Silhouetten der Besucher gegen die Morgendämmerung sich abheben. In Nicolosi herrscht Feiertag-stimmung. Alle Wirtshäuser sind belagert, die Huppen ankommcnder Automobile klingen zusammen mit dem Geschrei der Esel, mit knallenden Korken und fröhlichen Rundgesängen. Maultier- treiber bieten den Fremden ihre' malerisch ausgeschirrten Tiere zu Ausflügen zum Lavastrom an. Wie dieser gewaltige AuS- bruch so kurzerhand zu einem Schauspiel und zu einem ein- fachen Geschäft sür die Gastwirte umgewandelt wird, das muß wirklich ein schmerzlicher Anblick sein sür einen alten und gewissenhaften Vulkan."
Aus 3m- und Ausland.
Berlin, den 5. April 1910.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen heute nachmittag 11 Uhr mit Gefolge von Homburg v. d. H. aus einen Spazierritt in den Taunus. — Ihre Majestät die Kaiserin traf, vom Homburg kommend, im Automobil gestern nachmittag um 4 Uhr 45 Min. in Frankfurt a. M. ein, um Ihrer im Dr. Lampeschen Sanatorium weilenden Schwester Prinzessin Feodora einen Besuch abzustatten.
Ein neuer lenkbarer Lustkreuzer ist von den Siemens-Schuckert-Wcrken fertiggestellt worden und ist in der großen drehbaren Ballonhalle der Firma bei Biesdorf zum Ausstieg bereit. Er wurde durch den Inspekteur der Verkehrs- truppcn, Generalleutnant Frhrn. v. Lyncker, und die Majore Groß und Sperling besichtigt. Der Ausstieg des neuen Ballon-, der etwa 125 Meter lang ist und drei Gondeln besitzt, wird in den nächsten Tagen erfolgen.
Soeben erscheint der Jahresbericht des Deutschen Flotten-VereinS sür das Jahr 1909. Die Entwicklung des Deutschen Flottenvereins im Jahre 1909 Hot insofern aus ein besonderes Interesse Anspruch, als jenes Jahr das erste ist, welches in vollem Umfange im Zeichen der neuen leitenden Personen steht. In einer Einleitung weist der Ge- schästsbericht zunächst daraus hin, daß die vorher so ernstlich bedrohte Einigkeit innerhalb des VereinS völlig wieder hergestellt ist; gemeinsame Arbeit und gemeinsame? Ziel haben das AuSeinanderstrebende wieder zusammengebracht. Trotzdem mußte gerade im letzten Jahre das VereinSleben eine schwere Zeit durchwachen, zumal infolge der innerpolitischen Verhältnisse. Die Zahl der Einzelmitglieder ist etwas gesunken, dagegen die der körperschaftlichen wesentlich gestiegen, so daß die Ge- samtmitgliedcrzahl am 31. Dezember 1909: 1031 339, am 31. Dezember 1908: 1 007 563 betrug. Um so erfreulicher ist dem gegenüber, daß das Vereinsvermögen im vergangenen Jahre ganz erheblich angewachsen ist und zwar von 291 849,98 Mk. im Vorjahre aus 335 838,17 Mk. Das innere Vereinsleben war während des vergangenen Jahres ganz besonder- rege, was um so bemerkenswerter erscheint, als eine umfangreiche Agitation bekanntlich während des Vorjahres nicht betrieben werden konnte. In der literarischen Betätigung des Deutschen Flottenvereins steht wie immer die VereinSzeitschrist „Die Flotte" an erster Stelle. Das Blatt erscheint in einer Auflage von 345 000 Exemplaren. Die „Mitteilungen" des Deutschen Flotten-VereinS find während des vergangenen Jahres erheblich ausgestaltet worden und haben in kürzeren und längeren Ausführungen zu allen aktuellen Fragen auf dem Gebiete deS MarinewesenS Stellung genommen. Von Persönlichem mag erwähnt werden, daß Fürst Otto zu Salm-Horstmar, der frühere Hochverdiente Präsident des Flottenvereins zum Ehrenmitglied ernannt wurde, daß der Großherzog von Baden daS Protektorat über den Landesverband Baden, und Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen den Vorsitz im Provinzver- bande Schlesien übernahm. Der deutsche Flottenverein blickt somit auf ein Jahr zurück, das von eifriger, wenn auch mühevoller Arbeit ausgefüllt war, der auch der Erfolg nicht gefehlt hat.
