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Hersfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 84.

Dienstag, den 19. Juli

1910.

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 15. Juli 1910.

Mit den Absteckungsarbeiten für die Bauausführung der Kleinbahn Hersseld-HeimboldShausen soll am Mittwoch, den 20. Juli d. Js. begonnen werden. Ländereien, aus welchen sich Getreidebestände vorfinden, werden bis zur Aberntung um­gangen werden.

Die Herren Ortsvorstünde der beteiligten Gemeinden haben Vorstehendes alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Die beteiligten Grundstücksbesitzer sind dahin zu belehren, daß sie das Betreten der beim Bahnbau in Betracht kommenden Grundstücke dem mit der Absteckung der Linie be­auftragten Beamten zu gestatten haben.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 5324. von GruneliuS.

Berlin W. 66, den 30. Juni 1910.

Gemäß Ziffer 1 Absatz 2 der Vorschriften vom 23. Januar 1907 (H. M. Bl. S. 14) habe ich dem FrauenbildungSverein in Hannover widerruflich das Recht zur Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen für die unter Ziffer II a bis e auf- geführten Lehrfächer (Kochen und Hauswirtschaft, einfache und seine Handarbeiten, sowie Maschinennähen, Wäscheansertigung, Schneidern, Putz) erteilt. (I. Nr. IV. 7548.)

Der Minister für Handel und Gewerbe.

I. A.: gez. Dr. NeuhauS.

*

Hersseld, den 15. Juli 1910.

Wird veröffentlicht.

kL Nr. 6848. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 14. Juli 1910.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS Kreises, welche meine Versügung vom 29. Juni 1880 I 7650 Kreisblatt Nr. 52, betreffend Einreichung der Verzeichnisse über die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 8 Tagen nochmals erinnert. ! 634211. Der Landrat. 3 81

Wessel, Kreissekretär.

_ Hersseld, den 14. Juli 1910.

Unter der Schafherde deS Schäfers Munk in Schwarzen, born, KrerS Zregenhain, ist die Räude ausgebrochen. I 6789. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Kreissekretär.

_ Hersseld, den 13. Juli 1910.

Der Direktor der hessischen Brand-VersicherungS-Anstalt in Cassel, Herr Geheimer Regierungs-Rat Dr. Knorz, ist auf einen Wunsch hin durch Beschluß des letzten Kommunalland, seinen leidenden Gesundheitszustand vom r' ' ^ °6 ,n ^en Ruhestand versetzt worden.

Der Landrat von GruneliuS.

nichtamtlicher Ceil.

Aönigin (uif<.

8um 100. Todestage am 19. Juli 1910. li/Ä beS Sommer- sruchtschweres Glühn N? ,E vergangenen Tagen . . . S Mausoleum die Rosen blühn, ^^'schw-rk die Finken schlagen.

Ieu^tenb und blau, du trauernd zu Füßen,

3cbt gilts ihr den Denkstein zu bauen!

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SS?«

Es war wie ein leuchtendes Morgenrot, Das nach dem Dunkel entglommen.

Und siehe, die Sonne sie flieg und stieg

Und lacht auf zerstampfte Auen, Trompeten schmettern und blasenSieg", Hörst du es, beste der Frauen? Was du begonnen, es ist vollbracht, Drum wollen wir Blumen dir streuen, Das Vaterland stehet in Einheit und Macht Und grüßt dich, grüßt dich in Träum.

Elfe Krafft.

Hundert Jahre sind am 19. Juli verflossen, seit die edle Dulderin aus Preußens Throne, die unvergeßliche Königin Luise, voll gläubigen Gottvertrauens und voll Hoffnung auf eine bessere Zukunft ihres Landes ihre große Seele aushauchte, doch im Herzen des deutschen Volkes lebt ihre hehre Licht­gestalt noch heute. Der Gedenktag ihres Todes aber ruft zugleich die Erinnerung zurück an Preußens Demütigung durch den korsischen Eroberer und an die bangen Stunden, die den aus den Lorbeeren Friedrichs des Großen eingeschlafenen Staat in seinen Grundfesten erschütterten, indes wir blicken dabei auch dankbar aus die starken Herzen zurück, die voll Gottvertrauen trotz allem Unglück an der Zukunft des Landes nicht verzweifelten, und in dieser Reihe wird die lichte Ge­stalt der Königin Luise stets voranstehen.

