Erlaß der Zaren die kümmerlichen Reste der Autonomie F i lila ndS noch eine weitere Einschränkung erfahren haben. Frankreich endlich hat einen häßlichen Konflikt zwischen dem obersten Generalissimus seiner Armee und seinem Kriegsminister erlebt, der wieder einmal aus die Zustände unseres westlichen Nachbarstaates ein grelle- Licht sollen läßt. Der auS der DreysuS-Affäre her bekannte General Piquart, ein durchaus unbefähigter, aber wegen seiner radikalen Gesinnung bei den gegenwärtigen Machthabern der Republik wohl akkreditierter Mann, soll nach dem Wunsche deS Kriegsministers eins der wichtigen östlichen Armeekommandos empfangen, während der Generalissimus diesem Ansinnen nach Kräften Widerstand leistet. Man ersieht auch hieraus wieder, wie wenig ein von parteipolitischen Grundsätzen geleitetes parlamentarische- Regime den wahren Interessen der Wehrhastigkeit und Krieg-tüchtigkeit eineS Landes zu dienen vermag.
I« Vismarcks Gedächtnis.
Der 1. April wird als der Geburtstag des Fürsten Bis- marck dem deutschen Volke, solange es nicht seiner selbst vergißt, für immer ein Tag treuen und dankenden Gedenkens sein. 3m Geiste treten wir an diesem Tage wieder an die schlichte Kapelle, in der, umrauscht von den Buchen und Tannen deS Sachsenwaldes, über denen der erste zarte Schimmer deS wiederkehrenden Lenzes liegt, der größte deutsche Staatsmann, der unvergeßliche und unvergleichliche erste Kanzler deS neuen Reiches, schlummert. Aber mit dem bloßen Gedenken ist eS nicht getan. Bismarcks Geburtstag muß auch ein Tag des Bekenntnisses und Gelübdes sein, des Be- kenntniffeS zu seinen Grundsätzen, und des Gelübdes, dem Vaterlande mit deutscher Treue zu dienen und die Bahnen nicht zu verlassen, die Fürst BiSmarck uns gewiesen hat.
Versen wir einen flüchtigen Blick auf das gewaltige Leben-Werk deS großen Kanzlers! Es war im Jahre 1848, alS seine märkische Kraft, seine stahlharte Rücksichtslosigkeit, seine unerschütterliche Treue offenbar wurde, und er vertauschte die Ruhe deS Landlebens mit der wechselvollen Mühe deS Diplomaten. Dann kam der 23. September 1862. Durch den Park zu BabelSberg schritten sorgenvoll zwei hohe Gestalten. Der greise König stand vor dem Entschlüsse, die Bürde der Krone von sich zu tun, und in seiner Hand ruhte die Abdankung-urkunde. Da richtet sich BiSmarck in germanischem Trotze auf, er will den Kampf mit den widerstrebenden Parlamenten ausnehmen, und zerrissen flattert die Urkunde zu Boden: BiSmarck war Ministerpräsident. Und ob im politischen Blätterwalde der Sturmwind des Hasses und SpotteS tobte, der Recke blieb unerschüttert und setzte das Werk seines König-, die Heeresreform, durch.
Einst alS Student hatte er mit lachendem Munde einem amerikanischen Freunde zugrrusen: „In zehn Jahren ist Deutschland einig!" Er hatte die Frist freilich so kurz be- mesten, aber nun war er an der Arbeit, jene- Wort wahr zu machen. Noch verstand ihn sein Volk nicht; es grollte ihm, al- er den Krieg gegen Oesterreich herausbeschwor. Dann aber kam die Erkenntnis Schlag auf Schlag. Als daS neu- organisierte preußische Heer in sieben Tagen den Feind über- wand, alS der Schlachtendonner von Königgrätz Preußen als Großmacht kündete, als der große Staatsmann dem Feinde goldene Brücken baute, all der Norddeutsche Bund erstand und die Maingrenze fiel, als endlich Alldeutschland in Fran- kreich einzog und die Schwach von Jena bei Sedan tilgte, da kamen die Tage der Ernte nach mühevoller Lebensarbeit: der 2. September 1870 und der 18. Januar 1871 mit der Wiederausrichtung deS deutschen Kaiserreichs.
