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1910 zu kündigen. Die Kündigung ist spätestens bis zum 1. März bei dem Vermittlungsamt anzubringen. Teilnehmer, die anstelle der Pauschgebühr die Grundgebühr von 60 Mk. und Gesprächsgebühr (für jedes Ortsgespräch 5 Pf.. mindestens 20 Mk. jährlich) zu zahlen wünschen, müssen dies dem Ver- mittlungsamt bis zum 15. Februar schriftlich mitteilen; sie erhalten dann nötigenfalls zum 1. April andere Anschluß- nummern.

Dankmarshausen, 10. Januar. In einer hiesigen Wirtschaft gab vor einigen Tagen nach einer vorausgegangenen Hänselei der Schachtarbeiter Bärth dem 62 Jahre alen Händler Siebert eine Ohrse>ge, wobei letzterer mit dem Kopfe gegen das Gesimse der Lampcrie schlug. Anscheinend hat Siebert dabei derartige Verletzungen davongetragen, daß er an ihren Folgen am Sonnabend mittag starb.

Oberhof, 9. Januar. Hier haben sich im Lause der vergangenen Woche beim Rodeln mehrere schwere Unfälle er» eignet.' Verschiedene Herren erlitten schwere Beinbrüche. Eine junge Dame aus Berlin, die, wie es heißr, beim Ausweichen vor einem Automobil verunglückte, ist kurze Zeit darauf in ihrem Hotel ihren Verletzungen erlegen. Sie hatte einen Beinbruch davongetragen, die Knochensplitter hatten ihr die Schlagader verletzt.

Bebra, 11. Januar. Aus dem hiesigen Bahnhof ver­unglückte der Bahnarbeiter Schuster aus Blankenheim tödlich. Der junge, noch unverheiratete Mensch war mit dem Schmieren einer Weiche beschäftigt, als eine Rangiermaschine vorbeifuhr, die den Unglücklichen erfaßte, eine Strecke mitschleifte und dann Überfuhr. Schuster konnte nur als Leiche unter den Rädern der Maschine hervorgezogen werden.

Bom Eichsfeld, 8. Januar. Auf eigentümliche Weise verunglückte der Landwirt Joses Hahn in Struth. Aus der Fahrt nach Mühlhausen scheute sein Pferd und zog mit einem kurzen Ruck den Wagen an. Der Hund (Wolfs­spitz) fiel vom Wagen und wurde vom Hinterrade überfahren. Der Landwirt eilte dem armen Tiere zu Hilfe, wurde aber von dem in den letzten Zügen liegenden Tiere dermaßen in die Hand gebissen, daß die Schnauze des inzwischen verendeten Hundes ausgebrochen werden mußte, um die Hand zu be­freien. Der Verletzte mußte sofort ärztliche Hilfe aufsuchen und sich, um einer Blutvergiftung vorzubeugen, einer Operation unterziehen.

Marburg, 10. Januar. Freiwillig aus dem Leben geschieden ist am letzten Sonnabend ein aus Wiesbaden zu­gereister Referendar. Der Lebensmüde hat in einem hiesigen Hotel in demselben Zimmer, das er früher als Student be­wohnte, seinem Leben durch Erschießen ein Ende bereitet. Was ihn zu der Tat veranlaßt hat, ist völlig unbekannt.

Frankfurt a. M., 7. Januar. In einem Hause der Günthersburg-Allee wurde gestern nachmittag die 28jährige Arbeiterin Elisabeth Härter von einer Bulldogge angefallen und übel zugerichtet. Das Endglied am rechten Daumen wurde dem Mädchen vollständig abgebissen; außerdem trug es am linken Unterarm noch drei erhebliche Bißwunden davon.

Offenbach, 8. Januar. Ein Bahnwärter brächte sich beim Hühneraugenschneiden eine blutende Wunde bei. Er be­achtete diese nicht, sodaß Blutvergiftung hinzutrat. Die Folge war, daß dem Mann im Krankenhause ein Bein abgenommen werden mußte.

