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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Lernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 60.

Dienstag, den 24. Mai

1910.

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 21. Mai 1910.

An die Herren Bürgermeister der Einzelschulverbände deS Kreises,

Dem für die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1913 ausgestellten Schulhaushaltsanschlag kann eine Ueberein­stimmung mit den wirklichen Schuleinnahmen und Ausgaben nicht zugesprochen werden. Weder haben aus Seite 5 der Ausgaben die nach dem Lehrerbesoldungsgesetz vom 26. Mai 1909 erh öhten Gehaltsbezüge an die Lehrer, noch aus Seite 2 und 3 der Einnahmen der erhöhte Staats­beitrag (vergl. I. 9528/1909) und der erhöhte laufende Ergänzungszuschuß (vergl. I. 3107/1910) Beachtung gesunden. Die Herren Bürgermeister der Einzelschulverbände des Kreises wollen deshalb sür die Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März 1913 einen Schnlhaushaltsanschlag unter Beachtung der vorgenannten Einnahmen und Ausgaben, der im Rechnungs­jahre 1909 gemachten Ersahrungen und in Anlehnung an die Schulrechnung 1908 erneut ausstellen und mir den E n t. w u r s desselben in 2sacher Aussertigung bis zum 6. k. Mts. vorlegen.

Eine Feststellung dieses Entwurfes durch die Gemeinde­vertretung (Versammlung) hat noch nicht zu erfolgen.

Die Formulare zum Haushaltsanschlag können von der Kreisblatt-Druckerei hier bezogen werden.

Ich mache noch daraus ausmerksam, daß die Kassenbeiträge (Seite 7 III) des HauShaltSanschlags aus den maßgebenden Verteilungsplänen (Beilage zum Regierungs-AmtSblatt Nr. 19/1910, 9/1910 und 17/1910) zu entnehmen sind. Auch empfiehlt eS sich, die Ausgaben jo zu bemessen, daß Ueber- jchreitungcn der Summe im HaushaltSanschlag möglichst ver­mieden werden.

Bei der Wichtigkeit deS SchulhauShaltsanschlags erwarte ich eine ganz besonders sorgfältige Ausstellung.

I. Nr. 5050. Der Landrat.

I V.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersseld, den 18. Mai 1910.

Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Ver- sügung vom 18.. Juni 1877 Nr. 116 (KreiSblatt Nr. 49) und vom 19. Juni 1878 Nr. 6053 (Kreisblatt Nr. 49), be­treffend die im Jahre 1910 an Schulgebäuden notwendigen Ausbesserungsarbeiten, immer noch nicht erledigt haben, werden wiederholt mit einer Frist von8Tagen erinnert.

Fehlanzeige ist zu erstatten.

I. I. 2741. Der Landrat.

I V.t

Wessel, Kreissekretär.

Die Menschenfalle.

Von Guy Thorne.

(Fortsetzung.)

Nun, das werden sie auch wohl, liebes Kind", sagte Woople, um Niobe zum Weitersprechen anzuregen,sie werden wohl eine neue Erfindung vorhaben."

O nein, nein, Mr. Woople", antwortete daS Mädchen schnell,das ist es nicht. Es muß ganz waS anderes sein etwas Unheimliches. Ich weiß nicht recht, wie ich mich auS- drücken soll. Hören Sie zum Beispiel mal, was mir neulich nacht passierte. Mr. Wilshire und Miß Sadie sind doch jetzt in Seaborough, aber der Herr taucht alle Augenblicke, wenn man ihn am wenigsten erwartet, mit seinem Auto aus, und Mr. de Toros ist nach London abgereist. Er reiste ab, als sich Mr. Gilbcrt und Miß Sadie verlobt hatten, oder wenig­stens glaubte man allgemein, daß er abgereist fei. Vor zwei Tagen wir Dienstboten waren allein im Haus, denn die Ingenieure arbeiteten in der Menschensalle sitze ich mit einem sehr interessanten Buch, das ich gern auSlesen wollte, in der Küche. Als ich fertig bin, blicke ich auf die Uhr und sehe zu meinem Schrecken, daß es schon eins durch ist. Ich zünde rasch mein Licht an, springe - aus und will nur noch eben nachsehen, ob die HauStür auch ordentlich verschlossen ist, da erblicke ich, als ich in die Halle komme, Mr. de ToroS. Ich könnte daraus schwören, daß er es war. Ich sah ganz deut- lich, wie er in der Bibliothek verschwand, denn die Tür der­selben stand halb offen, es war dunkel darin, und er war weg wie ein Geist!

3$ schrie auf, daß die Toten hätten erwachen können und lief wie der Wind die Treppe hinaus. Dann kam eines der anderen Mädchen mit mir nach unten und wir durchsuchten zusammen die Halle und die Bibliothek, aber eS war keine Seele darin. Wenn Mr. de Toros auch vorgibt, in ßon« bon zu sein, so kann ich doch einen Eid darauf ablegen, ich ihn in der Halle gesehen habe ihn oder seinen wei)t.

Hersseld, den 19. Mai 1910.

