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1881 aber bereits all Präsident deS Reich-ratS nach Peter», bürg zurückberusen. AuS der Ehe de- verstorbenen Groß­fürsten mit der Prinzessin Cäcilie von Baden ging außer fünf Söhnen eine Tochter hervor, die Großfürstin Anastasia Michailowna, die sich im Jahre 1879 mit dem Großherzog Friedrich Franz IU. von Mecklenburg-Schwerin vermählte und die Mutter der Kronprinzessin de- Deutschen Reich- und von Preußen geworden ist.

PrinzEitrl Friedrich von Preußen und seine Gemahlin werden im nächsten Frühjahr al- Vertreter deS Kai- serpaareS der Feier de- 50jährigen Bestehen» des syrischen Waisenhauses in Jerusalem beiwohnen. Die prinzlichen Herr­schaften treffen am 7. April in Jerusalem ein und gedenken daselbst bis zum 18. oder 19. April zu verbleiben. Die ge­nannte Feierlichkeit selbst findet am 12. April statt.

In Hamburger Reederkreisen rührt man sich energisch zu­gunsten der Firma Manne» wann in deren bekannter marokkanischer Angelegenheit. Im Namen des Verein- Ham­burger Reeder hat der Vorsitzende Generaldirektor Ballin eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in der er im Interesse der deutschen Schiffahrt und der deutschen Eisenindustrie drin­gend dämm gebeten wird, daß da- Reich den Gebrüdern Mannesman» die Bergwerkt-Konzeffionen in Marokko, die diese besitzen, unter allen Umständen sichere. Bisher, so wird in der Eingabe auSgesührt, hatten Hamburger und andere deut­schen Reedereien lohnende Beschäftigung beim Erztransport au- Schweden gesunden, aber dieser Verdienst sei durch die Pläne der Einschränkung der schwedischen ErzauSsuhr gefährdet. Darum sei dak Interesse der deutschen Schiffahrt an einer Ausbeutung neuer, eben der marokkanischen, Erzlager unter deutscher Kontrolle um so größer.

In der italienischen Deputiertenkammer hat Ministerpräsident Eonnino eine bedeutsame Rede gehaltm, in der er alle innern und äußern Angelegenheiten deS Lande» streifte. Die Beziehungen zu den verbündeten Mächten seien nie so vertrauensvoll gewesen wir in letzter Zeit. Der Drei­bund bedeute nach wie vor nicht nur einen mächtigen Faktor im Dienste deS Frieden», sondern auch die Garantie der italienischen Interessen. DaS ständige Ziel der italienischen Politik sei der Friede, indem gleichzeitig mit der Sicherheit de» Lande» dessen hohe moralische und wirtschaftliche Jnteresten ihren Schutz fänden. Diese Richtung der auswärtigen Politik werde die italienische Regierung unverändert beibehalten.

Zu stürmischen Szenen in der russischen Duma kam e» bei der Beratung über die Zulassung der nicht russischen Sprachen bei den örtlichen Gerichten. Der Abgeordnete Roditschef (Kadett) erklärte, daß die Abschaffung der den Polen durch die Grundgesetze gewährten Wahlrechte ungesetzmäßig gewesen sei. Diese Worte tiefen aus der Rechten und zum Teil auch bei den Nationalisten unglaubliche Lärm- szenen hervor. Man klappte mit den Pultdeckeln, und mehrere Nationalisten zerbrachen ihre Pulte in Stücke. Der Präsident versuchte vergeblich, die Ruhe wiederherzustellen und sah sich schließlich gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen. Daraus wäre der Abgeordnete Tumoschkin von der Rechten mit dem Kadetten Adschemow säst handgemein geworden; eine Prügelei wurde nur durch die Ordnung-beamten de- Hause» und durch die Freunde der beiden Abgeordneten verhindett.

