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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa

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Herrfel-er KrasW

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 54.

Sonnabend, den ? Mai

1910.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 3. Mai 1910.

Die Leiter der ländlichen Fortbildungsschulen des Kreises mache ich aus den ersten BandAus dem Urborn unserer Volkskrast" des von dem Kreisschulinspektor Dr. Theodor KrauSbauer ° Wreschen herausgegebenen WerkesDeutsches Bauerntum" mit dem Bemerken ausmerksam, daß das Buch zur Verwendung als Prämie für Schüler ländlicher Fort­bildungsschulen geeignet erscheint.

Das gebundene Werk wird bei einem Sammelbezuge zum Vorzugspreise von 3 Mark abgegeben.

I. 4391. Der Landrat

von GruneliuS.

Gefundene GegenKLnde.

Eine Peitsche. Meldung des Eigentümers bei dem Orts­vorstand zu Harnrode.

teil

Reichstag.

Der Reichstag schlägt jetzt angesichts seiner bevorstehenden Sommervertagung in seinen Arbeiten sichtlich ein beschleunigtes Tempo ein. So erledigte er am Mittwoch die Novelle zum Posttoxgesetz in dritter Lesung debattelos durch ihre definitive Annahme. Dann wurde die Tags zuvor begonnene Spezial- beratung der Vorlage, betr. die Entlastung des Reichsgerichtes, fortgesetzt, wobei die Erhöhung der RevisionSjumme wieder eine Hauptrolle spielte. Schließlich wurde der KommissionS- beschluß, die Revisionssumme von 2500 auf 4000 Mk. zu er- Höhen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Mehr- zahl des Zentrums angenommen. Auch die noch restierenden übrigen Bestimmungen fanden fast sämtlich in der KommissionS- sassung Annahme, unter ihnen Art. 8 (Erhöhung der Gebühren in der Berufungs- und Revisionsinstanz) durch Hammelsprung mit 104 gegen 98 Stimmen. Den Antrag des Zentrums­abgeordneten Schmidt-Warburg aus Streichung der Artikel 8 und 9 lehnte das Haus ab. Schon vorher war ein Antrag desselben Abgeordneten, der die Zulassung der Beschwerde bei Verweigerung des Armenrechtes verlangte, verworfen worden. Angenommen wurde zuletzt noch eine Resolution der Kom­mission, wonach eventuell ein neuer Zivilsenat beim Reichs­gericht eingerichtet werden soll. In zweiter Lesung gelangte dann fast debattelos die Novelle zur Rechtsanwaltsordnung zur Annahme. Im weiteren Verlause der Sitzung verab­schiedete der Reichstag das Stellenvermittlungsgesetz in dritter Lesung, welches überwiegend nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt wurde. Zum Schlüsse beriet noch der Reichstag den Gesetzentwurf betr. die Deckung der Ausstands­kosten in Deutsch-Südwcstasrika, in dritter Lesung. Es fand eine nochmalige ausgedehnte und lebhafte Generaldiskussion statt, in welcher es wiederum zu einer scharfen Auseinander- sitzung zwischen dem Zentrumsabgeordneten Erzberger und dem Kolonialstaatssekretär Dernburg wegen dessen Politik in Süd­westafrika kam. In der Spezialdebatte wurde dann der Ent­wurf kurzer Hand in der Fassung zweiter Lesung angenommen. Am Donnerstag fiel die Reichstagssitzung wegen des Himmel- sahrtsfestes aus.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus nahm gestern daS gesamte EtatS- gesetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. Die Debatte zog sich bis in die späten Nachmittagsstunden hin. Beim Bauetat stritt man sich stundenlang um den sogenannten Küstenkanal, wobei es sich wieder einmal herauSstellte, daß bei lokalen Interessen die Parteiunterschiede sich verwischen. So waren die Abgg. Hahn (kons.), Träger (Dp.) und Dr. v. Wagner (freitonf.) für den Bau der genannten Wasserstraße, während das Oberhaupt EmdeS Herr Fürbringer die Interessen seiner Vaterstadt gegen die Geestemündes und Bremens ver- teidigte, unterstützt durch dm Abg. v. Arnim (tonf.). Die Regierung nahm hier einen vermittelnden Standpunkt ein. Beim Justizelat, der nun folgte, stand in erster Linie die in letzter Zeit vielerörterte Frage der Anstellung der Assessoren im Vordergrund der Erörterung. Sie wurde angeschnitten durch den Abg. Caffel (Vp.). Der Justizminister legte aus­führlich die Grundsätze seines RessortS dar und verwies die Auffassung, daß die Assessoren nach dem Prädikat JöreS Examens in drei Klassen geteilt mürben, in das Reich der Fabel. Bei ihrer Anstellung soll, so erklärte Herr Beseler, neben dem Ergebnis deS Examens vor allem die praktische Betätigung be­rücksichtigt werden. Auch würden einem Assessor, der sich nicht bewähre, zunächst Vorhaltungen gemacht, und erst bei ihrer Erfolglosigkeit verzichte man aus seinen Dienst. Nach der Er­ledigung deS Etats gab eS noch eine längeze Geschäftsord- nungSdebatte. ES handelte sich darum, ob, wie der Präsident wollte, die Verschärfung der Geschäftsordnung am Freitag auf

