ander standen Herr und Frau Uebe deshalb auf, um Licht anzuzünden, beide fielen jedoch taumelnd zu Boden, wo sie bewegungslos und röchelnd liegen blieben. Hierdurch erwachte die in einem Nebenzimmer schlafende erwachsene Tochter, welche schleunigst hinzueilte, und die Fenster aufriß. Die Eltern kamen dadurch wieder zur Besinnung und bemühten sich um die beiden Töchter, die erst nach längeren Bemühungen wieder zu sich kamen. Die kleinste war bereits völlig steif geworden. Aerztliche Hülse war alsbald zur Stelle. Alle vier Personen klagten den ganzen Tag über hestige Kopsschmerzen. Die Ursache des Unglücks ist aus den Bruch eines Gasrohres, welches außerhalb des HauseS liegt, zurückzuführen. Das Gas hat sich einen unterirdischen Weg durch das Gemäuer hindurch bis in das Haus und in das Schlafzimmer hinein gebahnt.
Nieder-Eschbach, 21. Dezember. Hier wurde srüh morgens der in Trier geborene Drcschmafchinenarbeiter Heckler tot ausgesunden. H. hatte am Abend vorher ein Gläschen über den Durst getrunken, rutschte an der Böschung des Esch- bachr hinunter und fiel mit dem Kopse inS Wasser.
Worbis, 21. Dez. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute früh 6.30 Uhr in der Kuntzeschen Brauerei hierselbst. Der im Maschinenraum beschäftigte Brauer Lackner, ein gebürtiger Bayer, wurde vom Treibriemen der Maschine ersaßt nnd herumgeschleudert. Der eine Arm wurde dem Unglücklichen aus dem Gelenk gerissen, so daß derselbe amputiert werden muß. Sodann trug der Verunglückte Verletzungen an beiden Beinen, die glücklicherweise nur leichterer Natur sind, sowie eine Quetschung davon. Lackner wurde in die Universitätsklinik nach Göttingen gebracht. Ob der Verunglückte mit dem Leben davonkommt, kann noch nicht vorausgesagt werden.
Aus dem Spessart, 19. Dezember. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich aus der Straße zwischen Wiesen und Heinrichsthal. Dort fuhr mit seinem Wohnwagen der Gymnastiker Karl Ludwig Weitzel aus Offenbach, srüher in Frankfurt wohnhaft, in der Richtung nach Heinrichsthal. An einer steinigen Stelle der Straße kam der Wagen plötzlich ins Wanken und drohte umzustürzen. Weitzel sprang aus dem Wagen heraus und stemmte sich dagegen, um den Fall auszu- halten, dabei wurde er unter dem Wagen begraben und auf der Stelle getötet.
Weißenfels, 20. Dezember. Der 15jährige Sattlerlehrling Franke verübte gegen die 60jährige Händlerin Günther einen Raubmordversuch. Nachdem er in die Wohnung unter dem Vorwands Lebensmittel zu taufen, gedrungen war, brächte er der Frau zehn Messerstiche an Hals und Brust bei und stahl ihr Portemonnaie, in dem sich — dreißig Pfennig befanden. Bei Franke wurde ein Romanheft gesunden: „Die Abenteuer eines Piratenkapitäns", dessen Lektüre ihn nach seiner eigenen Angabe zu dem Verbrechen verleitet hat. Frau Günther ist lebensgefährlich verletzt. Franke wurde dem Untersuchungsrichter vorgesührt.
Diez, 19. Dez. Bei dem Bahnübergang der Staatsbahnstrecke zwischen Diez—Limburg, Posten 49 wurde in der Nacht vom letzten Mittwoch aus Donnerstag der diensthabende Schrankenwärter Wilhelm Reinhardt aus Freiendiez mit größeren Kopfwunden schwer verletzt ausgefunden. Der Mann erklärte den ihn srühmorgens in seinem Zustand zuerst entdeckenden Personen, nämlich dem Ablöser und dem Wächter des ZentralgesängnisseS, daß er gegen 1 Uhr nachts von mehreren Burschen überfallen und niedergeschlagen worden sei. Der Verunglückte konnte sich noch nach seiner bei der Burg Ardeck gelegenen Dienstwohnung begeben, er liegt aber seitdem in bewußtlosem Zustand darnieder. Die gerichtliche Untersuchung über diesen aufsehenerregenden Fall wird eifrig betrieben und verlautet, daß man den Tätern auf der Spur ist.
Fraukenberg, 22. Dezember. Im Walde bei Hommers- Hausen wurde der 82jährige Schneider Johannes Keßler von hier tot anfgesunden. Der Greis war unterwegs zusammen- gebrochen und ist dann erfroren.
Herborn, 22. Dezember. Beim Neubau der hiesigen Landespflegeanstalt stürzte gestern ein 26 Jahre alter Schlosser so unglücklich ab, daß er aus dem Transport nach dem Kraukenhaus starb.
