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mit übereinstimmen, daß ohne deutsche Frauen erfolgreich nicht kolonisiert werden kann.

Wie auS Trieft gemeldet wird, hat sich ein dort garniso- nicrender Offizier, der gestern vom Wiener Garnisonsgerichte die Vorladung erhielt, als Zeuge im Hofrichterprozeß in Wien zu erscheinen, unmittelbar nach Erhalten des Briefes erschossen. ES heißt, daß der betreffende Offizier für das Garnisonsgericht ein sehr wichtiger Zeuge gegen Hofrichter sein soll. Ob die Version richtig ist, daß er über die Gistbe- schaffung hätte aussagen sollen, läßt sich noch nicht fest- stellen.

Von dem KreuzerHiazinth" und dem Transportschiff Hardinge" wurde bei Djask an der persischen K ü st e eine englische Truppenabteilung unter dem Befehl deS Obersten Delamain an Land gesetzt. Die Expedition ging sieben Stunden weit in das Innere vor und griff daS Dorf LaScar am Fluß Djagin an, wo sich eine Waffenniederlage befand. Der Platz wurde genommen. Es wurden 760 Ge­wehre, Patronen, Revolver, Bajonette und Pulver erbeutet. Die Engländer hatten keine Verluste. 3 Afghanen sind gefallen. Gestern kehrte die Expedition nach Djask zurück.

Das ^»c^waffer in pari*.

Paris, 29. Januar. Es ist, als wandle man in Paris aus einem Schlammvulkan. Man fühlt keinen sicheren Boden mehr unter den Füßen. Ucberall öffnen sich im Asphalt breite Spalten, aus denen gurgelnd das Wasser aus den durch den ungeheuren Druck geborstenen Kanalisationsröhren dringt. Ganze Quartiere sind vom Wasser unterwaschen und drohen einzustürzen. Die Kellerräume fast aller staatlichen Gebäude, selbst des Elysscs, sind überflutet. In Kähnen mußten sich gestern einzelne Minister noch dem Ministcrrat rubern lassen, und der belgischen Sondergcsandtfchast, die Pichon die amtliche Mitteilung von König Alberts Thron­besteigung brächte, wird dervenezianische Empfang" am Quai" d'Orsay zeitlebens in Erinnerung bleiben. An der Alexander-Brücke wurden die befrackten, ordensgeschmückten Diplomaten eingeschifft, um in das rings vom Wasser um- strömte Palais zu gelangen. Der Straßenverkehr in der Stadt, besonders von einem User zum andern, ist zur reinsten Hindernisbahn geworden. Heute früh ist die Überschreitung des Flusses nur noch über den Pont Neuf möglich, so daß bei der Uebersüllung der wenigen brauchbaren Verkehrswege jeder Ausflug nach der Stadt zur gewagten Unternehmung wird. Die Champs Etysses find vom Rond Point bis zur Place de la Concorde, der gleichfalls nicht mehr lange dem Andrang des Wassers wird standhalten können, unter Wasser. Die großen Boulevards bei der Oper sind wegen Einbruchs deS Bodens gesperrt, und das Viertel am Bahnhof Saint- Lazare ist ein einziger See. Einzelne Quartiere, namentlich am linken User, sind durch das Wasser, das vom Jnvalidcn- platz bis zum Marsselde reicht, so von der Zusuhr abgeschniiten, daß eine Lebensmittelnot entstand. Bei der Konkordien-Brücke steht das Wasser der Seine ein Meter höher als der Boden des Konkordien-Platzes. In einer Spezereiwarenhandlung am Faubourg du Temple zeigte der Ladeninhaber gestern abend einen wesentlichen Preisaufschlag wegen der Ucberschwemmung an. Die wütende Bevölkerung, die sehr wohl weiß, daß von einer eigentlichen Nahrungsmittelnot noch nicht die Rede sein kann, schickte sich an, den Laden zu plündern, als rasch hintereinander fünf Schüsse krachten, eine alte Frau aus dem Volke fiel schwer verletzt zu Boden. Die Ansicht, der Laden- besitzer habe selbst geschossen, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Man fahndet auf den Täter, hat ihn aber noch nicht ge­sunden. Die Ruhe wurde wiederhergestellt. Um 1 Uhr nachts bringt das Wasser in die Keller der Großen Oper ein. Der Unterstaatssekretär der Künste, du Jardin Beaumetz, ist an Ort und Stelle, und leitet felbst die Rettungsarbeiten.

