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herssel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 28.

Sonnabend, den 5. März

1910.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 26. Februar 1910.

Mit Genehmigung der Königlichen Regierung habe ich auf Grund des § 103 des ZuständigkeitS-Gesetzes vom 1. August 1883 an Stelle des verstorbenen Försters Uhl den Königlichen Förster Studenroth in Friedewald mit der auS- Hülssweisen Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Gemeindebezirken Friedewald, Lautenhausen und Herfa be­auftragt.

I. 2123. Der Landrat.

J. V.:

W es sei, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Von bedenklichen Erscheinungen zeugt die Reichstags' ersatzwahl in Mühlheim-Wipperfürth-Gum- merSb ach. Hier gelangte der Zentrumskandidat mit dem Kandidaten der Sozialdemokratie in die Stichwahl, während die Christlich-Sozialen und Jungnationalliberalen ausfielen. In der Stichwahl vermehrte sich alsdann die Stimmenzahl des Zentrumskandidaten fast genau um die Anzahl der in der Hauptwahl für den Christlich-Sozialen abgegebenen Stimmen. Aber auch die Stimmenzahl deS sozialdemokratischen Kandidaten wuchs um mehrere tausend. Da nun bereits in der Hauptwahl der Prozentsatz der Wahlberechtigten, die von dem Rechte der Stimmabgabe Gebrauch machten, ein außer­ordentlich hoher, kaum noch zu übertreffender war und es anderseits eine Erfahrungstatsache ist, daß die Sozialdemokratie gleich im ersten Gange alle ihre verfügbaren Mannschaften an die Wahlurne bringt, so läßt sich mit mathematischer Sicherheit feststellen, daß das Mehr der von der Sozialdemo- kratie in der Stichwahl erzielten Stimmen ausschließlich dem jungnationalliberalen Parteilager entstammt.

Dem Ministerium Bienerth in Oesterreich haben die Tschechen trotz der Entlassung des deutschen LandS- monn-Ministers Dr. Schreiner eine Art Mißtrauensvotum er­teilt. Am Mittwoch trat das Abgeordnetenhaus in die allge­meine Budgetdebatte ein, wobei Ministerpräsident Freiherr von Bienerth in längerer Rede erklärte, die Regierung fei fortgesetzt bemüht, die nationalen Gegensätze zu mildern, namentlich in Böhmen. Darauf nahm der Tschechenführer Dr. Kramarcz das Wort und gab die Erklärung ab, die slavische Union paoe 'einerlei Anlaß, ihre mißtrauische Stellung gegenüber der jetzigen Regierung zu ändern. Da wird nun wohl Herrn v. Bienerth nichts weiter übrig bleiben, als weiter Kotau vor der slavischen Union und besonders vor den Tschechen zu

! ?m österreichischen Herrenhaus- hielt der ehemalige Minister Plchner am Mittwoch eine bemerkenswerte Rede zu- gunsten der Aufrechterhaltung des deutsch-österreichischen Bünd- Nisscs und weiter des Dreibundes überhaupt. Weiter befür- »ortete Plehner die Herstellung eines möglichst guten Verhält­nisses zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland.

Im fernen Osten der alten Welt hat sich während der «erichtswoche ein bemerkenswertes Ereignis abgespielt Der D a l a i L a m a , das Oberhaupt T i b e ts, ist vor chine- fischen Truppen, welche die Landeshauptstadt Lhassa besetzt b°ben, nach Indien geflohen, wo er bei den Engländern aast, 'che Ausnahme und Schutz zu finden hofft. Schon einmal war der Dalai Lama flüchtig; das geschah damals, als er vor der Expedition des britischen Obersten YounghuSband d" Mongolei entwich, um von dort aus mit anzuknüpfen. Seitdem haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert. Rußland sowohl wie England 'nzw-sch-n die Oberherrschaft Chinas über Tibet au«. V verkannt, und das Reich der Mitte scheint äugen- eine« $i r^ ^ darauf bedacht zu sein, der Scheinherrschaft it/n '^»ändigen Priesterstaates in Tibet ein Ende zu b° - Ereianiss?^ ^^ Aeschlchtliche Bedeutung gewinnen diese St & ^rch, daß das kraftvolle Vorgehen Chinas gegen schließt ^ be mannigfachen Zeugnissen aus neuerer Zeit an« Selbst- unh iro ^Überraschend schnell und stark anwachsendeS

