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Hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 56» Donnerstag, den 1Ä. Mai 1910.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 9. Mai 1910.
Unter dem Schweinebestande deS Metzgermeisters Bernhard Otto hier ist die Rotlausseuche auSgebrochen.
I. 4596. Der Landrat.
I. V.:
Wessel, KreiSsekretär.
Nichtamtlicher Cell.
Reichstag.
Der Reichstag hat sich in den letzten Tagen mit seinen Arbeiten so gesputet, daß die Sommervertagung deS Hauses noch ein wenig eher eintreten konnte, als dies bis jetzt geplant war. Am Montag wurde die ReichStagSsitzung durch einen vom Blatte verlesenen Nachrus eingeleitet, welchen der amtierende erste Vizepräsident Dr. Spähn dem König Eduard widmete. Der Vizepräsident wieS hierbei daraus hin, wie durch das Ableben deS KönigS Eduard auch der Kaiser und das Kaiserliche HauS, das ja durch nahe Blutsbande mit dem englischen KönigShause eng verknüpft fei, in tiefe Trauer versetzt worden sei, an welcher das gesamte deutsche Volk innigen Anteil nehme. Dr. Spähn gedachte weiter kurz deS hervorragenden Herrjcherwirkcns deS verewigten englischen Monarchen und versicherte zuletzt, daß sich die aufrichtige Anteilnahme des Deutschen Reichstages an dem schweren Verlust, der das englische Volk getroffen, mit der Teilnahme der gesamten Welt verbinde. Die Abgeordneten hörten den Nachruf des Vizepräsidenten stehend an; aus der Regierung-- bank waren der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der Staatssekretär des Auswärtigen v. Echoen und noch mehrere andere RegierungSvertreter zu erblicken. Nach Eintritt in die Tagesordnung gelangten in der Hauptsache Petitionen bei verschiedensten Inhaltes zur Erledigung, dazwischen wurden die Vorlage, betr. die Gewährung besonderer Diäten an die Mitglieder der beiden Sommerkommissionen deS Reichstages, die jüngsten Nachtragsetats, das Konsulatgebührengesetz und das Kolonialbeamtengesetz in dritter Lesung debattelos angenommen.
Der Reichstag nahm am Dienstag den Antrag der Regierung über seine Vertagung bis zum 8. November an und trat dann in die zweite Beratung des KaligesetzeS ein. Die Erörterung wurde eröffnet mit einer Rede des Zentrums- abgeordneten Dr. Heim, der der Vorlage in der Fassung der Kommission sreundlich gegenübersteht, während er bei der ersten Lesung schwere Bedenken geäußert hatte. Er wieS daraus hin, daß das Gesetz in wesentlichen Punkten umgestaltet worden und Vorsorge getroffen sei, daß die Arbeiter nicht geschädigt würden. Maßnahmen, um der Verschleuderung
Die mcnscbenfalk.
Von Guy Thorne.
(Fortsetzung.)
Gilbert lehnte sich weit aus dem Fenster und sog die frische Lust mit Behagen ein. Unten übersah er die ganze Ausdehnung des Schloßgrabens, den Garten und die Um- sassungsmauer. Die Tiese bis zum Grunde deS Grabens mochte etwa vierzig Fuß betragen, aber neben dem Fenster lies ein Wasserrohr hinunter, das, wenn eS nur stark genug war, ihn zu tragen, als Leiter dienen konnte. Für einen so gewandten und geübten Kletterer wie er eS war, bot die Aufgabe keine Schwierigkeit. Er lachte vergnügt in sich hinein, niemals war ihm die Welt da draußen so schön und begehrenswert vorgekommen.
Aber noch lächelte sein Mund, als er wiederum das Opfer seiner listigen Feinde wurde. Der Rahmen bei Fensters, unschuldig genug anzusehen, fiel plötzlich mit heftigem Krach aus seine Schultern nieder und preßle ihn dergestalt aus das Fensterbrett, daß er sich nicht zu bewegen vermochte. Er hing mit Armen, Kopf und Oberkörper aus dem Fenster, während die Beine und ein Teil des RumpseS sich im Zimmer befanden.
