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herssel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 70.
Donnerstag, den 16. Juni
1910.
Amtlicher Teil.
Cassel, den 30. Mai 1910.
Der Maurermeister Heinrich Döringshoff in Rinteln verfertigt eine verbesserte Brandmauertür auS zwei ineinander- schlagenden Winkeleisenrahmen, deren innerer mit einem Drahtgewebe überspannt und letzteres beiderseits mit Asbest- Zementmörtel geputzt ist. Bei einer in Gegenwart meines bautechnischen Referenten vorgenommenen Brandprobe ist erwiesen worden, daß die Tür vor solchen auS Eisenblech oder aus mit Blech beschlagenem Holz in Bezug aus Feuersicherheit große Vorzüge besitzt. Da nun auch der Preis dieser Türen, nach Angabe des Versertigers 35 Mk. fertig zum Anschlagen, ein mäßiger ist, so kann sie zur Verwendung an allen Stellen, wo durch die Bauordnungen des hiesigen Bezirks feuersichere Türen vorgeschrieben sind, zugelassen und angelegentlichst empfohlen werden.
In ähnlicher Weise stellt p. DöringShoff eine doppelte Schornsteinreinigungstür mit Zwangssicherheitsverschluß her, die vor den bisher gebräuchlichen, eisernen ReinigungStüren den Vorzug besitzt, daß sie nicht wie diese sehr leicht ein- rostet und dabei die Hitze deS Schornsteins viel besser abhält. Mehrkosten sollen durch ihre Verwendung nicht entstehen, die ich hiermit zulasse und empfehle.
Für die beiden Fabrikate ist Gebrauchsmusterschutz unter den Nummern 410 048 und 420 214 bewilligt.
Der Regierungs-Präsident. gez. (Unterschrift).
An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Landräte und Kreisbauinspektoren deS Bezirks, den Herrn Polizeidirektor in Fulda, die Herrn Oberbürgermeister in Hanau und Marburg, die Polizeiverwaltungen in HerSfeld und Eschwege und die Polizei-Bauinspektion hier. (A. in. 2162 u. 2162 a.)
* *
HerSfeld, den 10. Juni 1910.
Wird veröffentlicht.
I. B. Nr. 2704. Der Landrat
von GruneliuS.
Bekanntmachung, betreffend Abhaltung einer Zuchtviehauktion in AlSfeld (Oberhrffen).
Interessenten, insbesondere auch den Herren Gemeindevorstehern teile ich mit, daß der LandwirtschastSkammer-Aus- schuß für Oberhessen am 11. Juli d. JS. in AlSfeld eine Zuchtviehauktion für Simmentaler Bullen, Deutsche Edelschweineber und Saaner Ziegenböcke abhalten wird. Aufgetrieben werden nur Tiere, die in die Herdbücher der Landwirtschaftskammer eingetragen sind und von Original- oder reinrassigen Tieren abstammen.
Gemeinden und Zuchtvereinen ist besonders Gelegenheit geboten, vorzügliche Zuchttiere zu erwerben. Der Auftrieb findet am 11. Juli vormittag- 8 Uhr, auf dem Lindenplatz
Set gestohlene Ruhm.
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ulrichs Augen irrten während diese- Gesprächs im Zimmer umher und blieben dann auf Eva hasten, das Bild deS trauten Gemachs, der schlanken zierlichen Mädchengestalt darin, eS würde ihn begleiten bis in die fernsten Fernen, trennen aber mußte er sich davon und es war gut, daß zum langen Ueberlegen keine Zeit blieb. Morgen wollte er mit Felix “He nötigen Schritte tun, sich der Schutztruppe einzuver- leiben, dann kam der Abschied; wie heißt es doch im Liede:
Wohl unS, daß wir scheiden, Dieweil wir frisch und jung, Dieweil für alles Leiden
DeS Trostes noch genung.
Frisch und jung! Sie waren eS beide, sie würden das Abschiedsweh überwinden! Wäre nur erst alles vorüber, er erst heraus au- dem Häusermeer und aus hoher See!
