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Rede, in der er der Erbauung einer Nebenbahn von Wabern über Homberg nach HerSfeld das Wort redete und in ein­gehender Weise die großen Nachteile hervorhob, die eine längere Aufschiebung dieses Bcihnbaues für daS in Betracht kommende Gebiet nach sich ziehen würde, ganz besonders für einen großen Teil des Kreises Homberg und für die von allem Verkehr ab­geschlossene Stadt Schwarzenborn (Kreis Ziegenhain), die durch ihre Viehwirtschast aus ihren großen Weideflächen bekannt ist. Diese Weideflächen werden jetzt unter Zuhilfenahme des soge­nannten Westsonds melioriert. Redner kam dann aus die seit 1907 immer mehr zunehmende Abwanderung aus genanntem Gebiet zu sprechen, das reich an Bodenschätzen vielerlei Art ist. Nur durch einen Bahnbau könne der Abwanderung in wirk­samer Weise vorgebeugt werden. Die in jener Gegend vor­kommenden großen Buntsandstein-, Kalk- und Basaltlager, so­wie Eisenerze würden durch die Bahn erschlossen und dadurch eine neue Industrie geschossen werden, wie dies auch durch Erschließung vorhandener großer Kohlenlager der Fall sein werde. Auch werde die Forstbehörde beim Vorhandensein einer Eisenbahn eine bessere Verwertung für die in den umsang- reichen Waldungen vorkommenden Nutzhölzer und auch Brenn­hölzer haben. Die Ausführungen des Redners fanden allseitige Zustimmung. Hoffenrlich tragen sie zur baldigen Verwirk­lichung des schon lange schwebenden Eisenbahnprojektes Wabern- Homberg-Hersseld mit bei, durch das auch die in Betracht kommenden Ortschaften des Kreises Hersseld und auch die Stadt Hersfeld selbst Vorteil haben würden.

V Niederaula, 25. Mai. Heute hatte der 17jährige Arbeiter I o h s. Sauer die Freude, das 3jährige Söhnchen der Eheleute Wiederhold im letzten Augenblick aus der Aula zu retten.

Hallenberg, 24. Mai. Der Rottenarbeiter Schmitz aus Böle wurde von einem Personenzug übersahren, als er einem von entgegengesetzter Richtung kommenden Zuge auswich. Der Verunglückte wurde völlig zermalmt.

Hammelburg (Rhön), 24. Mai. Auf dem hiesigen Truppen-Uebungsplatz erlitt der 27 Jahre alte Expedient Wilhelm Heumach einen Hitzschlag und starb bald daraus.

Hanau, 25. Mai. Der durch das letzte Unwetter in Rodegau angerichtete Schaden wird aus 200 000 Mar geschätzt.

Sterbfritz (Kreis Schlächtern), 23. Mai. Das letzte Unwetter hat in unserer Umgebung surchtbar gewütet. In Oberzell wurden einige Scheunen wie Kartenhäuser umgeweht, Dächer abgedeckt, steinerne Pfosten umgestürzt. Mächtige Tannen liegen geknickt am Boden, andere wurden mitsamt den im Wurzelwerk steckenden Steinblöcken herausgerissen, daß die Wurzeln über 2 Meter in die Lufe ragen. Nahe am Jägerhaus an der Weinstraße liegt eine herrliche Buche, die über 3 Jahrhunderte wacker aus ihrem Posten stand. Menschen­leben sind nicht zu beklagen.

