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hersselder Kreisblatt
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Zernsprech-6tnschlutz Nr. 8
Nr. 79* Donnerstag, den 7* Juli 1910,
Amtlicher teil.
Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Fünfzigpsennigstücke der älteren Geprägeformen. Vom 27. Juni 1908.
Auf Grund deS Artikel I Ziffer n des Gesetzes, betreffend Aenderungen im Münzwesen, vom 19. Mai 1908 (ReichS- Gesetzblatt Seite 212) hat der Bundesrat die nachfolgenden Bestimmungen getroffen :
§ 1«
Die Fünfzigpsennigstücke der älteren Geprägeformen mit der Wertangabe „50 Pfennig* gelten vom 1. Oktober 1908 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. ES ist von diesem Zeitpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.
§ 2.
Die Fünfzigpsennigstücke der im § 1 bezeichneten Formen werden bis zum 30. September 1910 bei den ReichS- und Landeskasscn zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Reichsmünzen umgetauscht.
8 3.
Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche (§ 2) findet aus durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie aus ver- sälschte Münzstücke keine Anwendung.
Berlin, den 27. Juni 1908.
Der Reichskanzler.
I. V.: gez. Sydo w.
* •
Hersfeld, den 5. Januar 1910. Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
J. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Herrfeld, den 1. Juli 1910.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eineS Brandunglücks umso größer ist, je mehr Nahrung dem auS- gebrochenen Feuer fich bietet. veranlasse ich die Herren Orts- Vorstände deS KreifeS, tunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach begonnener Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt find, soweit möglich, ein Jeder feine Bonäle gegen Feuergefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine tunlichst eneichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens fiattfinben möge.
Ich mache _ hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von HauSkollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende
Her/ 7 ' Shj».
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie war Braut! Felix Bürgers Braut! Eva Fehrle vermochte es oft nicht zu fassen, daß eS wirklich Wahrheit, unumstößliche Wahrheit war, trotzdem die VerlobungSkarten, worauf eS schwarz aus weiß zu sehen war, in die Welt gegangen.
Ein Traum, ein wüster Traum, dünkte eS sie bisweilen, aus welchem eS noch einmal ein Erwachen geben konnte, ein Erwachen zum vollen Leben, zur Jugend, zur Liebe, zum Glück? Wollte man sie nicht um alles das be- trügen?!
O, daß sie nicht den Mut gehabt, den reichen Freier zurückzuweisen. Bruno aber hatte die Sache zu schlau einge- a fe an 'h« Eltern geschrieben, in welchem er Bür- gers ^.lebc zu Eva und seine Vermögensverhältnisse im glän- ™e" Licht darstellte, hatte EvaS großes Glück in "allen Tonarten gepriesen, und daß sie eS zurückweisen konnte, daS schloffen ^" ^"^" ^" ®ltern und Geschwister ganz auSge» auf Briefe kamen an Eva, und die jüngeren Ge- 7. °"!^ben knüpften wohl jeder eine kleine Hoffnung * °m ,L ®«isni8, die sie nur vorläufig anzudeuten E Ä d" jüngst- der Geschwister EvaS, sprach üoll kindlicher Offenherzigkeit auS: ein Fahrrad Ä 1,/i Schwager ihm kaufen, alle seine Freunde ! l ® "" er hätte bis jetzt auf diesen seinen ?""^ verzichten müssen. Er wollte den ^"^er dann ^ch sehr lieb haben. versicherte der kleine Echwcstcr^ ^ m bem kindlichen Schreibebries an die ""^'Milche Macht, das Geld? dachte to«M lo=- ^«^<^ *«
Mahnung, ein besonderes Augenmerk aus die sichere Ausbewahrung der Streichhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon ost geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für tunlichste Be- kanntwerdung des Gesagten Sorge tragen und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken.
I. I. 6339. Der Landrat.
J. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 1. Juli 1910.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreiseS, welche meine Vcrsügung vom 29. Juni 1880, I. 7680 — Kreisblatt Nr. 52 — betreffend Einreichung der Verzeichnisse über die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert.
I. I. 6342. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Hersfeld, den 1. Juli 1910.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 21. März d. Js., I. 2905 — Kreisblatt Nr. 37 — betreffend das Sollaufkommen an Beiträgen zur Landwirtschaftskammer, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 5 Tagen erinnert. I. 6336. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekrerär.
Hersfeld, den 1. Juli 1910.
