - Regungen gemacht hat. Er sagte, aufrichtig versichern zu können, daß diese Beziehungen den herzlichsten Charakter ^"^en haben und ihn noch in diesem Augenblick tragen. Deutschland habe seine eigene Politik zu verfolgen und seine Interessen zu wahren. ES sei eine große Weltmacht, habe ^^"enlscrnte Kolonien und sende unablässig seine Söhne und Achter in die fernsten Weltteile. Sein Handel wachse überall, v'-dcutsch-n Staatsmänner und daS deutsche Volk glaubten ehrlich und hätten ein Recht zu glauben, daß sie ihre Stellung .w Weltmacht nicht behaupten und ihre vielfachen und beständig wachsenden Interessen in allen Weltteilen nicht ohne Vergrößerung ihrer Flottenmacht verteidigen können. Diese
&** englischen Premierministers, die mit den ^^ '" erfreulicher Uebereinstimmung stehen, S™ °> durch Mißverständnisse weniger
“^ “?b H°" dethalb ersprießlichere öffentliche Behand- !S?ti berührenden Angelegenheiten. Mit ®roti wäre nicht nur Deutschland und Großbritannien in gleichem Maße gedient, sondern es würde
Sonnabend, den 23. Juli
auch der allgemeinen Friebenszuversicht eine neue wertvolle Stärkung zuteil werden.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 22. Juli.
Von der Nordlandreise Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Drontheim, 20. Juli. Se. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag die Vorträge der Chess der Kabinette und des Gesandten v. Treutler entgegen, besichtigte dann den Dom von Drontheim und frühstückte bei dem deutschen Konsul Jenssen. Nachmittags hielt Obers Dickhuth einen kriegsgeschichtlichen Vortrag. — Am 6. August findet die Besichtigung der Königsulanen statt, anschließend Frühstückstasel im Offizierkasino und daraus die Abreise nach Wilhelmshöhe, wo die Ankunft gegen Abend erfolgt. — Seit 16 Tagen ist heute das erste Mal trübes Wetter. — An Bord alles wohl. — Drontheim, 20. Juli. Die Hohen- zollern geht morgen Donnerstag, früh 5 Uhr, nach Molde in See. Die Ankunft daselbst erfolgt um 3 Uhr Nachmittags. Nächste Telegraphenstation Molde.
Wie die Wiener Korrespondenz Wilhelm verläßlich ersährt, wird S e. Majestät der Kaiser am 20. September in Wien eintreffen. Für den Aufenthalt sind zwei Tage in Aussicht genommen. Vorher wird Allerhöchstderselbe am 17., 18. und 19. September aus Einladung des Erzherzogs Friedrich in Bellye an den Jagden teilnehmen. In die Zeit des Wiener Ausenthalts deS Deutschen Kaisers fällt das 25jährige Inhaber- jubiläum deS HusarenregimentS 7, daS im Dezember 1885 dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen verliehen wurde. Während des Wiener Ausenthalts wird Se. Majestät eine Deputation des Regiments unter Führung des Kommandanten Obersten Freiherrn v. Schönberger in Schönbrunn empfangen. Die Deputation wird dem Monarchen einen Ehren- säbel mit entsprechender Inschrift als Widmung deS Regiments überreichen. Das Offizierkorps hatte die Absicht, eine Deputation zur Uebergabe des EhrensäbelS nach Berlin zu entsenden, erhielt jedoch auf eine diesbezügliche Anfrage die Antwort, daß der Deutsche Kaiser ohnehin zur Zeit des Jubiläums in Wien sein und die Deputation in Schönbrunn empsangen werde.
DieVorbereitungensüreinenneuendeutsch- japanischen Handelsvertrag sind, nachdem der bisherige vor kurzem von Japan gekündigt worden ist, schon im Gange. Japan hat in letzter Zeit einen neuen Zolltarif aufgestellt und wird aus Grund der neuen Bestimmungen die Verhandlungen sühren. In Voraussicht dessen sind bereits vor einigen Monaten die deutschen Jntereffenkreise vom Staatssekretär deS ReichSamts des Innern aufgesordert worden, ihre Wünsche bezüglich der sie angehenden neuen japanischen Zollpositionen kundzugeben. Es hat sich infolge der Umfrage auch bereits im Reichsamt des Innern ein umfangreiches Material angesammelt, das gesichtet und geprüft wird. Nach Abschluß dieser Arbeiten wird für die deutschen Forderungen die Grundlage gegeben sein. Je eher die Verhandlungen zwischen beiden Reichen beginnen können, um so mehr ist die AuSsicht vorhanden, daß der neue Handelsvertrag sich im Juli nächsten Jahres an den alten wird anschließen können.
