Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal unb gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, tu

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- | gespaltenen Seile 10 pfg., im amtlichen teilt 20 pfg. n Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen H wird ein entsprechender Rabatt gewährt.tunaiuva ^ ^.....-.....-'- j». " -......-.......- »-^^

hersfelderKeiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Donnerstag, den 14. April

1910

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 11. April 1910.

Um den Herren Bürgermeistern entgegenzukommen und eine srühzeitige Ausstellung der Hebelisten zu ermöglichen, lasse ich ihnen in diesen Tagen die Gemeindesteuerlisten und die Gewerbe- und Betriebssteuer-Rsllen zugehen, wonach mit der Ausfüllung der Hcbelisten begonnen werden kann.

Die Staatssteuer-Rollen folgen in einigen Tagen, ebenso die Staatssteuerlisten, damit die Gemeindesteuerbeträge der nicht voll kommunalsteuerpflichtigen Personen berechnet werden können.

Die O s s e n l e g u n g der G e m e i n d e st e u e r l i st e n hat n o ch n i ch t zu e r s o l g e n. Sie sollen vorläufig nur zur Ausstellung der Hebelisten dienen und sind mir b e st i m m t am 6. Tage nach d e m Eingang zurückzureichen.

Die Staatssteuerlisten sind mir bestimmt am 3. Tage nach dem Eingang zurückzureichen.

Ich bemerke, daß ich die Listen noch dringend nötig habe, und daß die Herren Bürgermeister die Fristen deshalb genau innehalten müssen, sonst bin ich außer Stande, in künftigen Jahren die Listen vor Abschluß der gesamten Veranlagungsar- beiten abzugeben.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

I. Nr. 842. von Grunelius.

Hersfeld, den 10. April 1910.

Am 1. April d. Js. sind die neuen Verkehrs-Vorschriften und die zugehörigen Strafbestimmungen des Reichs-GesetzeS über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909 (Reichs-Gesetz-Blatt Seite 437) sowie die Verordnung des BundeSratS über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Februar 1910 (Reichs-Gesetz-Blatt Seite 389) nebst den An­weisungen über die Prüfung von Kraftfahrzeugen und die Prüfung der Führer in Kraft getreten. Mit demselben Tage sind alle entgegenstehenden gesetzlichen und polizeilichen Vor- schristen ausgehoben, insbesondere auch die Polizei-Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 6. September 1906 (Amtsblatt Seite 313). Die Ortspolizeibehörden und die König­liche Gendarmerie des Kreises mache ich aus die neuen Be­stimmungen aufmerksam, insbesondere weise ich noch aus die im Amtsblatt Nr. 11 pro 1910 abgedruckte Anweisung zur Aussührung der Verordnung über den Verkehr mit Krastsahr- zeugen hin.

Ich erwarte, daß Sie sich mit den neuen Bestimmungen vertraut machen und die Durchführung genau überwachen.

Das vorgeschriebene Formular zu den Anträgen auf Ueber- weisung von Erkennungs-Nummern ist in der L. Funl'schen Buchdruckerei hier (Verlag des KreiSblatteS) zu haben.

I. 2817. Der Landrat

von Grunelius.

Die Menschenfalle.

, Von Guy Thorne.

(Fortsetzung.)

Bill Aates war betrunken, als er das sagte und umgeben von seinen Kumpanen, die Schurken waren wie er. Die Kunde von dieser Drohung verbreitete sich schnell, und einer sagte zum anderen:Wie lange wird eS dauern, dann hören wir, daß die eisernen Geldkisten aus Schloß Kenyon gesprengt und ihre Schätze von nächtlichen Gästen entführt sind!"

Eines Tages kam der alte Diener Paul nach Moor- chester, um die mageren Lebensmittel einzukausen, von denen ein Herr und er lebten. Der Kaufmann, der ihn damit ver- sah und die regelmäßige, wenn auch kleine Kundschaft nicht verlieren wollte, machte ihm Andeutungen über die umlaufen- den Gerüchte. Paul dankte für die Warnung, nahm seine Pakete zusammen und trottete auf dem Pony davon, den er für seine Wege zwischen Dorf und Schloß zu benutzen pflegte.

