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«r. Z Hersfel» 1910
Inhalt Verzeichnis: Stachel- und Johannisbeeren. Feldarbeiten. Kleegras. Braugerste. Tiefkultur. Düngorausbrsitung. Düngerstätte. Umgang mir Pferden. Kolik der Pferve. Milch. Steißlagen Kraftfuttermittel. Schafe. Ferkel. Kettenhunds. Hühner im Winter. Srünfutter. Streumittel. Geflügel. Alte Bäume. Pflanzung. Obstbaum. Auslichten. Birnbaum. Schon" im Sonnet, Schneewasser, Tomaten. Topfpflanzen. Bulgarischer Lauch. Champignonzucht. Häsinnen. Jagdfreunde. Eichenhorst. Nachsehen im Winter. Frühtracht. Mäuse im Bienenstock. Versengte Laiche. Sammet waschen- Praktische Reinigung. Gefrieren. Hausschwamm. Salzsäureflecken. Nickelbeschlag. Reinigen. Schweißflecken. Augenentzündung. Vögel. Schweineschmerbraren. t-hragour. Schellfisch Tomatenfuppe. ■ Heringssalat Ablaffen neuer Weine.
Zur Kultur der Stachel- und Johannisbeeren.
Von M. D. in K.
Stachel- und Johannisbeeren, diese vorzüglichen und gesunde« Früchte, von denen alljährlich ungezählte Millionen Kilogramm in die größeren Städte wandern, dürften namentlich in der unmittelbaren Umgebung letzterer unbestritten als zu den vorteilhaftesten und lohnendsten Kulturobjekten gehörig betrachtet werden. Mit ihren vielen großfrüchtigen Spielarten, deren wir uns heutzutage rühmen können, gehören sie alle insgesamt zu der Familie der Stachelbeergewächse (Großulariaceen) und bilde» als solche eine Gruppe von recht widerstandsfähigen Pflanzen, denen die Unbill des Klimas nicht leicht etwas snhabe« kann. Stachel- und Johannisbeeren lieben einen frischen Boden von mittlerer Konsistenz. Sowohl aus Stecklingen wie Wurzelschößlingen und Absenkern können sie gezogen werden, und trifft man sie teils als Strauch- oderZwergstammform, teils aber auch, allerdings weniger oft, als Spalierform oder Hochstämmchen an. Von den vier genannten Formen ist jedoch die erstere die zusagendste, und sollen nachstehende Ausführungen darum auch ganz besonders jene berücksichtigen.
Betrachten wir einen gewöhnlichen Durchschnittsstacheloder Johannisbeerstrauch, der, wie die meisten seiner Art, sich keiner besonders sorgsamen Plfege erfreut, etwas genauer, so werden wir nach altem, morschen und abgestorbene« Holze in der Regel nicht lange zu suchen brauchen. Neben altem, dunkel gefärbtem, oft von jedem Jungholz völlig freiem Holze sehen wir junge kräftige Triebe üppig dem Boden entsprießen, die eine Menge starker Seitenschosse tragen, während das alte Holz nur hier und da ein kümmerliches, halbvertrocknetes Reislein aufweist, ein Zeichen der Armut und gebrochener Lebenskraft. Daß dies kraft- und saftlose Geäst unter allen Umständen zu jeder Zeit, wenn es sich zeigt, entfernt werden muß, ist Wohl an sich selbst einleuchtend. Ein auf- merksamer Gärtner bemerkt jedoch einen diesbezüglichen nötigen Eingriff seinerseits bei der alljährlich vorzu- nehmenden Reinigung des Beerenstrauches frühzeitig genug und verhindert es auf diese Wise, daß seinem Pfleglinge durch derartige schädliche und unästhetische Anhängsel ein gut Teil Saft nutzlos entzogen wird. Bei schlecht gepflegten Sträuchern steht ferner fast regelmäßig ein Dritter der Augen der einzelnen Zweige fast völlig frei, ^.rese Nacktheit ist aus Luftmangel zurückzuführen, der durch Wegschneiden alles dessen, wodurch derselbe veran- laßt^oder begünstigt wird, abgestellt werden muß. Luft wi Innern der Sträucher ist eine wichtige Bedingung der Fruchtbarkeit beim Beerenobst. Endlich treiben die Sträucher in jedem Jahre mitunter sogar eine ganze ' von Wurzelschößlingen. Sie sagen uns, daß sie dre Stelle des alten Holzes einnehmen wollen. Entfernen w:r darum recht zeitig das lebensmüde, altersschwache
^!^" ^ jungen, kräftigen Triebe einrücken; alle noersliissigen Wurzelschößlinge dagegen dürfen nicht entnommen. Es ergeben sich demnach drei wichtige Be- den Stachel- und Johannisbeersträuchern:
. Jährliche innere Toilette. 2. Herstellung genügenden Luftmaterials. 3. Erneuerung des Fruchtholzes.
