dann wagen!" und „Allezeit treu bereit für der Reiches Herrlichkeit!- ‘ Nach dem ersten Spruche hat er gehandelt in allen Kriegsbegebenheiten zum Ruhme der preußischen und deutschen Fahnen/ während er dem anderen Spruche treu geblieben ist vom Eintritt in den preußischen Dienst bis -zum letzten Lebenslage.
$tr M des Sini^ Biniiri) TU nnü Der Anmechstl in ßnoloiiii.
Am 7. Mai kurz nach Mitternacht ist im altberühmten Buckingham-Palast in London der König Eduard VII. gestorben. DaS rasche Hinscheiden des KönigS war überraschend gekommen. Zwar war der König schon längere Zeit krank. Er litt an den Folgen einer Erkältung, die er sich während seines jüngsten AusenthatteS im Seebade Biarritz zugezogen hatte, und dieses Erkältung-leiden hatte einen schlimmen Bronchialkatarrh im Gefolge, der auch die Lunge angegriffen hatte. ES kam dazu, daß der König Eduard auch zeitweise an Stimmritzenkrampf litt und alle diese Umstände bewirkten, daß sich bereits am 6. Mai der Zustand deS KönigS sehr verschlimmerte, sodaß er dann in der darauffolgenden Nacht etwa eine Viertelstunde nach Mitternacht gestorben ist. In England ist die allgemeine Teilnahme bei dem Tode deS KönigS eine fast unbeschreibliche, denn so oft auch die englische Regierungsweise fast einen demokrattschen Charakter gezeigt hat, so fehl hängt doch daS loyale englische Volk an dem Königs- Hause, und es ist in allen Kreisen Englands bekannt, daß der König Eduard ein hervorragender Herrscher und eminenter Staatsmann war, und daß ihm außerdem noch eine durchaus leutselige und humane Gesinnung auSzeichnete. In dem verstorbenen Könige lebte und webte das unermüdliche Streben, Englands Macht und Größe zu schützen und zu vermehren, und in dieser Hinsicht hat u während der nur neunjährigen Dauer seiner Regierung-zeit viele vortreffliche Leistungen vollbracht. Eine ganze Anzahl Differenzen und Gegensätze, welche bei dem am 22. Januar 1901 erfolgten Regierungsantritte des KönigS Eduard die politijche Welt erfüllten und Englands Stellung den Großmächten gegenüber ungünstig beeinflußten, hat die geniale StaatSkunst des KönigS Eduard zu beseitigen gewußt, und eS lag in der Natur der Dinge, daß er dem mächtigen Dreibünde Deutschlands, Oesterreichs und Italiens die Tripleallianz Englands, Frankreichs und Rußlands gegen» überstellte. Es ist aber nicht wahr, wenn vielfach behauptet wurde, daß der König Eduard aus eine Vernichtung oder Schwächung Deutschlands hingearbeitet hätte. Einen KriegS- fall wollte der König immer vermeiden und nur mit sriedlichen und diplomatischen Mitteln für die Macht und Größe seines Landes wirken. Geboren wurde der verstorbene König Eduard am 9. November 1841 als erster Sohn aus der Ehe der Königin Viktoria mit dem Prinz-Regenten Albert. Der König bekam als Prinz die Namen Albert Eduard, und er genoß eine sorgfältige Erziehung, besuchte die Universitäten Edinburg, Cambridge und Oxsort und untemahm dann noch zu seiner weiteren Ausbildung eine Anzahl große Reisen ins Ausland, darunter auch nach Indien und Nord-Amerika. Vermählt war der König seit dem 10. März 1863 mit der Prinzessin Alexandra von Dänemark. Diejer Ehe sind drei Prinzen und drei Prinzeffinnen entsprossen. Der älteste Sohn des KönigS, der Herzog von Clarence, starb aber bereits im Älter von 20 Jahren, sodaß der zweite Sohn des Königs, der Prinz Georg, Thronfolger wurde und nach der Thronbesteigung seines Vaters im Jahre 1901 den Titel Prinz von Wales erhielt. Dieser ist nun als König Georg seinem Vater auf dem Throne Englands gefolgt, und so wenig man auch bisher von dem politischen Glaubensbekenntnis des bisherigen Prinzen von Wales erfahren hat, so ist doch anzunehmen, daß er in derselben glänzenden patriotischen und klugen diplomatischen Weise seine Regierung führen wird, wie sein verstorbener Vater es mit so großem Erfolge verstanden hat. Bei dem nahen verwandtschastlichen Verhältnisse zwischen dem englischen KönigS- Hause und dem deutschen Kaiserhause ist die Trauer um den verstorbenen König von England und Oheim des Kaisers Wilhelm auch am deutschen Kaiserhofe eine große, und der Kaiser Wilhelm dürste sich zu der Bestattung seines Oheimes wahrscheinlich nach London begeben.