Der A ussta n d in Südkame run ist erloschen, Faktoreien sind nicht auSgeraubt worden. Major Dominik hat den Ausstand niedergeworfen. Die Schwarzen haben nach dem Erscheinen deS Majors Dominik und feiner Truppen um Ruhe und Frieden gebeten.
Von einem der großen Londoner Blätter, der „Daily Mail", ist eine Umfrage bei einer größeren Anzahl angesehener deutscher Zeitungen darüber gehalten worden, wie sich die öffentliche Meinung in Deutschland zu einer deutsch-englischen Verständigung über die gegenseitige Einschränkung der F l o t t e n b a u t e n stellen würde. Die Umfrage ist durch die im Parlamente bei der kürzlichen Flöt- tendebatte erfolgte Erklärung des englischen Premiers ASquith veranlaßt worden, die englische Regierung habe seinerseits bei der deutschen Regierung wegen einer Verständigung über die gegenseitigen Flottenbauten an gefragt, aber eine ablehnende Antwort erfahren, mit der Begründung, daß die öffentliche Meinung im Deutschen Reiche solche Verhandlungen nicht wünsche. Die der „Daily Mail" aus ihre Anfrage nunmehr zugegangenen Erwiderungen der betreffenden deutschen Zeitungen lassen erkennen, daß in Deutschland die Stimmung überwiegend für eine deutsch-englische Flottenverständigung ist, waS ja auch nicht weiter überraschend klingt. Eine praktische Wirkung wird indessen die Umfrage deS Londoner Blattes schwerlich zeitigen.
Aus Hagen wird geschrieben: Obwohl die ausständigen, bezw. auSgesperrten Metallarbeiter, etwa 22000, sich ausnahmslos zur Ausnahme der Arbeit bereit erklärt haben, find noch über 10000 zum Feiern gezwungen, weil durch den siebzehnwöchigen AuSstand zahlreiche Aufträge zurückgezogen und neue nicht eingegangen sind. Der wirt- schastliche Nachteil für Hagen und Schwelm ist außerordentlich groß, da der Verlust der Besitzer größerer Werke täglich 10 000 biS 12 000 Mark beträgt. Mit Rücksicht auf diese
1910«
wirtschaftliche Notlage haben die Vereine Feierlichkeiten vorläufig abgesagt.
Ueber die Ermordung eines Deutschen bei H a iffa liegen folgende Nachrichten vor: Aus dem Weinberg der 8 Kilom. südlich von Haiffa gelegenen deutschen Ansiedlung Neuharthof war ein Einwohner des Dorfes Tireh erschossen ausgesunden worden. Der Staatsanwalt von Haiffa ersuchte den dortigen deutschen Vizekonsul, an der Inaugenscheinnahme der Leiche teilzunehmen. Der Konsul begab sich mit dem Dragoman und einem angesehenen Mitglied der deutschen Kolonie, dem Württemberger Fritz Unger, der als Sachverständiger dienen sollte, nach Neuharthof. Dort trafen sie zu- sammen mit dem Staatsanwalt, dem Gerichtsarzt und zwei Gendarmen ein. Sie wurden von etwa 150 Männern und Frauen aus dem benachbarten Tireh mit Geschrei und mit dem Rufe empfangen, die Deutschen hätten den Mann getötet. Während sich der Konsul zu der Leiche begab, fielen mehrere Tirioten über den beim Wagen zurückgebliebenen Herrn Unger her, schlugen ihn hinterrücks und schoflen ihn unter den Augen des Konsuls und der türkischen Gerichtsbehörden mit 7 Kugeln tot. Die Tirioten ergriffen daraus sämtlich die Flucht. Die Namen einiger Täter konnten jedoch sestgestellt werden. Der Konsul hat von den türkischen Behörden sofortige Verfolgung und Bestrafung der Täter und die Entsendung von Soldaten zum Schutz des einsamen Neuharthof verlangt. 42 Soldaten wurden noch im Laufe des Tages dorthin gelegt. — Von Beirut ist der türkische Stationär mit einer Kompagnie nach Haiffa abgegangen. Der Wali von Beirut trifft die umfassendsten Maßregeln, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, und wird sich, wenn notwendig, selbst nach Haiffa be- geben. — Der deutsche Geschäftsträger in Konstantinopel hat sich am Mittwoch zu dem Minister deS Aeußern begeben und um Bestrafung der Schuldigen und Schutz für die deutschen Kolonisten ersucht. Der Minister versprach, die nötigen Maßregeln sofort zu veranlassen.