Einige Zeit daraus sprach man von nichts anderem als von den Vorsichtsmaßregeln, die Sir Reginald BachuS ge- troffen hatte, sein Schloß gegen einen nächtlichen Ucberfall zu sichern. Zwei große Kisten waren auS Aork in vier­spännigem Wagen angekommen und sollten wunderbare Ma- brech" ^ ^gleichen enthalten zur Verteidigung gegen Ein-

Und von da an liegt eine düstere Wolke über dem alten Hause aus der Zeit der Königin Elisabeth.

Wirklich", unterbrach der geistliche Herr seine Erzählung, ich bin ordentlich müde geworden. Sie werden mir erlauben, komme« b"b ^ etwas auSruhe, ehe ich zum Schluß

Sie dürfen sich nicht anstrengen, mein sehr verehrter Uund! rief der Bürgermeister.Es ist in der Tat zu liebenswürdig von Ihnen, daß Sie mir die Mühe des Er- zählrnS abgenommen haben. Aber ich will sehen, ob ich

Hersseld, den 6. April 1910.

In letzter Zeit sind mir von den Herren Ortsvorständen des Kreises nicht mehr regelmäßig die Abschriften der Requi­sitionen an den Kreistierarzt zur Ausübung der Ergänzungs- bejchau eingesandt worden.

Ich nehme deshalb Veranlassung, meine Versügung vom 27. März 1907, J. 1. Nr. 2884 Kreisblatt Nr. 39 in Erinnerung zu bringen. Wird die geforderte Abschrift der Requisition in Zukunft nicht pünktlich eingereicht, so haben die Gemeinden die Reisekosten selbst zu tragen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 2579. von Grunelius.

Hersseld, den 9. April 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 18. Dezember 1878, I. 12674, Kreisblatt Nr. 102, betreffend Unterbringung ver­wahrloster Kinder noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit Frist von 8 Tagen erinnert.

I. 3297. Der Landrat.

J. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Alt WechMWem für Sas Reich.

Die unbefriedigenden Ergebnisse der Reichsfinanzresorm und die immer noch klaffend. ..Lücke in den Reichsfinanzen haben den Bundesrat veranlaßt, einen Gesetzentwurf für die Einführung einer Wertzuwachssteuer anzunehmen, und dieser Gesetzentwurf ist mit der betreffenden Ausarbeitung und Be­gründung durch daS Reichsschatzamt auch bereits am Diens­tage dem Reichstage unterbreitet worden. In Regierungskreisen hofft man, daß dieses neue Gesetz zur Stärkung der deutschen Finanzen sehr bald vom Reichstage angenommen wird, da man in vielen Kreisen deS Reichstages geneigt sein kann, in der Wertzuwachssteuer einen Ersatz für die ausgefallene Reichs- erbschaftssteuer zu erblicken, so ist eS auch wahrscheinlich, daß die Gesetzesvorlage über die Wertzuwachssteuer noch vor der Vertagung des Reichstages von diesem angenommen wird, sodaß diese neue Steuer wahrscheinlich schon vom 1. Juli oder 1. Oktober d. I. an in Kraft treten kann. Von dem Gesetzentwurf ist zu erwähnen, daß er nur die Besteuerung des Wertzuwachses von Grundstücken, Häusern, Bergwerken usw. Vorsicht. Von der Besteuerung von Wertpapieren ist in dem Entwürfe ganz abgesehen worden. Wir verkennen nicht, daß es sehr schwierig ist, im Hinblick aus das oft täglich stattfin- dende Steigen oder Fallen der an der Börse gchandcltcn Wertpapiere eine praktische und gerechte Besteuerung deS Wertzuwachses derselben vorzunehmen. Erfreulich ist es, daß

nicht ein Glas Rotwein oder dergleichen für Sie austreiben kann."

