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herssel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 41.

Donnerstag, den? April

1910*

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 5. April 1910.

Den Herren Bürgermeistern und GutSvorstehern sind in diesen Tagen die StaatSsteuer-Benachrichtigungsschreiben zur Aushändigung an die Steuerpflichtigen übersandt worden.

Die Aushändigung hat sofort zu erfolgen. Die ZuftellungSlisten sind binnen 5 Tagen hierher zurückzureichen, wie dies auf den einzelnen Listen versügt ist. Andernfalls sind die Gründe anzuführen, die eine Verzögerung veranlaßt haben.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer» Veranlagungs-Kommission.

I. V.:

Nr. 820. Fenner.

HerSfeld, den 4. April 1910.

Die Firma G. H. Braun zu Eichmühle, Gemeinde­bezirk Asbach, beabsichtigt an ihrer

T«rbin«nanlago

eine bauliche Veränderung vorzunehmen. Der Untergraben ihrer Mühle und die Turbinenlaufräder sollen tiefer gelegt werden; auch soll eine Vertiefung deS FuldabetteS, wodurch zeitweilig eine geringe Veränderung deS Wasserspiegels im Unterwasser der Mühle eintreten wird, vorgenommen werden.

Die Zeichnungen und Beschreibungen hierzu liegen während der nächsten 14 Tage in meinem GeschäftSlokale zu Jeder­manns Einsicht offen. Einwendungen hiergegen können inner­halb dieser Zeit bei mir schriftlich in zwei Ausfertigungen oder zu Protokoll angebracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im münd­lichen Verhandlungstermin am

Dienstag, bett 26. d. Alts.

vormittags 10 Uhr

in meinem GeschäftSlokale auch im Falle deS Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden erörtert werden.

I. 3006. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 30. März 1910.

Die Zimmerlehrlinge der Kreise HerSfeld und Hünseld, welche ihre Gesellenprüfung abzulegen haben, werden aufgefordert, sich bei dem Unterzeichneten schristlich zu melden.

' Nachstehende Papiere sind einzusenden: Gesuch um Zulassung zur Prüfung, LehrzeugniS, Lebens-

Die menschenfalle.

Von Guy Thorne.

(Fortsetzung.)

Gelegentlich erhob sich Lucie und trat an diese oder jene Gruppe, um am Gespräch teilzunehmen. Sie wußte, daß in der Gesellschaft von Moorchester in der Regel nur ein Ereignis das Gesprächsthema bildete. Hatte eS durch beständige Wieder- Holung endlich feinen Reiz verloren, so ließ man eS fallen und nahm ein anderes auf.

Heute nachmittag sollte sie bald merken, was das Interesse der Bevölkerung von Moorchester in Anspruch nahm. An Stelle deS Testaments von Miß Clegg, das monatelang besprochen worden war, trat heute die Ankunft Mr. Julius Wilshire, des reichen Amerikaners, der mit feiner Tochter und einem jungen Spanier allem Anschein nach sein Gast Claremont Saufe bewohnte. Alle möglichen Vermutungen über die Rolle, die sie in der Gesellschaft spielen würden, über ihre GeschmackSeinrich- tung, ihre Absichten und über den Grund ihres Kommen- würden laut.

Lucie Harrop vernahm, wohin sie sich auch wenden mochte, beständig Bemerkungen, die sich auf die Amerikaner bezogen, und sie fing an, sich zu langweilen. Sie hatte keine Freude an dem heutigen Nachmittag wenigstens bis jetzt nicht. Die Amerikaner interessierten sie nicht. Ein anderer Name er­füllte ihre Gedanken und ihr Herz pochte leidenschaftlich, so oft oei Diener vom Hause herkam, um neue Gäste anzumelden. Sie war im Begriff, zu ihrem Vater zurückzukehren, alt sie den Namen Gilbcrt Atherton hörte.