„Tu nichts UebereilteS, Ulrich", bat Irma dringend und flehend.
-3n des Onkels Kontor brauchtest Du ja nicht zu bletben, es wird sich schon noch etwa- finden und vor»
könntest Du ja zu mir kommen, hier hättest Du die schönste Ruhe, Deine Oper wieder von neuem erstehen zu lassen."
, "V mache gern Platz, ich suche mir ein andere? Asyl!" fugte Eva hinzu.
. . "Für sv unritterlich werden Sie mich doch nicht halten, daß ich Sie hier vertreiben sollte, Fräulein Eva, und meine Oper, nein, die ersteht nicht wieder I Das im Hochgefühl Ge- S» X^ ”" ""° W 01” E
»Das glaube ich auch", sagte Felix, „ich würde auch
in Alsfeld statt. Versteigerung-bestimmungen und Katalog sind aus Wunsch vom 2. Juli ab durch den Landwirtschasts- kammer-Au-schuß in Gießen zu beziehen.
Her-feld, den 13. Juni 1910.
I. I. Nr. 6607. Der Landrat
von Grunelius.
DaS Proviant-Amt Fulda hat den Ankaus von neuem Heu ausgenommen. Da- Heu kann direkt von der Wiese eingeliefert werden, muß aber neben sonst guter Beschaffenheit ganz trocken sein. Es darf nicht erheblich mit schlechten oder gar schädlichen Gräsern und Kräutern wie Schachtelhalm, Herbstzeitlose, Binsen und Seggen vermischt sein. Die Einlieferungen können von morgen- 6 Uhr ab erfolgen.
.nichtamtlicher Ceil.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich gestern zunächst mit Petitionen. Eine längere und ziemlich lebhafte Debatte beschwor Abg. Dr. Liebknecht dadurch herauf, daß er bei einem Gesuch um gesetzliche Regelung deS DienstbotenwesenS aus dem Lande heftige Angriffe gegen die jetzt bestehenden Zustände richtete. Von der Rechten wurde ihm durch die Abgg. von Jagow (kons.) und von Oertzen (jrkons.) vor allem ent- gegengehalten, daß die Sozialdemokraten die Verhältnisse aus dem Lande gar nicht kennen. Eine gesetzliche Regelung der Gesindeordnung wurde freilid) auch von dem konservativen Redner verlangt, dabei aber der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die zu erwartende Regierungsvorlage auch entschiedene Vorschriften gegen den Kontraktbruch enthalten würden. Hieran knüpfte sich eine längere Polemik zwischen Dr. Liebknecht einerseits und den Abgg. Kreth und Strosser (kons.). Schließlich wurden die Petitionen, entgegen dem sozialdemokratischen Anträge und einem solchen des Zentrums, der Regierung als Material überwiesen. Etwa- kürzer hielt man sich bei der schon einmal besprochenen Petition des Majors a. D. von Donat auf, die da- Oder-Problem durch Stauseen lösen will. Aber auch diesmal fanden die kostspieligen Pläne des Petenten wenig Gegenliebe im Hause.
Der Rückzug der Vatikans.
Seit langen Jahren ist dem deutschen Volke kaum ein Ereignis so sehr an Herz und Nieren gegangen als die Schmähungen der Reformation und der ihr zugetanen Fürsten und Völker in der jüngsten päpstlichen Enzyklika. Allgemein war die Spannung, wie die von der preußischen Regierung eingeleitete diplomatische Aktion beim Vatikan auSgehen werde. Die parteitaktischen Bestrebungen, die alSbald in die Protestbewegung gegen die Enzyklika hineinspielten, richteten sich be-
nicht dazu raten, sie wieder aufleben zu lassen. Ich betrachte eS sozusagen für einen Wink deS Schicksals, daß sie vernichtet wurde."
