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herchlder Armblatt
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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 18.
Donnerstag, den 10. Februar
1010.
Amtlicher teil
Hersseld, den 4. Februar 1910, Nachstehend veröffentliche ich daS Verzeichnis über die im
Monat Januar der Körungskckmmission zur Ankörung vorgestellten Zuchtbullen.
Die Ortspolizeibehörden und die Königlichen Gendarmen des Kreises haben streng darüber zu wachen, daß die für untauglich befundenen, bezw. nur bedingungsweise zugelassenen Bullen zur Nachzucht nicht oder nur insoweit Verwendung
finden, als dies seitens der KörungSkommission eingeräumt worden ist. Zuwiderhandlungen sind aus Grund der Polizeiverordnung vom 17. Januat 1879 zur Bestrafung zu bringen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 783. von Grunelius.
Natr o n a l
der im Monat Januar 1910 der KörungSkommission zur Ankörung vorgestellten Zuchtbullen.
1 s
Der Bullenhalter Namen und Wohnort.
Datum der Körung.
Resultate der Körung.
Abstammung
Bemerkungen.
Alter und Rasse der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
1
2
3
4
5
6
7
Gemeinde Heenes-Allmershausen, Heenes
Georg Schüler, Oberhaun
Andreas Orth, ASbach
Gemeinde Untergeis, Untergeis
Val. Grenzebach, Kerspenhausen
Gemeinde ObergerS, Obergeis
angeblich 20 Monate, scheinbar Simmentaler
13 Monate, Simmentaler
16 Monate, Simmentaler
12 Monate, Simmentaler
20 Monate, Simmentaler
14 Monate, Simmentaler
14 Monate, Simmentaler
Hellgelbschack
Gelbschack
Gelbschack w. Kops hellgelb
Gelbschack w. Kopf
Gelbrotschack w. Kopf
Hellgelbschack w. Kopf
unbrauchbar
brauchbar
noch "brauchbar brauchbar brauchbar
Der Bulle ist ein altes zurückgebliebenes Tier auch genügt die Bescheinigung nicht.
darf, weil noch zu jung, vor März nicht springen.
darf, weil noch zu jung, vor März nicht springen.
Hersfeld, den 4. Februar 1910.
Nach Mitteilung der Landes-Versicherungs-Anstalt in Cassel sind in dem Jnvalidcnheim in Hofgeismar noch einige Plätze frei. Das Jnvalidcnheim ist für die Ausnahme von 20 Renten- empsänger bestimmt, die vorzugsweise mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt werden.
Diejenigen Rentenempfänger, die in daS Jnvalidcnheim auf- genommen zu werden wünschen, wollen ihre Ausnahmen alsbald bei der Ortspolizeibehörde beantragen.
Die Ausnahme eines Rentenempfängers ist von dem Ver- zicht aus die Invaliden- oder Altcrs-Rente abhängig. Auch werden nur solche Rentenempfänger ausgenommen, welche verträglich, nüchtern, arbeitswillig, und im Stande sind, leichtere Arbeiten, insbesondere Garten- und Feldarbeiten zu verrichten und welche nicht an tuberkulösen, Krebs- oder schweren Herzkrankheiten leiden. Für die Ausnahme von Rentenempfänger, welche an tuberkulösen oder Krebskrankheiten leiden, ist das Philippsstift zu Jmmenhausen (Kreis HosgeiSmar) bestimmt, welches derartige Kranke auch noch ausnimmt.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, den Rentenempfängern von Vorstehendem Kenntnis zu geben, die etwa gestellten Anträge entgegen zu nehmen und mir vorzulegen.
I. 1085. Der Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Zugelaufen: Ein Hund. Meldung deS Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.
ver Liebe Sieg.
Novelle von F. Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Das war ziemlich deutlich gesprochen, und niemand konnte im Zweifel sein, woraus die Rede zielte. Mit blitzenden Augen sah sich Fräulein Klein um, aber von keiner Seite wurde ihr widersprochen, also gab man ihr stillschweigend recht.
Ellinore lehnte sich nur fester aus den Arm ihres Mannes, als sie sich jetzt wieder nach ihrer Loge begaben.
„Na, Kind, würdest du auch zugrunde gehen an Charakterschwäche, wenn das Leben Kämpse von dir sordert?" fragte dieser sie lächelnd.
„Ich weiß es nicht; meinen Charakter daraufhin zu prüfen hatte ich ja noch nie Gelegenheit; aber ich habe ja dich, du wirst mich schon schützen und mir beiflehen, wenn je dergleichen von mir gefordert wird!"
