ausgesprochen haben und die Bestrebungen der Anarchisten verdammen. Man wird ganz besonder- aber in Rumänien, wo e» leider vor nicht gar langer Zeit eine schwere Bauern- i revolution gab, sehr aus der Hut sein müssen, daß nicht neue anarchistische Umtriebe stattfinden und zu einer Gefahr für die bestehende Ordnung werden. In Staaten, wie Rußland und Rumänien haben anarchistische Attentate sehr leicht auch noch die üble Folge, daß sie die ruhige Entwickelung des politischen Lebens hemmen, indem sie zu schweren Gegenmaß- regeln Veranlassung geben, und das politische Urteil der Parteien ungünstig beeinflussen, denn wenn auch schließlich die anarchistischen Attentate allgemein verurteilt werden, so muß doch die Staatsgewalt mit dem Vorhandensein der anarchistischen Gefahr rechnen. Ob das Attentat ans den koreanischen Ministerpräsidenten als ein rein anarchistisches bezeichnet werden kann, darüber kann man sich jetzt nicht ent- scheiden, denn in Korea kämpft die nationale Partei gegen die drohende Einverleibung KoreaS in daS japanische Reich, und der Ministerpräsident Ii könnte in dem Verdachte gestanden haben, das WerHcug der rücksichtslos vorgehenden japanischen Regierung zu sein. Da Korea ein zerrüttetes und sehr rückständiger Etaatswesen ohne große militärische Machtmittel ist, und die Japaner für Korea zur Beschönigung ihrer Herrschaft-, bestrebungen eine ganze Anzahl Reformen eingesührt haben, so ist eS übrigens auch schwer zu sagen, daß es für Korea ein Unglück sei, wenn eS unter die Herrschaft Japans geraten sollte. Der Kamps der koreanischen Nationalpartei gegen die japanische Herrschaft kommt daher wahrscheinlich zu spät, und die Mordanschläge gegen japanische und koreanische Staatsmänner dürften an dem Schicksale Koreas wohl nicht» ändern.
Ein neuer Afrikadampfer.
Die „Hamburg-Bremer Afrika-Linie" in Bremen, welche in Gemeinschaft mit der Woermann-Linie und der Hamburg- Amerika-Linie in Homburg den Dienst nach West- und Ost- osrika versieht, hat in diesen Tagen ihre Flotte um einen neuen Dampfer vermehrt, der am 18. Dezember seine erste Reise nach der Delagoa-Bay angetreten hat. Der Dampfer ist auf der Wnst deS Bremer Vulkan in Vegesack gebaut. Er hat eine Länge von 418 Fuß, eine Breite von 54 Fuß 3 Zoll und eine Höhe von 30 Fuß 8 Zoll und ist für dir höchste Klaffe des Germanischen Lloyd auS Stahl gebaut. Bei einem Tiefgang von 25 Fuß 7 Zoll erreicht das Schiff eine Tragfähigkeit von 8700 TonS. Zwecks schnellen Löschen- und LadenS ist der Dampfer mit 23 Ladebäumen, von denen einer für Lasten von 40 TonS und einer für Lasten von 25 Tons eingerichtet ist, ausgerüstet. Zur Bedienung dieser Ladebäume sind 15 Ladewinden aufgestellt. Außerdem sind noch zwei Bäume vorhanden, welche zur Handhabung zweier aus dem Hinterdeck untergebrachter Dampfbarkaffen dienen. Dampf- ankeispill, Dampssteuerapparat modernster Konstruktion, elck- trische Beleuchtung für Lösch- und Ladezwecke, sowie für sämt- liche Räume sind vorgesehen. Eine große Anzahl von Brand- ungSbooten dienen zum Landen der Ladung an der asrikani- schen Küste. Der Dampfer trägt den Namen „AnSwald".