,Ja", sagte eine alte Jungfer, die in ihrem Kreise ängstlich über jeden Klatsch wachte,Mr. Gilbert und die Amerikanerin faßen zu Pferde und ritten in scharfem Galopp an mir vor-

"^'H '^er die Heide ging. Sie schienen in sehr vertrau- Uchem Gespräch zu sein. Auf dem Rückweg traf ich Niobe ; c s" "^ Hausmädchen engagiert haben. Diese war, L«?^L.bekannt ,st, ein früheres Mitglied meiner Sonntags- fchule. Wir unterhielten uns ein Weilchen, und ich erfuhr,

lauf, Zeugnis der Schule, Zeugnis der Fortbildungsschule.

Die Prüsung findet am 19. April 1910, Vormittag- 8 Uhr, auf dem GeschästSplatz de- Unterzeichneten statt. Lämmerzahl, Zimmermeistcr, Vorsitzender deSPrüfungsauSschussrS.

Her-feld, benjsi. März 1910.

Wird veröffentlicht.

I. 3203. Der Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Bilder vom Ausbruch des Aetna.

Vom jüngsten Ausbruch deS Aetna gibt Luigi Barzini, der ausgezeichnete Korrespondent der Corriere della Sera, der sofort an die Stätte der großen Katastrophe geeilt ist, eine erschöpfende Schilderung des gewaltigen Naturschauspiels. Denn alS ein großes Schauspiel wird der Ausbruch von allen Augenzeugen empfunden; nur in den ersten Stunden, ehe der Laus der Lava erkennbar wurde, bemächtigte sich der Bewohner der höchsten Dörfer Bangen und Schrecken. Nun, da man dir Gewißheit hat, daß Lebensgefahr nicht droht, solange sich nicht neue Krater öffnen, genießt man wie in einem Theater das wundervolle Schauspiel, und an allen Stätten, wo nach der Meinung des Fernstehenden Angst und Grausen herrschen, waltet Fröhlichkeit und Freude über die guten Einnahmen, die die Tausende von Fremden bringen, die herbeigeeilt sind, um den Zorn des Aetna zu sehen. Von weitem ist der mächtige Berg in Achte Rauchwolken uhge» hüllt, nur der feurige Widerschein am Himmel läßt die Stätte ahnen, auS der Feuer und Zerstörung ihren Weg nehmen. »Während wir auf den schmalen Bergpsaden emporklimmen, haben wir fast den Eindruck, als ob der große Ausbruch verschwunden und alS ob alles nur eine große, furchtbare Täuschung gewesen fei. Die herrliche Landschaft unter unS, die im Mondlicht gebadet silbern flimmert, nimmt die ganze Aufmerksamkeit gefangen . . . Aber plötzlich bricht ein hohles Brausen los wie hundert Donnerschläge, die Lust wird er- schüttert, und von Hügel zu Hügel pflanzt sich das Echo fort. Dann erstirbt dies zornige, majestätische Tosen, und wir fühlen die Erde unter unseren Füßen beben. Das ist der grollende Aetna, der sich in seinen Tiefen reckt. Mit dem furchtbaren Donner verschwindet die Fröhlichkeit der Bergsteiger. Wie durch ein Zauberwort erlischt das Gespräch, und in bangem Schweigen dringen wir weiter vorwärts. An einer Wegkrüm­mung sehen wir dann die Lava, diesen gewaltigen Strom glühender Felsen, der eher an ein schreckhaftes Traumbild als an die Wirklichkeit gemahnt. Und dann sehen wir die Krater, dicht nebeneinander liegen sie, auS allen strömen die Flam» menmaffen und vereinigen sich zu einem einzigen riesigen Feuer-

daß Mr. Gilbert Atherton schon drei- oder viermal in Clare­mont einen Besuch abgestattet hat, seitdem Mr. Wilshire dort eingezogen ist. DaS sieht doch sehr verdächtig aus, nicht wahr?M

Lucie wandte sich ab und ging zu ihrem Vater. Sie war blaß geworden und Oberst Harrop wollte eben eine bc- forgte Frage an sie richten, alS der Haushofmeister Sir William Atherton und seinen Sohn anmeldete. Es entstand eine kleine Aufregung und Unruhe unter den Umsitzenden, als der König von Moorchester auf den Wirt bei HauseS zuschritt, gefolgt von dem jungen Manne, mit dem sich die Gedanken und Gespräche der Damen von Moorchester unaufhörlich be­schäftigten.

