Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt lUontag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für her,seid vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen I.S0Mark.nl»

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Seile lOPfg.,im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsnsns»

herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 75. Dienstag, den 28. Juni 1910.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 23. Juni 1910.

Nachstehend veröffentliche ich das Verzeichnis der KörungSergebnisse einiger von der Körungskommission in den Monaten Mai und Juni nachträglich angekörter Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

• A. 4686. von Grunelius.

Rational

der im Monat Mai und Juni von der Körungskommission nachgekörten Zuchtbullen.

A

der Bullenhalter

Alter

der Bullen

Befund

Abstammung

Name

Wohnort

Rasse

Farbe u. Abzeichen

i

Gemeinde HeeneS

HeeneS

15 Mt.

Simmentaler

Rotschäck w. Kopf

brauchbar

Z. G. GerSfeld

2

Gemeinde Schenklengsfeld

SchenklengSfeld dieselbe Hattenbach

15 „

Gelbschäck w. Kopf

brauchbar

desgl.

3

dieselbe

13 „

Falbschäck w. Kopf

brauchbar

desgl.

4

Pape

18 „

"

Gelbschäck w. Kops w. Streif über dem Blatt

brauchbar

Z. G. Oberhessen

6

Gemeinde Heringen

Heringen

18 „

Gelbrotsch. w. Bl. w. Kopf

brauchbar

Z. G. Oberhessen

nichtamtlicher teil.

Vor (0 Jahren.

Der Juni 1910 ist überreich an Tagen, an denen wichtige, die Marine betreffende Ereignisse zum zehnten Male wieder- kehren. Solcher Tage zu gedenken, auf sie hinzuweisen, sich des damals Erreichten zu freuen, ist daS Recht der Mitlebenden, wird in unserer schnell vergessenden, nüchternen Zeit zur Pflicht. Den folgenden, der Marine-Rundschau entnommenen Aussatz möchten wir daher unseren Lesern nicht vorenthalten:

Während im Jahre 1900 im Reichstage daS Flottengesetz beraten und geprüft wurde, spitzten sich die Verhältnisse in China in besorgniserregender Weise zu. Aus den aus Peking erschallenden Notschrei der dortigen Gesandschasten hin wurde der bekannte Vorstoß der Landungskorps der aus der Taku- Reede versammelten Schiffe der verschiedenen Nationen unter­nommen, der unter dem Namen der Seymour-Expedition (10. bis 27. Juni 1900) trotz seiner Mißerfolges allen Beteiligten zu unsterblichem Ruhme verholsen hat. An die deutschen LandungskorpS der Hertha, Hansa, Kaiserin Augusta und Gefion <23 Offiziere, 489 Mann, 4 Maschinengeschütze) unter der Führung des Kapitäns zur See v. Usedom erging in der Nacht vom 21. zum 22. Juni jener später zum Schlagwort gewordene, überall in Deutschland lebhaften Widerhall findende Ruf Germans to the front (die Deutschen an die Spitze), ein Beweis der Wertschätzung, deren sich die deutschen See- leute bei ihren Mitkämpfern erfreuten.

Während die gelandeten deutschen Mannschaften sich aus diesem Vorstöße und Rückzüge vor überlegenen Streitkräften daS Lob ihres Führers, deS Admirals Seymour, besten Führ­

Der gestohlene Wm.

Roman von F. S u t a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

UM4 schloß die todeSmüden Augen, eine tiefe Erschöpfung überkam ihn, war daS der Tod? Schwebte die von der Körperschwere befreite Seele empor, weiter, weiter über den Ozean. Durste sie noch einmal die heimatlichen Fluren schauen, wo der Frühling jetzt seinen Einzug hielt, wo in einem trauten, ihm so wohlbekannten Zimmer Veilchen duf- teten, wo die Geliebte weilte, seiner gedenkend? Ihre weißen schlanken Finger gleiteten über die Tasten des Piano». Aus weiter, weiter Ferne tönten Melodien, feine Melodien, die einst sein ganzes Sein ersüllten, aber da» war lange, lange her. Damals war er jung und glaubte an da» Glück, jetzt war er em toter Mann, der alle Träume begraben, der einsam sterben

Leise wie ein Hauch kam der Name deS Machen» noch einmal über seine Lippen, dann lofigtüt ‘^ E Gedanken in vollständiger Bewußt­

in h^.™1^ bie in dieser Stunde mit sehnenden Augen Er ^hÄ Aitn er. als ob die Seele de» Geliebten J ’ . Qt£ 3n der Todesstunde vermochte ja wohl die von der Erde scheidende Seele alle Schranken zu durch. fÄ' SS .schwebte sie die seine, während die schöne kräftige JünglingSgestalt irgendwo aus sremder Erde ver-