So steht das Bild dieses Helden, der, wie Siegfried auS den Stücken des Rötung sein nie bezwingliches Schwert, aus den deutschen Stämmen das einige, mächtige Deutsche Reich schmiedete, hochaufragend vor seinem Volke, frei geworden von jeder Schwäche, dem Ettefte der Parteien entrückt, rein erhaben und grvß wie das Bild eines Halbgottes der Sage. AuS den tiefen, mächtigen Augen dieses Bildes aber blitzt eS hinan- in daS deutsche Volk, fragend, ob wir sein Werk treu behütet, und mahnend, daß wir eingedenk seien der Pflichten gegen daS Vaterland, wie er eS getan hat mit seiner letzten Kraft.
Frage und Mahnung rufen zu ernster Gewiffensersor- schung, die so weiten Schichten deS Volkes not tut, zur Gewissen-erforschung, aus der sich der Vorsatz losringen muß, mit höchstem Ernste in die Fußtapsen Bismarcks zu treten, in Treue und Selbstlosigkeit, in alles gebender Liebe zum deutschen Vaterlande. Seinen gigantischen Geist können wir nur staunend bewundern; Riesen wie er wachsen aus dem Schoße der Völker nur in Zwischenräumen von Jahrhunderten. Doch seinen Tugenden müssen wir nachstreben, seiner lebendigen Lehre gehorchen und unS großzügig und opferwillig dem Vaterlande zur Versügung stellen zur Klärung und Lösung der immer schwerer werdenden inneren Fragen und zum siegreichen Kampfe gegen alle Gefahren, die uns von außen drohen.
Aus 3n- und Ausland,
Berlin, den 31. März 1910.
Ihre Kaiserlichen Majestä ten machten heute morgen den gewohnten Spaziergang im Tiergarten. Seine Majestät der Kaiser sprach im Anschluß daran im Auswärtigen Amt vor.
Kaiser Wilhelm richtete anläßlich der furchtbaren Brandkatastrophe in dem ungarischen Orte Oekörito eine sehr herzlich abgefaßte Beileid-depesche an den Kaiser Franz Joses, in der er seine innigste Teilnahme an dem erschütternden Unglück auSspricht. Kaiser Franz Josef dankte um- gehend telegraphisch für diese Beileid-kundgebung seines erlauchten Freunde» und Verbündeten.
Prinz und Prinzessin Eitel Friedrch von Preußen haben ihren Aufenthalt aus ägyptischem Boden wieder beendigt und am Mittwoch abend von Alexandrien auS die Ueberfahrt nach Jaffa an Bord der DampserS „Schleswig' angetreten. Von letzterem Hasenorte begeben sich dann die prinzlichen Herrschaften mittels Bahn nach Jerusalem.
DieersteLesungderReichSversicherungS» o r d n u n g wird der Reichstag gleich in der ersten Arbeitswoche nach den Ferien vornehmen. Die Beratungen in der Kommission sollen sich unmittelbar anschließen und über Himmelfahrt den Termin der Vettagung der Reichstagsession hinaus, bis zum Schluße deS preußischen Landtages dauern. Vielleicht tritt die Kommission auch im Herbst schon einige Wochen vor der Wiederausnahme der Plenarberatungen zusammen.
Der Deutsche Kriegerbund hat am Geburtttage Kaiser Wilhelm- deS Großen an Unterstützungen für hilft» bedürftige Witwen gestorbener VereinSkameraden unter Genehmigung der von den Verein-vorständen auf dem In
stanzenwege eingereichten Gesuche 44660 Mk. aus der Bundes- lasse gezahlt. — Das ist sicherlich ein schönes Beispiel deS segensreichen Wirkens der deutschen Kriegervereine.