P a r i S, 29. Januar. Soeben macht die Präfektur bekannt, daß das Wasser in der Seine heute um 7 Zentimeter gesunken ist, und daß man bei Fortdauer des schönen Wetters ein Sinken um weitere 10 Zentimeter bis zum Abend erwarten brüste. Die Präfektur fügt beruhigend hinzu, daß von den 86000 Baulichkeiten in Paris und der Bannmeile bisher nur ein Holzschuppen durch das Wasser zerstört wurde. Die während der Mittagsstunde längs der Seine versammelte Menschenmenge nahm diese Ankündigung mit Jubelrufen aus. Nächst der Alexanderbrücke sang man den Refrain eines neuen GassenhauersHoch Paris, die nicht zu entwurzelnde Stadt!" Nebenbei wurden auch Rufe gegen die Metropolitain- Unternehmung laut, weil man ihr die Hauptschuld an den zahlreichen Kanalbrüchen zuschreibt. Im Ministerium des Innern bereitet man die Bekanntgabe von Vorschriften vor,

wie sie stets bei drohender Epidemiegesahr erlassen werden. Nächst dem Republikplatz ist in dieser Nacht ein Mann, der ohne Barke nach Hause kommen wollte, ertrunken.

Paris, 30. Januar, 4 Uhr nachm. DaS Wasser ist heute nachmittag plötzlich in den Temple-Bahnhos der Unter­grundbahn eingedrungen und fleht an den Wänden deS Gewölbes sieben Meter hoch.

PariS, 30. Januar. Die Seine ist während der Nacht um weitere 20 Zentimeter gefallen und fährt fort, langsam aber regelmäßig zurückzugehen. Auch seinen schlammigen Charakter verliert das Wasser mehr und mehr.

Mr Provinz u. Nachbargebiet

* (Domänen-Verpachtungen.) Die dem Abge­ordnetenhaus zugegangenenUebersichten über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der im Jahre 1909 pachtfrei ge­wordenen und der im Jahre 1910 pachtfrei werdenden Domänenwerke" entnehmen wir bezüglich des Regierungsbezirks Cassel folgendes: 1. Domäne Binga rteS-Johann es- berg, Kreis H e r s s e l d, Flächeninhalt 256 Hektar; bis­heriger Pachtpreis 6291 M., Pachtzins bei der Neuverpachtung 8035 M., also mehr 1744 M. 2. Domäne Eichhos, Kreis Hers seid, Flächeninhalt 193 Hektar; bisheriger Pachtpreis 9417 M., Pachtzins bei der Neuverpachtung 11040 M., also mehr 1623 M.

* Am 1. Februar d. Js. wird zwischen dem Deutschen Reich, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz ein Postgiro - verkehr in der Weise eingerichtet, daß jeder Inhaber eines Schcckkontos bei einem deutschen Postscheckamt von seinem Konto Beträge aus ein Scheckkonto bei dem K. K. Postspar- kassenamt in Wien oder der Königlich Ungarischen Postspar­kasse in Budapest oder bm schweizerischen Postscheckbureaus überweisen kann, ebenso kann auch der Inhaber eines Scheck­kontos, das bei einer der genannten ausländischen Verwal­tungen gcsührt wird, Ueberweisungen aus ein deutsches Post­scheckkonto in Austrag geben.