Der Domherr protestierte, aber sein Wirt eilte den Ab­hang hinab und fand bald einen Diener, der nach kurzer Zeit mit Wein und kühlenden Getränken im Pavillon er- schien.

Der alte Herr fühlte sich durch das große Interesse, welches seine Geschichte erregte, sichtlich geschmeichelt. Er nippte lang­sam den Inhalt seines Glases und nahm die Erzählung wieder auf:

Was ich Ihnen jetzt noch zu sagen habe", begann er, wird nicht mehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Es erwies sich bald, daß Bill Aates in der Tat Absichten auf das Ver­mögen des Geizhalses hatte und nur noch mit der Aussührung derselben zögerte. Es waren schließlich die Vorsichtsmaßregeln, welche Sir Reginald Bachus getroffen hatte, die feinen Ent­schluß zur Reife brachten. Seine Geliebte, ein schlechtes Frauenzimmer im Ort, verhöhnte ihn, daß er nun nicht mehr imstande sein würde, auch nur einen Psennig aus Schloß Kenyon herauSzuholen, und dies gab den AuSschlag.

In einer Nacht eS soll eine düstere Nacht gewesen sein, in der schwarze Wolken den Mond verhüllten schlich Bill AaleS einsam über das Moor, die beiden Alten zu berauben. Er sührte allerhand Werkzeuge bei sich, die ihm Eintritt durch das große, eiserne Tor verschaffen sollten und war mit Pistolen und einem langen Dolchmesser bewaffnet, das er stets bei sich trug.

Es gelang ihm, die Mauer mit Hilfe einer Strickleiter zu erklettern, die am oberen Ende mit zwei eisernen Haken ver­sehen war, und so in das Innere des Grundstücks und in die Nähe deS Schloßgrabens zu gelangen, der mit allerhand Busch- werk dicht umgeben war. Leise und vorsichtig kroch er in der Dunkelheit durch das Dickicht und plötzlich sah er das HauS, das noch schwärzer war als die ihn umgebende Nacht, wie einen düsteren Felsen vor sich auffteigen. Sein Erstaunen war nicht gering, als er fand, daß die Zugbrücke über den breiten Schloß- graben niedergelassen war und die große Haustür offen stand. Er sah dies alles deutlich, da ein gelber Lichtstrahl aus

die im vorigm Jahre im Reichstage geäußerten Anregungen und Wünsche im Bezug aus die Einsührung einer Wertzu­wachssteuer bei der Gestaltung der Gesetzesvorlage einige Be­rücksichtigung gesunden haben. Bei dieser Sachlage ist es ja auch wahrscheinlich, daß die Durchberatung dieser neuen Steuervorlage nicht allsoviel Zeit in Anspruch nehmen wird, es sei denn, daß der neuen Steuer plötzlich unverhofft Gegner entstehen und scharfe Opposition machen. Mir halten diese Annahme aber für ziemlich unwahrscheinlich, da die Gegner der Reichserbjchastssteuer wahrscheinlich die Gelegenheit be­nutzen werden, um durch eine Zustimmung zur Wertzuwachs- steuer zu zeigen, daß sie für die Finanznot der Reiches noch ein Herz haben. Zu bedauern ist, daß man den Reinertrag der geplanten Wertzuwachssteuer aus nur dreißig Millionen jährlich schätzt. Dieser Betrag ist ja an sich ansehnlich genug, um eine neue Steuer zu rechtfertigen, aber die Summe von dreißig Millionen Mark ist bei den riesigen Zahlen deS Reichs- budgets doch noch lange nicht dazu angetan, um die finanziellen Sorgen zu beseitigen.