nb Machtbewußtsein der Asiaten ins Feld zu führen leaen?/d°^ kürzlich König Eduard bei Ge- Beiner 5 der Kirchenprovinzen Canterbury und gut B«i fikn^^^ "nd seinem Wunsche nach Erhaltung Großmächten ^ L°^schaftlich-r Gefühle zwischen den ein Krica in >Ä ^"^ruck geliehen. Er betonte, daß technik den Untern«nh,Q,tt ^ der hochgesteigerten Waffen- wcyiirr Den Untergang von Millionen herbeisübren müsse HE-SS «2 Ä;i£i!: ""»=:

Reichstag.

Der Reichstag hat nunmehr seinen neuen Präsidenten anstelle deS verstorbenen Grafen Udo zu Stolberg-Werningerode gekürt. Wie schon zu erwarten stand, wurde bei dieser am Dienstag vorgenommenen Ersatzwahl der konservative Abge- dornete Gras Schwerin-Löwitz durch allgemeinen Zuruf zum neuen Vorsitzenden der Hauses proklamiert, womit der Reichs­tag sicherlich eine glückliche Hand bewiesen hat, denn Gras Schwerin-Löwitz wird von allen Parteien, auch von seinen politischen Gegnern, hochgeschätzt. Im weiteren Verlaufe der Dienstagssitzung brächte der Reichstag die allgemeine Debatte über den AusgabepostenGehalt des Staatssekretärs" mit der Genehmigung dieses Titels nach sechstägiger Dauer end­lich zum Abschluß. Am Mittwoch nahm der Reichstag zunächst die Abstimmung über die 55 oder 56 zum genannten Ausgabeposten vorliegenden Resolutionen vor; die meisten derselben wurden angenommen. Dann entspann sich eine ziemlich lebhafte Debatte über die Luftschiffahrt, wozu Resolutionen deS ZentrumS und der Nationalliberalen wegen Errichtung einer Reichsversuchsanstalt für Luftschiffahrt und Flugtechnik in Friedrichshasen den Anlaß gaben. Beide Resolutionen unterscheiden sich lediglich dadurch, daß diejenige des Zentrums die projektierte Anstalt der Oberleitung unter den Grafen Zeppelin untergestellt wissen will, während die Nationalliberale Resolution betont, daß diese Anstalt nicht einseitig der Zeppelinschen Unternehmung dienen solle. In der Debatte stellten sich sämtliche Redner aus dem Hause freundlich zu dem angeregten Plane der Errichtung einer ReichSversuchsanstalt für Luftschiffahrt in Friedrichshafen, welches Projekt auch vom württembergischen Ministerialrat Dr. V. Köhler befürwortet wurde. Nur der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück äußerte eine Reihe von Bedenken in dieser Angelegenheit und erklärte schließlich, zunächst die be­teiligten Ressorts des Reiches, Preußens und einzelner anderer BundeSstaaten zu vorbereitenden Besprechungen in der Sache zusammenrufen zu wollen. Die beiden Resolutionen wurden zuletzt einstimmig genehmigt. Im weiteren Fortgange der Spezialberatung des Etats des Reichsamtes des Innern wurden am Mittwoch eine Anzahl fernerer Ausgabeposten genehmigt, unter ihnen die Summe von 350 000 Mark zur Förderung der deutschen Seefischerei und der TitelPostdampserver- bindungen mit Ostasien und Australien, 609 000 Mark." Am Donnerstag setzte der Reichstag diese Beratung fort.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch machte Handelsminister Sydow ausführliche Mitteilungen über daS bisherige Ergebnis der Untersuchung über das Radbod-Unglück. Ueber die Ursache des Unglücks fei bis jetzt nur soviel fcstgestellt, daß sich in der zweiten Sohle Spalten gebildet hatten, die vor der Explosion nicht da waren und in denen bis jetzt alle eingeschütteten Wasser- mengen spurlos verschwunden sind. Elementare Einwirkungen seien daher immerhin möglich gewesen, indem gewaltige Mengen schlagender Wetter auS diesen Spalten Plötzlich hervorgedrungen sein konnten. Man könne als feftgefteüt ansehen, daß die Arbeiter ganz Plötzlich überrascht und getötet worden sind. Damit sei auch der Vorwurf eines allzu früh abgebrochenen Rettungswerkes hinsällig. Nach weiterer unerheblicher Debatte wurden die Einnahmen bewilligt, womit die allgemeine Be­sprechung geschlossen war. Der sozialdemokratische Antrag aus genauere Kenntnisgabe der Bergarbeiter-Lohnverhältnisse wurde abgelehnt. Nächste Sitzung Freitag,

Aus dem Leben unserer Landsleute in Deutsch-Südwestaftika.