AuS Brüssel wird gemeldet: Der Schluß der gestrigen Defiliercour vor dem Sarge der König» Leopold im König- lichen Schloß wurde durch einige wüste Szenen getrübt. Als mit einbrechender Dunkelheit die Parktüren geschloffen werden sollten, befand sich noch eine nach Tausenden zählende Menschenmenge davor, die Einlaß verlangte. Auf ihr lär- mende» Begehren wurde angeorbnet, noch einen Tmpp Be­sucher zuzulaffen, aber al» da» Tor sich wieder öffnete, stürzte die Menge in den Park hinein, Polizei, Beamte und Militär niebermerfenb. Verschiedene Personen wurden in dem wütenden Gedränge umgeworsen und verletzt. Von allen Seiten ertönte Geschrei, vielen wurden die Kleider vom Leibe gerissen und die Hüte ruiniert. Nachdem endlich Ordnung geschafft war, war der schöngepflegte Rasen vor dm Toren de» Palastes mit Kleidersetzen, zerbrochenen Stöcken, Schirmen und Hut­resten bedeckt.

Ueber eine Erschwerung der Einwanderung in die Verrinigten Staaten wird gemeldet: Da einige Dampfergesellschaften sich weigern, für die Begleichung der Hospitalrechnungen kranker Einwanderer auszukommen, hat die Einwanderung-kommission den Gesellschaften mitgeteilt, daß die Regierung für die Bezahlung der Krankenhau-rechnungen nicht verantwortlich sei, und daß da» Vorgehen der Gesell­schaften eine verstärkte Zurückweisung von Einwanderern zur Folge haben werde, die von heute ab erfolgen soll. Kranke Einwanderer, die an Land zu gehen versuchen, sollen zur Be­

immer wieder auf und setzten ihre Umgebung in Schrecken.

Dann kam auch der SanitätSrat Dr. Werner herbeigerilt und untersuchte daS schwerkranke Kind.

ES ist ein Krupphustenansall", erklärte der Arzt,der rauhe Wind der letzten Tage wird ihn verursacht haben", und dann ordnete er heiße Breiumschläge um den HalS der Pa- tientin und dir Einatmung von mit Latschenöl vermischten Wafferdämpsen für die kleine Patientin an. Ehe der Arzt fortging, untersuchte er aber noch einmal den HalS deS kranken Kinde» und sagte, er werde schon in zwei Stunden wieder- kommen, denn er hätte einige bedenkliche Veränderungen in Gerda» Halse wahrgenommen.

Und als einige Minuten später der SanitätSrat Dr. Wer­ner in Begleitung bei Kommerzienrate- die breite weiße Mar- mortreppe bet Villa Hinabstieg, sagte er halblaut zu diesem:

Verehrter Herr Kommerzienrat I Ich muß Ihnen jetzt die volle Wahrheit über Gerda- Krankheit sagen. Sie ist schwer krank, sehr schwer, er ist Krupp mit Diphtheriti». Die letztere ist im raschen Anzüge und droht Erstickung-gefahr, wenn nicht bald energisch eingeschrittm wird. Ich werde mich gleich zum Professor Hintzr, unserm größten Spezialarzt für solche Krank» heilen, begeben, und hoffe schon in einer Stunde mit Proseffor Hintze wieder hier zu fein. In Gegenwart der Patientin und Ihrer Frau Gemahlin wollte ich den Namen Diphtheriti-, der ein Schrecken vieler Familien ist, nicht au-sprechen, aber Ihnen muß ich die ganze Wahrheit offenbaren".

Barmherziger Gott, erhalte un- unser einzige- Kind!" jammerte der Kommerzienrat.Welch ein Unglück ist so jäh über un- hereingebrochen!"

Die Krankheiten verschonen weder die Paläste noch die Hütten", sagte der Arzt leise,und wir müssen dir schweren Prüfungen durch Krankheiten mit Mut und Hoffnung ertra- gm. Die Krankheit Gerda» ist ja auch noch kein verzweifelter Fall, benn ihrer Au»breitung kann durch eine Seriumeinspritz- ung wohl noch vorgebeugt werdm, und gegen die Erstickung»- gefahr muß Gerda nötigenfall» durch eine Lusttöhrenoperation geschützt werdm. Verzagen Sie also nicht, Hen Kommerzien­rat, ei ist noch berechtigte Au»ficht auf die Errettung Gerda»

handlung durch die Schiff-ärzte an Bord zurückgesandt werden.