Die Bestimmungen des Automobilgesetzes vom 3. Mai 1909, soweit sie sich aus die Haftpflicht der beim Automobilverkehr beteiligten Personen beziehen, hat am 1. April d. I. Gesetzeskraft erlangt. Die anderen Bestimmungen deS neuen Gesetzes — die Verkehrvorschriften und die Straf- Bestimmungen — sind schon seit dem 1. Juni 1909 in Krast.
Das Werk der Russifizierung Finnlands wird wohl bald vollendet sein. Die neueste Erscheinung aus diesem Gebiete ist der der Reichsduma zugegangene Gesetzentwurf, welcher alle bislang noch bestandenen Sonderrechte Finnlands einfach beseitigt. Die Reichsduma überwieS den Gesetzentwurf am Mittwoch nach kurzer Debatte an eine Kommission. In Finnland sind unter dem Eindrücke dieses neuen Vergewal- tigungsakteS die Ostervergnügungen vielfach abgesagt worden.
Ernste Unruhen sind in der Negerrepublik Liberia und der angrenzenden französischen Elsenbeinküste ausgebrochen. Am Kap PalmaS wurden Faktoreien nieder- gerissen und 34 französische Ansiedler getötet. Dabei soll eS zu Kämpfen zwischen den Liberiern und den Stämmen der Elsenbeinküste gekommen sein, wobei erstere Maschinengewehre benutzten. Die dort lebenden Weißen sind sehr bedroht. Wie erinnerlich, ist ein amerikanischer Kreuzer unterwegs, um den Negern von Liberia bei ihren Unruhen zu helfen — und nebenbei einige kleine Konzessionen für Onkel Sam zu ergattern.
Zu den Unruhen in Nordindien wird auS Kalkutta gemeldet, daß infolge der Plünderungen, welche in Peschawar stattfanden, die zur Wiederherstellung der Ordnung verwendeten indischen Soldaten durch englische ersetzt worden sind. ES wurde eine Amnestie für jene Plünderer erlassen, welche die geraubten Güter wieder ausliefern. Täglich werden daher Wagenladungen gestohlenen Eigentums auSgeliefert. Mehrere hundert Personen wurden verhaftet. Die Polizei berichtet, daß mohammedanische Offiziere mit den Unruhestiftern sympathisieren.
Hu» Provinz u. Nacdbargebiel.
* (Hessischer Städtetag.) Die 20. Jahresversammlung des „Hessischen Städtetages" wird am 20. und 21. Mai in Fulda stattfinden. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: Freitag, den 20. Mai. 1. Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Oberbürgermeister Müller (Cassel). 2. Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr und Rückblick auf die Entwickelung des Hessischen Städte- tags. Berichterstatter: Herr Stadtrat Boedicker (Cassel). 3. Kassenbericht, erstattet von dem Rechnungsführer, Herrn Bürgermeister Strauß (Hersseld). 4. Neuwahl für die nach den Statuten ausscheidenden Vorstandsmitglieder. 5. Einführung besonderer Gewerbesteuern. Berichterstatter: Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni (Fulda). 6. Schaffung einer Zentral- Auskunstsstelle des Hessischen Städtetages. Berichterstatter: Herr Bürgermeister Strauß (Hersseld). 7. Verhältnis der Ueberland-Zentralen zu den Zentralen der mittleren und kleineren Städte. Berichterstatter: Herr ElektrizitätSwerks- Direktor Lautemann (Marburg). 8. Besprechung verschiedener Angelegenheiten und von Fragen, welche aus der Mitte der Versammlung angeregt werden. Sonnabend, den 21. Mai.
1. StellungSnahme zu den Beschlüssen des Kommunal-Land- tagcs wegen ev. Erhöhung der Beträge zur Ruhegehaltskasse. Berichterstatter: Herr Stadtverordneter, Landessekretär Bcckmann (Cassel), 2. Städtische Bodenpolitik. Berichterstatter: Herr Stadtlandmesser Groll (Hersseld). 3. Wahl des Ortes für die nächste Hauptversammlung des Hessischen Städtetages.
"(Der Kultusminister über die Züchtigung in der Schule.) Ueber körperliche Züchtigung in der Volksschule ist ein Erlaß des Ministers ergangen, der in folgenden zehn Merksätzen gipfelt: 1. Das Recht der körper- lichen Züchtigung soll dem Lehrer nicht genommen werden.
