Königlichen Opernhaus- bei. Gegeben wurde NicolaiS Oper Die lustigen Weiber von Windsor. Heute vormittag konferierte 8e. Majestät der Kaiser im AuSwärtigen Amt mit dem StaatS- sekretär Freiherrn v. Echoen.
Prinz Eitel Friedrich und Gemahlin von Preußen sind vor ihrer Weiterreise von Aegypten nach Palästina in Cairo mit dem Ex-Präsidenten Roosevelt zusammengetroffen. Letzterer befindet sich bekanntlich aus der Heimreise von Ostaftika nach Amerika. Roosevelt gab am Dienstag einen Tee zu Ehren des Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich.
Aus Grund der Allerhöchsten Kabinettsorder vom 23. Februar 1910 erläßt das Königliche Kriegsministerium unter dem 18. März 1910 Bestimmungen über Beschaffung und Anlegung der feldgrauen Unilorm wie über das Aufträgen der Stücke bisheriger Probe seitens der Offiziere. Damach muß der Offizier über eine feldgraue Uniform verfügen für den Mobilmachungsfall, sobald seine MobilmachungS- sormation feldgrau ausrückt, und wenn seine Verwendung im Mobilmachungssall Allerhöchster Bestimmung vorbehalten ist, und für den FriedenSgebrauch, sobald der Truppenteil, bei dem der Offizier Dienst tut, sie im Frieden trägt. Der Offizier muß die feldgraue Uniform (Feldrock, Feldhoje und Feldmütze) anlegen, wenn die Truppe sie trägt. Er darf anlegen, und zwar vom 1. April 1911 ab: die feldgraue Feldmütze bei allen Gelegenheiten, bei denen bisher die dunkelblaue Feldmütze getragen wurde, den feldgrauen Feldrock an Stelle der Litewka nach den Bestimmungen der Offizicr-Bekleidungs- vorschrist, die feldgraue Feldhofe zur Litewka und zu dem an ihrer Stelle getragenen Feldrock. — Die Austragefrist für die dunkelblaue Feldmütze läuft ab mit dem 1. Oktober 1913. — Zur Einfthrung gelangen für Offiziere und Sanitätsoffiziere neben den jetzigen gleichartigen Stücken Waffenröcke, Attilas, UlankaS und Stiefelhosen von seldgraucr, bei den Jägern und Schützen von graugrüner Farbe und an Stelle der Feldmützen solche von feldgrauer (graugrüner) Farbe. Bei den Mafchinengcwehrabteilungcn werden die Kragen und Aermelausschläge, sür Mannschaften auch die Schulterklappen, von dem Grundtuche des Rockes getragen mit matten Kronen- knöpsen. — Für Jäger zu Pferde und StabSordonnanzen fällt der Koller weg, die Offiziere erhalten neben dem jetzigen Waffenrock einen solchen mit hellgrünem Bortenbesatz und mit matten Kronenknöpfen. Die Mannschaften erhalten ebenfalls am Waffenrock matte Kronenknöpfe. — Die Ulanen- offiziere legen fortan zum Dienstanzuge siatt der Epauletten Achselstücke an.
Der ErlöS aus Beitragsmarken der Invalidenversicherung hat zum erstenmal den Betrag von 15 Millionen im Monat Dezember v. I. überschritten. Der ErlöS betrug fast 15V2 Millionen Mark, genau 15 429 516 Mk. Gegen denselben Monat deS vorigen JahrcS bedeutet dies eine Zunahme um 817 337 Mk. Allein die LandeSversicherungSanstalt der Rheinprovinz hat im Dezember für 1 790 470 Mk. Kleb- marken abgesetzt. Mehr als anderthalb Millionen nahm die Versicherungsanstalt deS Königreichs Sachsen mit 1 576 556 Mk. ein, fast ebensoviel die von Schlesien mit 1 455 679 Mk. Es sind dies nur Beträge, die von der Post eingenommen werden, nicht aber die Beiträge für die Seeleute und nicht die von den Arbeitgebern für polnische Arbeiter ruffischer und österreichischer Staatsangehörigkeit entrichteten Beiträge. Anderseits find die sür vernichtete Marken erstatteten Beträge von dem Markenerlöse nicht abgesetzt.