die Tagesordnung gesetzt werden solle. Am heftigsten wurde dieser Absicht natürlich von sozialdemokratischer Seite wider­sprochen. Nicht weniger als dreimal sprach Herr Borgmann. Er verschanzte sich hinter den Beschluß des Seniorenkonvents, daß nach dem Etat alle Initiativanträge behandelt werden sollten. Sowohl Herr von Heydebrand wie Frhr. v. Zedlitz gaben ihm darin recht, aber sie betonten beide den außerge­wöhnlichen Fall, und der Abg. Herold (Z.) wies daraus hin, daß schon des öfteren solche Beschlüsse nicht innegehalten wer­den konnten, weil sich die Situation geändert habe. Die Ab­stimmung ergab eine große Mehrheit für den Vorschlag des Präsidenten v. Kröcher. Dagegen stimmten die National- liberalen mit Ausnahme deS Abg. V. Schubert, die Volks- Partei, die Polen und Sozialdemokraten.

Mt In- «na Ausland,

Berlin, den 5. Mai 1910.

Aus WieSbaden wird gemeldet: Um 11 Uhr begann am Mittwoch vormittag die Parade, welche stets während deS Frühjahrsausenthalts deS Kaisers hier abge­halten wird. Beim Kurhause hatten Ausstellung genommen: das Füsilier-Regiment von Gersdorff (KurhessischeS) Nr. 80, die Unteroffizierschule in Biebrich, das 2. Nassauische Infanterie- Regiment Nr. 88 und daS 2. Nassauische Pionier-Bataillon Nr. 25. Der Kaiser in der Uniform der Gardes du Corps mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens und dem Feld­marschallstab ritt nach dem Paradeplatz, begleitet vom General­obersten von Plessen, dem Chef deS Militärkabinetts General der Infanterie Freiherr von Lyncker und den Flügeladjutanten Oberstleutnant von Friedeburg und Major Freiherrn von Holzing. Die beiden Schwestern des Kaisers, die Kronprinzessin von Griechenland und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen hatten sich im Wagen, der vierspännig ä la Daumont ge­fahren wurde, vorher dorthin begeben. Der Parade wohnten auch der Kommandierende General von Eichhorn und der Kriegsminister von Heeringen bei. Zahlreiches Publikum be­grüßte den Kaiser mit lebhaften Zurufen. Die Parade wurde kommandiert vom Generalmajor Freiherrn von Süßkind (Kommandeur der 41. Infanterie-Brigade). Der Monarch ritt die Front der Truppen ab und nahm dann, vor dem Kurhause haltend, einen Vorbeimarsch in Zugkolonnen entgegen. Hieraus führte er die Fahnenkompagnie deS Füsilier-Regiments von Gersdorff nach dem Schlosse zurück, wo er eine Reihe militärischer Meldungen entgegennahm.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz vollendet am 6. d. das 28. Lebensjahr.

