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herrfel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 63.

Dienstag, den 31. Mai

1910.

Amtlicher teil

HerSfeld, den 27. Mai 1910.

Der Kaiserliche Automobilklub veranstaltet mit Genehmi­gung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten in der Zeit vom 2.8. Juni d. Js. eine internationale Zuverlässigkeitssahrt für Tourenwagen.

Aus diesem Anlaß werden am Sonnabend den 4. Juni d. Js. in der Zeit von vormittags 8 Uhr bis 10,30 Uhr ungefähr 140 Wagen von Bebra über Breitenbach. Blanken- Heim kommend die Ortschaften Friedlos, Hersfeld, Unterhaun, Oberhaun und Sieglos in hiesigem Kreise durchfahren. Der erste Wagen ist durch ein Schild mit der BezeichnungOber­leitung," der letzte durch ein Schild mit der Bezeichnung Schlußwagen" kenntlich gemacht.

Die genaue Befolgung der Verordnung des Bundesrats über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Februar 1910 (Reichsgesetzblatt Seite 389) insbesondere der Vorschriften über die Fahrgeschwindigkeit namentlich innerhalb geschlossener Ortschaften ist den Teilnehmern zur besonderen Pflicht ge­macht.

Die Ortspolizeibehörden der an der betreffenden Straße belegenen Gemeinden ersuche ich, den Einwohnern dies be­kannt zu geben und dafür zu sorgen, daß in dem angegebenen Zeitraum

1. Kinder soweit irgend möglich von den Straßen fern­gehalten und keinesfalls unbeaufsichtigt aus die Straße gelassen,

2. Vieh, insbesondere auch scheue und junge Pferde von ^ der Straße ferngehalten,

3. Ansammlungen aus der Straße vermieden. werden und 4. der Verkehr auf der von der Fahrt berührten Straße während der oben bezeichneten Zeit tunlichst einge­schränkt wird.

Den Fuhrwerksbcsitzern ersuche ich die genaue Beachtung der Bestimmungen über den Fuhrwerksverkehr, als solche kommt die Polizei-Verordnung vom 15. April 1909, Amtsblatt Nr. 16 in Frage, zur ganz besonderen Pflicht zu machen. Es kommt hier hauptsächlich darauf an, daß beim Fahren, soweit wie möglich, die rechte Straßenseite innegehalten wird.

I. 5187. Der Landrat von GruneliuS.

Hersseld, den 24. Mai 1910.

Das Ober-Ersah-Geschäft im Kreise Hersfeld findet am

Freitag den 5. Juni d. Js. und

Sonnabend den 4. Juni d. )s. jedesmal von morgens 8 Uhr ab im Saale des Gastwirts B. Bolender (Bor dem Johannestor) hierselbst statt.

Str gestohlene Ruhm.

Roman von F. S u t a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ueber Ullrichs Gesicht flog eine jähe Röte. Er kannte sie ja so genau, die Pläne seiner Tante, sie meinte es sogar gut mit ihm, und wollte ihm eine sorglose Zukunft sichern. Anna, die Cousine, daS einzige Töchterchen deS Winklerfchen Ehepaares, die ihm die Tante großmütig zur künftigen Gattin zugedacht, war ja ein ganz nettrS Mädchen, häuslich, praktisch, Mch nicht häßlich, aber nüchtern, ein ganzes Alltagskind, bar jenes Zaubers, den die Grazien oder Musen um ihre Lieb» ^ge weben, den jedoch eine andere in so reichem Maße besaß: Era Fehrle, zu der eS ihn heute an diesem FrühlingSobeud so unwiderstehlich hinzog.

Derttlich sah er es vor sich, daS liebe Gesicht, während E bem behaglichen Heim seiner Schwester Irma zusteuerte. Irma Arndt war sieben Jahre älter als Mrich und hatte sich, "och des Vaters Tode, um nicht von der Gnade ihrer Ver­wandten abzuhängen, jo schnell wie möglich selbständig gemacht, dank ihres schönen Talentes für Zeichnen und Malen, daS ihr Vater sorgfältig hatte auSbildm lassen.