Man beschäftigt sich in führenden Streifen mit dem Gedanken, eine besondere Reitvorschrift für die Feldartillerie auSarbeiten zu lassen; feste Pläne liegen allerdings noch nicht vor. Maßgebend für die Ausarbeitung dieser besonderen Reitvorschrift wäre der Umstand, daß die Reit- instruktion, die augenblicklich für die Kavallerie und Feldartillerie besteht, für die Feldartillerie zu weitgehend ist. Die Ansprüche, die an das Pferd bei der Feldartillerie gestellt werden, sind anderer Natur, alS die Ansprüche bei der Kavallerie. Auch an die Leute müssen bei der Ausbildung anders geartete Anforderungen gestellt werden, wie an die Kavalleristen. Die Enticherdung über die Ausarbeitung einer besonderen Reit- vorschrift sür die Feldsttillerie wird erst dann gefällt werden können, wenn die Reitinstruktion umgearbeitet und erprobt worden ist.
D e r R e i ch S e t a t für 1910 wird im ReichSanzeiger veröffentlicht. Das Gesetz ist unter dem 21. d. Mts. vollzogen worden. Der Etat ist in Einnahme und Ausgabe auf 2 853 781095 festgestellt. Der Reichskanzler ist ermächtigt, zur Befriedigung einmaliger Ausgaben die Summe von rund 148 Mill. im Wege des Kredits flüssig zu machen.
DaS bulgarische Königspaar ist mit seinem Ge
war vollkommen ruhig und ließ keine Zeichen von Aufregung sehen.
Er trat an ein Sprachrohr heran, daS in einer Ecke der Stube angebracht war, rief einige Wolle hinein, und schon nach wenigm Minuten trat der Ingenieur Kennard inS Zimmer.
„Nun, Kennard", redete Wilshire ihn an, „mein Gast ist gegangen. WaS macht unser Werk für Fortschritte?"
Der Ingenieur antwortete mit sonderbar schwacher Stimme, aus der Leben und Kraft geschwunden zu sein schien. Sie glich der Erscheinung des Mannes selbst, für den die Dinge, die Menschen gewöhnlichen Schlages interessieren, keine Bedeutung zu haben schienen.
„Dies", antwortete er und zeigte aus das Modell, welcher er bei Gilbetts Eintreten mit einem Tuch bedeckt hatte, „ist das vorletzte. Die anderen find alle sicher im Laboratorium ausbewahrt. Ich kann wohl sagen, daß die experimentelle Arbeit so gut wie abgeschloffen ist und daß wir keine Modelle mehr anzusertigen brauchen."
Wilshire nickte beisällig. Er war an die Art und Weise seiner vertrauten Gehilfen gewöhnt. Keiner wußte besser alS er, daß sich hinter diesem alltäglichen Aeußern daS Genie eines Mechanikers ersten Ranges verbarg. Die Welt hatte nichts von Charles Kennard gehört, aber er war Julius WilshireS rechte Hand, und obgleich unfähig, in daS höhere Reich der Theorie einzudringen, gab eS vielleicht keinen Mann in Europa oder Amerika, der geeigneter gewesen wäre, die Ideen anderer auSzusühren und mit tausend kleinen Verbesserungen zu ver« sehen.
„Nun lassen Sie uns dies hier betrachten", sagte der Amerikaner. „WaS ist es?"
„DaS ist der Gang", antwortete Kennard, „welcher in daS Zimmer führt, daS in den Plänen mit A bezeichnet ist. Ich habe ihn A 2 genannt. Sie werden ihn in der Zeichnung des ersten Stockwerks finden."
