Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersseld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, m

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vsnvvsnL

Umfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernfprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 57. Sonnabend, den 14. Mai 1910.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 10. Mai 1910.

Wiederholte Unterlassungen in letzter Zeit veranlassen mich, die Ortspolizeibehörden des Kreises auf mein Ausschreiben vom 14. November 1906 (Kreisblatt Nr. 135/1906) hinzu­weisen, nach welchem die OrtSpolizeibehörden mir von dem Stattfinden jeder össentlichen Versammlung sofort Anzeige zu erstatten haben. Die Absenkung solcher Berichte ist so zu beeilen, daß ich nach Möglichkeit noch v o r Abhaltung der Versammlung in den Besitz der Nachricht gelange.

Ich erwarte künftig genaueste Beachtung dieser Anordnung.

I. 4586. Der Landrat

von Grunelius.

Bekanntmachung.

Zur außerordentlichen Instandsetzung der Landwege Friedewald-Schenklengsfeld und Schenklengsfeld- Eiterfeld, innerhalb der Gemarkungen Hilmes, OberlengS- jeld, Unterweisenborn, sollen noch 195 u. 144 = 339 cbm Basaltsteine aus den Brüchen TrümmerSkuppe und Wehrs­hausen bezw. Soislieden zur Gewinnung, Anfuhr bezw. An- lieserung gebracht werden.

Veraccordierungstermin findet statt in Schenklengsseld am 18. Mai 1910 vormittags 9 Uhr in der Steinhauer'schen Wirtschaft.

Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. 3684. von Grunelius.

Hersseld, den 7. Mai 1910.

Der Gutsbesitzer Otto Reinhard in Landershausen ist als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt worden. Ich habe diese Wahl bestätigt und den Gewählten heute ver- eidigt.

A. 3680. Der Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 10. Mai 1910.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich aus die im Amtsblatt Nr. 16 zum Abdruck gekommene Polizei-Verord­nung betr. die Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken vom 12. April 1910 besonders aus- merksam und ersuche, die Ausführung derselben genau zu überwachen.

I. 3858. Der Landrat.

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Pfingstblüten.

Von K. von Linz.

Die Verlobung des Rittergutsbesitzers von Feldern hatte seinerzeit Stürme von Erregung und Verwundern in den Kreisen seiner Bekannten entsesselt. Niemand hatte ihn mehr zu denen gerechnet, die das Glück der Ehe begehren. Sein Leben war allzeit in ernstester Pflichterfüllung dahingelausen, seine Tage so vollständig ausgenutzt gewesen, daß sich feine Nachbarn beim Bekanntwerden des Ereignisses fragten: Ja, woher will er nur die Zeit für die schöne, anspruchs­volle Braut nehmen?"

Denn Ruth von Kaie war allen als ein Wesen be­kannt, dem von jeher die Herzen und Huldigungen mühelos zuflogen.

Sie hatte auch sofort beim ersten Sehen einen starken Eindruck auf Kurt von Feldern gemacht. Er konnte sich nicht satt an ihrer Anmut sehen. Und als er fühlte, daß ihre Augen bei seinem Nahen in seliger Freude ausstrahlten, nahm er sie an sein Herz.

Seine feste, ernste Männlichkeit berauschte sie 1 Der oft gehörte Umstand, daß eS zuvor noch kein Weib vermocht habe, ihn zu entflammen, machte sie für ein Weilchen weich und demütig.

Als er ihr von den fein Schloß umwuchernden Pfingst- röschen auf ihren Wunsch ein paar Stecklinge abschnitt, ge­lobte sie ihm leise:Ich will sie unermüdlich hegen und pflegen und wie sie, soll auch meine Liebe zu dir beständig erstarken und wachsen."

Er glaubte ihr so gern! BiS der graue Tag kam, an dem sich der erste bange Zweisel in sein Herz stahl.

Sie hatte heimlich von einem feurigen Liebhaber geträumt, dessen Sein fortan ganz von dem ihren auSgesüllt sein würde, und ward nun inne, daß sie sich einem ernsten Arbeiter an- öerlobt habe, der die Erfüllung seiner Pflichten alS daS Höchste und Heiligste einschätzte.

Sobald sie merkte, daß die Schönheit und Macht da­gegen vergeblich ins Treffen sührte, quälte sie ihn mit Launen und Tränen. Ein Weilchen hatte er Geduld! Sie lebte

Hersseld, den 12. Mai 1910.

Den Herren Orts- bezw. Gutsvorständen deS Kreises werden in den nächsten Tagen die Erhebungskarten über die Ermitte­lung des diesjährigen Anbaues zugehen.

Die Karten sind unter genauer Beachtung der beigefügten Anleitung auszusüllen und mir bis s p ä t e st e n s zum 5. Juni d. JS. in einem Exemplar einzureichcn.

