Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. va ........— ^ ^.^ ' ....... । > ■ ■^■«-‘■l
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herrselder Armblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 48. Sonnabend, den 23. April 1910»
Amtlicher teil.
Cassel, den 19. August 1887.
Mitte Mai und Oktober findet alljährlich in dem mit dem hessischen Diakonissenhause verbundenen Seminar zur Ausbildung von Kleinkinderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Ausnahme neuer Zöglinge statt. Der CursuS deS Seminars ist einjährig.
Die Pension für den Cursus, Unterricht eingeschlossen, be- trägt 330 Mark.
Anfragen sind zu richten
An den Vorstand deS DiakonissenhauseS bei Cassel. Post- station Wehlheiden. (3. A. I. Nr. 8852.)
Königliche Regierung, gez. Unterschrift. ♦ *
Hersfeld, den 18. April 1910. Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 19. April 1910.
Durch Allerhöchste Ordre vom 23. Februar 1910 sind die nachstehenden Aenderungen der Dienstvorschrift über Marschgebührnisse bei Einberufungen zum Dienst pp. angeordnet worden.
Ich mache die Gemeindebehörden deS Kreises hierauf besonders aufmerksam, und erwarte, daß die gegebenen Bestimmungen in Zukunft genau beachtet werden:
a. Vom 1. April 1910 ab sind den zur Einberufung gelangenden Mannschaften die Marjchgebührnisfe nur nach der Angabe aus dem Urlaub-paß oder Gestellungsbefehl zu zahlen. Voraussetzung ist hierbei, daß der angegebene Aufenthaltsort mit dem tatsächlichen übereinstimmt. Die Zahlung ist zu ver- weigern, wenn dies nicht zutrifft.
b. Aus dem Urlaubspaß oder Gestellung-befehl ist durch Hinzufügung des Wortes „erfolgt" bezw. „verweigert" und unter Beidrückung des Dienstsiegels in allen Fällen zu bescheinigen, ob die Zahlung der Marschgebührnisse erfolgt ist, oder ob sie nach vorstehendem verweigert werden mußte. Gleich- zeitig weise ich die Ortsvorstände des KreiseS an, die Marsch- geldertabellen, welche ihnen nach meiner Verfügung vom 17. Februar 1886, Nr. 1862 (im Kreisblatt Nr. 22) übersandt worden sind, alsbald an das Königliche Bezirks-Kommando hier zurück zu reichen,
I. M. 841, Der Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Unter den Gegenständen der inneren Politik steht die preußische Wahlrech ts vorlage naturgemäß nach wie vor im Vordergründe des Interesses, und allerseits sieht man ihrem endgültigen Schicksal mit größter Spannung ent- gegen. Die Wahlrechtskommission des Herrenhauses hat an der Vorlage einige wichtige Aenderungen vorgenommen. So ist derselben ein neuer Paragraph eingejügt worden, durch den bestimmt wird, daß das preußische Wahlgesetz im Falle seines Zustandekommens künftig nur mit einer Zweidrittel-Stimmen- Mehrheit in beiden Häusern deS Landtages abgeändert werden dürfe. Gegen diese Neuerung haben sich sowohl der Minister des Innern wie der Ministerpräsident mit aller Schärfe erklärt und keinen Zweifel darüber gelassen, daß eine solche Bestim- mung für die StaatSregierung unannehmbar ist. Ferner ist von der Wahlrechtskommission deS Herrenhauses der Versuch gemacht worden, in der Frage der Drittelung der Steuerdeträge zwischen der von der konservativ-klerikalen Mehrheit deS Ab- geordnetenhauseS festgehaltenen Drittelung nach Urwählerbe- zuken und den aus Drittelung in den Gemeinden abzielenden Wünschen der Mittelparteien einen Kompromißweg durch Schaffung besonderer DrittelungSbezirke zu finden. Demgegenüber hat aber eins der führenden Zentrumsblätter bereits erklärt, daß durch jede, auch die leiseste Abweichung von der Drittelung in Urwahlbezirken die Wahlrecht-vorlage für daS Zentrum unannehmbar gemacht würde. So ist die Lage zurzeit nicht gerade auSsichtsvoll. Wir möchten aber trotzdem die Hoffnung auf Erziclung eines positiven, den Staatsinteressen dienenden Ergebnisses noch nicht aufgeben, zumal sich ja daS Herrenhaus in der Geschichte der preußischen Gesetzgebung schon mehrfach als der ausgleichende Faktor erwiesen hat, dem eS gelungen ist, für Widerstreitende Parteimeinungen und Interessen die einende Formel zu finden.