Zum Bergarbeiterstreik in Australien wird au» Sydney gemeldet, daß die Bereinigung der Bergleute des Nordreviers an die zum Einlenken bereiten Bergleute der Süd- revier- ein Zirkular erlassen habe, in welchem diese ausgefor- dert werden, fest zu bleiben, und in dem sie erklärt, daß sie selbst die Löhne bei obligatorischen LohnamtS nicht annehme. Ferner wird gemeldet, daß die North Sydney Gas Company nicht mit Kohlen versehen, und daß 70 000 Einwohner abend» ohne Gasbeleuchtung seien.

Aus Provinz u. Nackbargebiet

"(MilitärsahrkartenfürdenBeurlaubten- st a n d.) Mit dem 1. Januar treten neue Verwaltung-tech- Nische Bestimmungen über die Verwendung von Militärsahr- karten für den Beurlaubtenstand in Kraft. Die Hauptsache ist jedenfalls die, daß nach wie vor jeder Reserve- oder Land­wehrmann, der sich vor dem Antritt einer militärischen Uebung ärztlich untersuchen lassen will, nach Vorzeigung deS Gestel­lungsbefehls bei der Fahrkartenausgabe eine Militärfahrkarte für die Reife zum Bezirkskommando erhält. Recht bcdauer- lich ist, daß nach dem neuesten statistischen AuSweiS der Zu­gang der Neurastheniker in der Armee sich innerhalb der letzten 10 Jahre um mehr als daS dreieinhalbfache gesteigert hat.

* (Die landwirtschaftlich bebauten Flächen in Hessen-Nassau.) Laut Statistik waren im Juni 1909 in Hessen-Nassau landwirtschaftlich bebaut 56 225 Hektar mit Winterweizen, 3817 Hektar mit Sommerweizen, 145 183 Hektar mit Winterroggen, 654 Hektar mit Sommerroggen, 23 837 Hektar mit Sommergerste, 152 385 Hektar mit Hafer, 87 077 Hektar mit Kartoffeln, 44194 Hektar mit Klee, 5354 Hektar mit Luzerne. Bewässerung-wiesen waren vorhanden 7407 Hektar, andere Wiesen 174 248 Hektar. Mit Winter- raps und Rüben waren bebaut 1414 Hektar, mit Hopsen 87 Hektar und mit Reben 3088 Hektar.

p. Hersfeld, 22. Dezember. (Winters Ansang.) Am 22. Dezember, mittag- 12 Uhr, wenn die Sonne auS dem Zeichen bei Schützen in da- bei SteinbockS tritt, legt der Herbst seine Regentschaft nieder. Der weißbärtige grimmig dreinblickende alte Herr Winter läßt sich auf dem Thron der Jahreszeiten nieder, um durch lange kalte Wochen hindurch daS Zepter zu schwingen. Der Winter ist ein harter Mann, kernsest und auf die Dauer. So fang einst Matthias Claudius von ihm. Hoffen wir, daß er ei diesmal gnädig mit uns meint und unS nicht allzustreng in seine eisigen Banden schlägt! Er braucht deshalb noch kein herrschmüder, tatenloser Gesell zu sein. Das wünschen wir gar nicht. Wohl mag er unS Frost und Schnee bescheren, auf daß wir uns am herr­lichen Eislauf, an luftigen Schlittenfahrten und anderen schönen Dingen, die unter seiner Regentschaft blühen, erfreuen können. Nur soll er ab und zu auch einmal Frau Sonne da» Wort erteilen, daß ihre wärmenden Strahlen hinunter- zugleitcn vermögen, zwischen den dichten Wolkenwänden hin­durch auf die erstarrte Erde und ihre frierenden Bewohner. Dann sind wir schon zufrieden. Wir wollen den Winter auch durchaus nicht unfreundlich empfangen. DaS wäre ungerecht. Denn auch er hat, wie jede Jahrr-zeit, seine guten Seiten. Er führt unS gesellig zusammen an seinen gemütlichen, langen Abenden, erfreut uni durch Konzerte, Bälle, Theatervor­stellungen aller Art, Verein-vergnügungen, Diners, Soupers, Kaffeekränzchen, und wie die winterlichen Genüsse alle heißen mögen. DaS liebe Weihnacht-sest leitet seine Regierung-zeit ein. Kein Wunder, daß besonder» die Kinder das Erscheinen deS Alten im weißen, bereiften Barte mit Jubel begrüßen, der ihnen die herrliche Zeit bringt, wo sie ruscheln, Schnee- ballschlachten auSsechten und Schneemänner bauen können, wo an den Fenstern über Nacht die zierlichsten EiSblumen er­blühen. Die Erwachsenen sehen dem kommenden Winter meist mit gemischten Gesühlen entgegen. Er führt nicht nur die teuere Zeit bei EinheizenS mit sich, seine lichtarmen Tage wecken auch gar traurige Stimmungen in unS, und die schneidende Kälte, die er daher schickt, hat oft schlimme Krank­heiten im Gefolge. Gründe genug, ihn zu fürchten. Hoffent­lich macht ei der diesjährige Winter nicht gar zu schlimm und läßt unS auch öfters einmal die Sonne scheinen.