Ich erwarte aus das Bestimmteste, daß der Termin genau eingehalten wird.

Ich weise noch besonders daraus hin, daß die Karten mit dem AblösungSstempel versehen sind und deshalb durch die Einsendung Portokosten nicht entstehen.

I. 4763. Der Landrat

von GruneliuS.

hichtamtücher teil.

Pfingsten.

Das ist die Zeit der vollen Blüte, So jugendschön, so düsteschwer; WaS Ostern erst noch knospend sprühte, Es prangt, entfaltet ringS umher.

Schon selt'ner kann den Weg sich bahnen DurchS volle Laub der Sonne Strahl,

Es liegt fein sommerliches Ahnen Um Aether über Berg und Tal!

Kannst du den vollen Sinn verstehen,

Den jede Blume zu dir spricht,

Des Vogels Lied, des Windes Wehen,

Der durch die vollen Aeste bricht?

Wie einst der Geist der Jünger Munde

Die nie gelernten Sprachen lieh,

Zu predigen die Pfingstenkunde,

So kündet die Natur auch fiel

Wohlan, nun auch in eurer Seele

Laßt glühen heut' den Heil'gen Geist

Zum Jubel drängt's aus voller Kehle,

Zum Preise deß', den alles preist!

Herbert Berthold.

Unsere nordischen Breitengrade und der frühzeitige Termin deS Pfingstsestes in diesem Jahre lassen zwar noch viel von dem lieblichen Pfingstfest vermissen, denn die kühle Jahreszeit läßt uns die Natur noch nicht im vollen Blütenschmucke er­scheinen und das uralte Fest der Maien kann durch die Ungunst des Wetters schwer beeinträchtigt werden. Aber dennoch gilt im Menschenherzen wie auch draußen in der

mit ihrer schwachen, kränklichen Mutter und hatte niemals ge­lernt, sich anzupassen oder unterzuordnen.

Darum wollte er gütig und zart mit ihr sein. Aber gar bald sah er ein, daß er damit nichts erreichte. Langsam schwanden ihm Arbeitskraft und Freude dahin. Er sprach ernste, immer noch liebevolle Worte zu ihr. Aber sie war bereits so verbittert und gekränkt, daß sie hinter jedem nur eine neue Zurechtweisung erblickte.

Sie gab ihm schließlich Wort und Ring zurück!

Bald daraus wurde die kleine Villa verkauft. Mutter und Tochter verließen die Stadt.

Kurt von Feldern war ein Mensch, der nichts halb tat. Er machte einen Strich unter sein Hoffen und widmete sich der Bewirtschaftung seiner beiden Güter unermüdlicher denn zuvor.

Niemand wußte, wie eS dabei in ihm aussah. Freunde, denen er sein innerstes Empfinden offenbaren konnte, hatte er niemals besessen. Langsam strich die Zeit über die große Wunde. Aber eS war seltsam, kam der Lenz und mit ihm die Zeit deS HoffenS, brach sie wieder aus. Ströme von Blut riefelten langsam über sein Herz.

--Er hatte sie immer noch lieb und vermied eS doch ängstlich, nach ihr zu sorschen.

Ihm erschien eS sicher, daß sie längst an der Seite eines anderen Mannes ein Glück nach ihrem Wunsche gesunden hatte.

Er nannte daSselbstverständlich" und konnte doch nicht hindern, daß der Gedanke daran seine Tage und Nächte mit aufreibender Unruhe füllte. Er, der niemals zuvor Müdigkeit empfunden, litt jetzt zuweilen schwer unter einer großen Mattigkeit. Der langjährige HauSarzt obwohl in diesem Falle unbesragt redete ihm eine- Tages ernst in- Gewissen.

So geht eS nicht weiter, Herr von Feldern! Sie müssen für ein paar Wochen auS den alten Verhältnissen heraus. Eich völlig auSruhen! Tun Sie daS nicht, wird eine» TageS Ihre Kraft gebrochen sein, und sich vielleicht nie wieder zu der alten Stärke emporrichten. Jetzt ist aus