Eine derartige Perspektive hatten sie beide wohl noch nie ins Auge gefaßt, sie zog an ihnen vorüber gleich der flüchtigen Wolke, die nur einen Augenblicksschatten aus eine Helle Landschaft wirft.
Die Musik, das ganze bunte Treiben da vor ihren Augen nahm sie sofort wieder gefangen. Fräulein Klein, die unten im Parkett saß, wars einen spähenden Blick zu ihnen hinauf; wie sorglos, glücklich sie beide auSsahen, ihre Rede vorhin schien Ellinore in keiner Weise aufgerüttelt zu haben auS ihrer Glückssicherheit.
„Eine herzige Frau, die Frau Doktor Koser", sagte da jemand neben ihr, es war Berner, der ihre spähenden Blicke beobachtet hatte, „und trotz aller Lieblichkeit liegt doch etwas in ihren Gesichtszügen, daS auf Charakter schließen läßt, ich bin sicher, sie würde nicht zugrunde gehen im Kampfe in der «Irena des Lebens, welches Bild vorhin von Ihnen gebraucht wurde."
»Nun, hoffen wir es", versetzte Fräulein Klein ziemlich
nichtamtlicher Cell.
Das „reaktionäre" Preußen.
Noch vor fünf Jahren gab es kaum einen freisinnigen Politiker, der glaubte, daß er eine Reform des preußischen Wahlrechts erleben würde. Auch noch in der Blockzeit herrschte auf der Linken der Zweisel, ob denn wirklich die Ankündigung, dem Landtage eine organische Fortbildung des geltenden Wahlsystems vorzuschlagen, ernst gemeint sei. Diese Zweifel oder diese Mutlosigkeit erklärte sich aus dem Stärkeverhältnis der Parteien im Abgeordnetenhause, aus der ausschlaggebenden Stellung, welche die Rechte in dem preußischen Parlamente einnimmt, aus der festgewurzelten Meinung, daß die konservative Partei in Preußen eine reaktionäre Partei sei, und daß sich die Regierung in Abhängigkeit von ihr befinde.
Wie sieht aber jetzt die Sache aus, nachdem die Wahlvorlage erschienen ist? Während aus der konservativen Seite bei aller Zurückhaltung doch die Bereitwilligkeit zu erkennen ist, ernstlich zu prüfen und Ueberlebtes zu beseitigen, lassen freisinnige Blätter an der Vorlage kein gutes Haar, sprechen von arg getäuschten Hoffnungen und machen die radikale Abänderung des Wahlrechtes zu einer Forderung, von der das Wohl Preußens und des Reichs abhängen soll. Vorsichtiger ist die nationalliberale Presse; sie tritt zwar schars für die geheime Abstimmung ein, erklärt aber doch die Bereitwilligkeit, auf der Grundlage der Dreiklassenwahl mitzuarbeiten.
kurz und wandte dann ihre ganze Aufmerksamkeit - den Vorgängen aus der Bühne zu.
Aus dem Heimwege war Koser ziemlich schweigsam und lag dann lange Zeit schlaflos, von dem Gedanken gequält, daß er so viele kostbare Zeit nutzlos vergeudet hatte.
Am nächsten Morgen setzte er sich gleich nach dem Frühstück an seinen kunstvoll geschnitzten Schreibtisch, über dem eine wundervolle Schweizerlandschaft von Achenbach hing. Er wollte arbeiten, ernstlich schaffen, endlich einmal wieder einen Schritt empor tun aus der Staffel des Ruhmes.
Ellinore wars, ehe sie sich zur Malstunde begab, einen Blick durch die halb zugezogene Portiere in das Zimmer ihres Mannes.
„Endlich", kam es leise von ihren Lippen, dann schlich sie eilends davon. Um alles in der Welt hätte sie Koser nicht stören mögen in dieser ihr fast heilig erscheinenden Be- schästigung.
„Otto schriststellert", mit diesen Worten trat sie strahlend in die Wohnung ihrer Mutter, um sie, wie alle Morgen vor ihrem Fortgehen zu begrüßen.
„Ah, wirklich?" sagte die Frau Geheimrat etwas zweifelnd.
„Ja, du kannst es glauben, er sitzt am Schreibtisch. Ich habe nur einen Blick in sein Zimmer geworfen; es sah so hübsch auS, wie er da saß, den Kops gestützt, so recht wie ein Dichter, ein Sonnenstrahl spielte auf seinem lockigen Haar, ordentlich seierlich war eS, alles so still. Ich habe mich noch dem Diener eingeschärst, daß er jede Störung sernhalicn solle!"