Aus Ju- und Ausland.
Berlin, den 8. Mai 1910.
Aus Wildpark bei Potsdam, 8. Mai, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser ist heute vormittag nach
Kopses, der auf der Tischplatte lag und grübelte — und grübelte.
Endlich war seine Kraft, die psychischen Leiden noch länger zu ertragen, erschöpft. Er hatte das dunkle Tal der Schatten mit all seinen Schrecken durchwandert, und was er kurz zuvor als grenzenlosen Schmerz gesühlt hatte, glitt ab an der physischen Unmöglichkeit, seelische Qualen länger zu empfinden.
Dann plötzlich und unbemittelt floß wie ein warmer Blutstrom in einen erstarrten Körper die Hoffnung in sein Herz, die Hoffnung, die in keiner menschlichen Brust je ganz erlischt.
Er unterschätzte die Gefahren nicht, die ihn umgaben. Die Probm, die ihm daS teuflische Genie seiner beiden Feinde be- reits geliefert hatte, genügten ihm, zu erkennen, daß ihm nach einem sorgsam ausgearbeiteten Plan Fallen gestellt waren, in die er hineingehen mußte, um seinen Tod darin zu finden oder wenigstens langsam dem Tode zugesührt zu werden. Zwei große Gelehrte hatten die reichen Hilfsquellen ihrer Geistes herangezogen, um diesen Kerker für ihn herzurichten. Auf allen Seiten lauerten furchtbare Gefahren, und jeden Augenblick konnte der bewunderungswürdige Mechanismus, der ihn umgab, in Tätigkeit" treten. Aber de Toros sprach in feinem Brief von einer Woche. Er würde in dieser Zeit ohne Zweisel manche Schrecken durchleben, aber der letzte Schlag sollte erst später sollen und dieser Ausschub allein genügte schon, ihn mit Hoff- nung zu erfüllen.
Er war jung und stark, er hatte eine Waffe zur Bertei- digung und besaß vor allem gute Kenntnisse in der Wissenschaft der Mechanik und Elektrizität. Sollte es nicht möglich sein, bei äußerster Vorsicht die gestellten Fallen zu um» gehen?
Dieser Gedanke gab ihm den verlorenen Mut zurück. Gut denn, er wollte also Krieg sühren! Krieg gegen — etwas Unbekannter. Vergebliche Hoffnung! Aber hatte eine ausdauernde Hoffnung nicht stet» den Sieg davonge- tragen?
Und entschlossen schüttelte er Furcht und Trauer ab und wandte all« seine Gedanken der Selbsterhaltung zu. Mußte
IOV2 Uhr, von Wiesbaden kommend, aus Station Wildpark eingetroffen. Zum Empfang hatten sich eingesunden Ihre Majestät die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Eitel ^Friedrich, Prinzessin August Wilhelm und Prinz Oskar. Die 'Allerhöchsten Herrschaften begaben sich in Automobilen nach dem Neuen Palais.
Die „N. A. Ztg.- schreibt: Der Reichskanzler hat, wie wir hören, in Besprechungen mit sührenden Parlamentariern nochmals eindringlich aus die Nachteile hingewiesen, welche die Vertagung der Beratung deS Reichstages über die Wert- z u w a ch S st e u e r mit sich bringt. Insbesondere ist nicht zu verkennen, daß die Entwicklung der Verhältnisse aus dem Grundstücksmarkte bis zum nächsten Winter die Erträgnisse der ReichSsteuer wesentlich beeinflussen kann. Auch wird die Unsicherheit, in der sich die Gemeinden und teilweise auch die Bundesstaaten angesichts der zu erwartenden reich-rechtlichen Regelung befinden, nicht unerheblich verlängert. Wenn unter dem Zwang der Geschäftslage dennoch die Verabschiedung des Entwurfes jetzt unterbleibt, so erscheint es im allseitigen Interesse um so dringlicher, daß sie nach dem Wiederzusammen- tritt des Reichstages ohne Zeitverlust erfolgt.