In Berlin befand sich alles nach der schweren Niederlage in der unglücklichen Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806 in größter Aufregung. Aber während der völlige Zusammen- bruch des Heeres und die Kapitulationen der Festungen lähmenden Schrecken und hoffnungslose Niedergeschlagenheit auch in die breiten Massen des Volkes trug, belebte sich Luisens Hoffnung an der stürmischen Teilnahme, die ihr Berlins Einwohner in diesen unglücklichen Tagen bezeigten. Mutigen Herzens schrieb sie dem Könige:Du bist mein einziger Ge­danke gewesen, während meiner ganzen schrecklichen grausamen Reise. Uebrigens hoffe ich, daß noch nicht alles verloren ist, und daß Gott uns noch helfen wird. Du hast noch Truppen, und das Volk betet Dich an und ist bereit alles zu tun. Gott segne Dich und stärke Dich in dem grausamsten Augenblick Deines Lebens." Nach einer ruhelosen Nacht, in der alles zusammengepackt wurde, was man in Eile fassen konnte, verließ die Königin Berlin. Aber schon am 20. Oktober suchte sie dem Könige in einem neuen Briefe von Stettin aus Trost und Zuversicht einzuflößen;nur um Gottcswillen keinen schändlichen Frieden."

Hinter den schützenden Mauern der starken Festung Küstrin fanden König und Königin nach den angstvollen Tagen furcht- gepeitschter Flucht die ersten ruhigen Stunden und das trost- volle Glück ihrer Wiedervereinigung. Und eben in jenen Tagen sollte es sich zeigen, was inmitten der hin und her schwankenden Entschließungen am preußischen Hofe Königin Luisens hoher Sinn und fester Mut bedeutete. Der Haltung der Königin war schließlich die Verweisung deS von Napoleon unter schimpflichen Bedingungen angetragenen Waffenstillstandes zuzuschreiben, so daß Heinrich von Kleist von Königsberg aus an seine Schwester über die Königin schrieb: In diesem Kriege macht sie einen größeren Gewinn als sie in einem ganzen Leben voll Frieden und Freuden gemacht haben würde. Sie versammelt alle unsere großen Männer, die der König ver- nachlässigt, um sich; ja, sie ist es, die das, was noch nicht zusammengefügt ist, hält."

Am 9. Dezember 1806 traf Luise von Ortelsburg in Königsberg ein, empsangen von einer zahlreichen Menge, in der viel Tränen für sie floffen; ihr erster Gang war an das Krankenbett ihres SohneS Karl. Hier erkrankte sie an einem heftigen Nervenfieber. Kaum hatte sie sich von dieser Krank­heit etwas erholt, vertrieben sie schlimme Nachrichten vom Kriegs­schauplatze auS Königsberg und nötigten sie zur Flucht nach Memel, in den letzten Zipfel des preußischen Landes. Aber das Unglück ihres Landes hatte ihre Lebenskraft völlig ge­brochen, so daß ihr nur noch eine kurze Spanne Zeit auf Erden beschieden war. Zwar verlebte sie noch stille srohe Tage mit dem Könige und ihren Kindern auf dem Landsitze ihres Vaters Hohenzicritz, aber eine Lungenschwindsucht warf sie aufS Krankenlager, von dem sie nicht wieder ausstand: am 19. Juli 1810 schloß sie die treuen Augen für immer.

WaS die Königin mit der ganzen Inbrunst ihrer edlen Seele erstrebte und erhoffte, Preußens Wiedergeburt und Deutschlands Besreiung, sollte ihr selbst zu erleben nicht ver­gönnt sein, aber es ging in Ersüllung, was der deutsche Held und Dichter Theodor Körner sang, als er am Grabmal der Königin gestanden hatte:

Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache, Dann ruft dein Volk; dann deutsche Frau! erwache, Ein guter Engel für die gute Sache.

Und der gute Engel für die gute Sache ist sie geworden und geblieben. Nicht nur in jenen blutigen, heißen Ringen 1813, 1814 und 1815 hat ihr Name unsichtbar und doch leuchtend aus den preußischen Fahnen gestanden, auch bis in unsere Zeit herüber haben wir den Segen dieser verklärten Königin spüren dürfen. War doch Kaiser Wilhelm der Große ihr

Sohn, er, der das deutsche Volk nach langer Zerrissenheit wieder zusammengesührt und das Deutsche Reich in unge­ahnter Größe und Herrlichkeit neu erstehen ließ. Wieder war es ein Napoleon, der im Jahre 1870 Preußen zum Kamps« heraussorderte, und es war gerade am 19. Juli, dem Todes­tage der Königin Luise, als die sranzösische Kriegserklärung in Berlin eintraf. Im stillen Mausoleum zu Charlottenburg am Grabe seiner unvergeßlichen Mutter hat König Wilhelm im Gebet geweilt, ehe er den Entschluß faßte, den Kamps gegen Frankreich aufzunehmen, der Geist seiner verklärten Mutter hat ihn umschwebt, und dann ist er herausgetreten mit dem festen Entschluß: Es sei l Alldeutschland nach Frank­reich hinein!