Uermiscbt«.
— Vom Warenhausbrand in London wird noch gemeldet: Es waren 500 Angestellte und 500 bis 600 Käufer in dem Geschäft. Die Entstehung deS Brandes wird jetzt so geschildert: Eine elektrische Lampe war gesprungen und die glühenden Scherben auf eine AuSlage von Zelluloidkämmen gefallen, die auspraffelten und nahe Kattunstoffe mit einem Sprühregen übergossen. Das Feuer griff schnell um sich, und bald erloschen die Lampen. Einer der wackersten Helser war Minister Burns. Er wagte sich mit einem Postsack über dem Kops am weitesten gegen die Flammen vor. In der schlimmsten Lage befanden sich etwa hundert angestellte Mädchen im dritten Stockwerk. Mehrere hielten in der Verzweiflung das Fensterkreuz umklammert und machten Mine, in die Tiefe zu springen. Man hielt Tücher auSgebreitet und wars Betten und Teppiche übereinander. Eine Anzahl von Mädchen wagte auch den Sprung in die Tiefe, einige aber überschlugen sich dabei und brachen das Genick; andere wurden schwer verwundet in die Krankenhäuser geschafft. Als man alle Menschen in Sicherheit glaubte, erschienen aus dem Dach noch acht Männer, hinter ihnen schlugen die Flammen hoch in die Lust. Die Feuerwehr holte Leitern herbei, alle zu kurz! Man suchte zwei zusammenzubinden. Die Flammen rückten näher, die Männer drängten bis an den Mauerrand, jeden Augenblick schienen sie fallen zu wollen. Da sprang einer hinab, der zweite folgte. Die Hitze war nicht mehr auszuhalten. Alle sprangen sie nach, drei Stockwerke tief, und kamen mit geringen Verletzungen davon. Der Brandschaden beträgt über 20 Mill. Mark. — Bei den Rettungsarbeiten ereigneten sich einige hochdramatische Zwischensälle. Ein Buchhalter versuchte sofort, als er die Flammen emporsteigen sah, seine Geschäftsbücher in Sicherheit zu bringen. Es gelang ihm auch, mit einem Pack Bücher das Freie zu erreichen. Aber es fehlten noch einige Bücher, und deshalb eilte er in das brennende Bureau zurück. Eben hatte er auch den letzten Rest der Geschäftsbücher herausgebracht, als in dem Raum die Wände zusammenbrachen. Eine Kassiererin war durch das Feuer, das ihr plötzlich vor den Augen stand, so erschreckt, daß sie schleunigst flüchtete, ohne die Kasse, die mit mehreren tausend Schilling ungefüllt war, an sich zu nehmen. Ihr erster Gedanke war, der Geschästsvorschrift zu folgen, und so verschloß sie die Kasse und nahm nur den Schlüssel mit sich. Als sie das Freie erreicht hatte, besaß sie nicht einmal einen Penny zur OmniSbuSfahrt. Auf die gleiche Art sind die enormen Summen der Tageseinnahmen in den Flammen geblieben. Gestern wurde ein Appell der Angestellten verunstaltet. Dabei ergab sich, daß außer zwöls alle anwesend waren. Der Chef wollte vor den Trümmern des niedergebrannten Warenhauses eine Ansprache an seine Angestellten halten, um die armen Leute über ihre Zukunft zu beruhigen und zu trösten. Aber schon nach den ersten Worten wurde seine Stimme von Tränen erstickt. Ein großer Teil der Angestellten brach gleichfalls in Tränen aus. Das Elend unter den 400 Angestellten, die plötzlich arbeitslos geworden sind, ist sehr groß. Fünfzig wurden bereits von anderen Warenhäusern eingestellt. Die Angestellten der Londoner Warenhäuser haben eine Hülfsaktion eingeleitet. Die erste Sammlung ergab 8000 Mk.
— (Schwerer K l ein b ah n u n s al l.) Aus der Klein- bahnstrecke Königsdors—Altfelde entgleiste infolge Maschinen» bruches bei Altfelde eine Lokomotive. Die Maschine fuhr den Damm hinunter und tippte um, wobei der Kessel explodierte. Der Heizer wurde sofort getötet. Der Maschinenführer ist im Krankenhause seinen Verletzungen erlegen.
— Ennigerloh (Bez. Münster), 20. Dezember. Heute nachmittag ist auf dem Neubau der Zemcntsabrik „Annalicse" ein Baugerüst eingestützt und hat die darauf befindlichen Ar
beiter verschüttet. Drei Tote und 6 Schwerverletzte sind unter den Trümmern hervorgeholr worden. Mehrere der Arbeiter sollen sich noch unter den Trümmern befinden.
