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Herrsel-er Armblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 37.

Sonnabend, den 26. März

1910»

WMMStS-GMNS

auf das Umfelder Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen

alles wissenswerte über

Politik -es In- und Auslandes, Nachrichten aus -er Sta-t, -em Kreise un- -er Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re. fortsetzungsweise zum Abdruck.

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Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 21. März 1910.

B^ stattgesundenen Revisionen der errichteteten trigono­metrischen Punkten ist wiederholt sestgcstellt worden, daß die Marksteine zum Teil ganz verschwunden, zum Teil aus dem Acker herausgenommen und niedergelegt und zum Teil an Ort und Stelle liegend vergraben sind. Die Besitzer der Grund-

Mater dolorosa.

Eine Ostcrgcschichtc von Herbert B e r t h 0 l d.

(Nachdruck verboten.)

Schon als der Schnee zu schmelzen begann und laue Winde den ersten Frühlingsgruß vom sonnigen Süden in die erwachenden Lande trugen, war der Kunstmaler Hans Falkner nach dem alten schönen Schlosse hinausgezogen, das jetzt noch so einsam und verödet war. Ein reicher Amerikaner hatte es von dem herabgekommenen früheren Besitzer gekauft und wollte es nun für den Sommeraufenthalt in Stand setzen lassen. Deshalb hatte der Amerikaner auch eine künstlerische Krast zum Restaurieren der alten Gemälde gesucht, welche in seltener An­zahl und Schönheit die Gemächer seines neuen Besitztums schmückten.

Es war aber dem Maler Hans Falkner in den hohen Dufteren Schloßsälcn, deren gedämpftes Licht überdies seinen Arbeiten hinderlich war, bald ungemütlich geworden, weshalb er sein Atelier nach einem reizenden, lichtdurchfluteten Pavillon verlegt« der mitten in dem halbverwilderten Park deS Schlosses unV^t' besseren Tagen des früheren Schloßherrn er- c*. dem in der Nähe gelegenenen Dorfe konnte man ' E>» einfaches, fast ärmliches Häuschen erblicken, das sich N'^n LandschaftSbilde vortrefflich einfügte. Mehr- £ Falkner aus dem Hause eine hohe,

l.lbc c Frauengestall herauskommen sehen, die von ' '"unt-r-n, etwa vier bis fünf Jahre alten Knaben be- hn ton^ Marsen Augen des Künstlers konnten trotz nffpnhnr h^^ daß die Frau noch jung war und offenbar den besseren Ständen angehörte.

i W""^ getrieben, seine unerwartete Nachbar- a?ö L S^ verließ der Maler eines Abends, Dame und das Kind am User des h ^"J^1 cu'^ucs Atelier und schritt gleich- LeiL^^^ W°ss°r zu. Als «.aus dem mit Entrück!-» ^^.vubemeikt näher gekommen war, sah er m.t Entzücken die feine zarte Schönheit der Dame. Aber eine

stücke sind vielfach im Unklaren über den Zweck und Wert der trigonometrischen Marksteine. Sie beackern die Maiksteinschutz- flächen in der irrigen Annahme, daß ihnen zwar der Boden nicht gehöre, ihnen aber die Nutznießung überlassen sei. Die Marksteinschutzfläche, d. i. die kreisförmige Bodenfläche von 2 qm um den Markstein darf beim Ackern nicht berührt werden. Da andernfalls die errichteten Punkte leicht beschädigt werden können, solches aber bei deren großen Wichtigkeit tun­lichst vermieden werden muß, wird hieraus wiederholt auf­merksam gemacht.

Die Herren Ortsvorstände werden angewiesen, die in Be­tracht kommenden Grundstücksbesitzer noch besonders daraus hinzuweisen, daß Zuwiderhandlungen nach den gesetzlichen Be­stimmungen mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestrast werden. I. I. 2739. Der Landrat.

J. V.:

W es sei, Kreissekretär.

Hersseld, den 22. März 1910.

Die Schulverbände des Kreises werden aus den als Bei­lage zum Regierungsamtsblatt Nr. 9 vom 2. ds. Mts. ver­öffentlichtenVerteilungsplan des Bedarfs der Alters zu- l a g e k a s s e pp. für 1910" besonders hingewiesen.

Die nach Aufstellung des Verteilungsplanes eingetrctenen Veränderungen infolge Errichtung neuer Schulstellen, Auf­lösung oder Umwandlung bestehender Schulstellen, welche bei der Festsetzung der Beiträge noch nicht oder nicht mehr berück­sichtigt werden konnten, werden im Rechnungsjahr 1910 durch besondere Versügungen geregelt werden.