Wilshire neigte sich gespannt über die kolorierten Pläne, die auf dem Brettertisch lagen. Sein langer kräftiger Zeige- finger folgte den Linien der Zeichnung, und er nickte vor sich hin, all ihm Punkt nach Punkt klar wurde.
folge am Montag nachmittag von Konstantinopel nach mehr alS einwöchigem Aufenthalte daselbst wieder abgereist. Der Sultan, begleitet vom Thronfolger, verabschiedete sich aus dem Bahnhöfe persönlich von seinen hohen Gästen, wobei er der Königin Elenora die Hand küßte und dem König Ferdinand die Hand drückte. Noch am Tage der Wiederabreise der bulgarischen Majestäten auS der türkischen Hauptstadt ist daselbst ein amtliches Kommunique über den bulgarischen Be- such auSgegeben worden. Et wird darin folgendes gesagt: Der Besuch konnte nur die besten Folgen aus die Vertiefung der türkisch-bulgarischen Beziehungen auSüben. Die Zusammenkünfte der Monarchen und der unmittelbare Verkehr der beiderseitigen Staatsmänner zeitigten ausgezeichnete Ergebnisse und ließen bei den Beteiligten die Ansicht sich sestigen, daß eine Politik der Eintracht und Freundschaft umso glücklichere Ergebnisse zeitigen werde, als schon die geographische Lage sie notwendig mache. Das Kommunique erklärt weiter, daß die Staatsmänner selbstverständlich die Gelegenheit benutzt hätten, um gewisse, beiderseitig vorwiegend wirtschaftliche, Interessen berührende Fragen zu beraten. Ueber daS Ergebnis dieser türkisch-bulgarischen Konferenzen schweigt sich allerdings die amtliche türkische Kundgebung aus. Sie stellt schließlich fest, daß die beiden Staaten, weit davon entfernt, eine aggressive Politik zu verfolgen, aufrichtig durchdrungen seien von den Vorteilen, die ihnen freundschaftliche, gut nachbarliche Beziehungen sicherten. Nun fehlt noch daS Sofioter Echo dieses türkischen Friedenscommuniques.
Am 27. d. M. nachmittags schössen türkifcheS 0 l- d a t e n aus eine bulgarische Patrouille, die bei dem Grenzposten Tatarkioej, Bezirk Kazim Aghatsch, die Runde machte. Es entwickelte sich hieraus ein Gewehrfeuer, daS bis zum Abend dauerte und am nächsten Tage wieder ausgenommen wurde, nachdem die Türken Verstärkungen durch Infanterie und Kavallerie erhallen hatten. Bisher ist von einem Verlust auf bulgarischer Seite nichts bekannt. Ein türkischer Soldat wurde auf bulgarischem Gebiet getötet. Wahrscheinlich gab eS auch einige Verwundungen. Der Kriegsminister erteilte sofort den Besehl, das Feuer einzustellen.
Infolge deS Thronwechsels in Abessinien haben die Wirren an Umfang zugenommen. Ob Kaiser Menelik noch lebt, wird nicht gemeldet, aber sein entweder schon erfolgtet oder stündlich zu erwartender Tod hat daS Land in schwere Unruhen gestürzt. Wie auS Addis Abeba gemeldet wird, verweigern mehrere Provinzfürsten in der Annahme, daß Menelik bereits gestorben sei, die Zahlung deS Tributs und versagen der Regierung die Anerkennung. Die Stimmung der Bevölkerung gegen die Kaiserin Taitu ist erregt. Zur Unterwerfung der mohammedanischen Stämme wird Prinz Tasari entsandt. Kämpfe scheinen unvermeidlich. Der Regent Ras Tassama teilte den Gesandten mit, daß Lidj Jeassu, ein Enkel MenelikS, die Regierung angetreten habe. Die Häupt- linge der Schoastämme haben die Gattin MenelikS vor die Wahl gestellt, entweder eine Zeitlang in die Verbannung zu gehen oder im Palaste MenelikS von der Außenwelt vollkommen abgeschlossen zu leben und ihren kranken Gemahl bis zu seinem Tode zu pflegen. Taitu hat letzteres gewählt.
