Psa. bei einem Stundenlohn bis unter 30 Pfg-, 20 Pfg. bei einem Lohn von 30 Pfg. bis unter 40 W unb W biS tu 1 Mark bei einem Stundenlohn von 75 Pfg. und mehr. Durch Marken werden die Beiträge, welche wöchentlich zu entrichten sind, in die Legitimationskarte geklebt.
Streikunterstützung wird während der ersten vierzehn Tage der Aussperrung nicht gezahlt. Im übrigen richtet sich dieje nach der Höhe des Beitrages, nach der Dauer der Mitglied- schaft und dem Familienstand. Die Unterstützungsberechtigten sind in drei Klassen geteilt. Die Unterstützung ist m den höchsten Klasse für Verheiratete von 10 blS 18 Mark, für Ledige von 8 bis 16 Mark festgesetzt, in der zweiten Klasse sollen 8 bis 16 Mark resp. 6 bis 14 Mark und in der dritten Klasse 7 bis 12 Mark, resp. 6 bis 10 Mark gezahlt werden. Außerdem erhalten verheiratete Maurer für jedes schulpflichtige Kind 1 Mark wöchentliche Unterstützung. Die Familien ab- qcrcistcr verheirateter Verbandsmitglieder sollen noch Ablaus der vierzehntägigen Karenzzeit die Hälste des Unterstützungssatzes erhalten, dieser fällt aber fort, falls die Familienhäupter in der Nähe des Streikgebiets Arbeit oder höhere Löhne be- kommen, als in dem Streikgebiet, in dem sie vorher beschäftigt
waren, üblich war. r m r r,,^
Im Deutschen Arbeitaeberbund für das Baugewerbe schätzt man die Zahl der Ausgesperrten aus etwa 200 000 Mann, jedoch kann diese Zahl nach oben oder nach unten hin um 10* bis 25 000 vamren.
Die Nachricht, daß sämtliche Jndustrieverbände Deutschlands in nächster Woche in Berlin zusammentreten werden, um die Höhe der den Arbeitgebern im Baugewerbe zu bewilligenden Summen festzusetzen, dürfte in dieser Form unrichtig sein, jedenfalls ist an maßgebender Stelle hiervon noch nichts bekannt. Der Zentralverband deutscher Industrieller lZechen- verband, Kohlensyndikat) hat seine Stellung bereits in voriger Woche genommen. Wahrscheinlich dürfte der Zusammentritt erst erfolgen, wenn die Angelegenheit sich weiter entwickelt hat.
Schweres Baüonungluck.
Eschwege, 17. April. Die Hülle des B a l l o n s D e° litzsch, der gestern von Bitterfeld aufgestiegen war, wurde heute bei Reichensachsen aufgefunden. Der Ballon ist anscheinend während des Gewitters vom Blitz getroffen worden. Alle vier Insassen sind tot.
Es waren der Kaufmann Karl Lust aus Bitterfeld als Führer, der seine 25. Fahrt unternahm, Herr Leuchsenring von der Luftfahrzeug-Gesellschaft, der den Münchener Ballon der Gesellschaft führen sollte, und die Herren Hoecker und Graupner aus Leipzig. Der Ballon ist gestern abend 6 Uhr 15 Minuten am Werke Elektron II aufgestiegen. Er gehört dem Bitterselder Verein. Der Aufstieg ging sehr glatt von statten. Es herrschte fast völlige Windstille und der Ballon zog in langsamer Fahrt in westlicher Richtung davon.