Göttingen, 28. Mai. Für Reisende von großer Wich­tigkeit ist eine vom Oberlandesgericht in Celle gefällte Ent­scheidung. Aus der Bahnstrecke Osterode-Kreiensen öffnete sich kürzlich während der Fahrt von selbst eine Coupstür. Eine junge Dame wollte die Tür wieder schließen. Während sie nach der Türklinke fassen wollte, schlug die Tür infolge der Schwankung des Zuges wieder zu und ihr wurde der Daumen der rechten Hand, mit der sie, um Halt zu suchen, an den Türrahmen gegriffen hatte, abgequetscht. Die Beschädigte machte den Kreis Osterode als Besitzer der Bahn für diese Verletzung, die ihr Erwerb und Heirat erschwere, verantwort­lich, erzielte jedoch beim Landgericht Göttingen nur das Er­gebnis, daß ihr die Arzt- und Apothekerkosten zur Hälste zu­gesprochen wurden. Die Bahn, so führte das Gericht aus, haste an sich für den Unfall, doch könne man die Klägerin von einer Mitschuld nicht sreisprechen. Denn es sei eine Un­vorsichtigkeit, daß sie, im Begriff die Tür zu schließen, mit der Hand in die Spalte, da, wo die Angeln der Tür saßen, faßte. Jeder Eisenbahnwagen biete irgendwelche greifbare Stützpunkte, z. B. das Gepäcknetz. — Mehr Erfolg hatte die Klägerin mit ihrer beim Oberlandesgericht Celle einge­legten Berufung. Das Berufungsgericht stellte fest, daß die Bahn der Klägerin für den Fall der Erwerbsunfähigkeit eine Rente zu zahlen habe, und daß der weitere Anspruch der Klägerin aus Zahlung von 5000 Mk. dem Grunde nach ge­rechtfertigt sei. Es sei keine Fahrlässigkeit der Klägerin gewesen, wenn sie, um sich gegen das Herausfallen zu schützen, an den Türrahmen faßte, der zudem eine gerade Fläche bilde. Daß sie sich die Gefahr des plötzlichen Zujchlagens der Tür nicht vergegenwärtigt habe, mache sie an dem Unfall nicht mitschuldig. Dagegen sei erwiesen, daß die Tür schon einige Zeit vor dem Unfall schlecht schloß und hierin sei ein Ver­schulden ■ der Bahn bezw. der diensttuenden Beamten zu er­blicken, das die Bahn in vollem Umfange schadenersatzpflichtig mache.

Springen, 26. Mai. Dem Landwirt Gebauer von hier, welcher gestern mit einem beladenen Wagen von der Gewerkschaft Hciligenroda nach Bahnhof Dorndorf fuhr, gingen bei der Kambachsmühle die Pferde durch, er kam zu Fall und die Räder des schwer beladenen Wagens gingen ihm über die Brust. Er wurde in schwerverletztem Zustand nach feinet Wohnung gebracht, wo er hoffnungslos darnicder- liegt.

Niederkaufunge«, 25. Mai. Zu dem Doppelselbst. Mord im Niederkaufunger Wald werden jetzt noch weitere Einzelheiten bekannt. Der junge Mensch, der als Kontorist in der Papiermühle arbeitete, war erst 17 Jahre alt, seine aus Heiligenrode stammende Braut 20 Jahre. Beide sind Kinder achtbarer Eltern. Sie hatten vor der Tat gemeinschaftlich die Papierfabrik verlassen und waren an der Losse entlang zum Walde gegangen, wo sie erst noch gemeinschastlich aßen und dann ihren schrecklichen Vorsatz ausübten. Vor der Tat hatten sie beide Briefe an ihre Eltern geschrieben, in denen Be mitteilten, daß sie gemeinschaftlich in den Tod gehen würden. Auch das junge Mädchen ist nachträglich noch ge­storben. Der junge Mann wurde gestern begraben.

Tiefenort, 23. Mai. Das ca. Vk Jahre alte Kind des Herrn Gastwirts Rimbach trank in einem unbewachten Augenblick aus einer Flasche Benzin und verbrannte sich mnerlich derart, daß man an seinem Auskommen zweifelte. Nach neueren Mitteilungen ist es aus dem Wege der Besse-

Frankfurt a. M., 26. Mai. Die seit Pfingsten ver« >4°benen diesjährigen Ausstiege mit Zeppelin-Luftschiffen ourften voraussichtlich Mitte nächster Woche zur Tatsache werden, und zwar sollen die ersten Fahrten mit dem ver­besserten und vergrößerten „Z. 3", jetzt genannt „L. Z. 6“, «folgen. Die Motore des „Z. 4", der die Fahrt nach Wien antrctcn soll, sind zurzeit noch nicht abnahmefähig.