LucieS Farbe ging und katn, als sie Vater und Sohn die Hand schüttelte, und in ihrer Erregung sah sie an­mutiger au« alS irgend einei der anderen Mädchen. Die Sonne strahlte herrlich. Die Musik klang lockend au- der Ferne. Die Welt war für Lucie Harrop eine andere ge­worden.

»Mein lieber Sir William", sagte der Oberst, seines alten Freundes Hand herzlich schüttelnd. »Es ist wirklich zu liebens­würdig, daß Sie unS mit Ihrem Besuch erfreuen. Ich hoffe, eS geht Ihnen wieder bester, obschon Sie nicht ganz so munter aussehen wie ftüher."

In der Tat erschien Sir William Atherton, obgleich sein Gesicht die alte gesunde Farbe wieder angenommen hatte, im Wesen sehr verändert. Er war ein wenig zerstreut, ja nervös, was feiner Natur sonst völlig fremd gewesen war.

»Armer William", dachte Oberst Harrop bei sich, »er ist kränker gewesen, als einer von uns gewußt hat. Er fühlt sich auch jetzt noch nicht wohl, wenn er eS auch nicht zeigen möchte. Ja, ja, wir werden alt und William hatte stets die Gewohnheit, fein Leben zu genießen."

Danke, mir geht eS bedeutend bester", erwiderte Sir William.Wenn ich auch nicht sagen kann, daß ich ganz der alte bin. Es scheint ja heute nachmittag recht vergnügt bei Ihnen zuzugehen. Wahrhaftig, lieber Freund, Sie haben wohl die halbe Stadt geladen."

mcer. Ganz hell ist ei, und weithin durch die Nacht liegt die Gegend im Feuerschein erleuchtet. Die Höhe, von der die Lava herabströmt, mag gegen drei englische Meilen betragen. Eine weite, formlose Masse in rotleuchtendem, einfarbigem Licht. Wenn man dann das Ganze überblickt, hat man den Eindruck einei ganzen, sich bewegenden BergeS. Kleine Neben­flüsse feigen sich vom Hauptstrom ab, kreuzen einander; bisweilen schiebt sich ein Hindernis ihnen entgegen: dann bilden sie große, weite Feuerseen. Hin und wieder schießen seltsame, durchsichtige Farbengarben empor wie Massen rot­glühenden Eisens; plötzlich werden sie von dem Hauptstrom auSgestoßen; unwillkürlich entsteht der Eindruck, als sähe man große Ströme von Blut. Und man denkt sich den Aetna verwundet, man sieht ihn sein Blut verlieren und hört ihn in Zorn und Wut grollen. Ueber den feuerspeienden Kratern liegt ein einzelner, einsamer Krater, der Bomben und Rauch­wolken stoßweise emporschleudert. Jede Entladung bringt einen Blitz und einen Donnerschlag als ob gewaltige Geschütze abgefeuert würden. Aber man kennt jetzt die Richtung und die Schnelligkeit der Lava, und alle Angst ist gewichen. Der Pfad zum Lavastrom ist von Menschen überfüllt. Bauern tragen lange Stöcke, dir sie in den Feuerfluß tauchen; später zeigen sie die verbrannten Enden mit gleichem Stolze, mit dem etwa ein heimkehrender Krieger seine blutige Lanzenspitze vor­weisen mag. Man tauscht feine Eindrücke, man verfolgt mit Interesse den Lauf der Lava, diskutiert seine Schnelligkeit. Am ersten Tage hat sie 7 Kilometer zurückgelegt, am zweiten drei und am dritten kaum ein Drittel. ES ist fast sicher, daß der AuSbruch sich nicht verstärken wird. Kein Dorf ist in Gefahr, nur einige Felder sind zerstört. Die Bauern kennen ihren Feind und nehmen seine Feindseligkeiten nicht allzu ernst. Es scheint, daß dtt bei Aetna immer höher emporsteigen und sich dem Gipfel nähern.