I. 2918. Der Landrat.

f I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 21. März 1910.

Die unter den Pferden deS Johannes Volkert zu Mans- bach, Kreis Hünseld, ausgebrochene Räude ist erloschen. I. 2808. Der Landrat.

I. V.:

W e s s c l, Kreissekretär.

Hersfeld, den 21. März 1910.

Die 16. Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel hat mit Genehmigung des Herrn Landwirtschastsministers beschlossen, für das Jahr 1910 2/3% (zweidrittel Prozent) des Grundsteuer-Reinertrages als Beitrag zu den Unkosten der Landwirtschaftskammer zu erheben.

Den Herren OrtS- bezw. Gutsvorständen des Kreises werden in den nächsten Tagen die geprüften Listen zugehen. Die PrüfungSbemerkungen sind genau zu beachten. In die Liste ist alsbald das Sollauskommen an Beiträgen für 1910 einzu- tragen. Alsdann ist daS Erforderliche wegen Einziehung und Abführung derselben an die Königliche Kreiskaffe hier zu ver­anlassen.

tiefe, von Schmerz erfüllte Trauer prägte sich in ihren bleichen, edlen Zügen auS, die nur manchmal durch ein kaum merk­liches Lächeln erhellt wurden, wenn ihr kleiner Begleiter mit kindlichem Eifer lustig aus sie einsprach. Ueberhaupt schien sie für das Kind eine große Liebe zu empfinden, denn sie behütete es mit rührender Sorgfalt. Als Hans an ihr vorüberging und sie ehrfurchtsvoll grüßte, dankte sie ihm in gleichgültiger, zerstreuter Weise, während sie ihn flüchtig er­blickte. Aber was für herrliche, seelenvolle Augen besam da Falkner zu sehen! Doch auch aus ihnen sprach hoffnungsloser stillergebener Schmerz, so bezwingend und gewaltig, daß Falkner nicht wagte, die Dame anzureden.

Schon war es spät geworden, aber den Maler ließ sein heutiges Erlebnis noch keine Ruhe. Er preßte seine heiße Stirn gegen die Scheiben des Fensters und starrte sinnend hinaus in den nächtlichen Park. Der künstlerische Schaffens­drang regte sich in ihm, und allmählich entstand vor seinem geistigen Blicke daS Bild einer mater dolorosa, welche die Züge seiner schönen Nachbarin trug. Ja, eine mater dolo­rosa, eine schmerzensreiche Mutter war auch sie, wenn sie auch nicht wie die heilige Maria über den Tod des göttlichen Sohnes, sondern vielleicht um den heißgeliebten Gatten trauerte. In der Folge begann für Hans Falkner eine Zeit angestrengten aber hochbeglückenden Schaffens. Mit hin­gebendem Fleiße arbeitete er in den frühesten Morgenstunden, noch ehe er an die von dem reichen Amerikaner bestellte Restaurationsarbeit ging, an dem Gemälde seiner mater dolorosa. Zwar vermißte er es schwer, daß sie ihm nicht als Modell dazu sitzen konnte, aber feine Begeisterung schärfte sein Gedächtnis, sodaß die wenigen Begegnungen, die er mit ihr aus ihren Spaziergängen wie zufällig herbeiführte, ihn in den Stand setzten, sich die feinen Linien ihrer Züge zu merken. WaS er durch vorsichtige Fragen über die einsame Dame erfahren, war die erschütterndste Bestätigung seiner Ver- mutungen. Vor vier Jahren war ihr Gatte, ein Lehrer, einst am Ostermorgen fröhlich in die Berge gewandert, und am Abend hatte man ihn ihr tot inS Haus zurückgebracht. Ein Absturz von hoher Felswand hatte seinem jungen, blühenden Leben ein jähes Ende bereitet.

Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß bei der Anzahlung der Beiträge an die Königliche Kreiskaffe die Listen mit abzuliesern sind.

Bis zum 1. Juli d. JS. ist mir über die Höhe der zu leistenden Beiträge zu berichten.

I. 2905. Der Landrat.

I. V.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

Bekanntmachung.

Zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwestafrika können sich Mannschaften der Reserve, die jedoch nicht länger als 2 Jahre aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind in 1. Linie solche, die der Schutztruppe bereits angehört haben und zwar Handwerker aller Art, vornehmlich Schmiede, Schlosser, Schuhmacher, Maurer und Techniker beim BezirkS- Kommando Hersfeld melden.