Offenbach, 11. Januar. Drei Schulknaben im Alter von 13 Jahren, die die Schule im Französischen Gäßchen besuchten, spielten gestern nachmittag aus dem Nachhausewege mit einem Terzerol, das dem Schüler Klohoker gehörte. Als nun der Knabe Ludwig Zoll ebenfalls schießen wollte und die Waffe nicht gleich losging, probierte man hin und her, bis plötzlich ein Schuß fiel und den Eigentümer der Waffe durch einen Schuß in den Magen tödlich verletzte. Der Knabe wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, doch wird an seinem Aufkommen gezweifelt.

Darmstadt, 10. Januar. Major von Grävenitz, der als Pferdemusterungskommissar nach Darmstadt kommandiert mar und die Uniform des Husarenregiments Nr. 5. trug, ist plötzlich geisteskrank geworden. Er wurde heute mittag durch einen Oberstabsarzt, einen Offizier des Dragonerregiments Nr. 23. und einen Sanitätssoldaten in der Wilhelminenstraße ge­waltsam in einen Krümperwagen gehoben, um in die Irren­anstalt Philippshospital bei Goddelau gebracht zu werden. Bei dem Vorgang entstand ein großer Menschenauflauf, da sich der Unglückliche ganz verzweifelt wehrte.

Eisenach, 10. Januar. Die hiesige Polizeihündin Lotte" hat nach derEisen. Tagesp." einen neuen großen Erfolg zu verzeichnen. Vorgestern war sie nach dem Dorfe Rohr bei Meiningen beordert worden, wo in der Nacht vor­her ein Brand ausgebrochen war, dem ein Wohnhaus und eine Scheune zum Opfer fielen. Die Zahl der Brände im Dorfe hatte sich in letzter Zeit so erschreckend gehäuft, daß man begründete Ursache hatte, Brandstiftung zu vermuten. Der Verdacht hat seine Bestätigung gesunden. Der Hund hatte kaum die Brandstelle nach Spuren abgesucht, als er aus ein Haus zulies und den in diesem wohnenden Maurer Richard Exel stellte. Der Verdächtige legte sich erst aufs Leugnen, räumte aber dann, von dem Beamten in die Enge getrieben, seine Schuld ein.

Wildlingen, 11. Januar. Der Schlosser Hansmann, welcher in letzter Zeit seine Ehefrau wiederholt mit dem Tode bedrohte, hat am vergangenen Freitag abend gegen seine Frau, sowie gegen seine Schwiegermutter und Schwägerin einen Mord­anschlag unternommen. Wie dieWild. Ztg." mitteilt, soll Hansmann am vergangenen Sonnabend aus Veranlassung des Kasseler Staatsanwalts in Wabern bei seiner Mutter verhaftet und dem Amtsgericht in Fritzlar zugeführt worden sein.

Die Einsturzkatastrophe von Raibl.

Als die Pfarrkirchenglocke von Raibl am Sonnabend zwölf schlug, befand sich der Bergarzt Wessely bei einer schwer kranken Patientin, zu der er beim Abschied sagte:Das weitere morgen, ich habe den ganzen Vormittag gearbeitet und muß jetzt essen gehen". Als er den Raiblach, der am Spital vorüberfließt, aus der kleinen Brücke überschritt, sah er, wie das Kindermädchen das Wägelchen mit seinem anderthalbjährigen Töchterchcn beim Haustor anhielt. Er beeilte sich und nahm das kleine Mädchen aus den Arm, um es in feine Wohnung hinauszutragen. Das Kindermädchen folgte mit dem Wagen. Was in den nächsten Minuten geschah, schildert der einzige Augenzeuge, Gasthofbesitzer Anton, der im Moment der Kata­strophe vorüberging. Er sah die Mauern deS Spitals, aus das er zufällig den Blick richtete, wanken und wurde von dem Anblick derart gelähmt, daß ihm nicht einmal die Furcht vor der Gefahr eine Bewegung ermöglichte. Er sah am Fenster im ersten Stock die junge Frau mit dem Kind im Arm, im ®efid)t den Ausdruck furchtbaren Entsetzens. Dann stieg eine riesige Wolke, ob Rauch oder Staub, weiß er nicht, vor dem Hause aus, eS ganz einhüllend. Er hörte betäubendes Krachen einstürzender Mauern, brechender Balken und zerdrück­ter Möbel. Als die Wolke sich verzog, stand das Hau» als