Die Reichstagsnachwahl in Lyck-Oletzko- ^o h a n n i S b u r g hat mit einem Siege deS nationalliberalen Kandidaten geendet. DaS Ergebnis kam höchst überraschend, da der betreffende Wahlkreis seit lange im unbestrittenen Vesttze der Konservativen war und als ihre sicherste Hochburg galt. Es zeigt sich hier aufs deutlichste, was die Wahltechnik vermag, und wie auch in den sichersten Wahlbezirken eine stete
Fühlungsnahme deS Abgeordneten beziehungsweise der im Besitze befindlichen Partei mit der Wählerschaft absolut notwendig ist. Leider legt der Ausgang der in Rede stehenden ReichStagswahl zwei Befürchtungen nahe: einmal die, daß dadurch die Nationalliberalen in ihrer Meinung von der Richtigkeit ihrer Linksschwenkung und ihrer Frontstellung gegen die Konservativen bestärkt werden dürften, und sodann die, daß dadurch der gegenwärtig zwischen Konservativen und Nationalliberalen tobende Kampf noch an Schärfe und Erbitterung gewinnen werde. Beides erscheint vom Standpunkte des vaterländischen Gemeinwohls aus höchst bedauernswert, und wir möchten daher nicht verfehlen, den Wunsch an die beiderseitige Parteipresse zu richten, daß die Akten über den Wahlkampf in Lyck-Oletzko-Johannisburg sobald wie möglich geschlossen würden.
In England verschärft sich die inner; Krisis immer mehr und mehr. DaS Unterhaus hat die Vetobill, durch die das Oberhaus degradiert werden soll, angenommen. Von dem Oberhause aber ist nicht zu erwarten, daß es an der Untergrabung seiner Stellung mitarbeitet, und so wird es natürlich die Vetobill ablehnen. Premierminister ASquith hat deshalb zu dem letzten Mittel gegriffen, indem er ankündigte, daß er den Weg des Appells an die Krone beschreiten werde. Seine Aeußerungen in dieser Hinsicht waren zwar etwas orakelhaft, doch sind sie wohl so zu deuten, daß er den Monarchen einen PeerSschub zu empfehlen beabsichtigt. Indessen ist an einen Peersschub schwerlich zu denken, bevor nicht die Wahlen noch einmal gesprochen haben. So erscheint es wohl kaum mehr zweifelhaft, daß die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen in England unmittelbar bevorstehen.
Auch in Frankreich rückt der Termin der Wahlen immer näher. Hier und da tritt das Bestreben hervor, die Einführung eines neuen Wahlmodus, nämlich des Proportional- wahlsystemS, welches auch die Minderheiten zur Geltung bringt, zur Wahlparole zu machen. Im übrigen aber herrscht eine geradezu staunenerregende Wahlmüdigkeit und Gleichgültigkeit in den Wählermassen. Es ist der Ueberdruß an dem parlamentarischen Regierungssystem und den mit ihm zusammenhängenden Korruptionserscheinungen, die sich hierin auSspricht, und die progressistische „Republique Francaise" dürste recht haben, wenn sie meint, das Volk interessiere sich deshalb nicht mehr für die Wahlen, weil die Kandidaten nicht mehr um ihre Ideen, sondern um ihre Kammersttze kämpften, und daS sei der Nation gleichgültig. Nur hier und da wird die Wahlstille einmal durch AuSbrüche des sozialistischen Terrors scharf unterbrochen. Beispielsweise wurde kürzlich in Paris der Saal einer Wahlversammlung, die Minister Millerand ein- berufen hatte, mit Steinen bombardiert, so daß Millerand sich zurückziehen mußte, ohne zu Worte gekommen zu sein. So hindern einige zügellose Burschen einen Kandidaten und eine Versammlung von Wählern an der Wahrnehmung ihrer konstitutionellen Rechte. Das sind in Wirklichkeit die Früchte der radikaldemokratischen Doktrinen, mit denen die Parteien der Linken uns auch in Preußen beglücken möchten.