AuS Bielefeld kommt die Trauerkunde von dem Tod des Pastors D. Friedrich v. Bodelschwingh, deS Begründers der Anstalt Bethel. Man greift im Ausdruck nicht zu hoch, wenn man den nun Verblichenen den großen Apostel der Nächstenliebe nennt, der unserm Zeitabschnitt be- schieden war. Er wirkte durch tatkräftiges Beispiel, sein Idealismus und seine Selbstlosigkeit scheuten nicht leicht vor einer Schwierigkeit zurück. Pastor v. Bodelschwingh war der zugleich aneifernde Helfer der Hilfsbedürftigsten vor allen: er suchte das Elend der Landstraße zu bannen und bewältigen. Und eS sind Musteranstalten geworden, die dieser kernige liebreiche, zugleich aber unerschrockene und praktische Seelsorger, der die leibliche Wohlfahrt seiner Schutzbefohlenen nie aus dem Auge ließ, hervorrief und zur Blüte brächte. In höherm
Stimmung zu sein, lustig, ja übermütig. So hatte ihn das Mädchen nie vorher gesehen.
Ja, er war verändert, das konnte keinem Zweisel unterliegen. Er hatte sie bisher nie so angesehen, niemals in dieser Weise mit ihr gesprochen. Es mußte wahr sein, waS Dolly Butterworth von der Photographie erzählt hatte. Und wie herrlich er aussah! Sein braunes Haar glänzte in der Sonne und das ganze Gesicht leuchtete von überströmender Lebensfreude.
Ihr Gespräch wurde durch die Stimme Mr. HarropS unter- brochen.
„Lucie, mein Liebling, hier find unsere neuen Freunde. Komm und begrüße fie!"
Einen Augenblick noch zögerte das Mädchen, um aus eine lachende Bemerkung Gilberts zu antworten. Sie blickte gerade voll in sein Gesicht, als ihres Vaters Worte ertönten und sah, wie eine plötzliche Veränderung darin vorging. Ein gleichgültiger Blick streiste sie nur noch flüchtig, dann wandte er den Kops halb herum und sein Gesicht leuchtete auf, aber in ganz anderer Weise alS vorhin.
Ein leidenschaftliches Feuer brach auS seinen Augen, und er drehte sich kurz aus dem Absatz um, alS sie zu ihrem Vater eilte. Im Moment hatte die Sonne ihren Glanz sür Lucie Harrop verloren, und der Tag war dunkel und grau geworden.
Sie schüttelte wie im Traum einem großen glattrasierten Mann die Hand und sah mit einem dumpfen Gefühl deS Schmerzes ein hochgewachsenes schick gekleidetes Mädchen mit rotbraunem Haar und Veilchenaugen, ein Mädchen, das Würde und Selbstbewußtsein zur Schau trug und den Damen von Moorchester vollkommen unähnlich war.
Sie bemerkte noch, wie Miß Wilshire und Gilbert sich die Hände reichten und in ihren Gesichtern ein gegen- sestiges Verstehen — eine Vertraulichkeit — eine Freundschaft — oder war er ein anderes Gefühl? — aufflammte.