Für den am 3. März 1893 zu Hattenbach geborenen Adam Braun in Hattenbach ist um Entlassung aus dem preußischen Untertanenverband behuss Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. 4938. Der Landrat.

V.:

Wessel, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

Zur außerordentlichen Instandsetzung des Landwegs As- bach-Solms Nr. 7,8 bis 9,0 Gemarkung Mengshausen ist ein Material-Veraccordirungs-Termin am

Sonnabend, den 28. Mai d. 3s., in der Stein'schen Gastwirtschaft in Nieder- aula, nachmittags 3 Uhr angesetzt.

Es sind 144 cbm Basaltsteine von der Wegekuppe an« zusahren.

Zur weiteren außerordentlichen Instandsetzung der Wege Wüstseld-Nippa Nr. 8,4 bis 8,8 und Wüstseld-Bodes Nr. 0,0 bis 0,4 Gemarkung Wüstseld, sollen 144 cbm Basaltsteine zur Anlieserung gelangen.

Veraccordirungs-Termin findet am

28. Mai d. 3s., vormittags 9 Uhr, in der Steinhauerschen Gastwirtschaft in Schenklengsseld statt.

Die Bedingungen werden in den Terminen bekannt gemacht. Hersseld, den 20. Mai 1910.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 3956. von Grunelius.

nichtamtlicher Ceil.

M Hmesresomstilte in WM.

In Rußland beschäftigt man sich bekanntlich seit Jahr und Tag mit der Frage der Reorganisation deS Heeres, da alle Russen erkannt haben, daß das russische Heer seiner Aufgabe in einem Kriege nicht gewachsen ist. Im hohen Grade lehr­reich ist eS nun, das Urteil und die Kritik deS russischen Oberseldherrn' General Kuropatkin über die Zustände im russi­schen Heere zu hören. General Kuropatkin ist zwar der Führer einer geschlagenen Armee im Feldzuge gegen Japan gewesen, aber man sieht aus dem Werke, welches General Kuropatkin unter dem GesamttitelRußland für die Russen" versaßt hat, und in welchem Werke sich der General auch mit Reformvor­

Ist es möglich?! Ist es möglich?" sagte Woople so erstaunt und interessiert, daß Niobe sich ordentlich geschmeichelt fühlte.

Ja", fuhr sie mit ausdrucksvollem Nicken ihres hübschen Kopses fort,und dann erst dieser Kennard."

Was ist denn mit dem los?"

Gestern abend kam er nach Hause, Mr. Woople, und sah aus wie der Tod."

Na, warum laßt ihr denn nicht den Doktor holen?" fragte Woople.

O, so mein ich es nicht. Er sieht zwar so blaß aus wie ein Geist, Sie sollten ihn nur sehen, Mr. Woople, aber was mir nicht gesällt, ist, daß er immer vor sich hin- spricht und beständig am ganzen Körper zittert. Der Mann hat etwas auf dem Gewissen, daS können Sie glauben. Und wenn er eine Beichte ablegen sollte, so würde daS sür ihn wohl ebenso schrecklich sein als für uns, sie anzu- hören."

Die angenommene Gleichgültigkeit verschwand von Mr. Wooples Gesicht.

Lieber Kind", sagte er ernst,eS ist ein großes Glück, daß ich Sie hier getroffen habe. Gehen Sie nach Hause und schweigen Sie zu jedermann über unser Gespräch. Was Sie mir erzählt haben, trifft genau mit dem zusammen, waS ich alle diese Tage habe denken müssen. Ich sürchte, unS wird die traurige Ausgabe zusallen, ein düsteres und gräßliches Ver- brechen aufzudecken."

Sobald Mr. Woople in seinem Hause eilig gefrühstückt hatte, nahm er Hut und Stock und ging aus.

Er hatte am Abend vorher bei Sir Williams Diner nichts von seinen Besürchtungen verraten, aber jetzt gebot ihm die Pflicht, seinen Ches aufzusuchen und ihm offen zu sagen, welcher Verdacht in ihm ausgestiegen war. Mochte Sir William seine Ideen auch phantastisch finden und ihnen wenig Wert beilegen, ihn durfte es nicht hindern, zu tun, was ihm sein Gewissen vorschrieb.

Was der kleine Mann glaubte und besürchtete, erschien im Hellen Tageslicht und mitten in Aorkshire im Jahre 190. so grotesk und unwahrscheinlich wie nur möglich. Aber in dem