1883 öffnete sich der Krater bei 3000 Fuß Höhe, 1886 bei 4600, 1892 bei 6000, und die jetzigen Krater liegen bei 7200 Fuß Höhe bereits im Reiche des ewigen SchneeS. Ueberall sieht man Neugierige, die den AuSbruch beobachten wollen, aber das Interesse ist bereit- im Abnehmen und jede dramatische Spannung geschwunden. Der AuSbruch ist dem Volke nur noch eine seltene freie Ausstellung ein riesiges Feuerwerk das jeder sehen will. Seit dem letzten großen Jahrmarkt hat Nicolosi nicht so viel Gäste gesehen. AlleS ist vergnügt und glücklich und fast alle Sprachen der Welt kann man in dem kleinen Dorfe hören. Der grollende Aetna, der unS erschrecken wollte, ist diesmal gedemütigt. 6000 Schau­lustige sind heute morgen gekommen, um den Lavastrom zu besichtigen. Am Abend hallen die Täler und Dorfftraßen wider von dem fröhlichen Gelächter der Menge, und au- der Ebene herauf tönen die Gesänge der Bauern. Auf den Hügeln gehen die Ausflüger spazieren, in der Nacht tragen sie kleine Laternen, die wie Glühwürmer funkeln, so daß der Berg im Blau der Nacht wie ein sternbesäter Himmel auS- sieht. Am Morgen aber sieht man aus den Hügelkanten die

Er lachte etwas nervös und seine Augen schweiften wie suchend über die Gäste und den Garten.

Ich denke, eS sind jetzt so ziemlich alle versammelt", ant» wartete der Oberst. »Nur meine neuen amerikanischen Freunde fehlen noch. Sie sollen nette Menschen fein, höre ich. Wissen Sie etwas von ihnen?"

Sir Williams Hand griff nach dem Halse. Seine Stimme klang heiser, er schien erkältet zu sein.

Ich habe Wilshire seit seiner Ankunft nicht gesehen", sagte er, »aber Gilbert hat ihm einen Besuch gemacht. Ich hoffe ich hoffe, ihn heute nachmittag zu treffen. Er weiß, daß ich hier bin, und um die Wahrheit zu sagen, haben wir durch Gilbert eine Zusammenkunft bei Ihnen verabredet. Ich kenne ihn schon seit vielen Jahren. Ja, als wir beide jung waren, find wir in Birmingham eine Zeitlang intim befreundet gewesen. Dann ging er nach Amerika, erwarb sich einen Namen und ein Vermögen, und ich verlor ihn viele Jahre aus dem Gesicht."

»O, da sind Sie also befreunbet, das ist ja prächtig", ant­wortete Oberst Harrop.Ich hatte keine Ahnung, daß Sie ihn kennen. Das wird ein fröhliches Wiedersehen geben. Man sagt, seine Tochter sei ein schönes Mädchen."

Darüber weiß ich nichts", sagte Sir William.Gilbert hat mir über das Mädchen keine Geständnisse gemacht", setzte er mit schwachem Lächeln hinzu.

Dann will ich wetten, daß sie schön ist", lachte der Oberst. Doch da kommen die Herrschaften, wenn ich mich nicht sehr irre. Ja, daS müssen sie sein."

Das Erscheinen Mr. Wilshires und seiner Tochter machte noch weit größeres Aufsehen, als die Ankunft Sir Williams es getan hatte. Kaum einer in Moorchester war den Amen- kanern bisher begegnet, obgleich die angesehensten Familien im Ort ihre Karten in Claremont abgegeben hatten. Und nun war der große Augenblick gekommen; sie sollten die vielbesprochenen Fremden von Angesicht zu Angesicht er- blicken!

Da kamen fiel

Gilbert sprach eben mit Lucie, er schien in ausgezeichneter