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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 53.
Donnerstag, den 5. Mai
1910.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 2. Mai 1910.
Im Monat April d. Js. sind von mir den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
1. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 2/4. dem Maurer Heinrich Heyer in Kathus,
„ 29/4. „ Ober-Post-Assistenten Klebe in HerSfeld, mit Gültigkeit vom 1. 5. 10. ab,
b. unentgeltliche: Keine!
2 Tagesjagdscheine:
„ 18/4. „ Bierbrauereibesitzer Christian Ulrich in Psung» stadt bei Darmstadt.
Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 2. Mai 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister deS Kreises, welche meine Verfügung vom 7. April d. JS. I. A. 2613 — Kreisblatt Nr. 45 — betreffend Einreichung einer Nachweisung über die in der Zeit vom 1. April 1905 bis dahin 1910 für Landwege- bauzwecke ausgewendeten Geldbeträge noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 7. Mai d. JS. wiederholt erinnert.
Bei Nichteinhaltung dieser Frist werde ich eine Strafe von 5 Mk. gegen jeden Restanten festsetzen.
A. 2613. Der Landrat
von GruneliuS.
Hersseld, den 29. April 1910.
Der aus Donnerstag, den 19. Mai d. Js., in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntge- gebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 6 Uhr morgenS begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und Mustern von Vieh zwecks HandelS innerhalb des Stadtbezirkes vor und während der Dauer des Marktes verboten.
I. 4317. Der Landrat.
3. V.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil
Zunr Hiininelfahrtrfest*.
Es schmückte sich mit ihrem schönsten Kleide Zum Feste rings die prangende Natur.
Die menscbenfaiieT
Von Guy Thorne.
(Fortsetzung.)
Ramon de ToroS streckte seinem Partner die Hände entgegen.
„Ah, waS für ein Genie Sie sind!* rief er. „Es gibt keinen zweiten wie Sie, Julius! Verzeihen Sie meine vorhin ausgesprochenen Zweifel. Dieser Plan muß gelingen, alles greift vortrefflich ineinander, und überdies wird auch ein Wiedersehen zwischen Gilbert Atherton und Sadie vermieden."
„Ja", erwiderte Wilshire, „er wird Sadie in diesem Leben nicht wiedersehen."
„O", sagte der Spanier mit grausamem Lächeln, „die ganze Woche wird er sich sehnen und sehnen, und am Ende der- selben, wenn er hoffen kann, daß seine Sehnsucht gestillt wird — wird er hier auswachen, um eine andere Woche zu durchleben, wie sie kein menschliches Wesen je durchlebt hat, so lange die Welt steht."
„Ja, Ramon", erwiderte Wilshire und lachte brutal, „zwei solche Köpfe wie unsere gibtS in der Welt nicht mehr, die das erfinden könnten."
„Da haben Sie recht", stimmte der Spanier zu. „Eine vollkommenere Maschine zur langsamen Vernichtung eines Menschen läßt sich nicht denken. Ich werde die ganze Woche anwesend sein und den Fortschritt jeder Stunde beobachten. Ich werde sehen, wie des jungen Mannes Gesicht alt und runzlig wird, wie sein braunes Haar sich in Grau und von Grau in Weiß verwandelt. Ich werde sehen, wie sein Körper zu- sammenschrumpft und wie zuletzt daS aller übcrtrcffendc Ende kommt."
„Sie sind willkommen bei diesem Schauspiel", antwortete Wilshire. „Ich werde die Ausführung der Arbeit Ihnen, Willy und Kennard überlassen. Gilbert Atherton interessiert mich nicht persönlich. Ich treffe den Vater durch den Sohn."
Wie blitzt und funkelt ringS daS Perlgeschmeide
Viel tausendfarbig aus der FrühlingSflur;
Wie feierlich in ungemeßner Weite
Erglänzt deS Himmels leuchtender Azur!
Nun mag daS Menfchenherz nicht länger warten, Sich zu ergehn in GotteS schönem Garten.
Ihm klingen leise noch die Osterglocken
Gleich mildem Geisterruse mahnend fort.
Da jauchzt eS aus in seligem Frohlocken,
Und wahr und wahrer wird daS Osterwort;
In seinen heil'gen Tiefen, froh erschrocken,
Erkennt'S des LebenS wunderbaren Hort:
Mag auch der Schöpfung Pracht zurück eS halten,
Nach oben drängen stärkere Gewalten.
Denn himmelan! DaS ist die Losung heute,
Die siegsbewußt aus Feld und Flur erklingt;
Und wie, erwacht zu neuer Lieder Freude,
Die Lerche sich empor zum Aether schwingt
Und alles, was deS rauhen Winters Beute,
Dem Erdenstaube machtvoll sich entringt, So sollst auch du, o Mensch, dein Herz erheben, Nach höhrem Ziele sollst du rastlos streben!