Die Henm Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 15. April 1879, I, Nr. 4433 — Kreisblatt Nr. 31 — betreffenb Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagel» schaden, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist von 8 Tagen hiermit erinnert.
I. 6338. Der Landrat.
J. L.:
Wessel, KreiSsekretär.
Hersfeld, den 30. Juni 1910.
In Heringen ist der Schweinerotlauf amtlich festgestellt worden.
I. 6250. Der Landrat.
I. A..-
Wessel, KreiSsekretär.
Bestehender Vorschrift gemäß wird hierdurch folgendes bekannt gemacht:
1. Die Dienststunden der hiesigen Kreis- und Forflkaffe
Auch sie beugte sich ja dieser Macht, lächelte dem Ver- lobten entgegen und ließ sich von ihm beschenken. Und er war so dankbar für die geringste Freundlichkeit ihrerseits, ein großes wahres Glück leuchtete in feinen Augen, das auch bisweilen Eindruck auf Eva machte. Einen Menschen so überglücklich zu machen, war das nicht auch etwas Schönes und Großes! Nicht nur einen, nein, ihre ganze Familie, die Eltern, die Geschwister, aus alle war durch sie ein Strahl von Glück gefallen.
Das alte Mietshaus in Z., worin sie das Licht der Welt erblickte, war ganz festlich anzuschauen, als Eva heute, an einem sonnigen Herbsttage, als Braut dort einzog. Was der Herbst noch an Blumen und buntem Laub bot, hatten die Geschwister überall auS Feld, Wald und Gärten zusammen» geschleppt. Der Einzug der Schwester als Braut, das war ein großes Ereignis für die ganze Familie, da konnte nicht genug Glanz entfaltet werden. Die in den bescheidend- sten Verhältnissen ausgewachsenen Kindern dünkte denn auch der Blumenschmuck, der Kuchen, den die Frau Oberlehrer gebacken, die fein gedeckte Kaffeetafel über alle Begriffe glänzend.
„AlS ob eine Prinzessin käme*, meinte Karl, der Tertianer, etwas spöttisch und dachte dabei an die Zigaretten, um die er den reichen Schwager in aller Heimlichkeit angehen wollte.
„Käme sie als große Künstlerin jetzt zurück, waS doch ihr Traum war, würde schwerlich ein solches Wesen gemacht*, sagte Elli. „In meinen Augen aber wäre das doch etwas viel Erhabeneres, so aus eigener Kraft Großes erreicht zu haben. Braut zu werden, na, dazu gehört doch eigentlich nichts weiter als ein hübsches Lärvchen, in daS sich dann so ein Mann verliebt; ist dieser nun vollends reich, wie unser Herr Schwager, dann wird es natürlich als daS größte Glück gepriesen, was ein Mädchen erreichen kann. Ich bin neu- gierig, ob sie nun wirklich so glückstrahlend auSsieht, wie alle Welt vermutet.*
Nein, glückstrahlend, das konstatierte Elli sofort, sah die junge Braut eigentlich nicht auS, die da jetzt durch die blumen- geschmückte Tür schritt.
für den persönlichen Verkehr sind Vormittags von 8 bis 1 Uhr mit Ausschluß der Sonn- und Feiertage.
2. Zum Zwecke der Bücherabschlüsse und der Kaffenrevisionen ist das Kaffenlokal an folgenden Tagen geschlossen:
a. am letzten Werktage eines jeden Monats biS 11 Uhr Vormittags; fällt der erste auf einen Sonntag, dann am vorletzten Werktage bis 11 Uhr,
b. am vorletzten Werktage der 3 ersten Vierteljahre,
c. an den 2 vorletzten Werktagen im Monat April.
Hersfeld, den 28. Juni 1910.
Königliche Kreis- und Forstkaffe. Schultheiß.
nichtamtlicher Ceil.
Korea.