Hanau, 26. Mai. Durch zwei schwere Unfälle, von Denen einer einen tödlichen Ausgang nahm, wurde über zwei mit einander verwandte Familien tiefe Trauer verhängt. Untel und Neffe, beides Bahnbcdienstete, verunglückten fast gleichzeitig in der Ausübung ihres Berufe». Als gestern

nachmittag gegen 4 Uhr der mit der Etreckenpatrouille be­auftragte Hilssweichensteller Jakob Grauel aus Soden bei Salmünster die Strecke begehen wollte, wurde er bei Kilo- Meter 67,385 in der Nähe deS Bahnhofs Steinau von dem Heranbrausenden D-Zug 12 Berlin-Bajel erfaßt und sofort getötet. Wenige Stunden später nur, heute morgen gegen 1/26 Uhr, wurde der 20jährige Neffe deS Getöteten der aus dem hiesigen Ostbahnhose beschästigte, in Ahl bei Salmünster gebürtige Rangierarbeiter Adam Grauel, ebenfalls von einem schweren Unfall betroffen. Beim Kuppeln einer Lokomotive mit einer Wagengruppe kam der Rangierarbeiter zu Fall und geriet unter die Lokomotive. Es wurde ihm hierbei die große Zehe des linken Fußes abgefahren und zwei weitere Zehen gequetscht, ferner erlitt er eine Quetschung der linken Brust- feite, durch die zwei Rippenbrüche herbeigeführt wurden. Lebensgefahr für den Verletzten, der nach dem St. Vinzenz- krankenhaus übergesührt wurde, besteht vorerst nicht. — Für den getöteten Hilssweichensteller wurde von den Reisenden deS D-Zuges eine Geldsammlung für besten Hinterbliebenen ver- anstaltet, die über 30 Mk. ergab.

Darmstadt, 26. Mai. Heute Mittag zwischen halb 2 und 2 Uhr erschoß sich in seiner Wohnung der Weißbinder- meifter Georg Hellmuth, nachdem er vorher seine Frau durch einen Schuß in die Schläfe getötet hatte. DaS Motiv soll in Zahlungsschwierigkeiten zu suchen sein.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

In der am 25. Mai beendeten Berichtswoche haben die Getreidepreise weitere erhebliche Rückgänge erfahren. Die durchweg recht günstigen Ernteaussichten haben überall die Be­sitzer von Ware veranlaßt, so viel wie möglich zu verkaufen, während die Kauflust gerade deshalb es geraten hält, abzu- warten. Und ohne Zweifel wäre der jetzige Preisstand noch nicht der niedrigste, wenn wirklich die gehegten Hoffnungen auf Ertrag und früheren Zeitpunkt der Einheimsung, zu denen man sich nach dem jetzigen Saatenstande berechtigt glaubt, in Ersüllung gehen sollten. Auch in Rußland sind die Preise bedeutend ermäßigt worden, obwohl die Banken, welche Ge­treide bevorschußt haben, die Besitzer von Ware angeblich nicht mehr zum Verkaufe zwingen. In Berlin ist jetzt mehr Material an Weizen aus den Provinzen zu Andienungen vorhanden. Die Forderungen der Besitzer sind scharf zurückgegangen. Besonders Schlesien ist sehr flau geworden, und man glaubt, daß zur Abwicklung der Lieferungsverpflichtungen im Mai genügend Weizen zu Wasser eintreffen dürfte. Roggen lag bis Sonn­abend sehr flau, und im Lokohandel bleibt der Absatz schwierig. Aber im Lieserungsgeschäst ist die Tendenz, obwohl bei diesem die Preise um 7 bis 8 Mark höher als für sofort greifbare Ware stehen, schließlich etwas fester geworden. Man rechnet wohl damit, daß für Juli und September die Nachfrage für den Export eine Stütze bietet; auch wurden für diese Termine mehrfach Deckungen vorgenommen. In Hafer macht das In­land so dringende Anerbietungen bei sehr nachgiebigen Forde­rungen, daß die Preise sich erheblich niedriger stellen, zuma es an Kauflust mangelt. Mais hatte bei nachlassenden Preisen stilles Geschäft. Für den Juli-Termin wurden schließlich folgende Preise notiert: Weizen 198,50 Mk., Roggen 148,25 Mk., Hafer 147,00 Mk., Mais 141,00 Mk.

Untergang eines französischen Unterseebootes.

Calais, 26. Mai. Das Unterseeboot „Pluviose" if insolge Zusammenstoßes mit einem Postdampser gesunken. 23 Mann der Besatzung des „Pluviose" sind ertrunken.