Die Hauptstadt unserer südwestafrikanischen Kolonie ist Windhuk. Man sieht aus den ersten Blick, daß man sich in einer Beamtenkolonie befindet. Windhuk läßt sich in zwei Teile scheiden, in die obere Beamten- und Militärstadt und in daS unterhalb derselben gelegene Geschäftsviertel; in letzterem, daS hauptsächlich auS einer einzigen langgestreckten Straße, der Kaiser Wilhelm-Straße, besteht, befinden sich die größten Hotels und Geschäfte sowie die Warenhäuser und Magazine der Großkaufleute. Einen reizenden Anblick gewähren die villenartigen Beamtenhäuser. Die Veranden vor den Häusern sind meist mit prächtigen Antilopenhörnern geschmückt und wo eS nur möglich war, ist ein kleiner Vorgarten zwischen Haus und Straße geschoben. Weiße Gardinen lugen hinter den ge­schlossenen Fenstern hervor und verleihen den Wohnungen etwas Anheimelndes und Freundliches. Ueberhaupt zeichnen sich sämtliche RegierungSgebäude durch einfachen, aber ge­schmackvollen Baustil auS. Besonders die große viertürmige zinnengeschmückte Kaserne macht einen imposanten Eindruck und beherrscht durch ihre hohe Lage die ganze Stadt und Umgegend. Gasthäuser mit guten und schlechten Fremden­zimmern sind zur Genüge vorhanden; reinlich und sauber ist überall, zum großen Teile elegant gekleidete Bewohner be- >vegen sich auf den Straßen, und auch die Eingeborenen sind weniger zerlumpt als anderswo.

Die Lebensweise der hier ansässigen Europäer ist, wie nicht anders zu erwarten ist, echt deutsch. Die Zubereitung der Mahlzeiten geschieht nicht, wie dies in den meisten Ländern des Südens der Fall ist, nach englischer, sondern nach echt deutscher Art. Rind-, Hammel-, Ziegen- und Schweinefleisch ist überall stets zu haben. Der Preis für ein Psund Fleisch beträgt durchschnittlich 1,50 bis 1,75 Mk. Klein-Windhuk, ungefähr eine Stunde von Groß-Windhuk entfernt, hat große Gärt­nereien, welche alle Gemüsearten und Kartoffeln zu nicht sehr hohen Preisen liefern. Geflügel ist reichlich vorhanden, und zwar in erster Linie das stelzbeinige afrikanische Huhn. Ferner gibt es Perlhühner, Gänse, Enten, Puten, Wachteln usw. Ganz besondere Leckerbissen find Tauben, in Form von kleinen Pastetchen zubereitet. Antilopenfleisch läßt sich aller- dingS mit unserem Hochwild nicht vergleichen, weil es meist trocken und grobfaserig ist; als Sauerbraten zubereitet, wird es aber überall sehr gern gegessen. Die Konserven werden meist aus Deutschland bezogen. Das Brot, Schwarz-, Weiß­brot und auch Semmeln werden alle Tage frisch gebacken. Besonders reichhaltig ist die Auswahl unter den Garten- früchten des Landes. Orangen, Zitronen, Melonen, Kürbisse, Tomaten, Granatäpfel, Gurken, Feigen, Datteln und noch so manche andere sorgen für Erquickung und bilden den Schmuck der Tafel. An Getränken gift es alles, was das Herz be­gehrt, nur werden sie der Hitze wegen in viel größeren Quantitäten und wegen Mangels an Eis nicht sehr kalt ge­nossen. Man zahlt für eine Flasche Moselwein geringerer Qualität den ungeheuren Preis von 5 Mk., für eine Flasche Bier etwa 1 Liter enthaltend 2,50 bis 3 Mk., für eine Flasche gewöhnlichen Kapwein 2,50 Mk., für eine Flasche Mineralwasser 1 Mk.

