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Jahre hindurch ertragene Unbill gerächt, da- drückende Joch der fremden Eroberers zerstört werden. Und am 17. März erfolgte der ewig denkwürdige AusrufAn mein VolkI'gleich­zeitig mit dem von dem umsichtigen General Scharnhorst längst vorbereiteten Erlaß über die Bildung der Landwehr und der Landsturms. Hierdurch wurden sämtliche wehrhaften Männer zwischen 17 und 40 Lebensjahren, soweit sie nicht dem Heere angehörten, zum Dienst in der Landwehr heran­gezogen; alle übrigen Männer bis zum 60. Lebensjahre sollten den Landsturm bilden, der in Tätigkeit zu treten hatte, falls der Feind ins Land cindrang. Die Kopfbedeckung deS Land- wehrmannS zierte ein einfaches Kreuz von weißem Blech mit der vom Könige selbst gewählten Inschrift:Mit Gott für König und Vaterland."

Auf diese Weise wurde eS möglich, daß dar kleine verarmte Land neben den 42 000 Mann deS stehenden HeereS 95 000 Rekruten und Krümper, mehr als 10000 freiwillige Jäger und 120 000 Mann Landwehr aufstellte, eine Macht, die dar Staunen der Welt erregte. Eine Anzahl besonders kühner und vaterlandsliebender Männer vereinigte sich in verschiedenen Gegenden zu StreifkorpS, um mit Wagemut den kleinen Krieg im Rücken deS Gegners zu führen und ihm durch Unterbrech­ung seiner Verbindungen, Wegnahme der Zufuhr und der­gleichen größtmöglichen Schaden zuzusügen. Keins dieser KorpS spiegelte den hohen Geist des Volkes lebendiger wider, als da- deS Major- von Lützow. In dieserschwarzen Schar", derSchar der Rache", kamen der Tatendurst und die helden­mütige Todesverachtung der deutschen Jugend in den schönsten Farben zum Ausdruck, edle Männer und Jünglinge fanden sich hier zusammen, unter ihnen der vaterländische Dichter Theodor Körner, um für Preußen- Ehre zu kämpfen. Nach einer feierlichen Einsegnung in der Kirche in Rogau am 27. März 1813 zogen sie in den heiligen Krieg.

So verliefen die glücklichen Frühling-tage deS Wieder- erwachen- unseres Vaterlandes im Jahre 1813.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 3. April 1910.

Gestern vormittag 10Vs Uhr sind Ihre Majestäten und die Prinzessin Viktoria Luise mit Sonderzug in H o m b u r g v. d. H. eingetroffen. Aus dem Bahnsteig waren anwesend der Gesandte Freiherr v. Jenisch, der als Vertreter des Auswärtigen Amts dort zum kaiserlichen Gefolge hinzutritt, ferner Landrat Ritter v. Marx und Oberbürger­meister Lübke. Die Majestäten begrüßten die anwesenden Herren und begaben Sich sodann, unter Glockengeläut und vom Publikum herzlich begrüßt, durch die mit Flaggen ge­schmückte Stadt nach dem Königlichen Schloß, wo Sie mit der Prinzessin Wohnung nahmen. DaS Wetter war kühl, aber schön. Se. Majestät der Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise begaben Sich mit dem gesamten Gefolge heute nachmittag von Homburg v. d. H. in Automobilen aus die S a a l b u r g. Der Kaiser besichtigte dort u. a. die Neuausstellung der Münzensammlung und eine außerhalb deS Kastells liegende, neuerdings freigelegte römische Schanze auS der Zeit vor dem Kastellbau. Hiernach machten die Majestäten noch einen längeren Spaziergang im Taunus bis zum Wildgarten und kehrten mit Automobilen nach dem Königlichen Echlosie in Homburg zurück.