2. Ehrensache des Lehrers muß es sein, die Anwendung der Körperstrafe in seiner Schule auf ein Mindestmaß zu beschränken. 3. Mißbrauch des Züchtigungsrechts verrät mangelhafte pädagogische Durchbildung. 4. Die Körperstrafe ist kein geeignetes Mittel zur Beförderung des Lernens. 5. Sie soll nie angewendet werden, ohne daß zuvor der etwaige Einfluß häuslicher oder physiologischer Verhältnisse auf das Verhalten des Schülers gewürdigt worden ist. 6. Die Körperstrafe darf in ihrer Anwendung weder die Gesundheit des Schülers schädigen, noch seine Ehre antasten, noch die Schamhastigkeit verletzen. 7. Ueberschreitung des Züchtigungsrechts führt nicht selten vor die Schranken des Gerichts, auch wenn sie nur im Eifer, in Aufregung oder in der Entrüstung geschehen ist. 8. Der Lehrer soll darum zum Schutze nicht nur der Schüler, sondern auch seiner eigenen pädagogischen Würde alles be» achten, was das Handeln im Affekt erschwert, 9. Insbesondere empfiehlt eS sich immer, in angemessener Entfernung vom Schüler zu bleiben. 10. Die wirksamsten Mittel, die Anlässe zur Anwendung von Strafen zu vermindern, find gewissenhafte Vorbereitung, anregender Unterricht, strenge Selbstzucht.
):( Hersfeld, 1. April. Nächsten Montag nachmittag 5 Uhr wird im Rathaussaale eine Sitzung der Stadt- verordneten- Versammlung abgehalten werden. Tagesordnung: Abänderung der Bedingungen über die Herstellung von Gasleitungen. — EchlachthosbenutzungS- und Wiegegebühren. — Biersteuer. — Ankauf von Grundeigentum.
— Kostenbewilligungen. — Sonstiges.
):( Hersfeld, 1. April. Am heutigen Tage find 25 Jahre verflossen, seitdem Herr SanitätSrat Dr. I S r a e l mit der Leitung des hiesigen Landkrankenhauses beauftragt worden war.
§ Hersfeld, 1. April. Die Theaterdirektion F r e d F r e d y, die sich am Sonntag mit einer tadellosen Aufführung von Otto Ernst's „Flachsn,ann alS Erzieher" (statt „Hüttenbesitzer") bei unS einsührte, bringt am Sonnabend den 2. cr. den Pfarrer v. Kirchseld von Anzengruber. Der jungen, rührigen Direktion ist es zu wünschen, daß sie von feiten unseres Publikums eine kräftige Unterstützung findet, denn sie ist bemüht nur daS Beste zu bieten, und hat am Sonntag bewiesen, daß sie weit über dem Durchschnitt reisender Gesellschaften steht. — Zu der Vorstellung der „Pfarrer von Kirchseld" versichert die Direktion, daß sie für eine schöne entsprechende Jnscenierung und Dekoration Sorge getragen hat, und die Proben für dieses Volksstück bereits im vollen Gange sind. Da die Direktion mit sehr hohen Unkosten (Lokal, Tantieme, Reife, Personal) zu rechnen hat, wäre ihr bei ihren Bemühungen etwas wirklich Gutes zu bieten ein volles HauS zu wünschen. (Siehe Inserat.)