In Albanien ist der Aufstand von der Türkei rasch unterdrückt worden, so daß jetzt wieder verhältnismäßige Ruhe aus dem Balkan herrscht. In China endlich sind im Jangtsegebiete Unruhen ausgebrochen, die man auf zufällige Ursachen lokaler Natur zurückzuführen sucht, und deren anti- europäischer Charakter bestritten wird. Immerhin aber dürste unter den mancherlei Motiven dieser Unruhen doch auch der Fremdenhaß eine Rolle spielen.
Abgeordnetenhaus.
Im Abgeordnetenhaus kam es gestern wie nach der vorgestrigen Rede des Abg. Heß vom Zentrum gegen den deutschen Lehrerverein vorauSzusehen war, zu einem heftigen Zusammenstoß der Linken mit dieser Partei. Schon Herr von Kardorff (frkonf.), der im übrigen die Schulverhältnisse der Provinz Posen in einem recht trüben Licht erscheinen ließ, sprach die Befürchtung auS, daß die Angriffe des Zentrums gegen jenen Verein nicht der Uebertreibung entbehrten. Weit heftiger wehrte sich dagegen der Volksparteiler Schepp, der selbst dem geschmähten Lchrerverein angehört. Er nahm ihn gegen den Vorwurf der Irreligiosität in Schutz und bezeichnete diese Lehrer als ebenso gute Patrioten, wie das Zentrum. Die Behauptung des Dr. Heß, der die Aeußerungen einiger radikaler Mitglieder des Vereins auf die gesamte Lehrerschaft übertragen habe, nannte er leichtfertig. Herrn Schepp kam der nationalliberale Dr. Friedberg zu Hilfe; er beschäftigte sich weniger mit dem eigentlichen Gegenstand des Streites, sondern er sah vielmehr in der ganzen Aktion einen Angriff des Zentrums. Seine Rede wurde, wie die seines Kollegen von der VolkSpartei durch häufigen Widerspruch aus der Mitte des HauseS unterbrochen. Auch die Vorgänge in Elsaß-Lothringen spielten wieder eine Rolle. Dem ange- grissenen Zentrum ward Beistand von der Rechten, durch den Pfarrer vom Rhein, Herrn Hcckenroth, der sich gegen die freidenkerischen Pläne des deutschen Lehrervereins wandte und sich als ein Gegner eines auf Forschungen beruhenden Religionsunterricht- bekannte. Die Erregung deS Hauje-
fidgerte sich noch, als der Abg. Heß, der, wie er sagte, mit seiner vorgestrigen Rede in ein Wespennest gestochen habe, sich verteidigte. Er tat es nicht ohne Geschick und mit Schlag- fertigkeit. Natürlich sah er sich nicht widerlegt und behauptete, noch mehr Material zu besitzen. Auch einen Ordnung-ruf holte er sich, als er dem Abg. Friedberg vorwarf, ihn in elender Weise denunziert zu haben. Nach Herrn Heß kam nochmals Herr Schepp und dann wieder Herr Heß. Ein Antrag auf Schluß der Debatte machte dann endlich dem Geplänkel, das sich immer mehr auf daS Persönliche zuspitzte, ein Ende. Das Haus trat nun in die Einzelberatung deS Elementarunterrichtswesens ein.
Reichstag.
