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hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernfprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 1.
Sonnabend, den 1. Januar
1910,
Amtlicher teil.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 21. Dezember d. Js., durch welche die beiden Häuser deS Landtages der Monarchie auf den 11. Januar 1910 in die Haupt» und Residenzstadt Berlin zusammenberusen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses, hier, Leipzigerstraße Nr. 3, und in dem Bureau der Hauses der Abgeordneten, hier, Prinz Albrecht» straße Nr. 5/6, am 10. Januar 1910 in den Stunden von 9 Uhr srüh bis 8 Uhr abends und am 11. Januar 1910 in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.
In diesen Bureaus werden auch dir LegitimationSkarten zu der Eröffnung-sitzung auSgegeben und alle sonst ersorder- lichen Mitteilungen in bezug auf diese gemacht werden.
Berlin, den 21. Dezember 1909.
Der Minister deS Innern, gez.: v. Moltke.
Her-seld, den 31. Dezember 1909.
Wird veröffentlicht.
I. 13545. Der Landrat
von GruneliuS.
Hersseld, den 27. Dezember 1909.
Aus Anlaß mehrfach an mich gerichteter Anfragen weise ich die Herren OrtSvorstände des KreiseS unter Bezugnahme auf den mit Verfügung vom 20. Juli d. Js. A Nr. 4765 — KreiSblatt Nr. 87 — veröffentlichten Ministerial-Erlaß vom 6. Juli 1909 nochmals darauf hin, daß alle nach dem 31. März d. Js. in das Amt-verhältnis eingetretenen Beamten und E l e m e n t a r l e h r e r pp. zu den Gemeinde» steuern gleich den übrigen dieser Steuer unterworfenen Per» fönen heranzuziehen sind, sofern nicht mehr als 125% Zuschläge erhoben werden.
Werden Zuschläge in höherem Betrag erhoben, so trifft der Mehrbetrag der Zuschläge nur den aus daS außerdienstliche Einkommen entfallenden Teil deS Steuersatzes.
Hinsichtlich der schon vor dem 1. April 1909 angestellten Beamten und Elementarlehrer pp. sowie Geistlichen bewendet es bei den bestehenden Bestimmungen (vergl. § 1 unb 2 des GesetzeS vom 16. Juni 1909 G. S. S. 489).
J. A. 8939. Der Landrat
von Grünelius.
HerSseld, den 28. Dezember 1909.
Die Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 10. d. Mts. I 12 907, betreffend die Angabe der Vereine noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit Frist von 5 Tagen erinnert.
I. 12907. Der Landrat
von GruneliuS.
An der Königlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a. RH. finden im Jahre 1910 folgende Unterrichtskurse statt:
1. Oeffentlicher ReblauSkursuS am 14., 15 und 16. Februar. 2. Obstbaukursus vom 14. Februar bis 5. März einschl. 3. BaumwärterkursuS vom 14. Februar bis 5. März einschl. 4. ObstbaunachkursuS vom 18. bis 23. Juli einschl. 5. Baumwärternachkursus vom 18. bis 23. Juli einschl. 6. Obstverwertungskursus für Frauen vom 1. bis 6. August einschl.
7. Obstverwertungskursus fürMännervom8.bis 19.August einschl.
8. Analysenkursus v»m 2. bis 13. August einschl. 9. HesekursuS vom 16. bis 27. August einschl.
DaS Unterrichtshonorar beträgt: für Kursus 1 nichts, für KursuS 2 und 4 für Preußen 20 Mk. für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus (Nr. 4) teilnehmen zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk., für Kursus 3 und 5 Preußen sind frei; Nichtpreußen zahlen 10 Mark und wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 5) teilnehmen 5 Mk., für KursuS 6 und 7: für Preußen je 6 Mk., für Nichtpreußen je 9 Mk., für Kursus 8 und 9: für Preußen je 20 Mk., für Nichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für Gebrauchsgegenstände und 1 M. für Bedienung kommen.
