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Hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 12. Donnerstag, den 27. Januar 191V.
„Der Kaiser hoch!" Durchs deutsche Land
Vom Alpenfirn zum Eiderstrand Klingts froh heut' allerorten — Und weiter braust es seine Bahn Selbst übern Weltenozean
Bis zu den fernsten Pforten!
„Der Kaiser hoch!" Des Reichs
Panier
Hält hoch er noch stets für und für, Stolz wahrt er deutsche Ehre;
In seiner Hand ruht kampfbereit, Zu schwingen, sie zu jeder Zeit, Die scharfgeschliffne Wehre.
Doch nimmer noch hat er begehrt Nach Schlachtenlorbeer, er hält
wert
Des Friedens goldne Reiser;
Und darum preist mit vollem
Recht
Ihn laut das lebende Geschlecht Als wahren Friedenskaiser!
Wohlan, zu Kaisers Ehrentag
Tön's brausend durch den kahlen
Hag:
„Hoch soll der Kaiser leben!"
Mög' auch im neuen Lebensjahr
Nur Glück und Segen immerdar Ihn und sein Haus umschweben!
Unser Kaiser tritt heute in ein neues Lebensjahr, und mit den deutschen Bundesfürsten nehmen Millionen deutscher Herzen an der Festfeier innigen Anteil und gedenken in alter Liebe und Treue des Herrschers, der durch eine mehr als zwanzigjährige Regierung bewiesen hat, daß für ihn des Volkes Wohl, des Vaterlandes Größe und Gedeihen höchster Leitstern in allem Streben und Handeln gewesen ist. Niemals haben andere Gesichtspunkte des Kaisers und Königs Entschließungen bestimmt. Dieses Anerkenntnis wird unsermregierenden
Schanden geworden ist, so wagt niemand mehr, dem Kaiser Verlangen nach eitlem Kriegsruhm nachzusagen. Wohl hat der Kaiser ohne Unterlaß darüber gewacht, daß Heer und Heereseinrichtungen auf der Höhe der zeitgenössischen Anforderungen blieben; doch sind sie niemals als Werkzeuge des Ehrgeizes, sondern stets als Machtmittel zur Erhaltung des Friedens ausgebildet und gepflegt worden. Auf sie gestützt, vermochte der Kaiser den Frieden zu wahren und jeden Angriff auf die Lebensinteressen und die Ehre unserer Nation zu verhindern.
Unter dem Schutze des Friedens sind Wohlstand und Kultur unseres Volkes während der Regierung des Kaisers und Königs, alle Erwartungen übertreffend, rasch emporgestiegen, und dankbar wird das deutsche
Maises WkurtMg.
Volk gern der großartigen Förderung gedenken, die unser Kaiser der schaffenden Wirksamkeit gewidmet hat, ob es sich nun um die Produktion wirtschaftlicher Güter, um die Pflege der Wissenschaft oder um die Unterstützung anderer idealer Bestrebungen handelte. Welchen lebhaften Anteil der Kaiser an den Nöten und Bedürfnissen der wirtschaftlich schwächeren Schichten der Bevölkerung genommen hat, das ist mit unvergänglichen Zügen auf den Blättern der Geschichte verzeichnet. Was die kaiserliche Botschaft vom November 1881 verhieß, ist in reichstem Maße während der Regierungszeit des Kaisers zur Ausführung gelangt- Kaum abzusehen ist die Fülle bedeutungsvoller gesetzgeberischer Leistungen mannigfacher Art, die im Reiche wie in Preußen in die Tat umgesetzt sind.
H errscher auch da von niemandem versagt werden können, wo das gesteckte Ziel nicht erreicht wurde. In der überwältigenden Mehrheit der Nation jedoch ist das Bewußtsein lebendig, daß das hohe Streben des Kaisers auf weiten Gebieten staatlicher Betätigung reiche Früchte getragen hat. Zwar bringt es der Tageskampf mit sich, daß wirkliche oder angebliche Mängel der bestehenden Verhältnisse in den Vordergrund gerückt werden. Es stellen sich dann aber Stunden ein, in denen man sich vergegenwärtigt, daß wir ein tüchtiges Stück vorwärts gekommen sind, und wieviel die Förderung des Gemeinwohls der eigensten Jyitiative des Kaisers und Königs zu verdanken hat.
Die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. hat Beweise in großer Zahl für die Richtigkeit der Auffassung erbracht, daß der Herrscher durch die vorhandenen verfassungsmäßigen Schranken nicht gehemmt ist, auf das öffentliche Leben der Nation einen tiefgreifenden Einfluß auszuüben. In keiner Richtung ist dies klarer zu erkennen als in der Frage der Stellung unseres Volkes zur Seegeltung Deutschlands. Wenn auf diesem Gebiete seit zwei Jahrzehnten eine förmliche Umwälzung sich vollzogen hat, wenn sich der politische Gesichtskreis der Nation geweitet und sie reifes Verständnis gewonnen hat für die unabweisliche Notwendigkeit, die friedliche Entwicklung des Reiches auch zur See zu sichern, so haben wir es zu allererst den rastlosen Bemühungen, der bahnbrechenden Arbeit des Kaisers zu danken. Noch ferne Geschlechter werden Kaiser Wilhelm II. als Schöpfer unserer Kriegsflotte rühmen, die gleich unserm Heere als Schutz und Wehr für Deutschlands Unabhängigkeit und Blüte dienen soll. Wie die Mär phantastischer Flottenpläne allgemach zu
Ungeachtet mancher Enttäuschungen und bitterer Er- fabrungen, die dem Kaiser in seinem hohen Streben nicht erspart geblieben sind, vermag der Herrscher auf sein Wirken mit dem Bewußtsein zurückzublicken, stets das Beste gewollt und in vielen Beziehungen Großes erreicht zu haben. Möge eine gütige Vorsehung unsern Kaiser auch fernerhin schirmen und schützen und in der Erfüllung seiner schweren Herrscherpflichten stärken. Möge der Herrscher hienieden für das dem Wohle der Nation geweihte Streben und Wirken einen reichen Entgelt finden in der Liebe und Verehrung unseres Volkes, dessen überwältigende Mehrheit treu und fest zu Kaiser und Reich steht.