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Illustrierte

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zumHersfelder Kreisblatt."

Nr. 4 Sersfel» 1910

4»h«UK-Brrzkid»:«-. Gorr»* tm dinier. Ger^idevflanze. Svargelkullur. Stallbimger. $or!nm<n Äelreideseider. Eine Arbeit? Allerbestellung. Wirsing Komposihaufen. Hafer. Gutes Futter- Mutierst, ren ? en'.üuneu Gegen Läufe. Mnstlieren. Trächtige Kühe Pflege der Kälber. Kalte Monate. Kräftigungsmittel. Ausputzen. Granatbaum. Junger Obstbaum. Obstbäunie. Farmebst. Ziergehöl,« ArtUchocken Petersilie und Schnittlauch. Schnitt'alat. Bohnen und-Erbsen. Rhabarberstengel. Gemüsebeete. Camelien. Aussaat. Hühnerzucht. Hühnerkamm. Frostrretter. Pflege der Hühner. Kanacienhabn Kanalienzuchl. Häsin Fuchs. Stockente. Erlengehaue. Wasserläufe. Aale. Teiche. Bienenwartung. Mehlfütterung. Bandwurm. Pudel. Arbeitsplatz. Schokolade. Cremspkve Ar'eiichaum Gcsiugeyupve. Ehampignons. Onielette.

Wahr (harten im Winter»

Von H. Tietjens, Prenzlau.

Wenn es draußen stürmt und schneit und Frost alles Leben in der Natur hat erstarren lassen, dann scheint auch sede Arbeit in Garten und Feld zu ruhen. Aber bloß scheinbar. Bald nach dem Einernten unserer Garten- früchte heißt es schon wieder für das nächste Jahr zu sor- gen, für die nächstfolgende Vegetation vorzuarbeiten. Mancher würde diese Arbeiten viel eher als notwendig betrachten und sachgemäßer auch ausführen, wenn ihm der Zweck derselben klar wäre. Gar manche Arbeit bleibt siegen oder wird bloß ausgeführt, weil es bisher auch schon so gewesen ist. Daswarum" wird nicht in Be­tracht gezogen. Fehler sind darum oft unausbleiblich.

Allgemein bekannt ist es, daß nach der Ernte der Garten umgegraben werden muß. Der Landwirt tut das gleiche. Er handelt von dem Grundsätze ausim Herbst gepflügt ist halb gedüngt." Bei uns im Garten ist die Wirkung dieselbe. Der Frost verwittert den Bo­den, macht ihn locker, wodurch die Boden und organische Substanzen zersetzenden Bakterien an Lebensfähigkeit ge­winnen, und ihre Tätigkeit besser verrichten können. Diese kleinen Lebewesen sind unsere Helfershelfer bei der Kultur unserer Gartengewächse. Sie schließen, wie man sich ausdrückt, den Boden auf. Sie bilden für die Pflan­zen aufnahmefähige Nährstoffe. Die Wirkung der Bak­terien kann erhöht werden durch Kalkgaben, die dem Bo­den in Zwischenräumen von 34 Jahren zugesührt wer­den. Schwerem und nassen Boden gibt man gebrannten Kalk, Aetzkalk auch genannt, leichtem dagegen Mergel und zwar auf 100 Quadratmeter etwa % Zentner. Der ge­brannte Kalk wird gelöscht, indem man ihn aus kleine Haufen schüttelt, mit Erde zudeckt und nun zu Pulver zerfallen läßt. Dann erst wird er ausgestreut.

Der Winter oder das zeitige Frühjahr ist auch die günstigste Zeit, die Obstbäume und Beerensträucher zu schneiden. Junge Obstbäume schneidet man in den ersten Jahren jedes Jahr, die älteren etwa alle vier Jahre. Das L-chneiden ist keineswegs etwa schwer. Man wage sich nur einmal an die Arbeit heran, von dem Gedanken ausgehend, etwas Gutes stiften zu wollen. Wenn mög­lich, verrichte man diese Arbeit sogar selbst, denn, ich muff es leider eingestehen, mancher Gärtner ist sich über die Ausführung des Schnittes noch nicht ganz klar. Der Schnitt soll bloß mit scharfen Werkzeugen ausgeführt werden, weil von solchen verursachte Wunden am schnell­sten verheilen. Man bedenke ferner, daß das Schneiden die Bäume nicht stärkt, sondern schwächt. Deshalb schneide man lieber Bäumchen, die noch schwächlich sind, vorläufig nicht. Das Schneiden hat bei den jungen Bäu­men den Zweck, eine regelmäßige Krone zu erzielen. Schneidet man also einen starkwachsenden Zweig durch mehrere Jahre hindurch stark zurück, so vermag man in ihm ein schwächeres Wachstum zu erzielen, während im umgekehrten Fall das Gegenteil eintritt. Ist aber ein junger Baum normal gewachsen, so dient der Schnitt, der nun keineswegs etwa fortfällt, dazu, eine festeres Kron- sie rüst zu schaffen. Man schneidet von jedem Ast unge­fähr ein Drittel ihrer Länge fort, jedoch in der Weise, daß die Krone nach dem Schnitt eine annähernd pyra­midale Form hat, so daß also von den oberen Zweigen etwas mehr abgenommen worden ist, als von den unte­ren. Der Schnitt wird jedesmal dicht über einem Auge ausgeführt. Dieses Auge hat aber immer nach außen zu stehen, damit stets die neuen Triebe nach außen wach­sen, da Licht und Luft in die Krone gelangen müssen. Aus dem Grunde entfernt man auch etwa zu dicht stehende Ziverge vollständig. Der Schnitt wiederholt sich bei einem jungen Saum innerhalb 3- 5 Jahren jedes Jahr. Nach dieser Zeit läßt man ihn ruhig wachsen und lichtet ihn m Zwischenräumen von 4 Jahren bloß noch aus. Alle trockenen, sich reibenden und zu dicht stehenden Aeste werden dann mit der Säge fortgenommen. Eine Stock­sage, d. h. eine Säge, welche man der Bequemlichkeit hal-

