Illustrierte
Landwirt schaftliche'Aeisage
rum .Hersfrlder Kreisblatt"
^W~^ ———— Hersfett 1910
Luhalts-Vcrzeichnis: Unsere Obstbäume. Landwirtschastskanimer. Futterrüben. Gemüseland. Zusammenschmelzen Kranke Völker. Paarung Bienenzüchter. Landwirtschaftliche Woche. Pserdeläuse Ziegenlämmer. Winterfutter. Eierfressen. Schwellungen. Kreuzschnabel. Pflanzen. Schorf. Obstbaumanlagen Frühkohlrab: Frühgemüie. Blumenzwiebeln. Schildläusen. Kiefer. Grau- oder Saatgänse. Forellen. Zäher. Geschirr reinigen. Putzmittel für Silbersachen. Rohrgeflecht. Käfekitt. Hühneriedern. SaU einer Zitrone. Die Elster. Samentasche der Königin, Thermometer. Wurzelschimmelkrankneit. Schweinebraten. Hafen-Filets. Fischsauce. Vanilleküchel. Zungenschniticheu. Ningelschnilt. Vaü'etl. Brechen der Farbe. Imprägnieren.
Unsere OWaume im Dolksglanden.
Von F r. P f l u g k.
Schon in grauer Vorzeit waren Obstbäume, besonders , Birn- und Apfelbäume, in unserem Vaterlande heimisch. Sie fanden sich nicht selten als Wildlinge unter den anderen Bäumen des germanischen Urwaldes und genossen gleich diesen hohes Ansehen. Die Bäume hatten ja eine wichtige Rolle bei der Schöpfung der Menschen gespielt; Heun nach altgermanischem Aberglauben waren Mann 'und Frau von Odin aus Esche und Erle geschaffen worden. Darum wurden die Bäume den Menschen fast wesensgleich erachtet, und grausam wurden nach den alten Rechtsgewohnheiten einzelner Orte die Baumfrevler bestraft. In den Bäumen hauste auch so mancher Waldgeist; kein Wunder also, daß die Bäume unsern Vorfahren als heilig und unverletzt galten. Auf diesen Vorstellungen beruhte im Grunde auch die religiöse Verehrung .bestimmter Baumarten und die des Waldes im allge- Meinen; jener weit verbreitete, bei unseren heidnischen Vorfahren herrschende Baumkultus, der noch heute in vielen Ueberlieferungen nachklingt.
Religiöse Verehrung ward aber nicht nur den eigent- Lichen Waldbäumen zuteil, sondern, wie schon angedeutet, auch unsern ältesten Obstbäumen. Vielfach lesen wir, Daß die ersten Sendboten der christlichen Kirche gerade DLaldbirnbäume zerstörten, um den Heiden das Ueberge- wicht des dreieinigen Gottes über die Bewohner Walhalls vor Augen zu führen. Die Birnbäume erfreuten sich wahrscheinlich des besonderen Schutzes der Götter. Auch der Apfelbaum genoß hohes Ansehen. Er war dem Donnergotts geweiht, ihn traf der Hammer Tors nicht, kein Blitz zerspaltete seinen Stamm. Deshalb pflanzte man .ihn als Schutz gegen den zündenden Wetterstrahl nahe an ' die Hütten, so daß seine Zweige diese beschatteten. Schlug dennoch der Blitz in einen Apfelbaum, so war es ein »Wunder und sein Holz besaß besondere Kräfte. Es wurde Zur Erzeugung des Notfeuers benutzt, indem man es so / lange gegen anderes Holz rieb, bis es sich entzündete, Jauch gaben die Zweige der vom Blitze beschädigten Bäume 8 vortreffliche Wünschelruten ab.
AIs in christlicher Zeit die alten Götter für böse »Geister erklärt wurden, verlegte das Volk deren Wohnsitz unter die Rinde der Birnbäume. Von hier aus sollen sie ihr Unwesen treiben und den abtrünnigen Menschen | Unheil bringen. Die einzelnen Teile des Baumes dien- |tcn als Verzauberungsmittel: durch die Rinde wurden I Krankheiten angezaubert, und an der Frucht übten die ; jungen Hexenschülerinnen ihre Kunst, indem sie zuerst । lernten, Birnen in Mäuse zu verwandeln.