Und zuletzt hörte sie die tiefe nasale Stimme deS Amerikaners langsam und deutlich die Worte sprechen:
„Ah William, treffen wir unS endlich nach so vielen Jahren wieder?*
Maße alS er hat kein Mann unter Hintansetzung aller äußern Interessen sein Leben in so heißer Arbeit für ein edlereS Ziel hingebracht. An der Bahre des Hilfreichen und Guten werden wir mit Schmerz inne, welchen Verlust daS Hmscheidcn dieses bis in sein hohe- Alter feurigen VerkünderS und Förderers der christlichen CharitaS bedeutet. Seine Saat war Segen, fein Andenken wird immerdar hell erglänzen.
Ueber die Dattelkultur in Deutsch»Süd we st - asrika entnimmt daS „Deutsche Kolonialblatt" einem Bericht deS Gouverneurs folgendes: Auf der Forststation Ukuib sind jetzt 15 bis 16 Hektar mit im ganzen 5000 Datteln bepflanzt. Für 1500 Pflanzen sind noch Bewässerungsanlagen erforderlich, 4 Hektar sind neu gerodet. Die ersten Palmen werden in diesem Jahre tragen.
Die schon seit längerer Zeit spielenden Differenzen im deutschen Baugewerbe zwischen den Unternehmern und den Verbänden der Bauhandwerker verschärfen sich. Am Montag und DienStag tagten in Berlin die Vertreter der Verbände der Bauhandwerker Deutschlands, um Stellung zu den herrschenden Tarisstreitigkeiten zu nehmen. Die gefaßten Beschlüsse deuten aus eine gereizte Stimmung unter den Bau- handwerkern hin. Unterdessen ist in Barmen der offene Kamps bereits au-gebrochen. Sämtlichen dortigen Bauarbeitern, ca. 3000, ist von den Arbeitgebern wegen der bestehenden Lohndifferenzen nach Ablauf des bisherigen Tarifvertrages gekündigt worden.
Die Disziplinlosigkeit in der französischen Handelsmarine tritt wieder in einem neuen Fall kroß zutage. Wie aus Marseille gemeldet wird, streikte die Mannschaft deS Dampfers „Pelion" während und nach der Fahrt von Ponakry, so daß das Schiff in eine bedenkliche Lage geriet und nur durch die Geistesgegenwart des Kapitäns ein Unglück vei hütet wurde. Die Marinebehörde hat eine Untersuchung gegen die Mannschaft ein geleitet, die ihrerseits eine Klage gegen den Kapitän wegen schlechter Verpflegung und Behandlung erhoben hat. Unter diesen Umständen dürste man sich nicht wundern, wenn französische Paffagicrdampscr mehr und mehr gemieden werden.
In Rußland plant man allen Ernste- ebenfalls den Bau einer KriegS-Luftflotte. Das russische KriegS- Ministerium befaßt sich bereits mit den einschlägigen Fragen; wie der Gehilfe deS Kriegsministers in der MontogSsitzung der Reichsduma versicherte, sind die betreffenden Vorbereitungen nahezu abgeschlossen. Dann ging die Duma zur Beratung des Marineetats über. In der allgemeinen Debatte begründete der Oktobrist Sviginzeff alS Referent der Budgetkommission die von letzterer im Marineetat gemachten Abstriche von insgesamt 16 Millionen Rubel. Der Generalredner der Kadettenpartei erklärte, feine Partei könne den geforderten Krediten für die neuen Panzerschiffe so lange nicht zustimmen, bis nicht das Marincressort einen allgemeinen Gesetzentwurf mit bestimmten Plänen deS Etats eingebracht habe. Graf Ubaroff von der Rechten befürwortete die Annahme der SchiffSbaukredite, dasselbe tat der Sprecher der Nationalisten. Der Marineminister bat um unverkürzte Genehmigung der SchiffSbausorderungen. Am Dienstag wurde diese Debatte fortgesetzt.
