Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, m
FDer Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. , Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährter««««
Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. S2.
Dienstag, den 3. Mai
ISIS.
Amtlicher teil
HcrSscld, den 25. April 1910.
In der Kreistagssitzung am 9. April d. JS. ist die Erhebung einer allgemeinen Kreissteuer in Höhe von 33% der sämtlichen direkten Staatssteuern für daS Rechnungsjahr 1910 beschlossen worden. Neben dieser allgemeinen Kreissteuer sind von den Landgemeinden und Gutsbezirken des Kreises, mit Ausnahme der früher mit Landwegebauausgaben nicht belasteten Gemeinden Frielingen, Heddersdors, Kalkobes und Niederjossa noch 7200 Mark als Beiträge zur Kreiswegesteuer auszubringen. Dieser Betrag stellt weitere 50/0 der sämtlichen direkten Steuern dar.
Aus die Stadt HerSseld, die vorgenannten vier Landgemeinden und den Fiskus entfallen hiernach für daS Etatsjahr 1910 33% der sämtlichen direkten Staatssteuern als Kreis- steuern, während alle übrigen Gemeinden und Gutsbezirke 33 und 5% = 38% zu entrichten haben. Das Veranlagungsschreiben wird den Herren Ortsvorständen in Kürze übersandt werden. Binnen 3 Tagen ist mir anzuzeigen, an welchem T a g e das VeranlagungSschreiben eingegangen ist.
Es ist darin von den im Interessengebiet der Bahn Hers- seld—Heimboldshausen gelegenen Gemeinden auch ein Betrag an Zinsen für den Grunderwerb dieser Bahn in anteiliger Höhe angefordert worden.
Ich ersuche alsbald nach Empsang deS Veranlagungsschreibens die Gemeindekasse mit Zahlungsanweisung zu versehen. Die Kreissteuer ist wie bisher, einschließlich des Zinsbetrages, in vierteljährlichen Raten und zwar bis zum 15. Mai,, 15. August, 15. November und 15. Februar an die KreiSkommunalkasse hier einzuzahlen. Bei jeder Zahlung ist daS Veranlagungsschreiben zur Erteilung der Quittung hieraus mitvorzulegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 3223. von Grunelius.
Hersseld, den 28. April 1910.
Am 1. Mai d. Js. wird der öffentliche Wetterdienst wieder ausgenommen und während des Sommers in gleicher Weise wie bisher durchgesührt werden.
Indem ich erneut auf die außerordentliche Bedeutung des Wetternachrichtendienstes für die ländliche Bevölkerung Hinweise, empfehle ich Interessenten den Bezug der Wetterkarten.
Die Herren Bürgermeister haben für die Gemeinde wie in den Vorjahren auch diesmal aus den Bezug der Wetterkarten zu abonnieren.
I. 4286. Der Landrat.
I. V.:
W e s s e l, KreiSfekretär.
Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni
1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Be
Die Menschenfalle.
Von Guy Thorne.
(Fortsetzung.)
Bei diesem höhnischen Scherz sah be Toros aus und lachte widerwärtig.
„Ich denke, wir sind so ziemlich fertig," antwortete Willy, und kein Muskel seines Gesichts zuckte.
Kennard saß schweigend da; er hatte den Kops geneigt, das Gesicht war totenbleich, und seine Hände zitterten.
„Kann in einer Woche alles bereit fein?" fragte Wilshire. „Die Sache ist eilig; es ist unmöglich geworden, sie länger aus- zuschieben. Und wenn Sie Tag und Nacht arbeiten sollten, es muß geschafft werden. Senor de Toros und ich werden Ihnen behilflich sein, soviel wir vermögen."
„Meiner Meinung nach können wir'- schaffen", sagte Willy.
„Sie müssen!" erwiderte Wilshire, aber ein beifälliges Kopfnicken begleitete die herrischen Worte. „Nun hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe. Acht Tage wird es also dauern, bis wir mit den Vorbereitungen fertig sind, weitere acht Tage werden vergehen, ehe der Zweck, zu dem wir dieses alte Schloß erworben haben, erreicht ist. Nach dieser Zeit entlasse ich euch aus euren Verpflichtungen. Ihr könnt nach Amerika heimkehren, wenn ihr Lust habt, und die vereinbarte Summe wird euch ausgezahlt werden. Einen Tag vor Absahrt bei DampserS von Liverpool werde ich jedem von euch die Dokumente zurückgeben, durch die ich euch zwang, mir bei der Ausführung dieses Unternehmens hier behilflich zu sein. Ihr werdet dann nicht nur freie, sondern auch wohlhabende Männer sein, und kein Mensch in der Welt wird ein Wort gegen euch sagen können."
Als er geendet hatte, hob ein tiefer Seufzer der Erleichte- rung Kennards Brust, und aus Willys gleichgültigem Gesicht brach ein Strahl freubiger Hoffnung.