♦ * *
Der Tag der Himmelfahrt Christi erinnert die Welt an den Triumph deS Göttlichen über das Menschliche. Mit der Himmelfahrt schließt die Erdenlaufbahn des Heilandes, die im Himmel ihren Ursprung hat. Wie könnte eS auch anders fein? Nur Wenn er außerhalb der irdischen Schranken steht, kann Christus eine ewige, allumfassende Wirksamkeit und Herrschaft auSüben. Mit der Botschaft „ausgefahren gen Himmel" wird eS uns erst gewiß, daß ein Himmelreich ist, nicht nur als ein Traum, der uns die rauhe Wirklichkeit zu verklären bestimmt ist, sondern alS Tatsache, vor der das Vergängliche wie Schein und Schatten flieht.
Keine Zeit vermag dasür mehr Zeugnis abzulegen als die Gegenwart. Nie war daS Weltleben entfalteter und die Welterkenntnis gesteigerter und die Weltkraft mehr im Dienste deS Menschen. Hat sie darum Genüge in sich? Unsere Wissenschaft steht fragend vor den höchsten Problemen, aber nur wer von oben Licht hat, findet sich unten zurecht. Di° gewaltigsten Reiche, die größten Kulturmächte trägt die Gegenwart, aber sie heben sich gegenseitig in ihren Krästen und Wirkungen aus. Sie verlangen nach einer Macht, die ihren Schwerpunkt außerhalb ihrer Kreise habe, und wenn wir uns die Männer ansehen, die am segensreichsten gewirkt haben, so werden wir finden, daß eS jederzeit solche waren, die im innersten Kern ihres Wesens etwas hatten, daS nicht von dieser Welt ist. Und wie steht es mit dem Lebensglück der Menschen? Man frage nur die, die am reichsten und mächtigsten auf der Erde sind, ob sie sich mit all ihrem Hab und Gut auch nur einen Augenblick haben erkaufen können, von
„Eins müssen Sie mir noch sagen", begann de Toros wieder. „Wie und wann gedenken Sie Sir William von dem Schicksal seines SohneS in Kenntnis zu setzen? Und wie denken Sie, daß e- geschehen kann, ohne daß wir dabei Gefahr lausen."
„Auch daS habe ich bereits erwogen", antwortete Wilshire. „DaS wird das Ende sein, daS in meinen Augen unser Werk krönt, und auf daS ich neunundzwanzig Jahre gewartet habe!"
„Erzählen Sie doch!" drängte Ramon.
„Nein", antwortete der Amerikaner langsam. „Das behalte ich für mich; das habe ich allein zu tun, und das Wie geht Sie nichts an. Sie haben Ihren Anteil an der Arbeit schon erhalten."
In diesem Augenblick mußte Kennard oder Willy in dem unterirdischen Gewölbe den Strom von den Akkumulatoren zu dem Dynamo geleitet haben, denn die elektrischen Lampen erstrahlten Plötzlich in blendendem Licht.
De Toros goß etwa- Whisky in sein Glas, und, es erhebend, rief er:
„Da ich den Wirt in der Menschensalle spielen werde, will ich mein GlaS daraus leeren, daß der Gast, den wir erwarten, während seines Aufenthaltes hier ein ungetrübtes Glück genießen möchte! Ein seltener Tod und ein verschwiegenes Grab für Gilbert Atherton!"
Der Mann aus dem Fußboden träumte; er träumte einen höchst phantastischen Traum — ohne Anfang und Ende, einen Traum, der auS einer schwindelerregenden Vorwärtsbewegung bestand.
In tiefem, narkotischem Schlaf befangen, hatte er die Empfindung, mit rasender Geschwindigkeit durch die Dunkelheit zu fliegen. Seine Sinne waren verwirrt und wie gelähmt. Er sah nichts, er sühlte nichts, er hörte nur das surrende Geräusch von etwas, daS durch die Dunkelheit raste, dasselbe Etwas, von dem er ein Teil zu sein schien — daS jagende stoßende, surrende Etwa-. ES war, als sei sein Körper vollkommen verschwunden, und nur daS Bewußtsein einer
dem sie wahrhaft befriedigt waren. Es gilt im 20. Jahrhundert wie im ersten, daß die selig sind, die das Himmelreich haben- Nur wer sich den Himmelsfrieden in die Seele senkt, der schafft die Bedingung zu wahrem Erdenglück.