Zu der ausgedeckten Verschwörung in der Türkei gegen die selige Regierung liegen noch immer allerhand Meldungen vor. Die meisten leitenden Persönlichkeiten deS Ver- schwörerbundes und viele weniger hervorragende Mitglieder desselben sind verhaftet worden, doch gelang es einigen der Rädelsführer, durch die Flucht nach dem Auslande zu entkommen. Zu ihnen gehört auch Ali Kemal, der ein Vertrauter des Ex-Sultans Abdul Hamid war. Die Verschwörung bezweckte den Sturz der jetzigen Regierung unter Hakkim Pascha und die Bildung eines neuen Kabinetts aus Mitgliedern der Opposition des türkischen Parlaments. Auch sollten die entlassenen alttürkischen Beamten in Konstantinopel wieder ein. gesetzt und der Belagerungszustand in Konstantinopel ausge- hoben werden.
Aus Paris wird gemeldet, daß unter den marokkanischen Stämmen westlich des Muluya der h e i l i g e K r i e g gegen die Franzosen gepredigt werde. Die Stämme haben Mulai Hafid um Waffen und Munition gebeten, dieser aber habe geantwortet, er habe keine, worauf die Abgesandten versprachen, den Prätendenten Malai Kebir auszuliefern, wenn die Waffensendung erfolge. Der Sultan habe darauf einen dreijährigen Steuererlaß für die Auslieferung Mulay KebirS versprochen.
Wie Hilfst» Sie Gewitter? Von Profeffor Dr. K. F. Jordan.
Der gewitterreiche Sommer dieses Jahres regt von neuem die vielerörterte Frage an, wie die gewaltigen elektrischen Entladungen der Atmosphäre, die schon so viel Unheil ange- richtet haben, ihren Ursprung nehmen. Hat doch diese Frage von jeher die Menschheit beschäftigt und auch — schon in den vorgeschichtlichen Zeiten der Mythe — ihre vielfach wechselnde Beantwortung erfahren. Bei den alten Griechen war eS der Donnerer Zeus, der in seiner Hand ein Bündel Blitze hielt und sie aus die trübe Erde schleuderte. Sinnreicher ließ die nordisch-germanische Sage den Gott Thorr, Donar oder Donner, nach dem unser Donner-tag seinen Namen erhalten hat, seinen mächtigen Hammer schwingen, der, aus die Felsen niedersausend, Feuer schlug und dabei Donnerschall erzeugte. In beiden Fällen waren Blitzbündel wie Hammer Waffen, die in dem bevorstehenden Kampfe gegen die den Göttern feindlichen Titanen oder Riesen gebraucht werden sollten. DaS Ende dieses KampfeS sollte nach der Anschauung unserer Vor- sahren die Götterdämmerung, alS eine Abenddämmerung nach Sonnenuntergang ausgesaßt, d. h. also der Untergang der herrlichen Götterwelt sein, aus welchen dann später die Schöpfung einer neuen Welt folgen sollte.
Nach solchen Träumen der Phantasie stand der menschliche Geist viele Jahrhunderte hindurch den Erscheinungen des Gewitters völlig ratlos gegenüber. Erst nachdem Benjamin Franklin um die Mitte bei 18. Jahrhunderts seine elektrische Natur nachgewiesen hatte, konnte ihm die wissenschaftliche Forschung näher treten. FranklinS Verfahren hatte dabei in ;anz einfacher und doch überzeugender Weise darin bestanden, mß er beim Herannahen von Gewitterwolken einen Drachen aufsteigen ließ, besten Schnur, nachdem sie flucht geworden war, die Elektrizität zur Erde leitete; aus ihrem unteren,