Ueber die vom Bundesrat in seiner letzten Sitzung be­schlossenen Ausführungsbestimmungen zu Münzgesetzen schreibt man: Es hat sich herausgestellt, daß die seit dem 1. Oktober 1908 außer Kurs gesetzten Talerstücke noch immer in Zahlung gegeben werden, wodurch dem Empfänger infolge deS verminderten Silberwertes ein Verlust von etwa 1,80 M. für jedes Stück entsteht. Um nun in Zukunft eine Ver­wechselung mit den neuen Dreimarkstücken zu verhüten, sollen alle Reichs- und Landeskafsen sowie Bankinstitute, bei denen der Versuch gemacht wird, Talerstücke in Zahlung zu geben, diese durch Anweisung kenntlich machen. Die aus diese Weise gekennzeichneten Münzen werden dann dem Einzahler zurück­gegeben. Eine weitere Bundesratsverordnung bezieht sich aus die Einziehung der Reichskassenscheine zu 20 und 50 Mark auS den Jahren 1882 und 1899. Nachdem im Jahre 1906 die Ausgabe von ReichSbanknoten in Höhe von 20 und 50 Mk. erfolgt ist, e-schien es angemessen, die Reichs- kaffenscheine in gleicher Höhe einzuziehen, sodaß in Zukunft nur noch Kasscnjcheine von 5 und 10 Mk. vorhanden sein werden. Um nun diese Einziehung zu beschleunigen, soll vom 1. Januar 1911 ab die Einlösung der zur Einziehung gelangenden Kassenscheine nicht mehr bei der Reichshauptkasse, sondern nur noch bei der Hauptstelle der Reichsschuldcnvcr- waltung erfolgen. Man nimmt an, daß eine solche Ver­ordnung eine schnellere Abstoßung der Scheine auS dem Ver­kehr verursachen wird. Der Gesamtbetrag der ReichSkaffenjcheine wird jedoch keine Aenderung erfahren; er belauft sich auch weiterhin aus 120 Millionen Mark. Für die eingezogenen Scheine von 20 und 50 Mark werden in demselben Betrage solche von 5 und 10 Mark auSgegeben.

Die projektierte Fahrt deS Grafen Zeppelin mit seinem Lenkballon nach Wien gilt nunmehr als ge- sichert. Nach den vorläufigen Abmachungen hierüber trifft Graf Zeppelin mit dem ,Z. 3" am 6. Juni in Wien ein und landet auf der Simmeringer Heide, wobei Kaiser Franz Joses zugegen sein wird.

Die Ursachen der Katastrophe desZ. 2' werden im Reichstage besprochen werden. Der Berl. Ztg. wird darüber auS Köln gemeldet: Hervorragende Palamen- tarier werden, mit den nötigen Unterlagen ausgerüstet, Ge­legenheit nehmen, im Reichstage die Gründe darzulegen, die die Katastrophe deS ,Z. 2" verursacht haben. Sie sollen in der Hauptsache darin zu suchen sein, daß zwischen der militä­rischen und der technischen Leitung deS Zeppelinkreuzers nicht

das Einvernehmen herrschte, das namentlich dann nötig ist, wenn ein Offizier das Kommando über den Ballon sührt, der noch nie eine Dauerfahrt, geschweige denn eine Nachtfahrt bei stürmischem Wetter mitgemacht hat. Der Reichstag ist nicht nur berechtigt, sondern, da das verloren gegangene Luftschiff Reichseigentum war, sogar verpflichtet, der Angelegenheit nach- zugehen. Wird Klarheit geschaffen, so ist das offenbar ein Verdienst. DieBerl. Korresp." schreibt: Es ist wohl selbst­verständlich, daß die Militärverwaltung, sobald sie mit einiget Sicherheit die Vorkommnisse, die zum Verlust desZ. 2" ge­führt haben, geklärt hat, der Oeffentlichkeit das Ergebnis mit­teilen wird. Eins steht jedenfalls schon Aute fest, die Be- Hauptung, der Kaiser habe den Befehl zur Fahrt nach Homburg gegeben, oder dazu aufgefordert, trifft nicht zu. Die Fahrt ist vielmehr von den Kölner militärischen Dienststellen auS eigenem Antriebe veranlaßt worden. Seine Majestät hatte sogar auf die schwankenden Witterungsverhältnisse im Taunusgebiet aufmerksam gemacht. Die Leitung der Lust­schiffübung glaubte jedoch, an ihrer Ansicht festhalten zu dürfen, da die Wetterberichte nicht ungünstig lauteten.