Eva sah ihn mit sunkelndcn Augen an, er glaubte ein leiseS Mißtrauen darin schimmern zu sehen; die Tat aber, die er begangen, konnte sie ihm unmöglich zutrauen, ihr Mißtrauen mußte sich schon aus irgend etwas anderes gründen. Mit solchen Damen aber würde er ja wohl schließlich fertig werden.
„Schicksal-tücke war es, solch ein Werk der Vernichtung anheimsallen zu lassen!" rief sie jetzt, „trotzen muß man dem Schicksal trotzen und nicht feige die Flinte ins Korn wersen."
„DaS will Ulrich ja auch garnicht, er will ja die Flinte ergreifen zum Kamps gegen die Hereros. Ruhmgekrönt wird er zurückkehrcn, neuer Eindrücke voll; mindestens zum Oberleutnant avanciert; am schnöden Mammon ist dann auch kein Mangel, der doppelte Sold wird in Asrika bezahlt! Gelegenheit zum Geldausgeben ist auch nicht weiter im schwarzen Erdteil. So als gemachter Mann wird sich unser Afrikaner dann ganz der Musik widmen, eine neue Oper erstehen lassen, aus einem andern Milieu heraus, größer, bedeutender, wie die verbrannte, über Nacht wieder zur Berühmtheit werden, die Oper erlebt Aufführung über Aufführung, glänzende Tantiemen fließen ihm zu; den Traum von einer Villa in Wannsee zu verwirklichen, ist dann eine Kleinigkeit für ihn!"
Solche gleißenden Bilder entwars Felix in etwas nervöser Erregtheit und zwei dunkle Augen starrten ihn dabei an, als wollten sie sein Innerstes ergründen.
Immer mehr drängte sich Eva die Ueberzeugung aus, daß eS nicht wahr war, was Felix mit diesem Redeschwall wollte. Er hatte irgend etwas zu verbergen. Aber was war es? Würde sie eS je ergründen?--
„Ich traue ihm nicht, diesem Herrn Felix!" rief sie, als die beiden Freunde gegangen waren. „Er will Ulrich fort haben, so weit wie möglich; warum, das ist mir noch nicht recht klar; fast glaube ich, er gönnt ihm den Ersolg seiner Oper nicht."
sonders auch gegen die Person des leitenden Staatsmannes Herrn v. Bethmann Hollweg, dessen Geschicklichkeit und Energie angezweifelt wurde. Ein Redner in der Versammlung im ZirkuS Busch, der Abg. Naumann, behauptete sogar, von dem gegenwärtigen Reichskanzler sei weniger zu erwarten als von allen seinen Vorgängern, sogar den katholischen Fürsten Hohen- lohe eingcschlossen. Das Wort war schon insofern unbedacht, als unter der Kanzlerschaft des Fürsten Hohenlohe, zur Zeit, alS schon Herr von Bülow Staatssekretär war, die Kanisius- enzyklika eine ganz ähnliche Erregung hervorgerufen hatte, ohne daß irgend welcher amtliche Schritt gegen die Verletzung der Gefühle der evangelischen Bevölkerung nachgefolgt wäre. Herr v. Bethmann dagegen hatte sofort, nachdem ihm der Urtext der Borromäus-Enzyklika zugegangen war, Protest in scharfer diplomatifcher Form bei der Kurie erhoben.
Und der Erfolg? Ein Rückzug des Vatikans, wie ihn kein früherer Kanzler erlebt hat. Aus Verlangen der preußischen Regierung hat der Papst nicht nur in Worten sein Bedauern über die durch die Enzyklika bewirkte Störung des konfessionellen Friedens ausgesprochen, sondern auch durch die Tat anerkannt, daß die begangene Kränkung und Beunruhigung nicht fort- wirken soll. Die Tat besteht darin, daß der Papst die Verkündigung der Enzyklika von den Kanzeln und durch die geistlichen Amtsblätter untersagt hat, und zwar nicht bloß für Preußen, sondern für das ganze Deutsche Reich. Damit hat Herr v. Bethmann einen bedeutenden Erfolg errungen, der es der radikalen Presfe erschweren wird, das geflissentlich genährte Uebelwollen gegen seine Person weiter zu verbreiten.
