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Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 59
Sonnabend, den 21. Mai
1910.
Amtlicher teil.
nichtamtlicher Ceil.
Hersfeld, den 13. Mai 1910.
Die diesjährige Pferdevormusterung im Kreise Herseld findet an folgenden Terminen statt:
Am
Ansang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
Am
Ansang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
3. Juni
81B
GerSdorf mit
7. Juni
9»
ObergetS
10.
Juni
83°
RanSbach
830
WllllngShain Frielingen
8. Juni
945
730
Aua
Wilhelmshof mit
945
1015
Wehrshausen
Hilmes mit Motzseld
9
Heddersdorf
Oberrode und PeterS-
11
Schenklengsseld mit
93°
Kirchheim mit
berg
Oberlengsseld, Lam-
1015
1Q45
GoßmannSrode, Recke- rode und Rotterterode Gershausen ReimboldShausen
8
845
Sorga mit Kathu- HermannShof
an der Straße HerSfeld-Friedewald
H45
12
pertsfeld und Schenk- solz
Conrode
Wüstseld mit
4. Juni
6. Juni
1115
Kemmerode
845
MalkomeS mit
WlpperShain
8
83°
030 ?30
8i5
Kleba
Hattenbach
Niederjossa Niederaula Mengshausen mit
Dünkelrode an der Straße Hersfeld-Friedewald
15.
Juni
l230
1
7
Landershausen Unterweisenborn Stadt Hersseld mit
945
Friedewald mit Herfa
Meijebach
1Q30
Lautenhaufen
16. Juni
730
Mecklar mit Meckbach
SolmS ü. Engelbach Kerspenhaujen mit
11
HillartShausen mit
830
ReiloS
gio
Unterneurobe
9
Rohrbach
Tann mit Biedebach
Hilperhausen u. Roß-
1145
AuSbach mit
gl5
10
1Q30
11 es« abb.
780
8
bach
Beiershausen
Asbach mit Kohlhausen
Etchhos
Bingartes
Kalkober
Allmershausen mit
9. Juni
1230
Gethsemane
RöhrigShof
20.
Juni
1015 2
Friedlos
StärkloS mit
7. Juni
730
8 80
845
945
Philippsthal Heimboldshaujen
Harnrode
LengerS mit Bengen- dorf u. Wölfershausen
21. Juni
101B l020
1030
11
KruspiS u. Holzheim
Eitra
SiegloS
Obcrhaun
Unterhaun mit
845
845
Heenes Gittersdors UntergeiS
10
H30
Heringen
Leimbach Widder-hausen
Rotensee
Da wo mehrere Orte zusammen gemustert werden, ist der Ort wo die Musterung stattfindet, unterstrichen. Wenn nicht- anderes bestimmt, sind die früheren Musterung-Plätze beizu- behalten.
Ich weise die Ortspolizeibehörden an, die bestimmten Termine alsbald aus ortsübliche Weise bekannt zu machen und insbc>ondcre zur Kenntnis der Pferdebesitzer zu bringen.
Die Verzeichnisse der vorhandenen Pferde (VorführungS- listen) zu welchen die Formulare bereits übersandt worden sind. sind alsbald in zwei Exemplaren anzufertigen. Hierbei ist folgendes genau zu beachten:
1. Diebei der letzten Musterung als dauernd kriegSunbrauchbar bezeichneten Pferde werden weder in die Listen aufgenommen noch vorgeführt ebenso auch nicht Die durch Verkauf pp. in Abgang gekommenen Pferde.
2. In die Listen einzutragen und vorzuführen sind vielmehr:
a. die als kriegsbrauchbar bezeichneten Pferde,
b. die vorübergehend (zeitig) kriegSunbrauchbaren und
c. die durch Erreichung deS vorgeschriebenen Alters (vierjährig) oder durch Kauf hinzugekommenen, jotoie selbstverständlich auch die bei der letzten Musterung aus irgend einem Grunde (hochtragend, lahm) nicht Vorgeführten.
3. Die in Zugang gekommenen Pferde sind den betreffenden Besitzern zuzuschreiben und nicht erft am Ende der ganzen Liste nachzutragen.
4. Aus die Ausfüllung der Spalte 6 der neuen Vor- führungSlisten „Bestimmung der letzten Vormusterung (durch den Gemeindevorsteher vor der Musterung auszufüllen)" mache ich besonders aufmerksam. Die Ausfüllung ist folgendermaßen abkürzend vorzunehmen.
R. I. sür Reitpferde I.
R. II. „ „ II.
I. S. „ Zugpferde I. Stangen
I. V. „ „ I. Vorder
II. S. „ „ II. Stangen
II. V. „ „ II. Vorder
b. 8. „ besondere schwere Zugpferde I. oder II.