p. HerSfeld, 22. Dezember. (Der WeihnachtS- b a u m.) Ein grüner Baum, so erzählt ein Domherr von Bremen in seiner Chronik bei europäischen Nordens aus dem Jahre 1067, habe vor dem Tempel zu Upsala in Schweden, unweit einer Quelle gestanden, der für heilig gehalten und bei dem geopfert wurde. Der immergrüne Baum wird eine Tanne gewesen sein. Schon die alten Deutschen trugen zur Winter-Sonnenwende beim Julfeste, gegen den 25. Dezember

vorhanden, und ich komme auch bald mit Professor Hintze wieder."

Mein arme- Kind, meine unglückliche Frau 1" seufzte der Kommerzienrat, al- er langsam die Treppe wieder hinausstieg und die rechte Hand vor seine Augen hiett, um den vorüber­eilenden Dienstboten seine über die Wangen rollenden Tränen nicht sehen zu lassen, denn noch sollte die Schwere von Gerda» KronkheitSsall im Hause verschwiegen und weder boi Kind noch dessen Mutter in Angst und Verzweifelung gejagt werden. Gerda war auch ein geistig sehr geweckte» Kind und besaß schon eine scharfe Beobachtungsgabe. Sie hatte also sicher auch schon die Fähigkeit, die Gefahr der gesürchteten Diph­theriti» zu erkennen, zumal wenn sie ihre Umgebung mit den Mienen großer Angst sehen sollte. Der Kommerzienrat zwang daher mit aller Kraft seine schmerzliche Erregung nieder, und sagte scheinbar ganz ruhig bei dem Eintritte in da» Kranken- zimmer zu seiner Frau:

Der Vorsicht halber werde ich auch den berühmten Kin­derarzt Proseffor Hintze kommen lassen, er mag Gerda auch untersuchen und mithelsen, daß sie bald wieder gesund wird. Solche Anfälle von Krupphusten gehen oft in wenigen Stun­den vorüber, und dann braucht der Patient nur einige Tage Schonung, um wieder ganz gesund zu werden."

Die Frau Kommerzienrat saß neben Gerda» Bett, deren rechte Hand haltend, und blickte bei diesen Worten ihre» Ge­mahle» hoffnungslos zu ihm auf. Und dann waren die El­tern und die Gouvernante bemüht, der kleinen Patientin in ihrer schweren Krankheit und zumal bei den entsetzlichen Krupp­hustenanfällen beizustehm und ihr Leiden lindern zu helfen.

Nach etwa einer Stunde erschien auch Proseffor Dr. Hintze, ein sehr ernster, bleicher Mann, in Begleitung des Sanität-, rate- Dr. Werner, und der Diener des Professor- hatte auch schon zwei schwarze Kästchen mit chirurgischen Instrumenten und einige Fläschchen mitgebracht.

Mit großer Geschicklichkeit und Ruhe untersuchte Professor Hintze da- kranke Kind, und dann machte er sofort eine Heil- ferumeinspritzung bei der Patientin.