Am bevorstehenden 9. April findet bekanntlich die feierliche Einweihung der neuen Himmelfahrt-kirche der Oelbergstiftung in Jerusalem in Gegenwart deS Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen statt. Gleichzeitig erfolgt die Uebergabe der Oelbergstiftung für die Zwecke ihrer Bestimmung; in erster Linie ist fie als Mittelpunkt des evangelischen Deutschtum- in Palästina und Syrien gedacht. Ungefähr ein Drittel der rund 2 500 000 Mk. betragenden Kosten der Stiftung wird vom Kaiser und von der Kaiserin getragen. Schon jetzt findet anläßlich dieser Ein- weihungsfeier ein großer Zudrang deutscher Reisenden und Pilger in Jerusalem statt.
Schon wieder wird eine neue politische Mordtat in der Türkei gemeldet. Als der Mutcssaris Ismail Hakki Bey von Jpek in Begleitung deS Majors Ruschdi Bey ein einem albanesischen Boy von Jpek gehörende- HauS verließ, wo sie eine gerichtliche Untersuchung vorgenommen hatten, wurden von einem Unbekannten Schüsse aus sie abgegeben. Ruschdi Bey brach sofort tot zusammen, während der Mutessarij zwar verwundet wurde, aber in Sicherheit gebracht werden konnte. Durch den Mordanschlag in Jpek, der reaktionären Machenschaften zugeschrieben wird, ist die dortige Bevölkerung in großen Schrecken versetzt worden. Die Bazare wurden geschlossen, die Einwohnerschaft bewaffnete sich. Die Regierung entsandte vier Bataillone nach Jpek, über das ersorderlichensalls der Belagerungszustand verfügt werden soll.
Das Reut. Bureau meldet aus Lima, daß Peru beschlossen
„Ja", antwortete Sir William Atherton, „nach so vielen Jahren."
Seine Stimme klang nur schwach und entfernt in ihren Traumzustand hinein.
„Du und ich, William", fuhr die Stimme deS Ameri- kaners fort, „haben unS viel zu erzählen. Nicht wahr, alter Freund?"
„Viel zu erzählen, Julius!" kam es wie ein Echo zurück.
„Nun, ich kann nur sagen, daß eS ein außerordentlich glückliches Zusammentreffen ist, meine Herren", fiel Lucie- Vater ein. „Ich freue mich, Sie zu sehen, Mr. Wilshire und ich bin glücklich, daß Sie in meinem lieben Freund William Atherton einen alten Bekannten wiederfinden. Es ist mir ein höchst angenehmer Gedanke, daß Sie gerade in meinem Hause die zerrissenen Fäden Ihrer früheren Freundschaft wieder an- knüpfen. Aber jetzt will ich nach meinen anderen Gästen sehen. Sie, Mr. Wilshire, und Sie, William, werden sich viel zu erzählen haben und ich will Sie ein Stündchen allein lassen. Später muß ich Sie dann den angesehensten Familien auS Moorchester vorstellen."
„Wollen wir etwa- umhergehen, William?" fragte die Stimme des Amerikaner- wieder.
E- entstand eine Pause, dann kam die Antwort in unterdrücktem Ton:
„Ja, Julius, laß uns gehen und über da» Vergangene sprechen."
Die beiden Männer entfernten sich und Lucie sah, wie auch Gilbert und daS schlanke rothaarige Mädchen, in eifriges Gespräch verliest, hinter den Büschen verschwanden.
Dann war sie allein.
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Sir William Atherton und Mr. JuliuS Wilshire schritten durch die fröhlich lachenden und plaudernden Menschengruppen, die im Garten zerstreut waren und tauschten ernste Worte auS.
Jedermann beobachtete sie. Uebertriebene Gerüchte gingen von Mund zu Mund, und in einer halben Stunde wurden fie als Tatsachen weitergegeben.
hat, von Ecuador sofortige Genugtuung für den am Sonntag vom Pöbel aus die peruanische Gesandtschaft verübten Angriff zu fordern. Wenn Ecuador sich weigere, dieser Forderung nachzukommen, so würden Truppen gegen Ecuador entsandt werden und der Guayar-Revier blockiert werden. Die peruanischen Reserven seien bereit- einberusen. In Lima habe die Bevölkerung gestern das Schild vom Konsulat von Ecuador entfernt.