Calais, 26. Mai. DaS Unterseeboot Pluviose wurde bei einer Tauchübung von einem regelmäßig nach Dover ver­kehrenden Dampfer unweit der Hafenöffnung von Calais überfahren. Der Dampfer erhielt an einem Schaufelrad einen heftigen Stoß und dann tauchte hinter ihm ein Unter­seeboot aus. Auf diesem war niemand mehr zu bemerken und auch ein Boot, das an dasselbe heran wollte, erhielt keine Antwort. Gleich daraus versank daS Boot. Die Pluviose war etwa eine halbe Stunde vorher in See gegangen. Es erregt Verwunderung, daß es an einer so wie! besahrenen Stelle eine Tauchübung vorzunehmen wagte. Infolgedessen ist die Bestürzung allgemein. Zwei Schlepper sind an der Unglücksstelle. Auch der Dampfer hat einige Be­schädigungen und kehrte in den Hafen zurück. Die Besatzung der Pluviose bestand aus 23 Mann, die sämtlich untergegangen sein dürsten.

Paris, 26. Mai. Zu dem Schiffsunglück im Kanal wird aus Calais weiter gemeldet: DaS Unglück ereignete sich, alS das Unterseeboot Pluviose, da» eine Tauchübung vornahm, unter den den Hafen verlassenden Dampfer „PaSde CalaiS" geriet. Die Mannschaft deS Unterseebootes bestand auS dem Schiffsleutnant Callot, dem Schiffsfähnrich Engel und 23 Mann. Das Unterseeboot, daS 450 Tonnen faßte, war im Jahre 1907 nach den Plänen des Ingenieurs Laubeuf erbaut worden. Der Postdampser „PaS de CalaiS" gehört der Nordbahngesellschaft.

Vermischtes.

D — Berlin, 25. Mai. AlS der Hoflieferant Engeler auS Berlin in seinem Jagdrevier einen Pirschgang unternahm, bei dem er das geladene Gewehr auf dem Rücken trug, stol­perte er plötzlich über eine Baumwurzel und daS Gewehr entlud sich. Die Kugel drang in den Hinterkopf und führte sofort den Tod Engelers herbei.

— Pirna, 25. Mai. Beim Salutschießen anläßlich Königsgeburtstag wurden sieben Personen schwer verletzt und eine getötet.

— (Eine rohe T a t.) Die Strafkammer Elberfeld ver­urteilte den Knecht Karl aus Lüttringshausen zu IV4 Jahren Gefängnis. Karl hatte bei einem Landwirt im Pserdestall eingebrochen und, als er nichts Nennenswertes mitzunehmen fand, einem wertvollen Pferde sieben Messerstiche in den Leib versetzt, so daß das Tier geschlachtet werden mußte.

— (Eine Tragödie des Alltags.) Dem Flei- chermeister Becker in Hornburg starben jüngst an DiphtheritiS ner Kinder im Alter von einem bis sechzehn Jahren. Die älteste Tochter, die noch übrig geblieben war, hatte bei der Erkrankung der Mutter ihren Dienst in DreSden verfassen, um zu Hause zu helfen. Jetzt ist auch sie an der Diphthe­ritiS gestorben.

— (A l t gefreit . . .) Der Doyen der römischen Senatoren, Fcnali, 94 Jahre alt, hat sich dieser Tage mit einer 84jährigen Dame verheiratet. 100 Senatoren nahmen an der eigenartigen Feier teil. Als Zeugen dienten ein 93jähriger früherer Gesandter und ein 89jähriger früherer Justizminister.

— (Der Gipfel des Pechs.) Morgen wird in

London der Mörder Thomas William Jeßhope Hingerichtete Erhebt man in England Einspruch gegen ein Todesurteil, so verzögert sich der Tag der Hinrichtung automatisch auf eine bestimmte, kurze Zeit. Diesen Einspruch hatte auch der Ver- urteilte erhoben, um ein paar Tage länger leben zu dürfen. Hätte er er nicht getan, so hätte er ohne Zweifel niemals daS Schaffst bestiegen, denn der Hinrichtungstag war auf den Todestag König Eduards angesetzt. An diesem Tage aber wäre niemand hingerichtet worden. Und ist in Eng­land der Tag der Hinrichtung verstrichen, ohne daß daS Ur- teil vollstreckt wurde, so wird eS nie nachgeholt. Der Mann konnte natürlich nicht ahnen, daß der König so plötzlich sterben würde. Jetzt zahlt er einige Tage seines Lebens — mit feinem Leben.