Aus Manila wird gemeldet: Ein Soldat des amerikanischen JngenieurkorpS, welcher sestgenommen wurde, als er photographische Ausnahmen der Besestigungen der Insel Corre- gidor machte, gestand eine geheime Abmachung mit zwei Japanern, ihnen Pläne und Photographiern zu liefern. Die Japaner wurden darauf sestgenommen, alS sie mit dem Soldaten zusammentrasen und im Begriff waren, die Photo- graphieen zu prüfen.
500 Menschen im Tanzsaal verbrannt.
Eine entsetzliche Brandkatastrophe, bei der etwa fünfhundert dem blühendsten Lebensalter angehörende Personen den Feuertod erlitten oder schwer verletzt wurden, hat sich in einem ungarischen Dorse des Komitats Szatmar abgespielt. Ueber das grauenvolle Ereignis, das auf sträflichen Leichtsinn und die verbrecherische Missetat rachsüchtiger Burschen zurückgesührt wird, wird nachstehendes berichtet:
M a t e S z a l k a, 28. März. Im Dorfe Oetkörito (Szatmarer Komitat) entstand in einer Scheune eines Gast- hofeS, die alS Ballsaal hergerichtet war, ein Brand, der rapid um sich griff. Weit über dreihundert Personen verbrannten, säst die gleiche Zahl wurde verletzt.
Wien 28. März. Nach abends aus Szatmar einge- troffenen Meldungen find von den Verwundeten im Lause deS gestrigen und heutigen TageS nahezu hundert ge-
„Gut!" sagte er dann. „Ich sehe, eS ist der Kleiderschrank nicht wahr?"
„Jawohl", antwortete Kennard. „61 war eine großartige Idee von Ihnen, Herr. Aber all Sie dieselbe entwickelten, sprachen Sie nur von einem festen Punkt unter dem Teppich. Ich habe die Sache noch vervollkommnet. DaS Zimmer, daS ich Vorschläge, müßte einen dicken türkischen Teppich haben mit einem Muster, in das bestimmte Kurven hineingearbeitet find — in der Art wie dieS hier zum Beispiel."
Er durchwühlte die Pläne und zog ein quadratischer Stück Papier hervor, auf dem ein Teppichmuster in Wasserfarben roh auSgesührt war.
„Sehen Sie", sagte er, „der mit einem Gewicht beschwerte Schränk läuft auf Rollen und wird je nach dem Druck, den die Füße auSüben, seine Richtung verändern und sich deshalb nicht nur nach einem Punkt hinbewegen, wie Sie vorschlugen, sondern nach jedem Punkt bei Musters, unter dem wir den Kontakt herstellen. Das Gewicht wird herumschwingen, und der Druck deS Fußes auf den elektrischen Knops wird den Mechanismus auSlöjen."
„Wirklich", sagte Wilshire, sich die Hände reibend, „daS ist eine wesentliche Verbesserung meiner ursprünglichen Idee. Zeigen Sie her."
Kennard trat an das Modell heran und zog daS Tuch fort. ES war ein Gerüst von Stahl und Holz, das wie der Umriß einer HauseS auSsah. Die verschiedenen Zimmer waren durch ein Rahmenwerk von Holz markiert, und eins derselben hatte eine offene Front wie die Räume einer Puppenstube, welcher dieser sonderbare Modell auch sonst nicht unähnlich sah. Es hatte Dielen, Wände und Decke und war als Schlafzimmer eingerichtet, ganz wie in einem Puppen- hauS.
Kennard berührte einen Hebel an der Basis des wunderbaren Bauwerks und brächte dadurch einen eigentümlich klingenden Ton hervor.
„So!' sagte er. „Ich habe den Kontakt hergestellt und Sie können die Sache selbst probieren."
Wilshire nahm einen langen stumpfen Bleistift und preßte ihn aus den Fußboden bei kleinen Zimmer». Eine Zeitlang
storben, so daß die Zahl der Toten sich auf zirka 500 beläuft.
