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herssel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 33

Donnerstag, den IZ März

1910

Amtlicher teil.

Unter Bezugnahme auf die Verordnung des Herrn Ober- Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau vom 13. Mai 1905, betreffend Verbot der Ausfuhr von Reben aus reblauSver- feuchten Gemarkungen (veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 21 von 1905) wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß derzeit die Gemarkungen Wcllmich, Nochern, St. Goars- hausen, Bornich, Caub, Lorch, Geisenheim, Biebrich, Wiesbaden und Hochheim, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden, als reblausoerseucht zu gelten haben. (A. IH. 845.)

Cassel, den 16. Februar 1910.

Der Regierungs-Präsident.

I. V: gez. R i e ß von S ch e u r n s ch l o ß. * *

Hersseld, den 8. März 1910.

Wird veröffentlicht.

L 2134. Der Landrat.

3. V:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 12. März 1910.

In Unterneurode ist der Schweinerotlaus amtlich festge- stcllt worden.

I. 2655. Der Landrat.

3. V.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag beschäftigte sich am Montag mit der zweiten Lesung des Etats des Reichskanzlers; wozu mehrere Resolutionen vorlagen, darunter eine sozialdemokratischerseits Angebrachte Resolution, welche die Erhebung Elsaß-Lothringens zum Bundesflaate und die völlige verfassungsrechtliche Gleich­stellung des Reichslandes mit den übrigen Bundesstaaten verlangt. Die Resolution gab Anlaß zu einer Debatte über die elsaß-lothringische Verfassungssrage. Die Redner aus dem Reichslande, die Abgeordneten Vanderscheer, Gregoire, Dr. Ricklin, Dr. Hoeffel, Hauß, Böhle und Emmel, letztere beiden der sozialdemokratischen Partei angehörig, legten sich natürlich besonders stark für die endliche Umwandlung Elsaß- Lothringens in einen vollberechtigten Bundesstaat ins Zeug. Von den anderen Rednern aus dem Hause über diese An­gelegenheit trat namentlich Abg. Naumann von der fort­schrittlichen Volkspartei warm für die Erhebung Elsaß- Lothringens zum gleichberechtigten Bundesstaate ein. Auch der Nationalliberale Hieber äußerte sich zugunsten dieser Forderung, nur mehr vom nationalen Standpunkte aus als

Die

Von Guy Thorne.

(Fortsetzung.)

Sowohl Sir William als sein Sohn fühlten Achtung und herzliche Zuneigung für Edward Wooplc und räumten ihm die Freiheiten und Rechte eines alten und geschätzten Freundes ein.

Woople hatte nur einen Fehler, wenn man es einen Fehler nennen will: er liebte den Klatsch und erzählte seine Neuig­keiten mit viel Behagen und beträchtlicher Breite.

Guten Morgen!" rief er munter.Ich hoffe, der Spazierritt hat Ihnen Freude gemacht, Mr. Gilbe«. Ich hörte gestern abend, daß Sie zu Ihrem Vater nach Äbnash wollten."

So? Ich habe doch zu niemand darüber gesprochen Woople", antwortete Gilbe« lächelnd.

Nein, daS nicht, aber ich erfuhr es doch", versetzte der kleine Mann mit geheimnisvollem Kopfnicken.Ihr Vater kommt gegen Mittag in die Fabrik, nicht wahr?" kommen"' "äderte Gilbert,er hatte die Absicht, zu - , "^ "ächte über den deutschen Kontrakt mit ihm sprechen", Ä fort.Es fragt sich, ob wir die Arbeit zur daen^ S" kännm. Ich weiß, daß Sie es für möglich Ä*Ä? 9,M6' 18 "^ °b» « MX, barüh^WM die Sache gestern abend, er wird heute Rücksprache mit Ihnen nehmen."

^ues eingelaufen, Mr. Gilbe«?" .nmJtJ don Wichtigkeit. Ich habe die in Betracht mmenben Briefe Ihnen zur Einsicht ins Kontor geschickt."

A f0f0,t durchsehen. Ich bin eben erst ge- s» M 611' ^' 91M'" Gilbe«^""" ®IC ^e Tiere, die er heute morgen suhr?" fragte

die anderen Redner. Ebenso sprach sich der Pole v. Dziem- bowsli in diesem Sinne aus. Regierungsseitig griff der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg mit einer Erklärung in die Debatte ein, wonach ein Gesetzentwurf über die elsaß- lothringische Verfassung bereits ausgearbeitet ist, der nächstens dem Bundesrate zugchen soll. Der Kanzler lehnte es zwar ab, bereits jetzt nähere Mitteilungen über den Inhalt dieses Gesetzentwurfes zu machen, aber er versicherte, daß die ReichS- leitung wie der kaiserliche Statthalter eifrigst bestrebt sein würden, die elsaß-lothringische VersassungSangelegenheit bald zu einem guten Abschluß zu bringen. Das Haur nahm die Erklärung deS Reichskanzlers beifälligst auf. fJlacb der Erörterung dieser clsaß-lothringischen Angelegenheit erhob sich noch eine kurze Debatte über die auswärtige und die innere Politik, in welcher der Pole von Dziembowski-Pomian der Hauptredner war, er brächte die bekannten alten Klagen der Polen vor. Nach persönlichen Bemerkungen, die zwischen mehreren Abgeordneten gewechselt wurden, bewilligte der Reichstag das Gehalt des Reichskanzlers. In der Sitzung vom Freitag erledigte der Reichstag zunächst die übrigen Positionen des Etats des Reichskanzlers und trat dann in die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes ein.