— Eine große Bauernhochzeit fand aus dem Hose des Gemeindevorstehers Thies in Jsernhagen (Kreis Burg- dors) statt, dessen Tochter einen Landwirt auS Gr.-Burgwedel heiratete. Zu der Hochzeit waren 450 Personen erschienen. Nach alter Sitte brachten die Gäste je einen Liter Milch und zehn Eier zum Hochzeitshause. Um den leiblichen Ge­nüssen zu genügen, waren ein Rind von 9 Zentner Gewicht, 5 Schweine und 80 Hühner geschlachtet. Zur Stillung des Durstes waren entsprechende große Mengen Wein und Bier vorhanden. Die Festmusik lieferte die 30 Mann starke Burg- dorser Stadtkapelle.

— Dillenburg, 25. Mai. Heute früh fand man hinter dem Gestüt, auf dem Wege zum Schloßberg, die Leiche des 18jährigen BüroschreiberS R., Sohn einer hiesigen hochacht­baren Familie. Der junge Mann hatte durch einen Revolver- schuß seinem Leben ein Ende gemacht. Das Motiv zu dieser unglückseligen Tat soll Liebeskummer gewesen sein.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 27. Mai. Nach den gestrigen Beschlüssen der Fraktionen des Abgeordnetenhauses hat die Wahlrechtsvorlage in der Fassung des Herrenhauses aus Annahme im Abgeord­netenhaus nicht zu rechnen. Die Vorlage wird nicht in die Kommission zurückverwiesen werden. Der Entscheidung im Plenum wird spätestens morgen entgegengesehen.

Berlin, 27. Mai. Die neuen EinigungSverhandlungen im Baugewerbe beginnen heute vormittag im Reichstag. In Kiel haben die ausgesperrten Bauarbeiter einen eigenen Bau­materialienhandel eröffnet.

Brünn, 26. Mai. Der Oberleutnant Redelmann zielte mit einer Browningpistole, die er für ungeladen hielt, zum Scherz aus die Frau Bankdirektor Schimcck. Plötzlich entlud sich die Waffe und traf die Frau in die Brust. Als der Leutnant sah, was er angerichtet hatte, schoß er sich eine Kugel in den Kopf, die ihn sofort tötete. Die Frau ist lebensge­fährlich verletzt.

Calais, 26. Mai. Um 5 Uhr 30 Min. begab sich das Unterseeboot Ventose an die Unglücksstelle. Zwei Taucher ließen sich vergeblich in die Tiefe. Nach zwei Stunden kehrte das Boot nach dem Hasen zurück, da es unmöglich war, mit dem Pluviose in Verbindung zu treten. Es bestätigt sich daß an Bord sich 27 Mann befanden, darunter 2 Offiziere und der Kommandant der Unterseestation Calais. Das Unter­seeboot Pluviose war um 12 Uhr 30 Min. zu einer UebungS- sahrt ausgelaufen und tauchte um 2 Uhr unter. Als sich das Bot unter Wasser befand, wurde eS vom Dampfer an­gerannt. Nach der Havarie des Dampfers zu schließen, muß der Pluviose durchbohrt worden sein.

Paris, 27. Mai. Nach offizieller Mitteilung hatte daS Unterseebot Pluviose 25 Mann Besatzung, darunter drei Offi­ziere. Die Schleppdampser und die Torpedoboote sind um 9 Uhr abends wieder eingelaufen, ohne etwas Neues zu berichten.

PariS, 26. Mai. Das Kriegsgericht fällte heute daS Urteil über die beiden Soldaten Graby und Michel, die am 15. Dezember vorigen Jahres bei Druncy die Witwe deS Großindustriellen Gouin im Bahnwagen ermordet und beraubt hatten. Graby wurde zum Tode und Michel zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Kirchliche Nachrichten. Sonntag den 29. Mai.

Vormittags 9 Uhr: Herr Superintendent Feyerabend.

Vormittags V2II Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Schefser.

Petersberg.

Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst.

Vereiushaus.

Jungfrauenverein: Sonntag, Abends 8V2 Uhr.

Hierzu eine Beilage und Nr. 22 des „Illustrierten Sonntagsblattes."

Oeffentticher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).

Wetteraussichten für Sonnabend, den 28. Mai: Zeitweise heiter, warm, veränderliche Winde.

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