* Der Komet1910 A" hat, wie derFranks. Ztg." aus Gelehrtenkreisen geschrieben wird, die Astronomen vollständig überrascht. Er muß vor der plötzlichen starken Lichtentwickel- lung ein sehr unscheinbares Objekt gewesen sein. Der Komet nähert sich gegenwärtig in seiner Flugbahn der Erde. Zur Beruhigung aller ängstlichen Gemüter muß wiederholt werden, daß dabei nichts passieren wird, ebenso wenig wie bei dem Durchgang der Erde durch den Schweif des Halleyschen Ko­meten im Mai.

Fulda, 27. Januar. Unredlichkeit im Viehhandel ist einem Landmann aus unserer Gegend teuer zu stehen gekommen. Er verkaufte einen Bullen nach Lebendgewicht an einen Handelsmann ; damit das Tier recht schwer wiege und so ein ungebührlich hoher Erlös erzielt werde, überfütterte es der Bauer. Dieses unredliche Manöver rächte sich bitter. Der Bulle, der nach der Uebersütterung getränkt worden war, er­krankte. Als er in Fulda geschlachtet wurde, stellte es sich heraus, daß das Fleisch des TiereS, das geschlachtet über 11 Zentner wog und ungefähr 600 Mark wert war, als völlig ungenießbar erklärt werden mußte; es wurde im Schlachthof verbrannt. Der Landmann, der den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.Ehrlich währt am längsten!"

Hanau, 26. Januar. Ein schwerer Unglücksfall er­eignete sich in der Frankfurter Maschinenfabrik zu Groß-Auheim. Der dort beschäftigte 40jährige Arbeiter Nikolaus Milz aus Alzenau war damit beschäftigt, Schnee von einem Glasdach abzukehren. Plötzlich brach das Dach durch und der Mann stürzte in den Maschinenraum, wo er in die Transmission ge­riet und schrecklich zugerichtet wurde. Der Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus nach Hanau gebracht.

Röhrigshof, 28. Januar. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs fand am Donnerstag Abend im Saale des Herrn Bommer ein Festmahl statt, an welchem sich etwa 35 Herren aus Philippsthal, RöhrigShos, Heimboldshausen, Nippa usw. beteiligten. Auch Se. Hoheit Landgras Ernst von Hessen nahm mit seinem Hoskavalier Herrn Hauptmann Bötticher an der Feier teil. Die Festrede, die mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser auSklang, hielt Herr Pfarrer Heßler aus Philippsthal. Im Lause des Abends ergriff auch Herr Gutsbesitzer Kämmerer-Nippa das Wort, um ein Hoch auf Se. Hoheit den Landgrafen Ernst auszubringen. Der Abend verlies übrigens in schönster Stimmung. (Rhön-Ztg.)

Philippsthal, 29. Januar. Vor dem Schöffengericht in Vacha hatte sich der Landwirt Adam Vollmer aus Ransbach zu verantworten wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahn­transportes. Der Genannte befand sich im November vorigen

Jahres aus der Fahrt nach Vacha und verlor hierbei die Schraube eines Rades. Um dieselbe zu suchen, band er das Pferd seines Wagens an die in bet Nähe des BahngleiseS befindliche eiserne Barriere. Bald kam jedoch ein Zug, daS Pferd scheute, riß sich los und rannte in einen Wagen deS ZugeS, wobei es sich derart verletzte, daß eS getötet werden mußte. Das auf dem Wagen sitzende Kind deS Genannten wurde wie durch ein Wunder gerettet. Schaden war an dem Eisenbahnwagen in Höhe von 8 Mark entstanden. DaS Gericht nahm eine Besichtigung der Gelle vor, an der sich der Vorfall abspielte und sprach den Angeklagten aus Grund derselben frei, da es zu der Ueberzeugung gelangt war, daß die geradezu unhaltbaren Zustände des Eisenbahnüberganges an jener Stelle die Ursache zu dem Vorkommnis gewesen seien. Baldige Abhilfe tue dringend Not.