Die Zuwachssteuer beträgt 5 Prozent bei einem steuer- Pflichtigen Wertzuwachse von nicht mehr als 10 Prozent des Erwerbspreises, sie steigt um 0,5 Prozent bei einer Vermehrung des Wertzuwachses um je 10 Prozent, und zwar bis zu 100 Prozent, bei 100200 Prozent deS ErwerbSpreijeS beträgt sie 10 Prozent, bei 201400 Prozent 11 Prozent, über 400 Prozent 12 Prozent.^

Die Abgabe erhöht sich, sofern zwischen Erwerb und Ver­äußerung ein Zeitraum von nicht mehr als 30 Jahren liegt, für jedes Jahr der kürzeren Besitzdauer um 7 Prozent des Steuerbetrages. Beträgt der Zeitraum zwischen Erwerb und Veräußerung mehr als 10 Jahre, so werden von dem steuer- Pflichtigen Zuwachse für das erste Jahr der längeren Besitz­dauer 4 Prozent und für jedes fernere Jahr weitere/io Prozent des ErwerbspreiseS bis zum Höchstbetrage von 10 Prozent steuerfrei gelassen.

Reichstag.

Der Reichstag ist am Dienstag nach Ablauf seiner Oster- ferien wieder zusammengetreten; er beschäftigte sich mit der ersten Lesung des Gesetzentwurfes, betr. die Entlastung deS Reichsgerichtes. Die Sommervertagung des Reichstages soll bekanntlich am Himmelfahrtstage (5. Mai) eintreten. Doch wird sich dies nur dann ermöglichen lassen, wenn das HauS lediglich das notwendigste von seinem noch immer ziemlich reichlich vorhandenen ArbeitSmaterial erledigt.

Abgeordnetenhaus.

DaS preußische Abgeordnetenhaus trat am Montag in die Spezialberatung des EisenbahnetatS ein, wobei sich zunächst eine allgemeine Debatte über die finanztechnische Seite dieses Etats entwickelte. Am gleichen Tage wurde die angekündigte

zwei tief gelegenen Fenstern an jeder Seite des Portals in? Freie fiel.

Noch zögerte er, um zu überlegen, waS er unter diesen Umständen tun sollte, als die Stimmen von zwei Männern an sein Ohr schlugen, die sich ruhig miteinander unterhielten. Er sah nun auch, an die Umgebung gewöhnt, zwei schwarze Gestalten außerhalb des Lichtkreises auf seiner Seite des Graben- stehen und erkannte Sir Reginald und feinen Diener Paul. Das Schicksal schien sie mit Vorbedacht in seine Hand gegeben zu haben: da standen die beiden Männer vertrauensselig in dunkler Nacht vor ihm. Er brauchte nur auf sie zu schießen, oder war es besser, zuzuspringen und sie schweigend niedcrzu- stoßen ? Er wählte den letzteren Weg. Pulver und Blei sollten gespart werden. Er erhob sich leise, und, in einer Hand die Pistole, in der andern das Messer, sprang er durch die Büsche auf seine Opfer zu.

Beim ersten Geräusch seiner Schritte hörte er die Männer ausschreien und sah dunkle Gestalten über die Brücke dem Hause zueilen. Die eine durchquerte den Lichtstreisen vor dem Hause, die andere verschwand in der Dunkelheit. AlS er noch zögerte, welcher der beiden er folgen sollte, wurde er durch ein hartes metallisches Klirren zum Stillstehen ver. anlaßt.

Es war, als wenn zwei große eiserne Tore heftig ins Schloß fielen. Was konnte dieser Laut bedeuten? War er in eine Falle gegangen und was sollte er nun beginnen? Er überlegte noch; da drang durch die Nacht daS Wehe- geschrei zweier Menschen, ein Geschrei, so voll von Todes­angst und -qual, so entsetzenerregend und furchtbar, daß daS Blut in seinen Adern erstarrte und die Pistole seinen Fingern entfiel.

In diesem Augenblick fegte ein Windstoß über die Heide, und der Mond trat auS den Wolken hervor. Seine Strahlen beleuchteten zwei große glänzende Maschinen auS Stahl; es waren die Schutzvorrichtungen, die Sir Reginald aus Aork gegen nächtliche Einbrecher hatte kommen lassen und in den Zähnen dieser gräßlichen Menschensallen schrieen und wanden sich der Geizhals und fein Diener zu Tode.

Man sagt, Bill AateS sei in tödlichem Entsetzen zu feinet