schlägen für das Heer beschäftigt, daß der General Kuropatkin die enormen Schwächen des russischen HeereS kennt. Der General spricht es offen aus, daß der Hauptfehler in der russischen Armee darin bestehe, daß an der Spitze der Divisionen, Brigaden und Regimenter vielfach Offiziere ständen, welche noch feine genügende Probe für ihre Tüchtigkeit geliefert hätten. Wenn daher in Friedenszeiten Ehrengerichte für die Offiziere beständen, fo sei es geradezu eine Notwendigkeit, daß in Kriegs­zeiten diese Ehrengerichte erst recht ihres Amtes streng walten müßten, und wären diese Ehrengerichte hauptsächlich dazu berufen, die Haltung jedes Offizieres während der Schlacht zu beurteilen. Dann rügt der General Kuropatkin aus dem letzten Kriege sehr nachdrücklich, daß sich viele russische Offiziere zu leicht in die Gefangenschaft begeben hätten, und dann be­merkt Kuropatkin noch dazu mit sehr bitterer Ironie, daß sehr viele der aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Offiziere zu Generälen ernannt worden seien. Man dars wohl annehmen, daß General Kuropatkin der Meinung ist, daß sehr viele russische Offiziere in Bezug auf die opferwillige Tapferkeit im letzten Kriege ihre Pflicht nicht voll und ganz getan haben, denn sonst würde er es nicht in so herber Weise tadeln, daß sich viele Offiziere leicht in Gesangenschast begeben haben, und daß sie nach der Gesangenschast dann auch noch zu Generälen avanciert sind. Zu einer Reform des russischen HeereS hält der General Kuropatkin es auch für unbedingt notwendig, daß die Trunksucht bei den Offizieren und Soldaten mit allen Mitteln bekämpft wird. Auch den Soldaten wirft der General eine ungenügend tapfere Haltung vor dem Feinde vor und wünscht, daß auch sür die gemeinen Soldaten Ehrengerichte eingeführt werden, und daß bei dem geringen Bildungsgrade des gemeinen russischen Soldaten sür gewisse Vergehen sogar die Prügelstrafe wieder cingesührt werden soll. Den höchsten Zorn des Generals Kuropatkin haben auch die leichten Ueber» gaben von Festungen an den Feind erweckt, und wünscht des­halb der General, daß künftig in Rußland alle Festungs­kommandanten, Schiffskommandanten und Führer einzelner Truppenteile, welche vor dem Feinde die Waffen strecken, ohne Gericht sofort erschossen werden sollen. Aus diesen harten Resormsorderungen deS geschlagenen russischen Generals geht hervor, daß er weder mit der Tapserkeit der Offiziere noch mit dem Mute und der Ausdauer der Soldaten seines Heeres zufrieden war, und daß jedenfalls während deS Feldzuges gegen Japan sehr oft Fälle vorgekommen sind, daß russische Truppenteile, um den Gefahren und Strapazen des Feldzuges zu entgehen, sich in schimpflicher Weise in die Gefangenschaft begeben haben, denn sonst würde der General Kuropatkin nicht eine solche große Strenge für ungenügende Tapferkeit vor dem Feinde fordern. Offenbar ist auch der Obergeneral Kuropatkin sehr unzufrieden darüber, wie die meisten höheren Führerstellen im russischen Heere besetzt sind, und aus allen seinen Aus- sührungen geht deutlich hervor, daß der moralische Zustand des russischen HeereS noch ein sehr schlechter ist. Wenn man nun dabei bedenkt, daß die Ausrüstung des russischen Heeres

Kops dieses schaff denkenden nüchternen Menschen hatte sich die Ueberzeugung von dem sestgesctzt, was in der Tat der Wirk­lichkeit entsprach.

Eduard Woople war im Grunde seines Herzens überzeugt, daß Julius Wilshire und Ramon de Toros Gilbert Atherton aus irgendeine Weise in ihre Gewalt bekommen und seinen Untergang beschlossen hatten.

Er schritt Abnash Crost zu, und wie bei den meisten Menschen, so formten sich auch bei ihm die Gedanken bei der tast- mäßigen Bewegung seines Körpers leicht und mit mehr Be­stimmtheit.

Die Uhr war kurz vor vier, als er sich noch eine halbe Stunde von Sir Williams Haus befand.

DaS herrliche Wetter dieses Sommers war von einer Beständigkeit, wie man es schon viele Jahre nicht mehr gekannt hatte. Von Zeit zu Zeit hüpfte ein Kaninchen im Spiel über den Weg, der spät blühende Ginster hauchte einen feinen Nußgeruch in die stille Luft, die ganze Heide war stim­mungsvoll und lieblich.

Aber Eduard Woople achtete heute nicht sonderlich auf die Schönheit, die ihn umgab. Er schritt eilig weiter und zuweilen fuhr sein Kops mit krampfhaftem Ruck nach der Richtung herum, in der sich die Menschensalle wie ein düsteres Merk­zeichen vom Himmel abhob.

War es denn wirklich möglich, konnte Gilbert Atherton tatsächlich dort weilen?

Horch? WaS war das?

Ein Stöhnen kam zur Rechten des Weges hinter einem dicken Busch hohen Ginsters hervor. Der Laut klang, als schluchzte oder stöhnte jemand in unmäßigen körperlichen oder seelischen Schmerzen.

Woople stutzte und blieb stehen, wie ein Hühnerhund, der ein Volk Rebhühner wittert. Dann kehrte er sich kurz um und schritt der Richtung zu, aus der der Ton kam.

In tiefem Heidekraut fast versteckt, lag ein Mann, das Ge­sicht zur Erde gekehrt. Sein rechter Arm hob und senkte sich wie ein Dreschflegel, und ein dumpseS Stöhnen begleitete diese Bewegung. Es schien, als suchte er durch das Schlagen aus