Treffurt (Werra), 29. Januar. In der benachbarten Gemeinde Wolsmannsgehau wurde vor einigen Tagen die Gemeindeschenke für eine Jahrespacht von 50 Pfennigen vergeben. Das erste im Termin abgegebene Gebot betrug 10 Pfennig.

Cassel, 30. Januar. Eine Familien-Tragödie hat sich gestern abend gegen 8 Uhr im benachbarten Niederzwehren zugetragen. Der dem Trunke ergebene Arbeiter Schroeder geriet mit seiner Ehefrau, mit der er schon lange in Unfrieden lebte, in Streit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. In der Hitze des Gefechtes ergriff die Frau eine Holzaxt, schlug damit aus ihren Mann loö und brächte ihm eine zehn Zenti­meter lange und einen Zentimeter tiefe Schädelverlctz- ung bei.

Marburg, 27. Jan. Auf den Rodelbahnen in den Lahnbergen erlitten gestern und heute wieder mehrere Personen Arm- und Beinbrüche, sowie auch sonstige Verletzungen.

Helsa, 30. Jan. Gestern srüh 10 Uhr entstand in der hiesigen Papierfabrik ein größeres Feuer. Genährt durch reiche Papier- und Lumpenvorräte, nahm daS Feuer immer größere Dimensionen an, sodoß das ganze Fabrikgebäude gänz­lich bis aus den Schornstein niederbrannte. Die zahlreich an­wesenden Wehren konnten dem Feuer nicht Einhalt tun. Der Schaden wird aus eine halbe Million geschätzt. Sehr viele Arbeiter sind brotlos geworden.

Vom Distelrasen (Kreis Fulda), 28. Januar. An den letzten Tagen mußten alle verfügbaren Leute aus Flieden zum Schneeschaufeln antreten, um die Chausseen und die Land­wege nur einigermaßen gang- und fahrbar zu machen. An j vielen Stellen (so bei Magdlos) liegt der Schnee mehrere Meter hoch. Ein Arzt, der nach Buchenrod verlangt wurde, mußte auf halbem Wege wieder umkehren, da eine Menge flachwurzelnder Kiefern und Fichten, vom Drucke deS Schnees und vom Sturm gefällt, den Weg versperrten. Der Wald hat schwer gelitten, da bei dem ungefrorenen Boden überall Kiefern- und Fichtenbestände gelichtet worden sind. Gestern blieb das Automobil eines Frankfurter Herrn auf demDistelrasen" im Schnee stecken; ein paar Fliedener Bauernpferde mußten es ins Dorf ziehen.

Rinteln, 29. Januar. Im Georgsschacht wurden dem Bergmann Bruns aus Liekwege durch einen vorzeitig los­gehenden Sprengschuß beide Beine abgerissen. Der Zustand des Verunglückten ist bedenklich.

Marburg, 27. Januar. Heute abend gegen 8 Uhr wurde in der Nähe der Elisabethkirche der in den 60er Jahren stehende Jnstitutsdiener Gröger von einem Jagdschlitten, dessen Pferde durchgegangen waren? übersatten unb getötet.W1»^

Hann-Münden, 28. Januar. Schon wieder ein Pionier verschwunden. Der Rekrut Schröder der 1. Kompagnie wird seit gestern nachmittag vermißt. Diesmal scheint aber weder Unglückssall noch Verbrechen vorzuliegen, sondern Fahnenflucht. Wahrscheinlich haben die strammen Uebungen, die jetzt zum Parademarsch für Kaisers Geburtstag nötig waren, ihm nicht behagt. Ein anderer Soldat, der im Lazarett lag, hat sich während der Kaiserseier von dort ent­fernt, und sich in ein benachbartes Dorf begeben. Dort ist er in einer Wirtschaft mit einem Gast in Streit geraten, wo­bei er gehörig verprügelt wurde. Außer den Schmissen hat er nun noch eine nicht gelinde Strafe zu erwarten.