Die Ausreise erfolgt am 25. Mai 1910 und muß die Meldung sofort und zwar persönlich erfolgen, damit gleichzeitig die militärärztliche Untersuchung aus Tropendienstfähigkeit er­folgen kann. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Reise­kosten können nicht erstattet werden.

Die zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwestafrika bereiten Mannschaften müssen sich jür die normale Zeitdauer von 3V2 Jahren zum Dienst in der Schutztruppe verpflichten.

Vergünstigungen:

1. Die Schutztruppenangehörigen haben Anspruch aus Heimatsurlaub von 4 Monaten unter Belastung der vollen Geldbezüge innerhalb der 3V2jShrigen Dienstverpflichtung. (Näheres vergl. § |8 Schtr.-O.)

2. Stil ^^i^n O ^^kuppenangehörigen, die nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtung bei der Schutztruppe behufs Ansiedlung im Schutzgebiet verbleiben, kann gewährt werden: a) das Heimreisegeld als Ansiedlungsbeihilse, falls sie aus Heimbesörderung verzichten und sich verpflichten, als An­siedler im Lande zu bleiben,

b) sie werden beim Käufe von Regierungsland hinsichtlich deS Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 Mk. nachweisen können.

c) diejenigen ausgedienten Schutztruppenangehörigen, bie- aus eigener Farm wohnen, können ein unverzinslicher Darlehn bis zum Höchstbetrage von 6000 Mk. bewilligt erhalten und finden hierbei gegenüber anderen Bewerbern in erster Linie Berücksichtigung.

Aus die zu 2 erwähnten Vergünstigungen besteht indes ein rechtsverbindlicher Anspruch nicht.

Es wird noch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es unzweckmäßig ist, lediglich aus die Meldung zum Ein­tritt hin bereits die Stellung zu kündigen oder sonstige Vor- bereitungen zu treffen.

Hersfeld, den 19. März 1910.

Königl. Bezirkskommando.

Aber Mama, sich doch die schönen Blumen, die ich Dir mitgebracht habe; machen sie Dir denn gar keine Freude?"

Mit besorgtem Blick schaute der kleine Fritz auS seinen Hellen Kinderaugen zu seiner bleichen Mutter auf, in deren Schoß er eine ganze Menge von Frühlingsblumen und sammetweichen Kätzchen legte, soviel alS seine kleinen Hände zu tragen vermocht hatten. Zu seinem Schreck sah der Kleine, daß in den Augen der Mutter Tränen schimmerten. Er konnte freilich nicht wissen, welch trübe Erinnerungen feine, gutge­meinte Ostergabe gerade heute, am Vorabend vor Ostern er­wecken mußte. Beim Tode seines Vaters war er ja erst zwei Jahre alt gewesen und konnte sich nicht mehr auf ihn besinnen. Die Mutter bemühte sich zu lächeln, während sie liebkosend durch das braune Lockenhaar ihres Kindes strich.

Doch, Fritzchen, Mama freut sich gewiß", versicherte sie.

Aber der Kleine war nicht so leicht zu überzeugen.

Weshalb weinst Du denn, Mama?" fuhr er hartnäckig fort zu fragen.Du bist doch nicht krank?"

Es zuckte seltsam in dem müden Antlitz der unglücklichen Frau.

Wohl bin ich krank", flüsterte sie sinnend und ganz leise vor sich hin,unheilbar krank in meiner Seele."

Durch das feierliche Wesen der Mutter eingeschüchtert wagte Fritz nicht mehr zu fragen. Aber als er dann in seinem Bettchcn lag, konnte er lange keine Ruhe finden, denn die letzten Worte seiner Mutter klangen in seinem Herzen nach und er bemühte sich, ein Mittel zu finden, um ihr zu helfen. Was hatten ihm doch neulich die anderen Jungen im Dorfe vom Öfter Wasser erzählt? Das Wasser, das man in der Frühe des Ostertages holt, ist geheiligt und hilft gegen alle Krankheit. Es mußte schon wahr sein, denn niemand hatte einen Zweifel ausgesprochen, und die jungen Mädchen gingen am Ostermorgen alle zum Brunnen, um das kostbare Wasser zu holen. Aber wie sollte er früh zum Brunnen gehen? Würde man ihn nicht mit Spott und Hohn wieder heim­schicken? Doch am See war eS sicher ganz einsam und eS war ja auch bis dahin garnicht weit. Freilich hatte ihm die Mutter streng verboten,' an das Wasser zu gehen, wenn