p. Hersfeld, 1. April. (April.) Der vierte Monat deS Jahres ist als ein wetterwendischer Geselle bekannt, und daS Aprilwetter steht in keinem guten Rufe. Lacht am Morgen die liebe Sonne vom blauen Himmel herab, daß einem das Herz im Leibe lacht, da ballen sich gar oft um die
Mittagsstunde schwarze Wolkenmassen, von wütenden Windstößen vorwärts getrieben, zusammen, und bald riefelt der Regen herab, wenn es nicht gar ein kleines Schneegestöber gibt. Aber wenn auch solch ein Frühlingssturm mit rauher Art, wie er eS von seinem siegreichen Kampfe mit dem Winter her noch gewöhnt ist, dahersaust, so klingt es doch in ihm: „Der Früh- ling naht mit Brausen, er rüstet sich zur Tat." Der Mensch aber soll sich's gesagt fein lassen, waS der Dichter weiter in diesem jauchzenden Lenzesgruße mahnend spricht:
Drum wach, erwach, du Menschenkind,
Daß dich der Lenz nicht schlafend find't! Dem Landmanne freilich ist echtes und rechtes Aprilwetter erwünscht: denn in den alten Bauernregeln heißt es:
Des Aprils Lachen
Verdirbt deS LandmannS Sachen.
Dagegen
Wenn der April bläst rauh ins Horn, So steht es gut mit Heu und Korn.
Bekannt ist die Sitte, am 1. April die Leute zum Narren zu halten, sie in den April zu schicken, und jeder entsinnt sich etwa- anderes, um seinen Spaß mit den Mitmenschen zu treiben. Erst der nachfolgende Ruf: „Heute ist der 1. April, da schickt man die Narren hin, wo man hin will!" bringt Klarheit in die Sache. Die Aprilscherze sind schon recht alt. Man leitet ihren Ursprung von dem spottvollcn Hin- und Herschicken Christi von Pilatus zu HerodeS und von Hannas zu Kaipbas ab, und hat damit wohl das Rechte getroffen. Andere wieder glauben, dieser Brauch sei erst aus Frankreich zu uns gekommen. Woher aber auch der Ursprung stammt, soviel ist gewiß, daß die Sitte sich bei den meisten europäischen Völkern erhalten hat, und wer auf der Höhe der Zeit stehen will, der macht sie launigen Sinnes mit, merke sich aber den Spruch: „Uebelnehmen gilt nicht!" Für uns Deutsche aber ist der 1. April noch von ganz besonderer Bedeutung, da er uns einst unsern Bismarck schenkte, der die deutschen Stämme einigte und des Reiches Herrlichkeit in neuem Glänze erstrahlen ließ.
):( Hersfeld, 1. April. Die Zahl der Fremden welche im Monat März in den hiesigen Gasthäusern übernachteten, betrug 565.
):( Hersfeld, 31. März. (Schössengericht.) Eine hier in Stellung gewesene Kellnerin erhielt wegen Diebstahls und Unterschlagung 5 Wochen und 3 Tage Gefängnis. — Ein Maurer aus Bochum und ein Arbeiter aus Rohrbach wurden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bestraft und zwar ersterer mit 30 M. evtl 6 Tagen Gefängnis und der letztere mit 20 M. evtl. 4 Tagen Gefängnis. — Ein hiesiger Schreinergeselle erhielt eine Polizeistrase, weil er verkehrshindcrnd aus dem Trottoir gestanden hat. Hiergegen hatte er Einspruch erhoben. Der Einspruch wurde durch das Gericht verworfen und die Polizeistrafe anerkannt. — Ein hiesiger Arbeiter wurde wegen Tierquälerei mit 30 Mark evtl. 6 Tagen Haft bestraft. — Ein hier abgesagter Bettler erhielt wegen Bettelns 3 Wochen Hast und Ueberweisung an die Korrektionsanstalt.
— Schließlich wurde eine Privatklage verhandelt, welche mit Freisprechung des Beschuldigten endete.
V Niederaula, 31. März. Einen schönen Ausklang fand das Osterfest für die M i t g l i e d e r desKnüll- k l u b s, Sektion Niederaula und Breitenbach a. H. in dem Familienabend, welcher heute im Saale des Gastwirts Nuhn abgehalten wurde. Eröffnet wurde derselbe durch den Vortrag einiger feurigen Weisen seitens der Hauskapelle. Sodann hielt Herr Amtsrichter Heußn er einen Vorttag über diettMMchte von Niederaula, welchem die Zuhörer mit Interesse folgten und wofür ihm der Dank der Versammlung ausgesprochen wurde. Gesang, Vorträge, sowie das übliche Tänzchen ließen die Teilnehmer noch einige vergnügte Stunden verleben.