Sie war mit gutem Gehalt fest angestellt in der Redaktion einer Modenzeitung, wo sie Zeichnungen entwarf; auch Privot- Kunden gab sie in der Zeichen- und Malkunst und hätte am liebsten den Bruder noch mit «hatten und ihn feine Mufik- 'wdicn weiter treiben lassen. Solche Opfer aber wollte Ulrich von der Schwester nicht annehmen, nur feine Vertraute sollte sie bleiben, seine Zuflucht in allen Leben-nöten, wie eS immer gewesen war, solange er denken konnte. Die Stunden, die er m dem trauten Heim der Schwester verlebte, waren die Wei^- iuiidcn seines Daseins, hier durfte er auf dem Piano spielen und »inen LieblingSidcm nachgehen, hier fand er Verständnis

alles, was durch seine Künstlnseelr zog.

Irma war ja weniger musikalisch veranlagt, desto mehr °vrr war es ihre HauSgenoffin, eine Schülerin des Kons«.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises haben die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszuhändigen.

Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militär­pflichtigen in den genannten Terminen pünktlich zu erscheinen und ihnen zu eröffnen, daß diejenigen, welche beim Ausruf ihrer Namen im Musterungsraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mk., oder Hast bis zu drei Tagen, die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeich­neten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäst werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Kommission zur Ent­scheidung vorgelegt. Alle Familienglieder, aus deren Arbeits­oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei der Beurteilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamierten) haben deshalb im Termin mit zu erscheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht stattfinden kann.

Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachweis hierfür durch drei glaubhafte, persönlich anwesende Zeugen zu führen oder ein Zeugnis eines beamteten Arztes beizu- bringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vor- gekommenen Anfälle beziehen; ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste sich vorzugsweise über neuere Fälle aussprechen. Im Uebrigen find Krank­heiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit seststellen lassen (z. B. geistige Beschränkung, Bluthusten, Herzleiden u. s. w.) durch Vorlage von ärztlichen Attesten nachzuweisen.

Befinden sich Reklamanten, welche ihre Angehörigen durch Geldsendung unterstützt haben, außerhalb, find die diesbezüg­lichen Postscheine mitzubringen.

Die OrtSvorstände haben daS Vorstehende in ihren Ge­meinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntnis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie die Militärpflichtigen noch besonders anzuweisen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen und die Losungsjcheine mit zur Stelle zu bringen haben, da anderenfalls der Betrag von fünfzig Pfennig für Ausstellung eines Duplikatscheines gezahlt werden muß.

M. 1083. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersfeld, den 26. Mai 1910.

An die sämtlichen Schulvorstände des Kreises.

Der Verlagsbuchhändler Johannes Braun in Eschwege, in dessen Verlage bereits mehrere Kreis-Karten erschienen find, wird in Kürze eine Karte für den Kreis H e r s f e l d für den Schulgebrauch herausgeben, bei deren Bearbeitung alle

vatoriums, die Ulrich dort kennen gelernt und der Schwester zugesührt hatte. Die beiden Mädchen hatten sich schnell befreundet, und als dann Irma nach des Vaters Tode sich ein eigenes Heim gegründet, war Eva Fehrle zu ihr ge­zogen.

Mutter Irma, wie die beiden Musiktreibenden sie nannten, hatte viele gute praktische Seiten. Der Zauber, der nur Frauenhände hervorzurusen vermögen, lag über ihrer stillen Häuslichkeit. Mit seinem Kunstverständnis waren Möbel und Bilder in der kleinen Wohnung arrangiert, geradezu verschwen­derisch aber waren die beiden jungen Damen in der Anschaf­fung und Pflege der Blumen; blühende Topfgewächse und duftende Sträuße durften niemals fehlen in ihrem Heim. Auch heute standen Beilchensträußchen aus dem zierlich gedeckten Tertisch.

Ob Ulrich wohl heute kommen wird?" sagte Irma, indem sie die SpirituLfiawme unter dem Teckessel an- zündete.

Ueber Eva Fehrle-, der jungen HauSgenoffin blosses Ge­sicht flog eine zarte Röte.

Ich glaube eS fast", versetzte sie dann,eS find beinahe acht Tage her, daß er nicht hier war. So lange vernachlässigt er ja den Musendienst selten."

Ja, eS ist schon ein Elend, daß er ihn vernachlässigen muß, wo doch alleS in ihm dazu treibt und drängt. Schließlich muß ja sein Talent zugrunde gehen", entgegnen Irma.

Ein echtes Talent geht nicht zugrunde, Irma, daS ringt sich immer wieder durch alle DascinSmifere; den göttlichen Funken deS Talents kann nichts verlöschen, der brennt weiter unter allem Schutt, aller Asche deS grauen Alltagslebens. Da kommt er! ES klingelt!"

Eva eilte hinaus und kehrte nach einigen Sekunden mit Ulrich zurück.