Eisenach, 30. Januar. Nach den bis heute vormittag vorliegenden Ergebnissen der Reichstagsersatzwahl im Kreise 2 Sachsen-Weimar waren abgegeben für Leber (Soz.) 10 181, für Dr. Appelius (Natlib.) 5716, für Hädrich (Deutsch-soz.) 3940 Stimmen. Da nur noch die Wahlergebnisse von zehn kleinen Orten ausstehen, von denen man eine wesentliche Aenderung des Gesamtergebnisses nicht erwartet, dürfte die Wahl Lebers gesichert sein.

Göttingen, 28. Januar. Ein schwerer Unglücksfall trug sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr aus dem Rangier-

Sie war sehr blaß geworden, Tränen traten in ihre Augen.

»Eine solche Heroengestalt, wie Du da gezeichnet, ist er ja nicht, ich weiß es wohl, ihm fehlt die rechte Entfchlossen- heit im Handeln, er ist schwankend in seinen Stimmungen, aber ich liebe ihn gerade so wie er ist und ich glaube an ihn!"

Fast trotzig sah sie ihre Mutter jetzt an, auch sie sollte sie nicht ine machen in ihrem Glauben an den Geliebten. Diese aber legte sanft den Arm um ihre Taille.

Mit dieser Liebe, diesem Glauben wirst Du auch glück­lich werden", sagte sie bewegt, hütete sich aber von nun an, je wieder ein derartiges Gespräch auskommen zu lassen. DeS Gedankens, daß bei der Werbung Kosers das Geld sehr mitgesprochen, vermochte sie sich nun einmal nicht erwehren, trotzdem aber konnte er Ellinore noch lieben lernen, wie sie es verdiente.

Diese hatte die kleine Mißstimmung, die ihr das Gespräch auf dem Rückwege vom Bahnhöfe verursacht, sehr bald über- wunden.

Er kamen bald Briese von Otto Koser. In dem ihm eigenen glänzenden Stil geschrieben, hatten dieselben für Elli­nore etwas förmlich Berauschendes, während ihre Mutter, der Ellinore die Briefe unbeanffanbet zum Lesen gab, dieser Ueber» schwang schöner Worte und genialer Redewendungen oft zu gemacht vorkam. Wahre Liebe, dachte sie im Stillen, redet wohl eine einfachere Sprache, die aber mehr zu Herzen geht.

Die Antworten Ellinores waren in dieser Sprache ge­schrieben; einfach und natürlich wie ihr ganzes Wesen, gab sie sich auch in ihren Briefen. Koser muteten dieselben an wie frischer Waldeshauch in dem heißen bewegte» Leben der Resi­denz, das er jetzt in der kurzen Zeit der Freiheit, die ihm noch blieb, mit vollen Zügm noch einmal genoß. An stetiges Arbeiten wie sonst dachte er nicht, dazu war später, wenn er in dem ruhigen Hasen der Ehe sich eingeschifft, noch vollauf Zeit. Nur hin und wieder schrieb er kurze Plaudereien für die Feuilletons einiger größerer Zeitungen des Honorars wegm, daS er sehr nötig brauchte, innerlich zwar ver­

wünschte er diese Proletarierarbeit seines Genies, wie er meinte.

Fräulein Klein, die auch in der Residenz ihren Wohnsitz hatte, pflegte diese Feuilletons aus Kosers Feder stets zu lesen, und es gereichte ihr zur größten Besriedigung, daß diese flüch- tigen Arbeiten, auch nach dem Urteil anderer, mit seinen früheren Geisterwerken den Vergleich nicht aushielten. Da sie sich so ziemlich in denselben gesellschaftlichen Kreisen bewegten, sah sie den jungen Schriftsteller oft genug und begann förm­lich psychologische Studien an ihm zu machen. Er erschien ihr total verändert, oberflächlich genußsuchend, als wäre sein ganzes Wesen schon von dem Dämon des Geldes beherrscht, der solchen, die ihm verfallen, immer und immer wieder vollen Lebensgenuß predigt, so daß sie schließlich von allen Tiesen sich scheu abwenden und nichts so sehr fürchten als den Tod.