Die Erschütterung und der Schmerz waren so surchtbar, daß er ohnmächtig zu werden glaubte, und wäre sein Kopf nicht in freier Luft gewesen, so würde ihn ohne Zweisel die Besinnung verlassen haben. Alle seine Bemühungen, die an der Außenwand niederhängenden Arme in die Höhe zu bringen, daß er am Fensterbrett eine Stütze gewinnen und das aus ihm lastende Gewicht bei Rahmens abschütteln konnte, blieben erfolglos. Der ganze Körper war durch den furchtbaren Druck, der aus Schultern und Rücken ausgeübt wurde, wie gelähmt.
Zehn furchtbare Minuten verbrachte er in dieser Stellung. Er fürchtete, sein Rückgrat wäre verletzt, und er würde für immer die Fähigkeit verloren haben, sich zu bewegen. Er stöhnte laut vor Schmerzen, und seine Augen schweiften verzweiselt
unserer Bodenschätze an daS Ausland vorzubeugen, seien aber notwendig. Der Abgeordnete Dove von der fortschrittlichen Volkspartei erklärte, daß seine Freunde gleichsallS gegen eine solche Verschleuderung wären, erkannte auch an, daß die Kommissionsbeschlüsse besser seien alS die Regierungsvorlage, trat aber doch für die Ablehnung auch in dieser Fassung ein, da man gar nicht wissen könne, wie daS Gesetz wirken werde, und daß man sürchten müsse, daß der Kaliindustrie andere folgen würden. Der preußische HandelSminister Sydow meinte, die Kommission-beschlüsse seien bureaukratischer alS die Regierungsvorlage, aber da sie den Zweck auch erreichen würden und mit einer Ausnahme alle Parteien des Hauses dafür seien, würden die Verbündeten Regierungen sie an- nehmen.
Wm Sei Semit droht...!
Von H. H. K r t tz i n g e r.
Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt unS vom 19. Mai, in dessen Morgenstunden die Erde in den Schweis deS Halleyschen Kometen geraten wird, wenn er nach der vorläufig genauesten Vorausberechnung von 3 Uhr 22 Min. früh bis 4 Uhr 22. Min. vor der Sonne vorübergewandert ist. In Berlin geht an jenem Tage die Sonne um 4 Uhr 7 Min. (M. E. Z.) auf; unter sehr günstigen Umständen muß also hier der Komet noch beim Verlassen der Sonnenscheibe beobachtet werden können. Die scheinbare Höhe des Tagesgestirns beträgt dann nur etwa 2 Grad. Der Horizont muß also völlig frei sein. Solche Bedingungen gewährt in der Tat ein Hilssobservatorium, das die Berliner Königliche Sternwarte in der Laterne der Berliner Dom'uppel in einer Höhe von nicht ganz hundert Metern eingerichtet hat. Es ist dort an dem Nordost-Fenster ein Dollondsches Fernrohr von 68 Millimeter Oeffnung und 72sacher Vergrößerung ausgestellt, mit dem der Verfasser am 26. April früh den Halleyschen Kometen in Berlin zuerst nach der Sonnennähe am 20. April sah. Eher war dies wegen ungünstiger Witterung nicht möglich. Die ersten Beobachtungen gelangen vorher in Kapstadt, Wien, PariS, Hamburg, Königsberg, Nizza usw.
Vor allem wird es den Leser nun interessieren, etwas über das gegenwärtige Aussehen des Kometen zu ersahren, damit er sich ein Bild von ihm machen kann, wenn er auch selbst keine Gelegenheit zur Beobachtung hat. Schon am 15. April konnte in Kapstadt ein fächerförmiger Schweif von 2 Grad Länge photographiert werden. Der Kern glich einem winzigen Halbmond. Die Gesamthelligkeit entsprach etwa der vierten Sterngröße. Hier wie auch aus dem Teneriffa-Observatorium konnte der Komet bereits mit freiem Auge gesehen werden. Dort haben auch die Potsdamer Astronomen ihre Etation eingerichtet, in der Nähe ihrer Pariser Kollegen. Die erwähnte Beobachtung vom 26. April ergab etwa solgendes: Die Gesamthelligkeit bei Kometen, der ali kleine, längliche Nebelmasse erschien, überstieg etwas die dritte Sterngröße.
über das stille Moor, als müsse ihm von dort die Hilft kommen.