Stachel- und Johannisbeeren kommen in allen Lagen dewirkt die nördliche Lage einen weniger ■ J. ",-,^^oE^t der Früchte und eine bertjältniS- e Im Freiland pflanzt man "der in Reihen im Quarre. Bei Rmifr^ oberen Abständen lassen sie sich auch als vorteilhaft verwenden. So pflanzt Ein Ä’Ä beispielsweise gerne zwischen Wein, Pflaumen und .Kirschen. Im Quarre empfiehlt sich ein Einzelabnand von 1 Meter und ein Reiheabstand von 2 S”S® »--»d-s »Stiom ÄTur“«S dann aber auch zur Erleichterung der ®ri b 0 ^ Bodens, beim Schnitt und bei
Um möglichst rasch zu ansehnlichen Sträuchern zu gelangen, legt man vielfach die Stecklinge zu dreien vereinigt 15—18 Zentimeter von einander entfernt. Ueber dem Boden werden sie auf 2 Augen eingestutzt. Auf diese Weise erhält man im ersten Jahre sechs zusammengehörige Triebe, die beim Beschneiden in einer Höhe von 25 bis 30 Zentimeter vom Boden belassen werden. Je nach Stärke schneidet man darauf alljährlich die Leit- zweige auf 8 bis 10 Zentimeter zurück. Die Seitenschosse kürze man gleichzeitig bis auf wenige Augen ein, achte aber bei dieser Tätigkeit darauf, daß die kleinen Fruchtspieße, deren namentlich die Johannisbeersträucher eine Menge treiben, nicht abgedrückt werden. Haben die Sträucher sich gut entwickelt, was bei einer Höhe von etwa 1 Meter Wohl der Fall sein wird, so schneide man den letztjährigen Trieb der LeitzN^ige jedes Jahr auf % bis % zurücki Von großer Wichtigkeit für die Kraft und Fruchtbarkeit der Sträucher ist das bereits erwähnte Der- jüngungsverfahren, wobei alle 4—5jährigen Zweige über dem Boden abgeholzt werden, um den darauf bald sich einstellenden jungen Trieben d?n Platz zu räumen. So behandelte Sträucher, die übrigens der Bodenbearbeitung und des Düngers nicht entbehren dürfen, können unter Umständen ein ziemlich hohes Alter erreichen und sich lange fruchtbar erweisen. Dürftige Triebe und event. Pilze am Fuße der Sträucher zeigen deren Absterben an. Zum Auswerfen solcher Sträucher ist es dann Zeit. Die neue Pflanzung muß im neuen Boden erfolgen. Zur Erlangung fortdauernder Fruchtbarkeit der Stachel- und Johannisbeeren steche man im Herbste etwa 40 Zentimeter vom Stocke entfernt, senkrecht mit dem Spaten in den Boden und nehme ringsum einen Stich Erde heraus. Die entstandene Grube wird darauf mit gutem Kompost gefüllt und die ausgehobene Erde vom Beete entfernt. Eine jährliche Frühjahrsdüngung mit etwas verdünnter Jauche oder Latrine leistet ebenfalls treffliche Dienste. Ferner ist es zweckmäßig, den Boden unter dem Busche mit kurzem Dünger zu überlegen, damit jener gleichmäßig feucht bleibt.
Im allgemeinen erfordern die schwarzen Johannisbeeren dieselbe Behandlung wie oben angegeben, jedoch ist zu berücksichtigen, daß sie eine geringere Lebenskraft besitzen und bei nicht sorgfältiger Pflege weniger lange aushalten. Ihre Zweige haben eine ausfallende Neigung, schon nach einigen Jahren der Unfruchtbarkeit und dem Absterben anheimzufallen. Man verjünge also hier rechtzeitig.
Die Stachelbeeren im besonderen haben einen fürchterlichen Feind in der Stachelbeerblattwespe (Tenthredo grossularia), deren Larven in tveniger als 8 ^^n die Sträucher ihrer Blätter völlig berauben können. Ein vorzügliches Mittel gegen diesen Schädling ist Kalkstaub.
Die meisten Feldarbeiten
sind durch Schnee oder Frost gehemmt, nur die besonderen sind fortzusetzen, als: das Dungfahren, Bodenmengen, oder den Schaden abwenden, welchen Windwehen und Tauwetter auf den Feldern machen. Ruht auch für ge- Wöhnlich im Januar die Hand des Landwirts, so soll aber doch sein Geist dafür tätig sein und darauf Bedacht nehmen, welche Verrichtungen und Verbesserungen im nächsten Jahre vorzunehmen, welche Geschäftszweige zu vergrößern sind, Weil sie einträglich waren, und welche zu vermindern sind. Die Ziffern geben bei diesen Ueber- legungen die beste Rechenschaft. Es soll nicht allein der Verwalter fremder Wirtschaft, oder der Eigentümer auS- gedehnter Gründe und vielfacher Wirtschaftszweige seine Rechnungen anlegen, aus denen die Ergebnisse seines Haushalts zu ersehen sind sondern auch der kleine Gruud- cigentümer. Es kommt so mancher rückwärts und begreift es nicht. Wie will und kann er Hilfe schaffen, wenn er nicht die wunde Stelle kennt? Die Rechnung wird sie ihm zeigen.