Zum Kampf im Baugewerbe wird dem Deutschen Arbeitgeberbund für das Baugewerbe mitgeteilt, daß auch die Verbände von Berlin und Hamburg die allgemeine AuSsper- rung unterstützen, obgleich sie Sonderverträge mit den Arbeitnehmerorganisationen abgeschlossen haben. So achte der Verband der Baugeschäste von Berlin daraus, daß auSgesperrte Bauarbeiter in seinem VerbandSbezirk nicht eingestellt werden. Die Geschäftslage in Groß-Berlin sei so mangelhaft, daß nicht einmal ein großer Teil der ortsansässigen Gesellen Beschäftigung habe. Der Baugewerbeverband von Hamburg übe eine strenge Kontrolle über die Herkunft der zugereisten Bauarbeiter auS. Es bestehe auch in Hamburg fast keine Aussicht, daß zugereiste Gesellen dort in Arbeit kommen, da sogar die ansässigen Bauarbeiter zu einem Drittel beschäftigungslos seien.
Zu den Streikunruhen in Dünkirchen wird weiter berichtet, daß dort zur Ausrechterhaltung der Ordnung 4000 Soldaten eingetroffen sind. Die Zahl der Ausständigen beträgt 12 000. Die meisten Läden, insbesondere auch die Banken, sind geschloffen, da die Geschäftsleute ernste Ruhestörungen befürchten. Viele Straßen wurden von den Truppen abgesperrt, die auch den Hasen und die Besestigungen besetzt halten. Der Straßenbahnverkehr ist vollständig eingestellt worden.
Nach einer Meldung aus Deutsch-Ostasrika wird die Landschaft Süd-Unjungu von einer Räuberbande beunruhigt. Die Rebellen plünderten die regierungSgetreue Landschaft und töteten bei einem Angriff aus eine ASkari-Patrouille einen Askari. Ein Weitergreifen der Unruhen ist unwahrscheinlich. Hauptmann Brentzel ist mit IV2 Kompagnien gegen die Rebellen entsandt.
In der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin hielt heute P e a r y einen Lichtbildervortrag über seine Nordpolreise. Die Großherzogin von Mecklenburg, Staatssekretär Dernburg, Geheimrat Schmidt vom Unterrichtsministerium, Graf Zeppelin waren erschienen. Der Vorsitzende der Gejellschajt Gcheimrat Penck begrüßte die Versammlung. Als er den Namen Zeppelin nannte, brach die Verfammluug in nicht enden wollenden Beifall aus. Nach dem Vorfrage überreichte Geheimrat Penck Peary mit einer Ansprache die ihm von der Gesellschaft verliehene goldene Nachtigall-Medaille.
Hokroo«! eines jaWischen Untersteht.
Am 18, April ging bei einem Manöver in der Hiroschima- Bucht das japanische Unterseeboot Nr. 6 verloren. Ehe daS Boot wieder gehoben werden konnte, hatte die in ihm cinge- schloffene Besatzung, drei Offiziere und elf Mann, den Er- ftickungStod gefunden. Die hinterlassenen Auszeichnungen des Bootskommandanten, der, echt japanisch und zugleich echt seemännisch, die ganze Schuld an dem Unglück auf sich nimmt, obgleich sie nach Lage der Sache ihm wohl kaum beizumessen ist, geben in ihrer schlichten Einsachheit eine ergreisende Schilderung des letzten Kampses der eingeschlossenen gegen ein unerbittliches Geschick und zugleich ein Bild schöner seemännischer Tugenden, von denen die japanische Marine schon manche Probe geliefert hat. Wir lassen die Auszeichnungen im Wortlaut folgen:
„Mit großem Bedauern schreibe ich diese Meldung über den Verlust des Bootes sowie meiner Kameraden und Leute,
hier die MauS dem Löwen den Krieg erklären, so wollte sie wenigstens tapfer kämpfen, ehe sie sich verschlingen ließ.
Der Geist seiner mutigen Vorfahren erwachte in ihm, und der Mann, der sich vom Tisch erhob und in aufrechter Haltung dastand, war ein zur Schlacht bereiter Krieger.
Die Gewohnheit, seine Gedanken solgerichtig zu ordnen, die er durch lange Uebung in seines Vaters Geschäst angenommen hatte, tat ihm auch hier gute Dienste. Er sagte sich, daß eS feine erste Ausgabe sein mußt«, diese unheimliche Höhle, in die er geraten war, mit größter Vorsicht zu er- sorschen.
Er nahm daS schwere Schüreisen vom Boden auf und schritt der Tür zu, vorsichtig auftretend und mit jedem Schritt präsend, denn wer konnte wissen, welche verborgene Feder oder welche Versenkung sich unter dem dicken Teppich befinden mochte. Doch nichts ereignete sich. Er öffnete die Tür und trat wieder in die Halle, die wie zuvor leer war und von elektrischem Licht beleuchtet wurde.