Anmeldungen sind zu richten, bezüglich der Kurse 2 bis 7 an die Direktion der Königlichen Lehranstalt, bezüglich des Kursus 8 an den Vorstand der önochcmischcn Versuchsstation der Königlichen Lehranstalt und bezüglich des KursuS 9 an den Vorstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation der Königlichen Lehranstalt. Wegen Zulassung zum ReblauSkursuS (Nr. 1) wollen sich Preußen an den Herrn Oberpräsidenten der Provinz ihre« Wohnsitzes, Nichtpreußen an ihre Landesregierung wenden.
Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kostenfrei zu beziehenden Satzungen.
Geisenheim, den 11. Dezember 1909.
Der Direktor Prosessor Dr. W o r t m a n n, Geh. Reg. Rat.
HerSseld, den 28. Dezember 1909.
Ich habe den Landwirt Heinrich Gerbracht zu Mengshausen als Stellvertreter deS Fleisch- und Trichinenbeschauers Schäfer daselbst heute bestellt und als solchen eidlich verpflichtet.
I. 13436. Der Landrat.
3. V.:
WesseI, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Zinn neuen Jahre.
Zu Ende ging die Pilgerreise
Dir, altes Jahr, du hast» vollbracht —
Wir fangen dir die Abschiedsreise
Bewegt in der Sylvesternacht. —
WaS immer du aus deinen Schwingen
Gebracht uns hast an Lust wie Leid —
Vorbei, vorbei — muß es jetzt klingen,
Du sankst hinab zur Ewigkeit!
Dir tönt nun unser Gruß entgegen
Vertrauensvoll, du junges Jahr —
Wir hoffen all', daß reichster Segen
Aus dir wird sprießen wunderbar,
Daß du mit Rosen nur bekränzen
Wirst unser Wirken früh wie spat,
Und wirst mit mildem Licht beglänzen
Stets unsern rauhen Erdenpsad!
Wohlan, so ziehe ein hienieden,
Du neues Jahr, in deinem Schein,
Und trage Zuversicht und Frieden
Erquickend in die Welt hinein —
O, spend' uns neues Hoffnungsleben,
Wcnd' gnädig unser all' Geschick —
D'rum wünschen wir die Becher heben:
Ein neues Jahr ein neues Glück!
B. EhlerS.
Wieder stehen wir an einem neuen Meilenstein an unserm Lebenswege, wieder liegt ein Jahr hinter uns und die Pforte eines neuen tut sich auf. Da wenden sich unsere Gedanken wohl unwillkürlich noch einmal rückwärts, und sinnenden Blickes lassen wir die bunte Reihe der Ereignisse auf dieser Wegstrecke noch einmal an unserm Geiste vorüberziehen. Mit stiller Wehmut und schmerzlicher Trauer schauen wir zurück auf die stillen Gräber, die sich über lieben Familiengliedern oder guten treuen Freunden seit dem letzten Jahreswechsel geschlossen haben. Wie verschieden ist doch der Todesengel an die teuren Entschlafenen herangetreten! Den einen riß er mit rauher Hand Plötzlich heraus aus dem Kreise der Seinen, heraus aus tüchtigem tatkräftigen Schaffen, dem andern erschien er als sanfter Friedensbringer am späten Abend eines langen, arbeitsreichen Lebens oder gar alS ersehnter Erlöser von schwerem Leiden. In der einen oder der andern Form wird ja auch an uns einmal der letzte Rus ergehen, vielleicht schon im neuen Jahre, aber in diesem Bewußtsein liegt für den Christen nichts Beängstigendes, sondern nur die Mahnung, seine Zeit auszukaufen, rüstig zu schaffen und vorwärts zu streben, solange es Tag für ihn ist, und dabei Sorge zu tragen, daß er allezeit bereit bleibe, dem Abrus in das bessere Jenseits Folge zu leisten, wo er die Seelen der vorange» gangencn Lieben wiederfinden soll.