5. Sämtliche Pferde sind durch die ganze Liste durchzu- nummerieren. Die Nummern müssen deutlich und groß an der linken Kopffeite der Pferde be estigt werden.
6. Bezüglich der bei der letzten Musterung als kriegsbrauchbar bezeichneten Pferde sind außerdem an der linken Seite die nach § 5 der PferdeauShebungSvorschrift vorgeschriebenen Be- stimmungStäselchcn anzubringen. Etwa noch fehlende können von hier bezogen werden.
Hinsichtlich der Vormusterung selbst gelten folgende Bestimmungen :
_ Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtige Pferde nicht rechtzeitig vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe zu
gewärtigen, daß die nicht gestellten Pferde zwangsweise aus Kosten des PferdebesitzerS herdelgeschafft werden.
Dre Herren Ortsvorstände und im Behmverungssalle ihre Stellvertreter, haben sich zu den MusterungSterminen einzu- finden und die angefertigten Vorführungslisten dem Commissar vorzulegen. Die Vorführungslisten vom Jahre 1908 sind gleichfalls mit zur Stelle zu bringen. (Siehe Anmerkung 3 der Titelblattes der Vorsührungsliste.) Dem MusterungS- Commissar ist sofort Anzeige zu machen, falls Pferdebesitzer nicht sämtliche Pscrdc zur Vorführung bringen. Die Ortsvorstände sind ferner verpflichtet, für die Gestellung der zum Ordnen und Vorführen der Pferde erforderlichen Leute sowie insbesondere dafür zu sorgen, daß das Vorführen genau in der Reihenfolge der Vorführungsliste stattfindet. Hierzu ist erforderlich, daß die Pferde pünktlich zur angesetzten Zeit übereinstimmend mit der Liste nebeneinander ohne große Zwischenräume ausgestellt sind. Zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen ist ferner streng darauf zu achten, daß die an den Pferden befindlichen Nummern und Be- stimmungStäsclchen nicht nach Belieben gewechselt werden, sondern, daß sie stet- aufs genaueste übereinstimmend mit der Vorführung-liste belassen werden.
Da- in der Gemeinderepositur befindliche Verzeichnis der vorhandenen knegSbrauchbaren Fahrzeuge ist zu ber^or» Musterung ebenfalls mitzubringen.
Schließlich bemerke ich noch, daß nur bei pünktlichster Einhaltung der angefetzten Termine und vollständiger Ausfüllung der Listen eine glatte Abwickelung der MusterungS- geschäfts ermöglicht werden kann. Es liegt deshalb die genaueste Beachtung der getroffenen Bestimmungen im eigenen Interesse der Pferdebesitzer.
M. 1032. Der Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 18. Mai 1910.
Die Ortspolizeibehörden deS Kreises mache ich aus die im Amtsblatt Nr. 18 abgedruckte Polizei-Verordnung vom 19. April d. JS., betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Auszügen (Fahrstühlen), durch welche die den gleichen Gegen- stand betreffende Polizei-Verordnung vom 9. Mai 1908 in einigen Punkten abgeändcrt wird, besonders aufmerksam. I. 4461II. Der Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekrctär.
Hersseld, den 12. Mai 1910.
Der Bürgermeister Schmidt von Allendorf ist als Stellvertreter des Fleischbeschauers Hellwig zu Kemmerode bestellt und vereidigt worden.
I. 4777. Der Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
Politischer Wochenbericht.
Diesmal stand die Berichtswoche im Zeichen des „lieblichen Festes" Psingsten, des Festes der Klarheit und der Wahrheit. Die festliche Stimmung, die es in Millionen Herzen angefacht und die im Herzen der Christen als froher Jubel über die von den Jüngern am ersten Pfingstseste gepredigten großen Taten GotteS wiederklingt, hat wieder dem Getriebe des Alltags Platz gemacht, aber der christliche Pfingstsegen ist geblieben. Wenn die Sorgen wie schwere eiserne Ketten die Seele umklirren, daß sie schier verzweiseln möchte, so spüren wir doch die Wirkungen eines lebendigen Geistes voll wunderbarer Kraft, die im Menschen wohnt. Andere haben wohl aus weltlichere Weise, im Genuß der im Blütenschmuck prangenden Natur, das Pfingstfest begangen, aber alle, welcher Art die Feier auch war, losgelöst von des Alltags Sorgen und Mühen. Denn auch dem Geringsten sichern die heutigen sozialen Verhältnisse einen Teil des Festgenuffes, wenn er nur den Willen hat, mit den andern zu genießen, trotz Verelendungstheorie und sozialdemokratischer Aufpeitschung der Massen zum Klasscnhaß. Das ist gekünsteltes Machwerk, an dem die Partei der „Genossen" freilich festhalten muß, weil ihr sonst das Kampfmittel fehlt, auf das sie in der Hauptsache ihre Agitation gründet.