„Donnerwetter," sagte er, „eine ganze Woche soll eS noch dauern, bi» wir fertig sind? Ich wünschte, die Arbeit könnte
fähigung zum Betriebe des HufbeschlaggewerbeS wird hierselbst am Sonnabend, den 25. Juni d. I., vormittags 9 Uhr, in der Schmiede des Obermeister- Schade, abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter Porto- und be- stellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mark bis spätestens den 13. Juni an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. der Geburtsschein, ;
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
ES werben nur solche Schmiede zugelassen, die daS 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich ausgehalten haben.
Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüsung zugelassen werden.
Cassel, am 9. April 1910.
Der Vorsitzende der staatlichen Husschmiede-Prüfungs- kommission deS Regierungsbezirks Casfel:
Veterinärrat Buch, Wolssschlucht 13.
Hersseld, den 28. April 1910.
Wird veröffentlicht.
I. 4248. Der Landrat.
J. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Jagdverordnung.
Für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel wird auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 die Eröffnung der Jagd auf Rehböcke auf Dienstag, den 17. M a i 1910, festgesetzt.
Cassel, den 15. April 1910.
Der Bezirksausschuß zu Cassel. ♦ *
Hersseld, den 28. April 1910.
Wird veröffentlicht.
I. 4235. Der Landrat.
I. V.:
W es sei, KreiSfekretär.
nkbtamtlkber teil.
Abgeordnetenhaus.
Im Abgeordnetenhaus zog sich die Debatte über daS Medizinalwesen sehr in die Länge. Allerlei hatten die Redner zu wünschen und auSzusetzen. Bald war von der SäuglingS-
in einem Tage gemacht werden. Mich gehen Ihre Streitigkeiten ja nichts an, und ich habe weder nach der einen noch nach der anderen Richtung hin ein Interesse, aber ich möchte aus Ihrer Gewalt kommen, und ich kann erst wieder anfangen zu leben, wenn ich frei bin. Und so denkt auch Kennard, glaube ich."
Wilshire lachte, nicht unfreundlich, aber mit der Ueber- legenheit bei Herrschers.
„Ich muß euch schon sesthalten", sagte er. „Ich würde schwerlich andere Männer gesunden haben, die mir bei meiner Arbeit hier beigestanden hätten. Und wenn ich auch mitunter drohte, ich würde euch die Folgen, von dem zu kosten geben, was ihr verbrochen habt, so ist die Drohung doch nie in die Tat umgesetzt worden. Im ganzen könnt ihr über die Be- Handlung nicht klagen, denke ich, und ich sage es frei heraus, daß ich nie geschicktere Arbeiter gehabt habe oder zu haben wünsche. Und jetzt noch eins: Selbst wenn Senor be ToroS oder ich euch nicht für zuverlässig hielten, so würden wir doch nicht sürchten, daß ihr unS verraten könntet, denn ihr würdet bei einer Anzeige euch selbst beschuldigen und die Strafe mit erdulden müssen. Doch daS wißt ihr, darüber brauchen wir wohl nicht zu sprechen. Nun gießt noch einen hinter die Binde, und dann nach unten und mit aller Kraft weitergeschustet. Stemmt die Schultern an, JungenS!"
Die beiden Arbeiter verließen ohne ein Wort der Erwiderung den Eßsaal. Es schien, als hätte ihnen die unheimliche Arbeit, die sie verrichteten die Lust zu sprechen, geraubt.
AlS sie gegangen waren, kehrte sich Wilshire zu de ToroS.
„Nun," sagte er, „die beiden werden die Sache bis zum Ende durchhalten. Aber waS bleibt ihnen auch übrig! Zwanzig Jahre wären jedem von ihnen sicher, wollte ich den Mund ausmachen. Sie sind ausgezeichnete Arbeiter, und sie haben nur den einen Wunsch im Leben, mich so schnell wie möglich loszu- werden. Ich wette also, daß die Arbeit in einer Woche getan sein wird."
„Ich weiß, ich weiß", erwiderte be ToroS. „Aber waS haben wir jetzt zu tun?"
ste> blichkeit, bald von den Hebeammen die Rede. Der sozialdemokratische Abgeordnete Hirsch klagte über das WohnungS- elend in den Großstädten, und der Abg. v. Wenden (kons.) forderte staatliche Fürsorge für die Diakonissen. Der Kulturminister sagte ihm die staatliche Unterstützung feiner Bestrebungen zu. Herr Vachnicke (Vp.) schnitt die Frage der Feuerbestattung an und fragte, warum das angekündigte Gesetz noch nicht vorgelegt würde. Sein Fraktionsgenosfe Peltasohn hatte antisemitische Tendenzen beim Britzer Krankenhaus entdeckt. Dort soll angeblich der dirigierende Arzt keine jüdischen Kollegen wünschen. Herr v. Trott erwiderte, daß für die Krankenhäuser keine Verpflichtung bestehe, Praktikanten aufzunehmen, die Annahme solcher stehe in ihrem freien Ermessen und die Regierung dürfe keine Vorschriften machen. Diese Erklärung bei Ministers genügte Herrn Cassel (Vp.) nicht. Doch da er infolge Schlusses der allgemeinen Debatte nur im Rahmen einer persönlichen Bemerkung reden konnte, so konnte er nur sein Bedauern ausdrücken, daß die Erklärung bei Ministers mit der Rechtslage und der Verfassung nicht verträglich sei. Es folgte nun die SpezialdiSkussion mit den üblichen Wünschen lokaler Natur. Endlich war der KultuSetat erledigt. Das HauS nahm dann ohne Debatte den Etat der StaatSschulden- verwaltung und ebenso den über die Ansiedlungskommission in zweiter Lesung an. Ueber die letztere soll erst bei der Beratung der Denkschriften verhandelt werden. Hieraus wurde der Etat des Abgeordnetenhauses vorgenommen.