Aus Provinz u. Nachbargebiet
):( Hersfeld, 5. April. Die gestern Nachmittag von 5 Uhr ab im Rathau-saale abgehaltene Sitzung der Stadt- Verordneten-Versammlung war stark besucht, eS waren 23 Stadtverordnete anwesend; der Magistrat war ver- treten durch Herrn Beigeordneten Auel. Aus Anregung der hiesigen Installateure hat der Magistrat in Abänderung deS 8 2 der Bedingungen über die Abgabe von Gas aus dem städtischen Gaswerk genehmigt, daß es den hiesigen Installateuren gestattet werden soll, bei Gasleitungen innerhalb der Wohngebäude vom Hauptabsperrhahn an die sogenannten Steigeleitungen zur Ausführung zu bringen, während dies bisher nur vom Gaswerk geschehen durste. Die Abnahme der Steigeleitungen erfolgt selbstverständlich durch das Gaswerk und eS müssen die von demselben etwa gestellt werdenden Bedingungen vom Installateur ersüllt werden. Die Stadt- Verordneten-Versammlung erklärte sich mit dieser Abänderung einverstanden. — Bekanntlich ist am 1. April d. J. die bis- her zu Gunsten der Stadtkasse erhobene Fleischabgabe von 2 Pfennig für jedes Pfund im hiesigen Schlachthaus ausge- schlachteten Fleisches in Wegsall gekommen. Die Stadtkasse büßt dadurch eine JahreSeinnahme von rund 28 000 M. ein. Um einen Ersatz hierfür zu schaffen, hat der Magistrat be- schloffen, von jetzt ab Schlachhosbenutzungsgebühren und Wiegegebühren zu erheben. Nach dem vom Magistrat ausgestellten Entwurf find diese Gebühren wie folgt festgesetzt: A. Benutzungsgebühren. Für jeden Ochsen oder Bullen 7,25 M.; sür jede Kuh oder jedes Stück Jungvieh 4,75 M.; für jedes Kalb 1,20 M.; für jedes Schwein 2,50 M.; für jedes Schaf oder Hammel 1,00 M.; für jede Ziege 1,00 M.; für jedes Lamm 0,20 M.; für jede- Spanferkel 0,20 M.; für jedes Pferd, Esel, Maultier oder Maulesel 7,25 M. und sür jedes Fohlen 3,00 M. L. W i e g e gebühren. Für jeden Ochsen oder Bullen 0,50 M.; für jede Kuh oder jedes Stück Jungvieh 0,40 M.; für jedes Schwein 0,20 M.; für jedes Stück Kleinvieh 0,10 M.; für Teile eines Tieres 0,10 M.; für jedes Pferd, Esel Maultier oder Maulesel 0,50 M. und für jede? Kalb oder Fohlen 0,20 M. Bei Beratung dieses Gegenstandes suchte Herr Stadtverordneter H e r d a den Nachweis zu führen, daß die Gebühren zu hoch feien und er bot um Ermäßigung derselben. ES wurde ihm jedoch durch Herrn Beigeordneten Auel ent- gegnet, daß der Gesamtbetrag der Gebühren voraussichtlich jährlich noch nicht 20 000 M. übersteigen werde und daß somit den Metzgern immer noch eine Ersparnis von etwa 8000 M. jährlich gegen den bisherigen Fleischheller verbleiben werde. Gleichzeitig wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die Metzger nunmehr die Fleischpreise heruntersetzen möchten. Nach längerer Debatte erteilte die Stadtverordneten-Versammlung dem Gc- bührenrcgulativ deS Magistrats ihre Zustimmung, stellte jedoch dabei die Bedingung, daß die für Ochsen oder Bullen festgesetzte Höchstgebühr nur dann erhoben werde, wenn der Ochse oder Bulle ein Schlachtgewicht von mindesteM^^cntnen^ habe. Weiter empfahl die Stadtverordneten-Versammlung dem Magistrat, die SchlachthosbenutzungSgebühren und