Budapest, 28. März. In dem Dorfe Oetkörito (Szatmar) veranstaltete gestern nacht die Jugend in einer großen Scheune, die im Hofe bei DorswirtShauseS lag, einen Ball. Die Scheune war mit Zweigen und Lampions geschmückt. In dieses improvisierte Ballokal konnte man nur gegen Erlangung eine» EntreeS Zutritt erlangen. AlS der Saal gedrängt voll war, wurden, um Neugierige nicht mehr zuzulaffen, die Türen vernagelt, und eS begann der Tanz. Gegen 10 Uhr abends entzündete sich ein Lampion; daS Feuer verbreitete sich reißend schnell auf den trockenen Zweigen und den Bretterwänden, und eS entstand eine furchtbare Panik. Die im Saale befindlichen etwa 600 Personen eilten zur Türe, die aber ver- nagelt war. ES spielten sich furchtbare Szenen ab! DaS Feuer breitete sich mit Blitzesschnelle auS, bald brannte das Dach lichterloh. Glühende Kohlen stürzten auf die Menschen herab, die wehklagend die festverschlossene Tür stürmten. Menschen stürzten übereinander und stampften einander nieder. Flammen und Rauch tun daS übrige. In furchtbarem Knäuel liegen Tote und Verwundete übereinander. Niemand kann sich retten. Binnen einer halben Stunde brannte die Scheune nieder und begrub jung und alt unter ihren glühenden Trümmern. Aerzte und Gendarmerie eilten so rasch wie möglich aus allen Ortschaften der Umgebung herbei und begannen daS Rettungswerk. Die Scheune bietet einen fürchterlichen Anblick! Verkohlte, bis zur Unkenntlichkeit zer- tretene Leichen liegen haufenweise übereinander. Die ganze Umgebung ist in tiefe Trauer gehüllt. Da von überall Leute zu dem Tanzvergnügen eingetroffen waren, gibt ei kaum ein HauS, daS keinen Toten zu beklagen hätte. ES wurde Militär hinbeordert, um die Opfer begraben zu helfen. Die Zahl der Toten wird auf 290, die der Verwundeten auf fast ebensoviel geschätzt.
Wien, 20. März. Erst am späten Abend sind aus der bedrohten Ortschaft von offizieller Seite Mitteilungen eingetroffen, die die Katastrophe nach allem noch ungeheurer, alS befürchtet wurde, erscheinen läßt. Der erschienene Szatmarer Stuhlrichter konstatierte, daß unter dem Schutt der Scheune 384 Personen begraben liegen. UeberdieS wurden 150 Personen gerettet, die schwer verletzt sind. AlSbald nach dem AuSbruch deS FeuerS stürzte in kurzer Zeit das Holzdach der Scheune zusammen und begrub die 600 biS 700 Personen, meist junge Burschen und Mädchen, in der Scheune. Der OrtSrichter von Szatmar Stesan BuvacS verlor zwei Söhne, seine Tochter und seine Gattin. Der Bauer Stesan Kalmar verlor zwei Töchter. Ueberhaupt gibt ei in der Ortschaft fast kein HauS, das nicht einen Toten zu betrauern hat. Auch zahlreiche Bewohner der umliegenden Ortschaften wurden betroffen, deren Söhne und Töchter zu dem Feste gekommen waren, deren Reinertrag dem Bausonds der dortigen Kirche zugeführt werden sollte. — Der Minister des Innern sowie der Ministerpräsident von Ungarn haben sich auSsührlich Bericht über das Unglück erstatten lassen und Anweisungen für die Hilfsaktion gegeben. Der Minister deS Innern reiste persönlich hin, um die Hilssaktion zu leiten.
Die Untersuchung ist im Zuge. Ein Augenzeuge erzählt, daß mehrere Burschen, die in den Tanzsaal nicht eingelassen wurden und auch von dem Vorplatz wegen Trunkenheit cut» sernt werden sollten, aus Rachsucht das Feuer angelegt hätten.