Das Verordnungsblatt des bayrischen Kriegsministeriums gibt die Genehmigung des Abschiedsgesuches des Kommandierenden Generals des III. bayrischen Armee­korps Freiherrn von der Tann bekannt unter Verleihung des GroßkreuzeS des Verdienstordens der Bayrischen Krone und Stellung 5 la suite deS 11. Infanterieregiments sowie die Ernennung des Kommandeurs der 1. Division Frhrn. Kreß von Kressen st ein zum Kommandierenden General des III. Armeekorps unter Beförderung zum General der Kavallerie.

Der Pforte macht der Arnautenausstand in Nord­albanien doch noch immer zu schaffen. Konjulardepeschen aus Mitrovica melden, daß am 3. Mai von Djakova und Prizrend her heftiges Gewehrfeuer, in welches sich öfters Kanonendonner mischte, vernehmbar war. Es heißt sogar, Djakova sei in die Hände der Rebellen gefallen, was eine immerhin bedenkliche Schlappe für die Türkei bedeuten würde. Drei Kilometer von Mitrovia erbeuteten die Arnauten einen großen türkischen Munitionstransport, wobei sie drei Offiziere töteten und gegen 100 Mann der Bedeckung gefangen nahmen. Bei MarawSbalka sand ein Kamps zwischen einer türkischen Truppenabteilung und einer starken Rebellenschar statt, letztere wurde zersprengt. In dem letzten Kampfe am Katschamikpasfe, der mit der Einnahme des Passes durch die Türken endigte, hatten die Türken nach der vom KriegS- ministerium veröffentlichten Verlustliste 27 Tote, darunter drei Offiziere, sowie 94 Verwundete. Die Arnauten verloren an- geblich allein an Toten 500 Mann.

DaS britische Marineluftschiff, das in Barrow in Furneß seiner Vollendung entgegengeht und im nächsten August oder September seinen Probeausstieg unternehmen soll, wird in der heutigen Daily Mail des näheren beschrieben. Das Luftschiff übertrifft an Größe jedes früher gebaute, denn eS wird mit 500 Fuß über ein Achtel länger als der größte Zeppelin. Das Gerippe besteht anstatt aus Aluminium aus einem sowohl leichteren als auch haltbarem Metall. Der Gasballon hat neun Abteilungen, die aber nicht alle aus dem gleichen Material hergestellt sind. Vielmehr sind zur Er­mittlung des geeignetsten verschiedene Stoffe verwendet worden, darunter eine Art fehl dünnen, waffer- und luftdichten Tuches, eine neue englijche Erfindung. Die Propeller find noch nicht endgültig gewählt; die, mit denen augenblicklich experimentiert wird, haben vier Flügel und zehn Fuß Durchmesser. Man hofft damit eine Geschwindigkeit von über 70 Kilometer in der Stunde zu erzielen, die von zwei 200 Pjerdekrästc starken Wolselcy-Motoren geliefert werden sollen. Die Gondel wird zur Ausnahme einer Besatzung von zwanzig Mann eingerichtet und mit einem Apparat für drahtlose Telegraphie versehen. Nach der Daily Mail soll daS Luftschiff an her Nordfecküste stationiert werden und vornehmlich Kundschafterdienste leisten.

Die persische Regierung steckt plötzlich eine sremdenseindliche Haltung heraus. In der Provinzhauptstadt TäbriS ist ein Erlaß des Ministers deS Innern eingegangen, welcher die Bestätigung eines jeden Kauf- Vertrages mit Ausländern untersagt, falls der Verkauf nicht vorher bie Genehmigung des persischen MinisterS deS Aeußern gefunden hat. Dies steht im Widerspruch zu dem Vertrage von Turkmetfchaisk und beeinträchtigt den Handel mit Rußland. Die Agenten des persischen Ministers deS Aeußeren zu Urmia und Täbris berufen sich auf diesen Befehl und weigern jede Bestätigung gesetzmäßiger Kaufkontrakt mit russischen Untertanen. Sicherlich wird sich die russisch- Re- gierung diese Behandlung der russischen HandelSrnicressen in Persien nicht gefallen lassen.

Saatenstand am 1. Mai.

Die letzten Märztage brachten empfindliche Nachtfröste, die sich im April in geringerer Stärke noch häufig wiederholten. Im allgemeinen war die Witterung deS April, abgesehen von einigen ^agen, ziemlich kühl und trocken. Die zweite MonatS- hälste brächte zwar die erwünschten Niederschläge, abn nach