Schon in alter grauer Vorzeit wurde der Ansang der Wochen und Monate, besonders aber der Jahresansang seitlich begangen. Nirgends begnügte man sich mit dem einförmigen Gleichmaß der Tage. Was der große Menschenkenner Goethe dem kranken Gemüt als Heilmittel empfiehlt:
TageS Arbeit, abends Gäste, Saure Wochen, flöhe Feste,
daS hat die Menschheit seit Beginn der Kultur geübt. Wie Lust und Leid im ewigen Wechsel fließen, wie das Naturleben alS ein ewiger Kreislauf von Werden und Vergehen sich dar- stellt, jo suchte auch der Mensch dem Einerlei der Tage ein wechselndes Gewand anzulegen. Und überall galt der Anfang alS bedeutungsvoll, viel mehr als jetzt. Der Mensch der Gegenwart ist zäher geworden, er hat gelernt, auch dem wiederstrebenden Geschick gegenüber auszuharren, und oft weiß er an den traurigen Anfang daS fröhliche Ende zu knüpfen. Furcht und auch Freude sind durch den kühl erwägenden Verstand verkleinert worden. Unverzagt tritt auch derjenige, den die Ungunst deS letzten JahreS auf harte Proben stellte, in das neue Jahr hinüber, und dem Mutigen gehört die Welt. Ein einziger frischer Windhauch kann daS schwärzeste Gewölk zerstreuen und daS niedergedrückte Gemüt dem Licht und der Sonne zurückgeben.
Drum neuen Mut und neue Hoffnung! Auch diese Mahnung steht über der Pforte deS neuen JahreS. „Hoffnung bleibt mit dem Leben vermählt, die schmeichelnde Göttin," Hoffnung gibt flohen Mut, und froher Mut gibt Tatkraft,
Tatkraft aber ist das, was uns not tut, wenn uns daS neue Jahr ein gesegnetes sein soll. Ein neues hebt an. DaS ist eine kräftige Mahnung, nun auch mit neuer tapferer LebenS» energie vorwärts zu schreiten. Jeder Nerv soll sich spannen, jeder Muskel sich straffen. Die ganze Persönlichkeit muß erfüllt sein von einem kühnen: Ich will! Und ein starkes, stolzer Selbstvertrauen spricht dazu: Ich werde! Und trotz allem — wir kommen nicht los von der Hinsälligkeit und Unvollkommenheit dieses armen Lebens. Der Staub hastet unS an. „Es bleibt ein Erdenrest zu tragen peinlich, und wär' er von Asbest, er ist nicht reinlich!“ Aber einen Ausweg gibt eS aus solchem Rätselpsade, nnd der ist daS Gott- vertrauen, der Ausweg, der uns in Benjamin SchmolckS schlichtem Liede gezeigt wird:
Unsre Wege wollen wir Nun in Gottes Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für. So wird alles wohl bestehen.
Drum ohne Furcht, was auch kommen mag! Mit Gott hinein inS neue Jahr!
PMW IMmüschlUl.
