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Hersfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 11.

Dienstag, den 25. Januar

1910«

Amtlicher teil.

Die Termine der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes werden hierselbst an den Sonnabenden des 26. Februar, 25. Juni, 24. September und 17. Dezember d. Js., in der Schmiede des Obermeisters Schade in Cassel, vormittags 9 Uhr, abgehalten werden.

Meldungen zu diesen Prüfungen sind unter Porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 M. bis spätestens den 12. Februar, 11. Juni, 10. September und 3. Dezember d. Js. an den Unterzeichneten zu richten.

Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:

1. Geburtsschein,

2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellenbrief, Meisterbrief und dergl.),

3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.

Es werden nur solche Schmiede zugelassen, die daS 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis er­bringen, daß sie die 3 letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirke Cassel sich ausgehalten haben.

Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zu- gelassen werden.

Cassel, den 8. Januar 1910.

Der Vorsitzende der staatlichen Husschmiede-Prüsungskommission des Regierungsbezirks Casscl:

Veterinärrat B u ch, Königl. Departements-Tierarzt, WolsSschlucht 13.

* * * HerSfeld, den 18. Januar 1910.

Wird veröffentlicht.

Der Landrat.

I B.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 20. Januar 1910.

In Rotensee ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.

I. 692. Der Landrat.

J. V..

W e s s e l, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag wird jetzt vorwiegend durch die Spezial- beratung deS ReichshaushaltsetatS in Anspruch genommen. Am Freitag erörterte er zunächst den Etat des Reichseisenbahn-

Der Liebe Sieg.

Novelle von F. S t ö ck e r t.

lNachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ellinore ahnte nicht, daß die Mutter ihres Kindes Herz längst durchschaut und ihm so gern zu seinem Glück verholfen hätte, wenn es in ihrer Macht gestanden hätte. Ellinore ahnte doch nicht, daß Koser an ihrem Interesse für ihn kaum noch zweifelte, und ziemlich sicher war, daß, wenn er wirklich den Entschluß fassen sollte, um sie zu werben, er wohl schwerlich zurückgewiesen würde.

Der junge Schriftsteller hatte die Feder nicht wieder in die Hand genommen, seit Ellinore fortgegangen war. Sinnend hatte er ihr nachgeschaut, bis sie seinen Blicken entschwunden war. Ihr Gang war leicht und schwebend, ihre Gestalt an­mutig. Und waren Ellinores Gesichtszüge auch nicht gerade schön zu nennen, so lag doch ein ganz eigener Reiz in ihrem jarten Gesichtchen. Jedenfalls besaß sie außer ihrem Reich­tum noch andere anziehende Eigenschaften, und eigentlich war er ein jJlatr, noch zu zögern, sich nicht des Glücks teilhaftig zu machen, was ihm daS Schicksal großmütig in den Schoß warf. Wie anders, wieviel reicher und schöner konnte sich dc-nnsem Leben gestalten. Er brauchte dann nicht mehr des schnöde» Mammons wegen seine Werke überall auzubieten, auszusctzcn'$* mc^r demütigenden Zurückweisungen derselben

Er tat einen tiefen Atemzug, denn er dachte daran, wie er frei sein konnte von allen Alltagssorgen und nur die Feder in dle Hand zu nehmen brauchte, wenn sein Genius ihn dazu trieb. Welch leuchtendes Zukunftsbild spiegelte sich vor seiner Seele. Aiich der Dichtertraum, ein schönes Landhaus fern von dem Geräusch der Welt und doch in der Nähe der R-sidenz zu besitzen, ließ sich baun leicht verwirklichen, immer verführerischer und lockender traten solche Bilder vor seine Seele. '

Während er, den Kops zurückgelehnt und in das Blätter­

amtes in zweiter Lesung. Die Abgeordneten CarstenS (fr. Volksp.) und Schwabach (nat. lib.) zollten der Tätigkeit des kürzlich aus dem Amte geschiedenen bisherigen Präsidenten des Reichseisenbahnamtes Dr. Schulz warme Anerkennung und sprachen dann verschiedene aus das Ressort der Reichseisen­bahnverwaltung bezügliche Wünsche aus, aus welche der neue Präsident des Reichseisenbahnamtes, Wackerzapp, erwiderte. Der Abg. Zietsch, der sozialdemokratische Vertreter des Herzog­tums Koburg, bezeichnete die jetzige Konstitution des Reichs­eisenbahnamtes als ungenügend zur Ersüllung seiner Funktionen und brächte dann eine Anzahl Klagen und Beschwerden der thüringischen Staaten gegenüber der preußischen Eisenbahnver­waltung vor. In seiner Erwiderung bestritt Präsident Wacker­zapp, daß Preußen seine Pflichten gegenüber den thüringischen Staaten in Eisenbahnsragen nicht erfülle. Die fernere Dis­kussion über den Eisenbahnetat zeitigte noch weitere Beschwerden wie Wünsche, daneben wandten sich verschiedene der Redner gegen daS noch in vielen Bahnhossbuchhandlungen stattfin- dende Aufliegen von Schmutz- und Schundliteratur. Nachdem Präsident Wackerzapp nochmals gesprochen, wurde der Etat des Reichseisenbahnamtes bewilligt. Die übrige Freitagssitzung füllte die Beratung der Nachtragssorderungen für Deutsch-Ost­afrika (Fortsührung der Usambarabahn von Buko nach Moschi und Ausbau des Hafens von Tanga) aus. Sie wurden nach längerer Diskussion in der Kommissionsfassung genehmigt. Dann vertagte sich das Haus bis diesen Dienstag (Forts, der Beratung des KolonialetatS).

Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Freitag die Jnterpellationsdebatte über die Kattowitzer Beamtenmaßreg­lungen wieder auf und führte sie zu Ende. Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg war wiederum zugegen und griff noch­mals mit einer sehr entschieden gehaltenen Rede zur Vertei­digung der genannten RegierungSmaßnahmen in die Diskussion ein. Der Ministerpräsident versichert hierbei nochmals, die Re­gierung wolle durchaus nicht die Staatsbeamten in der Aus­übung ihrer staatsbürgerlichen Rechte irgendwie beschränken, namentlich nicht im Bezug auf ihre Wahlsreiheit, aber er be­tonte, daß doch zwingende Gründe zu einer solchen Beschrän­kung Veranlassung geben könnten, und dies sei eben bei den Kattowitzer Vorgängen der Fall gewesen.

Um Jn- und Ausland

Berlin, den 23. Januar 1910.

Ihre Kaiserlichen Majestäten hielten heute abend im Rittersaal des Königlichen Schlosses die diesjährige Defiliercour für alle Herren vom Militär ab, unter gleichem Zeremoniell wie die Zivilcour, in Gegenwart der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen HauseS, der Hofstaaten, Um--

gewirr über sich schauend, solchen Träumen nachhing, näherte sich ihm das Schicksal, ihn zur Entscheidung drängend, in der Gestalt eines jungen Mannes, der Herrn von Lich- tenow.

Fritz von Lichtenow war ein junger Gutsbesitzer, dessen Gut ganz in der Nähe des Badeortes lag. Er interessierte sich lebhaft für Ellinore und trug sich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, um deren Hand anzuhalten, wäre nur nicht der interessante Schriftsteller dagewesen, den die junge Dame augenscheinlich bevorzugte und der in Lichtenows Augen ein sehr gefährlicher Nebenbuhler war. Wie fesselnd wußte doch dieser Koser über die verschiedenen Dinge zu sprechen während Lichtenow gar keine UnterhaltungSgabe besaß. Von dem, waS fein Interesse häuptsächlich in Anspruch nahm, seine Felder und Wiesen, seine junge Baumschule, seine Pscrde, da­von lohnte eS sich doch kaum zu sprechen. Er war eben nur ein tüchtiger Landwirt. Sonst war er aber ein braver Mann, nur daß junge Damen sich schwerlich zu Lichtenows Ansicht bekehren würden, besonders eine Dame wie Ellinore Straten, die in der Fülle deS Reichtums ausgewachsen und nicht danach fragte, wo das Korn wuchs und die Kartoffeln und das Obst gediehen.

Alle Ungewißheit hat für energische Naturen, wie Lich- tcnow eine war, etwas Unerträgliches. Des langen Zweiselns und Schwankens müde, hatte er heute beschlossen, Koser ohne Umschweife zu fragen, ob er ernstlich daran dächte, sich um Fräulein Straten zu bewerben, dann wollte er zurückstehcn, so schwer eS ihm auch erschien, seinem HcrzenStraume zu entsagen. In dieser Absicht war er heute ausgeritten und stand jetzt vor Koser, der verwundert aussah ob dieser plötz­lichen Erscheinung des jungen Rittergutsbesitzers.

Gelassen hörte er zu, wie der junge Mann in schlichter Weise von seinem Interesse für Fräulein Straten sprach, aber alS er nun etwas verlegen und zögernd mit der entscheidenden Frage Plötzlich herauSrückte, da flammte eS leidenschaftlich in dem Gesichte KoserS aus.

WaS sollte daS heißen? Wollte man ihn zu einer Ent­scheidung drängen?

Bei dem Anblicke deS treuherzigen Gesichtes Lichtenows

gedungen und Gefolge. Seine Majestät der Kaiser ist heute nachmittag gegen 5 Uhr im Sonderzuge in Weimar eingetroffen. Der Kaiser wurde am Bahnhof vom Groß- Herzog empfangen und fuhr mit diesem nach dem Residenz- schloffe. Hier fand um 6 Uhr Galatafcl statt, an der außer den Fürstlichkeiten u. a. Prinz Heinrich der Niederlande, der niederländische Gesandte Baron GeverS, der italienische Bot­schafter Pansa, der spanische Botschaster Polo de Bernabe, der österreichisch-ungarische Gesandte in Dresden Prinz zu Fürstenberg und der englische Botschafter Goschen teil- nahmen.