Der längst angekündigte Entwurf einer ReichSver- sicherungsordnung ist jetzt dem Reichstage zugegangen. Er führt besondere Schiedsinstanzen für das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Aerzten, sowie eine freiwillige Zusatzver- sicherung bei der Invalidenversicherung ein. Er enthält noch eine Reihe sonstiger Abänderungen und Neuerungen, von welch' letzteren die Einführung der Witwen- und Waisen- Versicherung die wichtigste ist. Sie erstreckt sich auf die Hinterbliebenen aller wegen Invalidität versicherten Personen und gewährt Witwenrenten; ebenso gewährt sie Waisenrenten, Witwengeld und Waisenaussteuer. Die festen Reichszuschüsse betragen für jede Witwenrente 50 Mark, für jede Waisenrente 25 Mark jährlich. In AuSnahmefällen können übrigens auch Wilwen Renten erhalten. Die Renten sind so bemessen, daß in Lohnklasse 4 etwa 1000 Marklohn jährlich nach 1500 Beitragswochen betragen: die Invalidenrente 290,40. die Witwenrente 122,40 und die Waisenrente für ein Kind 61,20 Mark.

Ist gbtitnfrogt im

Unterhause.

Die Flottensrage ist soeben wiederum unter der Führung des ersten Lords der Admiralität Mac Kenna im englischen Unterhause außerordentlich gründlich und weit auSschauend behandelt worden, denn der Admiralitätschef, Mac Kenna, erklärte, daß England im Jahre 1913 eine beherrschende Mehrheit von Dreadnoughts besitzen werde, und in einer Zwischenrede auf einen Zuruf deS Parlamentsmitglieds Robert

Harcourt zeigte eS sich auch, daß die englische Admiralität über den Bau von dreizehn deutschen Dreadnoughts genau unterrichtet ist, und unter allen Umständen die Möglichkeit

Ja. Ich möchte sagen, daß sie von seltener Schönheit sind. Sie sprachen doch unterwegs mit Oberst Harrop, nicht wahr?"

Gilbert lächelte.

Wirklich, Woople, Sie wissen auch alles", versetzte er.

Der kleine Mann lachte.

Ich möchte wissen, wo wir geblieben wären, wenn ich das nicht täte. Aber da wir gerade von Neuigkeiten sprechen, Mr. Gilbert, ich f.mn Ihnen heute eine erzählen."

Er rieb sich befriedigt die kleinen Hände und blickte über seine große Nase hinweg geheimnisvoll auf den jungen Mann am Schreibtisch.

Gilbe« schob ihm die Zigarrenschachtel zu.

Legen Sie los, Woople!" sagte er, bereitwillig auf die redselige Stimmung seines Untergebenen eingehend.

Sie würden eS niemals erraten. Aber für die Stadt bedeutet es eine große Veränderung, so viel steht fest. Cläre- mont House ist vermietet!"

Wirklich!" rief Gilbe«.Das ist in der Tat inter­essant ! Seit fünfzehn Jahren hat eS jetzt leer gestanden, nicht wahr?"

Am letzten März werden es genau sechzehn Jahre", ant­wortete Woople,Und die Reparaturen der Gebäude sowie die Unterhaltung deS Verwalters haben Oberst Harrop jährlich über zweitausend Mark gekostet."

Gilbert nahm lebhaften Anteil an der Erzählung seiner Ingenieurs.

Claremont House war ein großes, altmodisch gebautes Anwesen am Ende der Stadt. ES hatte vor vielen Jahren einem Landcdelmann gehört, der es an Oberst Harrops Vater verkaufte, als Moorchester anfing, Fabrikstadt zu werden. Der Oberst selbst hatte niemals dort gewohnt, da er das weitläufige Herrenhaus für seine Bedürfnisse zu groß und unbequem fand. Aber alle Versuche, eS zu verkaufen oder zu vermieten, waren bisher erfolglos geblieben.

Wer hat sich denn dazu gesunden?" fragte Gilbert, Sicher niemand aus unserer Gegend."