Eine weihevolle deutsche Feier hat sich in der Walhalla bei Regensburg vollzogen, die dem großen Schlachten- denker aus der Heldenzeit, die unser Vaterland einte, dem Grasen Hellmuth von Moltke gib Auch seine Büste gesellte sich nunmehr nach Verdienst de° Helden zu, die mit Aufstellung der Abbilder des großen Kaisers Wilhellu I. und des ersten Kanzlers des neuen Deutschen Reiches Bismarck in der Ruhmeshalle ihren Anfang nahm. Als mächtigstes Motiv klang aus der Symphonie dieser Feier das Gelöbnis unver- brüchlicher Zusammengehörigkeit in Treue zu Kaiser und Reich und das dankerfüllte Bewußtsein, ein einiges Reich zu besitzen und dieses Kleinod auch behüten zu können. Gibt man sich in Erinnerung dessen, wie klein wir waren, und was an großen Ausgaben unseres ganzen Volkes harrt, in Nord und Süd diesem machtvollen Zusammenklang von Gedanken hin, die in den Festreden bei der Feier in der Walhalla wiederhallten, dann wird aus dem Marmorbau der Walhalla ein kraftvoller Zug nationalen Empfindens über die deutschen Lande sich verbreiten. Wie ein Gewittersturm sollte er all den Kleingeist und die Parteikleinkrämerei beiseite schieben und unS alle daran erinnern, wie sehr wir uns unseres Vaterlandes sreuen dürfen, und wie dankbar, unserer Väter gedenkend, wir unsere ganze Kraft dafür einsetzen sollen.
Der Aus stand in Albanien, der noch immer nicht unterdrückt ist, ist in mehr als einer Beziehung eine unerfreuliche Erscheinung. Er zerrüttet nicht nur das türkische Regime, er kann am letzten Ende selbst zu einer Losreißung des albanischen Gebietes von der türkischen Oberherrschaft führen. Dann wären die Nachwirkungen davon aber geradezu eine Gefahr auch für Europa; denn eS gibt keine Frage, die heikler zwischen Italien und Oesterreich steht als die albanische, die seither ein Zankapsel und ein besonderes österreichseindliches Steckenpferd der italienischen Jrredcnta ist. Man muß also wünschen, daß dieser Spuck möglichst bald wieder von der Balkanbühne verschwindet. Freilich fehlen leider noch immer die Aussichten dazu.
In Argentinien, namentlich in der Landeshauptstadt BuenoS AireS, haben die großen Festlichkeiten anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr der Tage begonnen, an denen die Unabhängigkeitserklärung Argentiniens von der spanischen Herrschaft erfolgte. Am 25. Mai 1810 erklärte sich Argentinien durch seine erste Junta für unabhängig, einige südamerikanischen spanischen Provinzen folgten, und für Spanien begann im Jahre 1810 der Verlust seines gesamten lateinisch-amerikanischen Kolonialbesitzes. Deutschland hat seine beiden Kreuzer „Bremen" und „Emdcn" entsandt. General-Oberst Freiherr von der Goltz, der bekannte Reorganisator der türkischen Armee, dessen Sohn als Instrukteur in argentinischen Diensten steht, vertritt dort den deutschen Kaiser und das deutsche Heer. Deutschland hat allen Grund, dem gewaltig und kühn aufstrebenden argentinischen Staatswesen die wärmsten Sympathien entgcgenzu- bringen, sind doch auch die Handelsbeziehungen beider Länder von großer Bedeutung. Argentinien ist ein reich gesegnete- Land, daS, wenn seine friedliche Entwickelung so weiter sort- schreitet, mit frohem Blick in die Zukunft blicken kann.
Ae Trailerfeierlichkeite» in Wack
Sheerneß, 17. Mai. Die Jacht Hohenzollern mit S r. Majestät dem Kaiser an Bord ist in Begleitung des Kreuzers Königsberg und des DepeschenbooteS Eleipner kurz nach 6 Uhr Abends hier eingetroffen.
London, 18. Mai. Auf Wunsch des Deutschen Kaiser- würde bei der Ankunft der Hohenzollern in Shcerncß kein Salut gefeuert. Die deutschen Kriegsschiffe hatten die Flaggen Halbstock- gesetzt. Der Kaiser landet morgen in Port Viktoria und begibt sich um lOVe Uhr nach London.