Aber auch manche gute Kraft lag in dem alten Asen- baume. Fürchtete man, daß ein Gürtel oder ein Kleidungsstück behext wäre, so legte man es um einen Birnbaum; zerplatzte es, so war der Teufel drin, blieb es ganz, so konnte es ohne Gefahr für den Besitzer getragen wer- l den. Um das Vieh vor jedem Zauber zu schützen, ließ man es von einem aus Birnbaumzweigen gefertigten Kreuze fressen, das eine reine Jungfrau am Jakobitage . getragen hatte. Und wie der Baum böse Geister aus- fandte, die die Menschen quälten und ihnen Schaden zu- fugten, so konnte er sie auch wieder zurückrufen. Deshalb ging man bei Fieber rückwärts unter einen halben i Birnbaum, betete und entfernte sich schweigend wieder, ; umzuschauen. Bei Zahnschmerzen umging man den Birnbaum, umklammerte ihn und sprach:
„Birnbaum ich klage dir, Drei Würmer stechen bei mir, Der eine ist grau, Der andere ist blau, Der dritte ist rot,
Ich wünschte, sie wären alle drei tot."
Auch der Apfelbaum ward oft angerufen, um vom Zahnweh zu befreien, und gegen Knochenschwund wird noch heute in manchen Gegenden ein Edelreis mit Blut von dem kranken Gliede bestrichen und einem jungen
Baume eingepfropft; auch trägt man Kranke bei Sonnenaufgang unter einen Apfelbaum, um ihnen Linderung ihrer Leiden zu verschaffen.
Unter den Bauern Westfalens herrscht der Glaube, daß man einen Blick in die Zukunft tun sann, wenn man sich in der Christnacht unter einen Apfelbaum stellt. In der Niederlausitz aber begibt sich die Jugend am Andreasabend zum Apfelbaum und spricht:
„Bäumlein, Bäumlein, ich schüttle dich, Feines Liebchen, melde dich, Laß dein Hündchen bellen,
Daß ich weiß, wo ich meine Wohnung werd' hinstellen."
Dann erscheint „Feins Liebchen" oder Hundegebell ertönt in der Gegend, wo es wohnt. Vielfach wird auch ein Stab, ein Schuh, oder ein Kranz von neunerlei Blumen bald an diesem, bald an jenem heiligen Abend auf einem Christbaum geworfen. Wie oft die Heiratslustigen werfen müssen, bis der betreffende Gegenstand hängen bleibt, so viele Jahre müssen sie noch auf ihre Hochzeit warten. Blüht ein Obstbaum im Herbste zum zweiten Male, so soll es noch im selben Jahre eine fröhliche Hochzeit im Hause geben; andere aber behaupten, es sei ein schlimmes Zeichen, entweder tritt ein Todesfall ein oder es steht ein unfruchtbares Jahr in Aussicht. Auch das Dürrwerden eines Birn- oder Apfelbaumes, besonders eines vor dem Hause stehenden, hat nichts Gutes zu bedeuten, es zeigt den baldigen Tod eines Familienmitgliedes an.
Natürlich haben sich auch die Früchte der beiden Bäume von jeher der größten Beliebtheit erfreut. Der Apfel stand bei den alten Germanen so hoch in Ehren, daß sie dessen Genuß selbst ihren Göttern zuschrieben. Dem Genuß der wunderbaren Aepfel, die ihnen Jduna reichte, verdanken die Götter ihre Schönheit und stete Jugend. Von diesen kostbaren Früchten erhielten auch die Ein- herier, die im Kampfe gefallenen und Nach Walhall geführten Helden, 'um ihnen ebenfalls Jugendkraft zu verleihen.
Während die Birne nur als Symbol des Spätherbstes galt, war der Apfel ein Sinnbild der Liebe und Schönheit, der Gesundheit und Fruchtbarkeit. Das Darreichen eines solchen galt als Liebeserklärung, seine Annahme als Erhörung. In einigen Gegenden wirft der Bursche noch heute dem geliebten Mädchen am Neujahrstage ein sogenantes Wepelrot, d. i. ein Rad, an dessen Speichen Aepfel stecken, ins Haus. Die Annahme wird als Zustimmung zur Verlobung angesehen. Ebenso spielt der Apfel als Orakel in Liebesangelegenheiten noch jetzt eine wichtige Rolle. In vielen Gegenden schälen am Silvester- oder Andreasabende die heiratslustigen Mädchen einen Apfel, indem sie das Messer oben einsetzen und rundherum bis zum Stiel führen. Erhalten sie dabei die Schale unzerrissen, so steht ihnen im nächsten Jahr ein großes Unglück bevor. Um nun auch den Namen des künftigen Eheherrn zu erfahren, werfen sie die Apfelschale rückwärts über den Kopf und suchen aus ihrer Ver» schlingung den Buchstaben, mit dem der Name beginnt, herauszulesen. In der Lausitz beißen die Mädchen am Neujahrstage mittags 12 Uhr in einen sauren Apfel und sehn dabei zum Fenster hinaus. Der erste vorübergehende Mann zeigt ihnen den Stand ihres künftigen Gatten an. Schneidet man in der Thomasnacht einen Apfel durch, so kann man aus den Kernen einer Hälfte die Zukunft deuten. Sind die Kerne unverletzt und paarig, so heiratet man bald, ist ein Kern zerschnitten, so bekommt man Streit, sind zwei beschädigt ,so stirbt ein naher Verwandter. In der Neujahrsnacht schnellt man wohl auch einen Apfelkern zwischen zwei Fingern mit einem Spruche fort; wohin er fliegt, von dort kommt der ersehnte Schatz. Ebenso spielt der geworfene Apfel die Rolle des Orakels:
„Wohin das Aepflein laufen wird. Dahin wirst fahrn bu nach ihm."