Ah, endlich bin ich einmal wieder bei Euch!" rief Mrich und tat einen tiefen Atemzug.ES gebt doch eine andere Luft durch diese Räume, als in deS OnkelS nüchternem Kontor und den Prunkgemächern der Damm dort. Man riechr dort

technischen Neuerungen und pädagogischen Grundsätze Berück­sichtigung gesunden haben. Der Preis der Karte wird voraus­sichtlich 27 Mk. nicht übersteigen.

Indem ich aus das Erscheinen dieser Kreiskarte besonders aufmerksam mache, empfehle ich deren Anschaffung für die Schule, und bemerke, daß der Verlag bereits jetzt schon Be­stellungen entgegennimmt.

I. 5108. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 27. Mai 1910.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich auf. die im Amtsblatt Nr. 19 abgedruckte Polizei-Verordnung, betreffend die Leichenschau vom 2. Mai 1910, besonders aufmerksam und ersuche, die Ausführung der neuen Vorschriften zu über­wachen, die den gleichen Gegenstand betreffende Polizei-Ver­ordnung vom 9. August 1902 ist außer Krast getreten.

I. 4569II. Der Landrat.

J V.:

W e s j e l, Kreissekretär.

Hersseld, den 26. Mai 1910.

Der auf Donnerstag, den 9. Juni d. Js., in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntge- gebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist daS Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns innerhalb des Stadtbezirkes vor und während der Dauer des Marktes verboten.

I. 5154. Der Landrat.

I. V.:

WesseI, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

In Röhrigshöse im Kreise Hersfeld ist eine Telegraphen­anstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Cassel, den 25. Mai 1910.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hossmann.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus nahm am Sonnabend eine Reihe kleinerer Vorlage» in zweiter Lesung an, darunter das Ge- richtSkostengesetz und die Abänderung der Gebührenordnung der Notare und am Schluß seiner Sitzung den Gesetzentwurf betr. den obligatorischen Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in Schlesien. Aus der Debatte sind nur zwei Momente hervorzuheben. Bei der Einzelberatung über die GerichtSge-

sörmlich daS Geld, den Mammon, und dieser Mammonsgeruch quält mich hier nicht."

Ja, das ist wohl daS letzte, was bei uns hier die Lust erfüllt!" rief Eva lachend.Rechnen muß man ja auch manchmal mit dem schnöden Mammon, wenn Ebbe sich in der Geldkasse unliebsam bemerkbar macht, aber das irritiert unS nicht weiter. Um der Kunst zu leben, entbehren wir ja so gern, so leicht! Nur sie darf man uns nicht nehmen!"

Das steht auch wohl in keines Menschen Macht", meinte Ulrich.Mag sich alleS gegen uns verschwören, das Schicksal unS seine Steine in den Weg werfen, wir turnen darüber hin­weg, immer die Ziele vor Augen, die grossen schönen beglücken­den Ideale."

Ra vorläufig bitte ich, sich an den gedeckten Tisch zu setzen", sagte Irma,auch Musenkinder können nicht von der Luft leben, also bitte zu Dsche."

Man setzte sich und Mrich sprach während der einfachen Mahlzeit von seinem Opernplan, in welchen die beiden Damm schon einzewciht waren. Einiges habe er schon ausgeschrieben, heimlich in den Nächten. der Onkel dürfe natürlich nichts da­von merken, erst wenn alles vollendet, daS Werk aufgeführt, seinen Ruhm begründ« hatte, wollte er den Verwandten gegen­über treten als ein Sieger, der sich nicht habe überwinben lassen von all der Prosa seiner Umgebung, feiner alltäglichen Beschäftigung.

Und wie ein Sieger war Ulrich anzuschaum in feiner un­gebrochenen Jugendkraft, mit dem Ausdruck festen Willens in dem hübschen Gesicht.

Eva sah ihn an mit leuchtenden Augen, er wird siegen, er wird eS «reichen, sein hohes Ziel, hoffte sie zuversichtlich. Irma, die nicht schwärmerisch angelegte, dachte schon etwas skeptisch, denn sie kannte die Welt und die Menschen. Tausende stürmen so hinein in das volle reiche Leben, im festen Ver­trauen auf ihre Kraft; besonders solche, denen die Gabe einer großen Talentes zuteil würbe und die über der Menge sieben Dir Menge aber will sie nicht gelten lassen, sie drückt sie her­unter von ihren Höhen, und daS Sehen nimmt nt in irre Schule und Frau Sorge stellt sich ihnen hemmend in den