Der dem Abgeordnetenhaus« zugegangene Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der landeSgesetzlichen Vorschriften über die Gebühren der Rechtsanwälteund Gericht S Vollzieher nimmt seinen AuSgang von einer im Reichs­tage gefaßten Resolution, die eine Revision der Gebühren­ordnung für Rechtsanwälte unter Berücksichtigung der sozialen Gerechtigkeit einerseits und der gesteigerten Teuerung aller Lebensrnittel andererseits verlangt. Da zu erwarten ist, daß die Verbündeten Regierungen dieser Anregung deS Reichstags Folge geben und die Frage bald prüfen werden, ob und in welchem Umfange die ReichSgebührenordnung abzuändern ist, ist von einer grundsätzlichen Aenderung der landeSgesetzlichen Bestimmungen vorläufig abgesehen worden. Der Entwurf enthält deshalb lediglich eine Aenderung der landeSgesetzlichen Vorschriften in den Punkten, in denen eine Anpassung an Vorschriften anderer Gesetze, die am 1. April 1910 in Kraft treten sollen, unaufschiebbar ist. Der Entwurf bejaht die Frage, ob es sich im Rahmen der landeSgesetzlichen Gebühren- vorschristen empfiehlt, die regelmäßigen AuSlagen für Schreib- mert und Porto der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher durch Pauschsätze abzuändern, und setzt alS Pauschsatz eine Summe von zwanzig Prozent der zum Ansatz gelangenden Gebühren fest. Er sieht für bestimmte Fälle Mindest- und Höchsttaxen vor. Neben den Pauschsätzen stehen den RechtS- anwälten Schreibgebühren zu für die aus besonderes Verlangen gefertigten Abschriften und für Schreibwerk, daS außerhalb deS Rahmens der gebührenpflichtigen Tätigkeit steht.

Der Wert des auswärtigen HandelS Deutsch­lands belief sich im Jahre 1909 im Spezialhandel ohne Edelmetalle in der Einsuhr aus 8,2 gegen 7,7 Milliarden Mark im Vorjahre, in der AuSsuhr auf 6,7 gegen 6,4 Milliarden Mark im Jahre 1908. Der Edelmetallverkehr erreichte in der Einsuhr 0,3 gegen 0,4, in der Ausfuhr 0,3 gegen 0,1 Milli­arde Mark. Trotz dieser Zunabme gegen daS Vorjahr blieben Ein- und AuSfuhr gegen 1907 erheblich zurück, jene mehr als diese.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: In letzter Zeit wurde mehrfach über amtliche FütterungSverfuche berichtet, die teils neuerdings, teils bereits im Jahre 1908 angestellt waren, um festzustellen, ob die Verwendung mit E o s i n ge­färbter Gerste als Futter den Schweinen nachteilig wäre. Diese Versuche sind jetzt um einen weiteren vermehrt

schmolz jedoch sein Zorn sofort und er fragte nur etwa- ironisch:Sie gedenken sich also um Fräulein Straten zu be­werben, Herr von Lichtenow?"

Ich stehe zurück, wenn Sie mir versichern, daß Sie eS auch beabsichtigen", entgegnete dieser bescheiden.

Ach, das ist ja ungeheuer liebenswürdig von Ihnen!"

Diese in spöttischem Tone gegebene Antwort änderte aber plötzlich die ruhige Gemütsstimmung deS Herrn v. Lichtenow und er entgegnete gereizt:

Bitte sprechen Sie nicht in solchem ironischen Tone von einer sehr ernsten Sache; ich will nur fatalen Verdruß ver­meiden. Ich liebe die junge Dame aufrichtig und wäre der glücklichste Mann unter GotteS Sonne, wenn meine Neigung erwidert würde. Aber daS wage ich kaum zu hoffen, denn Fräulein Ellinores Interesse gilt allem Anschein nach nur Ihnen."

Das war einfach und klar gesprochen, fast beneidete Koser den jungen Mann um diese Klarheit der Gefühle. Er hatte bis jetzt kaum daran gedacht und sich gefragt, ob er Ellinore liebe, ihre Persönlichkeit war vor dem Glänze ihres ReichtumS stets in den Hintergrund getreten. Trotzdem aber hatte er ein Gefühl, alS wolle jemand unbefugterweise die Hand auSstrecken nach einem Kleinod, daS ihm allein zukam. Wie konnte eS dieser Durchschnittsmensch nur wagen, mit ihm zu rivalisieren, wie konnte er hoffen, je Ellinore Straten zu gewinnen und mit ihr all den Mammon, der ihm vorhin so lockende Zu- kunstSträume vorgegaukelt hatte. Nein, diese Hoffnung mußte Lichtenow sofort genommen werden.

Ich gedenke allerdings mich um Fräulein Straten zu be- werben, nur liebe ich keine Ueberstürzung", sagte Koser jetzt etwaS erregt.

Dann dann wünsche ich Ihnen alles Glück". stam­melte Lichtenow.

Er war dabei sehr blaß geworben und verabschiedete sich sofort. Der glückliche Nebenbuhler wollte wenigsten- den Triumph haben, die ihm unmännlich dünkende Schwäche der jungen Mannes noch zu sehen. Ein so heißer Herzenswunsch überwindet sich nicht so leicht, auch ManneSmut und Stolz haben damit zu ringen.