eine Ruine vor ihm. Da fiel die Frontmauer nach vorn ein und verschwand in einem Schlund, der sich mittlerweile ge­öffnet hatte. ES ist nicht unwahrscheinlich, daß gegen dir verantwortlichen Personen Anklage erhoben werden wird. Unter dem Spital befand sich vor Zeiten ein Bergbau, der aber später mehrere Jahre außer Betrieb stand. Vor einiger Zeit wurde in dem Bergwerk die Arbeit wieder ausgenommen, und zwar arbeitete man gegen den Bach zu. Der Bergbau wird dort in drei Etagen betrieben. Wie verlautet, besand sich unter dem Spital eine Erweiterung dek Stollens.

Zwei Arbeiter, die dort mit Sprengungen betraut waren, sollen in den letzten. Tagen angeblich aus die Gefährlichkeit weiterer Sprengungen aufmerksam gemacht haben, ohne mit ihren Warnungen durchzudringen. Es gilt als sicher, daß das nicht mehr genügend tragfähige Gestein nach dem zweiten Sprengschusse zusammengestürzt ist und das Spital samt seinen unglücklichen Bewohnern in die Tiefe gerissen hat. Anton glaubte einmal, Jammergeschrei gehört zu haben; ehe er sich aber bewußt war, was eigentlich vor seinen Augen geschehen, hatte der Abgrund daS Spital samt allen Insassen verschlungen. Zwei Menschen entkamen auf wunderbare Weise dem sicheren Tode. Ein Schlosserlehrling, der beim verunglückten Ehepaar Landstciner in Kost war, wartete, am Fenster in dessen Zimmer sitzend, auf das Essen. Als Plötzlich Mörtel von der Mauer fiel und der Boden des Zimmers wankte, schlug der Bursche das Fenster ein, zwängte sich durch die Oeffnung und lief schnell davon. Als er sich umsah, war das Spital vom Erd­boden verschwunden.

Der Platz, auf dem das Spital gestanden hatte, bildet einen kreisrunden Trichter mit einer Weite von etwa 60 m. Der Trichter ist bis wenige Meter unterhalb des Randes mit Wasser gesüllt. Das von der Festung am Predil zur Hülse­leistung gerufene Militär warf sofort einen Graben aus, um mit Hilfe elektrischer Pumpen daS Wasser in den nächsten Bach zu leiten. Wie lange diese Ableitungsarbeiten dauern werden, läßt sich noch nicht berechnen. Man vermutet, daß das Haus 40 bis 60 m tief eingesunken sein mag und fast ebenso hoch mit Wasser bedeckt ist. Nach Entfernung des Wassers müßten dann die Seitcnwände des Trichters gestützt werden, bevor mit den Grabungen nach den Verschütteten begonnen werden könnte. Nach dem Ausspruch der bergtechnischen und berg- polizeilichen Kommission erscheint jede weitere Gefahr für den Ort ausgeschlossen. Unterhalb des Bergspitals befand sich ein bereits ffeit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb befindlicher Blei­stollen. Durch Sprengarbeiten in der Nähe ist wahrscheinlich das Erdreich derart erschüttert worden, daß der Einsturz erfolgte. Die sieben Opfer der Katastrophe sind nach Ansicht der Sach­verständigen zweifellos sofort erstickt.

Uermisebtes.

Hamburg, 10. »Januar. In Osdors bei Mona erschoß heute nachmittag der 51jährige Fuhrmann John Egger- siebt seine Schwägerin und dann sich selbst. Beide sollen ein Liebesverhältnis unterhalten baben.