Der Reichstag führte am Mittwoch zunächst die erste Lesung der ReichsversicherungSordnung zu Ende und verwies den Entwurf an eine besondere Kommission. ES sprachen an diesem letzten Tage der Generaldebatte über die ReichSverfiche- rungSordnung noch die Abgeordneten EnderS (fortsch. Bolksp.), Schmidt-Berlin (soz.), Linz (Reichsp.) und Burckhardt (wirtsch. Vereinig.) Nach vorläufiger Erledigung dieser Vorlage nahm das Haus die kürzlich abgebrochene Generaldebatte über die Fernsprechgebührenordnung wieder auf. Sehr entschieden sprach sich der Zentrumsabgeordnete Nacken gegen die Regierungsvorlage wegen der in ihr enthaltenen Verteuerung und Erschwerung des Telephonverkchrs aus. Auch die Abgeordneten Beck-Heidelberg (nat.-lib.), Dr. Südekum (soz.) und Linz kritisierten mehr oder weniger abfällig den Entwurf, während die Abgeordneten Gras Westarp (kons.), Kämpf (sortsch. Bolksp.) und Herzog (wirtsch. Vereinig.) sich etwas freundlicher zu dem Entwurf stellten. Regierungsseitig versuchte der Staatssekretär deS ReichspostamteS Krätke, die gegen die ReichsversicherungS- vrdnung in ihrer jetzigen Gestalt vorgebrachten Bedenken zu entkräften und sprach die Hoffnung auf eine Verständigung in der Kommission aus. Am Donnerstag beschäftigte sich der Reichstag u. a. mit dem Gesetz betr. das Reichsschuldbuch und mit Rechnungssachen.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 21. April 1910.
S e. Majestät der Kaiser besuchte gestern mit den in Homburg v. d. H. eingetroffenen hohen Marineoffizieren die Erlöserkirche und machte mit ihnen einen Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags 4 Uhr fuhren Ihre Kaiserlichen Majestäten mit der Prinzessin Viktoria Luise nebst Gefolge aus die Saalburg, wo der Kaiser den Admiralen von Fischel und von Müller die baulichen Anlagen und die inneren Einrichtungen erläuterte, und wo auf dem Hof deS Prätoriumt der Tee genommen wurde. Um 7 Uhr wohnten die Majestäten mit der Prinzessin und Gefolge einem geistlichen Kon- zert in der Erlöserkirche bei, das der Sängerchor deS Lehrer- vereins zu Frankfurt a. M. auf Wunsch Ihrer Majestäten gab. Das Konzert war sehr gut besucht. Der bewährte Chor sang unter Leitung des Professors Maximilian Fleisch. — Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute vormittag um HVa Uhr den Geheimen Baurat Professor Jacobi, um ihn zu seinem 74. Geburtstag zu beglückwünschen und verweilten längere Zeit in seiner Wohnung. Die Kaiserin verehrte ihm persönlich ein mit der Kaiserkrone geschmückte- Bild, welches die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise darstellt. Der Kaiser hatte schon vorher sein lebensgroßes Bild von dem Maler Lasziv in prächtigem Rahmen übersandt. Beide Bilder trugen die eigenhändige Unterschrist der Dargestellten.
Die in der Donnerstag-Nacht geplante Dauerfahrt der drei Luftschisse P. 2, M. 1 und Z. 2, die nach Nachrichten aus Homburg v. d. H. daS Ziel dorthin haben sollte, hat des unerwartet eingetretenen, für die Luftschiffahrt ungünstigen Wetters wegen unterbleiben müssen. Alle Vorbereitungen für die Veranstaltung waren getroffen worden und noch am späten Abend rechnete man zuversichilich aus den Aufstieg. Es herrschte bis gegen Mitternacht säst völlige Windstille ; dann aber setzten Regen und Wind ein, der immer heftiger wurde und schließlich Aufstieg und Fahrt der Luft- kreuzer vereitelte. Gegen 2 Uhr nachtS wurde der Windmesser-Ballon aus der Halle gezogen und eine Viertelstunde später ausgelassen. Man registrierte zunächst eine Windgeschwindigkeit von 8 Sekundenmetern, die sich indes fortgesetzt steigerte. Als man gegen 2% Uhr mit dem Scheinwerfer das Gelände ableuchtete, bestand wohl wohl noch die Zuversicht an die Ausführbarkeit des Planes. Diese schwand indes fast völlig, als sich dann starker Nebel über das Gelände legte, sodaß von unten der Windmesser-Ballon fast unsichtbar wurde. Der Wind steigerte sich und wurde böig; man schob den Beginn des Unternehmens immer weiter hinaus, bis morgens gegen 6 Uhr daS Einziehen des Windmeffer-BallonS und die Rückfahrt der Offiziere nach der Stadt den draußen Harrenden verkündete, daß die Absicht der Fernfahrt vollends ausgegeben sei.
In der großen Krisis im deutschen Bauge