E s ch w e g e 18. April. Der verunglückte Ballon Delitzsch ist gestern abend gegen 6 Uhr in Bitterfeld mit vier Insassen ausgestiegen. Die Fahrt ging über Halle, Niedereich- städt, Kölleda und Sömmerda. Um 12 Uhr passierte der Ballon Eisenach in 450 Metern Höhe. Um diese Zeit scheint er in einen Gewittersturm geraten und nach Südwesten ge- tricben worden zu fein. Ueber dem Dorf Reichensachsen ist der Ballon vermutlich vom Blitz getroffen worden und mit großer Geschwindigkeit zur Erde gestürzt. Von dem furcht- baren Anprall der Gondel auf dem Boden zeugen die schweren Verletzungen der Verunglückten. Aus dem Antlitz des einen ist deutlich die Todesangst ausgeprägt. Alle hielten die Hände krampfhaft geballt. Bei zweien zeigen sich Zeichen von Blitzschlag, jedoch glauben die Aerzte, daß der Tod erst durch den furchtbaren Anprall der Gondel aus den Boden verursacht worden ist. Der Sturz muß mit sehr großer Schnelligkeit vor sich gegangen fein, denn der Ballon ist fast senkrecht niedergestürzt. Ein Ortsbewohner wurde nachts gegen 1 Uhr durch ein Krachen aus dem Schlaf geweckt. Er glaubte, es habe der Blitz eingeschlagen. Da er aber nichts bemerken konnte, begab er sich wieder zur Ruhe. Heute morgen 6 Uhr, als er nach den Ställen ging, fand er den Ballon in den Zweigen eines Kilschbaumes hängend und die Gondel mit den vier Insassen zerschmettert auf der Erde liegen. Die Leichen wurden nach Feststellung deS TodcS durch den Kreisarzt nach Eschwege gebracht.
Aus Provinz u. ßachbargebiet.
):( Hersfeld, 18. April. Am gestrigen Sonntage, vormittags 11 Uhr, fand in Gegenwart deS Königlichen Landrats Herrn von Grunelius und dessen Gemahlin in der Kirche zu Un terh a u n die feierliche Einführung der Diakonisse Fräulein Mathilde Weimar, und damit zugleich die Eröffnung einer weiteren Diakonissenstation in unserem Kreise statt. Bekanntlich hatte der Kreis HerSfeld s. Zt. aus Anlaß der Silbernen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen Majestäten einen Fonds, der zur Zeit über 15 000 Mk. be» frügt, gestiftet, aus dessen Zinsenertrag Diakoniffenstationen innerhalb des Kreises errichtet werden sollen. Die erste derselben wurde, wie erinnerlich, in Sorga für das Kirchspiel Petersberg eingerichtet. Im Anschluß an den Hauptgottesdienst vollzog Herr Studiendirektor Merzyn aus Hof- geismar im Austrage des Vorstandes des Hessischen Diakonissenhauses die Einführung der Diakonisse für das Kirch- spiel Unterhaun, zu dem die Gemeinden Unterhaun, Rotensee und Oberhaun gehören. An diese kirchliche Feier schloß sich noch im Großkurth'schen Saale eine Nachseier an, zu der sich außer den Mitgliedern des PresbyteriumS und der Gemeindevertretungen u. a. Herr und Frau Landrat von Grunelius, Herr und Frau Pfarrer Gonnermann-Hersfeld, Herr Amtsrat F r e i s e - BingarteS, die Herren Bürgermeister von Unterhaun und Rotensee, sowie die Herren Lehrer aus den zum Kirchspiel gehörigen Gemeinden einfanden. Auch nahmen mehrere Diakonissen von hier wie von Sorga und Wchrda an der Feier teil. — Dem Vorstände deS Hessischen Diako- nissenhauses sei auch an dieser Stelle besonderen Dank dasür ausgesprochen, daß er trotz der vielen an ihn herantretenden, nrcht überall gleich zu befriedigenden Wünsche um Entsendung von Schwestern zur Gemeindepflege, in Anerkennung des hier vorliegenden dringenden Bedürfnisses die Entsendung einer Diakonisse möglich gemacht hat. Nicht minder Dank gebührt Herrn Landrat von Grunelius für seine Bemühungen, oiefe segensreichen Einrichtungen unserem Kreise immer mehr zugute kommen lassen zu wollen. Es wäre zu hoffen und
"^"ichen, daß die Bewohner des Kirchspiels Unterhaun volles Vertrauen zu ihrer neuen Helferin fassen und ihre Hilfe in allen Fällen in Anspruch nehmen möchten. Bald werden sie erkennen, welch ein Segen von dieser Einrichtung einem leöem ohne Unterschied des Standes zu teil wird. - Die « 2'legrne und schön eingerichtete Wohnung der D akonisse befindet sich in dem Hause des Herrn Schneider- Meister, B o ß, direkt an der Herrfeld-Fuldaer Landstraße.