Doch kein lebendes Wesen war zu sehen, nur zwei Schwalben schössen fröhlich zwitschernd vorüber — freie und glückliche Vögel!
Dann, als er sich schon verloren glaubte und gefaßt das Ende erwartete, sühlte er, wie das Gewicht auf seinen Schultern sich langsam löste. Der Rahmen stieg in die Höhe, und, seine letzte Energie zusammennehmend, zog er die Arme ins Zimmer und rollte kraftlos zu Boden. Er war unsähig, sich zu bewegen, aber er sah, wie bai Fenster sich langsam schloß, wie ein eisernes Netzwerk von oben niederfiel und die Eisenstangen mit klapperndem Geräusch an ihrem Platz in bai Mauerwerk einschnappten. Das Fenster unterschied sich in nichts mehr von den übrigen, und er wußte, daß der elektrische Strom, der ihn umgab, wieder geschloffen war, und daß die scheinbare Gelegenheit zur Flucht nur eine neue Grausamkeit seiner verschlagenen Feinde gewesen war.
Die Sinne schwanden ihm, und Stunden vergingen, ehe er den Gebrauch seiner Glieder wiedergewann. Und als er sich endlich bewegen konnte, brannten Rücken und Schultern, aus die der Rahmen gefallen war, wie Feuer, und alle Glieder schmerzten, als hätte er aus der Folter gelegen. Doch obgleich ihm kaum eine Hoffnung blieb, ließ er den Mut nicht sinken. Wenn es sein Geschick war, Qualen und Tod zu erdulden, so wollte er doch tapfer bis aus Ende kämpfen.
Er nahm ali wahrscheinlich an, daß in diesem furchtbaren Hause kein Raum für ihn sicher sei. Vielleicht enthielt nicht jedes Zimmer eine solche vernichtende Maschinerie, aber wie konnte er bai sehen oder beurteilen? Würde es daher nicht klüger und vorsichtiger sein, zu bleiben, wo er war? Gewiß befand sich nicht mehr als eine Falle in jedem Zimmer. Er wußte, welche technischen Schwierigkeiten zu überwinden gewesen waren, und welche enorme Summe von Arbeit ausgeboten sein mußte, ehe dies raffiniert ausgeklügelte Haus der Qualen zustandegekommen war.
Ihm war auch bekannt, daß seine Feinde sich noch nicht allzu lange im Besitz dieses Schlosses befanden. Vier Männer,
Sein größter Durchmesser entsprach etwa einem Sechstel bei Vollmondes. Leider waren bei dieser Beobachtung, die nur von 3 Uhr 21 Min. bis 31 Min. durch eine Wolkenlücke angestellt werden konnte, von dem Schweis nur Ansätze, aber dafür die zur Sonne gerichteten Ausströmungen zu erkennen. Nach einer Vorausberechnung, die Herr Ebel von der Astronomischen Zentralstelle in Kiel mitteilte und die sich gut obigen Beobachtungen anschließt, nimmt die Helligkeit bei Kometen noch bedeutend zu und wird Mitte Mai die des großen Januarkometen von 1910 erreichen. Man kann demnach mit Sicherheit daraus rechnen, daß die Erde am 19. Mai früh wirklich noch in seinen Schweis geraten wird, da der Abstand nur ein Sechstel der mittleren Erdentfernung von der Sonne sein wird, genauer 24 Millionen Kilometer. Hoffent- lich werden die großen Vorbereitungen nicht vergeblich sein, die von den Astronomen zur Beobachtung der austretenden Störungen getroffen sind. DaS Interessanteste bei dem ganzen Ereignis werden für den Laien sicher die Sternschnuppen sein — wenn eS überhaupt welche geben wird. ES ist für den Astronomen leicht, vorauSzusagen, woher diese Himmelsraketen auSstrahlen werden. Der sogenannte Radiant (Ausstrahlung-- Punkt) liegt bei dem Sterne Zeta des Wassermannes, der am 1. Mai um l8/* Uhr morgens und jeden folgenden Tag vier Minuten früher genau im Osten ausgeht. Schon eine Stunde nach Mitternacht kann man seit Anfang Mai darauf achten, ob vielleicht einige Vorboten erscheinen. Eine geringe Anzahl muß aus jeden Fall dabei sichtbar werden; denn dort spielt fast jedes Jahr ein Radiant — allerdings in letzter Zeit, soweit bekannt, sehr schwach. In früheren Jahrhundertm sind in jenen Tagen große Sternschnuppenfälle zu verzeichnen gewesen, so z B. 824, 839, 965 und 1706.