Als sein Blick auf die Kiffen am Boden fiel, kam ihm der Gedanke, daß eins derselben ihm als eine Art Schild von Nutzen sein könnte. Er nahm es in die linke Hand, und, so ausgerüstet, öffnete er die Tür, welche sich der großen Eingangspforte gerade gegenüber besand. Eine breite, mit Teppichen belegte Treppe, die wie die Halle elektrisch beleuchtet war, lag vor ihm. Mit bitterem Lächeln bemerkte er, daß die Birnen in der Fabrik seines Vaters hergestellt waren. Nun stieg er langsam und unter Anwendung aller erdenklichen Vor- ficht die Stusen in die Höhe. Zwei lange Korridore liefen, der eine rechts, der andere links vom oberen Ende der Treppe aus, und jeder hatte eine Menge Türen.
Gilbert drückte mutig die erste Klinke nieder, und die Tür öffnete sich leicht. Das Zimmer, in welcher er eintrat, war als Schlafstube eingerichtet und die Scheiben der Fenster aus EiSglaS hergestellt, so daß er nicht inS Freie blicken konnte. Wie im Eßfaal, so befanden sich auch hier starke Eisenstangen vor den Fenstern. Nur eins derselben schien in halbseitigem Zustande von den Arbeitern zurückgelassen worden zu fein, denn eS fehlte daS Netzwerk daran, und im unteren Teil
der nur durch meine eigene Schuld veranlaßt worden ist. Ich möchte nur erwähnen, daß alle Schritte unternommen worden sind, um das Boot wieder an die Oberfläche zu bringen, und daß meine Leute kaltblütig und unverdrossen bis zum Ende gearbeitet haben. Ich ließ das Boot mit gehender Maschine tauchen; als ich aber sah, daß es zu tief ging, versuchte ich, die Eeeventile deS Ballasttanks zu schließen. Unglücklicherweise brach die Kette, die die Ventile bewegt, und ich war infolgedessen hilflos und ohne Herrschaft über daS Fahrzeug. Unterdessen füllten sich die Tanks mit Wasser, und daS Boot ging mit einer Neigung von 25 Grad weiter nach unten. Nach Berührung des GrundeS begann da- Wasser in daS Schiff einzudringen; daS Echaltbrett kam unter Wasser; das elektrische Licht versagte; ebenso die Notbeleuchtung, und daS Boot füllte sich mit giftigen Gasen, so daß wir nur unter großen Schwierigkeiten atmen konnten. Unter diesen Berhält- nissen arbeiteten wir mit äußerster Anstrengung an den Hand- pumpen, um den Hauptballasttank zu entleeren, waS uns, wie ich glaube, auch gelang, obgleich wir die Wasserstandsanzeiger in der Dunkelheit nicht ablesen konnten. Elektrische Kraft war, wie schon erwähnt, nicht mehr vorhanden, und unsere einzige Hoffnung, wieder an die Oberfläche zu kommen, lag ausschließlich in dem Betrieb der Handpumpen.
Ich schreibe dies bei dem trüben Licht, daS durch den Kommandoturm sällt. 11,45 Uhr vormittags.
Ich bitte Seine Majestät ernstlich, mir zu vergeben und den Familien meiner Leute, die ihr Leben in diesem dem Untergänge geweihten Boot verlieren, zu helsen. DaS ist mein einziger Wunsch. 12,30 Uhr nachmittags.
Ich kann nur noch mit Mühe atmen, obgleich ich über- zeugt bin, daß wir alles Heizöl auS den Tanks herausgepumpt haben müssen. Ich kann nicht weiter schreiben. 12,40 Uhr nachmittags."
Aus Provinz u. Nachdargedlet
p. Hersfeld, 9. Mai. (Die Eisheiligen.) Den drei Eisheiligen Mamertus, PankratiuS und Servatius, die ihr Regiment vom 11. bis zum 13. Mai ausüben, ist nicht zu trauen; erst wenn sie vorüber, ist es endgültig Frühling geworden. Dann erst holen die Gärtner, die bisher vorsichtig gewartet haben, die zarten Gewächse aus den Treibhäusern; denn Nachtfröste vernichteten gar oft die Früchte ihrer mühsamen Arbeit. Das Volk auf dem Lande rechnet ebenfalls mit dem Kälterückjchlag in diesen Tagen und hat feine Sprüchlein, die vor diesen Heiligen warnen:
Eh' Pankraz und Servaz vorbei, Ist nicht sicher vor Kälte der Mai.