Prinz Heinrich von Preußen hat am 1. April feinen neuen Posten als Generalinfpekrenr der Kaiserlichen Marine angetreten. Prinz Heinrich ist der wirkliche erste selb­ständige Inhaber deS genannten wichtigen Postens, denn Groß­admiral v. Koester, welcher bislang Generalinspekteur der Marine war, führte lediglich den Titel, während er in erster Linie Flottenchef war. Prinz Heinrich ist in seiner jetzigen Stellung lediglich dem Kaiser untergeordnet und übt in ihr eine noch umfaffenbete Tätigkeit aus, als ein Generalinspekteur der LandheereS.

Der Stapellaus der neuen großen Kreuzers G." findet am 17. April statt. Der Kaiser hat den General der Infanterie und Chef des GeneralstabeS von Moltke mit der Taufe beauftragt. Da nun noch mehrere Mitglieder der Familie Moltke an dieser Tauffeier teilnehmen werden, so darf geschloffen werden, daß dieses größte und jüngste Schiff der deutschen Marine den NamenMoltke" führen wird.

Der kleine deutsche KreuzerSperber", welcher kürzlich im Hasen Kap Palmas in der westasrikanischen Negerrepublik Liberia eingetroffen war, sollte nach Meldung Pariser und Londoner Blätter infolge versuchter Intervention in den gegenwärtigen Unruhen in Liberia von der dortigen Regierung strikte aufgefordert worden sein, die liberianischen

warten haben, mein Liebling?" suhr der alte Herr fort.

Ich kann es nicht genau sagen, Papi, aber ich denke, wenigsten- zweihundert."

Nun, da- geht; die können wir gut unterbringen. Ich bin übrigen- gespannt, was diese neuen Amerikaner für Menschen find. Schade, daß sie nicht zu Hause waren, all wir Besuch machten."

Er scheint, als wenn sie überall gefallen", antwortete Lucie.Aber ist eS nicht sonderbar, daß ein so berühmter Gelehrter wenigstens sagt alle Welt, daß er ein berühmter Gelehrter und Erfinder ist sich gerade hier in Moorchester niederläßt?»

Durchaus nicht, mein Liebling", antwortete Oberst Hanop.Moorchester ist eine Stadt, in der jeder stolz sein kann, fich niederzulaffen. ES ist nicht so stark bevölkert wi«^ Liverpool oder London, aber es hat andere Vorzüge

Der Oberst sprach mit Nachdruck und Wichtigkeit, denn obgleich er ein weitgereister Mann war, hielt seiner Ansicht nach keine andere Stadt der Welt mit Moorchester einen Ver­gleich auS.

Er war noch bei der Verteidigungsrede seiner Geburtsstadt alS eine junge Dame eilig über den Rasen aus ihn und seine Tochter zukam. Sie war eine kleine Brünette, zählte vielleicht dreißig Jahre und ihre Bewegungen waren rasch und unver­mittelt. E- war Dorothea Butterworth, Lucie HarropS intime Freundin, die sie mit ihrer starken impulsiven Natur vollkommen beherrschtt.

Oberst Hanop zog höflich den Hut und ließ die beiden Damen allein. Er liebte Dorothea Buttnworth nicht sonder­lich und hätte seiner Tochter lieber eine andere Vertraute ge- wünscht.

Meine geliebte Lucie", begann das schwarzhaarige Mäd­chen, indem fie ihre schlanke Freundin mit überschwenglicher Zärtlichkeit umarmte,Du siehst süß auS, wirklich über alle Beschreibung reizend. Mein lieber Herz, du bist ein reines Gedicht! Ein Traum, sage ich dir!"

Sei nicht albern, Dolly!" erwiderte ihre Freundin.Du o^est inimti so dumme- Zeug."