Um eine Vorstellung von'der enorm kleinen Menge Materie zu bekommen, die dabei auf eine begrenzte Fläche entfällt, wollen wir einmal die Verhältnisse für Berlin ins Auge fassen. Mit ihren Vororten läßt sich die Reichshauptstadt in einer Kreisfläche von etwa 18 Kilometer Halbmesser unterbringen, bedeckt also eine Fläche von rund 1000 Quadratkilometer. Die Höhe, in der Sternschnuppen auszutauchen pflegen, beträgt 100 Kilometer. Der Inhalt des Zylinders der Atmosphäre, der über Berlin in Betracht kommt, beträgt also etwa 100 000 Kubikkilometer. Selbst wenn wir die übertriebene Annahme machen, der Sternschnuppenfall werde viermal so dicht sein wie der stärkste der Leoniden 1866, so wird erst höchstens alle zwei Sekunden eine Sternschnuppe in diesem Zylinder sein. Da diese wohl nur wenige Gramm schwer sein können und meist während des Fluges verbrennen, so wird auch der Aengst- lichste sich hierbei beruhigen können. Selbst wenn man die wieder stark übertriebene Annahme macht, daß die Häufigkeit der Sternschnuppen den ganzen Tag unverändert bliebe, so würde ihr Gesamtgewicht nur wenige Zentner erreichen. Aber wie gesagt, die Annahmen sind alle übertrieben — in Wirklichkeit kann der vielbesprochene Weltuntergang eine große Enttäuschung bringen.
selbst wenn sie die Geschicklichkeit und das Genie Wil- shires und seiner Gehilfen besaßen, konnten in so kurzer Zeit am Ende nicht mehr leisten, als für jeden Raum eine Anlage.
Er überlegte noch, ob es daher nicht am weisesten sein würde, in diesem Zimmer zu bleiben, als ihm ein Gedanke kam, der ihm wunderbarerweise vorher gar nicht einge- sallen war.
Wovon sollte er leben? Wollte man den übrigen Leiden noch die Qualen bei Hungers hinzufügen? Die Wirkung bei narkotischen Mittels, das man ihm beigebracht hatte, war vorüber. Mit dem furchtbaren Schrecken, den er soeben durch- lebt, waren, sonderbar genug, die letzten Spuren davon verschwunden.
Er war jetzt hungrig — sürchterlich hungrig. Eßbare Sachen hatte er jedoch in keinem der Räume, durch die er gekommen war, bemerkt, und danach zu suchen, konnte die grausamsten Konsequenzen haben. Aber, wenn er auch blieb, wo er war, und so die Fallen seiner Feinde vermied, mnßte er nicht, sollte sein Leben erhalten bleiben, vor allem seinem Körper Nahrung zusühren? Wie konnte dies nur bewerkstelligt werden?
Die Antwort auf diese Frage kam in einer höchst unerwarteten Form. Er saß noch aus dem Fußboden, da hörte er plötzlich einen schwirrenden klingenden Laut in der entgegengesetzten Seite der Wand.
Sein Herz hämmerte in der Brust und der Mund wurde heiß und trocken. Was kam nun? Welche Schrecken standen ihm bevor? Er griff nach seiner einzigen Waffe, der eisernen Stange, und wartete.
Ihm gerade gegenüber öffnete sich langsam die Tür eines Wandschrankes, und ein kleiner, auf Gummirädern laufender Tisch schoß in die Mitte bei ZimmerS, verlangsamte allmählich seine Bewegungen und stand endlich still. Er wagte erst näher- zutreten, als er sich überzeugt hatte, daß zwischen Fußboden und Tisch keine elektrische Verbindung bestand, daß dieser viel- mehr durch eine starke, an der Rückwand des SchrankeS befestigte Sprungfeder, die sich wie eine gleißende Metallschlange ringelte, hervorgetrieben worden war.