Frau Straten lächelte ein wenig; Ellinore hatte doch bisweilen noch etwas recht Kindliches, trotz ihrer Frauenwürde, aber gerade das gab ihrem Wesen einen so eigenen Reiz. Gerührt fast blickte sie ihr nach, wie sie jetzt leichten Schrittes davon eilte und die Türen behutsam schloß immer in Gedanken an den schriftstellernden Gatten.
Dieser hielt immer noch daS lockige Haupt gestützt, die Sonnenstrahlen warfen helle Streifen auf das Papier
Die Beratung im Abgeordnetenhause beginnt am 10 Februar. Voraussichtlich wird sie mit einer Rede des Minister- Präsidenten eingeleitet werden. Hier bietet sich Herrn von Bethmann-Hollweg die erste Gelegenheit, eine allgemeine Rede über die innere Lage zu halten. Bei seinem ersten Austreten im Reichstage sprach er nur kurz über seine Stellung zu dem heftigen Streit der Parteien, der aus der Krisis bei der Reichsfinanzreform hervorgegangen ist. Mit Rücksicht auf die Bedeutung, welche die Reform des preußischen Wahlrechts gewonnen hat, mußte er sich Erklärungen allgemeiner und grundsätzlicher Natur aussparen, bis die Wahlvorlage im preußischen Landtage eingebracht war. Die Regelung dieser Angelegenheit gehört ausschließlich zur Zuständigkeit Preußens, wenn sich auch nicht bestreiten läßt, daß der Geist, in dem sie unternommen wird, die Stimmung im ganzen Reiche beeinflußt. Es wäre daher gut, wenn der Kanzler und Ministerpräsident dem Schlagwort von dem „reaktionären" Preußen wie überhaupt der Herrschaft der Phrase in unserm öffentlichen Leben einmal scharf zu Leibe gehen wollte.
Abgeordnetenhaus.
^.Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag die allgemeine Debatte über den Etat des Justizministeriums fort, wobei der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Liebknecht eine dreieinhalbstündige scharf oppositionelle Dauerrede hielt. Justiz- minister Dr. Beseler wehrte die Liebknechtschen Angriffe aus die preußische Justizverwaltung kurz ab. In der MontagS-
vor ihm, aber er erhob sich nicht, um die Vorhänge zuzu- ziehen.
Es wollte nicht gehen! Finster überflog er die wenigen Sätze, die er da im ersten Feuereifer niedergeschrieben, sie erschienen ihm, wie das erste schriftstellerische Stammeln eines Ansängers, dessen unschuldige Geisteserzeugnisse noch nie mit Druckerschwärze in Berührung gekommen, und zu diesen zählte er doch nicht.
Aergerlich strich er alles wieder aus, warf die Feder hin und ließ seine Blicke im Zimmer herumschweisen. Wie schön war hier alles, an den Wänden die herrlichen Oelbilder, Werke berühmter Künstler, deren Stirn der Glorienschein der Unsterblichkeit umstrahlte, ebenso wie die der Geistesheroen, deren Werke dort im eleganten Einband hinter den Glasscheiben des Bücherschrankes standen. Was war er dagegen mit seinen drei kleinen Bändchen Novellen, die wie einst ein ihm wohl- wollender Kritiker geschrieben, zu den schönsten Erwartungen berechtigten, jedenfalls hatte er diesen Erwartungen nicht entsprochen bis jetzt, und nun er das Versäumte nachholen wollte, da wollte der Geistesflug nicht gelingen, die Flügel der Phantasie ihn nicht emportragen. — War sie tot, die Götter» gäbe der Phantasie? oder lag sie nur im tiefen Dornröschen- schlas!
Er blickte auf zu der Schweizerlandschast. War es die hehre Sprache der Natur, die ihm fehlte, nun, dann brauchte er ja nur mit Ellinore aus Reisen zu gehen, der Lenz nahte, und an der Riviera war es sicher jetzt schon wunderbar schön, oder mußte er die Zauberformel wo anders suchen?
Eine große übermächtige Leidenschaft vielleicht, die alles in ihm erschütterte, alles auS den Fugen brächte, sie würde sicher auch die schlafende Phantasie aufrütteln.
Er sprang auf; welch törichter Gedanke war daS, hatte er nicht eine liebenswerte reizende Frau? Freilich, waS man Leidenschaft nennt, das hatte er wohl nie ihr gegenüber em- Pfunden, er hatte sie eben nur lieb, recht herzlich lieb, und zu den Frauen, die alle Leidenschaften ausregen, alle Pulse schlagen lassen, dazu gehörte Ellinore wohl überhaupt nicht