Von besonderem Interesse ist die Maschinenanlage insofern als dieser Dampscr der erste transatlantische Dampfer ist, welcher mit der größten in Deutschland gebauten Heißdamps- Ventilmaschine für Handelsdampser arbeitet. Um diese Anlage kennen zu lernen, hatten sich zu der Probefahrt deS Dampfers von Bremerhasen nach Hamburg außer Herren deS Aufsicht», rats der H. B. v. L. zahlreiche Fachleute, darunter Direktoren und Oberinspektoren unserer ersten Reedereien sowie auch Pro- sessoren verschiedener Fachschulen eingefunden. Allen boten die maschinellen Neuerungen viel interessante Anregung.
Die Maschine ist eine Doppel-Compound-Maschine, welche normal 2650—3200 Pferdestärken leistet und dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 11—12 Knoten erteilt. Sie ist als Heißdampsventilmaschine vom Bremer Vulkan nach den von ihm erworbenen Patenten für Ventilsteuerung von Lcntz erbaut worden. Die Kessel haben eine Heizfläche von 675 qm, 13,5 Atmosphären Druck, arbeiten mit künstlichem Zug, System Howden, und find mit Rauchrohrüberhitzern, Patent Dr. Wilhelm Schmidt, ausgerüstet, welche eine Dampftemperatur von 370 Grad erzeugen.
Außerdem find für die Maschine Abdampfentöler vorge- sehm, so daß eine absolut sichere Reinigung der SpeisewafferS stattfindet.
Die ganze Anlage arbeitete aus der Probcsahrt tadellos. Durch Nehmen von Jndikatordiagrammen an den Zylindern, als auch durch Nehmen von Torsion-diagrammen an der Welle wurde sowohl die indizierte als auch die effektive Seist- ung der Anlage festgestellt und hierdurch der Beweis erbracht, daß bei dieser Anlage der Nutzeffekt ein wesentlich bedeuten- derer ist, alk bei Naßdampfschiebermaschinen. Ein bedeutender Vorteil liegt ferner in der Einfachheit der fast reibung-srcien Steuerung, durch welche die Abnutzung der Steuerorgane gleich Null wird. Ferner wurde festgestellt, daß die Manövrier- fähigkeit der Maschine eine außerordentlich große ist.
Die bei der Probefahrt erzielte Leistung betrug bi- 3650 HP. Die erreichte Geschwindigkeit bis 13,5 Knoten.
Um hie Krtschssl des Sechs Leopold.
Die Prinzessin Luise ist, wie gemeldet, in Brüssel ange- kommen — ihren Freund Mattasitjch hat sie in Köln zurück» lassen müssen, weil sie sonst keine königliche Aufnahme am Hofe gesunden hätte. Aus dem Brüsseler Bahnhof hatte sich ein ganzer Hausen solcher Leute eingefunden, die sich so leicht sür irgendetwa- begeistern lassen, und ihr BegrüßungSgefchrei mag bei der Prinzessin möglicherweise freudige Verwunderung darüber erregt habm, wie beliebt sie aus einmal geworden ist. Sie wird wahrscheinlich daraus srischen Mut gewinnen, sich mit voller Wucht in den Erbschaft-streit zu stürzen. In ihrem Bemühen wird sie sehr energisch von ihren vielen Gläubigern unterstützt, die endlich zu ihrem Gelde kommen wollen. Die Herren beabsichtigen, jedm irgendwie erreichbaren Teil der Hinterlassenschaft Leopold» mit Beschlag zu belegen. Sie, bezw. ihre belgischen Rechtsanwälte wollen namentlich in die Kulissen der vielgenannten Aktiengesellschaft hineinleuchten, die, wie behauptet wird, kurz vor dem Tode deS KönigS lediglich zu dem Zwecke gegründet worden ist, da- Vermögen des ver» storbenen Monarchen vor den forschenden Augm der Recht». Vertreter seiner legitimen Töchter zu verbergen.