Gewässer wieder zu verlassen, woraus denn auch der Sperber LaS PalmaS wieder verlassen habe. Diese Darstellung weist sich aber all tendenziös gefärbt, denn auS einer vom Wölfi­schen Telegraphenbureau gegebenen offiziösen Schilderung bei Vorganges erhellt, daß der Sperber keinerlei Aufforderung von der liberianischen Regierung zum Verlassen von Kap PalmaS erhalten hat. DaS Schiff war dort auf da- Ersuchen deutscher Firmen, welche sich durch die revolutionären Wirren in Liberia beunruhigt fühlten, erschienen. Da der Befehlshaber der liberianischen RegierungStruppen sich außer Stande erklärte, daS Flußufer von den aufständischen Eingeborenen zu säubern, so erbot sich der Kommandant des Sperber hierzu, war in­dessen liberianischerseitS dankend abgelehnt wurde. Schließlich zogen sich die Rebellen von selbst zurück, und da sie offenbar keinen ernstlichen Angriff aus Kap PalmaS wagten, so verließ der Sperber dann den Hasen wieder.

Durch Erlaß de-MiNisterS der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach ist eine Erhöhung der Be­lohnungen, die den langjährig beschäftigten Eisenbahnarbeitern gewährt werden, folgendermaßen verfügt worden: Für 25-, 30» und 35jährige Dienstzeit um je 20 M. auf 50, 60 und 80 M., für 40jährige von 80 aus 100 M., für 45jährige von 100 auf 200 M. und für 50jährige von 150 aus 300 M. Denjenigen Arbeitern, welche am Tage bei Erlasse- (13. März 1910) und später einen der vorgenannten BcschästigungSzeit- räume beendet haben, sind die Zulagen bezw. Belohnungen nach den neuen Sätzen zu bewilligen.

Wie die KorrespondenzHeer und Politik" von militä­rischer Seite erfährt, hat die preußische Heeresverwaltung be­schlossen, längere Versuche mit einer neuen Erfindung zu machen, die zum Antreiben der Artillericpferde dient, und welche die Abschaffung der Sporen bei der reitenden Artillerie zur Folge haben würde. ES ist bekannt, daß die Artilleriepferde, die besonders schwer zu arbeiten haben und sehr empfindlich sind, die Sporen nicht vertragen. E- ist darum schon mehrfach vorgekommen, daß durch die Sporen be­sonders bei Fahrten der Artillerie auf abschüssigem Terrain die Pferde wild wurden und Unglückssälle nicht zu vermeiden waren. Da aber die Sicherheit der Artillerie selbst aus dem schwierigsten Gelände von größter Wichtigkeit ist, so sollen die Sporen durch ein Ledergestell ersetzt werden, da- die Wirkung der Sporen hat, ohne jedoch die Pferde zu reizen. Das Leder­gestell wird unterhalb der Flanke angeschnallt, da ein Pserd um so besser läuft, je mehr die Flanken gereizt werden. Durch das Anziehen des Ledergestells wird der Gang der Pserde demgemäß beschleunigt, während er durch Lockerlassen desselben verlangsamt wird. Die Reizung durch diese- Ledergestell ist sehr sanft und tut seine Wirkung in ruhiger Weise. Die Ein- sührung dieser neuen Erfindung hängt von dem AuSfall der Versuche ab.

Aus Mülheim am Rhein wird vom 2. April ge- meldet: Heute nachmittag 4 Uhr fand aus dem hiesigen Friedhose eine große militärische Leichenfeier für die durch das Eisenbahnunglück ums Leben gekommenen Soldaten unter zahlreicher Beteiligung der Behörden und Abordnungen der -von dem Unglück betroffenen Regimenter und anderer statt. Die Leichen waren in der Leichenhalle nebeneinander aufgebahrt. Der kommandierende General deS VIII. Armee­korps, General der Jnsanterie v. Plötz, legte all Vertreter deS Kaisers einen prachtvollen Kranz nieder und hielt eine An­sprache, in der er den Angehörigen der Toten das Beileid des Kaisers, sowie das seinige und daS deS Armeekorps auSsprach. Nachdem der katholische und "der evangelische Divisionspsarrer gesprochen hatten, wurden die Särge auf vier Plateauwagen und sechs Leichenwagen gesetzt, und unter militärischen Ehren­bezeugungen erfolgte die Uebersührung nach dem neuen Güterbahnhof. Zwei Militärkapellen spielten Trauerweisen und die Spalier bildenden Truppen präsentierten beim Passieren des LeichenkondukteS. Eine überaus große Menschenmenge hatte sich am Friedhos sowie in den Straßen und am Bahn- hos eingesunden. Die Eijenbahndirektion hatte für jede der Leichen einen Kranz gespendet. Die meisten Leichen werden heute nacht nach ihrer Heimat übergesührt.