Als König zog Luisens großer Sohn über den Rhein, als Kaiser kehrte er zurück, und es hatte sich erfüllt, was die Mutter auf der Flucht nach der Schlacht bei Jena unter strömenden Tränen dem damals neunjährigen Knaben ausge­tragen :Suchet den jetzt verdunkelten Ruhm eurer Vorfahren von Frankreich zurückzuerobern! Werdet Männer und Helden, würdig des Namens von Prinzen und Enkeln des großen Friedrich!" Als König Wilhelm, auf der Höhe von Sedan stehend, den Degen des gefangenen Napoleon in der Hand hielt, ist sein erster Gedanke wohl derselbe gewesen, den 1814 Blücher beim Einzug in das eroberte Paris aus der Höhe des Montmartre ausgesprochen hatte:Luise ist gerächt!" Luisens hehreS Bild aber wird dem preußischen, dem deutschen Volke, wenn es sich nicht selbst vergißt, noch leuchten jahrhunderte- lang, damit es segnend walte über unserm deutschen Vaterlande.

Aus 3n- nii<I Ausland.

Berlin, den 17. Juli 1910.

Aus Christiania, 16. Juli, wird telegraphiert: S e. Majestät der Kaiser hat sich durch König Haakon er­boten, dem norwegischen Volke als Dank für die gastfreie Ausnahmen während seiner Nordlandreisen eine Frithjos-Statue zu schenken. Der Kaiser hat eine Anhöhe im Sogne-Fjord bei Framnes in der Nähe von Frithjofs Grab für die Aufstel­lung der Statue in Aussicht genommen. König Haakon dankte namenS des norwegischen Volkes für diese Aufmerksam­keit. Proseffor Unger-Steglitz ist mit der Aussührung der Statue beauftragt worden.

Das Andenken der Königin Luise wurde an­läßlich der hundertjährigen Wiederkehr des Todestages der hohen Frau am vergangenen Sonntag von allen Kanzeln der Monarchie herab in würdiger Weise gefeiert. In allen Kirchen rühmten die Geistlichen die Unvergeßliche als leuchtendes Vor­bild, sie priesen ihre aufopferungsvolle Vaterlandsliebe, ihre große Güte und Wohltätigkeit, ihren frommen Sinn und ihr liebes Herz. Auch der Kaiser gedachte in seiner Predigt der herrlichen Königin. An der Sterbestätte der Königin im Schlosse Hohenzicritz bei Neustrelitz fand am Sonntag nach­mittag zur Wiederkehr des 100. Todestages eine öffentliche Gedenkfeier statt, an welcher die großherzogliche Familie und zahlreiche Deputationen aus allen Teilen des Großherzogtums teilnahmen. Vor 50 Jahren fand an der gleichen Stätte eine Gedächtnisfeier statt, wobei der schon schwer kranke König Friedrich Wilhelm IV. einen goldenen Eichenkranz an der Stelle niederlegen ließ, wo das Sterbebett der Königin ge­standen hatte.

Die Betriebseinnahmen der preußisch­hessischen Staatseisenbahnen haben im Juni 1910 gegenüber dem gleichen Monat deS Vorjahres im Per- sonenverkehr 100 000 Mk. = 0,19 v. H. weniger, im Güter- verkehr 6 Mill. Mk. 5,89 v. H. mehr, insgesamt einschließ­lich der sonstigen Einnahmen 6,1 Mill. Mk. 3,73 v. H. mehr betragen. Die Zahl der Sonntage war in beiden Jahren gleich, doch kommt in Betracht, daß das Pfingstfest im Vorjahr auf die beiden letzten Tage des Monars Mai fiel, ein erheb- licher Teil der Einnahmen auS dem Rückfahrverkehr also im vorigen Jahre erst dem Monat Juni zu gute kam. Außerdem fiel in den Juni v. I. das Fronleichnamsfest, das in diesem Jahre in den Mai gefallen war, und erhöhte gleichfalls im vorigen Jahre die Einnahmen auS dem Personenverkehr, wäh­rend es die Einnahmen aus dem Güterverkehr verminderte. In beiden Monaten zusammen stiegen die Einnahmen auS dem Personenverkehr um rund 8 432 000 Mk. oder 1,8 v. H. und aus dem Güterverkehr um rund 10 778 000 Mk. oder 5,3 v. H.

Das LuftschiffP. 5" wurde in der Nähe von Glatz wegen starken Gasverlustes bei einer Zwischenlandung, dre durch Reißen der Reißbahn beschleunigt werden mußte, ab- montiert und wird mit der Bahn nach BreSlau befördert wer- den. Bei Versuchen mit dem Fallschirm ist heute nach­mittag auf dem Flugplatz Wilhelmsruh ein Mann abgestürzt und mußte mit schweren inneren Verletzungen nach der König, lichen Klinik gebracht werden.

Nach dem jetzt veröffentlichten Ergebnis der däni­schen Volkszählung beträgt die Gcfamtbevölkerung Däne­marks 2 726 000 Personen. Da bei der letzten Volkszählung im Jahre 1906 2 605 000 Bewohner zu verzeichnen waren, so ist ein Zuwachs von 1V» v. H. vorhanden.