8 Hersfeld, 18. April. Verliehen: der Titel „Ober-Post- affiftent" den Postassistenten Köhler und Schotte in Hersfeld. — Versetzt: der Postverwalter Schneider von Altmorschen nach Heringen (Werra), der Postverwalter Schwer von Heringen (Werra) als Ober-Postassistent nach Cassel.
w Hersfeld, 18. April. Herr Hauptmann B eier von der hiesigen Kriegsschule hatte am Sonnabend früh daS Jagd- glück im Bezirke der Oberförsterei Niederaula einen kapitalen Auerhahn zu erlegen.
):( HerSfeld, 18. April. In der hiesigen Freimaurerloge fand am gestrigen Sonntage unter außer- gewöhnlich großer Beteiligung eine solenne Jubelfeier statt.
Bebra, 15. April. AuS dem früh 8 Uhr 56 Min. hier eintreffenden Eisenacher Personenzug Nr. 210 sprang heute kurz nach Eisenach ein Mann. Derselbe hat anscheinend schwere Verletzungen erlittten.
Rotenburg, 14. April. Einen vielbeachteten Erfolg hat die hiesige Baufirma Paul Gorski bei der Submission um den Neubau des Hies. Lehrerinnenseminars davongetragen. Das erste Submissionsversahren, bei welchem sich ein ganz außerordentlicher Wettbewerb mit weitausgreisenden Preisunterschieden geltend machte, wurde von dem Baubureau niedergeschlagen und ein neues Submissionsversahren eröffnet, zu welchem nur die Firmen Paul Gorski (Rotenburg), Wöl- bing (Hersfeld) und Robert Mees (Cassel) zugelassen wurden. Die erstgenannte Firma erhielt als Mindestsordernde mit 37 300 Mk. den Zuschlag. Mit diesem Preise hat die Firma im ersten Submissionsversahren an siebenter Stelle gestanden, und daß ihr trotzdem der Zuschlag erteilt wurde, ist einesteils als ein Beweis großen Vertrauens anzusprechen, andern- teils ist es aber auch eine deutliche Absage an die großen Preisunterbietungen, bei denen die Baufirmen nichts verdienen können und die verantwortlichen Beamten nur Aerger und Verdruß haben. — Mit dem Bau des Seminargebäudes ist bereits begonnen worden.
Rauschenberg, 15. April. Ein schwerer Wagenunfall hat sich gestern bei dem benachbarten Dorfe Schönstadt zugetragen. Der Gutsverwalter Weidemann lenkte die Pferde selbst vor einem schwer beladenen Fuhrwerk. An einer abschüssigen Stelle der Straße versagte das Hemmwerk, die Pferde wurden scheu und gingen durch, und bei dem Bemühen, dieselben auszuhalten, kam Weidemann unter den Wagen, wurde überfahren und erlitt schwere Verletzungen des Rückgrats, ferner Bruch der Beine usw., sodaß er bewußtlos vom Platze getragen werden mußte. Nach Anlage eines Notverbandes wurde der Bedauernswerte ins Krankenhaus übersührt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
Hammelburg (Rhön), 16. April. Der 53 Jahre alte Bauer Michael Ullrich zu Windheim stürzte vom Scheunen- gebälk herab und fiel mit dem Kopse auf das Schwungrad der Strohschneidemaschine; der Bedauernswerte erlag alsbald seinen schrecklichen Verletzungen.
Bad Brückenau, 15. April. Im benachbarten Breitenbach brach in der Scheune deS Landwirts Michael Rüttger Feuer aus, daS rasch um sich griff und insgesamt 7 Scheunen, 4 Wohnhäuser und viele Nebengebäude einäscherte. Auch 28 Stück Vieh, darunter ein Pferd, sind verbrannt. Es herrschte Wassermangel.