der auf eine Stange steckt, ist für diese Arbeit entschieden zu verwerfen. Jeder Ast ist dicht am Stamme, ohne daß ein Stunipfcn übrig bleibt, fort zu nehmen. Die ent­standenen Wunden werden mit Teer, Baumwachs oder Oelfarbe verstrichen, um einem Verfaulen des offen lie­genden Holzes vorzubeugen. Sich bildende Wasserschosse schneide man ganz weg. Man lasse es aber dabei nicht bewenden, sondern beseitige die Ursachen: zu hoher Grundwasserstand oder Mangel an Nährstosfen. Bei allen im Ertrag zurückbleibenden Säumen kann auch jetzt ein Verjüngen vorgenommen werden. Sollen Bäume eingepfropft werden, so werden die Kronen schon jetzt ge­kappt, während das Umveredeln durch Pfropfen hinter die Rinde im April-Mai geschieht.

Nach dem Schneiden entferne man von den Stämmen und den unteren Teilen der Aeste die alte Rinde, um den dort verborgenen Schädlingen die Möglichkeit einer Ueberwinterung zu nehmen. Man versäume hierbei aber nicht, die abgekratzte Rinde auf untergelegten Tüchern aufzufangen und bald darauf zu verbrennen. Das Ab- rratzen geschieht entweder mit dem sogenannten Baum­kratzer, einer Hacke oder sonst einem geeigneten Instru­ment. Hierbei aber unvorsichtig zu Verfahren, um dem Saume Wunden zuzufügen, wäre vollkommen falsch. Die abgekratzten Bäume werden sodann mit Kalkmilch, der man des besseren Anhaftens wegen etwas Lehm, Blut oder Kuhdünger beigemischt hat, angestrichen.

Da wir von unseren Bäumen Verlangen, daß sie uns regelmäßig mit Obst versehen, ist es unerläßlich, die­selben auch zu düngen. Man düngt entweder mit Kom­posterde, die in der Kronentraufe untergegraben wird oder mit künstlichen Düngemitteln und zwar geben wir pro Quadratmeter 50 Gr. Thomasmehl, 40 Gr. Kainit und 30 Gr. Chilisalpeter. Die beiden ersten Dünge­mittel werden im Herbst oder Winter gleichmäßig aus­gestreut und untergegraben. Den Salpeter gibt man während der Vegetation, aber nicht auf einmal, sondern in zwei oder drei Gaben. Trotz des Kalkgehaltes des Thomasmehls ist es notwendig in Zwischenräumen von etwa 34 Jahren den Garten zu kalken.

Im allgemeinen tragen nun Beerensträucher regel­mäßiger und williger als Obstbäume. Aber der @ttrag wird noch bedeutend gesteigert, wenn wir auch hier eine regelmäßige Düngung anwenden und zwar dieselben Gaben wie oben angegeben. Die Sträucher jedes Jahr zu schneiden, d. h. die Zweige einzukürzen, ist nicht not­wendig, wohl aber ein etwa alle drei Jahre vorzuneh- mendes Auslichten. Bei den Himbeeren hat man jedes Jahr die abgetragenen Fruchtruten und die kleinen schwächlichen Triebe zu entfernen.

Sollte der echte Wein etwa noch nicht geschnitten sein, so nehme man es noch jetzt vor und binde ihn darauf ein. Dieses geschieht aber nicht etwa zum Schutze gegen Frost, sondern lediglich zum Schutze gegen Glatteis, wogegen er sehr empfindlich ist.

Stehen Ziersträucher in? Garten, so behandelt man sie jetzt ebenfalls. Aber welche unverständige und bar­barische Behandlungsweise kann man da manchesmal beobachten, die oftmals sogar von Fachleuten ausgeftihrt wird. Von den: natürlichen Wuchs des Strauches er­kennt man nichts mehr, wie dichte Besen ragen sie empor, welche Gebilde man dann als Ziersträucher bezeichnet. Sie gereichen bem Garten keineswegs zur Zierde. Man beachte folgendes: man schneide nicht die Sträucher, in- dem man die einzelnen Zweige einkürzt, sondern lichte sie bloß aus, wodurch der charakteristische Wuchs nicht verloren geht. Diese Arbeit wird bei den Frühjahrs- blühern im Sommer bald nach der Blüte und bei den Sommerblühern im Winter vorgenommen.