Die besten Vorfrüchte für Kleegras sind gut gedüngte Rüben und Kartoffeln, da es für Klee« gras noch mehr als bei Rotklee darauf nnkommt. daß der Samen in einen möglichst lockeren, an leicht ausnebmbaren Nährstoffen reichen Boden gelangt, es ist daher gänzlich verfehlt, Kleegras nach Getreide zu bringen, wie dieses bisweilen geschieht. Man sät das Saatgemenge wie die Reinsaat gewöhnlich unter eine Schutzfrucht an, und zwar sowohl unter Sommerung als auch unter Winterung.
Was ist beim Anbau der Braugerste zu beachten.
Gute volle Braugerste ist eigentlich nur zu erzielen, wenn sie nach Hackfrüchten gebaut wird. Gerste nach Winterung wie es die Dreifelderwirtschaft fordert, wird nie die höchsten Erträge geben. Jedenfalls aber stillte überall zur Gerste bereits im Herbst eine,,mäßig tiefe Saatfurche gegeben werden. Düngung auf 1 Morgen (^ Hektar). Im Winter sind pro Morgen 2—3 Ztr. Kainit auszustreuen. Für Frühjahr ist als sachgemäße Düngung zu empfehlen: l1-—2 Ztr. Ammoniaksuperphosphat mit 6 Pfund Stickstoff und 12 Pfund wasserlöslicher Phosphorsäure, die am vorteilhaftesten gleich bei den ersten Frühjahrsarbeiten eingeeggt und gegrubbert werden. Eine Düngung mit Superphosphat-Phosphorsäure ist notwendig, damit der Proteingehalt der Gerste nicht zu hoch steigt, und weil die Gerste in der ersten Hälfte ihrer an sich schon kurzen Vegetationszeit den größten Teil ihres Bedarfes an Phosphorfäure wie an Stickstoff deckt und deshalb auf leicht lösliche Phosphorsäure angewiesen ist. Nach gemacht, n Versuchen erscheint es richtiger, den Stickstoff zur Gerste in Form von Ammoniak, nicht als Chilisalpeter, zu geben, da nach Salpeter die Körner sehr leicht flach und spitz werden. Für die Futtergerste kommt dieselbe Düngung in Betracht, doch kann auch hier ohne Schaden 1%—2 Ztr. reines Superphosphat mit 18 Pfund wasserlösl. Pl os- pborsäure und der Stickstoff in Form von Salpeter mit etwa 1 Ztr. pro Morgen gegeben werden.
Eine sehr gute und billige Vorbereitung für die Tiefkultur ist der Anbau von Hülsenfrüchten, z. B. von blauen und weißen Lupinen, die mit ihren Wurzeln tief in den Boden eindringen, den Untergrund aufschließen und durch ihre Wurzelrückstände die Ackerkrume mit nahrhaftem Hnmus bereichern.
Düngerausbreitung.
Ist die Düngerstätte überfüllt, so wird der Dünger direkt auf den Schnee gefahren. Dieser Dünger muß aber sofort ausgebreitet werden, denn würde man ihn nur in Haufen setzen und käme über Nacht ein starker Schneefall, der alle Haufen überdeckt, so daß an ein Ausbreuen am nächsten Tage nicht gedacht werden kann und muß daher diese Arbeit verschoben werden, so würde, falls plötzlich Tauwetter eintritt, der größte Teil der löslichen Stoffe in den Boden geschwemmt werden lind an der Stelle sogenannte Geilstellen entstehen, das heißt, man würde im Frühjahr genau angeben können, wo jeder Haufen.gelegen und einen ungleichen Stand der Pflanzen haben. '
Die Düngerstätte
liegt gewöhnlich an der niedrigsten Stelle des Geböfts, resp, es hat sich durch die Düngerabfuhr und den Wasserzufluß allmählich eine Vertiefung gebildet, wohin alles von den Dächern der Ställe und anderen Gebäuden abfließende Regenwasser seinen Weg nimmt, welches nun den Dünger auslaugt und dann wohl noch sorgsam in den Sraßengraben abgeleitet wird. Mit der orannen Düngerjauche fließen aber die wertvollsten Bestandteile des Düngers, die Pflanzennährstoffe, fort. Bei starkem Wasserzufluß kann allerdings die braune Jauche so verdünnt sein, daß die Abfuhr im Jauchefaß nicht lohnt, darum muß man dafür sorgen, daß nicht m viel Regenwasser hineinkommt. Man muß die Düngerstätte mit einem gepflasterten oder gemauerten Gerinne umgeben, der Mauerkranz — die Rollichicht muß nach außen geneigt sein, um das wilde Wmw- artv^n:-. Auch find