Schlitz, 14. April. Der Kaiser wird nach einer hier eingetroffenen Nachricht am Sonntag, den 8. Mai, vormittags 7a9 Uhr eintreffen und zum Besuche deS Grasen von Görtz, auf zwei bis drei Tage in unserer Stadt verweilen.
Bacha, 15. April. Wie die RH. Ztg. hört, wird die Firma A. u. S. Katz in SchenklengSseld in Kürze mit dem Bau eines großen Geschäftshauses in der Bahnhosstraße hier- selbst beginnen.
Hanan, 15. April. Aus dem staatlichen Bagger bei Dettingen explodierte der Gasbehälter. Der Baggermeister Eichstätter wurde getötet, der Maschinist Reisert verletzt.
Barchfeld (Kreis Schmalkalden), 14. April. Als der Gastwirt Valentin Adam aus Frauenbreitungen mit seinem Geschirr die Pappelallee zu Liebenstein passierte, scheuten die Pferde und gingen durch. Der Gastwirt sprang ab und fiel unter die Räder, die ihm über Arme und Beine gingen und erhebliche Verletzungen verursachten.
Ziegenhain, 14. April. Es ist ein ziemlich weitver- breiterer Brauch unter den Landwirten, aus eine Wunde, die man sich zugezogen hat, Wagenfett zu bringen. Daß die Anwendung dieses Mittels aber sehr schlimme Folgen haben kann, zeigt folgender Vorfall: Ein junger Bursche von Leusel verletzte sich mit der Säge am Finger. Um das Bluten der Wunde zu stillen, strich er Wagensett auf dieselbe. Nach geraumer Zeit schwoll der Arm bis zur Schulter an, schwarze Streifen bildeten sich auf ihm und das vermeintliche Heilmittel hatte eine starke Blutvergiftung hervorgerufen. Der Schwerverletzte mußte in das AlSfelder KreiskrankenhauS gebracht werden.
Gladenbach, 14. April. Von den drei Knaben, die sich kürzlich mittelst Einbruchs in eine Sommerwirtschast Branntwein verschafft und getrunken hatten, ist jetzt einer an Alkoholvergiftung gestorben.
Fulda, 13. April. Fast gleichzeitig find hier zwei Besitzwechsel von Bedeutung vor sich gegangen. Das bekannte „Bahnhofs-Hotel Kreß" erwarb der Hotelier Klitsch für 195 000 Mark und den „Kaiserhos" am Friedrichsplatz fauste für 130 000 Mark der Hessische Bankverein, um ihn zum modernen Geschäftshaus umzubauen.
Melsungen, 15. April. Von einem schweren Mißgeschick wurde am Mittwoch mittag die Familie des an der Ziegelhütte bei der Station Malsseld stationierten Bahnwärters W. betroffen. Ein l^jährigeS Kind derselben wurde in der Mittagsstunde kurz vor 12 Uhr von der Lokomotive deS von Cassel kommenden Schnellzuges erfaßt und bei Seite geschleudert. Leider waren die Verletzungen so schwerer Art, daß daS bedauernswerte Kind nach kaum zwei Stunden zum tiefen Schmerz der Eltern verschied.
Schmalkalden, 16. April. Schon seit längerer Zeit siel eS hier aus, daß das vom städtischen Wasserwerk den Hausanschlüssen gelieferte Wasser wohl nur zu 7s bezahlt wurde. Man vermutete, daß dieser Ausfall aus verbotene und strafbare Entziehung des Wassers zurückzuführen sei. Es wurden Beobachtungen ongestellt und man fand heraus, daß ein Flaschenbierhändler, dessen früher sestgestelltcr Wasserverbrauch weit über die Hälste zurückgegangen war, einen Schlauch an den Wasserleitungshahn befestigte, letzteren ganz wenig und vorsichtig öffnete, so daß die Wasseruhr den Wasterabgang nicht anzeigen konnte. Der Magistrat warnte den Mann mündlich und schriftlich, hatte damit aber keinen Erfolg, so daß schließlich Anzeige erstattet werden mußte. DaS Schöffengericht sprach wegen Diebstahls eine Gesängnis- strase von vier Tagen aus. Dagegen erhob der Angeschul- digte Berufung und führte vor der zweiten Strafkammer zu seiner Verteidigung u. a. aus, daß er zu seinem Geschäft stets frisches Wasser brauche; da« könne er aber nur dadurch er
reichen, daß er den Hahn fortwährend laufen lasse. Auch habe er nicht gewußt, daß das langsam laufende Wasser von der Uhr nicht angezeigt werde; er habe also im guten Glauben gehandelt, weil auch das Statut des Wasserwerk- nichts darüber vorschreibe, wie weit der Hahn geöffnet werden müsse. Diese Gründe ließ da- Berufungsgericht nicht gelten. Es erachtete den Angeklagten zwar nicht deS Diebstahls, wohl aber des Betruges für schuldig, sah jedoch in Anbetracht der Verhältnisse von einer Gefängnisstrafe ab und erkannte auf eine Geldstrafe von 20 Mark.