»ÄS ’Ä. •ÄSÄ1“J?8S

Ä?Ä^

ung sie sich willig unterstellt hatten, verdienten: „Was den Mut und die hohe Disziplin anbetrifft, die von allen Offizieren und Mannschaften Seiner Kaiserlichen Majestät bewiesen wurde, so vermag ich nur zu sagen, daß sie den hohen Tradiiionen deS großen Deutschen Reiches vollauf würdig waren", — spielte sich im Peihogebiet die denkwürdige Eroberung der Takuforts (17. Juni) ab. Bei deren Erwähnung müssen die Namen deS deutschen Kanonenbootes Iltis und seines Komman­danten, des Korvettenkapitäns Lans, immer an erster Stelle genannt werden. Was daS Feuer der kleinen Kanonenboote entscheidend vorbereitet hatte, die Niederkämpsung der starken, weit überlegenen und zeitgemäß ausgerüsteten Küstensorts, vollendete der Angriff der internationalen Sturmkolonnen, deren Führer der Kommandant der Hansa, der Kapitän zur See Pohl, war. Wie das deutsche Admiralstabswerk mit Recht hervorhebt, war es vorzugsweise ein Verdienst des deut- schen Geschwaderchefs, des Vizeadmirals Bendemann, daß die bedeutungsvolle strategische Maßnahme der Besetzung der TakusortS gerade noch rechtzeitig und mit aller Kraft durch- geführt wurde. Diesem Entschluß war es zu verdanken, daß die Verbindung nach Tientsin und Peking ausrechterhalten und so schließlich die Rettung der in der chinesischen Haupt­stadt hart bedrohten Gesandtschaften doch noch möglich wurde. Daß die schwere Aufgabe durch die Kanonenboote richtig an- gesaßt und mit Erfolg beendet wurde, ist vor allem der Tat­kraft deS Iltis-Kommandanten zuzuschreiben, der so sein dem Kaiser bei der Ausreise gegebenes Versprechen, „der neue Iltis wolle nicht schlechter sein, als der alte", getreulich einlöste.

Auch der anschließenden Kämpfe in und um Tientsin, die bis in den Juli hinein die Kräfte der Besatzungen der Schiffe und des aus Tsingtau geholten 3. Seebataillons ganz in An­spruch nahmen, und in deren erstem Abschnitt der Kapitän-

ihre Zuflucht, wenn die Sehnsucht sie packte, waren diese Klänge doch ein Teil seines Selbst.

Irma trat während des Spiels ein und begann an einer kunstvollen Stickerei zu arbeiten, ihr Trost und ihre Zuflucht war die Arbeit, so; war es immer gewesen in allen trüben Zeiten ihres Lebens,' die Arbeit blieb stets ihre beste Trösterin. Auch Eva griff stets zu einer Handarbeit, dann sprachen sie von Asrika, in einigen Wochen mußte ein Postdampfer von dort eintreffen, der ihnen hoffentlich gute Nachricht von Ulrich brächte.

So spannen sich die Tage der beiden jungen Mädchen hin in Gedanken an Ulrich und stetiger Arbeit. Und dann kam der Tag, wo sie sicher aus einen Bries von Ulrich rechnen zu dürfen glaubten; vom frühen Morgen an befanden sie sich in größter Aufregung, der Briefträger aber ging an ihrer Tür vorüber und als sie am Nachmittage vom Essen heimkehrte, steckte wieder nichts im Briefkasten. Im vergeblichen Hoffen gingen ihnen die Tage dahin und kein Lebenszeichen wurde ihnen von dem fernen Ulrich zuteil.

Nach vierzehn Tagen hofften sie nicht mehr auf Nachricht, suchten sich aber gegenseitig zu trösten. „Er ist vielleicht auf dem Marsche, oder irgendwo, wo keine Postverbindung zu er­reichen ist", meinte Irma, „man muß ja mit allen Möglich­keiten rechnen."

Dann wurden in fieberhafter Aufregung die Zeitungen studiert, ob sein Name unter den Toten, Verwundeten, Ver­mißten, Erkrankten zu finden sei. Nachdem wieder etliche Wochen vergangen, fanden sie Ulrichs Namen endlich unter den Vermißten.

Eva las es zuerst, sie wurde totenbleich, stumm reichte sie Irma daS ZeitungSblatt.

„Da bleibt uns wenigstens noch ein Schimmer von Hoff­nung", sagte diese mit tonloser Stimme.

„Der Strohhalm des Ertrinkenden"' versetzte Eva und barg laut ausschluchzend den Kops in beide Hände.

Irma konnte noch ihre Fassung bewahren und suchte die Verzweifelte zu trösten, es gelang ihr aber nur schlecht und schließlich kamen auch ihr die Tränen und so überließen sie sich denn beide rückhaltSloS ihrem Schmerze.

leutnant Kühne den Oberbefehl über daS kleine deutsche Detachement (Kaiserin Augusta, Irene) führte, fei gedacht. Die Erinnerung an diese aufreibenden, durch beständige Kämpfe ausgesülllen Tage wird in diesen Tagen auch in den Herzen der Deutschen Tientsins ausleben, die als wackere Mitstreiter der deutschen Mannschaften freudig ihr Leben ersetzten für den Schutz der bedrohten Angehörigen und ihres gefährdeten Hab und Gutes.