In den V e r e i n i g t e n S t o a t e n ist ein Riesen- streik ausgebrochen. Mehr als 300 000 Bergleute in den Fettkohlendistrikten haben die Arbeit bis zur endgültigen Re­gelung der schwebenden Frage der Lohnerhöhungen eingestellt. Ferner find eine größere Anzahl Lotsen und Lotsengehilsen im Dienste mehrerer Eisenbahngesellschaften deS Ostens in einen Streik eingetreten, um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erlangen. Der Ausstand betrifft lediglich den Frachtverkehr in den Häfen.

Von Rom auS wird die von der Pariser Agance HavaS verbreitete Nachricht vom angeblichen Ableben bei

Und du erst o du allerliebste- Püppchen, du!" gab Miß Butterworth zurück und warf sich abermals Lucie um den HalS.

Dann fingen beide Mädchen an, langsam im Garten herum- zuwandern.

Wie entzückend habt ihr alles hergerichtet, Liebste!" rief Dolly schwärmerisch.ES muß dich doch unendlich glücklich machen, einen so gütigen und nebeln Vater zu besitzen, der sein Geld in so vornehmer Weise aulgibt. Wenn du nicht wärst, mein Herz, so würde ich nach Vater- Tode gar nicht- mehr vom Leben haben. Aber deine Güte und Freundlichkeit sorgt für die arme Dolly."

Sie preßte bei diesen Worten Lucie- Arm und dachte dabei, daß Miß HarropS neue Gesellschaft-toilette eine er- wünschte Bereicherung ihres eigenen Kleiderschränke- abgeben würde.

Er kommt doch natürlich auch?" suhr sie fort, indem sie schelmisch zu ihrer Begleiterin emporsah.

Lucie errötete.

Sei nicht so albern, Dolly!" antwortete sie.Ich weiß nicht, wen Du meinst."

Du unnütze-, kleines Ding!" rief die verschmitzte Person. Warum verstellst du dich vor deiner alteu Dolly? Du weißt ganz gut, wen ich meine. Er"

Still, Dolly! Wirklich, du mußt nicht solche Sachen reden."

Aber ein kleiner Geheimnis muß ich meinem Herzchen noch erzählen", beharrte Miß Butterworth.Als ich neulich morgen die Kirchstraße entlang ging, wen sah ich da? Herrn G--, schon gut, ich werde den Namen nicht au-sprechen, wenn du nicht willst. Er stand vor dem Laden der Photo­graphen, in dem da- große Bild von dir hängt, da- Beazley bat, ausstellen zu dürfen. Du weißt doch?"

Die Röte auf Lucienr Wangen vertiefte sich.

Ach Unsinn!" sagte sie.Er hat jemand ander- ange­sehen."

Aber der Ausdruck ihrer Augen zeigte der Schmrich- lerin, daß ihre Worte die gewünschte Wirkung nicht verfehlt hattm.