Wiegegebühren, wenn irgend möglich, gleich beim jedesmaligen Schlachten im Schlachthof erheben zu lassen. — Vom Magistrat ist der Entwurf einer neuen Ordnung über die Erhebung der Bier- steuer in der Stadt HerSfeld ausgearbeitet und vorgelegt worden. Während bisher von dem in hiesiger Stadt gebrauten und von auswärts hier eingeführten Bier eine Abgabe von 1,13 M. pro 200 Liter erhoben wurde, soll von jetzt ab eine Steuer erhoben werden, welche 65 Pfennige pro 100 Liter Bier mit einem Alkoholgehalt von mehr alS 1^/i Prozent und 30 Pfennige für 100 Liter Bier mit einem Alkoholgehalt von l3/» Prozent und darunter beträgt. Diese Sätze entsprechen dem ReichS- brausteuergesetz vom 15. Juli 1901. Die Stadtverordneten- Versammlung erklärte sich mit dem Erlaß dieser neuen Ordnung einverstanden. — Vom Magistrat ist ein 15 ar 59 qm großes Ackergrundstück der Herren Gebrüder Sauer am Hopfengarten für den Kaufpreis von 4,50 M. pro qm für die Stadt Her-feld angefauft worden, weil dieses Grundstück von der neuen Straßenfluchtlinie der Länge nach durchschnitten wurde. Der Anlieger, Herr Tuchfabrikant R e ch b e r g, hat
So, also Mr. Wilshire war aus Veranlassung von Sir William nach Moorchester gekommen? Sie kannten sich; sie hatten sich seit langem gekannt. Diese Zusammenkunft war ver- abredet, daS erklärte vieles. Mr. Wilshire war der Besitzer großer elektrischer Werke in New Aork. Er war herübergekommen, um mit Sir William Atherton in Geschäftsver- bindung zu treten. ES sollte ein großer Trust gebildet werden. Die Maschinenindustrie stand im Begriff, ausschließlich in die Hände der großen amerikanischen und englischen Fabrikanten Überzugehen. ES war schon alle» in die Wege geleitet, und dieses Zusammentreffen kam fast einem historischen Ereignis gleich. Und der junge Gilbert Atherton wird natürlich Miß Wilshire heiraten — daS Mädchen mit dem wundervollen roten Haar — so wurde sie wenigstens von der Herrenwelt in Moorchester bezeichnet.
Sir William verbeugte sich, lächelte und zog den Hut, wie er an den verschiedenen Gruppen vorbeischritt, er lächelte und verbeugte sich vor den Großen der Stadt und so schritten die beiden imposanten Gestalten eine Allee hinunter, die dem Moor zuführte und entschwanden allmählich den Blicken drr übrigen Gäste.
(Fortsetzung folgt.)
— Nach einer Meldung deS Ostdeutschen Grenzboten soll eS am Sonntag in der Kirche von W y st i t e n zu einer blutigen Schlägerei zwischen Litauern und Polen gekommen fein, bei der die herbeigerusenen russischen Grenzsoldaten schließlich von der Waffe Gebrauch gemacht hätten. Man spricht von einer großen Zahl Verwundeter, auch sollen mehrere Personen getötet fein.
— In der letzten Nacht beschlossen in Kopenhagen zwei Arbeiterkinder ein 13jähriger Knabe und ein 12jährigeS Mädchen, gemeinsam zu sterben. Beide wurden Morgen« in einem Keller aufgesunden, wo daS Mädchen von dem Knaben erschossen worden war. Der Knabe wurde schwerverletzt in» Hospital gebracht.
— P a u, 5. April. Der Lenkballon Bill de Pau unternahm mit zehn Personen einen dreiviertelstündigen Flug. Blsriot begleitete daS Lustschiff aus seinem Aeroplan.