Wenn die Japaner demnächst zur Annexion Koreas schreiten werden, so wird nur die Form mit den Tatsachen in Uebereinstimmung gebracht. Faktisch find sie seit dem russifch-japa- nischen Kriege Herren des Landes, und niemand ist gewillt, ihnen diesen Besitz zu bestreiten. Einen eigenen Willen hatte Korea auch vorher schon lange nicht mehr gehabt. Dieses alte Kulturland, das den Japanern vor Jahrhunderten Lehrmeister in allen Fragen östlicher Zivilisation gewesen war, lebte in einem seltsamen Zustand völliger Kraftlosigkeit dahin. Die staatliche Autorität war gänzlich verloren gegangen, Machtmittel von erheblichem Umfange standen ihr nicht mehr zu Gebote. Von einer RegierungStätigkeit war nichts zu spüren. Die herrschende Klaffe beschränkte sich darauf, die Bevölkerung in einer selbst in Ostasien unerhörter. Weise auSzusaugen. DaS Volk wird als eoenso gedmoig wie arbeitsam geschildert. Nur in den gebirgigen Teilen des Landes gibt es einen starken, selbstbewußten Menschenschlag, der ein von der Hauptstadt unabhängiges Dasein führt und in den unruhigen Zellen der letztm Jahrzehnte stark verwildert ist. Dieser Teil der Bevölkerung macht noch heute den Japanern viel zu schaffen und wird nicht so leicht zu beugen sein.
AlS StaatSwesen hat Korea eigentlich nur noch von der Eifersucht zwischen China, Japan und Rußland gelebt. China schied mit dem Frieden von SchimonoM aus. Seitdem lag daS Schicksal in den Händen der beiden andern Mächte, und endgültig ist es dann durch die ruffische Niederlage im japanischen Sinne entschieden worden. Die Dynastie haben die Japaner noch zunächst bestehen lassen, aber schon vor einigen Jahren den Kronprinzen zur Erziehung nach Japan gebracht. Ob er jemals den Thron seiner Väter auch nur als Schattenkaiser besteigen wird, steht dahin. Es ist wohl auch möglich, daß die Entwickelung zur völligen Beseitigung der Dynastie führt. Gegen den jetzigen Kaiser bestcht bei den Japanern eine ziemlich starke Erbitterung, weil er sich, statt sich mit Würde in das Unvermeidliche zu schicken, in allerhand Jntrigen eingelassen hat. Auch der Ermordung des Fürsten Jto soll
Müde, gleichgültig streifte ihr Blick überall die Blumenpracht, wo sie koch die Blumen von Kindheit an so geliebt, und sonst voll Dankbarkeit gewesen war, wenn man ihr zum Empfange im elterlichen Hause ein einziges Sträußchen gereicht.
Ihr Verlobter sah entschieden viel glücklicher auS als Eva, und Bruno, der Student, der dem Brautpaar das Geleit gegeben, strahlte vollends in Glück und Wonne. AlS man später an der Tafel saß, führte er das große Wort und ge- bärdete sich ganz als Wohltäter der Familie, indem er betonte, daß er die Verlobung sozusagen zustande gebracht habe. Felix, wie er ihn jetzt nannte, hätte ja nun und nimmer den Mut gehabt, sich um Eva zu bewerben, wenn er ihm nicht zur Seite gestanden, erklärte er lachend.
Eva hätte sich dem Freier gegenüber ganz mimosenhaft benommen, schließlich aber ihn, den vernünftigen Bruder, auch zur Seite, habe sie dann doch dem Glücke die HerzenStür geöffnet. So schwatzte der anmaßende Jüngling daS Blaue vom Himmel herunter, nur von seinen Schulden und der Großmut Felix Bürgers ihm gegenüber ließ er kein Sterbenswort verlauten.
Eva war im Grunde genommen dankbar, daß Bruno so die Unterhaltung führte, sie kam da leichter über die ersten Stunden im Elternhause hinweg. ES war doch alleS schwerer, als sie sich gedacht. Ihre offene wahre Natur sträubte sich gegen daS Komödienspiel, der erste Schritt aber war getan, ein Zurück gab eS nicht mehr, sie mußte weiter schreiten an der Seite des ungeliebten Mannes. Schließlich gewöhnte sich der Mensch an alles, auch an einen ungeliebten Mann, dachte sie voll Resignation, während ihre Blicke von einem zum andern irrten.
Die jüngeren Geschwister Evas in ihrer Harmlosigkeit bemerkten ja nichts von ihrer Seelenstimmung, auch die Eltern schienen noch zu sehr eingenommen von dem großen Ereignis, um etwas davon zu bemerken. Nur Elli mit ihren klaren hellen Augen, die blickte wohl tiefer. Wenn sie auch noch noch nichts wußte von solchen Konflikten, wie Eva sie durchlebt, so sagte sie sich doch wohl, daß eine glückliche Braut einen etwas anderen Eindruck machen müsse als Eva.