Die Frage: „Wo ist da- Geld?" ist nunmehr die Haupt- frage geworden. Die Behauptung des Königs Leopold in feinem Testamente, daß er nicht mehr besitze als dir 15 Mill., dir er seinen Lindern hinterläßt, erregt allgemein ungläubige- Kopfschütteln. Vielmehr nennt man vierzig, sechzig und selbst zweihundertfechzig Millionen. Daß bet König ein gewaltige» Vermögen erworben hat, ist gewiß, war er doch einer der Hauptaktionäre der Surzkanal-Betriebsgejellschast und sollen Nch doch feine Gewinne im Kongo allein auf 130 Millionen
belaufen haben. Allein einen sehr beträchtlichen Teil seines Reichtums soll er ja an die Baronin Vaughan verschenkt haben und eS entsteht nun die Frage, ob diese Schenkungen rechtsgültig sind oder nicht.
Die Frage der RechtSgültigkeit der Schenkungen wird in dem gegen die Baronin eingeleiteten Prozeß zur Entscheidung kommen und hierbei dürste auch in die Wagschale fallen, ob die Ehe deS KönigS mit der Baronin als gesetzmäßig betrachtet wird oder nicht. Der juristische Beirat der Baronin, der bekannte Eozialist Advokat Picard, erklärte einer Journalistin: „Ich kann Ihnen in aller Ruhe sagen, die Baronin ist regelrecht kirchlich mit dem König vermählt worden." Jedenfalls sei die Affäre noch nicht zu Ende, sie fange erst an. Die königliche Familie scheine gegen daS Testament protestieren zu wollen, um den Anteil der indirekten Erben, nämlich der beiden Knaben der Baronin Vaughan, durch das Gericht herabsetzen zu lassen. Baronin Vaughan werde den Kamps ausnehmen.
Schon ehe die Prinzessin Luise in Brüssel anlangte, hatte die Baronin dem Drängen deS Hofmarschalls Baron Goffinet nachgegeben und Brüssel verlassen. Sie ist nach Pari- gefahren. Einer Anzahl Journalisten, die dort aus sie warteten und auSsragen wollten, sagte sie, eS sei noch nicht die Zeit zu Aufklärungen, „vielleicht später".
Ein ehemaliger Stallbursche des Königs Leopold, namens Gietro Donati, hat AuSsragern erzählt, die Trauung habe Mitte Februar in der Kapelle Bordighera an der italienischen Grenze stattgefunden, Trauzeugen seien ein Adjutant und der MajordomuS des Königs gewesen,. während er — Donati — mit dem Automobil in der Nähr der Kapelle wartete. Ein Vertreter des „Matin" fuhr nun nach Bordighera, fand aber dort keine Spur eine- Traudokuments. — Nach einer anderen Darstellung soll dagegen die Trauung erst kurze Zeit vor dem Tode Leopolds in Laeken stattgefunden haben. Eine dahingehende Andeutung machte auch der gerichtliche Berater der Baronin, der außerdem erklärte: Die Nachricht, Schloß Ballincourt sei mit Beschlag belegt, kenne ich; es war Unsinn, denn daS Schloß ist nicht ein Geschenk deS KönigS, sondern von Madame Vaughan mit ihrem eigenen Gelde getauft. Ihr Advokat, mein Pariser Kollege Feldmann, wird wissen, was er zu tun hat. Wäre ich in PariS, so wären keine Siegel angelegt worden. Und noch etwaS: der Tittel „Baronin Vaughan" ist nie ganz regelrecht gewesen, und die Dame hat ihn nur auf Wunsch deS KönigS geführt. Vom Tage der Beerdigung deS KönigS an nennt sie sich wieder Madame de Lacroix. Sie sehen, wie gut sie ihre Situation zu würdigen versteht.
Am ]n- und Busland.
Berlin, 23. Dezember 1909.
Se. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag im Neuen PalaiS die Vorträge des Chefs des Generalstabs der Armee und deS Kriegsministers entgegen.