Ueberhaupt kein Engländer!" erwiderte Woople.WaS würden Sie sagen, wenn ich Ihnen erzählte, daß eS ein be­

vc: hindern will, daß Deutschland mehr Dreadnoughts in einem späteren Jahre besitzt, als England. An eine Einschränkung der Flottenbauten ist nach den Erklärungen Mac KennaS in England auch nicht zu denken, denn England müsse gegen jedes Risiko geschützt sein und auch im strengen Sinne deS Wortes den Zweimächte-Standard behaupten, d. h. England müsse mehr Kriegsschiffe besitzen, als irgend zwei Großmächte zusammengenommen, damit England auch in der Lage sei, sich gegen eine Koalisation von zwei Großmächten zur See zu schützen. Fünf große Dreadnoughts sollen in diesem Jahre noch gebaut werden, um England vor jeder möglichen Gefahr zu schützen und Englands Herrschaft auf dem Weltmeere auf. recht zu erhalten. Schon im Jahre 1912 will England von diesen größten aller Panzerschiffe, den Dreadnoughts, zwanzig besitzen und außerdem noch eine große Anzahl neuer Panzer- kreuzer fertigst eilen. Interessant ist, auch, daß die Opposition im Unterhause noch nicht einmal mit diesen Erklärungen im Bezug aus die englischen Flottenbauten zufrieden war, sondern noch die Bereitstellung größerer Machtmittel verlangt. Die Opposition gab aber zu, daß die Regierung jetzt endlich die große Gefahr der Lage Englands, von einer anderen Macht überflügelt zu werden, eingesehen habe und den ersten großen Schritt getan habe, um die klaffende Lücke in der englischen Rüstung zur See auszusüllen. Wenn man bedenkt, daß Eng- land schon jetzt etwa dreimal mehr Kriegsschiffe als Deutsch­land besitzt und etwa zwanzig Kriegsschiffe mehr als Deutsch­land und Frankreich zusammen in See führen kann, so muß man wohl zunächst den englischen Patriotismus bewundern, der für Englands Machtstellung zur See fabelhafte und gren­zenlose Opfer zu bringen geneigt ist, aber man muß dem Be­dauern Ausdruck geben, daß dieses riesige Rüsten Englands zur See auch die anderen Großmächte zu einem neuen Wett- rüsten anspornen wird. Deutschland kann unmöglich dieses Wettrüsten zur See aus finanziellen Gründen auf die Dauer mitmachen, da Deutschlands Finanzkräste in erster Linie von seinem mächtigen Heere in Anspruch genommen werden. Nach der ganzen Sachlage und den Erfahrungen der letzten Jahr­zehnte ist aber auch nicht anzunehmen, daß England es aus eine Ueberwältigung Deutschlands abgesehen hat, denn die ge­meinsamen sriedlichen Handelsinterefsen und die germanische Kulturgemeinschaft zwischen England und Deutschland sind so groß, daß die verantwortlichen Leiter der englischen Politik so leicht nicht aus den Gedanken kommen können, durch einen Krieg gegen Deutschland die englischen Interessen noch besser wahrzunehmen. Der König von England und der deutsche Kaiser haben es ja auch bis in die jüngste Zeit nicht an friedlichen Kundgebungen, mit denen sich ihre Politik ja auch tatsächlich deckt, fehlen lassen. Wir würden es daher als einen großen Fehler in der deutschen Marinepolitik halten, wenn in Deutschland der Plan auftauchen sollte, die ver- stärkten englischen Flottenbauten durch noch größere deutsche Flottenbauten auSzugleichen oder gar zu übertreffen. England läßt sich um keinen Preis der Welt seine Ueberlegenheit zur

kannter, enorm reicher, amerikanischer Gelehrter ist, der sich mit seiner Tochter, inehreren Assistenten und Sekretären sowie verschiedenen amerikanischen Dienstboten in Claremont nieder­gelassen hat?"

Ich würde nicht wenig überrascht sein, Woople", ant- wartete Gilbe«.Verhält sich die Sache wirklich so?"

Der kleine Mann nickte wichtig.

Es ist Sir Julius Wilshire, dessen Name durch Erfin- düngen und Neuerungen auf mechanischem Gebiet bekannt ist. Soviel ich gehört habe, ist er Witwer mit einer Tochter und hat sich zwei Ingenieure mitgebracht. Der große Fest­saal in Claremont ist in ein Laboratorium umgewandelt worden."

DaS freut mich", sagte Gilbe«.Die Amerikaner werden die hiesige Gesellschaft neu beleben. Ich habe schon oft gedacht, daß etwas frisches Blut ihr aushelfen könnte."

Während er noch sprach, trat ein Knabe ins Zimmer und überreichte einen Brief und eine Karte.

Ein Herr wartet draußen auf Antwort", sagte er.

Gilbe« laS daS Schreiben, stutzte und warf eS Woople zu.

Ist das merkwürdig!" rief er.Just der Mann, von dem wir sprachen."

Der Ingenieur nahm den Brief und las:

Geehrter Herr, hierdurch erlaube ich mir die Anfrage, ob eS meiner Tochter und mir gestattet sein würde, Ihre Fabrik in Augenschein zu nehmen. Ich habe mich vor' kurzem hier niedergelassen und interessiere mich sehr für elektrische Maschinen jeder Art. Vielleicht ist Ihnen mein Name als der eineS Gelehrten aus den Vereinigten Staaten bekannt.

Hochachtungsvoll

JuliuS Wilshire."

Gilbert sah auf die Karte in seiner Hand.

Mr. JuliuS P. Wilshire

PittSburg, Pa. Claremont House

U. 6. A. Moorchester, England, stand darauf.

Es geschah nicht nur auS Politik, sondern auch, weil es Sir William Atherton und seinem Sohne wirklicher Ber-