Reichstag.
Im Reichstage begann am Freitag die zweite Lesung bei Gesetzentwurfes über die Deckung der AusstandsauSgaben für Deutsch-Südwestafrika. Nach dem verhältnismäßig kurzen Bericht bei Referenten der Budgetkommission, Abg. Dr. Semler, (nat.-lib.), ergriff der Zentrum-abgeordnete Erzberger das Wort zu einer scharfen Rede gegen den Staatssekretär des Kolonial- amteS Dernburg, dem er namentlich zu großes Entgegenkommen gegenüber den Kolonialgesellschaften in Südwestafrika vorwarf und ihm vorhielt, er wechsle stets seine Meinung. Im übrigen plädierte Herr Erzberger nochmals für feinen in der Budgetkommission gestellten Antrag, einen Teil der Kriegskosten in Deutsch-Südwestafrika durch eine außerordentliche Vermögens- und Einkommensteuer der dortigen besonders reich Begüterten zu decken. Staatssekretär Dernburg trat den Erz- bergerschen Angriffen und Darlegungen in unleugbar geschickter Weise entgegen, bezeichnete eine Sonderbesteuerung Südwest- asrikas als unmöglich und rechtfertigte seine gesamte von Erz- bcrger besehdete Kolonialpolitik in diesem Schutzgebiet. Daneben warnte der Staatssekretär vor einem schroffen Vorgehen gegen daS in Südwestafrika assortierte Kapital, welches die deutsche Weltmacht auf dem Weltmärkte barfteUe. Auch trat der Staatssekretär energisch für die Wahrung bei kolonialen Budgetrechtes bei Kaisers ein. Im weiteren Verlause der Freitagssitzung sprachen noch die Abgeordneten Dr. Dröschcr
„Mein Plan ist fertigt sagte Wilshire. „Doch erst beantworten Sie mit eine Frage: Wünschen Sie auch jetzt noch, Sadie zu heiraten, nachdem Sie gehört haben, was zwischen ihr und jenem Burschen geschehen ist?"
De ToroS beugte sich vor.
„Der Gedanke daran ist furchtbar für mich," antwortete er, „aber ich glaube nicht, daß ei sich bei ihr um mehr ali eine Laune oder Einbildung handelt, die meine heftige Liebe zerstreuen wird. Ehe sie nicht mein Weib ist, habe ich keine Macht über sie und bin in allen meinen Handlungen gehemmt. Gehört sie mir erst, so bin ich sicher, daß sie der Kraft meiner Liebe nicht widerstehen kann."
Wilshire zuckte die Achseln. Obgleich er zeit seines Lebens die Liebe zu einer Frau im Herzen getragen hatte, die das Weib seines Feindes war und deren Sohn sein irrer und kranker Geist zu verderben trachtete, so konnte er doch nicht glauben, daß Ramon de Toros liebte, wie er es tat.
„Gut!" antwortete er kurz. „Ich wollte nur wissen, wie Sie darüber denken. Ich werde jetzt an Sir William Atherton schreiben und den Antrag seines SohneS annehmen."
Der Spanier erbleichte unter seiner gelben Farbe.
„Verräter!" zischte er.
„Seien Sie kein Narr!" erwiderte Wilshire kalt. „Wirklich, ich bitt zuweilen versucht zu glauben, daß Sie verrückt sind. Können Sie nicht einsehen, daß ei absolut notwendig ist, das zu tun?"
„Absolut notwendig, daß Ihre Tochter den Mann heiratet, den wir im Begriff stehen, zu verderben?"
„Bemühen Sie sich nicht, mich mit Ihren Augen zu hypnotisieren", sagte Wilshire verächtlich. „Wer spricht vom Heiraten? Ernste Ausgaben erwarten uns jetzt, und sie können nur erfüllt werden, wenn wir Gilbert Atherton in dem Glauben lassen, daß er der Verlobte meiner Tochter ist. In einer Woche kann er dann verschwinden."
„Gewiß, in einer Woche!" sagte be ToroS." Aber wozu dann vorher die Verlobung?"
„Weil wir dadurch einmal bedeutend leichter an den Mann herankommen können und zweitens dann kein Mensch gegen unS Verdacht schöpfen wird.