‘ Zu allen Zeiten hat eS Feinde der christlichen Weltan» schauung gegeben, die ihren stolzen Menschengeist vor der göttlichen Majestät nicht beugen mochten und aus salsch verstandener „Wissenschaftlichkeit" entweder den zerstörenden Zweifel an der Wahrheit der christlichen Heilsbotschaft nährten oder offen und ungescheut die Unsterblichkeit als Hirngefpinst bewitzelten und den Zweck unsere? irdischen Lebens als einer vorbereitenden Pilgerfchast leugneten. Die heutige Zeit bietet einen ganz besonders günstigen Boden für das übermäßige Emporwuchern der religionsseindlichen Bestrebungen. Die Angriffe gegen die Religion haben ausgehört, sich aus Kundgebungen einzelner Geister zu beschränken. Es geht eine immer mächtiger anschwellende religionSseindliche Strömung durch die Welt, die in der Gestalt eine? zersetzenden Skeptizismus sich zeigt oder im fanatischen Materialismus zum Ausdruck kommt, der auch vor den widerwärtigsten Folgerungen seines salschen Vordersatzes, daß der Stoff alles sei, nicht zurückschreckt.
Vor dem hoheitsvollen Glänze den der HimmelfahrtStag ausstrahlt, müssen jene falschen Lehren erbleichen. Inmitten der Fluten des Unglaubens, die sich bergehoch heranwälzen, steht der Felsen deS Christentums ruhig und unerschütterlich. An ihm, an dem großen Gebote der Nächstenliebe, prallen alle Scheinbeweise und Scheingründe der geistreichelnden Zweifler ab, an ihm zerschellen Selbstsucht und Eigennutz; und deshalb werden sich alle die, die noch ein Ideal im Herzen tragen, immer wieder zu den Lehren des Christentum- bekennen. Weltliche ^v^ta^ .innen vergehen und verwehen, aber das Christentum ist unvergänglich; denn seine Kraft wurzelt über der Erde. Die letzten Ziele der Menschheit werden erst in einer reineren Spähre erfüllt werden; darum wird auch das Christentum erst mit dem letzten Menschen von der Erde verschwinden. Dessen ist der Himmelfahrt-tag ein gnadenvolleS Zeugnis vor aller Welt!
StrtWt W des I - WttMrms.
Große nationale Vereine verfolgen in allen Ländern hohe Ideale, deren Erreichung immer eine langwierige Ausgabe ist. Deshalb stellen solche Vereine im Eifer für ihre gute Sache auch oft Forderungen auf, welche die Zeitgenossen nicht zu erfüllen geneigt sind, weil dazu die finanziellen Mittel fehlen, oder weil solche Forderungen polttische Bedenken erwecken. Auch der Deutsche Flottenverein ist zuweilen in solchen Tendenzen etwas zu weit gegangen, wenn er bei der löblichen Arbeit und Propaganda für das Verständnis der Notwendigkeit der Vergrößerung der deutschen Flotte am liebsten verlangt
wilden Bewegung zurückgeblieben — einer sortwährenden Bewegung.
Weiter und weiter, unermeßliche Stunden mit dem Geräusch in den Ohren und dem Gesühl der Bewegung — weiter und weiter, und immer Geräusch, und immer Bewegung I
Dann hörte Gilbert Atherton einen anderen Laut, der das surrende Geräusch unterbrach. Es war ein Laut, den er selbst hervorbrachte, als sich der Schleier der Bewußtlosigkeit ein wenig lüftete und die Besinnung zurückkchrte. Er knirschte heftig mit den Zähnen, und er hörte das Knirschen.
Dann fing er an zu stöhnen und sich zu bewegen — er hörte es — aber er wußte nicht, daß er es war — so wunderbar sind die Grenzen, in welche Seele und Gehirn während der Bewußtlosigkeit und deS Schlafes gebannt sind.
Endlich fing der Körper an, fein Recht zu behaupten und daS Uebergewicht zu erlangen. Ein prickelndes, stechendes Gefühl verbreitete sich über die ganze Haut und er erwachte. Das Blut wurde warm und strömte schmerzend durch die Adern. Die Zunge klebte am Gaumen, der Mund war wie ausgedörrt, und er hatte einen Geschmack, als hätte er an Messing gesaugt.
Schwer und langsam öffneten sich die Augen, und sein leerer Blick ruhte auf der unbekannten Umgebung. So saß er eine kleine Weile, dann kam allmählich Leben und Verstehen in seine Züge. Er sah, er fühlte, er lebte wieder und augenblicklich drückte sein Gesicht ein grenzenloses Erstau- neu aus.
Wo war er? Wie war er hierhergekommeu und war war dies für ein sonderbarer Ort?
Er lag am Boden, sein Kopf ruhte aus zwei Kissen, und der linke Arm war mit einem Strick an seinen Leib gebunden, nicht eng angeschnürt, aber gut und sicher befestigt. Der recht- Arm war frei, aber die Füße an den Knöchelgelenken mit Stricken gefesselt.
Mit einiger Schwierigkeit gelang es ihm, in eine sitzende Stellung zu kommen. Sein Gesicht war blaß und die Züge scharf, als hätte er eine lange Krankheit durchgemacht,