— Bremen, 23. Dezember. Heute früh 6 Uhr 25 Min. fuhr infolge Ungangbarkeit der Weiche bei Station Scheesel ein Hamburger D-Zug aus den Schluß eines Güterzuges. Die Lokomotive deS D-ZugeS, sowie mehrere Wagen deS Güterzuges wurden beschädigt. Sämtliche Telegraphenlinien sind abgeschnitten. DaS Gleis bleibt voraussichtlich eine Stunde gesperrt. — Bei dem Eisenbahnunglück sind getötet worden Rittmeister Ernst v. Maltzahn vom 9. Dragoner- regiment in Metz und Oberstabsarzt Dr. Otto Kölping von der Provinzialheilanstalt in Bonn. Leicht verletzt wurden die Gattin des getöteten Dr. Kölping, Oberarzt Dr. Braundors aus Rostock und ein Packmeister.
— Stolp (Pommern), 23. Dezember. Im Schlawer Gefängnis versuchte die Kindesmörderin Juhl die Frau deS Gesängnisinspektors zu erwürgen. Der aus die Hilferufe herbeieilende Inspektor erschoß die Täterin.
— Leip zi g, 22. Dezember. In Wittenberg (Bezirk Halle) wurde heute in ihrer Wohnung die aus Berlin stammende Lina Gebeler von ihrem srüheren Zuhälter, dem Bäckergesellen Schröder durch drei Revolverschüsse getötet. Er stellte sich daraus der Polizei und gab an, daß er die Tat aus Eifersucht begangen habe.
— Kiel, 23. Dezember. Der heute morgen hier eingetroffene Dampfer Phönix hat von der aus sieben Mann bestehenden Besatzung des gestern nachmittag vor der Einfahrt in den Aalesund gestrandeten Dampfers „Kanal" drei Mann gerettet, von denen einer bald starb. Die übrigen vier Mann sind ertrunken.
— Christiania, 22. Dezember. Auf der Liaboer Landstraße fand eine entsetzliche Dynamitexplosion statt. Drei Arbeiter wurden aus der Stelle getötet und einige schrecklich zugerichtet.
— (Anekdoten von Leopold II.) Man weiß, daß der verstorbene König der Belgier sehr witzig war unb manche seine, oft aber auch recht scharfe Worte gesprochen hat. — Bei dem Attentat Rubinos, am 15. November 1902, das keinen Schaden anrichtete, wäre beinahe der Hosmarschall getroffen worden; daraus sagte der König zu ihm: „Aber waS haben Sie denn angestellt, daß man so auf Sie schießt?" — Der Dekan von Ostende erlaubte sich einmal, in einem Gespräch mit dem König auf dessen Verhältnis zu der Baronin Vaughan anzuspielen: „Man hat mich versichert . . es wird behauptet. . es geht das Gerücht . . man sagt, daß — Ew. Majestät eine Maitresse habe." Der König sah dem Dekan schars ins Gesicht und erwiderte: „Dasselbe, Herr Dekan, hat man mir von Ihnen gesagt, aber — ich habe eS nicht geglaubt!" — Als kürzlich die Operation vorgenommen werden sollte, von der man die Rettung erwartete, wollte Dr. Thiriar dem König Mut machen und erzählte ihm, daß die Gräfin X. dieselbe Operation durchgemacht habe und sich durchaus wohl befinde. „O", erwiderte der König lachend, „die ist so häßlich, daß selbst der Teusel nichts von ihr wissen will!'
Kirchliche Nachrichten.
Am 1. Christtag.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Superintendent Feyerabend.
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Schesser.
Am Schlüsse des NachmittagsgottesdiensteS Vorbereitung zum heil. Abendmahl für den 2. Festtag.
Abends 6 Uhr: Liturgischer Gottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors.
Am 2. Christtag.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Superintendent Feyerabend.
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Gonnermann.
Petersberg.
Am 2. Christtag Vormittags V2IO Uhr: GottrSdiennst mit Abendmahl.
Hierzu eine Beilage.
Heute mittag gegen 1 Uhr entschlief sanft nach langem Leiden meine liebe Mutter, unsere gute Schwester, Schwiegermutter und Großmutter
Frau Marie Euler geb. Werner im 60. Lebensjahre.
Hersfeld u. Offenbach,
den 24. Dezember 1909.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Jean Euler.
Die Beerdigung (Folgeleiche) findet Montag den 27. Dezember, nachmittags 3 Uhr, statt.
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Beweis:
Ich bescheinige hiermit, dass von der Firma Jonass & Co., Berlin, innerhalb eines einigen Monats 4931 Aufträge von alten Kunden, d. h. solchen, die schon vordem von der Firma Ware bezogen haben, ausgeführt worden sind. In der vorstehenden Zahl 4931 sind nur die Bestellungen enthalten, die der Firma brieflich von den Kunden selbst überschrieben sind.
Berlin, 1. Februar 1909.
gez. L. Riehl beeidigter Bücherrevisor.
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