Zur weiteren Einschränkung des Lehrermangels an den preußischen Volksschulen wird die Unterrichtsverwaltung auch im nächsten Jahre mit der Errichtung neuer Seminare für Lehrer und Lehrerinnen vorgehen, und der kommende Etat dürfte die hierfür erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen. Denn eS hat sich die andauernde Vermehrung der Seminare und Präparandenanstalten in den letzten Jahren als daS beste Mittel erwiesen, durch den ständig steigenden Besuch dieser Anstalten ein Herabgehen deS Lehrermangels zu erzielen. Durch die im letzten Etatsjahr geschaffenen neuen 12 Seminare hat sich der Bestand an Schülern und Schülerinnen in den vorhandenen 195 Anstalten auf rund 18 000 erhöht. Bekanntlich hat der Landtag wiederholt die vermehrte Errichtung von Lehrerinnen-Seminaren gewünscht; und diesem Wunsche wurde auch im vorigen Jahre durch zwei neue Anstalten Rechnung getragen. Auch im nächsten Jahr werden, obwohl die Gesamtzahl der neuen Anstalten die de- Vorjahres nicht erreicht, zwei neue Seminare für Lehrerinnen geschaffen werden, und zwar je eins für evangelische und katholische Schülerinnen. Man hofft, aus diese Weise für die Schulen aus dem Lande mehr Lehrkräfte zu gewinnen, indem man Seminaristinnen aus kleinen Städten und vom Lande aufnimmt, die auch über die Pflichtzeit hinaus an den ländlichen Schulen verbleiben. Bei der Besetzung von Lehrerstellen mit Lehrerinnen wird selbstverständlich allen berechtigten Interessen der Lehrer Rechnung getragen. Die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen ist unter Berücksichtigung der durch Lehrerinnen verwalteten auf 1000 zurückgegangen, nachdem sie sich noch im Jahre 1908 aus 1345 belaufen hatte.
Ueber weitere Proteste gegen die Verhetzung Englands mit Deutschland wird aus London gemeldet : Der Präsident der Lokalverwaltung BurnS hielt in Battersca eine Rede, in der er die in einem Londoner Blatte veröffentlichten Artikel de- Sozialisten Blatchford verurteilte und ihn einen Unruhestifter nannte, der zu seiner eigenen Schande den Krieg mit Deutschland, daS Englands friedlicher Nachbar fei, als unmittelbar bevorstehend Hinstelle. Es fei mit allem Nachdruck zu verdammen, daß Blatchford in mutwilliger Weise mit einem gefährlichen Feuerbrand umgehe, den die Torypresse benutze, um ein Unheil anzurichten, wie eS größer England oder irgend ein anderes Land niemals treffen könne. Die Regierung werde beschuldigt, daß sie die Flotte vernachlässige. England habe aber genug Kriegsschiffe, um seine Küsten unverletzt und unverletzbar gegenüber jedem Feinde, wer es auch sein möge, zu erhalten. Es sei Englands Ausgabe, mit Deutschland, da» einer seiner vorzüglichsten Kunden sei, die besten Beziehungen zu unterhalten. Schatzkanzler Lloyd- George erklärte in seiner Rede, die er in Slanelly hielt, den Versuch, Unsrieden zwischen Großbritannien und Deutschland zu stiften, für verbrecherisch. Diejenigen, die um eines zeit- weiligen ParteivorteilS willen einen folchen Versuch unternähmen, seien Verräter an ihrem eigenen Land und an der Menschheit.