Der Zustand der Kranken ist bedenklich, aber nicht hoff- nungllol", erklärte er dann.

grüne Tannenzweige in den Händen. Auch feierten sie die sogenannteMitternacht" . . .Modrnacht" ... als Geburt«, nacht der Sonne. Da zogen sie denn hinaus in den dunkeln Wald, sammelten sich unter den hohen Tannen, behingen diese mit allerlei Flitterwerk und erleuchteten sie durch mit­gebrachte Fackeln. In vielen Gegenden Schwedens gehören Tannenzweige zum bestimmten WeihnachtSschmuck. Man be­kränzt alles mit Tannengrün, wie in England mit Mistel­zweigen und Stechdorn. Zwei Tannenzweige werden kreuzwei» vor die Tür gestellt. Weil der LebenSbaum im Paradiese Aepfel trug, so ist eS nicht von ungesähr, daß man Aepfel in die WeihnachtStonne hing, welche ein Gleichnis von jenem LebenSbaum in EdenS Garten sein sollte. Aus allen Bildern kirchlicher Kunst wird das Jesuskind mit einem Äpfel in der Hand dargestellt, denn es reicht unS die Frucht zum Leben als zweiter Adam, wie der erste Adam sich diese Frucht zum Tode nahm. Uralt ist auch die Sage, daß die Bäume in der WeihnachtSnacht anfangen zu blühen, und daß der Kreuzesbaum in derselben Nacht Plötzlich blutrote Früchte ge­zeitigt haben soll. Aepsel und Nüsse vereint kommen auch schon in der alten Götterlehre vor. Jduna, die liebliche Göttin der Jugend, verwahrte in einer Truhe elf Aepsel des Leben-, von denen die Götter täglich speisten, um sich ewige Jugend zu erhalten. So ist unser lieber WeihnachtSbaum samt den Früchten, welche ihn zieren, rein deutschen Ursprung-, und wo Deutsche wohnen, in allen Erdenzonen, da erhellt ein Christbaum .... und wenn ei auch keine Tanne ist ... . tröstlich und lebenverheißend die winterliche Erdennacht.

):( Hersfeld, 22. Dezember. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr landete in der Nähe unserer Stadt bei dem Ritter­gut Meisebach ein Luftballon. Derselbe war um 10 Uhr vormittag- in Düsseldorf ausgestiegen, und war mit einer Dame und drei Herren besetzt. Die Landung ging glatt von statten. Der Ballon führte den NamenAberkron",

):( Hersfeld, 22. Dezember. Der Kommandeur der hiesigen Kriegsschule, Herr Major H a e v e r n i ck, wurde zum Oberstleutnant befördert.

Aus dem Kreise Hersfeld, 19. Dezember. Ein AuSzüger von AuSbach war am Freitag in SchenklengSjeld gewesen. Die Dunkelheit war bereits eingetreten, alS er auf dem Heimweg war. Um den Weg zu kürzen, überschritt er den Kirchhof. Da fühlt er plötzlich einen Schmerz im Arm. Wer packt mich am Aermel?" ruft er aus, sieht aber zu seinem Erstaunen niemand. DasUnding" hält seinen Arm fest, biS er bestürzt daheim anlangt. Schnell wird der Rock abgeworsen und aus dem Aermel springt eine Maus! Sie hatte ihre Wohnung im Futter aufgeschlagen.

Bebra, 19. Dez. Aus der abschüssigen OrtSstraße ver­unglückte heute der Einwohner G. dadurch, daß sich die Deichsel vom Wagen löste und die Pserde durchgingen. G. wurde vom Wagen geschleudert und eine Strecke geschleift. Die Pserde rannten mit dem Wagen mit solcher Wucht gegen ein Haus, daß ein Treppenvorbau fortgerffen wurde. Der Verunglückte hat Verletzungen an Kops und an den Beinen davongetragen, die zum Glück nicht ernster Natur sind. Die Pserde blieben bei dem Unfall unversehrt, der Wagen hingegen ging in Trümmer.