Aber tröstend heißt es dann auch wieder:
Kein Reis nach Servaz, Kein Schnee nach Bonifaz.
Warum sich die drei Eisheiligen so rauh benehmen, ist nicht ganz ausgeklärt. Die Wissenschaft führt die oft unfreundliche Witterung dieser Tage auf die nördlichen und nordwestlichen Winde zurück, die in dieser Jahreszeit im nördlichen Teile des Atlantischen Ozeans vorherrschenden und ganz besonders kalt auftreten, weil sie von den Küsten Grönlands und Labradors kommen. Doch gibt es auch noch andere Erklärungen. Manchmal treten die drei gestrengen Herren auch inkognito aus, so daß man sie kaum erkennen kann. Dann hört man einige Tage später, daß sie schon in Rußland sind und dort die jungen Saaten und Obstbaumblüten vernichten. Ist aber St. Urban, der 25. Mai, gekommen, und hat man sie bis dahin nicht gespürt, so kann man sicher sein, daß sie uns verschont und eine andere Reiseroute eingeschlagen haben. Schon früh hat sich das Volk bemüht, dem von diesen drei gestrengen Herren drohenden Unheil durch Zauberkraft zu begegnen. Im Bergischen legte man solche den Glocken bei. So heißt es im Protokoll der belgischen Provinzial-Synode vom Jahre 1670: „Ist der Mayglocken halben angemertet worden, daß einige Gemeinen annoch zur Leutung derselben angehalten zu werden in sorgen stehen. Synodus Wirt dießeS gehörigen Orts beobachten, und helt dasür, daß kein Christ ohne Verletzung seines GewißenS, dem Befehl, die Mayglocken zu ziehen, gehorsame folge leisten könne.- An der untern Wupper wissen aber alte Leute noch heute, daß das „Mai- lükken- (Maiglockenleuten), das 1780 von der Landesregierung verboten wurde, nur zu dem Zwecke erfolgte, um dadurch die Nachtsröste zu verhüten. Allem Anscheine nach ist die Sitte des Maiglockenläutens nicht sehr verbreitet gewesen; sie bietet aber viele Berührungspunkte mit der namentlich in Westfalen vordem bekannten Hagelseier. Die Vielfeitigkeit deS Glocken- zaubers wird durch diesen belgischen Brauch nicht unwesentlich bereichert.
war die eine Querstange nur mit einem Ende in der Mauer befestigt.
Gilbert schritt rasch daraus zu. Bot sich hier vielleicht eine Chance zur Flucht, die seine Feinde übersehen hatten? Sollten sich ihm die Tore der Freiheit so bald wieder öffnen? War eS denn möglich, daß sich in der Mauer, die de ToroS um ihn errichtet hatte, ein schwacher Punkt be- sand?
Die eine halb besestigte Eisenstange konnte nicht mit Elektrizität geladen sein. Seine technischen Kenntnisse sagten ihm, daß der Strom hier nicht geschlossen war, und völlig ruhig legte er die Hand daraus. Die Vermutung traf zu, es war eine gewöhnliche Eisenstange, nicht« weiter.
Er öffnete langsam den einen Fensterflügel und stieß ihn aus.
Endlich! Vor ihm streckte sich daS wohlbekannte Heide- bewachsene Moor von Iorkshire, und weiterhin am Horizont erschien der Rauch seines geliebten Moorchester im Hellen Sonnenlicht wie purpurner Nebel.
(Fortsetzung folgt.)
— Wie unang ene hm ein Doppelgänger werden kann, bewies eine Gerichtsverhandlung in Berlin. War da ein junger Müßiggänger auf der Straße von einer jungen Dame als der Gardeleutnant Soundso angesprochen worden, mit dem er eine auffallende Aehnlichkeit besaß. Der junge Herr hielt die ihm zugeworsene Rolle fest, ließ sich in den Kreisen der Dame auch als Oberleutnant einsühren und lebte herrlich und in Freuden. Nun erfuhr aber ein verlassenes Schätzchen des richtigen Leutnants von dem Treiben des vermeintlichen Ungetreuen und flug» schrieb eS dem Oberst der betr. Regiments einen langen Schreibebries. Der richtige Leutnant wurde zum Oberst besohlen, um hier ein heilige« Donnerwetter in Empfang zu nehmen, verlies aber den Gestrengen als Reingewafchener, da man dahinter kam, daß eine grobe Mystifikation vorliegen müsse. Bald hatte man denn auch die Streich« deS Doppelgängers ausgedeckt. Der ausgebrachte Leutnant klagte und der Doppelgänger erhielt 300 Mark Geldstrafe.