Gedenken wir der bedeutsamsten Ereigniffe und Vorgänge, welche das Jahr 1909 für unser deutsches Vaterland gezeitigt hat, so geziemt es sich vor allem, aus den 27. Januar, als den 50. Geburtstag Kaiser Wilhelms, hinzuweisen. Seine Feier am kaiserlichen Hose selbst gestaltete sich zu einem bedeutsamen nationalen Mome ', denn alle deutschen BundeS- fürsten hatten sich hierbei üii' den erlauchten Schirmherr« deS Reiches geschart, um ihm persönlich ihre Glückwünsche darzu- bringen. Bald darauf, im Februar, empfing der Kaiser in Berlin den Besuch deS englischen KönigSpaareS, ein Vorgang, welcher die Wiederherstellung besserer Beziehungen zwischen den Hösen von Berlin und London und den beiderseitigen Ländem nach einer Periode unleugbarer Verstimmungen ersreulich illustrierte. Im Juni hatte der Kaiser eine Zusammenkunft mit dem Zaren Nikolaus in den finnischm Gewässern, worauf die gewohnte allsommerliche Nordlandsräse des Kaisers nachfolgte, auf welcher er mit dem König Haakm von Norwegen zusam- mentras. Bei der Rückkehr von fdner NordlandSfahrt traf dann der Kaiser in Kiel nochmals mi dem russischen Herrscher zusammen. Wie bereits im Frühling des Vorjahres, so unternahm der Kaiser auch im Frühjahre 1909 eine Mittelmeerreise, begleitet von der Kaiserin und wm Prinzen Oskar. Die kaiserlichen Herrschaften verweilten mehrere Wochen auf Korfu, wo sie vom König Georg von Grichenland und seiner Familie besucht wurden. Aus der Heinreise stattcte Kaiser Wilhelm seinem treuen Freund und Serbünbeten, dem Kaiser Franz Josef, einen Besuch in Wien ab, dessen Gast dann Kaiser Wilhelm nochmals bei den öierreichischen Kaisermanövern in Mähren war. Ein freubi|e5 FamilienereigniS, an welchem das deutsche Volk herzlichen lnteil nahm, zeittgte daS ablaufende Jahr durch die Geburt eneS dritten SohneS deS deutschen kronprinzlichen Paares. — AuS der Reihe der regierenden deutschen Bundesfürsten wilde durch den Tod ab- berusen der greife Fürst Karl Güntheivon Schwarzburg-Son» dershausen. Er hinterließ keinen dirktcn Thronerben, sodaß nunmehr dieser Fürstentum durch Prsonalunion mit dem Fürstentums Schwarzburg - Rudolstab unter dem Fürsten Günther Viktor verbunden ist. Es verschied ferner der berühmte Augenarzt Karl Theodor in Byern, er hat sich durch sein humanitäres Wirken eine bleibende Stätte im Herzen» bei bayrischen und deutschen Volkes gesichct.
Als daS hervorragendste politisck Ereignis deS JahreS 1909 ist der Wechsel im Reichskanzlermte zu nennen. Der Reichskanzler und preußische Minist.präsidcnt Fürst Bü- low trat infolge des Ausganges der htigen parlamentarischen Kämpfe im Reichstage um die ReiLfinanzresorm am 14. Juli zurück, woran sich einschneidende veitere Personalverän- berungen in den höheren Reichsämtern und in den preußischen Ministerposten knüpften. Der bishei;' Staatssekretär bei ReichSamtcS des Innern, von Bethuam-Hollweg, rückte anstelle deS Fürsten Bülow zum Reichckanzer und Vorsitzenden des preußischen Staatsministeriums auf. Ds erledigte StaatS- sekretariat deS Innern übernahm der biShuge preußische Han- delsministcr Delbrück, der auf feinem Postn durch den Reichs- schatzsekretär Sydow ersetzt wurde. Dessi Nachfolger wurde der bisherige UnterstaatSsekretär Vermuth im ReichSamtc bei Innern. Gleichzeitig erfolgte der Rücktrittes schwer leidenden preußischen Kultusministers Dr. Holle, -elcher im Verlaufe des Jahres starb; dieses wichtige Ressort ourdc in der Person des seitherigen Oberpräsidenten von B ndenburg, Trott zu Solz, neu besetzt. Etwa» später demiffnierte auS Gesund- heitSrücksichten auch der preußische KriegSinister, General von Einem, er wurde durch den kommandierten General deS 2. Armeekorps, von Heeringen, ersetzt. A 1. Oktober vollzog sich schließlich auch ein Wechsel im ReichMzamte, der Staatssekretär desselben, Dr. Nieberding, zog ch in den verdienten Ruhestand zurück und erhielt zu seinem Nachfolger den Präsidenten des preußischen KammergerichtcsDr. Lisco.
Die in den letzten Jahren dir Huptfeage der inneren