NeguS Menelik jetzt all unbegründet erklärt. Hinzuge, fügt wird die Versicherung, daß der Zustand deS NeguS un. verändert sei und daß im Lande Ruhe herrsche. Die Kaiserin Taitu habe sich vergeblich bemüht, mit den Anführern der Schoaner ein Einvernehmen zu erzielen. AuS Addis Abeba direkt wird gemeldet: Hier herrscht Ruhe. Die Europäer sind wieder ungehindert aus den Straßen zu sehen. Die Kaiserin hat bereit- die Residenz verlassen und ist alS Gefangene unter starker Bedeckung schoanischer Reiter nach dem 60 Kilometer westlich gelegenen AddiS Alam gebracht worden, welcher Ort ihr von der Regierung all fernerer Aufenthalt angewiesen worden ist. Auffälligerweise ist aber in dieser Nachricht nicht die geringste Andeutung darüber enthalten, ob denn der NeguS Menelik nun wirklich noch unter den Lebenden weilt oder ob er doch mit dem Tode abgegangen ist.

Aus Provinz u. Nachbargebiet

* (Signierung d er Stückgüter.) Mit dem 1. April tritt zum deutschen Eisenbahn-Gütertarif, Teil I, Ab­teilung A, der zweite Nachtrag in Kraft, durch den u. a. zu § 62 der Eisenbahnverkehr-ordnung solgende neue, die Signierung der Frachtstücke betreffende Au-sührungsbestim- mungen eingesührt werden: Die Stückgüter sind überein­stimmend mit den Angaben im Frachtbrics entweder mit der Adresse deS EmpsängerS oder mit Buchstaben und Nummern zu versehen. Einfache Striche oder Kreuze dürfen nicht als Zeichen gebracht werden. Zeichen, die nicht leicht wieder­gegeben werden können, sind nicht zulässig. Auch bei der Auflieferung mehrerer gleichartiger Stücke muß jede- Fracht­stück bezeichnet werden. Die Bezeichnung ist aus dem Gute selbst oder aus einer an dem Gute dauerhaft befestigten Tafel oder Fahne aul haltbarem Material anzubringen. Die Oesen der Fahnen müssen ausreichend gesichert sein. Von be­sonderem Interesse ist weiterhin auch noch die Bestimmung, daß aus Körben, namentlich Reisekörben, sowie auf Ballen und Säcken die Bezeichnung nicht aufgeklebt, sondern, wenn nicht eine Fahne benutzt wird, mit starkem Faden aufgenäht oder durch Farbe oder Druck angebracht werden darf.

* (Neue Bezeichnung für daSLokomotiv- personal.) Ein Ministerialerlaß vom 17. März ordnet an, daß in Zukunft abweichend von der bisherigen Gepflogen­heit auch gut befähigte Nichthandwerker als Lokomotivheizer auch im Fernverkehr ständig zu verwenden sind. Die nicht handwerksmäßig vorgebildeten Heizer haben fortan die Amts­bezeichnung Feuermann und bis zur etatsmäßigen An­stellung HilsSseuermann zu führen, während die handwerks­mäßig vorgebildeten Beamten und HilsSbeamten ihre bisherigen Amtsbezeichnungen behalten. Die ständig und ausschließlich im Dienst eineS Lokomotivführers beschäftigten Lokomotiv­heizer sind jedoch künftig alS Reserve-Lokomotivführer zu bezeichnen.