W i l h e l m s h a v e n, 10. Januar. Der Torpedo- Heizer Wegewitz erlitt beim Ringen mit einem Oberheizcr einen Rück gratbruch und starb nach 24 Stunden.

Schwientochlowitz, 10. Januar. (Amtlich.) Aus der 450-Metersohle im Hauptquerschlage der Deutschland- grube ersolgte am Freitag abend in der zehnten Stunde eine Dynamitexplosion, durch die ein Mann getötet und vier Mann leicht verletzt wurden. Als Entstehungursache wird angenommen, daß beim Bohren von Bohrlöchern der Bohrer abgesprungen und an eine Dynamitpatrone geraten ist.

(Kostspielige Flitterwoch en.) 300 000 Mk. für eine Hochzeitsreise! Das ist eine anständige Summe, von der andere junge Eheleute ihr ganzes Leben lang ver- gnügt und ohne Sorge leben können. Wenn man aber er» fährt, daß die so kostspielige Hochzeitsreise in die Polargegenden unternommen wurde, in einem eigenen Schiff und mit einer Begleitung von 19 Personen, so wird man begreifen, wie das viele Geld verwandt worden ist. Die Polarexpedition, die der amerikanische Millionär Max Fleischmann in seinen Flitter- wochen unternahm, steht an Kostspieligkeit durchaus nicht einzig da. Er konnte voll Stolz 30 Rentierköpse, die Felle von 100 Robben und 32 Polarbären vorweisen, die er er­beutet hatte. Andere bringen von ihren Hochzeitsreisen nicht so sichtbare Erinnerungszeichen mit. Aber eine Weltreise aus einer eigenen Jacht als hochzeitlichen Ausflug zu unternehmen, das ist die Sehnsucht und der Stolz jedes Millionärs.^ Läßt man das Schiff extra zu diesem Zwecke bauen, so weiß eine englische Wochenschrift zu berichten, dann werden die Kosten 400 000 Mk. erreichen, denn man will es doch luxuriös und komfortabel haben, und mit notwendigen Ausbesserungen kann die Summe auch aus 600 000 Mk. steigen. Im ganzen wird solch ein auf ein Jahr ausgedehnter Honigmonat, bei dem man sich alle Wunder des Erdkreises ansieht, die stattliche Summe von einer Million Mark verschlingen. Annährend 800 000 Mk. haben Mr. und Mrs. Penfield auf einer ein­fachen Nil-Hochzeitsreise ausgegeben; sie konnten es sich frei» lich leisten, denn Mrs. Penfield hieß früher Annie Weightman Walker und hat von ihrem Vater ein Riesenvermögen geerbt. Exotischer, wenn auch nicht ganz so kostspielig, verlebte der Graf von Lesdain mit seiner jungen Frau die Flitterwochen, indem er eine gefährliche und romantische Forschungsreise ins unbekannte Tibet unternahm, 5000 englische Meilen zurück- legte und seine an Aufregungen und Gefahren reiche Aben­teuer in einem spannenden und wertvollen Buch Niederlagen konnte. Derjenige, den sein Honigmond wohl am meisten gekostet hat, ohne daß er freiwillig selbst davon Vergnügen hatte, war ein Sohn des Millionärs Charles L. Tiffany, der ein armes Mädchen heiratete und von seinem Vater enterbt wurde. Da er dabei aber 8 Millionen verlor und nur 10 Tage verheiratet war, verlor er jeden Tag fast eine Million und stellte so den Rekord auf in kostspieligen Flitter­wochen.

(Wahnsinnstat einer Bäuerin.) In Althornbach (Rheinpsalz) hat eine durch den rasch nachein­ander erfolgten Tod ihre» Mannes und ihres einzigen Sohnes trübsinnig gewordene Bäuerin ihr Geld Verwandten gegeben, ihre Habseligkeiten verbrannt und sich dann durch Beilhiebe auf den Schädel getötet.