Im großen und ganzen herrscht in der Hauptstadt unserer Kolonie ein ruhiges, kleinstädtisches Leben, alles geht seinen geregelten Gang. Um 6 Uhr morgens begeben sich die Hand­werker auf die Bauplätze es wird hier fortwährend gebaut oder in ihre Werkstätten; um 8 Uhr werden die Bureaus geöffnet, und um 11 Uhr wird der Hitze wegen allerseits die Arbeit eingestellt. Am Nachmittag währen die Arbeitsstunden von 2 bis 6 Uhr. Da Windhuk daS einstweilige Handels­zentrum der Kolonie ist, so herrscht hier täglich ein lebhafter Wagenverkehr. SonntagvormittagS findet sich die vornehme Welt, Beamte, Offiziere und die Elite der Bürgerschaft, im Truppengarten zum Konzert deS vorzüglichen Trompeterkorps der Schutztruppe zusammen, während nachmittags ein Spazier- gang nach Klein-Windhuk unternommen wird, um entweder in Ludwigslust sich auf der Kegelbahn gesunde Bewegung zu verschaffen oder in dem dortigen Bassin ein erquickendes Bad zu nehmen; eventuell wird bei einem dort wohnenden Ansiedler eingekehrt und auch der BrauereiZum Felsenkeller" ein Besuch abgestattet. Regnet es oder herrscht eine Hitze, die weite Spaziergänge verleidet, so bleiben die Ehemänner zu Hause im Kreise ihrer Familien, während das Gros der Jung­gesellen in den Kasinos und Messen der oberen Stadt oder in den Gasthöfen des unteren Viertels die Zeit totschlägt. Man unterhält sich mit Schach, Billard, Klavierspiel und schöngeistigen oder politischen Gesprächen.

Bemerkenswert ist, daß in Südwest das deutsche Vereins- leben sehr gepflegt und in Ehren gehalten wird. Fast die ganze Kolonie (mit wenigen Ausnahmen) hat sich in Vereinen zusammengeschlossen, war für daS gesellige Leben gewiß ein gutes Zeichen ist. Turn-, Schützen-, Krieger-, Gesangvereine usw., die getreue Abbilder der alten heimischen sind, zeigen, daß unsere Landsleute in den fernen Landen bemüht sind, echt deutsches Volksleben auch jenseits des Meeres erstehen zu lassen. Man nenne das nicht Vereinsmeierei! Was hier in der Heimat manchmal als Auswuchs empfunden werden mag, wirkt drüben erzieherisch und segensreich. Vielfach dürste das Kolonistenleben einen verwildernden Einfluß ausüben, da gibt dem Ansiedler die Pflege nationaler Gesinnung, des Sports und des Gesanges unwillkürlich einen Rückhalt. Eine gesunde, vielleicht manchmal etwas derbe, aber doch echt deutsche Fröh­lichkeit bildet den Grundton des geselligen Lebens bei unseren Landsleuten im fernen Südwestafrika. In der ganzen Kolonie gestaltet sich daS VereinSleben je nach der Jahreszeit mehr oder minder lebhaft. Unsere Landsleute in Südwest müssen in noch höherem Maße als wir in der Heimat ein Volk in Waffen fein. Ein jeder hat in Kriegszeiten seinen Mann zu stellen. Dazu gehört in der Kolonie eine besondere körperliche Gelenkig­keit und Selbstdisziplin, und beides wird in Turn» und Schützenvereinen wachgehalten. Veredelnd aus das einfache Leben in Südwest wirkt die Pflege des Gesanges. Wo daS deutsche Lied erklingt, kann ein ödeS Kneipenleben, daS das Trinken zum Selbstzweck macht, nicht auftommen. Auch der Sport wird nach gut deutschem Muster gepflegt. Nichts ist von einer Nachäffung amerikanischer oder englischerVorbilder" zu bemerken, wie dies bedauerlicherweise vielfach hier in der Heimat der Fall ist. Besonderer Erwähnung bedarf eS, daß sämtliche südwestafrikanische Vereine beschlossen haben, keinen in ihren Reihen zu dulden, der durch Zusammenleben mit ein­geborenen Weibern gegen den fundamentalen Grundsatz einer gesunden Siedlungspolitik, das Rassenbewußtsein, verstößt. Es ist nur zu wünschen, daß diese Satzungen erhalten bleiben mögen; denn dann gewährleistet das VereinSleben drüben die