Gemünden an der Wohra, 15. April. In geringer Höhe überflog gestern srüh der Ballon „Prinzessin Viktoria- aus Bonn unsere Gegend. Die zahlreich herbeieilenden Zuschauer hatten den Eindruck, daß an dem Luftfahrzeug etwa« nicht in Ordnung war. Die Insassen warfen zuerst Ballast aus, schienen sich aber dann zu einer Landung entschließen zu wollen. Der Versuch, an einem unbewaldeten Abhang, dem sog. Dachsberg, zu landen, mißglückte jedoch. Die Gondel stieß hart auf den Boden auf, zwei Herren wurden herau«- geschleudert, der dritte Insasse blieb im Netzwerk hängen. Im nämlichen Augenblick stieg der Ballon rasch in die Höhe und wurde mit großer Geschwindigkeit in der Richtung nach Wildungen zu getrieben. Dem im Netzwerk hängenden Luft- schiffer gelang es, glücklich wieder in die Gondel zu kommen. Die beiden herausgestürzten Herren haben nur geringe Verletzungen erlitten. Sie konnten sich nach Marburg begeben, um von dort aus mit der Eisenbahn die Rückfahrt in ihre Heimat anzutreten. — Nach anderen Meldungen soll der Ballon „Prinzessin Viktoria" in Saarbrücken beheimatet sein. Ueber seine weiteren Schicksale sind die folgenden Nachrichten ein gelaufen, aus denen hervorgeht, daß auch der dritte Insasse — wo und auf welche Weise ist nicht bekannt — daS Lust- fahrzeug verlassen haben muß. — HildeSheim, 15. April. Gestern nachmittag in fünfter Stunde schwebte in geringer Höhe über der Feldmark von Söhlde bei Hoheneggelsen ein Ballon ohne Insassen. Arbeiter zogen den Ballon herab. In der Gondel befanden sich einige Flaschen Wein und einige Butterbrote, ferner mehrere Militärmützen vom 70. Infanterieregiment in Saarbrücken. Das Ankertau des Ballon- fehlte, sodaß anzunehmen ist, daß der Ballon nach der Landung der Insassen bei dem stürmischen Wetter sich wieder losriß und weiterflog. Die Ballonhülle wurde vom Gemeindevorsteher in Verwahrsam genommen. — H i l d e S h e i m, 15. April. Der gestern bei Söhlde aufgefundene Ballon ist der Saar- brücker Ballon „Prinzessin Viktoria". Die Meßapparate registrierten 6000 Meter Höhe. Daß diese Höhe auch wirklich erreicht wurde, beweist die Tatsache, daß der Inhalt der in der Gondel ausgefundenen Mineralwafferflaschen gefroren war.
Babenhausen, 15. April. Der Bauersmann Johanne« Becker zu Großostheim wurde in früher Morgenstunde beim Anschirren eines seiner Pferde von dem plötzlich fcheuendcn Tiere niedergerannt, wobei er eine schwere Kopfwunde erlitt. Wenige Minuten später war der Mann eine Leiche.