(Die Menagerie des Urwaldes.) Von einer eigenartigen Menagerie mitten in den Urwäldern des britischen Ostafrika erzählt Theodore Roosevclt in seinen afrikanischen Jagdberichten, die in einem englischen Blatte veröffentlicht werden. Es ist die Jujafarm, auf der in Käfigen allerlei Raubtiere gehalten werden und wo andere gezähmte Tiere, Gazellen und Antilopen frei umherstreifen. Füns Löwen leben hier in der Gefangenschaft und ein ziemlich zahmer Leopard, aber am interessantesten sind die drei Tschitas, eine Art Leo­parden, die frei umherstreisen dürfen und ihre Herrin Mo Millan überallhin begleiten. Roosevelt gibt eine anschauliche Beschreibung dieser interessanten Tierart.Diese Abart der

Katzen haben ungewöhnlich lange Beine, und ihre Krallen find unbeweglich wie die eines Hundes. Die Tschita» haben nahe­zu die Größe eines Leoparden; fie jagen die kleineren Anti­lopen, ja bisweilen vergreifen sie sich auch an größeren Tieren. Für eine kurze Strecke, etwa eine Viertel englische Meile, find sie gewiß die schnellsten Tiere der Welt; sie überholen die flinkeste Antilope. Aber die Ausdauer fehlt ihnen; aus ebenem Gelände kann man sie mit einem Pferde schließlich leicht ein- holen. Merkwürdig ist daS Aussehen deS Tschita, wenn er sitzt; er gemahnt dann viel weniger an einen Hund oder an ein Katzentier, als an einen großen Affen. Im allgemeinen ist er leichter zu zähmen als andere Katzenarten, aber wie alle höher entwickelten Raubtiere zeigen die einzelnen Exemplare eine große Verschiedenheit des Charakters und der Gemütsart. Sie geben einen seltsamen Laut von sich, ein vogelähnliches Zwitschern, bei dem sie die Oberlippe kräuseln, als ob sie pfeifen wollen. Als ich den Rus zum ersten Mal hörte, war ich überzeugt, daß er von einem Vogel stamme, und schaute in die Höhe; erst später entdeckte ich, daß es der Ruf bet TschitaS gewesen war." Aus der Farm ist auch ein zahmer Steinbock und eine Gazelle, die alle Scheu verloren hat und sich zuiraulich jedem nähert. Sogar Antilopen, die gewöhn­lich große Furchtsamkeit zeigen, sind hier gezähmt, sürchten den Menschen nicht mehr und nähern sich ohne Zeichen von Angst ihren Wärtern und Herren, die sie genau kennen. Roosevelt erzählt von jungen Antilopen, die frei umherlausen, und sich doch nie vorbeistreifenden wilden Herden anschließen; sogar mit den Hunden sind die sonst so scheuen Tiere beste Freunde und sehen in ihnen ihre Beschützer. Wenn Nachts sich bis­weilen Hyänen oder andere Raubtiere in die Farm einschlichen, so flohen die Antilopen mit allen Zeichen deS Schrecken» zu der Stelle, wo die Hunden sich aushirlten, und nicht» konnte, sie dann dazu bringen, die Nähe ihrer Beschützer wieder auf- zugeben.

(Bevorstehender Ankauf deSParseval 3" durch die Militärverwaltung.) Die Verhand­lungen wegen" des Ankaufs des LuftschiffesParseval 3" durch die Militärverwaltung stehen nunmehr unmittelbar vor dem Abschluß. Der Kaufpreis beträgt rund 370 000 Mk. Bei der Höhe deS Preises muß berücksichtigt werden, daß die Ballonhülle, die durch die ziemlich zahlreichen Probesahrten etwas verbraucht ist, nach dem Ankauf erneuert werden muß. Die Kosten der neuen Hülle schätzt man aus 70,000 Mk.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 11. Januar. Amtlich wird das gänzliche Er­löschen der Cholera in Petersburg bekannt gegeben.