§ Hersfeld, 4. April. (D e r e r st e S ch u l t a g.) Ein wichtiger, feierlicher Tag, der einen Markstein im Leben deS Kindes bildet, und von dem schon wochenlang zuvor in der Familie gesprochen wurde, ist heute angebrochen: der erste Schultag. Der kleine Max und daS kleine Lieschen, sonst die Kobolde des HauseS, sind heute ganz gegen ihre Gewohn­heit ruhig und artig, die Wichtigkeit bei Ganges, den sie unternehmen sollen, wirst bereits ihre Schatten in das sonst so übermütige Seelchen. DaS Frühstück will heute gar nicht recht munden, die Blicke wandern in der Stube w»W «m- bald auf dem neuen Ranzen, bald auf dem Antlitz der Mutter hasten zu bleiben, das heute einen besonders milden Ausdruck trägt. Endlich ist eS so weit! Feldmarschmäßig bepackt steht der kleine ABC-Schütze da, tapfer die Tränen hinunterschluckend, die unwillkürlich in ihm emporsteigen wollen. Ein kurzes, recht zaghaftes Adieu an die Zurückbleibenden, dann geht eS an Mütterchens oder der großen Schwester Hand dem Schulgebäude zu, und bänger und bänger klopft da- kleine Herzchen. Endlich am Portal der Schule angelangt, hebt sich die kindliche Brust in freieren Atemzügen; denn mehr als der tröstliche Zuspruch der Mutter wirkt hier der Anblick der von allen Seiten herbeiströmenden Kinder er­leichternd aus das kleine Gemüt. DaS läuft und schwatzt durcheinander! Endlich kommt etwas Ordnung in den Bienenschwarm. Die Schulbänke füllen sich, und schließlich fitzt die kleine Schar voll gespannter Erwartung reihenweise in den Bänken. Mit dem Eintritt deS Herrn Lehrers geht wieder ein kleiner Ruck durch all die zaghaften Herzchen, aber die Sorge, von der dieselben erfüllt waren, schwindet gar bald; denn der Herr Lehrer erweist sich als ein recht lustiger und freundlicher Mann, der sie alle erst nach ihrem Namen fragt, der wissen will, waS der Papa jede- einzelnen ist, und

Die beiden Mädchen setzten die Unterhaltung fort, bis die ersten Gäste erschienen, und in einer Stunde war der große Garten mit geputzten Menschen angesüllt. Farbige Sommer- toiletten bewegten sich über die Rasenflächen, und bal Ge­summe schwatzender Stimmen und sröhlicheS Lachen er­füllten die Lust. Aus zwei Plätzen wurde Tennis gespielt, auf einem anderen vergnügte man sich mit Krokrtt und zu dem allen spieltt die Musik träumerische schmachtende Walzer von Strauß.

Miß Butterworth unterhielt sich ernsthaft mit Mr. Benger, dem ersten Hilssprediger. Lucie saß neben ihrem Vater, in der Nähe bei HauseS, von Freunden umgeben, bereit, verspätete Ankömmlinge zu empfangen. Sie befand sich schon einige Zeit dort und man konnte leicht bemerken, daß sie zerstreut war. Sie sah im Garten umher und achtete wenig auf daS Gespräch in ihrer Nähe.

(Fortsetzung folgt.)

(Heitere- au- der Theaterwelt.) Allzu großer Reali-mu- auf der Bühne kann bisweilen gar böse Folgen haben. Dies zeigte sich neulich bei der Erstaufführung deS LustspielsDer scharse Junker" im Meininger Hoftheater. Der Darsteller der Titelrolle hat im dritten Akt die ange­nehme Pflicht, eine Flasche Sekt zu trinken. Wie allgemein üblich, gibt eS in einem solchen Falle sehr unschuldige und bekömmlich« Brauselimonade. In Meiningen aber muß, so schreibt man derRat. Ztg." von dort, der Tration nach, auch unter Grube- Regie, alle- echt sein, und so bekam der betreffende Schauspieler eine Flasche wirklichen Champagner hingestellt. In der Premieren-Angst und Hitze stürzte er schleunigst mehrere Gläser deS so wohlschmeckenden eiskalten Tränke« hinunter, und mit Verzweiflung merkte bald der an­wesende Autor, daß ein regelrechterZungentatterich" die Folge deS köstlichen Weine- war, all er die seltsamen Wort- verdrehungen und daS aufgeregte Spiel seine- Helden wahr­nahm. Zum Glück merkte bal Publikum fast gar nichts, und so wurde der Erfolg durch den kleinen SchwipS nicht beeinträchtigt.