In Griechenland verschärft sich die innere Lage wieder. Es ist ein neuer Konflikt zwischen der Kammer und dem Offizier-verband au-gebrochen, waS zunächst den Rücktritt deS Kriegsministers LapathiotiS zur Folge gehabt hat, von anderer Seite wird allerdings die Meldung von der Demission de» Kriegsminister» al» verfrüht bezeichnet. Es wird einstweilen über die Beilegung der Krisis verhandelt, doch lehnt die Partei TheotikiS, welche die Kammermehrheit bildet, jeden «»»gleich ab, während der Offizier-verband feiner- feit- erklärt, er werde da» von ihm begonnene Werk unerschütterlich weiterführen. E» heißt, der König selbst bemühe sich um eine friedliche Lösung der Krisis. Streits tauchen Gerüchte über eine bevorstehende Militärdiktatur auf.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 15. Dezember beendeten BerichtSwoche gelangte die amtliche deutsche Erntestatistik über die in diesem Jahre erzielten Erträge zur Veröffentlichung. Sie weist für Weizen, Hafer und Gerste ungefähr die gleichen Mengen auf wie im Vorjahre, dagegen übersteigt die Roggenernte das vorjährige ungewöhnlich groß gewesene Ergebnis noch um 700 000 Tonnen. Man ist aber der Ansicht, daß daS in diesem Jahre geerntete Getreide, insbesondere der Roggen, zu einem anormal hohen Prozentsatz minderwertig ist und ein sehr großer Teil des diesjährigen Getreides erheblich weniger Mehl beim Mahlen ergibt alS das letztjährige. Ausgesührt wurden bisher an Roggen etwa die Hälfte, an Weizen etwa 3/< der vorjährigen Mengen, die exportierte Ware bestand aber auS dem besten Getreide, und dies hat zu dem am Berliner Markte sich zeigenden Mangel an lieferfähiger Ware beigetragen. Die hohen Erntezahlen haben infolgedessen einen wesentlichen Einfluß auf die Preisgestaltung nicht auSüben können. Für Weizen bot die Festigkeit der amerikanischen Märkte, welche durch kleine sichtbare Bestände bedingt ist, eine gute Anregung, weil bei der für Deutschland notwendigen Einfuhr ein Anpassen der hiesigen Preise an die höheren Auslandspreise in gewissem Grade erfolgen muß. Die Notierungen gewannen daher ziemlich 3 Mark. Dagegen mußte Roggen wegen der großen Warenfülle bei ruhigem Geschäft 2 Mark, für nahe Lieferung sogar etwas darüber, nachgeben. Damit erweiterte sich die Wertdifferenz zwischen beiden Brotfrüchten ziemlich ansehnlich. Hafer ist bisher in stärkerem Maße zum Export gelangt als im Vorjahr, und die Provinz drängt mit Angebot nicht. So kam es, daß dieser Artikel trotz geringen GeschästcS etwas teurer wurde. Aus Mais wirkten argentinische Klagen über Frostbeschädigungen befestigend. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 220,25 Mk., Roggen 172,75 Mk., Hafer 160,50 Mk., Mais 153,00 Mk.
Bus Provinz u. Nackbargeblet.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Referendar Bartmuß zum Gerichtsaffessor, die Rechtskandidaten Caspar, Saenger und Lehn zu Referendaren. — Versetzt: Der Gerichtsvollzieher Knobeloch von Salmünster nach Steinau, der Gefangenaufseher Fehling von Hanau als Gerichtsdiener nach Spangenberg, der Schutzmann Seebrecht von Cassel nach Koblenz zum 1. Februar 1910. — Verliehen: der Charakter als Geheimer Justizrat den Amtsgerichtsräten Spangenberg in Allendorf a. W. und Hatzseld in Biedenkopf. — In den Ruhestand versetzt: die AmtsgerichtSsckretäre Obersekretär Holm in Hanau und Jordan in Schenklengsseld, der Gerichtsvollzieher Smith in Hanau. — Entlassen: die Gerichtsassessoren Psannstiel infolge Zulassung zur Rechte anwalt- schast bei dem Amtsgericht in Mclsungen, Loebell auf Antrag, der Referendar Keller aus Antrag.
):( Hersfeld, 24. Dezember. Morgen sind es 20 Jahre seitdem Herr Hoteldicner I u st u s O t t e r b e i n bei Herrn Reinh. Kniese (Hotel zum Stern) in Diensten steht. Für treue Pflichterfüllung während dieser Reihe von Jahren wurde ihm von feiten seines Prinzipals eine goldene Uhr überreicht. -
§ Hersfeld, 24. Dezember. (Neujahrsbrief- verkehr.) Die ordnungsmäßige Bestellung der NeujahrS- bricse ist nur dann gesichert, wenn die Aufschrift der aufgelieferten Sendungen die genaue Angabe der Wohnung enthält. Bei Postsendungen nach Berlin ist es ersorderlich, außer der Wohnungsangabe auch die Bezeichnung des Post- bezirks (N. S. SW. usw.) zuzusetzen. Es liegt im eigenen Interesse des Publikums, wenn es nach diesen Bestimmungen versährt. Da in den letzten Tagen des Monats erfahrungsgemäß ein sehr starker Andrang zu den Postjchaltern stattfindet, ist es für das Publikum zweckmäßig, den Einkauf von Marken nicht erst in den letzten Tagen vor Neujahr vorzu- nehmen, da es sich alsdann nicht vermeiden läßt, daß daS Publikum trotz der Vermehrung des Personals vor den übei= füllten Schaltern warten muß.