*

*

Ein kleiner Kreis, zu dem auch Koser und die Malerin Fräulein Klein gehörten, hatte sich Herrte in dem Salon des Professors Wanderer zusammcngefunden. Draußen schien der Herbst seinen Einzug halten zu wollen. Regenschauer prasselten gegen die Fensterscheiben, lange genug war eS warm und schön gewesen, so daß man sich dieser endlich kommenden Herbstesschauer förmlich zu freuen schien und es gar behag­lich sand beim Lampenschimmer und dem Brodeln des Tee» kessels.

Was ist die höchste Lebensweisheit? Diese Frage hatte irgend jemand aufgeworfen, und sie wurde nun hin und her bald ernst, bald humoristisch, bald sarkastisch behandelt. Mun­tere Verse auS den Liedern Mirza SchaffyS fielen gleich buf- tigen Frühlingsblüten hinein in die Unterhaltung, die Weis­heit frohen Lebensgenusses kündend.

Sich mit dem unausbleiblichen Ende des Daseins ver­traut machen, dem Tode furchtlos ins Auge schauen lernen, das nenne ich Lebensweisheit", ertönte da ernst die Stimme eines jungen Gelehrten.

Mit dem Tode, diesem dürren Knochenmanne, sich be­freunden angesichts der vollen reichen Daseins. Immer an das

Ende denken, wenn ich den überschäumenden LebenSkelch an die Lippen setzte, für solche Weisheit müßte ich danken!" rief Koser.

Das glaube ich Ihnen!" lachte der Professor Wanderer, wer, wie Sie den vollen LebenSkelch jetzt in den Händen hält, der mag nicht daran denken, daß derselbe sich leeren könnte bis aus die Neige."

Ja, die Vorsehung war mir gnädig!" versetzte Koser und schaute mit einem fast triumphierenden Blicke um sich. Um die Lippen des jungen Gelehrten zuckte es fast verächtlich, er murmelte etwas zwischen den Zähnen, das wie Glücksjäger klang. Fräulein Klein, die neben ihm saß, war wohl die ein­zige, die es verstand.

(Fortsetzung folgt.)

(Schreckenstat einer Wahnjinnigen.) In Halberstadt übergoß sich in einem Anfall geistiger Um­nachtung die Frau eineS Schriftsetzers mit Petroleum und zündete sich dann an. Die Unglückliche erlitt so schwere Brandwunden, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürste.

London, 29. Januar. Ein schwer es Eisen­bahnunglück hat sich heute auf der London-^-Brightoncr Bahn ereignet. Der um 3 Uhr 40 Minuten aus Brighton nach London abgegangene Exprcßzug entgleiste bei einer Ge­schwindigkeit von 60 Kilometer per Stunde in dem kleinen Ort StoatS Nest im Bahnhof beim Uebersahren einer Weiche. Die Wirkung war furchtbar. Die ersten beiden Personen­wagen wurden auf den Bahnsteig geschleudert, der folgende Pullman-Salonwagen flog hoch in die Luft und zertrümmerte niederkrachend den halben Bahnhof. Die Übrigen Wagen fielen auf die Seite und wurden so eine Strecke weit ge­schleift. Der Zug war voller Passagiere. Die Szene nach der Katastrophe spottete jeder Beschreibung. DaS Geschrei der unter den Trümmern eingeklemmten Opfer war weithin hörbar. Rettungsmannschaften waren schnell zur Stelle und arbeiten noch jetzt an der Besreiung der unter den Trümmern Liegenden. Man barg bisher 10 Tote und 20 Verletzte. Die letzteren wurden in das Hospital in Croydon befördert.