Natur der ewige Hoffnungsruf: Es muß doch Frühling werden! Und diese vertrauensvolle Hoffnung weckt trotz der Unbilden des Wetters dennoch die Lenzesfreude und die Begeisterung für alles Große und Schöne in der Natur und in der Menschheitsentwickelung. So real auch die Lenzeslust bei dem Anblicke der bräutlich geschmückten Natur begründet zu fein scheint, so hat sie im Grunde genommen doch einen idealen Charakter, denn in der Freude und Lust über die Pracht des Lenzes malt sich die menschliche Seele eine neue und schönere Welt aus und das Herz wird zu hoher Hoff­nung und Begeisterung gestimmt, so bitter und enttäuschungs- voll auch das Alltagsleben der Menschen ist. In dieser echten Pfingststimmung ist der Christ auch seelenverwandt mit den unvergeßlichen Gründern der ersten Christengemeinde, die am ersten großen Pfingstseste sich in heiliger Begeisterung zusammensanden, um Zeugnis für die Begründung der christ­lichen Religion abzulegen und in hochherzigen Großtaten für diese Religion zu leben und zu sterben. Neben der heiligen Erinnerung an das erste Pfingsten ist die Gedenkfeier an die Ausgießung des heiligen Geistes in die Seelen der Jünger deshalb auch ein großes Fest der Hoffnung und der Be­freiung durch die göttliche Liebe. Zur Pfingstzeit soll daher der geplagte und von Sorgen erfüllte Mensch sich nicht nur äußerlich von der Alltagssorge und dem Alltagsleben los­reißen und in der herrlichen Natur und der anmutigen Land­schaft Erholung und Erhebung suchen, sondern er soll auch daran denken, daß auch für ihn das Wunder der inneren und seelischen Befreiung von aller Erdenlast geschehen kann, wenn er im Geiste des Christentums durch die Gottes- und Nächstenliebe und die Reinheit deS Herzens nach seiner Be­freiung und Erlösung strebt. So strahlt uns also das uralte Pfingstfest nicht nur als liebliches Lenzessest, sondern es leuchtet uns auch als das größte Lichtsest im geistlichen und seeligen Sinne, denn seine Offenbarungen stellen neben diese irdische und vergängliche Erde eine neue und ideale Welt, in welcher sich erst die schönsten Hoffnungen der Menschheit erfüllen sollen.

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag hat sich bis zum 8. November vertagt. Seine Arbeit während des Winters ist nicht ganz arm an Früchten gewesen. Verabschiedet wurden, abgesehen von der rechtzeitigen Erledigung des Etats, von größeren Gesetzen: das Beamtenhaftpflichtgesetz, das Stellenvermittlergesetz, der Entwurf über die Entlastung des Reichsgerichts, der Entwurf zur Aus­führung der Beiner Konvention betreffenb den Schutz von Werken der Literatur und Kunst, das Kolonialbeamtengesetz und daS Kaligesetz. Unerledigt blieben dagegen der Gesetz­entwurf betreffend die Einführung der Wertzuwachssteuer, die Strafprozeßordnung, die Strafgesetznovelle, die Novelle zur Gewerbeordnung und vor allem die ReichSversicheruugsordnung. Das geleistete Arbeitspensum ist sonach nicht gerade ein be-

dem Lande doch die stille Zeit. Verleben Sie die Tage vor und nach Pfingsten im Harz! Ich denke gerade an eine liebe Förstersamilie in Totenrode, die Sie, aus meinen Wunsch, sicherlich bei sich aujnehmen würde."

Und Feldern gab nach. Er jühlte, daß der Arzt recht hatte, und sürchtete sich vor dem Eintreffen seiner Prophe­zeiung.

An einem lichten Maitage trat er die Reise an.

Das stille Forsthaus, das ihn ausnahm, wurde von drei Seiten sorglich von alten Tannen und scheuen jungen Birken beschützt. An die vierte Seite stieß eine lichte Wiese, auf der die Rehe beschaulich ästen.

Feldern fühlte sich wirklich behaglicher, wie er gedacht hatte.

Er war der einzige Gast in diesem Idyll und freute sich auf das stille beschauliche Pfingsten.

Die Försterin hatte ihm das Stübchen gar festlich mit Maien geschmückt. Vor den blankängigen Fenstern standen duftende Kalmusstangen, und aus der Kommode mit der sauber gehäkelten Decke duftete ein voller Strauß Frührosen.

Seltsam", meinte Feldern am Pfingstsonntag, nachdem er der sreundlichen Försterin seinen Dank für alles abgetragen, eS sind genau dieselben Blüten, die bei mir in Hohcnsteglrtz daS Schloß umgrüncn! Ich sah sie sonst noch nirgends. Meine Mutter pflegte gern in meiner Knabenzeit die Ge­schichte ihrer Anpflanzung zu erzählen. Ein sranzösischer Offizier, den meine Großmutter nach dem Kriege auS Barm­herzigkeit gesund gepflegt hat, schickte ihr die Stecklinge auS Nancy.

Die Försterin nickte erfreut, als wüßte sie wohl den Wert dieser Blüten einzuschätzen.

Diese Rosen habe ich mir auch von unserm guten Engel geholt, Herr von Feldern."

Er versuchte zu scherzen.

Sehen Sie, wie recht ich hatte! Hier aus Erden finden Sie sie kein zweite- Mal."

Die freundliche Frau wurde ganz ernst.

Sie glauben nicht, wie gut die ist, welche sie gezogen. Sie steht ganz allein in der Welt, seitdem ihre Mutter gestorben