Berlin, 11. Januar. Nächsten Sonntag beabsichtigt die Sozialdemokratie in ganz Preußen Wahlrechtsversamm- lungen zu veranstalten. In Groß-Berlin find 60 Versamm­lungen in Aussicht genommen. Nach Anweisung der Partei­leitung soll von jeder Straßendemonstration abgesehen werden.

Berlin, 11. Januar. Im Frühjahr wird sich eine Kommission der deutschen Luftschiffahrtsexpedition zurErsorsch- ung der arktischen Regionen nach der Großbucht auf Spitz­bergen begeben, um diesen gewählten Stützpunkt für die Lust- kreuzerexpedition einem weiteren Studium zu unterziehen.

Berlin, 11. Januar. Die Kriminalpolizei verhaftete gestern einen unter der Bezeichnung Bachelor of artS an der Humboldakademie als Dozent wirkenden Arthur Lindenstead, der in Wirklichkeit Hausdiener gewesen ist und wegen Ent­ziehung von der Militärpflicht von den Behörden gesucht wurde. Vor drei Wochen ließ sich der Schwindler, der in Wirklichkeit WielinSky heißt, in London mit einer jungen Ber­linerin trauen. Als das Paar hierher zurückkehrte, erfuhr die junge Frau, daß ihr Mann gar nicht Bachelor of arts sei und auch gar nicht Lindenstead heiße. Sie teilte ihre Ent­deckung dem Generalsekretär der Humboldakademie mit, der die Verhaftung veranlaßte.

Frei bürg (Schlesien), 11. Januar. Der Kronprinz und die Kronprinzessin trafen abends hier ein und wurden auf dem Bahnhof vom Fürstenpaar von Pleß empfangen. Die Herrschaften begaben sich durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Schloß Fürstenstein.

Chicago, 11. Januar. Vor dem Warenhaus Boston Store sank daS Trottoir ein. Dreißig Passanten stürzten in die Tiefe.

Mailand, 11. Januar. Das Gebirgsdorf Pialta im Beltlin ist vollständig abgebrannt. Nur die Kirche und daS Pfarrhaus sind gerettet.

Gleiwitz, 11. Januar. Beim Jahrmarktfest stürzte im Konzerthaus ein Teil der Gallerie in den Saal hinunter. Ein Eisenbahnbeamter wurde von einem herabstärzenden Balken so schwer getroffen, daß er an einem doppelten Schädelbruch bald verstarb.

Standesamtsbezirk Niederaula.

Monat Dezember 1909. Eheschließung.

Am 21. Maurer Heinrich Nuhn baljier, mit Arbeiterin Anna Margretha Weppler zu Niederjossa.

Geburten.

Am 4. Wilhelm, S. des Dienstknechts Adam Steinberg dahier. 10. Anna Maria Elisabeth, T. des ZiegeleibefitzerS Conrad Grenzebach dahier. 13. Karl, S. des Maurer» Karl Klee zu MengShausen. 15. Hermann, S. deS Kauf­manns Hugo Plant dahier. 16. Karl Heinrich, E. des WagnerS Peter Nuhn zu Niederjoffa. 17. Katharina Maria und Martha Elisabeth, Zwillingstöchter des Landwirts Valentin Wegfahrt dahier. 20. Katharina Elisabeth, T. deS Land­wirts Johannes Boß zu Kemmerode. 25. Anna Barbara Margretha Wilhelmine, T. des ArbeiterS Heinrich Meckbach zu Hattenbach. 28. Friedrich Wilhelm, ®. deS Maurer« Johanne» Eisenacher zu MengShausen. 31. Fritz Konrad, ®. des ZimmermannS Wilhelm Hellwig zu Kemmerode.

Sterbefälle.

Am 6. ein Mädchen des Maurers Conrad Heyer zu Kleba, totgeboren. 11. Arbeiterin Anna Elisabeth Nuhn dahier, 67 Jahr alt.