Wie man dem Apfelbaum allerlei wunderbare Kräfte zuschrieb, so auch seinen Früchten. In Mecklenburg, West-
!Preußen und in anderen Gegenden ist im Volke die An-- • sicht verbreitet, daß man am Weihnachtsabend oder Pfingstmorgen vor Sonnenaufgang stillschweigend Aepfel essen muß, um das ganze Jahr gegen das kalte Fieber gesichert zu sein; am Ostersonntage befreit ihr Genuß von erhitzenden Krankheiten. Während des Neujahrs- tages aber darf man kein Obst essen, sonst bekommt man so viel Geschwüre wie man Früchet verzehrt hat. Will man Warzen entfernen, so bestreicht man sie stillschweigend dreimal mit einem Apselschnitt und läßt diesen unter einer Dachtraufe vermodern. In dem Matze wie das geschieht, verschwinden auch die unschönen Hautgebilde. In einigen unserer Märchen ist von goldenen Aepfeln (Jdunas) die Rede, die in einem Brunnen liegen und dem Wasser Heil- und Lebenskraft verleihn. Noch heute soll nach dem Glauben der Landleute ein in die Tränke geworfener Apfel den Haustieren Kraft und Gesundheit bringen. Im Volksliede wird erzählt, wie der Bursche zur kranken Herzallerliebsten kommt:
Was zog er aus der Tasche mit Fleiß?
Ein Aepslein, das war rot und weiß, Er legt es auf ihren weitzroten Mund: „Schön Schätze!, bist krank, werd' wieder gesund." Mannigfach waren und sind noch immer die Gebräuche, um eine gute Obsternte zu erzielen. So müssen die Erstlingsfrüchte eines jungen Baumes von einem Knaben unter sieben Jahren gepflückt werden, denn nur wenn er zum ersten Male von der Hand eines Unschuldigen berührt wird, ruht der Segen der Gottheit auf ihm. In Ostpreußen und Oldenburg ist es Sitte, daß der Hausherr die ersten Früchte bricht, in anderen Gegenden werden sie überhaupt nicht geerntet, sondern den Himmlischen geweiht. Es ist gut, die ersten Früchte in einem großen Korbe heimzuholen, dann trägt der Baum in Zukunft so viel, daß der ganze Korb voll wird. Noch reichlicheren Ertrag wünscht man in der Gegend von Hildesheim und im Holsteinischen. Dort gehn die Knechte in der Neujahrsnacht in den Garten, fassen sich bei den Händen, umtanzen den Baum und singen:
Freue zu Böme, Nijahr is komen! Dit Jahr ne Karre vull, Up et Jahr en Wageu vull!" feie letzten Früchte läßt man hier und da am Baume, damit der Segen des nächsten Jahres nicht geschmälert wird. Der Ertrag wird gemehrt, wenn man einen Mehlkloß in die Zweige hängt, Fischgräten und Erbsenwasser um den Stamm schüttet, Stroh, auf dem die Würste nach dem Kochen gelegen, um den Baum bindet, in die Zweige schließt, am Weihnachtsabend das Tischtuch unter ihm aus- schüttelt, einen Aasknochen in seine Zweige legt — dann schämt er sich und trägt reichlicher — und bergt mehr.
Will ein Baum gar nicht tragen, so muß man ein Geldstück zwischen seine Wurzeln vergraben oder einen Stein zwischen die Aeste legen und sprechen: „Wenn du fein Obst tragen willst, dann sollst du Steine tragen." Die Thüringer glauben, daß in der Christ- und Neujahrs- nacht alle lebenden Wesen wachen, um den Segen der herumziehenden Frau Holle zu empfangen. Sie gehn daher in den Garten, rütteln die Obstbäume und rufen ihnen zu: „Auf, Baum, beut' ist die heilige Nacht, bring' Früchte mehr als du gedacht!" oder auch: „Bäumchen schlaf nicht, Frau Holle ist da!"
Mandwirtfchast. ^|
Aus den amtlichen Bekanntmachungen der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen.
Anerkennung von Saatkartoffeln. Die Kammer hat auf Antrag des Ausschusses für Landeskultur und Versuchswesen beschlossen, die Anerkennung von Saatkartoffeln aufzunehmen. Bereits im vergangenen Jahre hat die Kammer versuchsweise die Anerkennung