Niederklein, 20. Dez. Eine aus einigen 40 Köpsen bestehende Zigeunerbande, von der ein Mitglied beschuldigt war, in Witteltberg (Kr. Marburg) einen dortigen Emwohner durch Revolverschüsse schwer verletzt zu haben, zog vorgestern durch unser Dors und wurde lautFuld. Ztg." von mehreren Gendarmen sestgenommen. Dem Altentäter gelang es jedoch, im nahen Walde zu entkommen; die sofortige Verfolgung blieb erfolglos.

Hallenberg, 20. Dez. Aus Station Gummersbach wur­den dem Rottenarbeiter Gosser, der noch rasch vor einer be­reits heranbrausenden Maschine das Bahngleis überspringen wollte, beide Beine abgesahren.

Großenenglis, 20. Dezember. Heute wurden drei junge Burschen, die ein Schriftstück sehr beleidigenden Inhalts, der sich auf eine hiesige Familie bezog, angefertigt und an ein Haus des Ortes angeschlagen und den Inhalt auch sonst ver­breitet hatten, nach sehr langer Verhandlung vom Schöffen- gericht in Fritzlar mit einer Geldstrafe von je 60 M. hilsSweise 12 Ta;e Gefängnis bestraft. In der Urteilsbegründung war gesagt, daß von einer Freiheitsstrase nur deshalb abgesehen worden sei, weil die Agkl. noch jung und unbestraft feien.

Friedberg (Hessen), 19. Dezember. Als das Dienstmädchen einer hiesigen Familie heute morgen nicht erschien, sorschte man nach ihm und fand es besinnungslos in seinem Bette liegend. Es stellte sich heraus, daß Leuchtgasvergistung vorlag. Bei näherer Untersuchung ergab sich, daß an dem vor dem HauS vorbeijührenden Hauptrohr ein D^sekt war, von wo

Bitte, bleiben Sie einige Zeit bei meinem armen Kinde Herr Proseffor", bat der Kommerzienrat,Ihre Anwesenheit flößt uns so viel Hoffnung und Vertrauen ein, und meine Frau und ich haben doch eine recht große Sorge wegen der Krankheit."

Ich werde so lange hier bleiben, bis ich sehe, ob eine Besserung oder Verschlimmerung in dem Befinden der Patientin eingetreten ist, denn die tückische Krankheit erfordert zuweilen einen raschen Eingriff", erklärte Professor Hintze, und er setzte sich nun mit dem SanitätSrat neben das Bett des kranken KindeS, und beide Aerzte beobachteten jetzt scharf Gerdas Atem­züge und Atemnot und die in gewissen Zwischenräumen statt- findenden Hustenansälle. AlS die letzteren häufiger und be- ängstigender wurden, nahm Professor Hintze noch eine Unter­suchung der Patientin vor, und dann flüsterte er ganz leise dem Kommerzienrat einige Worte inS Ohr, und dieser geleitete dann feine bestürzte Gemahlin auS dem Krankenzimmer und brächte sie hinab in die Wohnräume der ersten Etage der Villa.

Fasse Dich, meine liebe Frau", sagte der Kommerzienrat dort wiederholt zu seiner Gemahlin,die Operation muß statt- finden, um Gerda am Leben zu erhalten, denn sonst läuft sie Gefahr zu ersticken. ES ist, wie mir Professor Hintze ver­sicherte, nur ein einziger Luftröhrenschnitt notwendig, der keine-- weg- zu den schwierigen und gefahrvollen Operationen gehört und der in Tausenden von Fällen schon gemacht worden ist und zur Heilung der jch>oeren Halskrankheiten beigetragen hat. In wenigen Minuten ist auch von der geschickten Hand des Professor die ganze Operation vollzogen und große Schmerzen empfindet Gerda dabei nicht.

(Fortsetzung folgt.)

L uzern, 21. Dezember. In Hubschür, einem Pacht- Hof bei Hellbül, wurden heute nacht die PächtcrSsrau und zwei Knechte erschossen im Bett ausgesunden. Der Pächter, Viehhändler Bisang, ein Vater von sieben unmündigen Kindern, wird vermißt. Die Mörder hatten auch an daS PächterhauS Feuer angelegt.