Heringen, 21. Dezember. Der Schmiedelehrling Moritz Rudolf von hier wollte heute in Abwesenheit des Meisters allein mit einem anderen Lehrling ein Wagenrad an einem großen Erntewagen anbringen. Plötzlich versagte die den Wagen hochhaltende Stütze und schlug dem Genannten das rechte Bein mitten entzwei. Der Verunglückte wurde dem Landkrankenhause in Hersfeld zugesührt.
Schwein«, 21. Dezember. Von einem recht betrübenden Unglücksfall wurde die Familie unseres Herrn Gemeindcvor- stand Kaiser betroffen. Als vorgestern Abend Frau Kaiser im Begriff stand, ihr einziges 2^2jähriges Söhnchen zu baden und in die Badewanne kochendes Wasser goß, setzte sich, ehe die Frau kaltes Wasser zuschütten konnte, daS Kind in die Wanne. Das kleine Wesen hat derartige Verbrühungen davongetragen, daß es nach einem Tag qualvollen Leidens gestorben ist.
Fritzlar, 20. Dezember. Der Firma Gebrüder Dietrich, Fritzlar wurde der Aujtrag zur Lieferung des gesamten Bedarfes an Baukalk für die Edertalsperre übertragen; derselbe beläuft sich aus ca. 1400 DoppelwaggonS. Die Lieferung wird, da an die Qualität des Kalkes die höchsten Ansprüche gestellt sind, in dem zu Bau- und Düngezwecken gleich gut geeigneten nnd sehr ergiebigen Kalke der Sauerländischen Kalkindustrie, Messinghausen ausgeführt werden.
Marsberg, 22. Dezember. Aus der Fahrt von Lüden- scheid nach Warburg-Cassel rc. hat sich ein schwerer Automobilunfall infolge der eingetretenen Glätte ereignet. Der Kraft- wagen rutschte an einer abschüssigen Stelle der Landstraße bei Attendorn ab, stürzte in den Straßengraben und alle drei Insassen wurden hinausgeschleudert. Sie erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Der Wagen wurde zertrümmert.
Bebra, 21. Dezember. Ein junges Mädchen auS Er- furt, daS bei Verwandten hier zu Besuch weilte, machte heute seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Liebeskummer soll das Motiv gewesen sein.
Weida, 20. Dezember. Zu einem schweren Unglücksfall führte hier eine Nachaffäre von Ringkämpsen, wie sie in Vari4t4theatern stattfinden. Im Restaurant Wiedenburg beschäftigten sich am Freitag abend junge Leute mit solchen Ringkämpfen, die sie in einem Geraer Variätä gesehen hatten. Dabei wurde der 21 Jahre alte Willy Karl Morgner so un- glücklich zu Boden geworfen, daß er gestern in der Jenaer Klinik an den Folgen einer schweren Gehirnerschütterung starb.
Wildungen, 21. Dezember. Durch Gasvergiftung wäre in der letzten Nacht fast die ganze Familie deS Friseur« W. Uebe zu Tode gekommen — es handelte sich nur noch um wenige Minuten. In der Frühe gegen 5 Uhr erwachte plötz- lich die kleine 10jährige Tochter, welche zusammen mit ihren Eltern und ihrer 15jährigen Schwester in einem Schlaszimmer schläft, und klagte über heftige» Herzpochen. Kurz nachein-