Schließlich soll auch an die Taten des braven Seefoldaten- detachements, das unter der Führung des Oberleutnants Grasen Soden nach der Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn v. Ketteler vom 13. Juni bis zum Entsatz Pekings am 14. August in mannhafter Weise an der Verteidigung der belagerten Gesandtschaften mitwirkte, erinnert werden. Von den 50 Mann der deutschen Schutzwache bezahlten 12 ihre Treue mit dem Leben, ihrer 14 wurden verwundet.

Das dem Generalmajor v. Höpfner unterstellte Marine­expeditionskorps (62 Offiziere, 2500 Mann) feiert am 19. Juni den Tag seiner Mobilmachung. Fürst Bismarck, der noch Probefahrten machte, verließ nach deren beschleunigter Beendigung am 30. Juni Kiel; Tiger und Luchs beeilten die Ausreise nach Ostasien. Am 3. Juli erfolgte der Befehl zur Bereitstellung der kombinierten Armeebrigade, woraus sich später das Ostasiatische Expeditionskorps (866 Offiziere, 18 788 Mannschaften und 5591 Pferde) entwickelte. Die 4 Linien- schiffe der Brandenburg-Klasse und Hela wurden am 11. Juni nach Ostasien geschickt, ebenso Schwalbe, Bussard, Geier und Seeadler dorthin zusamm. ngezogen. 8 90, S 91 und 8 92 folgten später (28. Juli.) Die See-Sttettkräfte auf der oft- asiatischen Station erfuhren so eine zeitweise Vermehrung, wie sie bisher noch nie dagewesen war. An der schnellen Hinaus» sendung der Truppen und Vorräte und dem hierdurch erzielten Erfolge sind nicht nur die in Frage kommenden Behörden be­teiligt gewesen. Ohne die Musterbetriebe, die unsere großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften darstellen, ohne deren hin­gebenden Fleiß und ihre innere Tüchtigkeit wäre es unmöglich gewesen, des Deutschen Reiches Kiaft so schnell im fernen Osten in Taten umzusetzen. Auch ihrer Arbeit soll in diesen ErinnerungStagen gern und dankbar gedacht werden.

Aus 3n- und Ausland.

Berlin, den 26. Juni 1910.

AuS Kiel, 26. Juni, wird gemeldet: Heute morgen war an Bord der Hohenzollern Gottesdienst, welchen Seine Majestät der Kaiser selber abhielt. Die Predigt, zu deren Beginn der Kaiser auf die große Bewegung in der Frage „Hat Jesus gelebt?" hinwies, knüpfte an die Texlworte Evang. Lucas 23 Vers 44 ff. an. An dem Gottesdienst nahmen der Reichskanzler und die an Bord wohnenden Herren der Umgebung teil. Vormittags 11 Uhr 30 Minuten begann die Wettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Kieler

Am Abend, als sie etwas ruhiger geworden, kam Felix Bürger. Heute, wo nach langer Zeit die erste Kunde von Ulrich in der Liste der in Afrika vermißten Soldaten gekommen, war es wohl feine Pflicht, die beiden Damen aufzusuchen. Wie mochten sie die Nachricht ausgenommen haben, werden sie, besonders Eva, Trostesworten zugänglich sein. Noch war er in seinem Werben um sie nicht weiter gekommen, noch stand der junge Krieger in Afrika zwischen ihnen. Felix fand Eva allein zu Hause. Irma hatte noch einen notwendigen Aus­gang unternommen. Wie schön war das zarte Antlitz Evas auch jetzt in ihrem Kummer. Die ganze Gewalt seiner Leiden­schaft packte da Felix, wie er ihr so gegenübersaß in der Däm­merung des Frühlingsabends. Er konnte nicht anders, er mußte zu ihr reden von seiner großen Liebe, sein ganzes Sein war in diesem Augenblick davon erfüllt und in diesem wahren, echten Empfinden war es ihm, als wiche aller Trug von ihm, als wäre diese Liebe ein reinigendes Element der Seele.

Eva erschrak, als diese Sprache der Leidenschaft an ihre Ohren tönte. Wie konnte Felix das wagen, jetzt zu dieser Stunde, wo all ihr Denken, ihr Sorgen dem fernen Freunde galt I?

Von Ulrichs Lippen hatte sie solche Sprache nie ver­nommen, ach, ihnen genügte ein Blich ein Händedruch sie waren ihrer Liebe sicher, ohne große Worte. Ganz aber ver­mochte sie sich diesem Tone der Leidenschaft nicht zu ver­schließen, denn sie fühlte es, es war Wahrheit in den Worten Felix Bürgers. Sie blickte deshalb Felix groß und stumm ins Antlitz.

„Ich will Sie nicht drängen! Ich weiß ja, Ihr Herz gehört Ulrich", sagte Felix verlegen. „Nur einen Hoff- nungsschimmer sollten Sie mir lasten! Wenn Ulrich nicht zurückkehren sollte, — dann, dann Eva — geliebtes Mädchen!'

Er atmete schwer, sein Blick hing verzehrend an ihrem Antlitz, als gelte es eine Entscheidung über Tod und Leben.

„Er kommt wieder! Er muß wiederkommen!" schrie Eva da aus. „Wozu ward ihm sein schönes Talent, wenn eS nie