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König Friedrich August von Sachsen hat in bemerkenswerter Weise Stellung gegen die antiprotestantische Borromäus- Enzyklika Papst Pius X. genommen. Laut einer amtlichen Mitteilung aus Dresden berief der König am Montag die in Evangelicis beauftragten sächsischen Staatsminister zu sich und beriet mit ihnen die durch die päpstliche Enzyklika geschaffene Sachlage. Der Monarch gab seine lebhafte Genugtuung darüber zu erkennen, daß seine Bestrebungen zum Schutze des konfessionellen Friedens in Sachsen bislang immer von Erfolg gekrönt gewesen seien und betonte, er müßre es daher umso mehr bedauern, wenn diese seine Bestrebungen durch so schwere Angriffe auf die überwiegend protestantische Mehrheit seiner Untertanen gekreuzt würden. Der Monarch eröffnete schließlich den Ministern, daß er in dieser Angelegenheit nächstens ein Handschreiben an den Papst richten würde. Die Minister drückten dem Monarchen für diese seine Entschließung wärmsten Dank namens der evangelischen Landeskirche Sachsens aus. König Friedrich August ist bekanntlich katholischer Konfession und dabei ein frommer, überzeugter Katholik, der es mit seinen religiösen Pflichten durchaus ernst nimmt. Um so bedeutsamer ist' daher seine entschlossene Kundgebung in Sachen der päpstlichen Enzyklika, das Auftreten des sächsischen Herrschers wird sicherlich seinen Eindruck auf den Vatikan nicht verfehlen. — Uebrigens verlautet zu
„Sie ist ja gar nicht mehr vorhanden", versetzte Irma.
„Wer weiß, ob er sie nicht beiseite gebracht har, die ganze Feuergeschichte ist mir so wunderbar."
„Aber Eva, willst Du Ulrichs Freund nicht lieber gar zum Brandstifter stempeln! Wie kann man jemanden, von dem man noch nie etwas Schlechtes gehört hat, solche Schändlichkeit zutrauen", entgegnete Irma.
„Manchmal wollen mir meine Gedanken ja auch ganz wahnsinnig Vorkommen, ich komme jedoch nicht los davon", bemerkte Eva. „Wenn die Oper jetzt in seinen Händen wäre, er könnte sie ja als sein Werk veröffentlichen, nachdem er Deinen Bruder nach Afrika zu gehen überredet hat. Aber er soll eS nur versuchen, noch bin ich da, um ihn zu entlarven, denn mein musikalisches Gedächtnis würde Ulrichs Werk wieder erkennen, wenn es dieser Herr Felix als sein eigenes ausgeben sollte."
„Ich hoffe immer noch, es wird dazu nicht kommen, daß Ulrich nach Afrika geht", meinte Irma.
„Herr Felix wird ihn schon so weit bringen, da er so viel Einfluß aus ihn hat. Ich fände es auch gar nicht so schlimm. Was soll er hier beginnen, wenn er sich ganz von den Der- wandten lossagt. Entfernungen spielen ja in unserer Zeit keine Rolle. Reisen sind ja immer sördernd für jeden Menschen, für jedes Talent. Wäre nur nicht das Mißtrauen gegen seinen Freund da, hätte ich wirklich gar nichts dagegen."
„Und die lange Trennung? Wird sie Dir gar nicht schwer?" frug Irma und sah forschend in das zarte Gesicht der Freundin, über welches ein jähes Rot flog.
„Ob sie mir schwer wird oder nicht, das kommt nicht in Betracht bei solchen großen Zukunftssragen für Ulrich", versetzte sie dann. „Ein Mädchen darf einem Manne, der da ringen und kämpfen muß um seine Existenz und um seine Ideale, nicht hindernd im Wege stehen. Wenn ich mich noch so grämte, ich würde es ihm nicht zeigen, um die Welt nicht!"
* * *
Und bald die Stunde kam, wo Eva Fehrle dieses Wort