Hanau, 29. März. Eine Bluttat ereignete sich in dem benachbarten Dorse Hainstadt. In der Bahnhossrestauration entstanden zwischen dem 29 Jahre alten Backsteinarbeiter Joseph Klein und einigen Gaswerksarbeitern Neckereien, die schließlich ausarteten, so daß Klein aus dem Lokal verwiesen werden mußte. Der Ausgewiesene konnte sich nicht beruhigen und trieb sich auch später noch in der Nähe der Wirtjchajt herum, weshalb der in der Wirtschaft anwesende, an dem Zwischensalle gänzlich unbeteiligte Schneidergeselle Jgnaz Kraft auS Langenprozelten hinausging und durch freundliches Zureden den Klein zu beruhigen suchte. Der Friedensstifter erhielt aber von dem Klein einen wuchtigen Messerstich in den Unterleib, so daß sofort die Eingeweide heraustraten. Nach seiner Ueberführung in das Kreiskrankenhaus verschied der Schwerverletzte, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der Messerheld wurde verhaftet.
Fulda, 30. Mä z. Ein Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich vor einigen Tagen in dem Basaltsteinwerk bei Unterruppsrot, an der Bahnlinie Fulda-Tann. Ein von Wiesen gebürtiger, seit zwei Jahren in Schwarzbach verheirateter junger Mann, namens Muth, war dort mit Steinbrechen beschäftigt. Eine herabstürzende Steinmasse riß ihn mit in die Tiefe. Schwerverletzt und bewußtlos wurde er in ein nahe gelegenes Haus gebracht, in welchem er am zweiten Tage nach dem Unfall starb.
Fulda, 28. März. Eine ergötzliche Szene spielte sich aus dem letzten Markte ab. Steht da sriedsam ein Bauersmann mit seinem Korbe voll Eier zum Verlause. Kritischen Blickes saßt eine sparsame Hausfrau in den Korb und hebt ein Ei gegen daS Licht. Sie muß wohl kein rechtes Vertrauen in die Frische des EieS gehabt haben, denn etwas unsanft legt sie es wieder zurück in den Korb. Schon hat» einen Knack. Sie soll es bezahlen, fordert der Bauersmann mit Recht. Nein, meint sie, daS tu ich nicht. Wenn eine Frau einmal nicht will, dann will sie eben nicht. Da helfen auch alle Bitten und guten Zureden und groben Worte eines Eicr- händlers nichts. Schließlich wallt dem Wackeren doch sein Blut. Ein Griff, ein Wurf und die Städterin hat Dotter und Eierschalen im Gesicht. Mit echt weiblichem FanatiSmuS greift sie aber gleich zwei Eier und klitsch, klatsch dem Bauer um die Ohren. Und feig verläßt sie in wilder Flucht den Kampfplatz. Aber der Bauer spornstreichs hinter ihr her. Em Eilein nach dem anderen sendet ihr der Ergrimmte nach, biS der Inhalt des Korbes zum größten Teck auf dem Rücken der Fliehenden klebte.
Hüttfeld, 31. März. Herr Kreisassistenzarzt Dr. Malens hier ist vom 1. April ab zum Kreisarzt in Hofgeismar ernannt, an feine Stelle tritt Herr SanitätSrat Matzdors.
Gerstungen, 30. März. Die Werra-Zeitung berichtete kürzlich, daß sich hier ein auswärtiger Arzt nach einer Wohnung umgesehen habe. Heute kann man über den neuen Herrn Doktor in der Werra-Zeitung folgendes lesen: Im Einverständnis und mit Genehmigung beS Adressaten bringe ich zur Kennzeichnung und 3Quftrierung des Absenders, nämlich deS für den 1. April avisierten „zweiten Arztes" in Gerstungen ein Handschreiben desselben im Urtext: „Bebra, 24. 3. 10. Ew. Hochwohlgeb. Dr. der Schömi. Teile i$ ergeb, mit, daß die Lage dort am Bahnhof für mich sehr