Bei dem Schneiden der Bäume und Sträucher beachte man zu gleicher Zeit die manchesmal an den Enden der Zweige sitzenden, aus zusammengesponncncn Blättern be­stehenden Büschel. Es sind dies die Raupennester des Goldafters, eines im Sommer fliegenden weißen Nacht- schmetterlings. In diesen Nestern überwintern seine Raupen, die im Frühjahr hervorkommen, sehr gefräßig

sind und durch Abfressen der Blätter der Bäume großen Schaden anrichten. Man schneide also die Nester ab und verbrenne sie. Die um kleine Zweige ringförmig her­umgelegten Eier des Riegelspinners, dessen Raupen ebenfalls sehr gefräßig sind, entferne man gleichfalls und verbrenne sie. Wer zum Schutze gegen den Frostspanner Leimringe im Herbst um seine Bäume gelegt hat, kann sie Ende dieses oder Anfang nächsten Monats wieder ab- nehmen, da die Flugzeit dieses Schädlings vorüber ist.

Befinden sich junge, noch an Pfählen stehende BäuMe im Garten, so sehe man die Bänder nach, ob sie auch nicht scheuern, einschneiden oder gar sich gelöst haben. Eventuell löse man sie und binde die Bäume von neuem an.

Wenn man beabsichtigt, im Frühjahr noch Bäume zu Pflanzen, so lasse man die Löcher hierfür schon jetzt auf­werfen und bis zur Zeit der Pflanzung offen liegen, um sie noch ordentlich durchfrieren zu lassen.

Es ist auch anzuraten, den Zaun, der den Garten ein- friedigt nachzusehen, um den Hasen und Kaninchen daS Eindringen zu verwehren, da sie gerade jetzt gerne die junge Rinde der Bäume abnagen und dadurch oft großen Schaden anrichten.

Hat sich Frost eingestellt und ist der Boden im Garten fest gefroren, so kann mit dem Verteilen der fer­tigen Komposterde auf die entsprechenden Quartiere be­gonnen werden. Derjenige Komposthaufen, der noch nicht vollständig vermodert ist, wird umgesetzt, wobei man mit Vorteil etwas Thomasmehl und Kainit mit bei- mengt.

Hat man sich für den Winterbedarf Gemüse im ©ar­ten in Gruben oder im Mistbeet eingeschlagen, so ver­säume man nicht, bei schönem Wetter zu lüften und faul gewordene Blätter zu entfernen. Die Mieten, in denen Wurzelgemüse eingewintert sind, bedecke man bei ein- tretendem stärkeren Frost entweder mit einer Schicht Erde oder Dünger.

Welcher Nährstoffe bedarf die Getreidepflanze?

Der Getreidepflanze müssen vor allem die Nährstoffe im Boden zur Verfügung stehen, die ihr die Möglichkeit geben, sich kräftig zu entwickeln und auch Körner zu pro­duzieren: es sind das Phosphorsäure und Kali. Sind sie in genügender Menge vorhanden, so ist die Pflanze imstande, den einseitig treibenden Anstoß durch den Sal­peter auszuhalten, ohne dabei gleich zusammen zu knicken. Praktisch gesagt: Wir müssen unseren Getreidefeldern bei leichtem Boden Thomasmehl und Kainit, bei schwe- rein Boden hauptsächlich Superphosphat, eventuell noch 40prozentiges Kali vor der Saat zufiihren, dann haben wir später auch das Recht, eine Peitsche in Form des Salpeters anzuwenden. Ja, wenn wir so mit Phosschor- säure und Kali gedüngt haben und aus Erfahrung wissen, daß die Pflanze später noch Stickstoff braucht, so geben wir einen Teil dieses schon vor der Saat als schwefel­saures Ammoniak. Letzteres hat durch seine mehr stete Wirkung meist sehr schöne Erfolge.

Was die Landwirte vielfach von der Spargelkultur abhält,

das ist einmal der Umstand, daß in den ersten drei Jah­ren auf eine Ernte verzichtet werden muß und zum an- bern der Umstand, daß sie sich den Absatz so schwierig vor­stellen. Hinsichtlich des ersteren Bedenkens kann daraus hingewiesen toerben, daß auch eine junge Rebenanlage in den ersten Jahren keinen Ertrag bringt, und hinsicht­lich des zweiten, daß die Schwierigkeit nur eine schein­bare ist. Allerdings dem Einzelnen dürfte es, wenn er nicht Zeit und Gelegenheit hat, selbst mit seiner Ware auf den Markt zu gehen, schwer fallen, sein kleineres täg­liches Quantum Spargeln immer rasch an den Mann