Aus Szatmar wurden gestern nachmittag 360 Särge nach Oelkörito gebracht, vor der Gemeinde steht eine große Wagenburg. AuS allen umliegenden Ortschasten sind LetÄragende herbeigekommen, die sich nach ihren Angehörigen erkundigen. In vielen Häusern sind nur kleine Kinder und ganz alte Frauen am Leben geblieben, die Kinder wurden von der Behörde in Obhut genommen. Aus dem Schauplatz des Brandes spielten sich ergreifende Szenen ab. Die Angehörigen gehen die Reihen der verkohlten Leichname ab und suchen festzustellen, welche die Ihren sind. Von den in das Spital gebrachten Verletzten erzählte einer, der Brand sei dadurch entstanden, daß eine Petroleumlampe explodierte, wodurch die Papierlampions und die Reisiggirlanden an den Wänden Feuer fingen. Er tanzte in der Mitte der Scheune, und eilte sogleich nach Ausbruch deS Brandes dem einzig übriggebliebenen AuSgange zu, dabei fiel brennende Glut auf ihn und seine Tänzerin. Ueber die Körper der anderen gelang es ihm inS Freie zu kommen und auch seine Tänzerin, die ebenfalls inS Spital geschafft wurde, mit sich hinauSzuführen. Er selbst hatte Brandwunden am Kopf, seine Tänzerin an Kops und Brust erlitten.
Ein Augenzeuge erklärte, daß mehrere Burschen die Scheune in Brand gesteckt hätten. Die an der Tanzunterhaltung teilnehmenden Burschen sollen stark angeheitert aneinandergeraten sein, woraus sich zwei Parteien bildeten. Die eine Partei ........ i
beugten sich die beiden Männer mit gespanntem Interesse über ihr Modell oder Spielzeug, waS ei nun sein mochte. Dann hob Kennard ei auf und trug ei mit einem leisen gleichgültigen „Gute Nacht" auS dem Zimmer.
Wilshire folgte ihm langsam durch den großen behaglichen Raum und drehte den Schlüssel der Tür im Schloß herum. Dann trat er vor den Kamin, in dem ein Feuer brannte. Hier stand er einen Augenblick still, den Kopf in tiefen Gedanken vorgebeugt.
Die ganze Haltung deS Mannes zeigte brutale Entschlossenheit. Er war die Verkörperung der zu wartenden Kraft, machtvoll, erbarmungslos und unabwendbar, und doch erschien er vollkommen ruhig.
Er zog eine goldene Zigarettendose auS der Tasche und begann zu rauchen, schnell und nachdenklich. In Moorchester, ja in ganz Jorkshire hätte man niemand finden können, der daS Bild eines klugen berühmten Mannes, im Nachdenken über ein Problem vertieft, würdiger und normaler zur Anschauung gebracht hätte, als eS der Amerikaner in diesem Augenblick tat.
(Fortsetzung folgt.)
— E i n mysteriöser Mordanschag macht in Leipzig von sich reden. In einem Hause der Liviastraße jand man anf dem Korridor einer Wohnung das Dienstmädchen Frieda Seyffert mit einer schweren Kopsverletzung im Blute schwimmend auf; die Hand der Unglücklichen umschloß kramps- hast einen frischen Blumenstrauß. Ob ein Raubmordversuch, eine Eifersuchtstat oder eine Tat auS Rachsucht vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden.
— (Mutter und Kind verbrannt.) Aus Exin wird gemeldet: Eine Arbeiterfrau setzte die Petroleum- kanne aus den Herd. Durch die Hitze explodierte das Petroleum, und die Kleider der Frau fingen im Nu Feuer. Um ihr kleines Kind zu retten, riß eS die Frau aus dem Bett und eilte selbst, eine lebende Feuersäule, aus den Hof, wo einige Nachbarn die Flammen erstickten. Frau und Kind hatten jedoch schon so schwere Brandwunden davongetragen, daß beide ihren Verletzungen erlegen find.