Eisenach, 15. April. Ein schweres Unglück ereignete sich heute früh V26 Uhr in der Nähe des hiesigen Haupt- bahnhoses. Aus einem Abteil 4. Kl. des Zuges 244, der 5.29 Uhr aus Erfurt hier eintrifft, sprang während der Ausfahrt des Zuges aus dem Hauptbahnhof plötzlich ein Mann aus das Gleis. Er stürzte dabei so unglücklich, daß er mit einem Bein unter die Räder geriet und ihm der Fuß völlig abgefahren wurde. Der Schwerverletzte wurde, nachdem ihm ein Notverban angelegt worden war, nach dem hiesigen Diakonissenhaus gebracht. Er wurde nach der „Eis. Tagesp." als ein 32jähriger aus Rußland stammender Arbeiter namens Wulph Hornewitz rekognosziert, der auS Berlin kam und nach Gens fahren wollte. Jedenfalls glaubte er sich in einem falschen Zug zu befinden und wagte so den verderblichen Sprung.
Erfurt, 16. April. DaS Reich-gericht hatte zweimal das Todesurteil gegen den Glasbläser Lutz aus Friedrichsdorf ausgehoben. Gestern wurde der Angeklagte nun zum dritten Mal zum Tode verurteilt. Er war für schuldig erachtet, den Forstausseher Walter erschossen zu haben. Das Schwurgericht erkannte auf die Todesstrafe und 3 Jahre Zuchthaus.
Vom Westerwald, 14. April. In dem Dorfe Neu- häusel suchte, wie die „Rhein. Volksztg." meldet, eine Bäckersfrau mit Hilfe eines Bäckergesellen ihren Mann zu ermorden. Sie begossen den etwas geistesschwachen Mann mit Petroleum und schoben ihn in den Backofen, um ihn zu verbrennen. Durch das Geschrei des Mannes wurden Nachbarn hcrbei- gelockt, die ihn vor dem Tode bewahrten.
— Lauterbach (Württ. Schwarzwald), 15. April' Als der Schultheiß Striegel gestern abend von Schramberg in Begleitung von Frau und Tochter im Automobil zurück- fuhr, stürzte da- Automobil in einen Graben und füberfchlug sich. Alle drei Jnsaffen wurden schwer verletzt, die Frau ist ihren Verletzungen bereits erlegen.
Letzte Nachrichten.
Eschwege, 19. April. Die Untersuchung der Hülle des verunglückten Ballons Delitzsch, die gestern in Reichen- sachsen eingetroffene Herren vom Verein für Luftschiffahrt in Bitterfeld vorgenommen haben, läßt mit Sicherheit erkennnen, daß das Unglück nicht durch Blitzschlag verursacht worden ist. Der Ballon ist in einer starken Luftströmung infolge der in der Nacht zum Sonntag im Werratal herrschenden Gewitter geraten und nach unten gedrückt worden. Durch Auswerfen von Ballast hat der Ballon versucht, aus dem Bereich der Gewitter zu kommen. Dem starken Widerstand der Luftströmung hat der Ballon anscheinend nicht stand gehalten und ist geplatzt. Für diese Annahme scheint auch das Fehlen eines Ventildeckels zu sprechen. Erst wenn dieser gefunden ist, glaubt man, die genaue Ursache des Unglückes fest stellen zu können. Als die Katastrophe ein* trat, befand sich der Ballon nach den Aufzeichnungen des in der Gondel ausgesundenen Apparates in 2600 Meter Höhe. Heute soll die Hülle nochmals untersucht werden. Die Leichen sind zur Bestattung freigegeben worden.
Leipzig, 18. April. DaS Luftschiff P. 4., das 2 Uhr 40 Min. nachmittag in Altenburg zur Rückfahrt nach Bitter- eld ausgestiegen war, und um 37a Uhr Borna passiert hatte, mußte gegen 5 Uhr wegen Schadens an der Propellerwelle bei Sommerfeld östlich von Leipzig -landen. Die Landung erfolgte glatt, ohne daß jemand verletzt wurde. Die Hülle wurde durch die Reißleine entleert und mit der Bahn nach Bitterfeld weiter befördert.
Hierzu eine Beilage.